Was geschah am 07.07. im Jahr ...

1945

Auf einer zweiten Konferenz beschließen die Vertreter der drei Besatzungsmächte, Marschall Shukow für die Sowjetunion, Generalleutnant Clay für die Vereinigten Staaten von Amerika und Generalleutnant Weeks für Großbritannien die Errichtung der Interalliierten Militärkommandantur für Berlin (Inter-Allied Military Commandatura, IAMC). Die Interalliierte Militärkommandantur bildet die Spitze der Verwaltungsapparate (Hauptquartiere) der einzelnen Besatzungssektoren (Zonen), vertreten durch die Sektorenkommandanten. Ihre Arbeit besteht vor allem darin, Probleme, die Gesamtberlin betreffen, möglichst einheitlich zu regeln und Beschlüsse, gewöhnlich in Befehlsform abgefaßt, dem Oberbürgermeister der Stadt Berlin zur Ausführung zu übermitteln. Probleme sektoraler oder bezirklicher Natur regeln die Sektoren- oder Bezirkskommandanten unmittelbar mit den zuständigen Bezirksbürgermeistern. Als Datum des ersten Zusammentritts der IAMC Groß-Berlin wird der 11. Juli festgelegt. Die Verbindung zwischen der IAMC Groß-Berlin und dem Kontrollrat wird von einem Koordinierungskomitee hergestellt. Marschall Shukow fordert die Westalliierten auf, die Versorgung der Berliner Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln und Brennstoffen in den ihnen zugewiesenen Sektoren zu übernehmen, da die sowjetische Besatzungsmacht dazu allein nicht mehr in der Lage sei. Angesichts der Tatsache, daß weite Teile der westlichen Sowjetunion, Osteuropas und Mittel- und Ostdeutschlands durch die Kampfhandlungen schwere Zerstörungen erfahren haben und daher Vorrate und Produktionsmöglichkeiten vermindert sind, verpflichten sich die Generale Clay und Weeks, die Lebensmittel für ihre Sektoren unter der Bedingung zu liefern, daß in Berlin einheitliche Rationen ausgegeben werden und der Alliierte Kontrollrat nach seiner Konstituierung den Austausch von Lebensmitteln zwischen allen Besatzungszonen regelt.

Die Abteilung für Sozialwesen des Magistrats, Hauptamt "Opfer des Faschismus", bittet in einem Schreiben an die Bezirksämter, bei der Ausstellung von Ausweisen und Bescheinigungen allergrößte Vorsicht und Zurückhaltung zu üben, da bisher eine Anzahl von Berufsverbrechern, Asozialen, Arbeitsverweigerern und teilweise auch von ehemaligen Nationalsozialisten versucht hat, sich dadurch Vorteile zu verschaffen.

Die Zeitung "Das Volk", herausgegeben vom Zentralausschuß der SPD, erscheint zum ersten Mal. Chefredakteur ist Otto Meier.

Im Renaissance-Theater findet die Premiere von Arthur Schnitzlers "Der grüne Kakadu" und von Frank Wedekinds "Der Kammersänger" in der lnszenierung von Karl-Heinz Martin statt, mit Friedel Schuster, Hans Hermann Schaufuß und Hans Leibelt.

1946

Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands stiftet anläßlich der ersten Jahresfeier seiner Gründung einen Kulturpreis. Der Preis wird jährlich in vier mit je 5000 RM dotierten Einzelpreisen für hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Literatur, Musik, bildenden Kunst und Wissenschaft verliehen. Auf der Feier im großen Sendesaal des Rundfunkhauses sprechen Johannes R. Becher, die Professoren Johannes Stroux, Bernhard Bennedik, Max Pechstein und Werner Krauss aus Marburg sowie Dr. Friedensburg, Theodor Plivier und Oberbürgermeister Dr. Werner.
Gleichzeitig erscheint die erste Nummer der sowjetisch lizenzierten Zeitschrift "Sonntag. Eine Wochenschrift für Kulturpolitik, Kunst und Unterhaltung", herausgegeben vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Schriftleiter ist Professor Dr. Günther Brandt.

Die Gewerkschaftsfunktionäre der Berliner SPD protestieren in einer Versammlung in Kliems Festsälen, Hasenheide im Bezirk Kreuzberg, gegen das spurlose Verschwinden von drei Parteimitgliedern während der letzten Wochen im sowjetischen Sektor. Es handelt sich um den beim Magistrat angestellten Funktionär Hermann Löwenthal, den Gewerkschaftsfunktionär Julius Scherff, Vorstandsmitglied der Berliner SPD, sowie den Studenten Gerhard Klaus.
Gleichzeitig spricht sich die Konferenz in einer Entschließung gegen die Wahlordnung des FDGB für die vom 22. Juli bis 3. August 1946 vorgesehenen Betriebsrätewahlen in Berlin und für eine Wahl nach dem Verhältnissystem aus. Die Betriebsbelegschaften werden aufgefordert, sich von keiner Seite Kandidaten aufzwingen zu lassen.

Erzbischof Dr. Germanos von Thyateira, der Oberhirte der griechisch-orthodoxen Gemeinden in Mittel- und Westeuropa, hält in der Technischen Universität einen Gottesdienst nach orthodoxem Ritus.

1947

Der britische Stadtkommandant, General Ryan, gibt auf einer Pressekonferenz bekannt, daß der englische, amerikanische und französische Vertreter der Alliierten Kommandantur der Wahl Professor Reuters zum Oberbürgermeister von Groß-Berlin zustimmten, während der sowjetische Vertreter ihn ablehnte. Die von diesem gegen Reuter angeführten Gründe werden von den Kommandanten der Westsektoren, als nicht stichhaltig betrachtet.
Zu der Absetzung des Leiters der Abteilung für Volksbildung des Magistrats, Dr. Nestriepke, bemerkt General Ryan, daß diese auf Veranlassung des sowjetischen und französischen Vertreters erfolgt sei.

Der Magistrat verabschiedet auf seiner Sitzung einen Gesetzentwurf über die Errichtung einer "Wirtschaftskammer Groß-Berlin" sowie die Satzungen für die Wirtschaftskammer und die drei Kammern der Industrie, des Handels und des Handwerks.
Ferner beschließt der Magistrat die Entfernung der im Kriege weitgehend zerstörten Standbilder der Siegesallee.

Der Magistrat, der Hauptbetriebsrat beim Magistrat sowie der FDGB erlassen eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit der Gebietskörperschaft Groß-Berlin mit den Betriebsräten, die am 16. Juli 1947 in Kraft tritt. Sie regelt die Zusammensetzung, Aufgaben sowie Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrecht der städtischen Betriebsräte.

1948

Amerikanische Flugzeuge vom Typ Skymaster nehmen die Kohlenversorgung Berlins aus der Luft auf. Es ist geplant, Säcke mit Kohlen über dem Maifeld im Olympia-Stadion und über einem Schießplatz im amerikanischen Sektor abzuwerfen.
Zum ersten Male werden innerhalb von 24 Stunden 1000 Tonnen Fracht von amerikanischen und britischen Transportmaschinen eingeflogen.
Die Flugtätigkeit sowjetischer Jäger in der Nähe der Luftkorridore hat sich verstärkt, während die sowjetische Sektion der alliierten Luftsicherheitszentrale, der einzigen noch arbeitenden Viermächteeinrichtung, wegen angeblicher amerikanischer Verletzungen der Luftverkehrsregeln protestiert.

Die amerikanische Militärregierung erteilt der Abteilung für Wirtschaft des Magistrats die Anweisung, einer sowjetischen Forderung vom 6. Juli 1948 nach Auslieferung von Lebensmitteln, die für den sowjetischen Sektor bestimmt waren, nicht zu entsprechen.

Die sowjetische Zentralkommandantur verbietet dem Direktor des Schlachthofes durch Befehl Nr. 548 die Lieferung von Rohstoffen für die Herstellung medizinischer Präparate in die westlichen Sektoren.

Der Magistrat beschließt auf einer außerordentlichen Sitzung, nur die im sowjetischen Sektor gültige neue Reichsmark als einheitliche Währung für die gesamte öffentliche Wirtschaft der Gebietskörperschaft Groß-Berlin einschließlich der Eigenbetriebe und Eigengesellschaften festzusetzen.
In den Westsektoren eingenommene und ausgegebene D-Markbeträge sind durch eine ausschließlich den westlichen Besatzungsmächten unterstellte Behörde in diese Währung im Verhältnis 1:1 umzutauschen.

Der Magistrat gibt auf seiner ordentlichen Sitzung dem von der Abteilung für Sozialwesen vorgelegten Gesetz über Leistungen an Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene seine Zustimmung.
Er erörtert die Wahlordnung für die im Jahre 1948 durchzuführenden Wahlen und stimmt dem Entwurf einer Wahlordnung zu.
Ferner wird das Gesetz über eine vorläufige Arbeitslosenhilfe beschlossen, das von einer Kommission zur Beratung der Dringlichkeitsanträge der Fraktionen der SPD und SED über Wiederinkraftsetzung der Arbeitslosenhilfe sowie der Arbeitsausfallunterstützung vorgelegt wird.
Die Magistratsmitglieder besprechen die durch den Befehl Nr. 545 des sowjetischen Stadtkommandanten vom 6. Juli 1948 entstandene Lage auf dem Ernährungsgebiet, die mehrere Angestellte der Abteilung für Ernährung veranlassen könnte, aus dem städtischen Dienst auszuscheiden, weil sie für Mißstände in der Lebensmittelversorgung des sowjetischen Sektors persönlich haften sollen, ohne sie verschuldet zu haben. Diese Angelegenheit soll schnellstens bereinigt werden.

Im Berliner Jugendring kommt es zum Bruch mit den Vertretern der FDJ, nachdem diese sich weigerten, von dem Verhalten ihres Vorsitzenden, Heinz Kessler (SED), und anderer Mitglieder nach der Stadtverordnetensitzung am 23. Juni 1948 abzurücken.

Gründung eines Vorbereitungsausschusses zur Errichtung der Hochschule für Politik mit Stadtverordnetenvorsteher Dr. Otto Suhr, Stadtrat Professor Ernst Reuter, Professor Dr. Joachim Tiburtius, Professor Kurt Landsberg, Stadtrat Walter May und Ernst Tillich.

Professor Apelt wird zum neuen Rektor der Technischen Universität gewählt.

1949

Der Magistrat des sowjetischen Sektors beschließt auf seiner 33. Sitzung die Einrichtung von Facharbeiternachweisen, mit deren Hilfe eine bessere Stellenvermittlung auf individueller Grundlage ermöglicht werden soll.
Ferner beschließt er die Dritte Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Einziehung der Vermögenswerte der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten. Die auf Grund der Befehle Nr. 124 und 126 der Sowjetischen Militärverwaltung sequestrierten und enteigneten Hausratsgegenstände, insbesondere Möbel, können nunmehr von den gegenwärtigen Benutzern zu einem von der Wirtschaftsverwaltung festgesetzten Wert gekauft werden.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors beschließt ein Statut für die sogenannten Vereinigungen Volkseigener Betriebe, das ihnen ein Mitbestimmungsrecht bei entscheidenden Fragen der Wirtschaft sichert und die Mitverantwortung für die Verwirklichung rationeller und planmäßiger Produktion sowie die Sicherung der Rentabilität überträgt.

1950

Der Direktor der "Berliner Ausstellungen", Gerhard Wiemer, gibt auf einer Pressekonferenz Einzelheiten über den kürzlich begonnenen Neubau von fünf Ausstellungshallen auf dem Messegelände am Funkturm bekannt. Die Neubauten sollen nach einer Rekordbauzeit von rund drei Monaten bis zur Deutschen Industrieausstellung im Oktober 1950 die überdachte Ausstellungsfläche auf 37 000 Quadratmeter und damit um etwa das Doppelte der bisher zur Verfügung stehenden Fläche erweitern. Die Kosten für das gegenwärtig größte Bauprojekt in Berlin in Höhe von rund vier Millionen DM werden aus amerikanischen GARIOA-Mitteln gedeckt. Außer den fünf Großhallen werden zur Zeit auf dem südlichen Messegelände um einen neuen "Platz der Nationen" von mehreren Ländern eigene Ausstellungspavillons gebaut.

Der sogenannte Demokratische Block der Parteien und Massenorganisationen der sowjetischen Besatzungszone beschließt auf einer Sitzung in Berlin die Verteilung der Mandate für die Einheits-Wahlliste zu den am 15. Oktober 1950 stattfindenden Wahlen zur Volkskammer und zu den Land-, Kreis- und Gemeindeparlamenten. Danach erhalten die SED 25 %, CDU (Ost) 15 %, LDP 15 %, FDGB 10 %, NDPD 7,5 %, DBD 7,5 %, FDJ 5 % Kulturbund 5 %, DFD 3,7 %, VVN 3,7 %, VdgB 1,3 % und die Genossenschaften 1,3 %. Diese Aufteilung entspricht derjenigen für die Wahlen zum III. Deutschen Volkskongreß am 15./16. Mai 1949.

1951

Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter wird auf der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in München einstimmig wieder zu dessen Präsidenten gewählt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 319 f., 2.7.1949, Nr. 11).

Der Ost-Berliner Magistrat übernimmt die sowjetzonale Verordnung über die Wahrung der Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte auf dem Gebiet der Musik vom 5. April, mit der die Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte auf dem Gebiet der Musik (AWA) geschaffen wurde. Aufgaben der AWA sind die Vergebung von Aufführungsrechten von Werken der Musik, die Geltendmachung und Einziehung von Lizenzgebühren für deren Aufführung und die Verteilung der eingegangenen Lizenzgebühren an die Berechtigten und Abzug der Verwaltungskosten.

1952

100. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Nachdem bereits die Abteilung "Bergbau und Hüttenwesen" aus der Fakultät für Allgemeine Ingenieurwissenschaften (Fakultät II) an der Technischen Universität herausgelöst und in eine selbständige Fakultät umgewandelt wurde, erklärt sich der Senat nunmehr damit einverstanden, daß auch die Abteilung "Wirtschaftswissenschaften" den gleichen Status erhält. Der allzu große Umfang der Fakultät II, der einzelne Fachrichtungen angehörten, die nicht zu den "Allgemeinen Ingenieurwissenschaften" zählen, mache es nach Auffassung aller zuständigen Stellen notwendig, sie abzuspalten und in selbständige Fakultäten zu überführen, soweit es sich um in sich geschlossene Studienzweige handelt sowie durch die Zahl der dazugehörigen Professoren und Studenten gerechtfertigt ist. Nach langen Auseinandersetzungen zwischen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität und der Abteilung Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität ergab sich in einer von beiden gebildeten Kommission von Ordinarien der Wirtschaftswissenschaften unter Vorsitz des Senators für Volksbildung eine Verständigung über eine gemeinsame Regelung des Studiums und des Prüfungswesens dieser Disziplin an beiden Universitäten. Danach sollen die Prüfungsordnungen für Diplom-Kaufleute einander angeglichen und eine gemeinsame Prüfungsordnung angestrebt werden. Weiter wird versucht, ein gemeinsames Prüfamt zu bilden, das mit Ordinarien der FU und der TU besetzt ist und in dem der Vorsitzende jährlich abwechselnd von den beiden Fakultäten bestellt wird. Jedem Studenten steht es frei, Vorlesungen und Übungen der anderen Fakultät zu besuchen.

Die 4. Kammer des Berliner Verwaltungsgerichts hebt den Senatsbeschluß wieder auf, der seine Anordnung vom 30. Juni zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung mit sofortiger Wirkung in Kraft setzte. In der Begründung seines Bescheides bemängelt das Gericht, daß beide Anordnungen im Konflikt mit den Ärzten vom Senat und nicht von der dafür zuständigen Behörde, nämlich dem Senator für Arbeit im Einvernehmen mit dem Senator für Gesundheitswesen erlassen wurden, sie daher auch nicht verbindlich sind; unersichtlich bleibe darüber hinaus, ob der Senator für Gesundheitswesen beiden Senatsbeschlüssen zugestimmt habe. Neben diesen formalen Gründen hält das Gericht aber auch sachlich die Maßnahmen des Senats nicht für vertretbar, denn nach seiner Auffassung gewährleiste die ärztliche Berufsverpflichtung in allen Fällen eine einwandfreie Behandlung jedes Patienten.
Der Senat muß die Kosten des Verfahrens tragen und die Entscheidung des Gerichts öffentlich bekanntgeben. Die aufschiebende Wirkung der von der Vereinigung der Sozialversicherungsärzte eingebrachten Klage gegen den Senat bleibt bestehen, so daß der vertragslose Zustand zwischen Ärzten und VAB bis zu einer endgültigen Entscheidung des Gerichts andauert.

1953

Der Magistrat des sowjetischen Sektors erlaubt West-Berlinern, wieder selbst einen Verwalter für ihre Grundstücke in Ost-Berlin zu benennen.

Vertreter der Wasserwerke aus beiden Teilen der Stadt vereinbaren auf der Späthbrücke (Sektorengrenze zwischen den Bezirken Neukölln und Treptow) die zusätzliche Lieferung von 20 000 Kubikmeter Trinkwasser aus dem sowjetischen Sektor nach Neukölln zur Behebung der dortigen Wassernot. Dies erfolgt unabhängig von bereits am 7. Januar 1953 vereinbarten Lieferungen der West-Berliner Wasserwerke an die südlichen Randgemeinden Berlins von monatlich 300 000 Kubikmetern gegen solche in gleicher Höhe der Ost-Berliner Wasserwerke Stolpe und Johannisthal. Durch die neuen Lieferungen werden Schulden aus Leistungen der West-Berliner Wasserwerke an die Reichsbahn abgedeckt.

In mehreren Großbetrieben des sowjetischen Sektors, darunter auch Baustellen der Stalin-Allee, fordern die Arbeiter mit Sprechchören und Arbeitsniederlegungen die unverzügliche Freilassung der verhafteten Teilnehmer des Aufstandes. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" berichtet über die Tätigkeit von "Provokateuren und Störenfrieden" in Betrieben, Verkehrsmitteln und Baustellen, die mit Gerüchten über Sitzstreiks Unruhe in die Bevölkerung zu bringen versuchten.

1953

Der amerikanische Hohe Kommissar, Botschafter Conant, informiert sich in Berlin eingehend über die Lage der Stadt nach der Niederschlagung des Aufstandes durch Augenzeugenberichte von Flüchtlingen. Er bespricht mit dem Regierenden Bürgermeister Professor Reuter und den Vorsitzenden der demokratischen Parteien die politische Lage und erörtert mit den Angehörigen seiner Berliner Dienststelle Möglichkeiten zur Realisierung eines Vorschlages des State Department, überschüssige amerikanische Lebensmittel der Bevölkerung Mitteldeutschlands zur Verfügung zu stellen.

Der Berliner SPD-Vorsitzende Franz Neumann übermittelt Botschafter Conant Vorschläge und Forderungen seiner Partei in der gegenwärtigen Situation Berlins, die u. a. vorsehen:

  1. unverzügliche Freilassung aller im Zusammenhang mit der Erhebung Verhafteten,
  2. Erweiterung der Amnestie im sowjetischen Besatzungsgebiet auf alle Verurteilungen aus politischen oder wirtschaftsstrafrechtlichen Gründen,
  3. Wiederherstellung des freien Personenverkehrs in Berlin, des durchgehenden Telefonnetzes, Wiederzulassung aller in Berlin erscheinenden Zeitungen in allen Sektoren, echte Freizügigkeit durch unbehinderte Ausgabe von Interzonenpässen, und
  4. Übergabe der gesamten Verwaltung Ost-Berlins an die letzten rechtmäßig gewählten Bezirksamtsmitglieder mit der ausschließlichen Aufgabe, freie Gesamtberliner Wahlen vorzubereiten.

1954

Der auf einer Inspektionsreise durch Europa befindliche amerikanische Armeeminister Robert T. Stevens besucht für einen Tag Berlin, wird vom Regierenden Bürgermeister Dr. Schreiber zu einem Höflichkeitsbesuch empfangen, trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein, nimmt vor dem amerikanischen Hauptquartier in Dahlem eine Truppenparade ab und läßt sich während eines Hubschrauberrundfluges die Stadt zeigen.

Der Senat teilt dem Abgeordnetenhaus in einer Vorlage zur Kenntnisnahme mit, daß er die vom Abgeordnetenhaus am 6. Mai gewünschte Ergänzung des "Gesetzes zum Schutze der persönlichen Freiheit" zur Zeit nicht für erforderlich hält, da einerseits die West-Berliner Gerichte durch die Strafzumessung bei Menschenraubprozessen auf Grund der verschärften Strafbestimmungen dieses Gesetzes neben dem Gesichtpunkt der gerechten Sühne auch dem Erfordernis der Abschreckung schon hinreichend Rechnung tragen und andererseits im Interesse der Rechtseinheit eine vom Bundesjustizministerium durchgeführte Überprüfung der Möglichkeit einer Änderung der die "Verschleppung" betreffenden Bestimmungen des Strafgesetzbuches abgewartet werden soll.

Die ordentlichen Professoren der Technischen Universität wählen Professor Otto Dahl erneut zum Rektor im Studienjahr 1954/55. Prorektor wird der derzeitige Dekan der Fakultät für Architektur, Professor Kurt Dübbers.

Die Juristische Fakultät der Ost-Berliner Humboldt-Universität verleiht dem während des nationalsozialistischen Regimes emigrierten und heute in den Vereinigten Staaten lebenden Schriftsteller Lion Feuchtwanger aus Anlaß seines 70. Geburtstages die Würde eines Ehrendoktors.

Auf einer Gesamtberliner Handwerkerkonferenz im "Haus des Deutschen Handwerks" (sowjetischer Sektor) erklärt der Präsident der Ost-Berliner Handwerkskammer, Leopold Pertek, daß in dem vom Magistrat angebotenen und bisher unbeantwortet gebliebenen Zusatz-Interzonenhandelsvertrag allein für etwa 20 Millionen Verrechnungseinheiten Aufträge für das West-Berliner Handwerk vorgesehen sind. Auf Vorschlag Perteks wird ein Arbeitsausschuß von Handwerkern aus Ost und West gebildet, der die Liefermöglichkeiten des West-Berliner Handwerks überprüfen und mit dem Ausschuß zur Förderung des Gesamtberliner Handels die Voraussetzung für die Verwirklichung des Angebots schaffen soll.

1955

Die Ministerpräsidenten der Nachfolgeländer Preußens - Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein - unterzeichnen in Bonn eine "Vereinbarung über die vorläufige Regelung der Verwaltung des preußischen Kulturbesitzes", dessen Tradition fortzuführen und seine Einheit zu erhalten sie als eine gemeinsame Aufgabe betrachten, die sie zugleich "für diejenigen Teile des ehemaligen Landes Preußen wahrnehmen, deren Beteiligung zur Zeit nicht möglich ist". Danach sind alle Kulturgüter nach Berlin zurückzuführen, soweit sie ihren Standort am 1. Januar 1939 hier hatten und die Stadt dafür wieder geeignete Räume z. V. stellen kann. Ausgenommen davon bleiben die an verschiedenen Orten, vor allem in Marburg, lagernden Bestände der Preußischen Staatsbibliothek - sie sollen bis spätestens zur Wiedervereinigung wieder nach Berlin verbracht werden -, der Welfenschatz, der Hildesheimer Silberfund und das Lüneburger Ratssilber, die in ihren jetzigen Standorten in Niedersachsen verbleiben, jedoch auch in Berlin ausgestellt werden.
Zur Durchführung der Vereinbarung werden ein Verwaltungsausschuß - dem je zwei Vertreter der beteiligten Länder und Baden-Württemberg mit einem angehören - und ein Fachausschuß gebildet, beide mit Sitz in Berlin. Die zur Verwaltung und Unterhaltung der Kunstsammlungen erforderlichen Mittel werden von den Ländern gemeinsamaufgebracht und nach dem Verhältnis der Bevölkerungszahl umgelegt.
Diese Vereinbarung tritt am 1. August 1955 in Kraft, gilt für unbestimmte Zeit und ist für die Dauer von vier Jahren unkündbar. Eine Beteiligung des Bundes an ihr bleibt vorbehalten. - Obgleich damit keineswegs alle Wünsche Berlins befriedigt werden, stimmt der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr zu, um dem seit Jahren andauernden "Bilderkrieg" ein Ende zu bereiten.

15. (Ordentliche) Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Finanzsenator Dr. Haas teilt auf eine CDU-Anfrage mit, daß der Senat die von Arbeitnehmern bei Antritt eines Beschäftigungsverhältnisses vorzulegenden "Währungsbescheinigungen" auch weiterhin für erforderlich hält, da sonst die Ermittlungen der Betriebsprüfer der Lohnausgleichskasse über die ordnungsgemäße Entlohnung in Ost- bzw. Westmark unmöglich gemacht würden.

Die Abgeordneten beschließen das "Zweite Änderungsgesetz zum Ortsgesetz der Stadt Berlin vom 24. April 1924 zur Ausführung des Fluchtliniengesetzes vom 2. Juli 1875", das den Senat ermächtigt, zur Durchführung besonderer städtebaulicher Maßnahmen Straßenanlieger von den Straßenbau- und Erschließungskosten zu befreien, da die Heranziehung zu solchen Anliegerbeiträgen bei der Neuplanung kriegszerstörter Gebäude eine unbillige Härte darstellen würde.

Vor der sich an diese Sitzung anschließenden Stadtrundfahrt der Abgeordneten teilt Bausenator Schwedler mit, daß in der Berliner Bauwirtschaft die Vollbeschäftigung erreicht wurde. Hatte das Bauhaupt- und das Baunebengewerbe 1949 einen Umsatz von 470 Mill. DM, 1950 von 573, 1951 von 600, 1952 von 580, 1953 von 675, so erreichte es 1954 bereits 795 Mill. DM.
Seit 1952 macht der Wohnungsbau etwa die Hälfte des gesamten Bauvolumens in der Stadt aus, für den in diesem Jahr etwa 420 Mill. DM ausgegeben werden sollen. Seit 1949 konnten 63 000 Wohnungen gebaut werden; von 3500 stieg die Kurve über 5000, 5800, 8210, 15 000 auf 18 000 im Jahre 1954. Allerdings stünden diesem Erfolg noch insgesamt 142 000 registrierte Wohnungssuchende in den Bezirken gegenüber. Im allgemeinen soll die Tendenz im Sozialen Wohnungsbau, nämlich der Bau von Ein- und Eineinhalbzimmerwohnungen, verstärkt fortgesetzt werden, denn die Durchschnittspersonenzahl beträgt in Berlin nur 2,2 je Haushalt, während sie im Bundesgebiet bei 3,1 liegt. Von 970 000 Haushaltungen in Berlin sind je ein Drittel Ein- und Zweipersonenhaushalte.
Das private Bauen hatte seinen vorläufigen Höchststand im Jahre 1951 mit 168 Mill. DM, als die Unternehmen durch Investitionsfinanzierungen ihre Hallen und Gebäude wieder instand setzen konnten. Danach erfolgte trotz der Bemühungen des Senats, den Geschäftshausbau durch eine zunächst 40%ige, dann 30%ige nachstellige Finanzierung zu befruchten, ein starker Rückgang, so daß 1953 nur 100 Mill. DM ausgegeben wurden. Der Senator hofft jedoch, den alten Stand der Ausgaben im privaten Baugeschehen wieder erreichen und überbieten zu können. Deshalb sollen wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, um dem privaten Hausbesitz vor allem in den stark zerstörten Bezirken der Innenstadt Anreize zu schaffen, seine Gebäude wieder aufzubauen.
Senator Schwedler würdigt besonders die im Notstandsprogramm erbrachten Leistungen im Bau von Grünanlagen, durch die auch versucht wurde, die Entwicklung Berlins ein wenig zu korrigieren; denn ein innerstädtischer Bezirk wie Kreuzberg verfüge pro Kopf der Bevölkerung nur über 3,5 qm Grünfläche, Zehlendorf ohne den Grunewald jedoch über 41,5 qm. Seit 1950 wurden 50 000 neue Straßenbäume gepflanzt, so daß der Vorkriegsstand von 270 000 Bäumen in zwei Jahren wieder erreicht sein könne.
Im Notstandsprogramm wurden außerdem 1,6 Mill. qm Straßenpflaster neu angelegt, was dem Bau einer 10 m breiten Autobahn von Berlin nach Helmstedt entspricht, und 1,8 Mill. qm Promenaden-, Rad- und Gehwege neu erstellt, was einem 3 m breiten Radweg von Berlin nach Bonn gleichkommt. Im Straßenbau bedeute dies aber nicht mehr als einen Anfang, denn auch Berlin - wo gegenwärtig auf ein Auto 20,4 Einwohner kommen gegenüber z. B. München mit 7,8 - müsse durch die Anlage von Stadtautobahnen dem sicher auch hier sprunghaft anwachsenden Verkehr wirksam begegnen können.

1956

Der Lyriker und Essayist Gottfried Benn, der noch bis kurz vor seinem Tode als praktischer Arzt tätig war, stirbt in Schöneberg wenige Wochen nach Vollendung seines 70. Lebensjahres.

Das ZK der SED entbietet in Briefen an den Vorsitzenden Ollenhauer, an das Präsidium und an die Delegierten des in München tagenden Parteitages der SPD "brüderliche sozialistische Grüße". Da die "großen Ideen und Entscheidungen des XX. Parteitages der KPdSU", im Februar 1956 die Arbeiterbewegung aller Richtungen befruchte, alte Streitigkeiten nichtig mache, Barrieren niederreiße und Wege zueinander öffne, vertrete es die Auffassung, daß es auch für die Verständigung "unserer Parteien" keine unüberwindlichen Hindernisse gebe. Hinsichtlich der notwendigsten Schritte zur Sicherung des Friedens würden SPD, KPD und SED gegenwärtig weitgehend übereinstimmen.
Das ZK schlägt deshalb vor:

  1. gemeinsame Beratungen von Vertretern beider Parteiführungen über Maßnahmen zur Erhaltung des Friedens, der Abrüstung, der Entspannung in Deutschland und der Herbeiführung der kollektiven Sicherheit in Europa;
  2. Austausch offizieller Delegationen beider Parteiführungen zum Studium der Lage der Werktätigen sowie der wirtschaftlichen und staatlichen Verhältnisse in beiden Teilen Deutschlands; und
  3. Durchführung von Versammlungen der SPD und der SED, auf denen Vertreter beider Parteien ihre Auffassungen zur Sicherung des Friedens, über Maßnahmen zur Beendigung des Kalten Krieges und über einen Weg zu einem friedliebenden demokratischen Deutschland darlegen.
Die Berliner Handels-Gesellschaft begeht den 100. Jahrestag ihrer Gründung am 2. Juli mit einer Feierstunde in ihrem neuen Gebäude in der Uhlandstraße, wo Wirtschaftssenator Dr. Hertz und zahlreiche Persönlichkeiten aus der Wirtschaft ihre Glückwünsche überbringen.

1957

Der Berliner DGB-Vorsitzende Scharnowski eröffnet im Auditorium Maximum der FU die erstmals in der Stadt veranstalteten "Berliner Tage der Ruhrfestspiele", die zugleich als ein Bekenntnis zu Berlin und als eine Bekundung der Tatkraft und Aufmerksamkeit der Gewerkschaften auf kulturellem Gebiet gelten sollen. Der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr erinnert dann an den Ursprung der Ruhrfestspiele, die sich 1947 aus einem "Kunst-Kohle-Geschäft" zwischen Hamburger Schauspielern und den Kumpels im Kohlenpott entwickelten.
Bundespräsident Prof. Heuss gesteht ein, die Ruhrfestspiele ursprünglich für eine romantische Idee gehalten zu haben, aber rasch von dieser neugeschaffenen Tradition überzeugt worden zu sein.
Den Festvortrag hält FU-Rektor Prof. Paulsen über "Die Wissenschaft in unserer Zeit", worin er davor warnt, der Wissenschaft unbedenklich die Gestaltung aller Daseinsformen zu überlassen. Ihre schönste Aufgabe sei es vielmehr heute, den Menschen nicht Entscheidungen abzunehmen oder Richtlinien zu geben, sondern sie im Gegenteil vor Entscheidungen zu stellen.
Höhepunkt dieser "Berliner Tage" sind im Schiller-Theater drei Aufführungen von Goethes "Iphigenie auf Tauris" in der Recklinghausener Inszenierung von Gustav Rudolf Sellner (Darmstadt) mit Maria Wimmer und Rolf Henniger in den Hauptrollen.

In den Abendstunden überzieht ein schweres Unwetter die Stadt, bei dem einzelne Böen Geschwindigkeiten von 109 km/h (Windstärke 11) erreichen. Zeitweilig wirbelt der Sturm in den Straßen so viel Staub auf, daß die gegenüberliegenden Häuserfronten nicht mehr zu sehen sind, und entwurzelt in West-Berlin über 80 Straßenbäume. Die West-Berliner Feuerwehr muß zu 160 Schadensstellen ausrücken und kann den Ausnahmezustand erst gegen 4 Uhr morgens aufheben. Das schwerste Unglück ereignet sich im S-Bahnhof Südende, als eine Bö das Behelfsdach der Vorhalle gegen einen Dachgiebel drückt und der Giebel einstürzt. Dabei fallen etwa 80 Zentner Steine und Mörtel in die Vorhalle und treffen dort mehrere, Schutz vor den Wetterunbilden suchende Passanten, darunter eine 34jährige Frau tödlich; acht weitere Personen müssen mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Einer über die Ortsteile Lichtenrade, Britz und Rudow im Süden der Stadt hinwegziehenden Windhose folgt ein Hagelschlag mit taubeneigroßen Körnern, der etwa auf einem Kilometer Breite die gesamte Getreide- und Gemüseernte vernichtet und in einem Gartenbaubetrieb 1000 Glasscheiben eines Gewächshauses zerschlägt.
Auch in Ost-Berlin muß die Feuerwehr zu 40 Einsätzen ausrücken, wo besonders in der Innenstadt zahlreiche Schaufensterscheiben eingedrückt, Straßenbäume entwurzelt, Oberleitungen von Straßenbahnen beschädigt und einzelne Dächer abgedeckt werden.

Der Ende November 1950 in Berlin gegründete Deutsche Künstlerbund, der wenige Monate später hier auch seine erste Ausstellung veranstaltete, eröffnet in der Hochschule für bildende Künste seine diesjährige Ausstellung mit über 430 Bildern und Plastiken wiederum in Berlin, nachdem in den vergangenen Jahren Köln, Hamburg, Frankfurt/Main, Hannover und Düsseldorf die Ausstellungsorte waren. Der Vorsitzende des Bundes, Karl Hartung, betont in seiner Begrüßungsansprache, daß in dieser Schau vor allem auch unbekannten Künstlern die Gelegenheit geboten würde, mit ihren Werken vor die Öffentlichkeit zu treten.

1959

29. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat beschließt nunmehr endgültig, die neue Philharmonie auf dem Gelände zwischen Matthäikirch- und Margaretenstraße am Südrand des Tiergartens zu errichten; zugleich nimmt er davon Kenntnis, daß die Baukosten nach Scharouns Entwurf jetzt 13,5 Mill. DM betragen, wozu noch die Grunderwerbskosten in Höhe von 3,5 und (als Ersatz für den bisheri vorgesehenen Standort Aufwendungenvon 0,5 Mill. DM treten.

Der Senat erläßt "Richtlinien für die Versorgung der Obdachlosen", deren Betreuung und Unterbringung danach grundsätzlich in den Händen der Bezirksämter liegt. Unterschieden wird künftig zwischen Obdachlosen, die
1. ihren Wohnraum ohne eigenes Verschulden verloren haben und als zumutbare Mieter in absehbarer Zeit eine Wohnung zugeteilt erhalten können, 2. vorübergehend als unzumutbare Mieter anzusehen sind, und 3. durch ihr Verhalten erkennen lassen, daß sie bis auf weiteres weder für einen Vermieter zumutbar noch für eine Hausgemeinschaft tragbar sind.
Die Unterbringung der Angehörigen dieser Kategorien soll nach Möglichkeit getrennt erfolgen. Bislang als Obdachlosenheime genutzte Bunker sind nach Erstellung neuer, "zwar sehr einfacher, aber dennoch zumutbarer" Unterkünfte zu schließen.

Der bisherige Senatsdirektor in der Verwaltung für Volksbildung, Heinrich Albertz, wird vom Senat zum neuen Chef der Senatskanzlei berufen.

Zur Handhabung des § 30 des Landesbeamtengesetzes stellt der Senat fest, daß es den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst untersagt ist, auch nur geringwertige Sachen des täglichen Gebrauchs als Geschenk ohne Genehmigung anzunehmen. Sind Zuwendungen an eine Verwaltung beabsichtigt, so hat die zuständige Büroleitung unter Beachtung bestehender Vorschriften diese entgegenzunehmen und unter alleiniger Berücksichtigung dienstlicher Bedürfnisse zu verwerten. Da bisher einzelne Verwaltungen die Annahme geringwertiger Werbeartikel duldeten, sollen die Empfänger keine dienstlichen Nachteile erleiden, wenn sie in einer angemessenen Frist eine Meldung über die erlangten Vorteile abgeben.

Die Dozenten der Kirchlichen Hochschule wählen den Historiker Karl Kupisch zum Nachfolger von Otto Dilschneider im Amt des Rektors für das akademische Jahr 1959/60.

1959

Während seines neuerlichen Besuches in Berlin erörtert der norwegische Außenminister Halvard Lange mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt aktuelle politische Fragen, besucht das Flüchtlingslager in Marienfelde und das Zeltlager der IUSY und spricht auf ihrer Kundgebung im Sportpalast.

1959

29. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat beschließt nunmehr endgültig, die neue Philharmonie auf dem Gelände zwischen Matthäikirch- und Margaretenstraße am Südrand des Tiergartens zu errichten; zugleich nimmt er davon Kenntnis, daß die Baukosten nach Scharouns Entwurf jetzt 13,5 Mill. DM betragen, wozu noch die Grunderwerbskosten in Höhe von 3,5 und (als Ersatz für den bisheri vorgesehenen Standort Aufwendungenvon 0,5 Mill. DM treten.

Der Senat erläßt "Richtlinien für die Versorgung der Obdachlosen", deren Betreuung und Unterbringung danach grundsätzlich in den Händen der Bezirksämter liegt. Unterschieden wird künftig zwischen Obdachlosen, die
1. ihren Wohnraum ohne eigenes Verschulden verloren haben und als zumutbare Mieter in absehbarer Zeit eine Wohnung zugeteilt erhalten können, 2. vorübergehend als unzumutbare Mieter anzusehen sind, und 3. durch ihr Verhalten erkennen lassen, daß sie bis auf weiteres weder für einen Vermieter zumutbar noch für eine Hausgemeinschaft tragbar sind.
Die Unterbringung der Angehörigen dieser Kategorien soll nach Möglichkeit getrennt erfolgen. Bislang als Obdachlosenheime genutzte Bunker sind nach Erstellung neuer, "zwar sehr einfacher, aber dennoch zumutbarer" Unterkünfte zu schließen.

Der bisherige Senatsdirektor in der Verwaltung für Volksbildung, Heinrich Albertz, wird vom Senat zum neuen Chef der Senatskanzlei berufen.

Zur Handhabung des § 30 des Landesbeamtengesetzes stellt der Senat fest, daß es den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst untersagt ist, auch nur geringwertige Sachen des täglichen Gebrauchs als Geschenk ohne Genehmigung anzunehmen. Sind Zuwendungen an eine Verwaltung beabsichtigt, so hat die zuständige Büroleitung unter Beachtung bestehender Vorschriften diese entgegenzunehmen und unter alleiniger Berücksichtigung dienstlicher Bedürfnisse zu verwerten. Da bisher einzelne Verwaltungen die Annahme geringwertiger Werbeartikel duldeten, sollen die Empfänger keine dienstlichen Nachteile erleiden, wenn sie in einer angemessenen Frist eine Meldung über die erlangten Vorteile abgeben.

Die Dozenten der Kirchlichen Hochschule wählen den Historiker Karl Kupisch zum Nachfolger von Otto Dilschneider im Amt des Rektors für das akademische Jahr 1959/60.

1959

Während seines neuerlichen Besuches in Berlin erörtert der norwegische Außenminister Halvard Lange mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt aktuelle politische Fragen, besucht das Flüchtlingslager in Marienfelde und das Zeltlager der IUSY und spricht auf ihrer Kundgebung im Sportpalast.

1960

42. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Das Abgeordnetenhaus übernimmt das Bundesbaugesetz, das, um die städtebauliche Entwicklung in Stadt und Land zu ordnen, in 189 Paragraphen die allgemeinen Bestimmungen und Regelungen für die Bauleitplanung (Flächennutzungsplan, Bebauungsplan), den Bodenverkehr, die Vorkaufsrechte der Gemeinden und eventuell notwendige Entschädigungszahlungen, die Bodenordnung, die Grenzregelung, die Zulässigkeit von Enteignungen, die Erschließung, die Ermittlung von Grundstückswerten sowie die Verwaltungsverfahren und die Verfahren vor den Kammern (Senaten) für Baulandsachen festlegt. § 188 (4) ermächtigt die Senate von Berlin, Bremen und Hamburg, die Vorschriften dieses Gesetzes über die Zuständigkeit von Behörden dem besonderen Verwaltungsaufbau ihrer Länder anzupassen.

Einmütig stimmt das Abgeordnetenhaus dem Sparkassengesetz zu, wonach die "Sparkasse der Stadt Berlin (West)" eine gemein- nützige Anstalt des öffentlichen Rechts und zur Anlage von Mündelgeld geeignet ist. Sie hat die Aufgabe, den Spargedanken zu pflegen und zu fördern gibt Gelegenheit, Spargelder sicher und verzinslich anzulegen, betreibt die in ihrer Satzung vorgesehenen Geschäfte ohne Gewinnstreben nach wirtschaftlichen Grundsätzen und dient der Befriedigung des örtlichen Kreditbedarfs, insbesondere des Mittelstandes und der wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungskreise. Für ihre Verbindlichkeiten haftet Berlin als Gewährsträger unbeschränkt, kann jedoch nur insoweit in Anspruch genommen werden, als Gläubiger nicht aus dem Vermögen der Sparkasse befriedigt werden.
Organe der Sparkasse sind

  1. der Verwaltungsrat, der aus neun vom Senat bestellten Mitgliedern sowie den Senatoren für Wirtschaft und für Finanzen besteht, ferner
  2. der Vorstand, der von dem geschäftsführenden und mindestens einem weiteren ordentlichen Mitglied gebildet wird.
Der Sicherheitsrücklage sind Überschüsse der Sparkasse zuzuführen
  1. in voller Höhe, solange die Rücklage weniger als 5 % der gesamten Einlagen beträgt,
  2. mindestens zur Hälfte, solange die Rücklage wenigstens 5 %, aber noch nicht 10 % der gesamten Einlagen beträgt,
  3. mindestens zu einem Viertel, wenn die Rücklage 10 % der gesamten Einlagen übersteigt,
während alle sonstigen Überschüsse vom Land Berlin für öffentliche, mit dem gemeinnützigen Charakter der Sparkasse im Einklang stehende Zwecke verwendet werden sollen.

Die Deutsche Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin verleiht während ihrer traditionellen Leibniz-Feier im Haus des Berliner Ensembles am Schiffbauerdamm die Leibniz-Medaillen 1960 an

  • den Lehrer und Archivar Rudolph Strauss (Karl-Marx-Stadt) für seine Arbeit über "Die Lage und Bewegung der Chemnitzer Arbeiter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts",
  • den Arzt Dr. Karl Riehm (Halle/Saale) für seine Arbeiten über Fragen der prähistorischen Salzgewinnung bei Halle und
  • den Bibliotheksdirektor Dr. Wolfram Suchier (Halle/Saale) für seine "Bibliographie der Universitätsschriften von Halle-Wittenberg (1817-1883)" und für seine in Arbeit befindliche Ergänzung für 1692-1816.
Die Deutsche Akademie der Künste in Ost-Berlin veranstaltet zur Feier des heutigen 100. Geburtstages von Gustav Mahler einen Liederabend, den Prof. Ernst Hermann Meyer mit einem Vortrag über Leben und Werk des Wiener Komponisten einleitet. Anschließend singen Sona Cervena (Staatsoper Berlin) und der junge, "in Berlin bisher noch unbekannte" Peter Schreier (Staatsoper Dresden) "Die Lieder eines fahrenden Gesellen", vier der "Sieben Lieder aus der letzten Zeit" und einige Vertonungen von Texten aus "Des Knaben Wunderhorn", am Flügel begleitet von Horst Richter. Aus Briefen Mahlers liest Emil Stöhr vom Deutschen Theater.

Die Pressestelle der Senatsverwaltung für Volksbildung gibt bekannt, daß nach Verhandlungen mit Gustav Rudolf Sellner sich Ferenc Fricsay bereiterklärt hat, neben seiner Tätigkeit als Chef des RSO von der Spielzeit 1961/62 ab das Amt des Generalmusikdirektors der Städtischen Oper zu übernehmen, das er bereits von 1949 bis 1952 einmal innehatte.

1960

42. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Das Abgeordnetenhaus übernimmt das Bundesbaugesetz, das, um die städtebauliche Entwicklung in Stadt und Land zu ordnen, in 189 Paragraphen die allgemeinen Bestimmungen und Regelungen für die Bauleitplanung (Flächennutzungsplan, Bebauungsplan), den Bodenverkehr, die Vorkaufsrechte der Gemeinden und eventuell notwendige Entschädigungszahlungen, die Bodenordnung, die Grenzregelung, die Zulässigkeit von Enteignungen, die Erschließung, die Ermittlung von Grundstückswerten sowie die Verwaltungsverfahren und die Verfahren vor den Kammern (Senaten) für Baulandsachen festlegt. § 188 (4) ermächtigt die Senate von Berlin, Bremen und Hamburg, die Vorschriften dieses Gesetzes über die Zuständigkeit von Behörden dem besonderen Verwaltungsaufbau ihrer Länder anzupassen.

Einmütig stimmt das Abgeordnetenhaus dem Sparkassengesetz zu, wonach die "Sparkasse der Stadt Berlin (West)" eine gemein- nützige Anstalt des öffentlichen Rechts und zur Anlage von Mündelgeld geeignet ist. Sie hat die Aufgabe, den Spargedanken zu pflegen und zu fördern gibt Gelegenheit, Spargelder sicher und verzinslich anzulegen, betreibt die in ihrer Satzung vorgesehenen Geschäfte ohne Gewinnstreben nach wirtschaftlichen Grundsätzen und dient der Befriedigung des örtlichen Kreditbedarfs, insbesondere des Mittelstandes und der wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungskreise. Für ihre Verbindlichkeiten haftet Berlin als Gewährsträger unbeschränkt, kann jedoch nur insoweit in Anspruch genommen werden, als Gläubiger nicht aus dem Vermögen der Sparkasse befriedigt werden.
Organe der Sparkasse sind

  1. der Verwaltungsrat, der aus neun vom Senat bestellten Mitgliedern sowie den Senatoren für Wirtschaft und für Finanzen besteht, ferner
  2. der Vorstand, der von dem geschäftsführenden und mindestens einem weiteren ordentlichen Mitglied gebildet wird.
Der Sicherheitsrücklage sind Überschüsse der Sparkasse zuzuführen
  1. in voller Höhe, solange die Rücklage weniger als 5 % der gesamten Einlagen beträgt,
  2. mindestens zur Hälfte, solange die Rücklage wenigstens 5 %, aber noch nicht 10 % der gesamten Einlagen beträgt,
  3. mindestens zu einem Viertel, wenn die Rücklage 10 % der gesamten Einlagen übersteigt,
während alle sonstigen Überschüsse vom Land Berlin für öffentliche, mit dem gemeinnützigen Charakter der Sparkasse im Einklang stehende Zwecke verwendet werden sollen.

Die Deutsche Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin verleiht während ihrer traditionellen Leibniz-Feier im Haus des Berliner Ensembles am Schiffbauerdamm die Leibniz-Medaillen 1960 an

  • den Lehrer und Archivar Rudolph Strauss (Karl-Marx-Stadt) für seine Arbeit über "Die Lage und Bewegung der Chemnitzer Arbeiter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts",
  • den Arzt Dr. Karl Riehm (Halle/Saale) für seine Arbeiten über Fragen der prähistorischen Salzgewinnung bei Halle und
  • den Bibliotheksdirektor Dr. Wolfram Suchier (Halle/Saale) für seine "Bibliographie der Universitätsschriften von Halle-Wittenberg (1817-1883)" und für seine in Arbeit befindliche Ergänzung für 1692-1816.
Die Deutsche Akademie der Künste in Ost-Berlin veranstaltet zur Feier des heutigen 100. Geburtstages von Gustav Mahler einen Liederabend, den Prof. Ernst Hermann Meyer mit einem Vortrag über Leben und Werk des Wiener Komponisten einleitet. Anschließend singen Sona Cervena (Staatsoper Berlin) und der junge, "in Berlin bisher noch unbekannte" Peter Schreier (Staatsoper Dresden) "Die Lieder eines fahrenden Gesellen", vier der "Sieben Lieder aus der letzten Zeit" und einige Vertonungen von Texten aus "Des Knaben Wunderhorn", am Flügel begleitet von Horst Richter. Aus Briefen Mahlers liest Emil Stöhr vom Deutschen Theater.

Die Pressestelle der Senatsverwaltung für Volksbildung gibt bekannt, daß nach Verhandlungen mit Gustav Rudolf Sellner sich Ferenc Fricsay bereiterklärt hat, neben seiner Tätigkeit als Chef des RSO von der Spielzeit 1961/62 ab das Amt des Generalmusikdirektors der Städtischen Oper zu übernehmen, das er bereits von 1949 bis 1952 einmal innehatte.

1961

Der Ost-Berliner Magistrat erinnert in einer Mitteilung alle Dienststellen der Stadtverwaltung daran, die praktisch in Vergessenheit geratene "Anordnung über statistische Erhebung der Beschäftigtenverhältnisse" vom 14. Januar 1953 zu beachten und strikt einzuhalten, wonach alle Ost-Berliner, die im Westteil der Stadt arbeiten, studieren oder die Schule besuchen, dazu einer Genehmigung bedürfen. In der Bevölkerung nämlich habe sich großer Unmut über die "Grenzgänger" angesammelt, die zwar alle sich aus dem Aufbau des Sozialismus ergebenden Vorteile - z. B. gleichbleibend niedrige Preise für Grundnahrungsmittel, Strom, Gas und Dienstleistungen - in Anspruch nähmen, sich dennoch aber für die Arbeit in kapitalistischen Betrieben West-Berlins abwerben ließen.

1962

Der Leiter des Presseamtes beim DDR-Ministerpräsidenten, Blecha, berichtet auf einer Pressekonferenz, an der keine westlichen Journalisten teilnehmen können, daß Grenzsicherungskräfte am 18. Juni den West-Berliner Siegfried Noffke beim Versuch, vom Keller des Hauses Heinrich-Heine-Straße 48/49 aus einigen DDR-Bürgern zur Flucht zu verhelfen, stellten und töteten, während zwei weitere West-Berliner und ein Grenzposten schwer verletzt wurden. Diesen "erneuten verbrecherischen Anschlag auf die Staatsgrenze der DDR" hätten West-Berliner "Untergrundorganisationen" wie der UFJ und die West-Berliner Polizei systematisch vorbereitet bzw. aktiv unterstützt. Die Grenzsicherungsorgane wüßten vom Bau weiterer "Agentenstollen", würden jedoch auch weiterhin die Souveränität der DDR "durch gedungene Werkzeuge imperialistischer Geheimdienstfilialen und Untergrundorganisationen" nicht antasten lassen.

1967

Die Stadtbezirksversammlung von Lichtenberg wählt den 46jährigen Willi Beetsch (SED) zum Nachfolger von Horst Hubert (SED), den die Stadtverordnetenversammlung vor zwei Tagen zum 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters berufen hatte (vgl. 5. Juli).

1967

Im Rahmen seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik weilt der Präsident der Republik Elfenbeinküste, Felix Houphouet-Boigny, für knapp vier Tage in Berlin. Neben der Eintragung ins Goldene Buch konferiert er mit dem Regierenden Bürgermeister Albertz, trifft auf einer Dampferfahrt über Spree und Havel mit Berliner Industriellen zusammen, unternimmt eine ausgedehnte Stadtrundfahrt, besucht die Gemäldegalerie in Dahlem sowie die Deutsche Stiftung für Entwicklungsländer und ist Gast eines ihm zu Ehren gegebenen Empfangs des Senats im Schloß Charlottenburg.

1969

Mit der Zusage von 220 Millionen DM für das nächste große Stadtautobahnprojekt in Berlin leitet Bundesverkehrsminister Georg Leber die Planungs- und Baubesprechungen ein, zu denen er nach Berlin gekommen ist. Die Zusage bedeutet, daß der Abschnitt Nord der Stadtautobahn - die Verbindung von der Seestraße nach Tegel und ein 900 Meter langer Autobahntunnel unter dem Flugplatz Tegel hindurch zur Querverbindung mit dem Kurt-Schumacher-Damm - programmgemäß gebaut werden kann. Der Bundesverkehrsminister hat die vom Bausenator entwickelte Konzeption ohne jeden Abstrich übernommen.

1971

Das Abgeordnetenhaus verabschiedet in seiner 10. Sitzung (6. Wahlperiode) mit den Stimmen der SPD bei Stimmenthaltung der F.D.P. und gegen die Stimmen der CDU das Zweite Nachtragshaushaltsgesetz 1971. (Vgl. 21. Januar.) Der Haushalt erreicht mit diesem Nachtrag die Acht Milliarden Marke. Der Bundeszuschuß wurde um 300 Millionen DM erhöht; die Steuererwartungen West Berlins mußten um 120 Millionen DM zurückgenommen werden. Im Haushalt sind 1 088 neue Planstellen vorgesehen, davon 406 für Lehrer, 184 im Bereich Gesundheitswesen und 300 in der Steuerverwaltung.

1972

Der neue Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Martin J. Hillenbrand, stattet dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz im Rathaus Schöneberg seinen Antrittsbesuch ab. Hillenbrand, der auch Chef der Berliner US-Mission ist, hat sein Amt Ende Juni angetreten. Er ist Nachfolger von Kenneth Rush. (Vgl. 5. Februar.)

1973

Im Alter von 88 Jahren stirbt in Zürich der Dirigent Otto Klemperer, der ab 1927 in Berlin Leiter (ab 1928 Kapellmeister) der Kroll-Oper bzw. der Staatsoper war. 1933 emigrierte er in die USA, wo er unter anderem bis 1939 das Los Angeles Philharmonic Orchestra leitete. 1959 wurde er Chefdirigent des [New] Philharmonia Orchestra in London.

1975

Der aus dem Amt scheidende französische Stadtkommandant, Divisionsgeneral Camille Metzler, stattet im Rathaus Schöneberg dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz seinen Abschiedsbesuch ab und trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Metzler wird Berlin nach zweieinhalbjähriger Amtszeit Mitte Juli verlassen und in den Ruhestand treten.
   Nachfolger Metzlers wird Divisionsgeneral Jacques Mangin, der von 1963 bis 1965 als Regimentskommandeur bereits in Berlin stationiert war. Mangin tritt sein neues Amt am 17. Juli an und stattet am 8. September im Rathaus Schöneberg dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz seinen Antrittsbesuch ab.

1976

Vier mutmaßlichen Terroristinnen gelingt die Flucht aus der Frauenhaftanstalt Lehrter Straße in Berlin-Tiergarten. Drei der vier Frauen stehen in Verdacht, an der Entführung des Landesvorsitzenden der Berliner CDU, Peter Lorenz, am 27. Februar 1975 beteiligt gewesen zu sein.
   Am 21. Juli wird eine der vier Frauen auf dem Kurfürstendamm aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung von der Polizei gefaßt.

Im Alter von 76 Jahren stirbt in Essen der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann, Ehrenbürger von Berlin. Der SPD-Politiker wurde 1969 als Nachfolger von Heinrich Lübke (1894-1972) zum Bundespräsidenten gewählt und übte dieses Amt bis 1974 aus.
   Am 12. Juli wird Heinemann in seiner Heimatstadt Essen beigesetzt.

1977

Die Stadtbezirksversammlung von Berlin-Treptow wählt einstimmig Günter Scheel (SED) zum Bezirksbürgermeister und Nachfolger von Franz Stengl (SED), der das Amt seit 1974 innehatte.

1978

Der Ost-Berliner Niko Hübner, der sich unter Verweis auf den entmilitarisierten Status der Viermächtestadt Berlin geweigert hat, seinen Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee abzuleisten, wird vom 1. Strafsenat des Ost-Berliner Stadtgerichts zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. In seiner Begründung verweist das Gericht vor allem darauf, dass Hübner mit der in West-Berlin ansässigen Gesellschaft für Menschenrechte zusammengearbeitet habe. Diese Gesellschaft "mischt sich im Zusammenwirken mit anderen Feindeinrichtungen sowie Massenmedien in der BRD und Westberlin massiv in die inneren Angelegenheiten der DDR ein und organisiert breit angelegte Hetz- und Verleumdungskampagnen gegen die DDR", heißt es in einem ADN-Bericht.
   Senatssprecher Peter Sötje bezeichnet das Urteil gegen Hübner als einen eindeutigen Verstoß gegen den Viermächtestatus von ganz Berlin.

1980

Das Abgeordnetenhaus (32. Sitzung, 8. Wahlperiode) lehnt den von der CDU-Fraktion wegen zahlreicher Häftlingsausbrüche gegen Justizsenator Gerhard M. Meyer eingebrachten Misstrauensantrag mit der Mehrheit der Stimmen der beiden Koalitionsfraktionen SPD und F.D.P. ab.

An seinem 85. Geburtstag ehren Senat und Abgeordnetenhaus den Ehrenvorsitzenden der Berliner F.D.P. und früheren Bundestagsabgeordneten William Borm, von 1960 bis 1969 Vorsitzender der Berliner F.D.P., mit der Würde eines Stadtältesten. Bürgermeister Wolfgang Lüder würdigt Borm in einer Feierstunde im Rathaus Schöneberg als einen der Mitstreiter und Wegbereiter für die Ost- und Deutschlandpolitik der SPD/F.D.P.-Koalition. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Peter Lorenz, betont, dass Berlin Borm wegen seines hervorragenden Anteils an der Entwicklung der Stadt zu Dank verpflichtet sei.

1982

In einer "Libanon-Erklärung Berliner Juden" fordern u. a. der Politologe Ossip Flechtheim, die Journalistin Marianne Regensburger sowie die Schauspieler Curt Bois und Buddy Elias den sofortigen Rückzug israelischer Truppen aus dem Libanon, dessen Grenze sie am 6. Juni überschritten. Denn Bombenterror, Vertreibung, Mißachtung der Vereinten Nationen und Verletzung grundlegender Völkerrechtsnormen stünden im Gegensatz zu allen humanistischen Traditionen des Judentums. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin distanziert sich von den 43 Unterzeichnern dieser Erklärung mit der Feststellung, daß davon 34 nicht Mitglieder der Gemeinde und deshalb keineswegs legitimiert seien, auch nur für einen kleineren Teil von ihr zu sprechen. Es erscheine mehr als bedauerlich, wenn gerade jüdische Bürger, die sich als Verfolgte oder als Kinder von Verfolgten bezeichnen, die Maßnahmen des jüdischen Staates, die einzig und allein der Sicherung der dort bedrohten Menschen dienten, als Nationalismus diffamieren.

1982

Bei der Verabschiedung des Entwurfs für den Bundes-Haushalt 1983 durch die Bundesregierung wird a. die Bundeshilfe für Berlin um 255 Mio. DM niedriger, statt der vom Senat gewünschten 10,745 Mrd. DM also nur mit 10,490 Mrd. DM angesetzt, was, so Finanzsenator Kunz, Berlin zu einer "finanzpolitisch bedenklichen und gesamtwirtschaftlich gefährlichen Verschuldung" zwingen werde; b. zugleich beschlossen, die Fluggast-Subvention im'Berliner Linienflugverkehr jährlich um 20% zu kürzen, so daß sie ab 1988 völlig entfällt. Während Bundesfinanzminister Lahnstein versichert, daß die Entwicklung des Berlin-Flugverkehrs genau beobachtet und im Falle eines" deutlichen Passagierrückgangs der Kabinettsbeschluß überprüft würde, stößt dieser in Berlin auf einhelligen scharfen Protest von Parteien, Gewerkschaften und Verbänden, nennt ihn der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker eine "Berlin-politische Instinktlosigkeit", die man nicht hinnehme. Der Senat werde an die gesetzgebenden Körper-Schäften des Bundes appellieren, um eine Korrektur dieser Fehlentscheidung zu erreichen.

Das Plenum der Ordentlichen Mitglieder der Akademie der Künste der DDR wählt den Intendanten des Berliner Ensembles, Manfred Wekwerth, zum neuen Präsidenten als Nachfolger des am 7. März verstorbenen Filmregisseurs Konrad Wolf.

Die Hauptversammlung der Daimler-Benz AG, Stuttgart, tagt erstmals außerhalb der Neckarmetropole. Im ICC erstattet der Vorstandsvorsitzende Prinz seinen Rechenschaftsbericht über die sehr guten Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres, auf Grund dessen die 1800 Aktionäre und Aktionärsvertreter schließlich eine Dividende von 10 DM je 50 DM-Aktie bewilligen.

1984

Am späten Abend erleben rund eine halbe Million Zuschauer, darunter mehrere zehntausend Westdeutsche und Ausländer, auf dem Platz der Republik das von dem Wiener Andr6 Heller als größtes Spektakel des "Berliner Sommernachtstraums" (vgl. 30. Juni) inszenierte "Feuertheater mit Klangwolke", das auf einem 80 x 200 Meter großen Stahlgerüst eine Reihe von "Feuerbildern" darstellt, wobei 40 000 Raketen, Leuchtkugeln und Lichter - insgesamt 25 Tonnen pyrotechnisches Material - innerhalb von 40 Minuten abbrennen unter den Klängen klassischer und moderner Musik aus einer 60 000-Watt-Anlage.

1987

Der US-Botschafter in Bonn, Burt, gibt in seiner Berliner Residenz dem sowjetischen Botschafter in Ost-Berlin, Kotschemassow, ein Mittagessen, bei dem sie Gedanken "zu einer Reihe von gegenseitig interessierendenFragen"austauschen,darunterüber die von Präsident Reagan während seines Berlin-Aufenthalts unterbreiteten Vorschläge zur Verbesserung der Lage in und um Berlin, u.a. durch Intensivierung des Luftverkehrs (vgl. 12. Juni).

Unbekannte Täter verüben auf die Asylstelle des Landeseinwohneramtes in der TiergartenerTorfstraße einen Brandanschlag, der 4 500 Akten von Asylbewerbern vernichtet und einen Sachschaden von fünf bis sechs Mio. DM verursacht, da dieser 35 Mitarbeiter beherbergende Flachbau bis auf die Grundmauern niederbrennt. Innensenator Kewenig nennt die Zerstörung der Asylstelle "sinnlos und durch nichts gerechtfertigt".

1988

Beim Gegenbesuch in Königs Wusterhausen (vgl. 28. April) erörtert eine sechsköpfige Zehlendorfer Delegation von Stadträten und Bezirksverordneten unter Leitung von Bezirksbürgermeister Kiemann - nach einer Stadtrundfahrt mit Bürgermeister Winkelmann - mit den Gastgebern Textvorschläge für eine Vereinbarung über kommunale Kontakte. Bei dem in "offener und konstruktiver Atmosphäre" geführten Gespräch zeigt sich ein "hohes Maß an Übereinstimmung", unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich einiger "statusrechtlicher Fragen" sollen bis zum nächsten Treffen im September überwunden werden.

TWA gibt die Aufnahme des Linienflugverkehrs mit Frankfurt bereits am 18. Juli sowie Hamburg und Stuttgart zum 15. September bekannt (vgl. 27. Juni). Verbunden damit ist ein - von den Luftfahrtattaches der Westmächte in Bonn am 14. Juli genehmigter - "Einfuhrungstarif", der auf der Frankfurt-Route 159 DM (gegenwärtiger "Spartarif" 254 DM), auf denen nach Hamburg 99 DM (154 DM) und Stuttgart 199 DM (302 DM) betragen und bis zum Widerruf durch die Luftfahrt-Attaches gelten soll. Der PanAm-Generaldirektor für Mitteleuropa, Jacoby, hält dies für den Beginn einer neuen Ära, denn ein ordentlicher, koordinierter Berlin-Flugverkehr gehöre damit der Vergangenheit an. Die Billigtarife von TWA seien "unwirtschaftlich und unsinnig", PanAm bleibe jedoch keine andere Wahl, als dieselben Tarife für zeitgleiche Flüge anzubieten. Hingegen kündigt die Deutschland-Direktion von BA an, daß sie sich an diesem von ihr für "schädlich und unverantwortlich" betrachteten Preiskrieg nicht beteiligen werde.

Verkehrssenator Wronski stellt der Öffentlichkeit als neuen kaufmännischen Direktor der BVG den 47jährigen Hans-Bernhard Ludwig vor, der die Nachfolge des am 31. März in den Ruhestand getretenen Willi Diedrich angetreten hat.

Nach Zulassung durch die Luftfahrtattaches der Westmächte in Bonn präsentiert sich mit "Berlin Regional USA" eine neue, privat finanzierte amerikanische Charter- und Frachtgesellschaft mit Sitz in Los Angeles auf dem Flughafen Tegel. Die Genehmigung bezieht sich vorerst auf eine Turbo-Prop-Maschine vom Typ "Gulfstream 1" mit 24 Sitzen, die vornehmlich für Geschäftsreisen verchartert werden soll für 4000 DM pro Stunde.

1989

Bei einer Sitzung des geschäftsführenden NOK-Präsidiums in München erklären die Vertreter Hamburgs, Frankfurts, Stuttgarts und des Ruhrgebiets, im Falle einer gemeinsamen Bewerbung Ost- und West-Berlins um die Durchführung der Olympischen Sommerspiele im Jahre 2000 oder 2004 auf ihre eigenen Kandidaturen zu verzichten (vgl. 20. Juni).

Ein starkes Polizeiaufgebot auf dem Alexanderplatz verhindert eine Demonstration von Ost-Berliner Bürgerrechtsgruppen, die gegen das amtlich verkündete Ergebnis der Kommunalwahlen (vgl. 7. Mai) protestieren will. Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes behindern die Arbeit eines ZDF-Teams mit "Tritten, Fausthieben, Stößen in die Nieren" sowie durch Besprühen der Kamera mit Lack.

1990

Das Abgeordnetenhaus stimmt in seiner 36. Sitzung (11. Wahlperiode) der Umbenennung der AL-Fraktion in "Fraktion DIE GRÜNEN/Alternative Liste für Demokratie und Umweltschutz" (Kurzbezeichnung: GRÜNE/AL) bei Gegenstimmen und Enthaltungen der Oppositionsfraktionen von CDU und REP zu. Die Umbenennung erfolgt aufgrund der - am 6. Juli von der AL-Mitgliedervollversammlung beschlossenen - Umwandlung der bisher selbständigen Partei in einen Landesverband der Grünen.

Vor 20 000 Menschen findet auf dem Potsdamer Platz ein Open-air-Benefizkonzert zugunsten der "Ost-West-Kulturstiftung e. V." zur Förderung junger Künstler statt. Ein Ost-West-Sinfonieorchester und ein 200stimmiger Chor, gebildet aus acht Chören aus beiden Teilen der Stadt, führen Gustav Mahlers "Auferstehungssinfonie" auf (Dirigent: Lorin Maazel).

1997

Die US-amerikanische Westin-Hotelkette pachtet von der Interhotel-Gruppe das Grand Hotel in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte für 20 Jahre.

1998

Der Senat beschließt in seiner 114. Sitzung, einen Teil der Berliner Wasserbetriebe zu privatisieren. Die Teilprivatisierung soll über eine Investmentbank schnellstmöglich in Angriff genommen werden, so daß der erhoffte Erlös von rund zwei Milliarden DM noch zur Haushaltsfinanzierung des laufenden Jahres zur Verfügung steht.

2000

Drei ehemalige Mitglieder des SED-Politbüros - Hans-Joachim Böhme, Herbert Häber und Siegfried Lorenz - werden vom Landgericht Berlin vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. (Vgl. 9. Mai 2000.) Das Gericht erklärt, dass den Beschuldigten nach DDR-Recht kein Totschlag durch Unterlassen vorzuwerfen sei. Sie seien schlicht untätig gewesen; der für eine Verurteilung notwendige Nachweis, dass sie im Politbüro die Möglichkeit gehabt hätten, die Todesschüsse zu stoppen, sei nicht erbracht worden.

Das geplante Holocaust-Mahnmal in Berlin soll ein unterirdisches Informationszentrum erhalten. (Vgl. 27. Jan. 2000.) Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, gibt den Beschluss des Kuratoriums bekannt, den Architekten Peter Eisenman mit der Realisierung des "Hauses der Information" zu beauftragen. Eine 800-Quadratmeter-Ausstellung soll "den Opfern Gesicht, der Erinnerung historische Bestimmtheit" geben.

Nach viereinhalbjähriger Bauzeit wird das neue Teilstück der A 100 vom Dreieck Tempelhof bis zur Buschkrugallee in Neukölln freigegeben. Der 2,1 Kilometer lange Abschnitt verläuft zu gut zwei Dritteln im Tunnel.

2001

Die Berliner Staatskapelle unter ihrem Dirigenten Daniel Barenboim spielt in Jerusalem Musik von Richard Wagner - einen Ausschnitt aus "Tristan und Isolde" - und ruft damit heftige Proteste in der israelischen Öffentlichkeit hervor.

2004

Im Berliner Rathaus verleihen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Christoph Stölzl als Vizepräsident des Abgeordnetenhauses die Stadtältestenwürde an acht Frauen und Männer. In Anerkennung ihrer Verdienste um Berlin werden ausgezeichnet: Hans-Dieter Blaese, langjähriger Präsident der Handwerkskammer Berlin, Pastor Werner Braune, früherer Direktor der Stephanus-Stiftung in Weißensee, Alfred Gleitze, 32 Jahre lang Kommunalpolitiker im Bezirk Schöneberg, Günther Gottmann, langjähriger Direktor des Museums für Verkehr und Technik, der ehemalige Spandauer Bürgermeister Sigurd Hauff, Barbara John, langjährige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, die frühere Justizsenatorin Lore Maria Peschel-Gutzeit und Wolfgang Ullmann, Mitbegründer des "Runden Tisches" in der DDR.

2008

Das Welterbekomitee der UNESCO nimmt sechs repräsentative Wohnhaussiedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Welterbes auf: die Gartenstadt Falkenberg (Treptow), die Siedlung Schillerpark (Wedding), die Großsiedlung Britz - Hufeisensiedlung (Neukölln), die Wohnstadt Carl Legien (Prenzlauer Berg), die Weiße Stadt (Reinickendorf) und die Großsiedlung Siemensstadt - Ringsiedlung (Charlottenburg). Die Siedlungen entstanden zwischen 1913 und 1934. Architekten wie Bruno Taut (1880-1938) gaben eine städtebauliche und architektonische Antwort auf die Wohnungsfrage der damaligen Zeit: rationell geschnittene, modern ausgestattete und bezahlbare Wohnungen, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne. Die qualitätsvolle Baukunst, die moderne Formensprache, die funktionalen Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen lieferten international diskutierte und adaptierte Vorbilder für das 20. Jahrhundert.
Berlin ist bereits mit der Museumsinsel und den preußischen Schlössern und Gärten von Berlin und Potsdam auf der Welterbeliste vertreten.

2009

Die in Los Angeles stattfindende Trauerfeier für den US-amerikanischen Popstar Michael Jackson, der am 25. Juni im Alter von 50 Jahren in Los Angeles starb, wird in der O2 World in Friedrichshain übertragen. Mehr als 6 000 Fans sind in die Arena gekommen, auch die Sängerin Nina Hagen. Weltweit wird die Veranstaltung von etwa einer Milliarde Menschen live im Fernsehen verfolgt.

2011

Das »Classic Open Air«-Festival auf dem Gendarmenmarkt feiert sein 20. Jubiläum. »Das Grundkonzept ist klassische Musikkonzerte in der einmaligen Kulisse des Gendarmenmarktes mitten im Herzen der Hauptstadt Berlin zu inszenieren und damit ein breites Publikum anzusprechen. Die künstlerische Bandbreite des Festivals erstreckt sich von den sogenannten ›Star‹-Konzerten über die ›Konzept‹-Konzerte (z. B. Verdi, Wagner, Strauß) bis hin zu den sogenannten Crossover-Konzerten, bei denen Pop-, Rock-, oder Jazzmusik immer mit dem klassischen Klangkörper fusioniert (im Titel des Festivals heißt es daher auch ›Classic‹ anstatt ›Klassik‹, um diese Bandbreite deutlich zu machen).«

2019

Im Alter von 100 Jahren stirbt in Berlin der Filmproduzent Artur »Atze« Brauner, der wie kaum ein anderer das deutsche Nachkriegskino prägte und außerdem mit Filmen wie »Morituri« (1948), »Hitlerjunge Salomon« (1990) und »Wunderkinder« (2011) die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachhielt. Am 8. September 2018 fand im Zoo Palast in Charlottenburg eine große Gala anlässlich seines 100. Geburtstags statt.
Am 10. Juli wird Brauner auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße in Charlottenburg nach einer Trauerfeier beigesetzt.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 07.07.2022)