Was geschah am 26.06. im Jahr ...

1945

Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU) erläßt ihren Gründungsaufruf, der zur Sammlung der christlichen, demokratischen und sozialen Kräfte des deutschen Volkes auffordert. Er verlangt einen in strenger Sparsamkeit, weitgehend auf Selbstverwaltung und ehrenamtliche Mitarbeit gegründeten Aufbau des öffentlichen Lebens, einen von der Kirche geleiteten Religionsunterricht als Bestandteil der Erziehung, unter Bejahung des Privateigentums die Verstaatlichung der Bodenschätze sowie die klare Unterwerfung der monopolartigen Schlüsselunternehmen der Wirtschaft unter die Staatsgewalt und begrüßt die Schaffung einer einheitlichen Gewerkschaftsbewegung. Der Aufruf ist unterzeichnet von Andreas Hermes, Heinrich F. Albert, Hans v. Arnim, Eduard Bernoth, Theodor Bohner, Emil Dovifat, Margarete Ehlert, Josef Ersing, Johann Eudenbach, Ferdinand Friedensburg, Willy Fuchs, Otto-Heinrich v. d. Gablentz, Wilhelm Happ, Peter Hensen, Artur Herzog, Ernst Hülse, Paulus van Husen, Jakob Kaiser, Heinrich Krone, Ernst Lemmer, Otto Lenz, Hans Lukaschek, Reinhard Moeller, Katharina Müller, Elfriede Nebgen, Otto Nuschke, Rudolf Pechel, Eberhard Plewe, Ferdinand Sauerbruch, Walther Schreiber, Martin Schwab, Hildegard Staehle, Theodor Steltzer, Heinrich Vockel und Paul Graf Yorck v. Wartenburg.

Das Deutsche Theater in der Schumannstraße im Bezirk Mitte wird mit der Aufführung des Lustspiels von Friedrich Schiller "Der Parasit" wieder eröffnet. Mitwirkende sind unter anderen Elsa Wagner, Antje Weisgerber, Paul Bildt, Walter Franck und Aribert Wäscher.

1946

Das Koordinierungskomitee des Alliierten Kontrollrats bestätigt in seiner 61. Sitzung die Direktive Nr. 32 über Disziplinarmaßnahmen gegen leitendes Verwaltungspersonal der Schulen sowie gegen Lehrer und Studierende, welche sich der Verbreitung militaristischer, nationalsozialistischer oder antidemokratischer Propaganda schuldig machen.

Eine britische Unterhausabordnung trifft in Berlin zum Studium der politischen und sozialen Einrichtungen der Stadt ein und empfängt die Vorsitzenden der Berliner politischen Parteien zu einer Aussprache.

1947

Der Magistrat erhebt bei der Alliierten Kommandantur unter Berufung auf den Befehl Nr. 4 des Kontrollrats Einspruch gegen die Beschlagnahme der Zentralstelle für Zeitgeschichte in der Breiten Straße, sowjetischer Sektor, durch die sowjetische Militärverwaltung, da nach seiner Auffassung die Beschlagnahme einer gesamtstädtischen Einrichtung nur Sache der Alliierten Kommandantur, jedoch nicht eines einzelnen Stadtkommandanten sein kann.
Die Zentralstelle für Zeitgeschichte war am 1. März 1946 (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 1.3.1946) gegründet worden und enthielt auch Restbestände der ehemaligen Reichstagsbibliothek und des ehemaligen Instituts für Zeitungswissenschaften der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.

1948

Das britische Außenministerium stellt nach zwei Sondersitzungen des Kabinetts in einer amtlichen Erklärung fest, daß die sowjetische "Aushungerungskampagne" gegen die hilflose Berliner Bevölkerung die Sicherung politischer Vorteile auf Kosten der anderen alliierten Mächte bezwecke. Die Weltmeinung verurteile den skrupellosen Versuch der Sowjetregierung, einen Belagerungszustand zu schaffen. In der Erklärung, die von amerikanischen Regierungsvertretern unterstützt wird, betont Großbritannien seine Entschlossenheit, in Berlin zu bleiben. Der Führer der konservativen Opposition, Winston Churchill, bekräftigt nachdrücklich diese Entschließung.
Der französische Außenminister Georges Bidault erklärt die Bereitschaft Frankreichs, eine Lösung der Berliner Krise mit der Sowjetunion auf dem Verhandlungswege anzustreben.

Beginn der organisierten Luftversorgung Berlins über die Luftbrücke als "Operation Vittles" der amerikanischen Streitkräfte. Als Stützpunkt dient der im Stadtgebiet gelegene Flugplatz Tempelhof im amerikanischen Sektor. Gleichzeitig werden erstmals Industriewaren aus den Westsektoren in die Bizone abgeflogen.

Die amerikanische Militärregierung ordnet die Einstellung der Gaslieferung in die zur sowjetischen Besatzungszone gehörenden Randgebiete um Berlin an. Damit wird auch die Villa des sowjetischen Oberbefehlshabers, Marschall Sokolowski, in Babelsberg von der Gasversorgung abgeschnitten.

Die sowjetische Zentralkommandantur verbietet der Berliner Post die Annahme von Briefen, die mit Postwertzeichen der Westzonen oder der westlichen Sektoren frankiert sind. Briefe, die mit Postwertzeichen aus der Zeit vor der Währungsreform frankiert sind, müssen befördert werden. Diese Wertzeichen besitzen jedoch nur noch 1/10 ihres Nennwertes.

Die Abteilung für Post- und Fernmeldewesen des Magistrats ordnet im Hinblick auf den Geldumtausch für die Postämter von Groß-Berlin bis auf weiteres die Einstellung des Zahlungsverkehrs im Postanweisungs- und Postscheckdienst an.

Das Schulgesetz für Groß-Berlin wird vom Magistrat veröffentlicht. Es wird von der Alliierten Kommandantur durch BK/O (48) 88 vom 22. Juni 1948 mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in Kraft gesetzt. Die Alliierte Kommandantur behält sich jedoch unter Berufung auf BK/O (46) 77 vom 1. Februar 1946 das Recht vor, in Zukunft außer den bereits bestehenden Privatschulen eine weitere kleine Anzahl zuzulassen, die eine Berufs- oder Allgemein-Ausbildung bieten.
Das Schulgesetz sieht für Berlin die Einführung einer organisch aufgebauten zwölfklassigen Einheitsschule vor. Zu seinen wesentlichsten Punkten gehören die Einführung des neunten Schuljahres, die gesetzliche Festlegung der Elternausschüsse, die Schülerselbstverwaltung und die Koedukation. Im siebenten und achten Schuljahr ist, eine Aufgliederung in Kern- und Kursunterrichte vorgesehen, wobei auch die alten Sprachen berücksichtigt werden. Der Religionsunterricht wird von den Kirchen durchgeführt. Für ihn sind wöchentlich zwei Stunden als erste oder letzte im Stundenplan freizuhalten. Ferner dürfen am Religionsunterricht nur diejenigen Kinder teilnehmen, deren Erziehungsberechtigte bei ihrer Religionsgemeinschaft eine entsprechende schriftliche Erklärung abgegeben haben.
Der Besuch aller öffentlichen Schulen und Schulkindergärten, die gleichfalls in dem Gesetz vorgesehen sind, ist unentgeltlich. Für sogenannte Versuchsschulen gelten besondere Bestimmungen.
Der Schlußparagraph des Gesetzes besagt, daß die Bestimmungen des Gesetzes durch eine spätere gesamtdeutsche Regelung, mit der sie möglicherweise in Widerspruch stehen, aufgehoben werden können.

Die Amtsärzte beraten im Landesgesundheitsamt die durch die Stromsperren entstandene Notlage. Selbst Krankenhäuser mit eigenem Stromaggregat können während der Sperrstunden keine Röntgenaufnahmen mehr machen, was die Behandlung gerade von Knochenbrüchen empfindlich verzögert. Die wichtigste Arbeit der Tbc-Fürsorgestellen, die Durchleuchtungen, mußte eingestellt werden.
Da auch die Lieferung von Medikamenten aus der sowjetischen Besatzungszone in die Westsektoren durch eine sowjetische Anordnung untersagt wird, verbietet der amerikanische Stadtkommandant, Oberst Howley, ebenfalls sofort die Lieferung von Medikamenten in den sowjetischen Sektor.

Im U-Bahn- und Straßenbahnverkehr der Westsektoren wird auf Grund der Stromeinschränkungen die Zugfolge vermindert.

1949

Der Vorstand der Eisenbahner-Gewerkschaft beschließt in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Bundesvorstand der UGO, den Streik am 28. Juni, 8 Uhr, auf Grund des Schreibens der westlichen Stadtkommandanten an Oberbürgermeister Professor Reuter abzubrechen.

Im ersten internationalen Fußballspiel der Nachkriegszeit in Berlin schlägt die schwedische Mannschaft von AIK Stockholm den Berliner Meister BSV 92 im Olympiastadion vor 40 000 Zuschauern mit 3:1 Toren.

1950

Auf Anordnung der britischen Militärregierung werden die an den Westberliner Schleusen wegen unvollständiger Begleitpapiere festgehaltenen Frachtschiffe aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet, deren Zahl inzwischen auf 76 angewachsen ist, freigegeben. Bereits seit etwa einer Woche wurden Westberliner und westdeutsche Frachtschiffe am Interzonen-Schiffskontrollpunkt Wittenberge von den Kontrollbehörden der sowjetischen Besatzungszone wieder ungehindert abgefertigt. Die britische Anordnung erfolgt unmittelbar nach einem Besuch des Vertreters der Sowjetischen Kontrollkommission in Berlin, Dengin, beim britischen Stadtkommandanten, Generalmajor Bourne. Dabei wurde die Normalisierung des Schiffsverkehrs besprochen und weitere britisch-sowjetische Gespräche über diese Frage vereinbart. Damit findet der durch die Maßnahmen der Behörden des sowjetischen Besatzungsgebiets ausgelöste sogenannte "Schleusenkrieg" vorläufig ein Ende.

Die französische Fluggesellschaft "Air France" eröffnet ihren Linienverkehr auf der Strecke Berlin-Hamburg mit vier Flügen wöchentlich.

1950

Mehr als hundert Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler und Politiker aus einundzwanzig Ländern Europas und der übrigen freien Welt kommen in Berlin zu einem "Kongreß für kulturelle Freiheit" zusammen. Zu den Teilnehmern des Kongresses gehören unter anderem Franz Borkenau, Hendryk Brugmans, Margarete Buber-Neumann, James Burnham, Werner Egk, Froede Jacobsen, Panayotis Kanellopoulos, Arthur Koestler, Eugen Kogon, Haakon Lie, Peter de Mendelssohn, Nicolas Nabokow, Boris Nikolajewski, Rudolf Pechel, Andre Philip, Theodor Plivier, Wilhelm Röpke, Jules Romains, Eugen Rosenstock-Huessy, Denis de Rougemont, David Rousset, Arthur M. Schlesinger jr., Carlo Schmid, Ignazio Silone, Renee Sintenis, Dolf Sternberger, H. R. Trevor-Roper und Alfred Weber. Generalsekretär des auf verschiedene private Initiativen in Europa und Amerika zurückgehenden Kongresses ist der amerikanische Publizist Melvin J. Lasky.
Nach einer feierlichen Eröffnungssitzung im Titania-Palast im Bezirk Steglitz unter Vorsitz von Oberbürgermeister Professor Reuter finden an den beiden nächsten Tagen neben einer Reihe von Rahmenveranstaltungen vier öffentliche Arbeitssitzungen des Kongresses statt. Die Arbeitssitzungen behandeln die Themen: "Wissenschaft und Totalitarismus", "Kunst, Künstler und Freiheit", "Der Bürger in einer freien Gesellschaft" und "Die Verteidigung von Frieden und Freiheit". In einer Schlußkundgebung im Sommergarten am Funkturm, an der rund 15 000 Berliner teilnehmen, werden eine Botschaft an die Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler hinter dem Eisernen Vorhang und ein Manifest des Kongresses verkündet, das zur Situation der geistigen und kulturellen Freiheit in der Welt programmatisch Stellung nimmt.
Gemäß dem Wunsch der Mehrzahl der Kongreßteilnehmer, den Kongreß für kulturelle Freiheit in eine ständige Einrichtung umzuwandeln, wird ein internationaler Ausschuß gewählt, der die Errichtung eines Generalsekretariats in Paris sowie weitere Schritte vorbereiten soll.
Als eine der bedeutendsten Manifestationen der geistigen und kulturellen Kräfte der freien Welt nach dem Kriege findet der Kongreß für kulturelle Freiheit in Berlin eine starke Anteilnahme in der Berliner Öffentlichkeit und darüber hinaus auch in Westdeutschland sowie im Ausland.

1951

Der stellvertretende sowjetische Außenminister Gromyko berichtet auf der Rückreise nach Moskau dem stellvertretenden "DDR"-Ministerpräsidenten Ulbricht über die Ergebnisse der Pariser Konferenz der Außenministerstellvertreter der vier Großmächte.
Die seit dem 5. März bis 22. Juni in Paris tagenden Außenministerstellvertreter hatten die Aufgabe, die Tagesordnung für eine Konferenz der vier Außenminister auszuarbeiten, auf der das Deutschlandproblem behandelt werden sollte. Die mehrmals unterbrochene Konferenz scheiterte vor allem an der sowjetischen Forderung, auch den Atlantikpakt und die militärischen Stützpunkte im Ausland als Themen auf die Tagesordnung zu setzen, was von den Westmächten abgelehnt wurde.

Der Berliner Vertreter der SKK, Dengin, protestiert in einem Schreiben an den amerikanischen Stadtkommandanten, Generalmajor Mathewson, gegen die "Verunglimpfung" des sowjetischen Panzerdenkmals an der Potsdamer Chaussee im Bezirk Zehlendorf durch West-Berliner und die Haltung der amerikanischen Behörden gegenüber dieser "schändlichen Tat". Er fordert deshalb von ihnen Maßnahmen, die die "gebührende Achtung vor dem Denkmal der sowjetischen Panzersoldaten gewährleisten".

17. (Außerordentliche) Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Das Abgeordnetenhaus übernimmt das Bundesgesetz zur Änderung des Umsatzsteuergesetzes und des Beförderungsgesetzes, wodurch beide Steuern auf vier Prozent angehoben werden. Der Abgeordnete Günzel (FDP) bedauert eine Umsatzsteuererhöhung gerade für Berlin, da es in seiner Produktionskapazität noch weit hinter dem Bund liegt. Andererseits müsse Berlin in allen rechtlichen und finanziellen Fragen mit dem Bund zusammengehen und auch mögliche Verschlechterungen in Kauf nehmen.

Die Berliner DAG fordert in einer Eingabe an die drei Fraktionen des Abgeordnetenhauses die Verabschiedung eines Berliner Personalgesetzes vor der Übernahme der bundesgesetzlichen Regelung gemäß Art. 131 GG. Die beabsichtigten gesetzlichen Maßnahmen dürften die im aktiven Dienst stehenden Verwaltungsangehörigen in keiner Weise benachteiligen. Für Nutznießer des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 sollte Art. 131 GG nicht gelten. Dagegen fordert der Landesverband Berlin des Deutschen Beamtenbundes in einem Telegramm an Bundespräsident Professor Heuss die Angleichung der Berliner Pensionsregelung an die des Bundesgebietes und die Übernahme der Leistungen nach Art. 131 GG auch für Berlin.

1952

Die alliierten Hohen Kommissare erinnern den Vorsitzenden der SKK, Armeegeneral Tschuikow, in gleichlautenden Schreiben an ihre bislang nicht beantwortete Protestnote gegen die Beschießung eines französischen Verkehrsflugzeuges durch sowjetische Düsenjäger und sprechen die Erwartung aus, daß Tschuikow dieser "schwerwiegenden Angelegenheit" seine persönliche Aufmerksamkeit widmet und ihre beschleunigte Erledigung veranlaßt.

220. Sitzung des Deutschen Bundestages. Der SPD-Abgeordnete Friedrich-Wilhelm Wagner begründet eine Anfrage seiner Fraktion, worin die Bundesregierung um Auskunft über das Ergebnis ihrer Verhandlungen mit der amerikanischen Hohen Kommission im Fall Kemritz ersucht wird. Im Hinblick auf das Memorandum der Bundesregierung (vgl. S. 359, Nr. 35) bemängelt er, daß kein Auslieferungsantrag gestellt wurde.
Bundesjustizminister Dr. Dehler gibt noch einmal einen Überblick über die erfolglosen Verhandlungen mit amerikanischen Dienststellen, um eine Aburteilung von Kemritz vor einem deutschen Gericht zu ermöglichen. Auch die Zusage des amerikanischen Hochkommissars McCloy, Kemritz vor ein amerikanisches Gericht zu stellen, sei bisher nicht erfüllt worden. Die letzte Mitteilung der amerikanischen Hohen Kommission besage, daß Kemritz sich im Ausland befinde, nach Informationen der Bundesregierung in den Vereinigten Staaten. Ein Auslieferungsbegehren könne nicht gestellt werden, da kein Auslieferungsvertrag mit den Vereinigten Staaten bestehe.
Der Berliner CDU-Abgeordnete Dr. Friedensburg fordert die Bundesregierung auf, die amerikanischen Behörden zu ersuchen, Kemritz vor ein amerikanisches Gericht zu stellen. Weiter müßte durch Verhandlungen erreicht werden, die Hinterbliebenen der Opfer von Kemritz zu entschädigen und sie von dem Ruf, "Kriegsverbrecher" zu sein, in den sie durch Äußerungen des amerikanischen Hohen Kommissars McCloy gerieten, zu befreien.

Während der dritten Beratung des Änderungsgesetzes über die Selbstverwaltung und über Änderungen der Sozialversicherung beantragt die Abgeordnete Kalinke (DP) im Namen ihrer und der FDP-Fraktion die Aufnahme einer Berlin-Klausel in das Gesetz. Bundesarbeitsminister Storch hält das für nicht notwendig, da die Berliner Rentenversicherung der in der Bundesrepublik ohnehin völlig angeglichen werden soll. Weil die Krankenversicherung aber ohne Lastenausgleich der Berliner Versicherungsträger arbeiten muß, solle diese Entwicklung den Berlinern selbst überlassen und die Berlin-Klausel nicht eingeführt werden. Keinesfalls dürfe der Eindruck entstehen, daß vom Bund her den Berlinern auf irgendeinem Gebiet Gewalt angetan werde.
Nach Meinung des CDU-Abgeordneten Josef Arndgen müsse die Angleichung der Krankenversicherung auch in Berlin erfolgen, wobei es jedoch auf den richtigen Zeitpunkt ankomme, um kein "soziales Porzellan" zu zerschlagen. Die in Kürze zu erwartende Aufgliederung der VAB in eine Landesversicherungsanstalt und eine eigenständige Krankenversicherung gestalte die Berliner Sozialversicherung völlig neu, so daß sich die Berliner Bevölkerung daran erst einmal gewöhnen müßte.
Die Berliner Abgeordnete Louise Schroeder (SPD) weist bei ihrer Ablehnung der Berlin-Klausel darauf hin, daß es in der Stadt etwa 700 000 Arbeitslose sowie Renten- und Sozialunterstützungsempfänger gibt, die durch eine gespaltene Krankenversicherung nur unzureichend versorgt werden könnten, da Personen mit höherem Einkommen dann in die Ersatzkassen einträten. Schließlich sei es doch der Gedanke der Sozialversicherung, "die Risiken der Schlechtergestellten mit denen der Bessergestellten auszugleichen".
Mit den Stimmen der CDU/CSU und SPD wird der Antrag der FDP und DP abgelehnt. Das Gesetz selbst wird gegen die Stimmen der SPD und KPD angenommen.

1952

Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof D. Dr. Dibelius, unterrichtet Sowjetzonen-Ministerpräsident Grotewohl von den zahlreichen "erschütternden Hilferufen", die den Rat aus den Gliedkirchen im Gebiet der "DDR" von Menschen erreichten, deren Angehörige plötzlich verhaftet würden, und die dann keinerlei Nachricht und Auskunft über die Ursache der Verhaftung und das weitere Schicksal der Verhafteten erhielten. Die Kirche mache sich aus christlicher Verantwortung zum Sprecher der bedrängten Menschen und richte daher an die "DDR"-Regierung die dringende Bitte, dafür zu sorgen, daß die Familien über jede Verhaftung alsbald Nachricht erhalten und auch den Verhafteten Auskunft über die für ihn gegebenen Rechtsmöglichkeiten erteilt wird, wie es auch die Verfassung der "DDR" vorsieht.
Darüber hinaus halte es die Kirche auch für unerträglich, wenn immer wieder versucht werde, "einzelne Personen unter Ausnutzung ihrer besonderen Notlage zu veranlassen, gewisse Stellen mit bestimmten Nachrichten zu versehen". Die Kirche könne die "DDR"-Regierung daher nur noch einmal ersuchen, alle diese Anliegen zu prüfen und ihnen Rechnung zu tragen.

In einem weiteren Schreiben bittet Bischof Dibelius die SKK, das Strafverfolgungsverfahren in politischen Fällen zu ändern. Ihre Organe ergriffen - offenbar, weil sie es zum Schutz der Besatzungsmacht für erforderlich hielten - neben den deutschen Behörden oft eigene Maßnahmen. Die Kirche vermöge zwar nicht die Notwendigkeit solcher Schritte zu beurteilen, müsse jedoch klar zum Ausdruck bringen, wie radikal die dabei angewandten Methoden der Rechtsüberlieferung und dem Rechtsbewußtsein widersprächen, so daß "das Volk sich einer Gewalt ausgeliefert glaube, die Schrecken verbreiten, nicht Recht schaffen will".
Die Kirche sehe mit "tiefer Trauer", wie viele Möglichkeiten zur Versöhnung, zu der das deutsche Volk 1945 und 1946 im Bewußtsein seiner Schuld bereit war, wieder verschüttet sind. Noch sei es Zeit, um einer echten Befreiung willen einen neuen Anfang zu machen, von dem Trost und Besinnung ausgingen. Dafür schlage die Kirche vor, daß grundsätzlich bei jeder Verhaftung nach spätestens einem Monat den Angehörigen mitgeteilt wird, wo der Verhaftete sich befindet. Sowohl während der Untersuchungshaft wie auch in der Zeit der eigentlichen Strafverbüßung sollte in angemessenen Zeitabschnitten ein Mitteilungsaustausch zwischen den Häftlingen und ihren Angehörigen ermöglicht werden. Auch halte es die Kirche für erforderlich, den Angehörigen eine Nachricht über die Tatsache und die Gründe der Verurteilung und über das Strafmaß zu geben. Durch einen solchen Akt der Menschlichkeit gegenüber Verhafteten und ihren Angehörigen würde der schwere Anstoß gemildert werden, den die Deutschen an der bisherigen Praxis der Strafverfolgung durch sowjetische Organe nehmen und die das Verhältnis zwischen beiden Völkern so sehr belasten.

Der Ost-Berliner Stadtrat für Verwaltung und Personalpolitik, Hentschel, erläßt eine Anordnung, nach der Angehörige westdeutscher Besucher schriftliche Anträge auf vorübergehende Aufenthaltserlaubnis für sie beim zuständigen Revier der Volkspolizei zu stellen haben.

Der Studentenkonvent der Freien Universität beschließt auf seiner Sitzung, den Angehörigen von Korporationen alle über ein Abgeordnetenmandat hinausgehenden Funktionen in der studentischen Selbstverwaltung zu entziehen. Diesem Beschluß war eine Debatte über das studentische Gemeinschaftsleben vorausgegangen, in deren Verlauf ein Studentenvertreter zugegeben hatte, eine scharfe Mensur geschlagen zu haben. Der AStA-Vorsitzende, Hans-Joachim Böhm, bezeichnet die Behandlung der Korporationsfragen im allgemeinen deshalb als so schwierig, weil einzelne Korps mit "unaufrichtigen Mitteln" arbeiteten. So hätten sie z. B. den Ausschüssen für die Zulassung studentischer Gemeinschaften an den Berliner Hochschulen bewußt unvollständige Satzungen vorgelegt.

1953

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Dwight D. Eisenhower, und der amtierende französische Ministerpräsident Rene Mayer beantworten die Telegramme Bundeskanzlers Dr. Adenauer über die Wiedervereinigung. Beide Staatsmänner geben ihrer Bewunderung und Sympathie über den Mut, den die Berliner und mitteldeutsche Bevölkerung beim Aufstand des 17. Juni gezeigt hat, Ausdruck. Präsident Eisenhower versichert, dieser Ruf nach Freiheit sei in der ganzen Welt gehört worden; seine Regierung werde weiter nach einer Wiedervereinigung Deutschlands auf der Grundlage freier Wahlen streben. Auch Ministerpräsident Mayer unterstützt diese Forderung, betont zugleich aber den Wunsch Frankreichs nach Fortführung der europäischen Integrationspolitik.

277. Sitzung des Deutschen Bundestages.
Auf Empfehlung des Wahlprüfungsausschusses stellt der Bundestag fest, daß der in Berlin wohnende Professor Dr. Hanns Linhardt entsprechend der FDP-Landesliste von Nordrhein-Westfalen in den Bundestag nachgerückt ist. Er hebt damit eine Entscheidung des Landeswahlleiters von Nordrhein-Westfalen auf, der Professor Linhardt wegen seines Wohnsitzes in Berlin das passive Wahlrecht aberkannt hatte. Der Entscheidung des Wahlrechtsausschusses liegen Gutachten des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen und des Vorsitzenden des Berlin-Ausschusses des Bundestages, Dr. Bucerius (CDU), zugrunde, in denen übereinstimmend festgestellt wird, daß Berlin, abgesehen von besatzungsrechtlichen Einschränkungen, ein Land der Bundesrepublik ist.

Der Regierende Bürgermeister Professor Reuter fordert vor der Presse in Bonn eine politische Offensive des Westens gegen den Osten. Sie müsse, angefangen bei der Berliner Kommandantur und über die Hohen Kommissare bis in die Ebene der internationalen Politik hineingetragen werden. Nach dem mitteldeutschen Aufstand stehe die Frage der Wiedervereinigung nicht nur auf ihrer Tagesordnung, sondern sei deren Punkt eins. Er bedauert die Entscheidung des Bundestages zur Frage der Beteiligung Berlins an den Bundestagswahlen, in der "parteipolitische Erwägungen eine nationalpolitische Notwendigkeit" verhindert hätten.

Der amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Timberman, übergibt dem Senat eine Urkunde, nach der das bewegliche Eigentum der sechs im amerikanischen Sektor betriebenen Clubs der "German Youth Activity (GYA)", eine mobile Jugendbücherei und eine Spende der amerikanischen Militärregierung in Höhe von 25 000 DM zur Fortführung der Einrichtungen in das Eigentum des Landes Berlin übergehen. In seiner Dankadresse würdigt Senator Tiburtius in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters die Hilfe der amerikanischen Behörden für die Berliner Jugend besonders in den ersten schweren Nachkriegsjahren.

1954

Beim Absturz eines viermotorigen Frachtflugzeuges einer privaten britischen Fluggesellschaft bei Kyritz (Mecklenburg) auf dem Fluge von Hamburg nach Berlin kommt die dreiköpfige Besatzung ums Leben. Die sowjetischen Behörden gestatten Angehörigen der britischen Militärmission in Potsdam den Zutritt zum Absturzort und die Überführung der Leichen nach Berlin.

1954

9. Landesparteitag der Berliner FDP in den Tiergarten-Festsälen in der Perleberger Straße.
Der Parteitag wählt den bisherigen Vorsitzenden Carl-Hubert Schwennicke mit großer Mehrheit wieder; stellvertretende Vorsitzende werden Alfred Günzel und Dr. Ella Barowsky. Dem Vorstand gehören ferner an der Bundestagsabgeordnete Dr. Rudolf Will, Horst Peschke, Magda Schroetter und Joachim Ernst Hennig.

In seinem Rechenschaftsbericht erklärt Schwennicke, daß die FPD in den vergangenen dreieinhalb Jahren ihre Wahlversprechen in Berlin erfüllt habe. Trotzdem nun seit fast einem Jahr ohne die SPD regiert wird, habe es weder einen wirtschaftlichen noch einen politischen Zusammenbruch noch soziale Notstände gegeben, wie einige befürchtet hatten. Für die laufende Legislaturperiode strebe die FDP die Verabschiedung von Reformgesetzen über die Verwaltung an. Sollte dies bis Dezember nicht mehr möglich sein, müßte der Wahltermin um zwei Monate verschoben werden. Daneben wünscht die FDP vom gegenwärtigen Abgeordnetenhaus noch eine Reform der sechsjährigen Berliner Grundschule, die aus organisatorischen Gründen jedoch erst nach 1955 durchgeführt werden soll, und eine Neuordnung der Berliner Universitäten.
Im außenpolitischen Teil seiner Rede setzt sich Schwennicke für eine Trennung des Deutschland-Vertrages vom EVG-Vertrag ein, sofern Frankreich die beiden Verträge nicht bald ratifiziert.

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Professor Reif appelliert in einem Diskussionsbeitrag an die Westmächte, "ihre Zurückhaltung" in der Frage der Zuständigkeit des Bundesverfassungsgerichtes für Berlin aufzugeben.
In einer Resolution fordert der Landesparteitag, die Bundesregierung auf, ihre materielle Hilfe für die Bevölkerung in der Sowjetzone fortzusetzen, damit ihr Widerstandswille gegen das kommunistische Gewaltsystem gestärkt wird. In einer weiteren Resolution wird die Fraktion des Abgeordnetenhauses beauftragt, an dem von ihr geforderten Verbot der SED in West-Berlin festzuhalten.

1955

Zum ersten Mal nach dem Kriege wird im Bezirk Mitte wieder das "Fischerfest in Alt-Berlin" gefeiert mit einem großen historischen Festumzug und einer Reihe von Volksbelustigungen in der Gegend zwischen Arkonaplatz, Molkenmarkt und Fischerkietz.

1956

Die Abgeordnetenhausfraktion der FDP wählt Dr. Paul Ronge zu ihrem neuen Vorsitzenden und Heinz Ullmann sowie Heinz Amelang zu seinen Stellvertretern.

Der Vorsitzende der LDP-Fraktion in der Volkskammer, Agsten, weist in seiner Antwort an Dr. Dehler darauf hin, daß bereits vor seinem Schreiben in der DDR etwa 20 000 Häftlinge amnestiert wurden, die Verbrechen gegen die DDR begangen hätten, ein Rechtsanspruch auf Straffreiheit jedoch den Personen, auf die sich diese Maßnahmen erstreckten, nicht gewährt werden konnte.
Anders lägen die Dinge in der Bundesrepublik, wo Tausende zumeist jugendlicher Personen Opfer eines "Gesinnungsstrafrechts" geworden seien, weil sie aus ihrer im Widerspruch "zur entspannungsgegnerischen Politik der derzeitigen Bonner Regierung stehenden Gesinnung kein Hehl" gemacht hätten. Ihre Freilassung und die Einstellung der gegen sie eingeleiteten Strafverfahren bilde heute eine gesamtdeutsche Forderung. Daher bedürfe es eher einer Überprüfung des dort geübten Systems der Verfolgung von Menschen, deren angeblich staatsgefährdende Tätigkeit nur darin bestehe, für die Verständigung der Deutschen untereinander und gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht aufzutreten. Die LDP würde es deshalb begrüßen, wenn es der FDP gelänge, auch die anderen Parteien in der Bundesrepublik von der Notwendigkeit dieser Überprüfung zu überzeugen.
Agsten verweist weiter auf die Verpflichtung der Bundesrepublik, dafür Sorge zu tragen, daß die DDR künftig nicht wieder in die Zwangslage versetzt wird, harte Strafmaßnahmen gegen oft noch jugendliche Menschen ergreifen zu müssen, die durch "verbrecherische Handlungen" das Leben der "Staatsbürger unserer Republik" bedrohen. Die FDP jedenfalls würde sich ein "großes nationales Verdienst" erwerben, wenn sie gesetzliche Maßnahmen vorschlüge, um vor allem dem verderblichen Treiben der meist von West-Berlin aus operierenden "terroristischen Organisationen" ein Ende zu bereiten.
Abschließend regt Agsten Verhandlungen der Justizminister beider deutscher Staaten an, um auf dem Gebiete der Rechtsangleichung die Wiedervereinigung wesentlich zu fördern. Dabei ließe sich dann feststellen, ob nicht in der Bundesrepublik z. B. die Frau die auf ihrer völligen Gleichberechtigung mit dem Manne beruhende Rechtsstellung erhalten könne, die sie in der DDR bereits besitze, oder sich das gesetzliche Recht der Jugendlichen wie in der DDR auf Arbeit, Freizeit und Erholung auch dort einführen lasse. Andererseits könnte auch "unsere Rechtsgestaltung" durch Anregungen aus der Bundesrepublik mitgeformt werden, womit der deutschen Rechtseinheit und der Wiedervereinigung ein gewichtiger Dienst erwiesen würde. Die spezielle Behandlung nur zweier Paragraphen von DDR-Gesetzen ohne die Inangriffnahme des Gesamtproblems könnte dem aufgezeigten Ziele eher hinderlich als förderlich sein, denn dann müßten nämlich in der Bundesrepublik alle die Paragraphen des dort geltenden Strafrechts reformiert werden, "die unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten nicht nur mindestens bedenklich, sondern mehr als bedenklich erscheinen".

1958

In einer Feierstunde im Rathaus Schöneberg erhält die FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Dr. h. c. Marie-Elisabeth Lüders aus den Händen des Regierenden Bürgermeisters Brandt anläßlich ihres 80. Geburtstages den Ehrenbürgerbrief Berlins in Würdigung ihrer "großen Verdienste um die Wahrung der Menschenrechte in unserer gespaltenen Stadt und insbesondere ihrer ständigen Bemühungen um die Förderung der Rechtsstellung der Frau im öffentlichen Leben, im Beruf und in der Familie (sowie) in Anerkennung ihres selbstlosen und mutigen Verhaltens in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft".

86. (Ordentliche) Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Das Parlament verabschiedet die Novelle zum "Gesetz zur Ausführung des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt und zur Regelung der öffentlichen Jugendhilfe", durch die u. a. die bisherigen Bestimmungen an die des Bezirksverwaltungsgesetzes angepaßt und die Erlaubniserteilung zum Betrieb von sowie die Aufsicht über jugendbetreuende Anstalten neu geregelt werden und die Jugendwohlfahrtsausschüsse eine Ergänzung durch Vertreter der Freidenker und des Arbeitsschutzes erfahren.

Zu einer Dringlichkeitsanfrage der SPD bemerkt der Regierende Bürgermeister Brandt, der Senat bedaure, daß der französische Stadtkommandant, General Geze, in einem Schreiben vom 23. Juni an die beiden Bezirksbürgermeister in seinem Sektor ein Verbot des amerikanischen Spielfilms "Wege zum Ruhm" aussprach. Er teilt mit, daß Volksbildungssenator Prof. Tiburtius beauftragt worden sei, den ganzen Vorgang "zu entdramatisieren", um den Senat nach Möglichkeit aus einem Streit herauszuhaltender eigentlich "ein Streit zwischen Angehörigen der uns befreundeten alliierten Mächte genannt werden müßte".

Mit großer Mehrheit lehnt das Parlament einen Antrag der FDP ab, im Prinzip wieder die vierjährige Grundschulzeit einzuführen, um so eine weitere Angleichung der Schulverhältnisse in Berlin an die des Bundesgebietes zu erreichen. In der voraufgegangenen lebhaften Debatte hatten Sprecher von SPD und CDU der FDP vorgeworfen, diesen in der nur noch wenige Monate dauernden Legislaturperiode gar nicht mehr eingehend zu behandelnden Antrag lediglich aus wahlpropagandistischen Gründen eingebracht zu haben. Dagegen hatte die FDP die CDU beschuldigt, aus Rücksicht auf ihren Koalitionspartner SPD ein Wahlversprechen aus dem Jahre 1954 gebrochen zu haben.

1959

Die Sowjetunion ersucht die drei Westmächte wie auch die Bundesrepublik in Noten um Maßnahmen gegen die Abhaltung der Bundesversammlung in West-Berlin, damit es nicht zu neuen politischen Demonstrationen benutzt werde, die mit dem Ziel der Entspannung in Mitteleuropa unvereinbar wären.
Die "allgemein anerkannte Tatsache", daß West-Berlin mitten in der DDR liege, kein Teil der Bundesrepublik Deutschland sei und die Zuständigkeit der Bundesbehörden sich nicht auf sein Gebiet erstrecke, habe sich doch auch in den Erklärungen der Westmächte in Genf widergespiegelt. Sie hätten weiter ihre Verantwortlichkeit für die Lage dieser Stadt bekundet, woraus folge, daß die Wahl des Bundespräsidenten dort nicht ohne ihr Wissen und nicht ohne ihre Zustimmung erfolgen könne. Die Sowjetunion sehe darin einen "erneuten" Versuch, die gegenwärtig "anomale Lage" in der Stadt zu benutzen, um die Situation in Deutschland noch weiter zu verschärfen und noch mehr Hindernisse gegen die Bemühungen aufzubauen, Lösungen für internationale Fragen zu erreichen.

Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder beschließt auf ihrer 72. Plenartagung in Düsseldorf, ab 1960 die Sommerferien in den Bundesländern unterschiedlich zwischen dem 30. Juni und dem 28. Juli beginnen zu lassen. Bei der Einteilung der Länder in fünf Gruppen gehört Berlin mit Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zur mittleren mit Ferienbeginn am 7. Juli. Die Minister sind bestrebt, künftig die Ferientermine unverändert zu lassen, damit sich die Eltern rechtzeitig darauf einstellen können.

1959

IX. Internationale Filmfestspiele Berlin.
Die "Berlinale" - an ihr beteiligen sich in diesem Jahr 46 Länder sowie die UN mit 36 Spiel-, sechs langen Dokumentar- und 45 Kulturfilmen; neun Länder entsenden offizielle Beobachter - wird in der Kongreßhalle im Beisein des Präsidenten der EWG-Kommission, Hallstein, vom Regierenden Bürgermeister Brandt eröffnet. Anschließend präsentiert der Schauspieler Hans Söhnker prominente Gäste aus dem In- und Ausland, die dann noch zu zwei parallel für ein größeres Publikum stattfindenden Eröffnungsveranstaltungen in den beiden Festspielkinos "Zoo-Palast" und "Filmbühne Wien" fahren, wo der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Stingl bzw. der SPIO-Vorsitzende Theile sprechen.

Am 28. Juni werden in einer Feierstunde - auf der der Bonner Literarhistoriker Benno von Wiese zum Thema "Vom Nutzen und Nachteil des deutschen Films" spricht - von Bundesinnenminister Schröder die Bundesfilmpreise 1959 überreicht. Dabei werden ausgezeichnet

Am Schlußtag der Festspiele überreicht Volksbildungssenator Tiburtius in der Kongreßhalle die von den internationalen Jurys für Spielfilme bzw. für Dokumentar- und Kurzfilme zuerkannten Preise. Es erhalten
  • den Goldenen Bären
    der Spielfilm "Schrei, wenn Du kannst" (Frankreich),
    der Dokumentarfilm "Weiße Wildnis" (USA),
    der Kurzfilm "Lobet das Meer" (Niederlande);
  • den Silbernen Bären
    Shirley MacLaine als beste Schauspielerin für "Immer die verflixten Frauen" (USA),
    Jean Gabin als bester Schauspieler für "Im Kittchen ist kein Zimmer frei" (Frankreich),
    Akira Kurosawa als bester Regisseur für "Die verborgene Festung" (Japan);
  • einen Sonderpreis die zwölfjährige Hayley Mills für ihre erste Rolle in "Tiger Bay" (Großbritannien);
  • silberne Bärenplaketten für besonders wertvolle Kurzfilme
    "Sommerferien eines Pferdes" (Dänemark), "Das Kaleidoskop" (Bundesrepublik) und "Radha und Krishna" (Indien).
Lobende Anerkennung erhält der Film "Zweiflügler" (Italien) zugleich für das Gesamtwerk von Alberto Anciletto.
mit dem Preis des Internationalen Katholischen Filmbüros der Film "Paradies und Feuerofen" (Bundesrepublik) und
mit dem Jugendfilmpreis des Senators für Volksbildung "Die nackte Sonne" (Spielfilm - Japan), "Paradies und Feuerofen" (Dokumentarfilm - Bundesrepublik) und "Goldene Ketten" (Kurzfilm - Tunesien)
ausgezeichnet.

Die Filmfestspiele - ihre Veranstaltungen werden auch von rund 50 000 Interessierten aus Ost-Berlin und der DDR besucht - sind wieder begleitet von zahlreichen Empfängen, einer besonderen Ehrung für den französischen Regisseur Jean Renoir durch das Internationale Komitee für Unterricht und Kultur, von Sondervorführungen für Jugendliche, Retrospektiven, einem aktuellen Diskussionsforum, Großveranstaltungen in der Deutschlandhalle und in der Waldbühne sowie einem Amateurfilmer-Treffen.

1959

Die Sowjetunion ersucht die drei Westmächte wie auch die Bundesrepublik in Noten um Maßnahmen gegen die Abhaltung der Bundesversammlung in West-Berlin, damit es nicht zu neuen politischen Demonstrationen benutzt werde, die mit dem Ziel der Entspannung in Mitteleuropa unvereinbar wären.
Die "allgemein anerkannte Tatsache", daß West-Berlin mitten in der DDR liege, kein Teil der Bundesrepublik Deutschland sei und die Zuständigkeit der Bundesbehörden sich nicht auf sein Gebiet erstrecke, habe sich doch auch in den Erklärungen der Westmächte in Genf widergespiegelt. Sie hätten weiter ihre Verantwortlichkeit für die Lage dieser Stadt bekundet, woraus folge, daß die Wahl des Bundespräsidenten dort nicht ohne ihr Wissen und nicht ohne ihre Zustimmung erfolgen könne. Die Sowjetunion sehe darin einen "erneuten" Versuch, die gegenwärtig "anomale Lage" in der Stadt zu benutzen, um die Situation in Deutschland noch weiter zu verschärfen und noch mehr Hindernisse gegen die Bemühungen aufzubauen, Lösungen für internationale Fragen zu erreichen.

Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder beschließt auf ihrer 72. Plenartagung in Düsseldorf, ab 1960 die Sommerferien in den Bundesländern unterschiedlich zwischen dem 30. Juni und dem 28. Juli beginnen zu lassen. Bei der Einteilung der Länder in fünf Gruppen gehört Berlin mit Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zur mittleren mit Ferienbeginn am 7. Juli. Die Minister sind bestrebt, künftig die Ferientermine unverändert zu lassen, damit sich die Eltern rechtzeitig darauf einstellen können.

1959

IX. Internationale Filmfestspiele Berlin.
Die "Berlinale" - an ihr beteiligen sich in diesem Jahr 46 Länder sowie die UN mit 36 Spiel-, sechs langen Dokumentar- und 45 Kulturfilmen; neun Länder entsenden offizielle Beobachter - wird in der Kongreßhalle im Beisein des Präsidenten der EWG-Kommission, Hallstein, vom Regierenden Bürgermeister Brandt eröffnet. Anschließend präsentiert der Schauspieler Hans Söhnker prominente Gäste aus dem In- und Ausland, die dann noch zu zwei parallel für ein größeres Publikum stattfindenden Eröffnungsveranstaltungen in den beiden Festspielkinos "Zoo-Palast" und "Filmbühne Wien" fahren, wo der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Stingl bzw. der SPIO-Vorsitzende Theile sprechen.

Am 28. Juni werden in einer Feierstunde - auf der der Bonner Literarhistoriker Benno von Wiese zum Thema "Vom Nutzen und Nachteil des deutschen Films" spricht - von Bundesinnenminister Schröder die Bundesfilmpreise 1959 überreicht. Dabei werden ausgezeichnet

Am Schlußtag der Festspiele überreicht Volksbildungssenator Tiburtius in der Kongreßhalle die von den internationalen Jurys für Spielfilme bzw. für Dokumentar- und Kurzfilme zuerkannten Preise. Es erhalten
  • den Goldenen Bären
    der Spielfilm "Schrei, wenn Du kannst" (Frankreich),
    der Dokumentarfilm "Weiße Wildnis" (USA),
    der Kurzfilm "Lobet das Meer" (Niederlande);
  • den Silbernen Bären
    Shirley MacLaine als beste Schauspielerin für "Immer die verflixten Frauen" (USA),
    Jean Gabin als bester Schauspieler für "Im Kittchen ist kein Zimmer frei" (Frankreich),
    Akira Kurosawa als bester Regisseur für "Die verborgene Festung" (Japan);
  • einen Sonderpreis die zwölfjährige Hayley Mills für ihre erste Rolle in "Tiger Bay" (Großbritannien);
  • silberne Bärenplaketten für besonders wertvolle Kurzfilme
    "Sommerferien eines Pferdes" (Dänemark), "Das Kaleidoskop" (Bundesrepublik) und "Radha und Krishna" (Indien).
Lobende Anerkennung erhält der Film "Zweiflügler" (Italien) zugleich für das Gesamtwerk von Alberto Anciletto.
mit dem Preis des Internationalen Katholischen Filmbüros der Film "Paradies und Feuerofen" (Bundesrepublik) und
mit dem Jugendfilmpreis des Senators für Volksbildung "Die nackte Sonne" (Spielfilm - Japan), "Paradies und Feuerofen" (Dokumentarfilm - Bundesrepublik) und "Goldene Ketten" (Kurzfilm - Tunesien)
ausgezeichnet.

Die Filmfestspiele - ihre Veranstaltungen werden auch von rund 50 000 Interessierten aus Ost-Berlin und der DDR besucht - sind wieder begleitet von zahlreichen Empfängen, einer besonderen Ehrung für den französischen Regisseur Jean Renoir durch das Internationale Komitee für Unterricht und Kultur, von Sondervorführungen für Jugendliche, Retrospektiven, einem aktuellen Diskussionsforum, Großveranstaltungen in der Deutschlandhalle und in der Waldbühne sowie einem Amateurfilmer-Treffen.

1960

Der Ortsteil Frohnau im Bezirk Reinickendorf feiert sein fünfzigjähriges Bestehen mit einer Fülle von Veranstaltungen. Dazu gehören u. a. eine Jubiläums-Ausstellung, eine Ansprache des Bezirksbürgermeisters Dünnebacke und seiner Stadträte mit Frohnauer Bürgern, mehrere Konzerte, ein Windhundrennen, ein großes Reitturnier auf dem Poloplatz - dem ersten und lange Zeit auch einzigen seiner Art in Deutschland -, ein Festumzug und ein Feuerwerk.

1960

5. Kongreß des Internationalen Verbandes der Lebensmittel-Filialbetriebe in der Kongreßhalle.
Die 200 Delegierten des Verbandes, dem Organisationen aus dreizehn Ländern Europas und von Übersee angeschlossen sind, erörtern Fragen der innerbetrieblichen Rationalisierung der Filialbetriebe sowie der Zusammenarbeit mit der Nahrungsmittelindustrie, der Landwirtschaft und Verbraucherverbänden.
Der Präsident des Verbandes, Jean de Cooman d'Hereliemckhove (Belgien) erklärt, daß man vom Handel heute bemerkenswerte Anstrengungen zur Verbesserung der Warenqualität und der Dienstleistungen erwarte, wobei aber die Kosten gering bleiben sollen. Die Filialbetriebe bemühten sich deshalb, den Endverkaufspreis bei einem Maximum an Leistungen so niedrig wie möglich zu halten. In Amerika hätte sich gezeigt, wie man durch Selbstbedienungsläden und bald danach durch Supermärkte den Lebensstandard der Konsumenten habe steigern können. Diesem Beispiel seien die europäischen Lebensmittelfilialbetriebe gefolgt und hätten damit eine Revolution im europäischen Handel bewirkt.
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Lebensmittel-Filialbetriebe, Wilhelm Brinkmann (Bonn), hebt in einer Botschaft an den Kongreß hervor, daß diese Betriebe von 1951 bis 1958 ihren Umsatz je Beschäftigten um 49 % erhöhen konnten, was man im wesentlichen der Selbstbedienung zu verdanken habe, die 1960 bereits zwei Drittel des gesamten Umsatzes der Filialbetriebe erfaßte, während im Einzelhandel insgesamt die Selbstbedienung erst 25 % ausmache.

1960

5. Kongreß des Internationalen Verbandes der Lebensmittel-Filialbetriebe in der Kongreßhalle.
Die 200 Delegierten des Verbandes, dem Organisationen aus dreizehn Ländern Europas und von Übersee angeschlossen sind, erörtern Fragen der innerbetrieblichen Rationalisierung der Filialbetriebe sowie der Zusammenarbeit mit der Nahrungsmittelindustrie, der Landwirtschaft und Verbraucherverbänden.
Der Präsident des Verbandes, Jean de Cooman d'Hereliemckhove (Belgien) erklärt, daß man vom Handel heute bemerkenswerte Anstrengungen zur Verbesserung der Warenqualität und der Dienstleistungen erwarte, wobei aber die Kosten gering bleiben sollen. Die Filialbetriebe bemühten sich deshalb, den Endverkaufspreis bei einem Maximum an Leistungen so niedrig wie möglich zu halten. In Amerika hätte sich gezeigt, wie man durch Selbstbedienungsläden und bald danach durch Supermärkte den Lebensstandard der Konsumenten habe steigern können. Diesem Beispiel seien die europäischen Lebensmittelfilialbetriebe gefolgt und hätten damit eine Revolution im europäischen Handel bewirkt.
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Lebensmittel-Filialbetriebe, Wilhelm Brinkmann (Bonn), hebt in einer Botschaft an den Kongreß hervor, daß diese Betriebe von 1951 bis 1958 ihren Umsatz je Beschäftigten um 49 % erhöhen konnten, was man im wesentlichen der Selbstbedienung zu verdanken habe, die 1960 bereits zwei Drittel des gesamten Umsatzes der Filialbetriebe erfaßte, während im Einzelhandel insgesamt die Selbstbedienung erst 25 % ausmache.

1960

Der Ortsteil Frohnau im Bezirk Reinickendorf feiert sein fünfzigjähriges Bestehen mit einer Fülle von Veranstaltungen. Dazu gehören u. a. eine Jubiläums-Ausstellung, eine Ansprache des Bezirksbürgermeisters Dünnebacke und seiner Stadträte mit Frohnauer Bürgern, mehrere Konzerte, ein Windhundrennen, ein großes Reitturnier auf dem Poloplatz - dem ersten und lange Zeit auch einzigen seiner Art in Deutschland -, ein Festumzug und ein Feuerwerk.

1961

In der Ostpreußenhalle am Funkturm beraten die 491 Delegierten des 4. Gewerkschaftskongresses der ÖTV Tariffragen, die Einführung der 45-Stunden-Woche, Urlaubsverbesserungen, das 13. Gehalt im Öffentlichen Dienst und über Vorschläge zur organisatorischen Neuordnung des DGB. Nach einer entsprechenden Satzungsänderung wird der seit 1949 amtierende, nunmehr bereits 66jährige ÖTV-Vorsitzende Kummernuss ein weiteres Mal im Amt bestätigt. Der Kongreß beschließt mit großer Mehrheit die Verlegung des Sitzes des Hauptvorstandes noch vor der Wiedervereinigung von Stuttgart nach Berlin. Als Gast spricht der Frankfurter Publizist Walter Dirks zum Thema "Die geschichtliche Aufgabe der Gewerkschaften in unserer Zeit".

1962

In der 90. Sitzung des Abgeordnetenhauses (3. Wahlperiode) appelliert der Regierende Bürgermeister Brandt in einer Regierungserklärung an die Schutzmächte, in ihren Verhandlungen mit der Sowjetunion darauf zu bestehen, wenigstens den West-Berlinern den Zugang nach Ost-Berlin zu ermöglichen, wenn ein geregelter Personenverkehr zwischen beiden Teilen der Stadt sich nicht erreichen lasse. Zugleich betont Brandt die Bereitschaft des Senats zu Kontakten mit der Ost-Berliner Verwaltung zwecks Erleichterung des innerstädtischen Verkehrs. Zu den von DDR-Grenzposten verursachten Schießereien bemerkt der Regierende Bürgermeister, daß, falls erforderlich, die Schutzmächte in geeigneter Weise selbt an West-Berlins Grenzen in Erscheinung treten würden. Im übrigen dankt Brandt der Berliner Polizei für ihren Dienst an der Mauer und billigt ihr "das Recht auf Notwehr für sich selbst und für verfolgte Landsleute" zu.

Auf der 16. Tagung des ZK der SED in Ost-Berlin warnt Partei- und Staatschef Ulbricht in einer "Information über internationale Fragen" davor, die "Staatsgrenze der DDR" zu mißachten. "Aggressoren" erhielten die passende Antwort, für "Verrückte" stünden Zwangsjacken bereit und mit Banditen würde man umgehen, "wie es ihnen gebührt". Ein "Schießbefehl" existiere nicht, "bei uns" gebe es nur eine Ordnung wie an den Grenzen aller anderen Länder. Sollten sie diese ändern wollen, könnte man nach Abschluß eines Friedensvertrages mit der DDR darüber sprechen. Ulbricht räumt die Existenz von Fragen ein, die in Berlin einer Regelung bedürfen. Dies erfordere jedoch Verhandlungen zwischen Senat und DDR-Regierung, die dazu ihre Bereitschaft bereits mehrfach erklärte (vgl. 13./15. Juni).

1963

Nachdem mit Harry S. Truman anläßlich der Potsdamer Konferenz im Juli/August 1945 erstmals ein Präsident der Vereinigten Staaten in Berlin weilte, ist John F. Kennedy der zweite, der, nach einem viertägigen offiziellen Aufenthalt in der Bundesrepublik, die Stadt besucht. Nach der Landung auf dem Flughafen Tegel, wo ihn die westlichen Stadtkommandanten, Bundeskanzler Adenauer und der Regierende Bürgermeister Brandt sowie Ehrenformationen der alliierten Garnisonen und der Berliner Polizei begrüßen, fährt Präsident Kennedy etwa 50 Kilometer durch die Straßen, wo ihn rund 1,4 Mio. Berliner stürmisch feiern und an einigen Stellen nach New Yorker Vorbild einen Konfetti-Regen auf die Wagenkolonne niedergehen lassen. Er besichtigt an mehreren Stellen die Mauer, u.a. am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße, spricht vor der IG Bau-Steine-Erden in der Kongreßhalle (vgl. 24729. Juni), in der FU, die ihm die akademische Ehrenbürgerwürde verleiht, und zu seinen Landsleuten vor dem US-Hauptquartier in der Clayallee, wo zugleich Einheiten der amerikanischen Garnison vor ihm paradieren. Höhepunkt des rund achtstündigen Besuches ist die Kundgebung auf dem Rudolph-Wilde-Platz vor dem Rathaus Schöneberg, wo Präsident Kennedy die Mauer eine Demonstration des Versagens des kommunistischen Systems nennt und mit seiner Feststellung "Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf sagen zu können: Ich bin ein Berliner!" die 400 000 Teilnehmer zu minutenlangem Beifall hinreißt.

1964

Die Regierungen der Westmächte veröffentlichen ihre mit der Bundesregierung abgestimmte Deutschland-Erklärung, die eine Antwort auf den Freundschaftsvertrag DDR-UdSSR darstellt (vgl. 12. Juni). Darin erinnern sie die Sowjetunion daran, daß sie weiterhin an die Vier-Mächte-Verpflichtungen gebunden sei und für deren Einhaltung von den Westmächten verantwortlich gemacht werde. Die Westmächte widersprechen ferner den Feststellungen über West-Berlin als einer "selbständigen politischen Einheit" und unterstreichen, daß die engen Bindungen West-Berlins an die Bundesrepublik in keiner Weise mit dem Vier-Mächte-Status der Stadt kollidieren.

1964

Seinem offiziellen Besuch in der Bundesrepublik schließt der amerikanische Justizminister Robert Kennedy einen 24stündigen Berlin-Aufenthalt an, in dessen Verlauf er zwei Schulen im Bezirk Charlottenburg und die AEG-Werke in der Brunnenstraße besichtigt, Einheiten der amerikanischen Garnison inspiziert, mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt im Rathaus Schöneberg konferiert und anschließend vor dessen Portal im Beisein von rund 80 000 Berlinern die von Spenden aus der Bevölkerung finanzierte und von Richard Scheibe geschaffene Gedenktafel enthüllt, die an den Besuch seines Bruders John F. Kennedy vor genau einem Jahr und an die Trauerkundgebung nach seiner Ermordung erinnert, und die Würde eines Dr.h.c. der Philosophischen Fakultät der FU erhält.

1964

Bei der 14. Berlinale - beschickt mit 21 Spiel-, 3 Dokumentär- und 34 Kurzfilmen aus 35 Ländern - erhalten von der Jury unter Vorsitz des amerikanischen Filmproduzenten und Regisseurs Anthony Mann und des indischen Filmexperten Girija Mookerjee (Dokumentär- und Kurzfilme) Goldene Bären "Susuz Yaz" ("Trockener Sommer") von Ulvi Dogan (Türkei) als bester Spielfilm, "Alleman" (dt. Titel: "12 Millionen") von Bert Haanstra (Niederlande) als bester Dokumentarfilm, "Kirdi" von Max Lersch (Österreich) als bester Kurzfilm; Silberne Bären Satyajit Ray (Indien) als bester Regisseur für "Mahanagar" ("Die große Stadt"), Sachiko Hidari (Japan) als beste Schauspielerin für ihre Rollen in "Kanajo To Kare" ("Sie und Er") und "Nippon Konchuki" ("Das Insektenweib"), Rod Steiger (USA) als bester Schauspieler für seine Rolle in "The Pawnbroker" ("Der Pfandleiher").

Am 28. Juni überreicht Bundesinnenminister Höcherl in der Deutschen Oper die Bundesfilmpreise 1964. Dabei werden ausgezeichnet mit einem Filmband in Gold der Produzent (Franz Seitz Filmproduktion) für "Kennwort Reiher" als bester abendfüllender Spielfilm, der Produzent (Hans-Joachim Hossfeld-Filmproduktion) für "Aus der Geschichte der Menschheit" als bester abendfüllender Kulturfilm, der Produzent (Hart-Film) für "Bauhütte '63" als bester kurzer Kulturfilm, der Produzent Peter Schamoni für "Max Ernst - Entdeckungsfahrten ins Unbewußte" als bester kurzer Dokumentarfilm, als bester Drehbuchautor Will Tremper ("Verspätung in Marienborn"), als beste Hauptdarstellerin Mira Stupica ("Herrenpartie"), für ihre darstellerische Leistung Elisabeth Flickenschiidt ("Das große Liebesspiel"), als beste weibliche Nebenrolle Nevenka Benkovic ("Herrenpartie"), als beste männliche Nebenrolle Sigfrit Steiner ("Ein Mann im schönsten Alter"), als bester Nachwuchsschauspieler Fritz Wepper ("Kennwort Reiher"), als beste Kameramänner Wolf Wirth und Hans Jura ("Kennwort Reiher"), als bester Filmarchitekt Wolf Englert ("Kennwort Reiher"). Für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film erhalten Eugen Schüfftan, Arnold Franck, Ludwig Berger, Hilde Hildebrand, Pola Negri, Paul Hartmann und Ernst Deutsch ebenfalls je ein Filmband in Gold.

1965

Bundesinnenminister Höcherl und Bürgermeister Albertz unterzeichnen in der Akademie der Künste das Verwaltungsabkommen über die Errichtung und die Unterhaltung der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH, die der Bund und das Land Berlin je zur Hälfte finanzieren. Ihr obliegt die Aufgabe, die Entwicklung von Film und Fernsehen durch die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses in Theorie und Praxis zu fördern. -Diese Akademie beginnt dann schon im Oktober in der Pommernallee sowie in einigen Räumen der Fachschule für Foto und Optik am Einsteinufer mit 35 Studierenden ihren Lehrbetrieb.

Die Vollversammlung der Ordinarien der FU wählt für das am 15. Oktober beginnende Akademische Jahr 1965/66 den 42 jährigen Philosophen und Soziologen Hans-Joachim Lieber zum neuen Rektor und den bisherigen Amtsinhaber Herbert Lüers zum Prorektor.

1968

Der Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen gibt in einer Pressemitteilung bekannt, daß die Bundesregierung die von der DDR im Berlin-Verkehr eingeführten Visa-Gebühren rückwirkend vom 12. Juni an erstatten wird (vgl. 11. Juni). Dies erfolgt für Reisende mit Bahn oder Auto vom 29. Juni an auf allen Postämtern sowie für Beschäftigte in der Binnenschiffahrt oder im Güterfernverkehr bei den Stellen, die auch für die Zahlung der von der DDR erhobenen Steuerausgleichsabgaben zuständig sind.

1969

Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters Klaus Schütz zur Frage der Anerkennung der Oder-Neiße-Linie in der Wochenzeitung "Die Zeit" stehen im Mittelpunkt einer Kontroverse im Abgeordnetenhaus (53. Sitzung, 5. Wahlperiode). Der CDU-Abgeordnete Karl-Heinz Schmitz fragt, welche Gründe Schütz hatte, "öffentlich und zu diesem Zeitpunkt - ich wiederhole: zu diesem Zeitpunkt - die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie durch die Bundesrepublik Deutschland bereits vor Abschluß eines Friedensvertrages zu fordern". Schütz antwortet, er habe sich in dem Aufsatz gegen "überholte Kategorien" und "alte Schlagworte" ausgesprochen.
   Auf der Tagesordnung der Sitzung des Abgeordnetenhauses steht eine Große Anfrage der CDU-Fraktion über die Reformversuche an den Berliner Universitäten aufgrund des Vorschaltgesetzes zum Universitätsgesetz. Das Vorschaltgesetz hatte nach seiner Verabschiedung im Oktober 1968 Reformversuche an den Berliner Universitäten schon vor dem Inkrafttreten des Universitätsgesetzes ermöglicht. Ziel des Vorschaltgesetzes war es, Erfahrungen über Reformmöglichkeiten an den Hochschulen zu gewinnen. In ihrer Begründung der Anfrage erklärt die CDU-Abgeordnete Ursula Besser, die Ergebnisse der Reformversuche an der FU hätten die bereits im vergangenen Herbst geäußerten Bedenken der CDU gegen das Vorschaltgesetz bestätigt. Dies würden die negativen Auswirkungen auf die Qualität von Forschung und Lehre an der Universität und auf die Berufungssituation zeigen. Auch habe sich die Lage an den Universitäten durch das Gesetz nicht beruhigt. Als Folge des Vorschaltgesetzes, das die Verantwortung der Hochschullehrer für Forschung und Lehre nicht gesichert habe, sieht die Abgeordnete auch die kürzlich von der FU veröffentlichte Berufungsbilanz für dieses Jahr an, die erstmals negativ sei. Die offensichtlich gewachsene Bereitschaft von Hochschullehrern, Berlin aus hochschulpolitischen Gründen zu verlassen, sei nach Überzeugung der CDU der befürchteten Behinderung der Forschung zuzuschreiben. In seiner Antwort nennt Wissenschaftssenator Werner Stein zwei wesentliche Gründe für die Verabschiedung des Vorschaltgesetzes. Nach den langen Jahren einer fehlenden Reform an den Universitäten hätten Senat und Abgeordnetenhaus ein deutliches Zeichen zur Bereitschaft für eine echte Reform geben müssen. Nur durch das Gesetz sei der politische Wille zur Neuordnung der Universität deutlich zu machen gewesen. Außerdem habe man Erfahrungen für die Zukunft sammeln wollen. Stein räumt ein, daß wegen der bisher noch zu kurzen Dauer der Versuche noch kein grundsätzliches Urteil über den Erfolg des Vorschaltgesetzes getroffen werden könne. Die Tatsache jedoch, daß drei Versuche an der FU inzwischen auf Wunsch der Betroffenen verlängert worden seien, zeige, daß das Gesetz neue Möglichkeiten erschlossen und neue hochschulpolitische Dimensionen eröffnet habe. Das Gesetz könne die vorhandenen Konflikte, anstatt sie zu schüren, gerade mildern, da mit der Einführung der Mitbestimmung die einzelnen Gruppen zur Zusammenarbeit gebracht würden. Stein lehnt es ab, bereits jetzt Konsequenzen aus den Ergebnissen der Reformversuche zu ziehen. Es wäre schlechter parlamentarischer Stil, eine Debatte darüber, die bei der Verabschiedung des Universitätsgesetzes zu führen sei, jetzt vorwegzunehmen.

1970

Bundesaußenminister Walter Scheel empfängt den Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz im Auswärtigen Amt in Bonn zu einem Gespräch über den Stand der Vorbereitungen für ein Gewaltverzichtsabkommen mit der Sowjetunion. Dabei wird erörtert, wie Berlin in die Bemühungen um eine Entspannung mit Osteuropa eingeordnet werden kann.

Am 25. Jahrestag der Veröffentlichung des Gründungsaufrufs der CDU enthüllt der Landesvorsitzende der Berliner CDU, Peter Lorenz, eine Gedenktafel am Hause Platanenallee 11 in Westend (Berlin-Charlottenburg), wo am 16. Juni 1945 die Gründungsversammlung der Partei stattfand.
   Die CDU in der DDR begeht den Jahrestag mit einer Festveranstaltung in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden. Als Festredner sprechen der Vorsitzende der DDR-CDU, Volkskammerpräsident Gerald Götting, sowie das SED-Politbüromitglied Friedrich Ebert.

1970

Bei den 20. Internationalen Filmfestspiele Berlin 1970 bewerben sich 21 Spiel- und 16 Kurzfilme um die Goldenen und Silbernen Bären.
   An der Aufführung des bundesdeutschen Wettbewerbsbeitrags "o.k." von Michael Verhoeven entzünden sich heftige Diskussionen. Die Jury der Filmfestspiele stellt am 5. Juli ihre Arbeit ein, nachdem der US-amerikanische Jury-Vorsitzende George Stevens den Antikriegsfilm vom Wettbewerb ausschließen wollte. Der Film rekonstruiert Vietnam-Kriegsverbrechen im Bayerischen Wald. Nach Einstellung der Tätigkeit der Jury erklärt der Senator für Wissenschaft und Kunst, Werner Stein, den Wettbewerb für beendet. Am 7. Juli können daher nur die Rahmenpreise verliehen werden.
   Am 28. Juni überreicht Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher in der West-Berliner Akademie der Künste die Bundesfilmpreise 1970. Für den Film "Katzelmacher" erhält der Produzent, das Münchener "antiteater", ein Filmband in Gold und 400?000 DM als Prämie. Als Regisseur dieser Produktion wird Rainer Werner Fassbinder ebenfalls mit einem Filmband in Gold und mit einer Prämie von 250?000 DM bedacht. Für seine darstellerischen Leistungen in diesem Film sowie in "Götter der Pest" und "Liebe ist kälter als der Tod" wird das Ensemble des antiteaters mit einem Filmband in Gold ausgezeichnet. Ferner erhält Fassbinder ein weiteres Filmband in Gold als Drehbuchautor von "Katzelmacher". Dietrich Lohmann wird für seine Kameraführung sowohl in "Katzelmacher" als auch in "Liebe ist kälter als der Tod", "Götter der Pest" und in Thomas Schamonis Film "Ein großer grau-blauer Vogel" mit einem weiteren Filmband in Gold belohnt. Für "Malatesta" erhält der Berliner Produzent Manfred Durniok ein Filmband in Gold und 400?000 DM neben dem Regisseur Peter Lilienthal, der ebenfalls ein Filmband in Gold und eine Prämie in Höhe von 250?000 DM bekommt. Vladimir Pucholdt wird als bester männlicher Nebendarsteller mit einem Filmband in Gold ausgezeichnet. Willy Pankau, der Kameramann, sowie Roger von Moellendorf, der Ausstatter von "Malatesta", können weiterhin je ein Fimband in Gold in Empfang nehmen. Für seine darstellerischen Leistungen in dem Film "Mädchen mit Gewalt" wird Klaus Löwitsch ein Filmband in Gold für die beste männliche Hauptrolle zuerkannt. Für "Ein großer grau-blauer Vogel" erhält Thomas Schamoni ein Filmband in Gold als Nachwuchsregisseur. H. (??) W. Geißendörfer bekommt als Nachwuchsregisseur ein Filmband in Silber für "Jonathan". Als Nachwuchsdarstellerin erhält Renate Morel ein Filmband in Gold für ihr Mitwirken in dem Kurzfilm "Interview". Außerdem erhält der Produzent Anton Triyandafilidis ein Filmband in Silber und 40?000 DM. Hans Jürgen Syberberg wird ein Filmband in Silber und eine Prämie in Höhe von 120?000 DM für seine Dokumentation "Sex-Business _ made in Pasing" überreicht. Ein weiteres Silberband und 40?000 DM bekommt Werner Nekes für seinen Dokumentarfilm "Jümjüm". Für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film gehen Filmbänder in Gold an Kurt Bern(h)ardt, Maly Delschaft, Wilhelm Dieterle, Valeska Gert, Fritz Maurischa(f)t, Anny Ondra und Franz Schafheitlin.

1972

Der 8. Kongreß des FDGB mit mehr als 2 800 Delegierten und Gästen wird in Anwesenheit von Erich Honecker, Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, und Willi Stoph, Vorsitzender des Ministerrats der DDR, in der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin-Prenzlauer Berg eröffnet. Der 7. FDGB-Kongreß fand vom 6. bis 10. Mai 1968 statt. "Fragen der Weiterführung des sozialistischen Wettbewerbs, der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, der Entwicklung der Arbeitskollektive und der weiteren Entfaltung der sozialistischen Demokratie" stehen im Mittelpunkt der Beratungen.
   Am 30. Juni wählt der neue FDGB-Bundesvorstand in seiner konstituierenden Sitzung einstimmig das SED-Politbüromitglied Herbert Warnke erneut zu seinem Vorsitzenden. Stellvertreter des Vorsitzenden werden wiederum Wolfgang Beyreuther und Johanna Töpfer.

1973

Die Sowjetunion bestätigt in einem Schreiben an UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim, daß die Bundesrepublik Deutschland nach ihrer Aufnahme in die Vereinten Nationen die Interessen West-Berlins ? außer in Fragen des Status und der Sicherheit ? in der Weltorganisation vertreten kann. (Vgl. 15. Juni, 22. Juni.)

1974

Der Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, Staatssekretär Günter Gaus, stattet im Rathaus Schöneberg dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz einen Besuch ab. (Vgl. 24. Juni.) Sie erörtern aktuelle politische Fragen und vereinbaren, daß künftig in regelmäßigen Abständen solche Gespräche stattfinden sollen.
   Nach dem Gespräch treffen Gaus und Schütz im Gästehaus des Senats (Berlin-Grunewald) mit dem Vorsitzenden des CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses, Heinrich Lummer, dem stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans-Jürgen Heß und dem F.D.P.-Abgeordneten Claus-Gerd Richter zusammen. Dabei werden insbesondere Fragen im Zusammenhang mit der Errichtung der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin erörtert.

1975

Im Schloß Bellevue in Berlin-Tiergarten wird die zweite Konferenz zur Förderung der West-Berliner Wirtschaft unter Leitung von Bundeskanzler Helmut Schmidt abgehalten. Führende Personen der Wirtschaft und der Gewerkschaften, zwei Bundesminister ? Hans Friderichs, Bundesminister für Wirtschaft, und Hans Matthöfer, Bundesminister für Forschung und Technologie ? sowie der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz und weitere Senatsmitglieder nehmen teil. Wichtigste Ergebnisse der Wirtschaftskonferenz sind die geplante Errichtung eines Zentrums für die wirtschaftliche Ost-West-Kooperation, die besondere Berücksichtigung West-Berlins auf dem Gebiet der Energieforschung und der Erforschung neuer Produktionstechniken in der Industrie und in der Bautechnik.
   Vor der Presse betont Bundeskanzler Schmidt, bei den Gesprächen sei es im wesentlichen darum gegangen, die deutsche Wirtschaft noch einmal mit allem Nachdruck auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die der Platz Berlin bietet.

1977

Zur Eröffnung einer Tagung des Aspen Berlin Instituts für Humanistische Studien e.V. in West-Berlin (Thema: "Bedingungen der europäischen Sicherheit im Wandel") formuliert der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe die Aufgabe Berlins dahingehend, "die deutsche Frage offen zu halten, bis sie wirklich friedlich gelöst werden kann".

1981

Bundesinnenminister Baum überreicht im Zoo-Palast den Deutschen Filmpreis 1981 für vier Spiel-, für je drei Dokumentär- und Kurzfilme sowie für eine Reihe von Einzelleistungen und für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". Nicht zuerkannt wird in diesem Jahr das Filmband in Gold für einen überragenden Spielfilm.

Grundsteinlegung für den neuen Friedrichstadt-Palast auf einem Areal zwischen Johannis- und Ziegelstraße, ganz in der Nähe des alten Variete- und Revuetheaters, das im März 1980 aus bautechnischen Gründen hatte geschlossen und später abgerissen werden müssen.

1981

Der Landesparteitag der Berliner SPD (vgl. 28. März) in der "Neuen Welt" an dem übrigens 25% der Delegierten nicht teilnehmen - debattiert nach Grundsatzreferaten von Bundesgeschäftsführer Glotz und dem Fraktionsvorsitzenden Vogel Gründe und Ursachen der schweren Niederlage bei der Wahl am 10. Mai. Landesgeschäftsführer Pfaff teilt in seinem Rechenschaftsbericht u.a. mit, daß die Zahl der Berliner Parteimitglieder seit Ende 1976 um gut 6% auf jetzt nur noch 36 210 schrumpfte.

1982

Bundesinnenminister Baum überreicht im Zoo-Palast den Deutschen Filmpreis 1982 (insgesamt 16 Filmbänder in Gold, 11 in Silber) für sieben Spiel-, zwei Dokumentär- und drei Kurzfilme sowie für eine Reihe von Einzelleistungen und für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".

1985

Die CDU feiert den 40. Jahrestag ihres Bestehens mit der Enthüllung einer Bronzetafel am Haus Platanenallee 11 in Westend, wo 34 Per-. sönlichkeiten am 26. Juni 1945 - an ihrer Spitze Männer wie Andreas Hermes und Jakob Kaiser, die dem Widerstand gegen das NS-Regime angehörten - den Gründungs-Aufruf für eine völlig neue politische Partei in Deutschland unterzeichneten, einem Festakt im Hotel Steigenberger, auf dem der Regierende Bürgermeister Diepgen, CDU-Generalsekretär Geißler und der Parteimitbegründer sowie Berliner Ehrenbürger Gradl sprechen, und einer Plakatausstellung zur Geschichte der CDU in einem Zelt auf dem Los-Angeles-Platz vor diesem Hotel.

1986

Im Rahmen der 32. Sitzung des Abgeordnetenhauses (10. Wahlperiode) führt die Aktuelle Stunde zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Koalition und Opposition. Der Regierende Bürgermeister Diepgen äußert dabei größte Sorge um das "geistige Klima" in der Stadt angesichts vieler Formulierungen des auf dem SPD-Landesparteitag (vgl. 20./21. Juni) beschlossenen Positionspapiers, das eine völlige Veränderung in der Deutschlandpolitik befürworte und die Bereitschaft zum Konflikt mit den USA und ihren Bündnispartnern erkennen lasse, wobei Bekenntnisse für die Wertegemeinschaft des Westens und zur NATO nur noch wie "salvatorische Klauseln" wirkten. Derlei Vorwürfe weist derSPD-Fraktionsvorsitzende Momperals"unredlich und falsch" zurück, denn seine Partei halte nach wie vor an wesentlichen Positionen, wie der Entscheidung für den Westen und dem Ziel einer Überwindung der deutschen Teilung, fest, sie benötige daher auch keinerlei Belehrungen über den Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit. Erwie dann auch der Abgeordnete Löffler, derzu den scharfen innerparteilichen Kritikern der umstrittenen Formulierungen gehört, machen aber deutlich, daß der pragmatische Weg kleiner Schritte in der Deutschland-Politik "eines Tages zum Stillstand führen" werde. Deshalb fordere die Berliner SPD eine neue Stufe der Entspannungspolitik, in der diese und die Abrüstung konsequent miteinander gekoppelt werden müßten. Nichts anderes bedeute letztlich der so heftig attackierte Begriff einer "Sicherheitspartnerschaft" zwischen Ost und West.

Zum Abschluß der rund zehnjährigen Umbau- und Restaurierungsarbeiten am Dienstgebäude des Umweltbundesamtes am Bismarckplatz im Ortsteil Grunewald erfolgt die Einweihung des von Emanuel Scharfenberg geschaffenen Brunnens "Umwelt und Wasser" im Hof durch den Präsidenten des Amtes, Heinrich von Lersner.

1987

Der zur Teilnahme an der Marshall-Plan-Konferenz im Reichstag (vgl. 25./ 27. Juni) für knapp 24 Stunden in Berlin weilende schwedische Ministerpräsident Carlsson erklärt bei seiner Eintragung ins Goldene Buch im Rathaus Schöneberg, daß niemand in seinem Innern davon unberührt bleiben könne, wie sehrdie Berliner Grenzlinie im Herzen Europas Menschen voneinander scheide."Wir alle" hätten ein starkes Eigeninteresse an einer Intensivierung des Ost-West-Dialogs und an der Schaffung von mehr Kontakten über die Grenzen hinweg. Dies sei keine Frage, die ausschließlich beide deutsche Staaten angehe. Zu Beginn des Empfangs kommt es zu einem Zwischenfall, als der seit Wochen von der Staatsanwaltschaft gesuchte frühere AL-Abgeordnete Kunzelmann (vgl. 23. Mai) den Regierenden Bürgermeister Diepgen an seinen Begrüßungsworten zu hindern versucht, was zu Handgreiflichkeiten führt, ehe Sicherheitsbeamte Kunzelmann festnehmen können.

1988

Anläßlich des 40. Jahrestages des Blockadebeginns (vgl. 23. Juni) veranstalten die britischen Militärbehörden erstmals wieder nach acht Jahren einen Flugtag auf dem Flughafen Gatow, den 65 000 Berliner besuchen. Sie können eine ganze Reihe von Maschinen - vom Billing-Doppeldecker aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über eine Ju 52 und ein Catalina-Flugboot, das am Vortage, wie zu Beginn der Luftbrücke, auf der Havel gewassert hatte, bis zu schweren Transportern vom Typ Hercules - am Boden besichtigen und anschließend Flugvorführungen und Fallschirmsprünge miterleben.

1990

Die rund 3200 Mitarbeiter der Ost-Berliner Müllabfuhr streiken für eine Erhöhung der Löhne und der Gebühren für die Entsorgung von Gewerbe- und Industriemüll. Nach Zusicherung einer leistungsbezogenen innerbetrieblichen Zulage wird der Streik beendet.
   Am 3. Juli beschließt der Magistrat in seiner 9. Sitzung, die Gebühren für die Entsorgung von Gewerbe- und Industriemüll zu erhöhen, um dem drohenden "Mülltourismus" nach Ost-Berlin aufgrund des Preisgefälles zwischen beiden Teilen der Stadt entgegenzuwirken.

1991

Finanzsenator Elmar Pieroth unterzeichnet den Kaufvertrag zwischen dem Land Berlin und dem japanischen Elektronikkonzern Sony für ein 31 682 Quadratmeter großes Grundstück am Potsdamer Platz.
   Der Verkauf des Grundstücks an Sony stößt bei den Koalitionsfraktionen CDU und SPD aufgrund des niedrigen Kaufpreises von rund 103 Millionen DM (Quadratmeterpreis: 3 240 DM) auf Widerspruch.

1992

Am 151. Geburtstag des Architekten Paul Wallot (1841 - 1912), der das Reichstagsgebäude schuf, gibt das Bundesbauministerium die Wettbewerbsunterlagen für den Umbau des künftigen Sitzes des Deutschen Bundestags in Berlin aus. Grundlage ist der Beschluß des Bundestags, das Gebäude im Spreebogen auf Dauer für Plenarsitzungen zu nutzen. Im benachbarten Reichstagspräsidentenpalais sollen die Amtswohnung des Bundestagspräsidenten und Repräsentationsräume untergebracht werden. Die Wiedererrichtung oder Neuinterpretation der Reichstagskuppel wird den Wettbewerbsteilnehmern nicht vorgegeben.

Im Deutschen Bundestag (... Sitzung, 12. Wahlperiode) wird bei der Beratung des zweiten Zwischenberichts der Konzeptkommission (vgl. 17. Juni) die bisherige Umsetzung des Hauptstadtbeschlusses deutlich unterschiedlich bewertet: Berlin-Befürworter argumentieren, die Zeitpläne für die Verlagerung würden bewußt hinausgezögert, und die Entscheidung sei nachträglich zu Lasten der Hauptstadt geändert worden. Die Bonn-Anhänger bekräftigen ihre Ansicht, der beschlossene Umzug sei eine Fehlentscheidung gewesen. Sie zeigen sich aber oinsgesamt nicht unzufrieden mit den sich nun abzeichnenden Lösungen für Bonn. Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth weist Vorwürfe zurück, die Verlagerung werde hinausgezögert oder übereilt vorangetrieben. Solche Verdächtigungen würden jeder Grundlage entbehren. Ein genauer Zeitpunkt für die Arbeitsfähigkeit des Bundestags in Berlin könne derzeit noch nicht genannt werden. Dies hänge entscheidend vom Umbau des Reichstagsgebäudes ab. Der Regierende Bürgermeister Eberhard diepgen zeigt sich enttäuscht über die bisher erzeileten Ergebnisse. Im Widerspruch zum Hauptstadtbeschluß stehe die absicht, Bonn neben Berlin zum zweiten Regierungsstandort zu machen. Auch die Pläne, große Behörden aus Berlin abzuziehen, seien so nicht akzeptabel. Der erste Dienstsitz aller Bundesministerien müsse Berlin sein. Alles andere stehe im Widerspruch zum Hauptstadtbeschluß. Dieser lege fest, daß Bonn ein Verwealtungszentrum des vereinten Deutschland werde. Eine zweite Hauptstadt oder Regierungsstadt könne es nicht geben.

1993

Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), der Kanadier Robert D. Steadward, überprüft gemeinsam mit dem IPC-Generalsekretär André Raes aus Belgien und einer Delegation Berlin auf seine Tauglichkeit für die Ausrichtung der Paralympics, der Olympischen Spiele der Behinderten. (Vgl. 27. Februar.)

1998

Am 50. Jahrestag des Beginns der Luftbrücke ehrt der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen auf dem ehemaligen britischen Luftwaffenstützpunkt Gatow die Opfer der Luftbrücke, legt einen Kranz nieder und nimmt an der Enthüllung einer Gedenktafel teil. (Vgl. 13. Mai 1998.)
Auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte findet anläßlich des Luftbrückenjubiläums ein Konzert des Bundesjugendorchesters statt. Mehr als 8 000 Gäste kommen. Bundesaußenminister Klaus Kinkel hält eine Rede, in der er den Einsatz der Luftbrückenpiloten als "Schlüsselereignis" und "Hilfsaktion ohne Beispiel" bezeichnet.

2000

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac trifft zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Berlin ein. Er legt in der Neuen Wache Unter den Linden (Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland) einen Kranz nieder, besucht das Berliner Rathaus, wo er sich in das Goldene Buch der Stadt einträgt, und geht mit dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen durch das Brandenburger Tor. In der Humboldt-Universität spricht der Staatschef vor Studenten.
Am folgenden Tag hält Chirac eine Rede vor dem Deutschen Bundestag.

2003

Die neue italienische Botschaft in Tiergarten wird von dem italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi und Bundespräsident Johannes Rau eröffnet. Der Bau wurde in der NS-Zeit errichtet und im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. "Das Haus ist Zeugnis einer historischen Epoche", antwortet Ciampi auf die Frage, weshalb Italien wieder das alte Botschaftsgebäude beziehe. Mit rund 15,5 Millionen Euro wurde der Palazzo saniert.

Auf dem John-F.-Kennedy-Platz am Rathaus Schöneberg findet eine Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des Berlin-Besuches von US-Präsident John F. Kennedy statt. Etwa 3 000 Menschen gedenken der legendären Rede, die Kennedy am 26. Juni 1963 hier, am Rathaus Schöneberg, unter dem frenetischen Beifall von Hunderttausenden hielt. Fünf Monate später wurde Kennedy in Dallas erschossen.
   Das Deutsche Historische Museum widmet Kennedy eine Ausstellung, die am 25. Juni vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eröffnet wurde. Zu sehen sind rund 400 Hand- und Druckschriften, Fotos, Gemälde, Plakate, Bücher und andere Objekte. Die Dokumentation geht der Geschichte der Familie Kennedy und ihrem Mythos nach und beschäftigt sich mit der politischen und geistigen Aufbruchstimmung, die mit Kennedy verbunden war.

2004

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit durchschneidet das Regenbogenband und eröffnet die Parade zum 26. Christopher-Street-Day. Unter dem Motto "Homokulturell, Multisexuell, Heterogen" zieht die Karawane mit 52 bunt geschmückten Wagen vom Kurfürstendamm zur Siegessäule in Tiergarten.
Am 18. Juni zog Wowereit vor dem Berliner Rathaus aus Anlass des Beginns der Christopher-Street-Woche die Regenbogenfahne auf.

2006

Am Neptunbrunnen auf dem Alexanderplatz wird in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit "Das größte Fußballgemälde der Welt" präsentiert, das Projekt Fußball-Agora des Berliner Künstlers Martin Keck. Keramikfliesen mit Szenen aus der Welt des Fußballs sind auf acht sechseckigen und fünf Meter hohen Säulen installiert. Das entstehende Ensemble bildet die Agora, im alten Griechenland der Markt und die dort stattfindende Volksversammlung, heute ein Treffpunkt für Kunstfreunde und Fußballfans.

2011

Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen, die in Deutschland ausgetragen wird. Titelverteidiger Deutschland bezwingt im Berliner Olympiastadion vor mehr als 73 000 Zuschauern Kanada mit 2 : 1 (2 : 0). Am 9. Juli scheidet Deutschland im Viertelfinale aus. Weltmeister wird zum ersten Mal Japan. Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft am 17. Juli in Frankfurt am Main bezwingen die Japanerinnen den zweimaligen Weltmeister USA.

2013

Mit einem Festakt im Rathaus Schöneberg wird in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, des Botschafters der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Philip D. Murphy, des Direktors der John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Thomas J. Putnam, und des Zeitzeugen Egon Bahr an den Berlin-Besuch des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy (1917–1963) vor 50 Jahren erinnert.

2015

Am letzten Tag ihres Staatsbesuchs wird die britische Königin Elizabeth II. im Hotel Adlon vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller begrüßt, der mit ihr einen Gang über den Pariser Platz unternimmt.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 26.06.2019)