Was geschah am 18.08. im Jahr ...

1945

Der Magistrat beschließt die Bildung eines "Frauenausschusses zur ideologischen Mobilisierung der Frauen für den Wiederaufbau", nachdem sich zuvor in den Stadtbezirken Bezirksfrauenausschüsse gebildet hatten.

1947

Die Alliierte Kommandantur teilt dem Stadtverordnetenvorsteher durch BK/O (47) 183 mit, daß sie es nicht für möglich gefunden habe, den Stadtrat für Verkehr, Professor Reuter, als Oberbürgermeister von Groß-Berlin zu bestätigen.

Der Magistrat beschließt auf seiner Sitzung die Stiftung eines Literaturpreises der Stadt Berlin in Höhe von 10 000 RM, der alljährlich am 20. September zur Verteilung gelangen soll. Der Preis, der den Namen "Fontane-Preis von Groß-Berlin" trägt, wird für den besten Roman des Jahres verliehen, der die demokratischen Ideale der Freiheit und Humanität in künstlerisch besonders überzeugender Weise zur Geltung bringt. Neben städtischen Vertretern sollen der Schutzverband deutscher Autoren und der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands dem Preisrichterkollegium angehören.
Entsprechend einem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung bittet der Magistrat die Alliierte Kommandantur um Milderung der übermäßig hohen Einkommensteuer und schlägt eine Anzahl Änderungen vor, die sich hauptsächlich auf eine Erhöhung des steuerfreien Einkommens, der Freibeträge und der Werbungskosten beziehen.

Das Hauptjugendamt leitet unter Mitwirkung der Arbeitsämter eine Aktion zur Betreuung erwerbsloser Jugendlicher ein, um ein weiteres Ansteigen der Verwahrlosung der Berliner Jugend zu verhindern.

1947

150 Berliner Firmen beteiligen sich an der ersten großen Exportmesse des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Hannover.

1948

Die amerikanische Militärregierung in Deutschland erläßt die Verordnung Nr. 31 über den Aufbau, den räumlichen Bereich und die Aufgaben der ihr unmittelbar unterstehenden Bezirks- und Berufungsgerichte. Diesen wird gleichzeitig mit der Verordnung Nr. 32 eine Strafprozeßordnung gegeben, die weitgehend der amerikanischen Verfahrensweise entspricht.

Die britische Militärregierung erklärt im Einverständnis mit der amerikanischen und französischen Militärregierung den sowjetischen Befehl Nr. 382 über die Entlassung von Dr. Mückenberger für verfassungswidrig und ungültig. Befehle dieser Art würden erlassen, um die Autorität der Stadtverwaltung aus politischen Gründen zu untergraben.

Der amerikanische Stadtkommandant, Oberst Howley, erklärt, daß die von der sowjetischen Zentralkommandantur zur Versorgung der westlichen Sektoren angebotenen Kohlenmengen nicht ausreichen. Im übrigen seien sie vor der Blockade von den Westmächten zur Versorgung des sowjetischen Sektors zur Verfügung gestellt worden.

Der Magistrat erörtert auf seiner 118. ordentlichen Sitzung die zur Währungsreform erlassenen Maßnahmen und kommt nach kritischer Darlegung der Entwicklung seit dem 24. Juni 1948 sowie angesichts der katastrophalen Auswirkungen auf die öffentliche und private Wirtschaft zu folgenden Forderungen:

Nach Feststellung der Reihenfolge, in der die Verwendung der Haushaltsmittel bei größter Sparsamkeit erfolgen soll, und unter der Voraussetzung, daß Groß-Berlin seine öffentliche Wirtschaft gemäß der Vorläufigen Verfassung auf Grund und im Rahmen des Haushaltsplanes führen und über seine vorschriftsmäßig umgewerteten Guthaben verfügen kann, regelt der Magistrat unter Aufrechterhaltung seines Beschlusses vom 7. Juli 1948 den Geldverkehr in der Stadt Berlin nach folgenden Gesichtspunkten:
  1. Die öffentliche Wirtschaft von Groß-Berlin einschließlich der Eigenbetriebe und Eigengesellschaften wird im gesamten Gebiet von Groß-Berlin in Deutscher Mark der Deutschen Notenbank (Ostwährung) geführt. Soweit durch Anordnungen von Besatzungsmächten in Teilen von Groß-Berlin neben der Ostwährüng auch eine andere Währung gilt, werden wie bisher die Geldzeichen dieser Währung durch eine besondere Ausgleichstelle in Ostwährung im Verhältnis 1:1 für die öffentliche Wirtschaft umgewandelt. Dies gilt für die Einnahmen wie für die Ausgaben.
  2. Groß-Berlin verpflichtet sich, in seiner gesamten Wirtschaft den bargeldlosen Zahlungsverkehr soweit zu fördern, daß lediglich Gehälter in geringer Höhe, Löhne, Unterstützungen, Ruhegelder und kleinere Ausgaben in bar gezahlt werden.
  3. Groß-Berlin gewährleistet den Rückfluß der eingenommenen Gelder über seine Kassen an das Stadtkontor. An Ort und Stelle dürfen nur soviel der Einnahmen zurückgehalten werden, als notwendig ist, den dringendsten Bedarf der nächsten Tage zu decken."
Für den Fall, daß durch eine Besatzungsmacht die Durchführung des Haushaltsplanes nur auf Teile von Groß-Berlin oder auf bestimmte öffentliche Aufgaben beschränkt wird oder daß die umgewerteten Guthaben nicht oder nur unzureichend zur Verfügung stehen, sieht der Magistrat folgendes vor:
  1. Für die Teilgebiete von Groß-Berlin oder die Aufgaben, die aus der Verwendungsmöglichkeit von Mitteln in Ostwährung ausgeschlossen sind, ist anzustreben, die Währung des betreffenden Teilgebietes möglichst ausschließlich zur Geltung zu bringen.
  2. Sofern auch diese Lösung nicht durchgeführt werden kann, wird der Magistrat für kurze Zeit ein Not- oder Ersatzgeld einführen, um die dringendsten Verpflichtungen erfüllen zu können."
Abschließend wird festgestellt, daß der Magistrat von Groß-BerIin durch diese Maßnahmen die einheitliche Verwaltung aufrechterhalten will. Der Magistrat beschließt unter anderem, gegen die Maßnahmen des Wohnungsamtes Prenzlauer Berg zu protestieren, das die Wohnung zusammen mit dem Mobiliar des kommissarischen Polizeipräsidenten von Groß-Berlin, Dr. Stumm, beschlagnahmt hat.
Er nimmt zur Kenntnis, daß Befehle der amerikanischen und britischen Besatzungsmacht vorliegen, die die Entlassung des Leiters der Berliner Centralen Kohlenorganisation, Dr. Mückenberger, ausdrücklich untersagen, und beauftragt Bürgermeister Dr. Friedensburg, in dieser Angelegenheit bei der sowjetischen Zentralkommandantur vorstellig zu werden. Der Magistrat ernennt Oberbürgermeister a. D. Dr. Otto Ostrowski zum Stadtwahlleiter und Dr. Kurt Treitschke zum Stellvertreter.
Der Magistrat bedauert die Erkrankung von Frau Bürgermeister Louise Schroeder.

Die 9. Interzonenkonferenz der deutschen Gewerkschaften in Enzisweiler bei Lindau wird abgebrochen, da mit dem FDGB keine Einigung über die Hinzuziehung der Berliner UGO erzielt werden kann. Die Delegierten der westlichen Besatzungszonen sprechen in einer Entschließung der Berliner Bevölkerung ihre Sympathie aus und fordern die Aufhebung der Blockade.

Das Alexandrow-Ensemble tritt vor etwa 30 000 Zuschauern auf dem Gendarmenmarkt im Bezirk Mitte auf.

1949

Die vier Stadtkommandanten von Groß-Berlin treffen zu ihrer dritten Sitzung nach der Pariser Außenministerkonferenz im Gebäude des Alliierten Kontrollrates zusammen, ohne aber auch diesmal konkrete Beschlüsse über die Normalisierung des Lebens in der Stadt zu fassen. Das auf der letzten Sitzung vorgelegte sowjetische Fünfpunkteprogramm wird von der Tagesordnung abgesetzt, nachdem der britische Stadtkommandant erklärte, daß es bereits von deutschen Stellen besprochen werde. Der sowjetische Stadtkommandant, Generalmajor Kotikow, unterbreitet weitere vier Vorschläge zu untergeordneten Themen. Ferner läßt er durchblicken, daß er sich für eine gegenseitige Anerkennung der Postwertzeichen einsetzen wolle.
Die westlichen Stadtkommandanten schlagen dagegen vor, den Telegramm- und Telefonverkehr zu normalisieren, die bei der Währungsreform im sowjetischen Sektor errichteten Sperrkonten aufzuheben und die Zusammenarbeit zwischen Bahnpolizei und Westberliner Polizei auf dem Gelände der Reichsbahn zu verbessern.
Nach der Sitzung äußert sich der britische Stadtkommandant, Generalmajor Bourne, zuversichtlich über den weiteren Fortgang der Besprechungen. Er sei allerdings enttäuscht, daß die sowjetische Seite keine Vorschläge für freie Wahlen in der ganzen Stadt und die Wiederherstellung einer einheitlichen Stadtverwaltung gemacht hätte.
Der amerikanische Stadtkommandant, Brigadegeneral Howley, erklärt in einer Pressekonferenz, es sei seinen Kollegen und ihm unmöglich gewesen, die sowjetischen Vorschläge anzunehmen, da sie völlig unbedeutend seien und ihre Verwirklichung das Leben in Berlin nicht normalisieren würde. Er vertritt die Auffassung, daß die sowjetischen Vertreter versuchten, durch Festlegung bestimmter Verfahrensregelungen wieder ein Veto-Recht zu erlangen. General Howley hatte sich vorher auf der Sitzung von seinen drei Kollegen verabschiedet.

Die Alliierte Kommandantur ordnet mit BK/L (49) 85 an, daß der Magistrat allen Eisenbahnern, auch denen, die sich nicht am Streik beteiligten, 40 Prozent ihrer Löhne von DM (Ost) in DM (West) im Verhältnis 1:1 umtauschen muß.
Der Erste Vorsitzende der Eisenbahner-Gewerkschaft (UGO), Heinz Bracht, erklärt, dieser Befehl bedeute für die am Streik beteiligten und noch heute um ihre Freiheit kämpfenden Eisenbahner ein Schlag ins Gesicht. Nach Ansicht Brachts hätten die Stadtkommandanten mit den dafür vorgesehenen 220 000 DM (West) den sehr schlecht gestellten Altpensionären und Rentnern der Eisenbahn eine wirkliche Hilfe bringen können.

Die Magistratskommission, die die Unterbringungsmöglichkeiten für Bundesbehörden in Berlin untersuchen soll, stellt auf einer Sitzung fest, daß allen Bundesministerien, Behörden und Anstalten, die schon jetzt nach Berlin verlegt werden könnten, nicht nur ausreichende, sondern auch würdige und verkehrsmäßig gut gelegene Räume zur Verfügung gestellt werden können. Besonders würden die am Fehrbelliner Platz im Bezirk Wilmersdorf im britischen Sektor in naher Zukunft frei werdenden Verwaltungsgebäude genügend Möglichkeiten bieten, um alle Bundesbehörden in räumlichem Zusammenhang unterzubringen. Außerdem lasse sich schon jetzt sagen, daß alle Unterbringungsmöglichkeiten bei einem finanziellen Mindestaufwand zu beschaffen seien, der nur einen Bruchteil der an anderen Orten erforderlichen Kosten ausmachen würde.

Der Industrie-Ausschuß West-Berlin richtet gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Handelskammer und den Innungen des Berliner Handwerks in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt a. M. eine Auftragsstelle Berlin ein. Sie soll dafür sorgen, daß von allen öffentlichen Aufträgen Westdeutschlands ein angemessener Anteil an die Westberliner Wirtschaft vergeben wird, die Bezugswünsche der westdeutschen öffentlichen Hand der Berliner Wirtschaft zugeleitet und die Lieferwünsche der westlichen Sektoren an die westdeutschen öffentlichen Auftraggeber weitergegeben werden. Die Auftragsstelle selbst wird keine Aufträge abschließen.

Die Bezirksmeister und Obermeister sämtlicher Innungen des Berliner Handwerks protestieren in ihrer Versammlung in Kliems Festsälen in der Hasenheide im Bezirk Kreuzberg scharf gegen die beabsichtigte Einführung der Gewerbefreiheit, die die Abschaffung des Befähigungsnachweises vorsieht. Der augenblickliche Zustand beruhe auf jahrzehntelangen Erfahrungen und habe sich in ganz Europa bewährt. Für jeden Handwerker, der eine einwandfreie Ausbildung besitze, sei es eine Kleinigkeit, den erforderlichen Befähigungsnachweis zu bringen. Die neue Gewerbefreiheit hingegen würde jedem Pfuscher freie Hand geben und damit das Ansehen des Handwerks schädigen. Zu lebhaften Tumulten kommt es bei der Diskussion über das Verhältnis zwischen Handwerk und der Versicherungsanstalt Berlin (VAB). Nachdem der Vorsitzende des Schutzverbandes der Zwangsversicherten, Dr. Schäfer, heftige Kritik an der VAB geübt und den Anschluß Berlins an das westdeutsche Sozialversicherungssystem gefordert hatte, wird ein Vertreter der VAB bei seinem Versuch, die Existenz der VAB zu rechtfertigen, durch dauernden Lärm an der Beendigung seiner Ausführungen gehindert.

Die Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) für die sowjetische Besatzungszone faßt alle "volkseigenen" Schiffahrts- und Umschlagbetriebe in der Deutschen Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale, einer Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Potsdam, zusammen. Sie hat den gesamten Transport auf den Wasserstraßen der sowjetischen Besatzungszone und Berlins einschließlich der Personenbeförderung, des Frachtverkehrs und des Umschlags in den Binnenhäfen durchzuführen. Der neuen Zentrale werden die gesamten "volkseigenen" oder sich sonst in öffentlicher Hand befindlichen Fahrzeuge, Schiffahrtsbetriebe, Binnenhäfen und Umschlagsanlagen als Rechtsträgerin übertragen. Die Arbeitsgemeinschaft Binnenschiffahrt und die Wasserstraßendirektionen Berlin, Magdeburg, Dresden und Schwerin werden aufgelöst (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 1.8.1945).

Der Magistrat des sowjetischen Sektors beschließt auf seiner 39. Sitzung, zum Gedenken an den am 18. August 1944 von den Nationalsozialisten umgebrachten ehemaligen Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands, Ernst Thälmann, den Wilhelmplatz im Bezirk Mitte in "Thälmannplatz" umzubenennen. Die am Wilhelmplatz gelegene U-Bahn-Station "Kaiserhof" erhält gleichfalls den Namen "Thälmannplatz".

Er beschließt eine Verordnung über die Verwertung von Wohnungseinrichtungsgegenständen und gewerblichem Mobiliar aus Zuweisungen der Bergungsämter oder anderer Dienststellen. Rechtmäßige Eigentümer müssen binnen zehn Wochen nach Inkrafttreten dieser Verordnung ihre Ansprüche bei den zuständigen Dienststellen des Magistrats des sowjetischen Sektors anmelden; anderenfalls gehen diese Gegenstände als herrenloses Gut in das Eigentum der Ostberliner Verwaltung über und werden Benutzern zugewiesen, die sie zum Schätzpreis erwerben können.

1950

Der britische Verkehrsminister Alfred Barnes kommt zu einem mehrtägigen Informationsbesuch nach Berlin.

Das Berliner Büro des amerikanischen Hohen Kommissars ordnet zum Schutz höherer Magistratsangestellter, die auf ihren Reisen zwischen Berlin und der Bundesrepublik mit dem Kraftwagen durch die sowjetische Besatzungszone fahren, die Registrierung und Kontrolle ihrer Fahrt durch die amerikanische Militärpolizei an den Autobahnkontrollpunkten Dreilinden und Helmstedt an. Damit folgen die amerikanischen Behörden einer Bitte des Magistrats.

Der bei Kriegsende zerstörte U-Bahnhof Kaiserhof im Bezirk Mitte im sowjetischen Sektor wird nach seinem Wiederaufbau als U-Bahnhof "Thälmannplatz" dem Verkehr übergeben. Der für die Verkleidung der Bahnhofswände benutzte Marmor wurde den Trümmern der Reichskanzlei entnommen.

1951

Der Leiter des Aktionsausschusses Berliner Ärzte, Dr. Bernhard Kwiet, gibt das Ergebnis einer Abstimmung der West-Berliner Sozialversicherungsärzte bekannt, in der sie zu dem Vertragsangebot der VAB - es enthielt u. a. das Prinzip der Kopfgeldpauschale und den Vorschlag einer Gesamthöhe der Ärztehonorare von 50 Millionen DM pro Jahr - Stellung nehmen sollten. An der Abstimmung beteiligten sich von 2500 Kassenärzten 1370; davon sprachen sich 1078 gegen und 292 für den VAB-Vertrag aus. Die geringe Beteiligung führt Dr. Kwiet auf die augenblickliche Urlaubszeit zurück. Dr. Kwiet teilt weiter mit, daß zur Regelung der Interessengegensätze zwischen VAB und Ärzten ein Ausschuß aus je vier Vertretern der Vereinigung der Sozialversicherungsärzte und der VAB gebildet werden soll. Zum Schiedsmann dieses Ausschusses wurde der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Wissell bestimmt.

1954

Der sowjetische Stadtkommandant, Generalmajor Dibrowa, beantwortet den Protest des amerikanischen Stadtkommandanten, Generalmajor Honnen, im "Fall Dr. Doebbeke" mit der Übersendung eines Vernehmungsprotokolls der Volkspolizei, nach dem Dr. Doebbeke zugegeben haben soll, das Haltezeichen von Volkspolizisten absichtlich nicht beachtet zu haben. Diese Darstellung wird durch eine Presseverlautbarung des "DDR"-Innenministeriums ergänzt, derzufolge schon einige Tage hindurch Volkspolizisten einen West-Berliner Personenwagen beobachtet hätten, der mehrmals unter Verdacht erregenden Umständen auffällig langsam in das Gebiet der "DDR" eingefahren war. Als er das am 10. August wieder tat, sei er von einem Posten in 200 Meter Entfernung vorschriftsmäßig zum Halten aufgefordert worden. Der später als Dr. Doebbeke identifizierte Fahrer sei auch bis auf zehn Meter herangekommen, um dann Vollgas zu geben, so daß sich der Posten nur durch einen Sprung vor dem Überfahren retten konnte. Erst nachdem Warnschüsse und Schüsse auf die Reifen nicht beachtet wurden, seien aus größerer Entfernung einige Schüsse auf den Wagen abgegeben worden, die den Fahrer verletzten. Frau Doebbeke habe ihren Mann im Städtischen Krankenhaus Potsdam am 16. August besucht und sich davon überzeugt, daß er dort in den besten Händen sei und in zuvorkommender Weise behandelt werde. - Dies seien die Tatsachen, die die West-Berliner Presse durch ihre Hetze zu trüben und zu entstellen versuche.

1955

Die Berliner IHK berichtet in ihren Mitteilungen unter der Überschrift "Berlin braucht bessere Verkehrsverbindungen" von ihren wiederholten Bemühungen, Verbesserungen im Schienenverkehr herbeizuführen, und präzisiert ihre Wünsche für das Fahrplanjahr 1955/56, wobei sie sorgfältig auf die geringe Aufnahmekapazität des zum Teil noch immer eingleisigen sowjetzonalen Streckennetzes Rücksicht genommen habe. Im einzelnen ersucht sie um:

1958

Die Berliner Spruchkammer belegt das in Berlin befindliche Vermögen des 1952 verstorbenen ehemaligen "Reichspressechefs" der NSDAP und SS-Obergruppenführers Dr. Otto Dietrich mit einer Buße von 700 DM, womit lediglich der Umstellungswert einiger Aktienpapiere erfaßt wird.

1959

Der sowjetische Partei- und Regierungschef Chruschtschow trifft in einem Brief an Bundeskanzler Adenauer die Feststellung, daß beide Länder sich jetzt in einer entscheidenden Etappe ihrer Beziehungen befänden. Die gegenwärtige Frage laute daher, ob sie imstande seien, ungeachtet der bestehenden Meinungsverschiedenheiten - vornehmlich ideologischer Art -, eine sachliche Zusammenarbeit aufzunehmen und das Vertrauen wieder herzustellen. Das Haupthindernis für die Nutzung der Perspektive gutnachbarlicher Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den sozialistischen Staaten sieht Chruschtschow in den noch nicht beseitigten Überresten des Zweiten Weltkrieges, die, gleich einem kranken Zahn, der in einem gesunden Menschen ständig Unruhe verursacht, allen Völkern Europas die Ruhe nähmen. Er versichert dem Kanzler, daß die Sowjetunion mit ihrem Vorschlag zum Abschluß eines Friedensvertrages keine einseitigen Vorteile oder Vergünstigungen für sich oder ihre Verbündeten erstrebe, und warnt ihn davor, sich durch seinen Haß gegen Sozialismus und Kommunismus daran hindern zu lassen, die historischen Ereignisse richtig zu beurteilen, die sich vor den Augen "unserer Generation" vollzogen hätten.
Wenn der Kanzler weiterhin die Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit beiden deutschen Staaten nicht zulasse und seine Regierung auch künftig alles unternehme, um die gespannte Situation in West-Berlin aufrechtzuerhalten, obgleich die Bundesrepublik weder juristisch noch faktisch mit der "West-Berlin-Frage" etwas zu tun habe, dann, so Chruschtschow, könne man, wenn man wolle, jederzeit Ereignisse auslösen, die für Deutschland und für die ganze Welt zu einer Katastrophe führen würden. Chruschtschow beschuldigt Adenauer statt mit Kleinem zu beginnen, um zu Großem zu gelangen, sofort das Maximum zu fordern: Wiedervereinigung durch fremde Hände, noch dazu unter Beseitigung der "sozialistischen Ordnung" in der DDR, obwohl jedem "nüchtern denkenden" Staatsmann die Haltlosigkeit einer solchen Politik klar sein müsse. Wenn der Kanzler für die Wiedervereinigung eintrete, müsse er mit der DDR Kontakt aufnehmen, müsse er sich für die Schaffung gesamtdeutscher Organe einsetzen, die eine Annäherung beider deutscher Staaten einleiten würden. Der Kanzler sollte nicht abseits stehen, sondern das seine zur "edlen Sache" der Beseitigung des Kalten Krieges, der Minderung der Spannungen und der Sicherung des Weltfriedens beisteuern. Vielleicht stehe man bei seinen Chruschtschows, Gesprächen in den Vereinigten Staaten vor einer historischen Wende in der Politik beider Blöcke - von einer weiteren Isolierung zur allmählichen Annäherung mit dem Ziel einer friedlichen Koexistenz. Mit dem amerikanischen Präsidenten werde er sicher nicht nur über Mais und Gurken sprechen, sondern vor allem über ungelöste Probleme, von denen das wichtigste die Beseitigung der Überreste des letzten Krieges sei.

Hertha BSC verliert auch das Rückspiel gegen den DDR-Fußballvizemeister ASK Vorwärts Ost-Berlin auf dem vereinseigenen Platz am Gesundbrunnen vor 26 000 Zuschauern, diesmal allerdings nur mit 1 : 2.

1959

Der sowjetische Partei- und Regierungschef Chruschtschow trifft in einem Brief an Bundeskanzler Adenauer die Feststellung, daß beide Länder sich jetzt in einer entscheidenden Etappe ihrer Beziehungen befänden. Die gegenwärtige Frage laute daher, ob sie imstande seien, ungeachtet der bestehenden Meinungsverschiedenheiten - vornehmlich ideologischer Art -, eine sachliche Zusammenarbeit aufzunehmen und das Vertrauen wieder herzustellen. Das Haupthindernis für die Nutzung der Perspektive gutnachbarlicher Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den sozialistischen Staaten sieht Chruschtschow in den noch nicht beseitigten Überresten des Zweiten Weltkrieges, die, gleich einem kranken Zahn, der in einem gesunden Menschen ständig Unruhe verursacht, allen Völkern Europas die Ruhe nähmen. Er versichert dem Kanzler, daß die Sowjetunion mit ihrem Vorschlag zum Abschluß eines Friedensvertrages keine einseitigen Vorteile oder Vergünstigungen für sich oder ihre Verbündeten erstrebe, und warnt ihn davor, sich durch seinen Haß gegen Sozialismus und Kommunismus daran hindern zu lassen, die historischen Ereignisse richtig zu beurteilen, die sich vor den Augen "unserer Generation" vollzogen hätten.
Wenn der Kanzler weiterhin die Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit beiden deutschen Staaten nicht zulasse und seine Regierung auch künftig alles unternehme, um die gespannte Situation in West-Berlin aufrechtzuerhalten, obgleich die Bundesrepublik weder juristisch noch faktisch mit der "West-Berlin-Frage" etwas zu tun habe, dann, so Chruschtschow, könne man, wenn man wolle, jederzeit Ereignisse auslösen, die für Deutschland und für die ganze Welt zu einer Katastrophe führen würden. Chruschtschow beschuldigt Adenauer statt mit Kleinem zu beginnen, um zu Großem zu gelangen, sofort das Maximum zu fordern: Wiedervereinigung durch fremde Hände, noch dazu unter Beseitigung der "sozialistischen Ordnung" in der DDR, obwohl jedem "nüchtern denkenden" Staatsmann die Haltlosigkeit einer solchen Politik klar sein müsse. Wenn der Kanzler für die Wiedervereinigung eintrete, müsse er mit der DDR Kontakt aufnehmen, müsse er sich für die Schaffung gesamtdeutscher Organe einsetzen, die eine Annäherung beider deutscher Staaten einleiten würden. Der Kanzler sollte nicht abseits stehen, sondern das seine zur "edlen Sache" der Beseitigung des Kalten Krieges, der Minderung der Spannungen und der Sicherung des Weltfriedens beisteuern. Vielleicht stehe man bei seinen Chruschtschows, Gesprächen in den Vereinigten Staaten vor einer historischen Wende in der Politik beider Blöcke - von einer weiteren Isolierung zur allmählichen Annäherung mit dem Ziel einer friedlichen Koexistenz. Mit dem amerikanischen Präsidenten werde er sicher nicht nur über Mais und Gurken sprechen, sondern vor allem über ungelöste Probleme, von denen das wichtigste die Beseitigung der Überreste des letzten Krieges sei.

Hertha BSC verliert auch das Rückspiel gegen den DDR-Fußballvizemeister ASK Vorwärts Ost-Berlin auf dem vereinseigenen Platz am Gesundbrunnen vor 26 000 Zuschauern, diesmal allerdings nur mit 1 : 2.

1960

Bei der Verabschiedung der DDR-Olympia-Teilnehmer im Club der Jugend und der Sportler an der Stalinallee gibt Ministerpräsident Grotewohl seiner Freude darüber Ausdruck, daß beide deutschen Sportleitungen mit ihren Verhandlungen zur Aufstellung einer gemeinsamen Mannschaft ein Beispiel dafür schufen, wie sich auf der Grundlage der Verständigungsbereitschaft und der völligen Gleichberechtigung beider Partner deutsche Probleme lösen ließen. Diese Zusammenarbeit im olympischen Geist der Verständigung habe - dies jedenfalls sei die volle Überzeugung der DDR-Regierung - die Wegrichtung aufgezeigt die in Deutschland auf allen anderen Gebieten gegangen werden sollte.
Anschließend gelobt der Stabhochspringer Manfred Preußger (Leipzig), seit kurzem Mitinhaber des Europarekords von 4,65 m, im Namen seiner Mannschaftskameraden, bei den Spielen in Rom "alle Kraft einzusetzen, um zum Ruhme unserer Republik hohe sportliche Leistungen zu vollbringen".

Rektor und Akademischer Senat der Humboldt-Universität bedauern in einer Stellungnahme die Empfehlung der westdeutschen Rektorenkonferenz an Universitäten und Hochschulen in der Bundesrepublik, offiziellen Einladungen zur 150-Jahr-Feier nicht Folge zu leisten, sondern Wissenschaftlern höchstens eine private Teilnahme anheimzustellen, vor allem deshalb, weil gerade in der gegenwärtigen Situation die Wissenschaftler in beiden deutschen Staaten eine große Verantwortung bei der Erhaltung des Friedens trügen. Offensichtlich wolle man mit diesem Beschluß der Rektorenkonferenz, den sie wohl "nicht in eigener Entscheidung gefaßt" habe, einen Abbruch der traditionellen Beziehungen der Humboldt-Universität zu vielen westdeutschen Universitäten erreichen. Die Initiatoren dieser Politik in Bonn, die statt einer friedlichen Wiedervereinigung "unseres Vaterlandes" ihre aggressiven militärischen Ziele durchsetzen wollten, griffen so auch im Hochschulwesen zu Maßnahmen, die dem viel zitierten "Macht das Tor auf!" Hohn sprächen. In Wirklichkeit suchten diese Kreise das Tor zuzuschlagen. Der wohlgemeinte Rat für eine nur private Teilnahme sei von zweifelhaftem Wert, falls seine Befolgung durch Maßnahmen der Kultusminister der Länder, wie früher schon einmal geschehen, praktisch unmöglich gemacht werden sollte. Abschließend betonen Rektor und Senat, daß offizielle wie private Einladungen nach wie vor aufrechterhalten bleiben.

1960

Bei der Verabschiedung der DDR-Olympia-Teilnehmer im Club der Jugend und der Sportler an der Stalinallee gibt Ministerpräsident Grotewohl seiner Freude darüber Ausdruck, daß beide deutschen Sportleitungen mit ihren Verhandlungen zur Aufstellung einer gemeinsamen Mannschaft ein Beispiel dafür schufen, wie sich auf der Grundlage der Verständigungsbereitschaft und der völligen Gleichberechtigung beider Partner deutsche Probleme lösen ließen. Diese Zusammenarbeit im olympischen Geist der Verständigung habe - dies jedenfalls sei die volle Überzeugung der DDR-Regierung - die Wegrichtung aufgezeigt die in Deutschland auf allen anderen Gebieten gegangen werden sollte.
Anschließend gelobt der Stabhochspringer Manfred Preußger (Leipzig), seit kurzem Mitinhaber des Europarekords von 4,65 m, im Namen seiner Mannschaftskameraden, bei den Spielen in Rom "alle Kraft einzusetzen, um zum Ruhme unserer Republik hohe sportliche Leistungen zu vollbringen".

Rektor und Akademischer Senat der Humboldt-Universität bedauern in einer Stellungnahme die Empfehlung der westdeutschen Rektorenkonferenz an Universitäten und Hochschulen in der Bundesrepublik, offiziellen Einladungen zur 150-Jahr-Feier nicht Folge zu leisten, sondern Wissenschaftlern höchstens eine private Teilnahme anheimzustellen, vor allem deshalb, weil gerade in der gegenwärtigen Situation die Wissenschaftler in beiden deutschen Staaten eine große Verantwortung bei der Erhaltung des Friedens trügen. Offensichtlich wolle man mit diesem Beschluß der Rektorenkonferenz, den sie wohl "nicht in eigener Entscheidung gefaßt" habe, einen Abbruch der traditionellen Beziehungen der Humboldt-Universität zu vielen westdeutschen Universitäten erreichen. Die Initiatoren dieser Politik in Bonn, die statt einer friedlichen Wiedervereinigung "unseres Vaterlandes" ihre aggressiven militärischen Ziele durchsetzen wollten, griffen so auch im Hochschulwesen zu Maßnahmen, die dem viel zitierten "Macht das Tor auf!" Hohn sprächen. In Wirklichkeit suchten diese Kreise das Tor zuzuschlagen. Der wohlgemeinte Rat für eine nur private Teilnahme sei von zweifelhaftem Wert, falls seine Befolgung durch Maßnahmen der Kultusminister der Länder, wie früher schon einmal geschehen, praktisch unmöglich gemacht werden sollte. Abschließend betonen Rektor und Senat, daß offizielle wie private Einladungen nach wie vor aufrechterhalten bleiben.

1961

Die Sowjetunion unterstützt in ihrer Antwort auf die Proteste der Westmächte vom Vortage ohne jede Einschränkung die "notwendig und unvermeidlich gewordenen" Sperrmaßnahmen der DDR gegenüber West-Berlin, das auf Kosten der DDR-Bevölkerung gelebt habe. Die Berufung auf Viermächte-Abkommen über Berlin durch die Westmächte sei "unbegründet und absurd", denn die Bundesregierung habe mit westlicher Unterstützung West-Berlin zur Hauptbasis von Diversionsakten gegen sozialistische Staaten gemacht. Im übrigen trügen die von der DDR-Regierung ergriffenen Maßnahmen nur zeitweiligen Charakter. Der Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland und eine auf seiner Grundlage erfolgende Normalisierung der Lage in West-Berlin schmälere die Interessen keiner Seite und würde für den Frieden und die Sicherheit aller Völker von Nutzen sein.

Der sowjetische Stadtkommandant, Oberst Solowjew, weist den Protest seiner westlichen Kollegen vom 15. August als "völlig unbegründet" zurück, da, wie bereits mehrfach betont (vgl. 15. August), die "Kommandantur der Garnison der sowjetischen Truppen in Berlin sich nicht in die Angelegenheiten der Hauptstadt der DDR einmischt". Die DDR-Regierung habe zudem bei ihren Aktionen an der Grenze zu West-Berlin nur das jedem souveränen Staat zustehende Recht auf Schutz seiner legitimen Interessen in Anspruch genommen.

In der 167. Sitzung (3. Wahlperiode) des Bundestages unterstreicht Kanzler Adenauer die Bereitschaft der Bundesregierung, jeden Ansatz für Verhandlungen zwischen den vier Großmächten zu fördern und an Plänen mitzuwirken, die für den Fall der Wiedervereinigung Deutschlands der Sowjetunion Sicherheitsgarantien bieten könnten. Im Namen Berlins fordert der Regierende Bürgermeister Brandt eine westliche Initiative, die die von "Pankow" begangene flagrante Verletzung der Menschenrechte vor den Vereinten Nationen anprangere. Im großen und ganzen übereinstimmend bekunden Sprecher aller Fraktionen die Loyalität der Bundesrepublik gegenüber dem Westen und volles Vertrauen zu den Verbündeten, sparen aber nicht mit Hinweisen auf die Enttäuschung der deutschen Öffentlichkeit angesichts der Langsamkeit westlicher Reaktionen. Anschließend verurteilt der Bundestag die Absperrmaßnahmen in Berlin als eine brutale Verletzung der Menschenrechte wie des Viermächte-Status der Stadt und fordert nachdrücklich die Gewährung des Selbstbestimmungsrechts für das gesamte deutsche Volk.

DDR-Staats- und Parteichef Ulbricht verteidigt in einer Rundfunk- und Fernsehansprache die Maßnahmen des 13. August, die den Frieden in Europa gerettet hätten, denn die Politik des Westens, "die DDR zu unterminieren und sturmreif zu machen" und West-Berlin zu einem Sarajewo werden zu lassen, sei gescheitert. "Wir haben die Ultras am Brandenburger Tor geschlagen." Jetzt müßten die Westdeutschen die "Ultras" auch an Rhein und Ruhr schlagen. Heftig attackiert Ulbricht den Regierenden Bürgermeister Brandt, den er u.a. einen "politischen Scharlatan" nennt, der den Kampf um Berlin verloren habe. "Der aufgeblasene Herr Brandt ist tatsächlich wie ein Luftballon beim bloßen Anblick unserer Nationalen Volksarmee geplatzt."

Papst Johannes XXIII. ernennt den im Ost-Berliner Bezirk Weißensee wohnenden, 39 Jahre alten Weihbischof Alfred Bengsch zum neuen Bischof des Bistums Berlin als Nachfolger von Kardinal Döpfner (vgl. 6. Juli).

Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert zitiert den EKD-Ratsvorsitzenden Scharf ins Rote Rathaus und macht ihm ohne Umschweife deutlich, daß die DDR erst dann die Absperrung der Sektorengrenze aufzuheben beabsichtige, wenn ein Friedensvertrag abgeschlossen sei und Bundesregierung wie Senat unmißverständlich sich zur Einstellung des "Menschenhandels" bekannt hätten. Des weiteren bezeichnet er den Protest der EKD vom Vortage als "provokatorisch".

BVG-Direktor Schneider teilt mit, daß sich die Zahl der beförderten Fahrgäste als Folge des S-Bahn-Boykotts (vgl. 16. August) um rund 100 000 erhöhte, weshalb man augenblicklich prüfe, wie vor allem die parallel zur S-Bahn verlaufenden Buslinien verstärkt bzw. erweitert werden können.

Ein Senatssprecher gibt bekannt, daß die Verhandlungen zwischen Alliierten und Senat über eine Neuregelung des S-Bahnverkehrs in West-Berlin bislang zu keinem Ergebnis führten, diese jedoch fortgesetzt werden sollen. Angesichts komplizierter Detailfragen lasse sich die Forderung der Bevölkerung nach Übernahme der S-Bahn in West-Berliner Regie nicht sofort realisieren.

Das vom Presse- und Informationsamt des Senats kurzfristig organisierte "Studio am Stacheldraht" nimmt, mit zwei zunächst von SPD und CDU z. V. gestellten Lautsprechern, an der Mauer seine Tätigkeit auf, um die DDR-Grenzposten über die politische Situation in und um Berlin zu informieren und um an sie zu appellieren, nicht gezielt auf Flüchtlinge zu schießen.

1962

Der amerikanische Stadtkommandant, General Watson, verurteilt in einem Protestschreiben an den amtierenden sowjetischen Stadtkommandanten, Oberst P.V. Siganow, die Erschießung Peter Fechters (vgl. 17. August) als einen "Akt barbarischer Unmenschlichkeit", der unter Berlinern eine nicht mehr zu überbietende Empörung ausgelöst habe. Gegen Mittag versammeln sich an dem inzwischen von Unbekannten errichteten Gedenkkreuz erneut mehrere Hundert Berliner, die, Fäuste schüttelnd, in Sprechchören ihrer Erregung nicht allein durch "Mörder-Mörder-Rufe" gegen die DDR-Grenzposten Luft machen, sondern zugleich die West-Berliner Polizei und amerikanische Soldaten auffordern, endlich etwas gegen die unmenschlichen Praktiken an der Mauer zu tun. Als gegen 17.30 Uhr ein Bus mit der Wachablösung für das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten am Kontrollpunkt Friedrichstraße in den US-Sektor einfährt, wird er mit Steinen beworfen, die zwei Scheiben zertrümmern. West-Berliner Polizei nimmt vorübergehend sieben Personen fest und gibt dem Bus auf seiner Fahrt Geleitschutz.

Ein 16jähriges Mädchen überwindet trotz starken Beschüsses durch DDR-Grenzposten am Weinmeisterhorn die Stacheldrahtsperren zum Bezirk Spandau. Völlig erschöpft wird sie mit einem Nervenschock in ein West-Berliner Krankenhaus eingeliefert.

1966

Bei den VII. Kanu-Weltmeisterschaften auf der Ost-Berliner Regattastrecke in Grünau sind 480 Aktive aus 24 Ländern am Start, die in insgesamt 26 Wettbewerben die Titelträger ermitteln. In der offiziellen Punktewertung belegt die Sowjetunion den ersten Platz vor Rumänien, Ungarn und der Bundesrepublik, die im Einer-Canadier über 500 Meter mit Detlef Lewe den Sieger stellt.

1967

Eröffnung des gegenüber der "Urania" gelegenen Hotels "President", erbaut von der Mannheimer Felina-Gruppe nach Plänen von Klaus Effenberger für rund 8,5 Mio. DM. Es bietet 100 Betten in 60 Zimmern, davon zwölf als Komfort-Appartments.

1969

Die DDR-Regierung fordert die drei Westmächte in gleichlautenden Noten auf, "jeglicher Einbeziehung Westberlins in die Militarisierung und Aufrüstung Westdeutschlands" entgegenzutreten. Die Bundesregierung wird in den Noten des Versuchs beschuldigt, "unter Mißachtung des entmilitarisierten Status Westberlins und unter Verletzung der Lufthoheit der Deutschen Demokratischen Republik Westberlin für militärische Ziele der westdeutschen Bundesrepublik zu mißbrauchen". Hintergrund ist die Überführung von Bundeswehr-Deserteuren nach Westdeutschland. (Vgl. 27. Juli.)

1970

Wie "Der Tagesspiegel" berichtet, hat der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz in Interviews drei Forderungen für eine Berlin-Regelung formuliert: 1. Die Diskriminierung der West-Berliner in ihrem Verhältnis zu Ost-Berlin und in der Frage der Verwandtenbesuche in der DDR müsse aufgehoben werden. 2. Die Freiheit der Zugangswege nach Berlin müsse gewährleistet sein. Bisher sei der Zugang zu Lande von der einseitigen Entscheidung der DDR-Behörden abhängig. Dies führe immer wieder zu Schikanen und Willkür. Schütz schließt die Möglichkeit, die Kontrolle des Zugangs einer internationalen Behörde unter Beteiligung der DDR zu übertragen, nicht aus, betont aber, daß dies nur eine von mehreren Möglichkeiten sei. 3. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten müßten endlich die Zugehörigkeit West-Berlins zur Wirtschafts-, Finanz- und Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland akzeptieren.
   Denkbare Zugeständnisse von westlicher Seite sieht Schütz in erster Linie auf dem Gebiet der Bundespräsenz in West-Berlin. Seiner Ansicht nach können die Bundesbehörden, die zur Zeit etwa 20?000 Menschen in West-Berlin beschäftigen, nicht abgebaut werden. Auch hält er es nicht für möglich, daß künftig der Bundespräsident, der Bundeskanzler und andere Politiker der Bundesrepublik auf Besuche in West-Berlin verzichten. Es wäre aber möglich, daß der Bundespräsident zum Beispiel in West-Berlin keine Hoheitsakte mehr ausübt. Zur Vertretung West-Berlins gegenüber anderen Ländern sagt Schütz, er könne sich nicht vorstellen, daß diese Vertretung jemand anders übernehme als die Bundesrepublik, zu der West-Berlin wirtschaftlich, finanziell und rechtlich gehöre.
   Die Berliner CDU wendet sich am 18. August in scharfer Form gegen die Ankündigung des Regierenden Bürgermeisters, bestimmte Teile der Bundespräsenz in Berlin zur Disposition zu stellen, wenn die Sowjetunion Entgegenkommen in der Berlin-Frage zeige. In einer Presseerklärung hebt der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Heinrich Lummer, hervor, es diene weder dem Interesse der Stadt noch fördere es die Verhandlungschancen, wenn verantwortliche Politiker noch vor konkreten Gesprächen öffentliche Erklärungen der Verzichtsbereitschaft abgeben würden.

Der Senat beschließt in seiner 131. Sitzung die Gründung der "AMKo Berlin _ Ausstellungs-, Messe- und Kongreß-GmbH Berlin". Die neue Gesellschaft soll am 1. Januar 1971 ihre Arbeit aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt wird der "Ausstellungs-Dienst Berlin" (ADB) seine Arbeit einstellen und in der AMKo aufgehen, die zugleich alle ausstellungspolitischen Aktivitäten des Eigenbetriebs Berliner Ausstellungen übernimmt. Aufgabe der neuen Gesellschaft soll es sein, Ausstellungen, Messen und Kongresse in Berlin zu veranstalten und Berliner Beteiligungen an auswärtigen Messen und Ausstellungen zu organisieren.

Im Alter von 72 Jahren stirbt in West-Berlin der CDU-Politiker, Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesminister Ernst Lemmer, der von 1924 bis 1933 Mitglied des Deutschen Reichstags war und 1945 zu den Mitbegründern der CDU in der Sowjetzone und Berlin gehörte. Dem Abgeordnetenhaus von Berlin gehörte er von 1950 bis 1969 an, zeitweilig als CDU-Fraktionsvorsitzender. Seit 1952 war er Mitglied des Deutschen Bundestags. Von 1956 bis 1957 bekleidete er das Amt des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen; von 1957 bis 1962 war er Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und von 1964 bis 1965 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. 1956 wurde Lemmer Landesvorsitzender der Berliner CDU, 1961 ihr Ehrenvorsitzender. Nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung fungierte er von 1965 bis 1969 als Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers für Berlin.
   Lemmer wird am 23. August im Reichstagsgebäude aufgebahrt, um der Berliner Bevölkerung Gelegenheit zum Abschied zu geben.
   Die kirchliche Trauerfeier findet am 24. August in der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Hansaviertel statt.
   Am 25. August findet ein Staatsakt für den verstorbenen Politiker in der Eingangshalle des Rathauses Schöneberg statt. Mehr als 500 Ehrengäste, unter ihnen Bundespräsident Gustav Heinemann, nehmen teil. Neben Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel sprechen der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz, der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen, Egon Franke, und der CDU-Bundesvorsitzende Kurt Georg Kiesinger. Die Beisetzung auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof erfolgt im engsten Familienkreis.

Ihren 90. Geburtstag begeht die Schauspielerin Tilla Durieux, die 1903 nach Berlin an Max Reinhardts Deutsches Theater kam und ab 1911 an verschiedenen Berliner Bühnen wirkte. 1934 ging sie in die Emigration, aus der sie 1952 zurückkehrte. Glanzrollen nach ihrer Rückkehr hatte sie unter anderem in "Die Irre von Chaillot" (Jean Giraudoux) und "Die Stühle" (Eugène Ionesco). Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz gibt der Schauspielerin im Gästehaus des Senats (Berlin-Grunewald) ein Essen.

1971

Im Gebäude des früheren Alliierten Kontrollrats in Berlin Schöneberg treffen die Botschafter der vier für Berlin verantwortlichen Mächte zu ihrem 32. Berlin Gespräch zusammen. (Vgl. 17. August.) Den Vorsitz führt der sowjetische Botschafter Pjotr A. Abrassimow.

1972

Der neue Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Martin J. Hillenbrand, empfängt in seiner Residenz in Berlin-Dahlem den Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz. (Vgl. 7. Juli.) Es werden Fragen von beiderseitigem Interesse besprochen.

Zu einem Gespräch über aktuelle politische Fragen empfängt der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz Sir Dauda Kairaba Jawara, Staatsoberhaupt und Regierungschef von Gambia.

1978

Vor rund 30 000 Zuschauern eröffnet der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe im Olympiastadion in Berlin-Charlottenburg die III. Weltmeisterschaft im Schwimmen, Wasserspringen, Kunstschwimmen und Wasserball. An den Titelkämpfen beteiligen sich 49 Länder mit 828 Sportlerinnen und Sportler.
   Eingebettet in das Eröffnungszeremoniell ist das Internationale Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten. Krystyna Kacperczyk aus Polen sorgt mit 55,44 Sekunden über 400 Meter Hürden für einen Weltrekord. Ulrike Bruns aus der DDR läuft mit 2:32,0 Minuten über 1 000 Meter Weltrekord.
   Mit insgesamt 23 Goldmedaillen sind die USA das überragende Land der Schwimm-Weltmeisterschaft, die insgesamt von rund 75 000 Zuschauern besucht wird und am 28. August im Olympia-Schwimmstadion ihren feierlichen Abschluss findet. Insgesamt gibt es bei der Schwimm-Weltmeisterschaft 14 Welt- und sechs Europarekorde.

Im Alter von 73 Jahren stirbt in West-Berlin die Buchhändlerin und "große alte Dame des Berliner Buchhandels", Marga Schoeller, Inhaberin von "Marga Schoellers Bücherstube". Ihre weit über Berlin hinaus bekannte Buchhandlung mit einem breit gefächerten belletristisch-kulturhistorischen Angebot wurde 1929 am Kurfürstendamm gegründet und zog 1974 in die Knesebeckstraße um.

1981

Die Außenarbeiten zur Wiederherstellung des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Doms am Lustgarten werden zum größten Teil abgeschlossen. Die Kosten für die bisherigen Arbeiten in Höhe von rund 40 Mio. DM trugen überwiegend die westdeutschen Landeskirchen, die im einzelnen Beträge nach Ost-Berlin überwiesen.

1984

Führende Repräsentanten der SED und der DDR ehren in der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde den früheren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann zum 40. Jahrestag seiner Ermordung im KZ Buchenwald und den wenige Tage später dort bei einem Luftangriff ums Leben gekommenen SPD-Politiker Rudolf Breitscheid durch Kranzniederlegungen (vgl. 24. August).

Ein durch fahrlässige Brandstiftung entstandenes Feuer in der Lübecker Straße 47 in Moabit fordert in den frühen Morgenstunden das Leben von drei Menschen, die aus Angst vor den Flammen aus den Fenstern ihrer Wohnungen im 3. und 4. Stock springen, noch ehe die Feuerwehr ein Sprungtuch aufspannen kann.

Als weitere Freiluftveranstaltung des "Berliner Sommernachtstraums" (vgl. 7. Juli) folgt zwischen Strandbad Wannsee und Heckeshorn ein 50 Minuten dauerndes Laser-, Licht- und Musikspektakel als "Wannsee-Traum", das am ersten von insgesamt sechs Abenden rund 30 000 Zuschauer anlockt.

1987

Gegen 2.00 Uhr vereiteln DDR-Grenzposten durch Abgabe von Schüssen die Flucht eines wahrscheinlich unverletzt bleibenden Mannes über die Mauer in der Nähe der Sonnenallee im Bezirk Neukölln. Der amerikanische Stadtkommandant General Mitchell protestiert im Namen seines britischen und französischen Kollegen scharf gegen "die Anwendung tödlicher Gewalt gegen die Freizügigkeit der Berliner". Senat und Bundesregierung verurteilen ebenfalls den Schußwaffengebrauch und appelieren erneut an die DDR zum Verzicht auf den Einsatz von Schußwaffen gegen Menschen (vgl. 3. August).

Der Senat beschließt nach einem Bericht von Senator Hassemer das Programm für Berlin als "Kulturstadt Europas 1988", das unter den drei Leitthemen "Berlin - Ort des Neuen", "Werkstatt Berlin" und "Berlin in der Mitte Europas" stehen soll. Die Stadt will als wichtiger Ursprungsort und Umschlagplatz kulturellerNeuerungen die immer lebendig gebliebene Tradition fortführen und Künstlern, Kulturinteressierten und Kulturproduzenten aus allen Teilen Europas die Gelegenheit bieten, miteinander und mit Berliner Künstlern zu arbeiten und sich den Berlinern zu präsentieren. Der Senat beschließt auf Grund einer Vorlage von Senator Starnick ferner, das Werk Joseph Lennes, eines der bedeutendsten Garten- und Landschaftsplaners, anläßlich seines 200. Geburtstages 1989 zu würdigen, das besonders eng mit Berlin und Potsdam verbunden ist.

1988

Der saarländische Ministerpräsident Lafontaine trifft bei seinem neuerlichen Besuch in Ost-Berlin und in der DDR in Schloß Hubertusstock am Werbellinsee Staats- und Parteichef Honecker zu einem fast dreistündigen politischen Meinungsaustausch, besichtigt später im Bezirk Köpenick Altstadt, Rathaus, Schloß und einige Neubauviertel, erörtert im Beisein des 2. Sekretärs der Ost-Berliner SED-Bezirksleitung, Müller, und von Bezirksbürgermeister Stranz mit Mitgliedern der Stadtbezirksversammlung Probleme ihres Bezirks und unternimmt eine Dampferfahrt auf Müggelsee, Dahme und Spree. Nach seinem Vortrag "Die Gesellschaft der Zukunft" vor Wissenschaftlern und Militärs im Ost-Berliner Institut für Internationale Politik und Wirtschaft (IPW) und einer sich dort anschließenden Diskussion stellt sich Lafontaine Fragen der Presse.

1988

Staatssekretär Priesnitz vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen und der Ost-Berliner Rechtsanwalt Vogel - ADN allerdings spricht in einer Acht-Zeilen-Meldung lediglich von den jeweils "zuständigen Organen der DDR und der Bundesrepublik" - unterzeichnen eine Vereinbarung über Erleichterungen im deutsch-deutschen Zahlungsverkehr. Danach können mit Wirkung vom 1. Oktober d. J. "Bundesbürger" und West-Berliner an Empfänger in Ost-Berlin und in der DDR Deutsche Mark überweisen, die diese als sogenannte Forum-Schecks erhalten zum Kauf westlicher Waren in Intershop-Läden. Darüber hinaus soll die Gründung einer neuen Inter-Geschenkdienst GmbH in Stuttgart erfolgen mit Zweigstellen in mehreren Städten und in Berlin (West), in welchen an Hand eines Versandkataloges die Auslieferung von Erzeugnissen in die DDR erfolgen kann. DDR-Bürger, die im Bundesgebiet DM-Kontos unterhalten, können zu deren Lasten bis zu 60 000 DM jährlich direkt Waren bei der Geschenkdienst GmbH bestellen.

1989

Nach einem Gespräch mit dem stellv. DDR-Außenminister Krolikowski in Ost-Berlin bemerkt Kanzleramtsminister Seiters, die DDR beharre darauf, ihren in Bonner Missionen sich aufhaltenden Bürgern nicht mehr als Straffreiheit zuzusichern (vgl. 9. August). Er seinerseits habe deutlich gemacht, daß die Bundesregierung zwar an einer Fortentwicklung der innerdeutschen Beziehungen interessiert sei, diese jedoch bei allem Bedauern der jetzigen Situation "in starkem Maße belastet" würden. Die in der DDR entstandenen "tiefgreifenden politischen und menschlichen Probleme" müßten dort gelöst werden.

Wirtschaftssenator Mitzscherling versichert auf einer Veranstaltung von British Airways, der Senat bleibe bei seiner Auffassung, daß Berlin als Standort für moderne Dienstleistungen attraktive Verkehrsverbindungen benötige. Zur vom Senat geforderten Streichung mehrerer Flugpaare (vgl. 4. August) meint er, die Frage nach der Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkit von Flugverbindungen falle in den Verantwortungsbereich von Fluggesellschaften. Da der Flughafen Tegel seine Kapazitätsgrenze erreicht habe, müsse der Senat über die Notwendigkeit baulicher Veränderungen entscheiden, um eine reibungslose Passagier-Abfertigung zu gewährleisten.

Die Besuchsbeauftragten des Senats und der DDR-Regierung, Kunze und Müller, erörtern bei ihrem neuerlichen Gespräch (vgl. 16. Juli) vor allem Fragen eines eventuell notwendig werdenden Gebietsaustausches im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines neuen Grenzübergangs im Süden der Stadt, etwa in Höhe des Schichauweges im Bezirk Tempelhof.

Beim 49. ISTAF im Olympia-Stadion erleben 33 000 Zuschauer bei einwandfreien Wetterbedingungen mit einem Weltrekord (dem insgesamt zwölften seit Gründung des ISTAF im Jahre 1937) über 10 000 Meter durch Arturo Barrios (Mexiko) einen absoluten Höhepunkt. Mit 27 :08,23 Minuten übertrifft er die bisherige Bestleistung von Fernando Mamede (Portugal) um 55,58 Sekunden. Eine weitere herausragende Leistung vollbringt Heinz Weis (Leverkusen 04), der mit 82,84 Metern einen neuen deutschen Rekord im Hammerwerfen aufstellt und zugleich den Olympiasieger Jurij Sedych (Sowjetunion) mit "nur" 81,14 Metern klar hinter sich läßt.

1994

Bundespräsident Roman Herzog und seine Ehefrau Christiane ziehen endgültig ins Schloß Bellevue ein. (Vgl. 1. Juli, 13. Juli.)

1998

In Berlin wird der 23. Internationale Kongreß der Mathematiker (ICM) veranstaltet. Erstmals seit 94 Jahren findet die größte mathematische Tagung weltweit wieder in Deutschland statt. Rund 3 500 Wissenschaftler aus etwa 100 Ländern diskutieren in der TU über die neuesten Entwicklungen in ihrem Fach.
Zu den Höhepunkten zählt die Verleihung der mit 15 000 kanadischen Dollar dotierten Fields-Medaille am 18. Aug. an vier junge Mathematiker. Die Auszeichnung gilt als "Nobelpreis für Mathematik" und wird alle vier Jahre vergeben.

2000

Verschiedene deutsche Internetanbieter und Organisationen gründen in Berlin eine Initiative gegen extremistische und rechtswidrige Internetinhalte. In Zusammenarbeit mit dem Bundesjustizministerium und dem Zentralrat der Juden in Deutschland will der gemeinnützige Verein "N@@@IIN - Kein Missbrauch im Internet" umfassende Grundlagen erarbeiten, um rechts- und sittenwidrige Inhalte aus dem Internet zu entfernen. Außerdem sieht sich der Verein als Anlaufstelle für alle Internetnutzer, die solche Seiten im Netz entdecken.

2002

"Angela - eine Nationaloper" hat im U-Bahnhof Reichstag Premiere. Das Werk des Komponisten Frank Schwemmer mit dem Libretto von Michael Frowin, präsentiert von der Neuköllner Oper, widmet sich der Biografie der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel.

2007

Im Berliner Dom findet eine bewegende Trauerfeier für drei deutsche Polizisten statt, die bei einem Anschlag in Afghanistan getötet wurden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zur Trauerfeier gekommen, ebenso mehrere Länderinnenminister, darunter der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der Berliner Innensenator Ehrhart Körting. Die Traueransprache hält Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. "Kriminaloberkommissar Jörg Ringel, Polizeiobermeister Alexander Stoffels und Polizeiobermeister Mario Keller haben mit dem Schutz der deutschen Botschaft und ihrer Mitarbeiter zur Absicherung der diplomatischen Mission und somit zur Stabilisierung der Krisenregion beigetragen", sagt Schäuble.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 18.08.2017)