Was geschah am 01.05. im Jahr ... 1945 Dr. Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Gauleiter der NSDAP und Verteidigungskommissar von Berlin, von Hitler vor seinem Tode zum Reichskanzler ernannt, begeht mit seiner Familie im Bunker der Reichskanzlei Selbstmord. Die erste Gruppe emigrierter deutscher Kommunisten trifft aus Moskau unter der Führung des früheren Reichstagsabgeordneten und Bezirksvorsitzenden der KPD Berlin-Brandenburg, Walter Ulbricht, in Bruchmühle bei Berlin ein. Ihr gehören unter anderem an: Karl Maron, Otto Winzer, Richard Gyptner, Fritz Erpenbeck, Arthur Pieck, Hans Mahle, Gustav Gundelach und Wolfgang Leonhard. Während Walter Ulbricht noch am gleichen Tag nach Berlin vorausfährt, folgen die anderen Mitglieder der "Gruppe Ulbricht" am 2. Mai nach, wo sie von ihrem Arbeitszentrum in der Prinzenallee 80, Friedrichsfelde, Bezirk Lichtenberg, aus sofort mit den Vorbereitungen für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei und einer kommunistisch orientierten "freien" Gewerkschaftsbewegung sowie der Besetzung wichtiger Positionen in der Verwaltung Berlins mit Kommunisten beginnen. Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Paul Richter zum Bezirksbürgermeister von Reinickendorf. 1946 Der Magistrat reicht der Alliierten Kommandantur den neuen Entwurf der Vorläufigen Verfassung der Stadt Berlin zur Genehmigung ein. Der Entwurf wurde vom Rechtsausschuà des Magistrats, den Vertretern der vier Parteien und einem Gremium von fünf Bezirksbürgermeistern ausgearbeitet. Die neue Geschäftsordnung für die Verwaltung der Stadt Berlin (GO) wird durch den Magistrat an Stelle der Geschäftsordnung vom 17. Dezember 1930 in Kraft gesetzt. Zum Maifeiertag findet im Lustgarten im sowjetischen Sektor eine Massenkundgebung des FDGB statt, die im Zeichen der Vereinigung von SPD und KPD steht. Ansprachen halten die beiden Vorsitzenden der SED, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck, sowie der erste Vorsitzende des FDGB, Hans Jendretzky (SED), und die Leiterin des Berliner Frauenausschusses, Käte Kern (SED). Die SPD hatte ihren Mitgliedern die Teilnahme an der Kundgebung freigestellt. In den drei Westsektoren Berlins ist die Beteiligung der von der Alliierten Kommandantur noch nicht zugelassenen SED an den Maifeiern von den Militärregierungen verboten. 1947 Die Wirtschaftsabteilung der amerikanischen Militärregierung gibt in Erläuterung des Befehls der Alliierten Kommandantur BK/O (47) 66 die von ihr vertretenen Grundsätze bei der Prüfung von Zulassungsanträgen wirtschaftlicher Vereinigungen in ihrem Sektor bekannt. Sie sehen auch Arbeitgeber-Vertretungen vor, die für ihre Mitglieder Verhandlungen über Tarifabkommen mit den Gewerkschaften führen und sich auÃerdem an öffentlichen Aufgaben beteiligen können, für die ihre Vertretung rechtlich zugelassen ist. Die britische Militärregierung genehmigt das Züchten und Halten von Brieftauben, deren Besitzer jedoch einem eingetragenen Brieftaubenverein angehören müssen. Die Hauptabteilung AuÃen- und Interzonenhandel des Verwaltungsamtes für Wirtschaft des amerikanischen und britischen Besatzungsgebietes veröffentlicht als Merkblatt 1 Richtlinien zu dem neuen AuÃenhandelsverfahren der Bizone auf Grund der Anweisung Nr. 1 der Joint Export-Import Agency, JEIA, die auch für den britischen und amerikanischen Sektor gültig sind. Zum ersten Male findet eine Maikundgebung in Form eines Vorbeimarsches nach Moskauer Vorbild von Teilen der arbeitenden Bevölkerung, hauptsächlich aus dem sowjetischen Sektor, vor den leitenden Persönlichkeiten des FDGB und der SED im Lustgarten statt. Der Berliner CRALOG-Ausschuà (Council of Relief Agencies Licensed to Operate in Germany - Vereinigung der amerikanischen Wohlfahrtsverbände) beginnt mit einer umfassenden Spendenverteilung an die notleidende Berliner Bevölkerung, die durch die Sozialämter und die privaten Wohlfahrtsverbände durchgeführt wird. 1948 Zum ersten Mal nach dem Kriege finden am 1. Mai zwei getrennte Veranstaltungen statt. Die UGO und die drei demokratischen Parteien veranstalten auf dem Platz der Republik eine Kundgebung, während der FDGB im Lustgarten eine Demonstration abhält. Die BVG richtet auf 26 der wichtigsten StraÃenbahnlinien gegen den Protest des FDGB einen durchgehenden Nachtverkehr ein. Der RIAS erweitert seine Sendezeit, die jetzt in der Zeit zwischen 11 Uhr vormittags und 1 Uhr morgens liegt. Das Rheingau-Theater in Wilmersdorf eröffnet unter Ernst Schröder als Intendanten mit Schillers "Don Carlos". Eröffnung des amerikanisch lizenzierten "Berliner Club 1949" in Zehlendorf, GoethestraÃe, für deutsche Vertreter des Berliner Kulturlebens. Eröffnung eines neuen Restaurants in einem noch erhaltenen Seitenflügel des Hotels "Adlon" in der WilhelmstraÃe. 1949 Die Maikundgebungen finden in Berlin wiederum getrennt statt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, 1.5.1948). Vor der Ruine des Hauptgebäudes der Technischen Universität auf der Charlottenburger Chaussee veranstalten die UGO und die drei demokratischen Parteien ihre Maifeier, während FDGB und SED im Lustgarten demonstrieren. Der katholische Bischof von Berlin, Konrad Kardinal von Preysing, nimmt in der St.-Josephs-Kirche im Bezirk Wedding in einer Predigt über "Friedfertigkeit im Volke - Friede unter den Völkern" zu politischen Problemen der Gegenwart Stellung. Er beklagt, daà die Hoffnungen der Gegner des Nationalsozialismus auf eine Ãnderung der Verhältnisse in Deutschland nach 1945 getrogen hätten. Noch immer gäbe es überfüllte Konzentrationslager, in denen die Todesziffern erschreckend hoch seien. Viele Tausende junger Menschen, die 1945 und Anfang 1946 verhaftet wurden, blieben spurlos verschwunden. Mit Schrecken werde bekannt, daà Menschen ohne Anklage, ohne Mittel der Verteidigung, ohne öffentliches Gerichtsverfahren verhaftet und gefangengehalten würden. Der evangelische Bischof von Berlin, D. Dr. Dibelius, betont in seiner Predigt in der Marienkirche im sowjetischen Sektor, daà der Frieden heute wieder zerstört sei durch Begehrlichkeit und Eigenwillen, die gröÃer seien als der Wille, Gott zu gehorchen. Mit der Vernunft allein sei der Frieden auf die Dauer nicht herzustellen. Einen neuen Anfang könne allein Gott durch die VerheiÃung seiner Vergebung machen. Die wahren Christen sollten und müÃten daran mitarbeiten. Mit einem Gottesdienst wird die 1944/45 durch Bombenangriffe schwerbeschädigte Apostel-Paulus-Kirche im Bezirk Schöneberg nach notdürftigen Reparaturen durch den Generalsuperintendenten D. Dr. Gerhard Jacobi wieder eingeweiht. Die Chefredakteure des SED-Zentralorgans "Neues Deutschland", Lex Ende und Max Nierich, werden durch Rudolf Herrnstadt, der bisher Chefredakteur der "Berliner Zeitung" war, ersetzt. Sein Stellvertreter ist Otto Winzer, bisher Chef des SED-Pressedienstes. Weitere Redaktionsmitglieder sind Robert Keller, bisher Chefredakteur des "Vorwärts", Wilhelm Girnus, bisher stellvertretender Intendant des Berliner Rundfunks, und Walter Franze, bisher Chefredakteur der Potsdamer SED-Zeitung "Märkische Volksstimme". Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts "Figaros Hochzeit" in der Städtischen Oper unter der musikalischen Leitung von Robert Heger und in der Inszenierung von Fritz Dittgen. In den Hauptpartien singen Martha Musial, Irma Beilke, Herbert Breuer, Fritz Hoppe und Josef Greindl. Premiere der "Ballade vom Eulenspiegel" von Günther Weisenborn im Hebbel-Theater in der Inszenierung von Franz Reichert und mit den Schauspielern Karl Meixner, Erna Sollmer, Walter Suessenguth und Hans HeÃling. 1950 AnläÃlich des Maifeiertages versammeln sich mehr als 500 000 Berliner Bürger auf dem Platz der Republik zwischen den Ruinen der Krolloper und des Reichstagsgebäudes zur bisher gröÃten politischen Demonstration in Westberlin. Die Kundgebung, zu der die UGO, die demokratischen Parteien und über 50 weitere Organisationen aufgerufen hatten, steht unter der Losung "Gegen Einheit in Ketten, für Frieden in Freiheit". Nach einer Ansprache des amerikanischen Gewerkschaftsführers Irving Brown, der als Vertreter des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften die GrüÃe des IBFG sowie der amerikanischen Arbeiterschaft überbringt, und einer Rede des Bundesministers für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, spricht Oberbürgermeister Professor Reuter zu den Berlinern. Er umreiÃt eindringlich die Bedeutung des Berliner Freiheitskampfes für die freie Welt und bringt die unerschütterliche Hoffnung auf die Wiedervereinigung der Stadt und ganz Deutschlands zum Ausdruck. Im Mittelpunkt der Maikundgebung auf dem Lustgarten im sowjetischen Sektor steht ein sechs Stunden dauernder Vorbeimarsch von Kolonnen der FDJ, der Volks- und Bereitschaftspolizei sowie von Betriebsbelegschaften, Studenten und Sportlern vor den Spitzenfunktionären des sowjetischen Besatzungsgebietes und Gastdelegationen aus kommunistischen Ländern. 1951 AnläÃlich des Maifeiertages versammeln sich rund eine halbe Million Berliner aus allen Sektoren auf dem Platz der Republik vor der Ruine des Reichstages. Die Kundgebung, zu der DGB, DAG, die politischen Parteien, Senat und Abgeordnetenhaus aufgerufen hatten, steht unter dem Motto "Frieden in Freiheit - Ganz Deutschland in Freiheit". Nach Ansprachen von Vertretern amerikanischer, britischer und französischer Gewerkschaftsorganisationen, die die GrüÃe ihrer Verbände überbringen, und von Bundestagspräsident Dr. Ehlers betont der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter die Zugehörigkeit Berlins zur Bundesrepublik und zur freien Welt und unterstreicht die feste Hoffnung auf ein im Frieden geeintes Deutschland mit seiner Hauptstadt Berlin. Auf dem Lustgarten - er wurde unmittelbar vor der Kundgebung auf Grund eines Beschlusses des Ost-Berliner Magistrats vom 13. April in "Marx-Engels-Platz" umbenannt - ziehen in einer siebenstündigen Demonstration rund 900 000 Angehörige der FDJ, der Volkspolizei, Betriebsbelegschaften, Sportler und Studenten an den Spitzenfunktionären des sowjetischen Besatzungsgebietes und Gastdelegationen aus den Ostblockländern vorbei (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgeschehen, Bd. 3, S. 657, 1.5.1950, Nr. 1 a-b). 1952 Rund eine halbe Million Berliner aus allen Sektoren der Stadt versammeln sich anläÃlich des Maifeiertages auf dem Platz der Republik vor der Ruine des Reichstages. Die Kundgebung, zu der DGB, DAG, die politischen Parteien, Senat und Abgeordnetenhaus aufgerufen hatten, steht unter dem Motto "Frieden in Freiheit! Einigt Deutschland und Europa in sozialer Gerechtigkeit". Nach Ansprachen der Vertreter des IBFG, amerikanischer und britischer Gewerkschaftsorganisationen, Nikolaus Oosterhuis, Henry Rutz und Bob Willis, des DGB-Vorsitzenden Christian Fette und des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, spricht Bundespräsident Professor Heuss zu den Berlinern. Als Voraussetzung für ein gesamtdeutsches Gespräch fordert er Pressefreiheit in der Sowjetzone und die Zustimmung der Sowjetunion zu freien, geheimen, gesamtdeutschen Wahlen unter wirksamer internationaler Kontrolle. Wenn die sowjetzonale Regierung bei gesamtdeutschen Wahlen "technische Schwierigkeiten" befürchte, sollten die Wahlen zuerst in Berlin stattfinden. Darüber hinaus warnt der Bundespräsident vor einem Wortbekenntnis zur Neutralität, das nur von Menschen ausgesprochen werden könne, die entweder Träumer seien oder die Geographie nicht kennten. AbschlieÃend äuÃert er die Hoffnung, daà der Reichstag bald neu erstehen und so wieder zu einer "Herberge, Heimat und Werkstatt der deutschen Zukunft" werden möge. Der sowjetzonale Präsident und SED-Vorsitzende Wilhelm Pieck erklärt in seiner Rede zur Ost-Berliner Maikundgebung auf dem Marx-Engels-Platz (früher Lustgarten), daà die durch die bevorstehende Unterzeichnung des "Generalkriegsvertrages" und die "imperialistischen Kriegstreibereien" entstandene Situation gebieterisch erfordere, "die Kampfbereitschaft und Kampffähigkeit zum Schutze unserer Heimat und unserer demokratischen Errungenschaften zu organisieren, um jeden Anschlag des Feindes auf unsere Republik zu verhindern oder zurückzuweisen". Wenn die westdeutsche Bevölkerung den Generalvertrag und die Einberufung der Jugend in eine Söldnerarmee im Dienste des amerikanischen Imperialismus nicht verhindern könne, ergebe sich für die "DDR" die Notwendigkeit einer bewaffneten Verteidigung. Dabei müsse aber durchaus begriffen werden, daà damit keine Remilitarisierung und kein Militarismus betrieben werden soll, wie das in Westdeutschland geschehe, sondern die bewaffneten Streitkräfte dienten dann lediglich dem "Schutz unserer Heimat", der Erhaltung des Friedens und der "demokratischen Staatsordnung". An mehreren Stellen des amerikanischen und französischen Sektors kommt es am Vormittag zu ZusammenstöÃen zwischen West-Berliner Polizei und Mitgliedern der kommunistischen FDJ. In der BrunnenstraÃe am Wedding schlieÃen sich rund 10 000 FDJ-Angehörige plötzlich zu einem Demonstrationszug zusammen, um in Sprechchören gegen den Generalvertrag zu protestieren. Die Polizei zersprengt den Zug mit Wasserwerfern und Gummiknüppeln und verhaftet 41 Demonstranten. 1953 AnläÃlich des Maifeiertages versammeln sich mehr als 500 000 Berliner aus allen Sektoren auf dem Platz der Republik zu einer eindrucksvollen politischen Demonstration. Die Kundgebung, zu der die Gewerkschaften, die demokratischen Parteien, und der Senat aufgerufen hatten, steht unter der Losung "Die Freiheit siegt!". Nach den Repräsentanten der amerikanischen Gewerkschaften AFL, Henry Rutz, und CIO, Victor Reuther, sowie dem Berliner DGB-Vorsitzenden Ernst Scharnowski und dem Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, spricht der Präsident der Verfassunggebenden Europäischen Versammlung, Paul Henri Spaak. Er wie auch der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter stellen die Forderung nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit und der Einigung Europas in den Mittelpunkt ihrer Reden. Die Maikundgebung auf dem Marx-Engels-Platz im sowjetischen Sektor steht unter dem Motto "1. Mai - Kampftag für Frieden, Einheit, Demokratie und Sozialismus". Der Erste Sekretär der Bezirksleitung der Berliner SED, Hans Jendretzky, wiederholt in seiner Rede die Vorschläge seiner Partei für eine Wiedervereinigung Berlins. Danach folgt ein siebenstündiger Vorbeimarsch von zahlreichen, Transparente tragenden Kolonnen aus Betrieben und der FDJ, der durch Einheiten der kasernierten Volkspolizei abgeschlossen wird. 1954 Mehrere hunderttausend Berliner versammeln sich auf dem Platz der Republik zu der von den Gewerkschaften und den demokratischen Parteien getragenen Maifeier unter dem Motto "Die Freiheit siegt". Der Regierende Bürgermeister Dr. Schreiber, der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Kaiser, und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Professor Suhr, stellen die Forderung nach Freiheit für die Deutschen im sowjetischen Besatzungsbereich und nach Wiedervereinigung durch gesamtdeutsche freie Wahlen in den Mittelpunkt ihrer Reden. Die auf dem Marx-Engels-Platz in Ost-Berlin unter dem Motto "Für Einheit und Frieden" veranstaltete Maikundgebung wird mit einer kurzen GruÃadresse des FDGB-Bundesvorsitzenden Herbert Warnke (SED) eröffnet, der die Arbeiter ganz Deutschlands zur Bildung eines "Arbeiterblocks" und zum gemeinsamen Kampf gegen den "deutschen Militarismus" aufruft. Die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und die Zentralstelle der Berliner Arbeitgeberverbände äuÃern sich erstmals in einer gemeinsamen Erklärung zum "Tag der Arbeit". Sie bitten die Betriebe um eine "würdige Gestaltung" des Feiertages, da alle Menschen in der Wirtschaft eine groÃe Arbeitsgemeinschaft bilden und jeder durch seine Leistung zum Wachstum des Wohlstandes beiträgt. West-Berliner Polizei nimmt 33 kommunistische Demonstranten in verschiedenen Stadtteilen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und illegaler Propaganda vorübergehend fest. 1955 Rund hunderttausend Berliner versammeln sich vor dem Rathaus Schöneberg zu der in diesem Jahr allein von den Gewerkschaften getragenen und unter dem Motto "40 Stunden sind genug" stehenden Mai-Kundgebung. Die Vorsitzenden des Berliner DGB und der DAG, Scharnowski und Aufhäuser, und der stellv. DGB-Bundesvorsitzende Föcher stellen gewerkschaftliche Forderungen in den Mittelpunkt ihrer Ansprachen. Die auf dem Marx-Engels-Platz stattfindende und unter den Losungen "Weg mit den Pariser Verträgen - für die friedliche Lösung der deutschen Frage!" und "Es lebe der 1. Mai - der Kampftag der internationalen Arbeiterklasse für Frieden, Demokratie und Sozialismus!" stehende Ost-Berliner Mai-Kundgebung wird mit zwei kurzen Ansprachen des 1. Sekretärs der Berliner SED-Bezirksleitung, A. Neumann, und des FDGB-Vorsitzenden Warnke eröffnet. 1955 Tagung der Synode der Evangelischen Kirche der Union (EKU) im Spandauer Johannesstift. Einmütig beschlieÃt die Synode ein "Wort zur Wiedervereinigung unseres Volkes", in dem sie Gott für die unverdiente Gnade dankt, als er den Deutschen vor zehn Jahren noch einmal eine Frist zum Leben gab, um begangene Schuld zu erkennen. In den Versuchungen der Zeit habe es nicht nur Menschen gegeben, die sich als NutznieÃer der Besatzungsmächte verhielten, sondern auch viele, die unter einer Besatzung den Bedrängten des eigenen Volkes in Treue dienten. Da täglich vieles geschehe, um Menschen dieses Volkes in zwei gegeneinander stehenden Lagern für die weltpolitischen Kämpfe verwendungsfähig zu machen, Spionage und Sabotage Leben und Sicherheit gefährdeten, bilde die Wiedervereinigung eine sittliche Notwendigkeit. Denn die Teilung widerspreche der UN-Charta über die Menschenrechte, zu der sich auch die GroÃmächte bekannten, die mit der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation die Verantwortung für die Sicherheit und Zukunft des geschlagenen Volkes übernahmen. Die Synode beauftragt den Rat, mit der DDR-Regierung über folgende Fragen zu verhandeln: 1956 Rund hunderttausend Berliner versammeln sich vor dem Rathaus Schöneberg zur Maikundgebung der Gewerkschaften unter den Losungen, "Solidarität schafft Freiheit - Soziale Gerechtigkeit schafft Sicherheit - Nur Wiedervereinigung schafft Frieden". In Ost-Berlin beginnt der Maiaufmarsch zum erstenmal mit einer Parade von Einheiten der Land-, Luft- und Seestreitkräfte der NVA auf dem Marx-Engels-Platz. Entsprechend dem traditionellen Zeremoniell der sowjetischen Maifeiern auf dem Roten Platz in Moskau meldet der Kommandeur der Parade die angetretenen Truppenteile Verteidigungsminister Stoph, der ihnen zuruft: "Genossen Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere, ich begrüÃe und beglückwünsche Sie zum 1. Mai, dem Kampftag der internationalen Arbeiterklasse!", was von den Soldaten mit einem dreifachen Hurra beantwortet wird. 1957 Annähernd 100 000 Berliner aus beiden Teilen der Stadt versammeln sich vor dem Rathaus Schöneberg zu der auch in diesem Jahr wieder allein von den Gewerkschaften getragenen Maikundgebung unter dem Motto "Wiedervereinigung ohne Gewalt - doch bald Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit". Nach den Ansprachen des DGB-Vorsitzenden Richter sowie der Berliner Landesvorsitzenden von DGB und DAG, Scharnowski und Aufhäuser, begrüÃt der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr besonders jene "mutigen Mitbürger aus dem Osten unserer Stadt, die dem Schauplatz militärischer Zwangsparaden entflohen sind, um mit uns Zeugnis für die Freiheit abzulegen". Gerade an diesem Tage mit zwei Maifeiern in einer Stadt zeige sich besonders deutlich, daà zwei verschiedene Welten demonstrieren. Dort triumphiere die totale Gewalt in kommandierten Militärparaden unter den Spruchbändern eines miÃbrauchten Sozialismus - hier begegneten sich freie Menschen, fänden Senat und Gewerkschaften freiwillig zusammen, um sich in demokratischer Form für eine friedliche, sozial glückliche und freie Zukunft zu bekennen. Auf der in diesem Jahr in Berlin stattfindenden zentralen Maifeier des DGB am Vorabend des 1. Mai erinnert sein Vorsitzender Willi Richter in der Hochschule für Musik die GroÃmächte nachdrücklich an ihre im Potsdamer Abkommen festgelegte Verpflichtung, die Wiedervereinigung Deutschlands herbeizuführen und dem deutschen Volk das Selbstbestimmungsrecht über sein eigenes Schicksal zurückzugeben. An die Bundesregierung und das ganze deutsche Volk appelliert Richter, dieses groÃe Ziel niemals zu vergessen und die Verbundenheit zwischen allen Deutschen lebendig zu erhalten. Unter der Losung "Stärkt unsere Volksmacht! Schlagt den Militarismus!" beginnt die Maifeier auf dem Marx-Engels-Platz in Ost-Berlin wie auch schon im Vorjahr mit einer Parade von Truppenteilen aller Waffengattungen der NVA. Ihnen folgen mit Karabinern und Maschinenpistolen ausgerüstete SED-Betriebskampfgruppen und anschlieÃend etwa 200 000 Arbeiter und Angestellte aus den Betrieben. Im Rahmen der zahlreichen Ost-Berliner Maiveranstaltungen am Nachmittag wird am WeiÃen See die Freilichtbühne WeiÃensee eröffnet. Bausenator Schwedler eröffnet die zur Besichtigung der "Internationalen Bauausstellung Berlin 1957" vorübergehend aufgestellte und von einer oberbayerischen Firma konstruierte 1,4 km lange Sesselliftbahn. Alle 20 Sekunden gleitet ein doppelsitziger Sessellift in 10-12 Metern Höhe von der "Haltestelle Zoo" über den Landwehrkanal, vorbei an den Gebäuden und Bauprojekten im Hansa-Viertel zur "Haltestelle Schloà Bellevue" und zurück zum Zoo. Die BVG ersetzt mit Beginn des Sommerfahrplanes die seit etwa vierzig Jahren bestehende StraÃenbahnlinie 51 zwischen Roseneck und Bahnhof Zoo (über HundekehlestraÃe, Breite StraÃe, Mecklenburgische StraÃe, Berliner StraÃe, UhlandstraÃe, KantstraÃe, Joachimstaler StraÃe) durch die Autobuslinie 60 in etwas veränderter Linienführung. In einem internationalen FuÃball-Städtespiel schlägt Ost-Berlin vor 28 000 Zuschauern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark Bratislava (PreÃburg) mit 2 : 0 Toren. 1958 Rund 50 000 Berliner versammeln sich vor dem Rathaus Schöneberg zur Maikundgebung der Gewerkschaften unter den Losungen "Frieden - Freiheit - Fortschritt" und "Durch Atome besser leben - aber nicht sterben!" In Ost-Berlin beginnt der ganz unter dem Zeichen der Losung "Kampf gegen den Atomtod" stehende Maiaufmarsch wiederum mit einer etwa vierzigminütigen Parade von Truppenteilen aller Waffengattungen der NVA auf dem Marx-Engels-Platz. Nach Ansprachen des 1. Sekretärs der Berliner SED-Bezirksleitung, Kiefert, und des Sekretärs im FDGB-Bundesvorstand, Orlopp, ziehen dann 3000 Aktivisten, Neuerer, Helden der Arbeit, 40 Hundertschaften der SED-Betriebskampfgruppen mit Waffen und in neuen Uniformen, und schlieÃlich rund 260 000 "Werktätige" an der Ehrentribüne vorbei. Im gewerblichen Güterfernverkehr treten neue Tarife in Kraft, die im Bundesgebiet bereits seit dem 1. Februar dieses Jahres gelten. Danach sind die Bahnfrachten in der neuen 20-Tonnen-Klasse um etwa 5 % gegenüber der Güterbeförderung mit Lastkraftwagen billiger. Diese MaÃnahme bedurfte der Zustimmung der Reichsbahn, die in den Verhandlungen mit der Bundesbahn darauf bestand, daà die günstige 20-Tonnen-Klasse ausschlieÃlich im Bahnverkehr gilt. Die Volkspolizei eröffnet in der Sporthalle an der Ost-Berliner Stalinallee eine Ausstellung, in der sie Ausrüstungsgegenstände und Waffen, darunter Panzerfahrzeuge, präsentiert und einen Ãberblick über ihre Aufgabenstellung zu geben versucht. 1959 Auf dem Platz des LTTC Rot-Weià in Grunewald schlägt Brasilien (Carlos Fernandez, Ronald Barnes) in der ersten Runde der Europa-Zone um den Davis-Pokal die Bundesrepublik (Wilhelm Bungert, Dieter Ecklebe) mit 4 : 0. Nach mehrmaliger Verlegung der Spiele wegen Regens einigen sich die Mannschaftsführer darauf, das für das Ergebnis bedeutungslos gewordene letzte Einzel Ecklebe-Fernandez nicht mehr auszutragen. 1959 1. Tagung der 4. Provinzialsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg im Spandauer Johannes-Stift. 1959 Erstmals seit 1954 wird im Westteil der Stadt der 1. Mai wieder vor dem Reichstag auf dem Platz der Republik gefeiert, wo sich rund 550 000 Menschen zu einer der gröÃten Kundgebungen der Berliner Nachkriegsgeschichte versammeln. 1959 Erstmals seit 1954 wird im Westteil der Stadt der 1. Mai wieder vor dem Reichstag auf dem Platz der Republik gefeiert, wo sich rund 550 000 Menschen zu einer der gröÃten Kundgebungen der Berliner Nachkriegsgeschichte versammeln. 1959 1. Tagung der 4. Provinzialsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg im Spandauer Johannes-Stift. 1959 Auf dem Platz des LTTC Rot-Weià in Grunewald schlägt Brasilien (Carlos Fernandez, Ronald Barnes) in der ersten Runde der Europa-Zone um den Davis-Pokal die Bundesrepublik (Wilhelm Bungert, Dieter Ecklebe) mit 4 : 0. Nach mehrmaliger Verlegung der Spiele wegen Regens einigen sich die Mannschaftsführer darauf, das für das Ergebnis bedeutungslos gewordene letzte Einzel Ecklebe-Fernandez nicht mehr auszutragen. 1960 Mit rund 750 000 Teilnehmern wird die diesjährige Mai-Kundgebung zur eindrucksvollsten und gröÃten, die in der Berliner Geschichte zu verzeichnen ist. Selbst die engere Umgebung des Platzes der Republik zwischen Reichstag und KongreÃhalle vermag nicht alle Demonstranten aufzunehmen. Der Berliner DGB-Vorsitzende Sickert eröffnet die Kundgebung mit einem Gruà an alle Arbeitnehmer in der "Sowjetzone". Als nächster Redner weist Bundestagspräsident Gerstenmaier scharf die sowjetische Behauptung zurück, daà sich West-Berlin auf dem Territorium der sogenannten DDR befinde. Dies bedeute nichts anderes als ein Auftakt zu dem Versuch, auf Berlin das Rezept Lenins anzuwenden der seine "Nachfahren" angewiesen habe, mit rechtlich bindenden Verträgen wie mit Pastetenkrusten umzugehen, nämlich sie zu brechen. "Wir sind dessen völlig sicher, daà die Mächte, die Berlins Freiheit garantieren, nach diesem Rezept nicht mit sich verfahren lassen. Es wäre der Anfang vom Ende der Freiheit in der Welt." Leider sehe es, so Gerstenmaier, noch nicht danach aus, daà die groÃe Stunde der Geschichte nahe bevorstehe, in der die Deutschen die Einheit ihres Vaterlandes in seiner geeinten Hauptstadt dankbar feiern könnten, eher danach, einen neuen Würgegriff energisch abzuschütteln. Doch die Geschichte sei nach vorn offen, d. h. daà ein neuer Tag neue Möglichkeiten für Deutschlands Einheit und für den Frieden der Welt bringen kann. "Warum sollen wir darauf nicht hoffen, ja dafür beten!" In den kommenden Konferenzwochen werde die Welt noch mehr als zuvor auf Berlin und die Berliner schauen. Ihre Haltung stehe für ganz Deutschland, und die Deutschen wüssten, daà sie sich auf die Berliner verlassen könnten. "Wir stehen zu Euch! Die Bundesrepublik ... und ihr Parlament, ihre Regierung, ihre Bevölkerung wissen, was sie Deutschlands Hauptstadt ... Schuldig sind" Der Regierende Bürgermeister Brandt bekräftigt die Entschlossenheit der Berliner, hier "Herr im eigenen Haus zu bleiben". Er empfiehlt daher auch der Sowjetregierung, sich von den bösen Einflüsterungen freizumachen, mit denen man sie jenseits des Brandenburger Tores versorge. Durch mehr Realismus in der Berlin-Frage würde sie sich selbst und "uns" manchen Ãrger ersparen. Wer nämlich glaube, "uns" den Mut abkaufen zu können, der irrt. Und je früher er diesen Irrtum einsehe, um so besser für alle Beteiligten. "Wir sind nicht zusammengekommen, um uns zu entschuldigen, sondern ... um Anklage zu erheben. Leidenschaftliche Anklage gegen den Druck, gegen die Erpressungen, gegen die Verbrechen in der Zone! Und wir warnen die Gauleiter drüben: Ãberspannt den Bogen nicht! Recht und Gerechtigkeit haben sich noch niemals auf die Dauer unterdrücken lassen." AnschlieÃend verliest der Berliner DAG-Vorsitzende GieÃner das Manifest des Maikomitees: "Die Spaltung Deutschlands und seiner Hauptstadt ist eine von auÃen aufgezwungene widernatürliche GewaltmaÃnahme, die beseitigt werden muÃ. Wir Berliner bekennen uns erneut zu den Idealen der Freiheit und der Demokratie. Wir bekennen uns erneut zu der klaren Wahlentscheidung vom 7. Dezember 1958.Wie damals lehnen wir die Forderung ab, aus Berlin eine vogelfreie Stadt zu machen. Die Spaltung Berlins darf nicht vertieft werden. Aus der Sektorengrenze darf keine Staatsgrenze werden. West-Berlin gehört zum freien Teil Deutschlands. Wir werden uns von der Bundesrepublik nicht trennen lassen. Berlin bleibt die Hauptstadt Deutschlands und ist heute die Stadt der Begegnung aller Deutschen. Jede Vereinbarung auf der Gipfelkonferenz muà das Selbstbestimmungsrecht der Berliner sicherstellen. In den Lebensfragen unseres ganzen Volkes muà es über alle Parteigrenzen hinweg eine gemeinsame Haltung aller Deutschen geben. Wir vertrauen unseren Schutzmächten und unseren Freunden in aller Welt. Berlin bleibt frei!" Die unter der Losung "1. Mai 1960 - der Sozialismus siegt" stehende Ost-Berliner Maikundgebung auf dem Marx-Engels-Platz beginnt wie in den Vorjahren mit einer Parade von Truppenteilen aller Waffengattungen der NVA. Nach Ansprachen des FDGB-Vorsitzenden Warnke und des Generalsekretärs des afrikanischen Gewerkschaftsbundes, Diallo Seydou, folgt vor der Ehrentribüne ein Vorbeimarsch von 300 Fahnenträgern der GST auf Motorrädern, 3000 Jungen Pionieren, 6000 Sportlern, einigen Hundertschaften der SED-Betriebskampfgruppen, Marschblocks von Betriebsbelegschaften und Genossenschaftsbauern, insgesamt etwa 250 000 Menschen. Noch am gleichen Tag stellen die westlichen Stadtkommandanten in einer Erklärung fest, daà die Kundgebung in Ost-Berlin mit dem Aufmarsch militärischer und halbmilitärischer Einheiten, darunter Panzern und Artillerie, in auffallendem Gegensatz stand zu der friedlichen Art und Weise, in der sich eine Dreiviertel Million Berliner frei zur Maikundgebung in West-Berlin zusammenfand, um ihre Verbundenheit mit der Sache des Friedens und der Freiheit zu demonstrieren. 1960 Mit rund 750 000 Teilnehmern wird die diesjährige Mai-Kundgebung zur eindrucksvollsten und gröÃten, die in der Berliner Geschichte zu verzeichnen ist. Selbst die engere Umgebung des Platzes der Republik zwischen Reichstag und KongreÃhalle vermag nicht alle Demonstranten aufzunehmen. Der Berliner DGB-Vorsitzende Sickert eröffnet die Kundgebung mit einem Gruà an alle Arbeitnehmer in der "Sowjetzone". Als nächster Redner weist Bundestagspräsident Gerstenmaier scharf die sowjetische Behauptung zurück, daà sich West-Berlin auf dem Territorium der sogenannten DDR befinde. Dies bedeute nichts anderes als ein Auftakt zu dem Versuch, auf Berlin das Rezept Lenins anzuwenden der seine "Nachfahren" angewiesen habe, mit rechtlich bindenden Verträgen wie mit Pastetenkrusten umzugehen, nämlich sie zu brechen. "Wir sind dessen völlig sicher, daà die Mächte, die Berlins Freiheit garantieren, nach diesem Rezept nicht mit sich verfahren lassen. Es wäre der Anfang vom Ende der Freiheit in der Welt." Leider sehe es, so Gerstenmaier, noch nicht danach aus, daà die groÃe Stunde der Geschichte nahe bevorstehe, in der die Deutschen die Einheit ihres Vaterlandes in seiner geeinten Hauptstadt dankbar feiern könnten, eher danach, einen neuen Würgegriff energisch abzuschütteln. Doch die Geschichte sei nach vorn offen, d. h. daà ein neuer Tag neue Möglichkeiten für Deutschlands Einheit und für den Frieden der Welt bringen kann. "Warum sollen wir darauf nicht hoffen, ja dafür beten!" In den kommenden Konferenzwochen werde die Welt noch mehr als zuvor auf Berlin und die Berliner schauen. Ihre Haltung stehe für ganz Deutschland, und die Deutschen wüssten, daà sie sich auf die Berliner verlassen könnten. "Wir stehen zu Euch! Die Bundesrepublik ... und ihr Parlament, ihre Regierung, ihre Bevölkerung wissen, was sie Deutschlands Hauptstadt ... Schuldig sind" Der Regierende Bürgermeister Brandt bekräftigt die Entschlossenheit der Berliner, hier "Herr im eigenen Haus zu bleiben". Er empfiehlt daher auch der Sowjetregierung, sich von den bösen Einflüsterungen freizumachen, mit denen man sie jenseits des Brandenburger Tores versorge. Durch mehr Realismus in der Berlin-Frage würde sie sich selbst und "uns" manchen Ãrger ersparen. Wer nämlich glaube, "uns" den Mut abkaufen zu können, der irrt. Und je früher er diesen Irrtum einsehe, um so besser für alle Beteiligten. "Wir sind nicht zusammengekommen, um uns zu entschuldigen, sondern ... um Anklage zu erheben. Leidenschaftliche Anklage gegen den Druck, gegen die Erpressungen, gegen die Verbrechen in der Zone! Und wir warnen die Gauleiter drüben: Ãberspannt den Bogen nicht! Recht und Gerechtigkeit haben sich noch niemals auf die Dauer unterdrücken lassen." AnschlieÃend verliest der Berliner DAG-Vorsitzende GieÃner das Manifest des Maikomitees: "Die Spaltung Deutschlands und seiner Hauptstadt ist eine von auÃen aufgezwungene widernatürliche GewaltmaÃnahme, die beseitigt werden muÃ. Wir Berliner bekennen uns erneut zu den Idealen der Freiheit und der Demokratie. Wir bekennen uns erneut zu der klaren Wahlentscheidung vom 7. Dezember 1958.Wie damals lehnen wir die Forderung ab, aus Berlin eine vogelfreie Stadt zu machen. Die Spaltung Berlins darf nicht vertieft werden. Aus der Sektorengrenze darf keine Staatsgrenze werden. West-Berlin gehört zum freien Teil Deutschlands. Wir werden uns von der Bundesrepublik nicht trennen lassen. Berlin bleibt die Hauptstadt Deutschlands und ist heute die Stadt der Begegnung aller Deutschen. Jede Vereinbarung auf der Gipfelkonferenz muà das Selbstbestimmungsrecht der Berliner sicherstellen. In den Lebensfragen unseres ganzen Volkes muà es über alle Parteigrenzen hinweg eine gemeinsame Haltung aller Deutschen geben. Wir vertrauen unseren Schutzmächten und unseren Freunden in aller Welt. Berlin bleibt frei!" Die unter der Losung "1. Mai 1960 - der Sozialismus siegt" stehende Ost-Berliner Maikundgebung auf dem Marx-Engels-Platz beginnt wie in den Vorjahren mit einer Parade von Truppenteilen aller Waffengattungen der NVA. Nach Ansprachen des FDGB-Vorsitzenden Warnke und des Generalsekretärs des afrikanischen Gewerkschaftsbundes, Diallo Seydou, folgt vor der Ehrentribüne ein Vorbeimarsch von 300 Fahnenträgern der GST auf Motorrädern, 3000 Jungen Pionieren, 6000 Sportlern, einigen Hundertschaften der SED-Betriebskampfgruppen, Marschblocks von Betriebsbelegschaften und Genossenschaftsbauern, insgesamt etwa 250 000 Menschen. Noch am gleichen Tag stellen die westlichen Stadtkommandanten in einer Erklärung fest, daà die Kundgebung in Ost-Berlin mit dem Aufmarsch militärischer und halbmilitärischer Einheiten, darunter Panzern und Artillerie, in auffallendem Gegensatz stand zu der friedlichen Art und Weise, in der sich eine Dreiviertel Million Berliner frei zur Maikundgebung in West-Berlin zusammenfand, um ihre Verbundenheit mit der Sache des Friedens und der Freiheit zu demonstrieren. 1961 Bei den Maifeiern im Westen und im Osten der Stadt sprechen zu 700 000 Menschen auf dem Platz der Republik unter dem Motto "Freiheit und Frieden für die ganze Welt - Solidarität durch die Tat" der Berliner DGB-Vorsitzende Sickert, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Meyers (CDU) und der Regierende Bürgermeister Brandt, beginnt die als "Heerschau der Kräfte des Friedens" deklarierte Demonstration auf dem Marx-Engels-Platz wieder mit einer Parade der NVA, der, nach einer kurzen Ansprache von SED-Politbüromitglied Neumann, ein mehrstündiger Vorbeimarsch von Betriebsbelegschaften, Jugendlichen und Sportlern vor Spitzenfunktionären der SED folgt. Die westlichen Stadtkommandanten protestieren in einer Erklärung gegen die mit dem Viermächte-Status der Stadt unvereinbare NVA-Parade. 1962 Bei den Mai-Feiern im Westen und im Osten der Stadt sprechen zu mehr als 700 000 Menschen auf dem Platz der Republik unter dem Motto "Freiheit kennt keine Mauer" der Berliner DGB-Vorsitzende Sickert, Bundespräsident Lübke, der stellv. DGB-Vorsitzende Rosenberg, der CIO/AFL-Funktionär Lovestone und der Regierende Bürgermeister Brandt, wobei die östliche Seite versucht, sie durch das Abspielen von "Arbeiterkampfliedern" aus etwa 40 nahe der Sektorengrenze aufgestellten GroÃlautsprechern zu übertönen (vgl. 20. April), beginnt die "Kampfdemonstration" auf dem Marx-Engels-Platz wie im Vorjahr mit einer NVA-Parade, der, nach einer Ansprache von SED-Politbüromitglied Norden, ein mehrstündiger Vorbeimarsch von Betriebsbelegschaften, Jugendlichen, Sportlern und Betriebskampfgruppen vor Spitzenfunktionären folgt. Am frühen Morgen erstmals Aufzug einer "Ehrenwache der NVA" an Schinkels Neuer Wache Unter den Linden - jetzt "Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus". Der GroÃe Wachaufzug (Ehrenwache, Spielmannszug, Musikkorps, Ehrenkompagnie) soll künftig an jedem Mittwoch und an den "nationalen Feiertagen", der Kleine Wachaufzug an allen anderen Tagen erfolgen. Die westlichen Stadtkommandanten protestieren in einer Erklärung wiederum gegen das mit dem Vier-Mächte-Status der Stadt unvereinbare Auftreten von NVA-Einheiten bei beiden Gelegenheiten dieses Tages. 1963 Bei den Mai-Feiern in beiden Teilen der Stadt sprechen zu rund 500 000 Menschen auf dem Platz der Republik - etwa 200 000 weniger als im Vorjahr - unter dem Motto "Berlin gehört zur freien Welt" der DGB-Vorsitzende Sickert, der bayerische Ministerpräsident Goppel, der IG-Metall-Vorsitzende Brenner und der Regierende Bürgermeister Brandt; beginnt die "Kampfdemonstration" auf dem Marx-Engels-Platz wie in den Vorjahren mit einer NVA-Parade, an der erstmals mit einem eigenen Marschblock auch die DDR-Grenztruppen teilnehmen; der Ansprache des amtierenden Ministerratsvorsitzenden Stoph folgt ein mehrstündiger Vorbeimarsch von Betriebsbelegschaften, Jugendlichen, Sportlern und Betriebskampfgruppen vor Spitzenfunktionären der Partei- und Staatsführung. Die westlichen Stadtkommandanten protestieren in einer gemeinsamen Erklärung erneut gegen die mit dem Vier-Mächte-Status der Stadt unvereinbare militärische Demonstration in Ost-Berlin. 1964 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen zu rund 300 000 Menschen auf dem Platz der Republik - wiederum etwa 200 000 weniger als im Vorjahr - unter dem Motto "Einheit - Frieden - Freiheit" Bundeskanzler Erhard, der IG-Bau-Steine-Erden-Vorsitzende Leber und der Regierende Bürgermeister Brandt; beginnt die "Kampfdemonstration" auf dem Marx-Engels-Platz wie in den Vorjahren mit einer NVA-Parade, der, nach einer Rede des SED-Politbüromitglieds Alfred Neumann, ein mehrstündiger Vorbeimarsch von Betriebsbelegschaften, Jugendlichen, Sportlern und SED-Betriebskampfgruppen vor Spitzenfunktionären der Partei- und Staatsführung folgt. Die westlichen Stadtkommandanten verurteilen in einer gemeinsamen Erklärung die Militärparade in Ost-Berlin als einen Bruch des Vier-Mächte-Status der Stadt, die in einem scharfen Kontrast zu der friedlichen Kundgebung in West-Berlin gestanden und wieder einmal gezeigt habe, auf welcher Seite der Mauer der Militarismus zu Hause sei. Im Rahmen einer kleinen Feier im Rathaus Schöneberg verleihen Senat und Abgeordnetenhaus dem an diesem Tag 80 Jahre alt werdenden Siegfried Aufhäuser (SPD) die Würde eines Stadtältesten. Der Regierende Bürgermeister Brandt und Parlamentspräsident Bach würdigen in ihren Laudationes die Verdienste des "Nestors'der deutschen Angestelltenbewegung", der in der Weimarer Republik den AFA-Bund leitete sowie lange Jahre dem Reichstag angehörte und nach seiner Rückkehr aus der Emigration von 1952 bis 1958 an der Spitze des Berliner Landesverbandes der DAG stand, deren Ehrenvorsitz er noch immer inne hat. Zwei US-Militärzüge auf ihrer Fahrt nach Frankfurt am Main bzw. nach Bremerhaven werden in den Abendstunden bereits in Potsdam aufgehalten, weil das Lokpersonal der DDR sich weigert, die während des üblichen Stops anläÃlich des Mai-Feiertags angebrachten roten Fahnen wieder zu entfernen. Die US-Zugkommandanten verhindern daraufhin durch Ziehen der Notbremse eine Weiterfahrt, die dann erst nach Abnahme der Fahnen am frühen Morgen möglich ist. 1965 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt auf dem Platz der Republik sprechen zu etwa 250000 Kundgebungsteilnehmern etwa nur noch halb soviel wie im Vorjahr - unter dem Motto "Verantwortung für Berlin ist Verantwortung für Deutschland" der hessische Ministerpräsident Zinn, der ÃTV-Vorsitzende Kluncker und der Regierende Bürgermeister Brandt; auf dem Marx-Engels-Platz demonstrieren nach einer Ansprache des FDGB-Vorsitzenden Warnke mehr als 300 000 Werktätige und SED-Betriebskampfgruppen vor der gesamten DDR-Staatsführung, die erstmals seit 1956 auf eine Militärparade verzichtet hatte. 1966 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen auf dem Platz der Republik zu etwa 250 000 Kundgebungsteilnehmern unter dem Motto "Berlin - Stätte der Freiheit" Bundespräsident Lübke, der dänische AuÃenminister Haekkerup, der DGB-Vorsitzende Rosenberg und der ? Regierende Bürgermeister Brandt, beginnt die "Kampfdemonstration" auf dem Marx-Engels-Platz diesmal wieder mit einerMilitärparade,der,nacheinerRede des Ersten Sekretärs derOst-Berli-ner SED-Bezirksleitung, Verner, ein mehrstündigerVorbeimarsch von mehr als 300 000 "Bürgern der Hauptstadt" an den auf der Tribüne versammelten Spitzenfunktionären der Partei- und Staatsführung folgt. Die westlichen Stadtkommandanten -Binoche (Frankreich), Nelson (GroÃbritannien) und Franklin (USA) -verurteilen in einer gemeinsamen Stellungnahme die "erneute Verletzung des Vier-Mächte-Status Berlins" durch diese Parade, die zudem in einem auffallenden Gegensatz zurfriedlichen Würdigung des Maitages durch die Bürger und die freien Arbeiterorganisationen in West-Berlin stand. 1967 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen auf dem Platz der Republik vor mehr als 200000 Kundgebungsteilnehmern unter dem Motto "Berlin, nicht Insel - Brücke in Europa" Bundeskanzler Kiesinger, die Vorsitzenden der Deutschen Postgewerkschaft und der DAG, Carl Stenger und Rolf Spaethen, sowie der Regierende Bürgermeister Albertz, und bei der auf dem Marx-Engels-Platz mit einer Militärparade begonnenen "Kampfdemonstration" Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert; danach folgt das Defilee von rund 320 000 Werktätigen vor den auf der Tribüne versammelten Mitgliedern der Partei- und Staatsführung. Die westlichen Stadtkommandanten - Binoche (Frankreich), Nelson (GroÃbritannien) und Franklin (USA) - verurteilen in einer gemeinsamen Erklärung den militärischen Aufmarsch in Ost-Berlin als eine erneute Verletzung des entmilitarisierten Status der Stadt, die offensichtlich mit dem Einverständnis sowjetischer Behörden geschehen konnte. 1968 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen auf dem Platz der Republik zu rund 100000 Teilnehmern der von den demokratischen Parteien und den Gewerkschaften unter dem Motto "Frieden, Freiheit, Völkerverständigung" veranstalteten Kundgebung der Berliner DGB-Vorsitzende Sickert, BundesauÃenminister Brandt und Bundesarbeitsminister Katzer - ihre Anwesenheit bezeichnet ein Sprecher des DDR-AuÃenministeriums als "grobe Einmischung der herrschenden Kreise der Bundesrepublik in die inneren Angelegenheiten der selbständigen politischen Einheit West-Berlin" (vgl. 13. April) -, der IG Nahrung, GenuÃ- und Gaststätten-Vorsitzende Stadelmaier und der Regierende Bürgermeister Schütz; auf der von der Polizei genehmigten APO-Kundgebung auf dem Hohenstaufenplatz am Kottbusser Damm im Bezirk Kreuzberg der Generalsekretär der schottischen Bergarbeitergewerkschaft, Lawrence Daly, und der italienische Verleger Giacomo Feltrinelli zu rund 20 000 vorwiegend jugendlichen Demonstranten, die zuvor vom Karl-Marx-Platz im Bezirk Neukölln dorthin gegangen waren, an der Spitze des Zuges u. a. das SDS-Mitglied Lefevre, Rechtsanwalt Mahler und der West-Berliner SED-Vorsitzende Danelius; auf dem Marx-Engels-Platz bei der "Kampfdemonstration" von SED und FDGB Politbürokandidat Kleiber zu "300000 Bürgern der Hauptstadt", die anschlieÃend an den auf der Tribüne versammelten Spitzenfunktionären der Partei- und Staatsführung vorbeimarschieren, nachdem zu Beginn der Veranstaltung wieder die NVA eine Parade mit Truppenteilen aller Waffengattungen durchgeführt hatte. Die westlichen Stadtkommandanten - Huchet de Quenetain (Frankreich), Bowes-Lyon (GroÃbritannien) und Ferguson (USA) - verurteilen in einer gemeinsamen Stellungnahme diese Militärparade wiederum als eine Verletzung des entmilitarisierten Status von Berlin. 1969 Unter dem Motto "Berlins Zukunft sichern" findet vor dem Reichstagsgebäude in West-Berlin die traditionelle Maikundgebung statt, an der sich etwa 20 000 Personen beteiligen. Redner sind der Berliner DGB-Vorsitzende Walter Sickert, der DGB-Bundesvorsitzende Ludwig Rosenberg, der Generalsekretär des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der Niederländer Harm G. Buiter, und der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz. Sickert erinnert an den 1. Mai 1919, als der Tag der Arbeit erstmals als gesetzlicher Feiertag begangen wurde. Schütz erklärt, die westlichen Alliierten und deutsche Behörden würden "mit der Sowjetunion und anderen darüber ins Gespräch kommen, daà endlich unsere Rechte anerkannt werden". Darunter verstehe er "unsere Freiheit, unsere Zugehörigkeit zur Bundesrepublik" sowie die Anerkennung und Respektierung der "Realität West-Berlin". Bei Gesprächen müÃten auch die eigenen Positionen überdacht werden. Im Rückblick auf die letzten zwölf Monate Berliner Politik stellt Schütz fest, die Provokationen in und um Berlin seien gescheitert. Die Stadt befinde sich jetzt in vielen Bereichen in einer stärkeren Position. An anderer Stelle appelliert Schütz an die Sowjetunion und die DDR: "Lassen Sie uns sprechen über alle Probleme und alle Fragen, die den Menschen in beiden Teilen der Stadt das Leben leichter machen können. Lassen Sie uns hinkommen zu einem geregelten und friedlichen Miteinander." 1970 Vor dem Rathaus Schöneberg findet eine Maikundgebung statt, zu der DGB und DAG gemeinsam aufgerufen haben und an der nach Polizeiangaben 10?000 Personen teilnehmen. Die gewerkschaftliche Losung lautet: "Wir sichern den Fortschritt". Erstmals seit 1959 wird die Maikundgebung nicht als _ vom Senat, von den drei im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien und den Gewerkschaften getragene _ Freiheitskundgebung, sondern nur von den Gewerkschaften ausgerichtet. 1971 In West Berlin findet die traditionelle Maifeier erstmals nicht unter freiem Himmel, sondern im Saal statt. Wie der Berliner DGB Vorsitzende Walter Sickert vor geladenen Gästen im GroÃen Sendesaal des SFB in Berlin Charlottenburg hervorhebt, solle damit den kommunistischen Versuchen begegnet werden, die Maikundgebung des DGB zu stören oder umzufunktionieren. Der DGB sei nicht bereit, seine Gewerkschaftskollegen den Kommunisten zur Verfügung zu stellen, damit diese ihre Symbole, Hammer und Sichel, Lenin, Che Guevara und Fidel Castro vor gröÃeren Massen zur Schau stellen können. Der DGB Vorsitzende sagt, die Berliner Arbeitnehmerschaft stehe zur freiheitlich demokratischen Grundordnung und sei ihr bester Garant. Im Mittelpunkt der DGB Veranstaltung stehen Diskussionen über Mitbestimmung und Betriebsverfassungsgesetz, Sicherung des Arbeitsplatzes und Gleichberechtigung der Jugend. 1972 In West-Berlin besuchen etwa 4 500 Arbeitnehmer die gemeinsam von DGB und DAG ausgerichtete Maiveranstaltung im Sportpalast in Berlin-Schöneberg. Der Berliner DGB-Vorsitzende Walter Sickert leitet die Veranstaltung mit einem Bekenntnis zu Berlin als Hauptstadt aller Deutschen und einer Unterstützungsadresse an Bundeskanzler Willy Brandt ein. Sickert weist darauf hin, daà die Gewerkschaften ihre Maikundgebung zum zweiten Mal in einem geschlossenen Raum veranstalten, da das Interesse der Arbeitnehmerschaft an Veranstaltungen unter freiem Himmel durch die allgemeine politische Entwicklung geringer geworden sei. Die Kundgebung im geschlossenen Raum sei aber auch gewählt worden, weil extreme und radikale Gruppen sich der StraÃe bemächtigt hätten. 1973 In West-Berlin findet in einer Messehalle am Funkturm (Berlin-Charlottenburg) die gemeinsam von DGB und DAG ausgerichtete Maifeier statt. Vor den etwa 2 700 Teilnehmern erklärt der Berliner DGB-Vorsitzende Walter Sickert, die Gewerkschaften würden alles daran setzen, daà in Berlin kein dritter deutscher Staat auf "kaltem Wege" installiert werde. 1974 Die Berliner Landesverbände des DGB und der DAG veranstalten eine Maidemonstration unter dem Motto: "Menschlichkeit und sozialer Fortschritt". Diese erste gewerkschaftliche Maidemonstration unter freiem Himmel seit 1970 beginnt auf dem Fehrbelliner Platz und endet mit einer Kundgebung auf dem Wittenbergplatz. Rund 30 000 Personen beteiligen sich. Auf der Kundgebung spricht der Berliner DGB-Vorsitzende Walter Sickert. 1975 In West-Berlin wird die auf dem John-F.-Kennedy-Platz vor dem Rathaus Schöneberg stattfindende gewerkschaftliche Maikundgebung von Anhängern kommunistischer Gruppen massiv gestört. Sie machen die Reden der Gewerkschaftssprecher durch Pfiffe und Sprechchöre weitgehend unverständlich. Rund 25 000 Menschen nehmen nach Schätzungen des DGB an der Veranstaltung teil. Wie "Der Tagesspiegel" mitteilt, gibt es in diesem Sommersemester erstmals über 30 000 Studenten an der FU. Damit hat sich die Studentenzahl seit 1969 mehr als verdoppelt. 1976 In West-Berlin wird im Sommergarten am Funkturm (Berlin-Charlottenburg) eine Maikundgebung des DGB veranstaltet. 1977 In Ost-Berlin schiebt sich ein kilometerlanger Maidemonstrationszug mit 350 000 Teilnehmern die Karl-Marx-Allee entlang und an der Haupttribüne mit Mitgliedern der Partei- und Staatsführung vorbei. Der Vorsitzende des FDGB-Bundesvorstands, das SED-Politbüromitglied Harry Tisch, hält eine Ansprache. Eine Militärparade der Nationalen Volksarmee findet in diesem Jahr erstmals nicht statt. Wie das "Neue Deutschland" am 26. April in einer kurzen Notiz mitteilte, wird die traditionelle Militärparade künftig am 7. Oktober, dem Nationalfeiertag der DDR, stattfinden. 1978 In Ost-Berlin nehmen 350 000 Menschen an einer "Kampfdemonstration" zum 1. Mai in der Karl-Marx-Allee teil. Der Vorsitzende des FDGB-Bundesvorstands, das SED-Politbüromitglied Harry Tisch, erklärt in seiner Ansprache: "Die DDR handelt aus ihrer Verantwortung für Frieden und Entspannung, wenn sie für normale Beziehungen zwischen der DDR und der BRD eintritt. Man kann das jedoch nicht von denen sagen, die sich für die Stationierung der Neutronenwaffe in der BRD einsetzen. Mögen diejenigen, die die Entwicklung guter Beziehungen zwischen der DDR und der BRD stören wollen, zur Kenntnis nehmen: Der Sozialismus hat mit der Errichtung unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht vor nahezu 30 Jahren auch auf deutschem Boden seinen Siegeszug angetreten. Es gibt niemanden, der diese geschichtliche Tatsache rückgängig machen kann!" 1979 In Ost-Berlin nehmen 350 000 Menschen an einer "Kampfdemonstration" zum 1. Mai in der Karl-Marx-Allee teil. In seiner Maiansprache erklärt das SED-Politbüromitglied Harry Tisch, Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstands, unter anderem: "Wir haben unseren Staat zu einer Heimstatt gestaltet, in der es sich gut lebt. Unser Wirtschaftswachstum ist stabil. Wir haben die Vollbeschäftigung gesichert. Mit Optimismus kann jeder Bürger unseres Landes, vor allem die junge Generation, Pläne für die Zukunft schmieden." 1980 In Ost-Berlin wird der 1. Mai mit einem rund vierstündigen Vorbeimarsch mehrerer hunderttausend Menschen an der Ehrentribüne in der Karl-Marx-Allee gefeiert. Das SED-Politbüromitglied Harry Tisch, Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstands, sagt in seiner Maiansprache unter anderem: "Gegenwärtig versuchen die reaktionären Kräfte des Imperialismus mit unvergleichbarer antikommunistischer Hetze, mit Drohungen, Erpressung und BoykottmaÃnahmen die Früchte des Entspannungsprozesses zu zertreten." Auf dem Gelände des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs in Tiergarten wird das von Irene Moessinger gegründete "Tempodrom" mit einem groÃen Premierenprogramm eröffnet. Die Zuschauer können in dem Zelt eine bunte Mischung aus Theater, Kabarett, Varieté, Musik und Zirkus erleben. 1981 Bei den Maifeiern im Westen und im Osten der Stadt sprechen zu rund 20000 Teilnehmern der DGB-Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus der Berliner DGB-Landesvorsitzende Sickert und der Regierende Bürgermeister Vogel, mehrfach unterbrochen durch Pfeifkonzerte und Sprechchöre "linker" Gruppen, ziehen - nach Angaben der DDR-Presse - etwa 500 000 Menschen in einer vierstündigen "Kampfdemonstration" in der Karl-Marx-Allee an SED-Generalsekretär Honecker und anderen hohen SED- und FDGB-Funktionären vorbei. 1982 Bei den Maifeiern auf dem Platz der Republik fordert der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis vor 22 000 Teilnehmern der Kundgebung, auf der erstmals kein Politiker zu Worte kommt/ verstärkte Anstrengungen von Staat und Wirtschaft zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit, ziehen im Anschluà an eine Rede des FDGB-Vorsitzenden Tisch rund 500 000 Personen in einer "machtvollen Demonstration" durch die Ost-Berliner Karl-Marx-Allee. Im Ost-Berliner "Stadion der Weltjugend" schlägt Dynamo Dresden im Endspiel um den FDGB-FuÃballpokal Dynamo (Ost-)Berlin nach ElfmeterschieÃen mit 5:4 Toren. 1983 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen vor 15 000 Teilnehmern auf dem Platz der Republik vor dem Reichstag der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis und der Vorsitzende der Deutschen Post-Gewerkschaft, Kurt van Haaren, die eine effektive Beschäftigungspolitik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und eine allgemeine Abrüstung in Ost und West fordern, ziehen in einer "machtvollen Demonstration" 500 000 Werktätige, gefolgt von SED-Betriebskampfgruppen, so die Ost-Berliner Zeitungen, nach einer Ansprache des FDGB-Vorsitzenden Tisch durch die Karl-Marx-Allee vorbei an der auf einer Tribüne versammelten Staats- und Parteiführung der DDR. 1984 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen vor rund 20 000 Teilnehmern auf dem Platz der Republik die Berliner Landesvorsitzenden des DGB, der IG Metall und der IG Druck und Papier, Pageis, Wagner und Ballentin, sowie ein erwerbsloser Jugendlicher, die im wesentlichen gemeinsam die Notwendigkeit der Einführung der 35-Stunden-Woche zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unterstreichen und die Bundes-Unternehmen zu stärkeren Investitionen in Berlin auffordern, ziehen nach einer Ansprache des FDGB-Vorsitzenden Tisch in einer "machtvollen Kampfdemonstration für Frieden, Sozialismus und das Wohl des Volkes" rund 500 000 Werktätige, gefolgt von SED-Betriebskampfgruppen, durch die Karl-Marx-Allee, vorbei an der auf einer Tribüne versammelten Staats- und Parteiführung der DDR. Wiederaufnahme des S-Bahnbetriebs auf den Streckenabschnitten Wannsee-Charlottenburg sowie Anhalter Bahnhof-Gesundbrunnen durch den Nord-Süd-Tunnel mit Umsteigemöglichkeit auf dem Bahnhof FriedrichstraÃe in Ost-Berlin, womit sich das Netz auf rund 41 Kilometer erweitert (vgl. 9. Januar). Verbunden damit ist der Wegfall der Buslinie 66 von Wannsee zum Zoo über die AVUS sowie eine Veränderung der Streckenführung bei weiteren .15 Buslinien. , 1985 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen vor rund 20 000 Teilnehmern (nach Schätzungen der Polizei nur 12 000) der Kundgebung unter dem Motto "Unsere Stärke heiÃt Solidarität" vor dem Reichstag der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis sowie die Vorsitzenden des Landesfrauenausschusses der IG Druck und Papier und des Ortsjugendausschusses der IG Metall, Gisela Petzoldt und Udo Beyer, die die Forderung der Gewerkschaften nach staatlich finanzierten Beschäftigungsprogrammen erneuern, da der wirtschaftliche Aufschwung nach wie vor an den Arbeitslosen vorbeigehe, ziehen, nach einer Ansprache des FDGB-Vorsitzenden Tisch, in einer wiederum "machtvollen Kampfdemonstration" mehr als 500000 Werktätige, gefolgt von SED-Betriebskampfgruppen, durch die Karl-Marx-Allee, vorbei an der auf einer Tribüne versammelten Partei- und Staatsführung. 1986 Auf den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt spricht auf dem Platz der Republik vor mehr als 30 000 Teilnehmern der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis, der vor den politischen Gefahren durch anhaltende Massenarbeitslosigkeit und Sozialabbau warnt, dem Senat mangelnde Perspektiven zur Wiederherstellung der Vollbeschäftigung vorwirft sowie die Bundesregierung wegen der beabsichtigten Ãnderung des § 116 Arbeitsförderungsgesetz ("Streikparagraph") attackiert, folgt nach einer Ansprache des FDGB-Vorsitzenden Tisch in einer "machtvollen Kampfdemonstration" für die Verwirklichung der Beschlüsse des XI. SED-Parteitages (vgl. 17./21. April) zur"Stärkung des Sozialismus" und zur "Sicherung des Friedens" der Vorbeimarsch von rund 650000 Werktätigen, gefolgt von SED-Betriebskampfgruppen, durch die Karl-Marx-Allee, an der auf einer Tribüne versammelten Partei- und Staatsführung der DDR. 1987 Am Rande eines von SEW und ALgemeinsam veranstalteten StraÃenfestes rund um den Lausitzer Platz im Bezirk Kreuzberg entwickeln sich nach dem Umstürzen eines leeren Streifenwagens der Polizei kurz nach 16.00 Uhr schwere, bis weit in die Morgenstunden dauernde Ausschreitungen, die ein bislang nicht gekanntes Maà an Brutalität offenbaren. Die etwa 300 "militanten" Störer und rund 600 "Mitläufer"plündernmehrals drei Dutzend Geschäfte, legen 35 Brände,errichten in mehreren StraÃen Barrikaden aus Baufahrzeugen, Containern und umgekippten Privatautos; Filialen der Lebensmittelkette Bolle und von Getränke-Hoffmann brennen völlig aus, die U-Bahn-Station Görlitzer Bahnhof wird so verwüstet, daà die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der Linie 1 erst am späten Abend des 2. Mai erfolgen kann. Neben 77 beschädigten Fahrzeugen meldet die Polizei "zahlreiche" Verletzte unter ihren Beamten, laut Polizeigewerkschaft 193, von denen über 100 in Krankenhäusern hätten behandelt werden müssen. Die Feuerwehr beklagt drei Verletzte, schwere Schäden an 16 Löschfahrzeugen, von denen eines völlig ausbrennt, weil seine Besatzung vor heranrückenden Gewalttätern sich in Sicherheit bringen muÃte. Sie habe 55 Einsätze nicht "fahren" können, weil der Polizeischutz nicht ausreichte, um sie vor ständigem Steinhagel und dem Werfen von Brandsätzen zu schützen. Die Polizei kann 44 Personen festnehmen, von denen sie 33 den Haftrichtern vorführt, die in 25 Fällen Haftbefehl erlassen, ohne, wie die Justizverwaltung zugibt, den "harten Kern" der Randalierer fassen zu können. InnensenatorKewenig räumt "organisatorische Mängel"beiderPolizeiein,die u.a. durch Ãnderung der Alarmpläne für schnelleren Einsatz von Verstärkungen sowie durch Erweiterung des Spielraums für selbständige Entscheidungen der Einsatzleiter an Ort und Stelle beseitigt werden sollen. 1987 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen vor rund 50 000 Teilnehmern der DGB-Kundgebung unter dem Motto "Arbeit schaffen-Umwelt schützen-Technik sozial gestalten"auf dem Platz derRepublik vor dem Reichstag die ÃTV-Vorsitzende Wulf-Mathies, die für 1988 einen neuen Anlauf zur kürzeren Arbeitszeit auch für die Beschäftigten im Ãffentlichen Dienst ankündigt und versichert, daà jeder mit dem Widerstand der Gewerkschaften gegen eine Politik rechnen müsse, die Arbeitslose an den Rand der Gesellschaft dränge, und derBerliner DGB-Vorsitzende Pageis, der beklagt, daà trotz vierjährigen Konjunkturaufschwungs immer mehr Arbeitnehmer zu Dauerarbeitslosen würden, der FDGB-Vorsitzende Tisch, der die Veranstaltung in der Karl-Marx-Allee als Teil des groÃen Jubiläums von Berlin bezeichnet; anschlieÃend defilieren rund 650 000 Werktätige in "einer von Optimismus und Stolz auf das Erreichte geprägten Kampfdemonstration", gefolgt von SED-Betriebskampfgruppen, an der Ehrentribüne mit fast der gesamten Partei- und Staatsführung der DDR vorbei. Bei der BVG treten neue Tarife in Kraft, danach kosten nunmehr (in Klammern die alten Tarife): der Einzelfahrschein 2,30 DM (2,20 DM), die Sammelkarte für fünf Fahrten mit Umsteigeberechtigung 10,50 DM (10,00 DM), der ermäÃigte Einzelfahrschein 1,50 DM (1,40 DM) und die ermäÃigte Sammelkarte 6,50 (6,00 DM). Neu sind: die Bezahlung von Monats- und Jahreskarten per Einzugsermächtigung, wobei, "unter dem Strich", ein Rabatt von sechs Wochen freier Fahrt entsteht, allerdings nicht für Schüler- und Seniorenkarten im ErmäÃigungstarif; des weiteren eine sogenannte Kombi-Tageskarte für 14,50 DM (Kinder7,30 DM), die einen Tag lang die Fahrt auf allen BVG-Linien sowie auf den Dampfern der Sternund Kreisschiffahrt beliebig oft erlaubt. Wenngleich die Gesamtlänge des Bus-Nachtliniennetzes von 425 Kilometern erhalten bleibt, soll die Zahl der Linien von 33 auf 35 Linien steigen und dennoch eine Ersparnis von 1,7 Mio. DM entstehen, wobei zwischen ein und vier Uhr morgens im 30-Minuten-Rhytmus zwölf Linien vom Bahnhof Zoo aus sternförmig in alle Bezirke fahren und dort Anschluà an kleinere Strecken in entlegenere Stadtviertel bieten. 1988 Auf den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen vor 50 000 Teilnehmern auf dem Platz der Republik der IG-Metall-Vorsitzende Steinkühler und der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis, die beide Arbeitszeitverkürzungen als wichtigste tarifpolitische Alternative zur Arbeitskosigkeit fordern und sich scharf gegen den saarländischen Ministerpräsidenten Lafontaine wenden, der eine Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich für Besserverdienende gefordert hatte, marschieren nach einer Ansprache des FDGB-Vorsitzenden Tisch in einer "machtvollen Kampfdemonstration" 650 000 Werktätige und mehrere Hundertschaften SED-Betriebskampfgruppen durch die Karl-Marx-Allee vorbei an einer Ehrentibühne mit fast der gesamten Partei- und Staatsführung der DDR. Die offizielle Ost-Berliner Maikundgebung ist begleitet von einer Reihe ungewöhnlich scharfer Sicherheitsvorkehrungen, offensichtlich um Vorfälle wie der der Liebknecht/Luxemburg-Demonstration (vg. 17. Januar) von vornherein zu unterbinden oder zumindest im Keim zu ersticken. So werden Mitglieder kirchlicher Gruppen am Verlassen ihrer Wohnungen gehindert und entlang der Marschroute Absperrgitter und zivile wie uniformierte Sicherheitskräfte postiert. Im Anschluà an ein friedlich verlaufenes StraÃenfest am Lausitzer Platz im Bezirk Kreuzberg entwickeln sich in den Abendstunden schwere Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von etwa 300 bis 400 Gewalttätern, die Müllsäcke anzünden und Barrikaden errichten, und der Polizei, die sich bis in den frühen Morgen hineinziehen. Nach amtlichen Angaben werden dabei 53 Polizisten, nach Angaben der "Alternativszene" 15 Personen z. T. schwer verletzt; es erfolgen 134 Festnahmen. Tags darauf zollen Innensenator Kewenig und Polizeipräsident Schertz vor dem Innenausschluà des Abgeordnetenhauses der Polizei "ein wirklich hohes Lob" sowohl für ihre zurückhaltende optische Präsenz der Demonstration als auch für "ihr konsequentes Einschreiten". Sie habe die Lage jederzeit im Griff gehabt, aus den Vorgängen des Vorjahres gelernt und ein Ausufern von Gewalttaten verhindert. Während Vertreter von CDU, F.D.P. und SPD die Zurückhaltung der Polizei begrüÃen, beschuldigt der AL-Abgeordnete Wieland der Polizei eines "zu harten und in dieser Form nicht nötigen Vorgehens". 1989 Bei den Maifeiern in beiden Teilen der Stadt sprechen der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis, der sich vor 50 000 Teilnehmern der DGB-Kundgebung auf dem Platz der Republik insbesondere für ein freundschaftliches Zusammenleben von Deutschen und Ausländern einsetzt und eine Beseitigung der Wohnungsnot fordert, der FDGB-Vorsitzende Tisch auf der Veranstaltung in der Karl-Marx-Allee, wo anschlieÃend - nach Ost-Berliner Presseberichten - 700 000 Berliner Werktätige in der traditionellen "Kampfdemonstration" an einer mit fast der ganzen Parteiund Staatsführung besetzten Ehrentribüne vorbeiziehen. Unter den vom SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" bereits am 11. April veröffentlichten Losungen zum 1. Mai befinden sich erstmals keine, die sich auf die deutsch-sowjetische Freundschaft beziehen oder in irgendeiner Form die politischen Veränderungen in anderen Ostblockländern zum Inhalt haben. Am frühen Nachmittag zieht durch die Bezirke Neukölln und Kreuzberg eine "Proletarisch-Revolutionäre-Oppositionelle"-Demonstration, organisiert von mehreren linken Gruppen, darunter die SEW und Teile der AL, mit geschätzten rund 7000 Teilnehmern. Etwa 150 vermummte Personen beginnen bereits hier mit der Zerstörung von Schaufensterscheiben und Telefonzellen sowie der Plünderung eines Lebensmittelgeschäfts. Gegen 16.30 Uhr erreicht ein groÃer Teil dieser Demonstrationsteilnehmer das Mai-Fest auf dem Lausitzer Platz. Dort und am Heinrichsplatz entwickeln sich Gewalttätigkeiten, die bis weit nach Mitternacht andauern. In ihrem Verlauf streifen rund 2000 sogenannte Autonome randalierend durch die anliegenden StraÃen und liefern der Polizei straÃenschlachtähnliche Auseinandersetzungen. 1990 Etwa 60 000 Menschen - darunter 10 000, die ohne Grenzkontrolle durch das Brandenburger Tor aus Ost-Berlin kommen - versammeln sich zur ersten Gesamtberliner Maikundgebung seit 44 Jahren vor dem Reichstagsgebäude in West-Berlin. An der Kundgebung nehmen unter anderen der DGB-Vorsitzende Ernst Breit und der PDS-Vorsitzende Gregor Gysi teil. In Kreuzberg kommt es am Maifeiertag - wie schon in den Vorjahren - zu Krawallen. Die Ausschreitungen entzünden sich gegen 20.30 Uhr im Bereich des Görlitzer Bahnhofs. 233 Polizeibeamte werden verletzt und rund 140 Personen festgenommen. Hertha BSC macht in Aachen mit einem 1:1 im Spiel gegen Alemannia Aachen den Aufstieg in die 1. FuÃballbundesliga perfekt. Der Verein kehrt nach sieben Jahren wieder in die höchste Spielklasse zurück. 1991 Gewerkschafter feiern den Maifeiertag mit einem Sternmarsch und anschlieÃender Kundgebung auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude. Die DGB-Vorsitzende von Berlin-Brandenburg, Christiane Bretz, fordert vor mehreren tausend Kundgebungsteilnehmern Bundesregierung und Senat auf, umgehend ein arbeitspolitisches Sofortprogramm vorzulegen. 1992 Am Lustgarten findet die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum 1. Mai statt. In vier Zügen ziehen die Gewerkschafter zum Versammlungsort. Auf rund 8000 schätzt die Polizei und auf 20 000 der DGB die Teilnehmerzahl. Die DGB-Vorsitzende von Berlin-Brandenburg, Christiane Bretz, fordert den Senat von Berlin auf, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zum Hauptthema seiner Arbeit zu machen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Berlin sei dramatisch; über 200 000 Arbeitslose seien registriert, auÃerdem 100 000 in ArbeitsbeschaffungsmaÃnahmen, Umschulung, Fort- oder Weiterbildung. Der Vorsitzende des Europäischen Gewerkschaftsbunds, Norman Willis, macht der streikenden ÃTV Mut für den weiteren Arbeitskampf (vgl. 27. April - 7. Mai): "Die Gewerkschaften in Europa und nicht nur hier schauen auf den Arbeitskampf in Deutschland." Das ehemalige Interhotel "Stadt Berlin", das am 22. November 1991 die Berliner Klingbeil-Gruppe von der Treuhandanstalt erworben hat, erhält den Namen "Forum Hotel Berlin". 1992 Das Bündnis 90 beschlieÃt auf seiner Bundesdelegiertenkonferenz in Berlin mit groÃer Mehrheit ein Zusammengehen mit den Grünen. Bereits im Juni soll eine paritätisch besetzte Verhandlungskommission eingesetzt werden. 1993 An der Kundgebung des DGB zum 1. Mai im Lustgarten in Berlin-Mitte nehmen nach Angaben des Gewerkschaftsbunds 20?000 Menschen teil. Die Kundgebung steht ganz im Zeichen des Tarifkonflikts in der ostdeutschen Stahl- und Metallindustrie. Hauptredner ist Yilmaz Karahasan vom IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main. 1994 Der Dalai Lama, das im indischen Exil lebende geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter, ist im Rahmen seines Deutschland-Besuches "privater Gast" des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen, der den Friedensnobelpreisträger von 1989 im Senatsgästehaus (Berlin-Grunewald) empfängt. In drei Demonstrationszügen ziehen mehrere tausend Menschen zum Lustgarten in Berlin-Mitte, wo eine Kundgebung des DGB zum 1. Mai stattfindet. Transparente wie "Arbeitsmarkt statt Freizeitpark" oder "Arbeit für alle" bestimmen das Bild. 1995 Im Köllnischen Park in Berlin-Mitte findet eine Maikundgebung des DGB statt. Etwa 6 000 Personen finden sich ein. Auch Bürgermeisterin und Arbeitssenatorin Christine Bergmann sowie die SPD-Spitzenkandidatin für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Herbst, Sozialsenatorin Ingrid Stahmer, nehmen teil. Zum diesjährigen Motto "Geliebt, gehaÃt, gebraucht - die Arbeit" sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, Manfred Birkhahn: "Mancher liebt die Arbeit, mancher haÃt sie. Fest steht: Solange Arbeit Existenz sichert, wird sie gebraucht." Etliche Gewerkschaftsvertreter kritisieren die Entscheidung des Gewerkschaftsbunds, ein "Hinterhoffest" zu veranstalten. Sein zehnjähriges Bestehen feiert der Britzer Garten in Berlin-Neukölln mit einem "Tag des offenen Zauns". 35 000 Besucher kommen zum Jubiläum in den Park, der 1978 bis 1985 für die Bundesgartenschau 1985 geschaffen wurde. 1996 Vor dem Berliner Rathaus findet die zentrale Kundgebung des DGB zum 1. Mai statt. Es handelt sich um die erste gewerkschaftliche GroÃkundgebung nach der Wiedervereinigung in Berlin. Zu den rund 20 000 Kundgebungsteilnehmern spricht der DGB-Bundesvorsitzende Dieter Schulte, der scharf das Sparpaket der Bundesregierung kritisiert. Er bezeichnet es als ein "Programm der sozialen Kälte" und als einen "Marschbefehl in eine andere Republik". Der Fernsehturm am Alexanderplatz wird nach einer sechsmonatigen "Ruhepause" wieder für Gäste geöffnet. Sie können nach der Generalüberholung wieder auf die Aussichtsplattform kommen und das am höchsten gelegene Café der Stadt besuchen. Die Wiedereröffnung wird mit einem mehrtägigen Volksfest am FuÃe des Fernsehturms gefeiert. 1997 In Berlin steht ein Sternmarsch des DGB zum 1. Mai unter dem Motto: "Es geht ums Ganze - Sozialstaat sichern". Vor dem Berliner Rathaus findet die AbschluÃkundgebung statt, an der etwa 5 000 Personen teilnehmen. Der ÃTV-Vorsitzende Herbert Mai wirft in seiner Rede der Bundesregierung angesichts vier Millionen Arbeitsloser Versagen vor. Die Arbeitgeber fordert er auf, mit den Gewerkschaften über Arbeitszeitverkürzungen zu verhandeln, um die Arbeit auf mehr Schultern verteilen zu können. Mai kritisiert auch den Berliner Senat. Die "Plattmache" von Stellen in der Verwaltung könne - so Mai - nicht die Lösung Berliner Probleme darstellen. 1998 Nach einem Sternmarsch versammeln sich vor dem Berliner Rathaus rund 8 000 Menschen zu einer gewerkschaftlichen Maikundgebung. Der DGB-Chef von Berlin-Brandenburg, Dieter Scholz, fordert ein entschiedenes Vorgehen gegen Rechtsextremismus. Die beste MaÃnahme zur Bekämpfung rechtsextremer Parteien sei eine vernünftige Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, so Scholz. Zudem spreche sich der DGB nachdrücklich für die doppelte Staatsbürgerschaft aus. Das Gebot der Stunde heiÃe Integration und nicht Ausgrenzung. 1999 Etwa 10 000 Menschen nehmen an der Maikundgebung des DGB vor dem Berliner Rathaus teil. Der IG-Medien-Bundesvorsitzende Detlef Hensche fordert als Hauptredner ein Ende der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien. "Hört auf mit diesen Luftangriffen, Bomben schaffen keinen Frieden und helfen keinem Flüchtling", sagt Hensche unter groÃem Beifall. 2000 Rund 10 000 Menschen nehmen vor dem Berliner Rathaus an der Maikundgebung des DGB unter dem Motto "Jetzt aufbrechen: Für mehr Beschäftigung" teil. In Berlin und den neuen Ländern herrsche Eiszeit, was Beschäftigung und Ausbildungschancen betreffe, sagt die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, Margret Mönig-Raane, in ihrer Rede. Fast 300 000 Arbeitslose und 11 000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz seien kein Ausweis für eine Metropole, sondern ein gesellschaftlicher Skandal. 2001 Etwa 18 000 Menschen beteiligen sich an einem Sternmarsch zum Berliner Rathaus, vor dem der DGB eine Kundgebung abhält. Die Berliner DGB-Kreisvorsitzende Ursula Schäfer spricht sich gegen pauschale Einschnitte bei der Sozialhilfe aus. Etwa 7 000 Menschen nehmen an einer Kundgebung der PDS auf dem Alexanderplatz teil. Starke Polizeikräfte schirmen einen NPD-Aufzug mit etwa 900 Teilnehmern in Hohenschönhausen ab. 2002 Am Abend des Maifeiertags kommt es in Berlin wieder zu schweren Krawallen. Randalierer entzünden in Kreuzberg Barrikaden, setzen Autos in Brand und liefern sich StraÃenschlachten mit der Polizei. Bereits in der Nacht zuvor gab es in Kreuzberg und Prenzlauer Berg Ausschreitungen. 2003 Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), die aus SFB und ORB hervorgegangene neue ARD-Anstalt, nimmt die Arbeit auf, Dagmar Reim tritt ihren Posten als erste Intendantin an. (Vgl. 24. März.) Für die Zuschauer und Hörer ändert sich zunächst nichts. Die acht Hörfunk- und die beiden TV-Programme werden weiter ausgestrahlt. Die TV-Programme bekommen lediglich neue Namen: Aus SFB 1 wird RBB Berlin, aus dem ORB-Fernsehen RBB Brandenburg. Eine Zusammenlegung zu einem neuen Dritten soll es im Laufe der nächsten Monate geben. In Kreuzberg kommt es am Abend zu heftigen Krawallen. Damit werden die Hoffnungen zerstört, die alljährlichen Gewaltausbrüche am 1. Mai könnten durch eine auf Deeskalation zielende Polizeitaktik und ein StraÃenfest abgewendet werden. 2005 Am diesjährigen Maifeiertag gibt es bedeutend weniger Ausschreitungen als in den Vorjahren. Das Polizeikonzept und das Engagement der Kreuzberger sind nach Ansicht von Innensenator Ehrhart Körting die Hauptgründe für den ruhigsten 1. Mai seit Jahren. 2008 An fünf Stationen in der Berliner Innenstadt kann ab jetzt täglich der von der Antenna Audio GmbH entwickelte Mauer-Guide ausgeliehen werden. Er ist Teil des vom Senat beschlossenen Mauer-Gedenkstättenkonzepts. Wahlweise auf Deutsch oder Englisch führt der GPS-gestützte Multimediastadtführer im Handyformat FuÃgänger bzw. Radfahrer zu den Schauplätzen der Berliner Mauer. Mit Hilfe neuester Technologie und authentischem Audio- und Videomaterial kann Geschichte vor Ort erlebt werden. 2009 Am Maifeiertag kommt es in Kreuzberg zu schweren Krawallen. Randalierer werfen Steine und Flaschen auf Polizisten, nachdem zuvor 30 000 Menschen friedlich das 'Myfest' gefeiert haben. Die traurige Bilanz: 440 verletzte Polizisten, fast 290 Festnahmen und 44 Haftbefehle, vier davon wegen versuchten Mordes. Innensenator Ehrhart Körting spricht von einer neuen Qualität der Gewalt. 2010 Am Maifeiertag gibt es deutlich weniger Ausschreitungen als im Vorjahr.
Ein Umzug von Rechtsextremen wird von Gegendemonstranten blockiert. Auch der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration, Günter Piening, und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse nehmen an einer Anti-Nazi- Sitzblockade auf der Bornholmer StraÃe in Prenzlauer Berg teil. 2011 Am Maifeiertag gibt es vereinzelt Krawall, doch im Vergleich zu früheren Jahren bleibt es weitgehend ruhig. »Das ist der friedlichste 1. Mai, den ich je erlebt habe«, sagt Innensenator Ehrhart Körting, der seit zehn Jahren im Amt ist. 2014 Im Alter von 80 Jahren stirbt in Berlin der Sportfunktionär Manfred von Richthofen, von 1985 bis 2000 Präsident des Landessportbunds Berlin und von 1994 bis 2006 Präsident des Deutschen Sportbunds. Er war maÃgeblich daran beteiligt, dass sich Deutscher Sportbund und Nationales Olympisches Komitee 2006 zusammenschlossen zum Deutschen Olympischen Sportbund, dessen Ehrenpräsident er dann wurde.
Am 16. Mai findet eine Trauerfeier in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche statt. Unter den Trauergästen sind Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sowie seine Amtsvorgänger Walter Momper und Eberhard Diepgen, die Olympiasieger Robert Harting und Robert Bartko sowie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
2019 Satire-Demonstrantinnen und -Demonstranten in Grunewald: Bis zu 4 500 Personen, so die Schätzung der Polizei, nehmen an einem als satirische Aktion bezeichneten Protestzug durch das Villenviertel teil, um für bezahlbaren Wohnraum zu demonstrieren. 2020 Ein siebenköpfiges Team der ZDF-Satiresendung »heute-show« wird nach Dreharbeiten bei der »Hygienedemo« am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte (siehe 28. März) auf dem Weg zu seinen Fahrzeugen von bis zu 25 Personen attackiert. Dunkel oder schwarz gekleidete sowie vermummte Angreifer treten und schlagen auf die Gruppe ein, zum Teil auch mit Metallstangen. Vier Teammitglieder werden verletzt. Kurz nach der Tat nimmt die Polizei sechs â mit Fahrrädern und einem Auto geflohene â Verdächtige, die der linken Szene zugeordnet werden, vorübergehend fest. 2021 Bei der sogenannten Revolutionären 1.-Mai-Demonstration â die Polizei geht anfangs von rund 5 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus und korrigiert die Zahl später auf 8 000, die Veranstalter geben die Teilnehmerzahl mit mehr als 20 000 an â kommt es in Neukölln zu Ausschreitungen, bei denen Dutzende Polizistinnen und Polizisten verletzt werden. Es gibt zahlreiche Festnahmen. 2022 Die Demonstrationen am Tag der Arbeit verlaufen laut Polizeiangaben ohne gröÃere Zwischenfälle. Die Rede, die die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey bei der Abschlusskundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) am Brandenburger Tor hält, muss sie abbrechen, als sie ausgebuht und aus dem Publikum mit Eiern beworfen wird.
2023 Beim traditionellen Maifeiertag zählen die Behörden rund 28.000 Teilnehmende bei 19 verschiedenen Versammlungen im Stadtgebiet, darunter Gewerkschaftskundgebungen am Brandenburger Tor sowie ein Familienumzug in Friedrichshain. Die Polizei verzeichnet
bei den zahlreichen Demonstrationen und StraÃenfesten am Tag der Arbeit wieder vergleichsweise wenig Gewalt â mit insgesamt nur 67 Festnahmen und keinen direkten Angriffen auf Einsatzkräfte. Damit gilt der 1. Mai 2023 als einer der friedlichsten in der jüngeren Berliner Geschichte.
2023 Im heutigen Finale gegen die SVG Lüneburg gewinnt das Team der BR Volleys mit einem 3:0 Sieg die Meisterschaft der Deutschen Volleyball-Bundesliga, nachdem es im Februar dieses Jahres bereits den DVV-Pokal erhalten hat.
Der FDGB sieht sich noch am Vorabend gezwungen, einen besonderen Aufruf zur Teilnahme an die Berliner Studenten zu erlassen, da vor allem die Studentenschaft der Berliner Universität sich weitgehend uninteressiert zeigt und auch die Ausschmückung, der StraÃenfront der Universität mit kommunistischen Spruchbändern und Fahnen verweigert. Die französische Militärregierung hatte in den letzten Apriltagen den Aushang von Mai-Plakaten des FDGB, die im Sinne der Forderungen der SED zur Einheit Deutschlands und der Gewerkschaften aufriefen, für ihren Sektor verboten.
Teile der Arbeiterschaft der Westsektoren feiern den 1. Mai unter der Leitung der SPD vor allem durch eine GroÃkundgebung in Spandau, auf der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr Einheit des Geistes, Gleichheit vor dem Recht und Brüderlichkeit fordert.
Vor etwa 150.000 Teilnehmern weist Ernst Scharnowski als Sprecher der UGO den Vorwurf der Spaltung zurück und betont, daà vielmehr derjenige der Spalter sei, der die aus Mitgliedsbeiträgen stammenden Einrichtungen der Arbeiter einer vom Ausland abhängigen kleinen Partei zur Verfügung stellt.
Als Vertreter der amerikanischen Gewerkschaftsorganisation AFL hebt Henry Rutz den kommunistischen Kurs des Weltgewerkschaftsbundes hervor.
Nach Horst Peschke (LDP) und Eduard Bernoth (CDU), der für die christlichen Gewerkschafter die Möglichkeit der freien Mitarbeit im FDGB fordert, bittet Franz Neumann (SPD) die freie Welt um Hilfe für den Existenzkampf Berlins, das nicht die Hauptstadt der sowjetischen Besatzungszone, sondern die deutsche Hauptstadt werden müsse.
Nach einem genau ausgearbeiteten Plan marschieren Demonstrationszüge, darunter geschlossene Belegschaften, die Polizei, geführt von Polizeipräsident Markgraf, sowie Schulkinder zum Lustgarten und ziehen an einer Tribüne vorbei, von der aus der dritte Vorsitzende des FDGB GroÃ-Berlin, Nikolaus Bernhard (SPD), spricht. Er sagt, daà 1945 wohl eine Gewerkschaft, aber leider wieder zwei politische Arbeiterparteien gegründet wurden (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 11.6.1945). Der zweite Vorsitzende, Hermann Schlimme (SED), sieht in der Bildung eines Weststaates die gröÃte Gefahr für den Frieden. Die sowjetisch lizenzierte Presse beziffert die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 700 000 Personen.
Am Nachmittag spricht der Landesvorsitzende der Berliner SPD, Franz Neumann, im Kasino am Funkturm zu SPD-Mitgliedern und Angehörigen der Jugendorganisation Die Falken aus dem sowjetischen Sektor, denen von den sowjetischen Bezirkskommandanturen eigene Maifeiern untersagt worden waren.
Vor Hunderttausenden von Berlinern aus allen vier Sektoren bekräftigen alle Redner das Recht der Berliner und aller Deutschen auf Freiheit, Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit. Es sprechen Ernst Scharnowski als Vorsitzender der UGO, Dr. Otto Suhr (SPD), Dr. Robert Tillmanns (CDU), Horst Peschke (FDP), die frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Maria Juchacz (SPD), sowie die Vertreter der amerikanischen, französischen und schwedischen Gewerkschaften, Henry Rutz, Joseph Walliser und Kurt Heinitz.
Während in den westlichen Sektoren die Menschen völlig freiwillig zur Maifeier zusammenkommen, werden die Arbeiter und Angestellten im sowjetischen Sektor gezwungen, in den Marschkolonnen ihrer Betriebe und Verwaltungen an einer mit Funktionären des FDGB und der SED besetzten Tribüne auf dem Lustgarten vorbeizuziehen. Unter Führung des Polizeipräsidenten Markgraf (SED) paradieren zum erstenmal auch bewaffnete Einheiten der sogenannten Volkspolizei (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, 1.5.1948).
Damit ist die Periode, in der auch ehemalige Sozialdemokraten, wie Max Nierich, in der Leitung des Zentralorgans der SED vertreten waren, beendet. Alle neuen leitenden Männer der Redaktion des "Neuen Deutschland" kamen über die Kommunistische Partei zur SED.
Der Zeitung ist unter der neuen Redaktion die Aufgabe gestellt, nach den Beschlüssen der SED-Parteikonferenz vom Januar 1949 die Entwicklung der SED zu einer "Partei neuen Typus" entscheidend zu beeinflussen.
Chefredakteur der "Berliner Zeitung" wird Gerhard Kegel (SED), der bereits eine leitende Stellung in der Redaktion hatte.
Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter fordert die freie Welt zu einer noch stärkeren Unterstützung Berlins auf. Der Westen müsse sich das Verlangen der Berliner zu eigen machen und unermüdlich die Freigabe der Sowjetzone fordern. - Den jüngsten Ãberfall sowjetischer Düsenjäger auf eine französische Verkehrsmaschine bezeichnet er als eine "Provokation ohnegleichen", die am besten durch einen verstärkten Flugverkehr nach Berlin zu beantworten wäre.
Im Anschluà an die Rede Piecks ziehen Hunderttausende aus den Ost-Berliner Betrieben über sechs Stunden lang an der Ehrentribüne auf dem Marx-Engels-Platz - über deren Mittelteil die Losung "1. Mai - Kampftag für Friedensvertrag gegen Generalkriegsvertrag" angebracht ist - vorbei; während des Vorbeimarsches treiben Angehörige der "volkseigenen" Ost-Berliner Güter Falkenberg und Buch auch eine ganze Schweineherde sowie die Spitzenkuh "Tulpe", die im vergangenen Jahr 6000 Liter Milch gegeben haben soll, über den Kundgebungsplatz. An der Spitze des Zuges marschieren 3000 Volkspolizisten und 1000 Seepolizisten.
Der Berliner DGB-Vorsitzende Scharnowski umreiÃt die sozialen Probleme der Arbeitnehmerschaft und ruft den Westen auf, durch die Vergabe zahlreicher Aufträge Berlin mehr zu unterstützen. Ziel der Gewerkschaften sei es, die Kaufkraft der Bevölkerung dem Wachstum der industriellen Produktion anzupassen.
Die Kundgebung endet mit der Ãbertragung von Ausschnitten aus der Rede Ernst Reuters auf der vorjährigen Mai-Kundgebung.
Danach ziehen Belegschaften der Ost-Berliner Betriebe fünf Stunden lang an der mit Staats- und Parteifunktionären besetzten Tribüne vorbei. Besondere Aufmerksamkeit erregen die uniformiert, aber unbewaffnet auftretenden SED-Betriebskampfgruppen, die in den letzten Monaten auf Weisung des ZK der SED in den Schwerpunktbetrieben aus linientreuen Parteimitgliedern als Werkschutz gebildet wurden. Der Vorbeimarsch schlieÃt mit Segelfliegerund Motorradgruppen der "Gesellschaft für Sport und Technik"; dagegen paradieren in diesem Jahr keine Einheiten der KVP.
Der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr erklärt, daà sich die Berliner nie mit der Koexistenz zweier deutscher "Zwillingsländer" abfinden würden, fordert den weiteren Ausbau Berlins zur Hauptstadt Deutschlands und begrüÃt die teilnehmenden Ost-Berliner als "heimliche Ehrenbürger" der Stadt.
Danach folgt ein fünfstündiger Vorbeimarsch von Betriebsbelegschaften, uniformierten, aber unbewaffneten Betriebskampfgruppen, mit Kleinkarabinern ausgerüsteten Gruppen der GST und einigen unbewaffneten Hundertschaften der KVP an der mit Partei- und Staatsfunktionären besetzten Ehrentribüne.
Nach Erörterung der auf den beiden letzten Synodaltagungen bereits diskutierten Reform der "PreuÃischen Agende von 1895" bittet die Synode die einzelnen Gliedkirchen, bis Ende 1956 die Erprobung der bisherigen Ãnderungsvorschläge fortzusetzen, damit 1957 ihre endgültige Verabschiedung erfolgen kann.
Die Synode billigt eine Erneuerung der "Lebensordnung" von 1930, die aber nur für die östlichen Gliedkirchen bestimmt ist, da die westlichen Gliedkirchen die Bestimmungen der "Lebensordnung" in ihrer rheinisch-westfälischen Kirchenordnung hatten und bei ihrer Erneuerung von vornherein dabei geblieben waren. Die Unterschiede betreffen vornehmlich die verschiedene Stellung der presbyterialen und synodalen Organe der Kirchen der Union in Ost- und Westdeutschland.
Angesichts dieser Lage fordert die Synode u. a.:
Wenn es mit der Wiedervereinigung ernst gemeint sei, dürfe keine deutsche Regierung MaÃnahmen treffen, ohne die Rückwirkung auf den anderen Volksteil zu bedenken. Besatzungsmächte, die ein halbes Land wie ein Faustpfand und ein halbes Volk wie Geiseln in der Hand halten, tun Unrecht, vor dessen Folgen die Kirche sie warnen müsse, denn sie habe erfahren, daà "Gott den nicht ungestraft läÃt, der Politik ohne Rücksicht auf das Seufzen der Menschen betreibt".
Die Synode bittet die Christen
in der DDR, ihre Hoffnungen nicht auf Menschen und Mächte zu setzen, Gottes Wort und Wahrheit auch und gerade dann zu glauben und zu bekennen, wenn ihre Wünsche und Erwartungen sich nicht erfüllen,
in der Bundesrepublik, die Brüder in der DDR nicht zu vergessen, keine Kontakte und Verhandlungen abzubrechen, die Verständnis und Erleichterungen schaffen könnten, sich bereitzuhalten, den Lebensstandard zu senken, wenn damit der Wiedervereinigung gedient werden kann, nicht zu meinen, das Evangelium nur für sich selbst zu haben, sondern den Pharisäismus zu überwinden.
Der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr fordert in seiner Ansprache eine neue deutsche Initiative zur Wiedervereinigung, wobei die Alliierten nicht aus ihrer Verpflichtung entlassen werden dürften, zusammenzufügen, was ihre Politik geteilt habe.
Die Berliner Vorsitzenden des DGB und der DAG, Scharnowski und Aufhäuser, setzen sich für die Einführung der 40-Stunden-Woche und die Schaffung von 100 000 neuen Arbeitsplätzen in Berlin ein. Aufhäuser verlangt die Absetzung des 1. SED-Sekretärs Ulbricht, denn bei der Entstalinisierung genüge es nicht, "die Denkmäler des groÃen Zugführers in Moskau zu zertrümmern, wenn der Weichensteller in Pankow nicht ausgewechselt wird".
Der Berliner CDU-Vorsitzende Lemmer kritisiert in seiner Rede die von Angehörigen der sozialistischen Jugendorganisation "Die Falken" mitgebrachten Transparente mit Losungen wie "Nicht Ulbricht oder Adenauer - die deutsche Freiheit" oder "Adenauer befiehl - wir folgen Dir nicht". Denn einen Mann wie Bundeskanzler Dr. Adenauer in einem Satz mit Ulbricht zu nennen, bedeute schlichtweg eine "politische Taktlosigkeit".
Dem Vorbeimarsch der bewaffneten Einheiten, darunter auch Panzerspäh- und Schützenpanzerwagen, folgen Betriebskampfgruppen und mehrere tausend uniformierter Jugendlicher der GST, schlieÃlich die Belegschaften mehrerer Betriebe, die teilweise die Bilder von Marx und Engels und mehrerer Mitglieder des SED-Politbüros vorbeitragen.
Die Maiansprache vor den Kundgebungsteilnehmern hält der FDGB-Vorsitzende Warnke.
Als die wichtigsten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen des DGB nennt Richter die Einführung der 5-Tage-Woche mit 40stündiger Arbeitszeit, die Steigerung des Realeinkommens aller Arbeitnehmer, den Kampf gegen überhöhte Preise, eine gerechte Verteilung des Sozialprodukts und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch für die Arbeiter, denn es sei unverständlich, daà die Arbeiter in der Bundesrepublik immer noch als "Menschen zweiter Klasse" behandelt würden, indem man ihnen die Lohnzahlung bei Krankheit verweigere.
Der frühere Reichstagspräsident und Vorsitzende des Kuratoriums "Unteilbares Deutschland", Lobe, ruft ebenfalls die Mächtigen dieser Welt auf, zwölf Jahre nach Kriegsende den Deutschen das Selbstbestimmungsrecht einzuräumen. "Wir erheben diesen Ruf für die Millionen, die durch eine willkürliche Grenze von uns getrennt sind, aber auch im Namen des allgemeinen Menschenrechts."
Die Mai-Ansprache hält der FDGB-Vorsitzende Warnke, der gegen die "Verwandlung Westdeutschlands in ein Atomglacis flammenden Protest" erhebt und die Aktionseinheit der Arbeiterklasse fordert, die in ihrem Kampf gegen das Monopolkapital und den Militarismus ein wiedervereinigtes Deutschland entstehen lassen werde, das dann ein Land des Friedens, des sozialen Fortschritts und der Demokratie darstelle.
Der Regierende Bürgermeister Brandt erklärt bei der BegrüÃung der Kundgebungsteilnehmer, daà es für ihn mehr als ein Akt der Höflichkeit sei, wenn er hier spreche. Gerade an diesem Tage liege ihm daran, seiner Verbundenheit mit den Männern und Frauen aus den Fabriken und Büros Ausdruck zu verleihen. Er habe als Bürgermeister zwar für das ganze Berlin zu sprechen und er sei sich dieser Verpflichtung auch durchaus bewuÃt, doch niemals und nirgends werde er verleugnen, daà er aus der Arbeiterbewegung hervorging und sein Platz deshalb am 1. Mai an der Seite derer sei, die sich zu den Losungen des Friedens, der Freiheit und des Fortschritts bekennen.
Brandt verweist auf die Wandlung des Charakters des 1. Mai in Berlin. Während einiger Jahre hätten die Umstände erfordert, daà sich die Bevölkerung zu den groÃen Freiheitskundgebungen zusammenfand. Dabei vertritt er die Meinung, daà damals der "Maigedanke" nicht verwässert wurde. "Erinnert Ihr Euch noch der Stimme Ernst Reuters! Ich finde, wir sollten uns voller Stolz zu den Erlebnissen und den Erfahrungen jener Jahre bekennen. Und wir sollten immer wieder daran denken, daà es die einfachen Menschen dieser Stadt waren, die sich selbst und uns alle vor dem bewahrt haben, was wir damals nicht wollten und was wir heute - angesichts der Militäraufmärsche jenseits des Brandenburger Tores - erst recht nicht wollen."
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wiederholt Brandt seine Auffassung zur Frage einer atomaren Aufrüstung und appelliert - unter Zitierung der EntschlieÃung der Synode der EKD vom Vortage, deren Beratungen er zeitweilig beiwohnte - an die Weltmächte, endlich die Abrüstung in Angriff zu nehmen und die Atombombenversuche einzustellen.
In den Reden der Berliner Vorsitzenden von DGB und DAG, Scharnowski und Aufhäuser, steht ebenfalls das Problem der Atombewaffnung im Mittelpunkt.
Die Fachvereinigung Güterfernverkehr Berlin teilt dazu auf einer Pressekonferenz mit, daà Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm es abgelehnt habe, der von Verkehrssenator Theuner vorgetragenen und von der Berliner IHK, dem Bundesverband der Deutschen Industrie und dem Deutschen Industrie- und Handelstag unterstützten Bitte zu entsprechen, daà die 20-Tonnen-Klasse im Berlin-Verkehr auch für Lastwagen gelten solle.
Auf ihrer konstituierenden Sitzung wählt diese Synode anstelle des nicht mehr kandidierenden, seit 1946 im Amt befindlichen Wilhelm Moeller, der zum Ehrenpräses ernannt wird, Superintendent Fritz Figur (Köpenick) zu ihrem neuen Präses und den Maschinenschlosser Gerhard Burkhardt (WeiÃensee) sowie Kammergerichtsrat Hans Altmann zu Vizepräsidenten.
In die neu zu bildende Kirchenleitung, der gemäà der Grundordnung zehn ständige Mitglieder angehören - Bischof Dibelius, der Präses der Provinzialsynode Figur, die Generalsuperintendenten Pack (Berlin), Führ (Berlin), Jacob (Cottbus) und Braun (Potsdam), Propst Böhm (Berlin), Präses Scharf (Berlin), Konsistorialpräsident Andler (Berlin), Moderator Pfarrer Langhoff (Brandenburg) - beruft die Synode noch Propst Grüber (Berlin), die Superintendenten Gürtler (Storkow), Krahnert (Berlin) und Ringhandt (Seelow), Kammergerichtsrat Altmann (Berlin), Pfarrvikarin Becker (Berlin), Dipl.-Biologe Crome (Berlin), Bankdirektor Suchan (Berlin) und Geschäftsführer Vogler (Zossen). - Nach Abschluà der Synode wird die neue Kirchenleitung von Bischof Dibelius in einem Fürbittegottesdienst in der Marienkirche in ihr Amt eingeführt.
Im Mittelpunkt der öffentlichen und nichtöffentlichen Debatten steht ein Antrag der Kirchenleitung auf Erlaà eines Kirchengesetzes über die Einsetzung "einstweiliger regionaler Synoden" im Falle einer Spaltung des Kirchengebietes durch politische MaÃnahmen.
Als Berichterstatter-des Ordnungsausschusses unterstreicht der Theologe Prof. Vogel den Willen der Synode zur Einheit des zerrissenen Vaterlandes und zur Einheit der Kirche. Synode und Kirchenleitung hätten aber die Frage nach dieser Praktizierung dieser Einheit in ihrem ÃuÃeren etwa zeitweilig nicht durchführbar sein könnte. Dies dürfe aber nicht so verstanden werden, als ob die Gremien eine derartige Trennung schon "in einer düsteren Prognose antizipierten". Die Kirche lasse es sich nicht nehmen, so lange Gottes Gnade ihr dazu Zeit gebe, darauf zu hoffen, daà "das Unmenschliche und das im politischen Sinne Wahnsinnige nicht geschieht, nämlich die weitere Trennung und die weitere ZerreiÃung". Gegenüber dem vorgelegten Gesetzentwurf stellt die Synode fest, daà sie
In einer mit 145 gegen 65 Stimmen angenommenen EntschlieÃung dankt die Synode der EKU für ihr Notwort. Angesichts der Verhandlungen zwischen den Regierungen, "die für unser gespaltenes Volk und den gefährdeten Weltfrieden von unabsehbarer Tragweite sind", bittet die Synode die Staatsmänner bei ihren Beratungen und politischen Lösungen "jene Menschenrechte nicht zu vergessen, die Gottes Gnade ... allen Menschen gönnt". Beide deutsche Regierungen bittet sie nochmals, auf jede atomare Rüstung zu verzichten. Mit "letztem Ernst" weist sie darauf hin, daà ein Friedensvertrag, der nicht die uneingeschränkte Kommunikation aller Deutschen innerhalb der gegenwärtigen Grenzen des Landes sicherstellt, keinen Frieden bringen könne. Alle Gläubigen ruft die Synode auf nicht nur in Gottesdiensten, sondern auch "jeder in seiner Kammer" für den Frieden der Welt und die Heilung des Risses, "der durch unser Volk geht" zu beten.
Sie wird eröffnet vom Berliner DGB-Vorsitzenden Scharnowski, der eine Reihe von Ehrengästen begrüÃt, darunter Bundesvertriebenenminister Oberländer und die Vorsitzenden von DGB und DAG, Richter und Rettig.
Der stellv. Vorsitzende des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL/CIO und Vizepräsident des IBFG, Walter P. Reuther, der nach sechs Jahren erstmals wieder in Berlin weilt, versichert der Berliner Arbeitnehmerschaft, daà sie der Solidarität von 16 Millionen amerikanischer Gewerkschafter gewià sein könne.
Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und Berliner CDU-Vorsitzende Lemmer appelliert an die Politiker der demokratischen Parteien, in unerschütterlicher Kameradschaft zusammenzustehen, denn sie hätten kein Recht, in Parteipolitik zu machen, "solange die Existenz unserer Freiheit in Gefahr ist". Nachdrücklich betont Lemmer den Gegensatz zwischen dieser Kundgebung vor dem Reichstag, wo die Menschen freiwillig zusammenströmten, und jener auf dem Marx-Engels-Platz, wo sie hinter Panzern und Kanonen hermarschieren müÃten. Dennoch: "Wir vertrauen ihnen, daà wir eines Geistes und eines Sinnes sind"; auch "die DDR des Herrn Ulbricht" gehöre zu Deutschland. Die Welt sehe an diesem 70. Jahrestag der Mai-Feiern, daà die Berliner wüÃten, was ihnen die Geschichte auferlegt habe. Ihre "groÃartige Haltung" auf dieser Kundgebung zeige, daà sie keinen Haufen von Rabauken darstellten, sondern Menschen seien, die nach den Grundsätzen der Sitte, des Rechts und der Freiheit behandelt werden wollten.
Als SchluÃredner richtet der Regierende Bürgermeister Brandt einen "besonderen GruÃ" an die Mitbürger im Ostsektor und die Landsleute in der "Zone" denen er versichert: "Unser Denken kreist jeden Tag um das ganze Berlin und das ganze Deutschland. Auch dort, wo wir es nicht an die groÃe Glocke hängen können, sprechen wir mit für die Millionen unserer Landsleute, die zum Schweigen verurteilt sind. Von dieser Verantwortung werden wir uns nicht abbringen lassen - durch niemanden und durch keine Macht dieser Welt." Die Berliner forderten, stellvertretend für alle Deutschen in Ost und West, das Recht auf Selbstbestimmung und das Ende der brutalen und auf die Dauer unerträglichen Einmischungen in ihre Angelegenheiten, wie man sie von Berlin aus jeden Tag beobachten könne.
In Ost-Berlin wird die vor allem unter dem Motto "Für eine entmilitarisierte Freie Stadt West-Berlin" stehende Demonstration mit einer Parade von Truppenteilen der NVA eröffnet. Nach Ansprachen des Berliner FDGB-Vorsitzenden Neukrantz, des 1. Sekretärs der Berliner SED-Bezirksleitung, Verner, und des Generalsekretärs des kommunistisch orientierten Weltgewerkschaftsbundes, Louis Saillant, die alle drei die Verwirklichung der Ziele der Sowjetunion und der DDR in der Deutschland- und Berlin-Politik fordern, ziehen rund 250 000 Werktätige aus Ost-Berliner Betrieben, dazwischen Hundertschaften der SED-Betriebskampfgruppen, an der Ehrentribüne vorbei.
Nach mehrjährigen Vorbereitungsarbeiten - u. a. Legung eines kostspieligen Trägerfrequenzkabels, vom Fernmeldeamt in der Schöneberger WinterfeldtstraÃe zum Fernmeldeturm Schäferberg in Wannsee, Umstellung von rund 100 000 Hebdrehwählern in 35 Vermittlungsstellen und Aufbau einer Gegenfunkstelle Torfhaus im Harz -, die etwa 18,5 Mill. DM kosteten, wird der Selbstwähl-Fernsprechverkehr zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik aufgenommen, vorerst allerdings nur mit dem Bereich des Zentralamtes Düsseldorf.
Im Anschluà an das bereits am Vormittag des 30. April geführte erste derartige Gespräch mit Oberpostdirektor Weber vom Zentralamt Düsseldorf (dazu gehören die Ortsnetze in den Hauptamtsbereichen Aachen, Dortmund, Koblenz, Köln, Meschede, Münster, Siegen und Wesel) unterstreicht Vizepräsident Reisch von der Landespostdirektion Berlin vor der Presse noch einmal die absolute Notwendigkeit der Einführung des Selbstwähl-Fernsprechdienstes angesichts der Tatsache, daà die Zahl der Ferngespräche jährlich um etwa 25 % stieg - allein am Vortag, dem 29. April, seien von Berlin aus mit dem Amtsbereich Düsseldorf über die alte Handvermittlung 2723 Gespräche geführt worden - und den Mitarbeitern in den Fernmeldeämtern derartige Belastungen nicht mehr zugemutet werden können.
Noch in diesem Jahr folgt von Berlin aus die Aufnahme der Verbindungen im Selbstwähl-Fernsprechdienst mit nachstehenden Zentralamtsbereichen: Hamburg (dazu gehören die Amtsnetze von Flensburg, Kiel, Lübeck, Bremen und Leer) am 9. August; Frankfurt am Main (dazu gehören weite Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz sowie das ganze Saarland) am 27. September, zugleich kann man von diesem Tage an von Berlin aus Teilnehmer im GroÃherzogtum Luxemburg anwählen; Stuttgart (dazu gehört der gröÃte Teil Baden-Württembergs) am 8. November; München (dazu gehört etwa das Gebiet Bayern südlich der Donau) am 21. November.
Im Haus am Lützowplatz wird vom Kunstamt des Bezirks Tiergarten unter dem Titel "Berliner Aspekte" eine Ausstellung mit Bildern und Graphiken von elf zeitgenössischen Künstlern - August Wilhelm Dressler, Otto Eglau, Werner Heldt, Carl Heinz Kliemann, Hans Kossatz, Rudolf Kügler, Heide Luft, Hans Wolfgang Schulz, Hörst Strempel, Reimar Venske, Gustav Wunderwald - eröffnet, die Berlin zum Thema haben.
Sie wird eröffnet vom Berliner DGB-Vorsitzenden Scharnowski, der eine Reihe von Ehrengästen begrüÃt, darunter Bundesvertriebenenminister Oberländer und die Vorsitzenden von DGB und DAG, Richter und Rettig.
Der stellv. Vorsitzende des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL/CIO und Vizepräsident des IBFG, Walter P. Reuther, der nach sechs Jahren erstmals wieder in Berlin weilt, versichert der Berliner Arbeitnehmerschaft, daà sie der Solidarität von 16 Millionen amerikanischer Gewerkschafter gewià sein könne.
Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und Berliner CDU-Vorsitzende Lemmer appelliert an die Politiker der demokratischen Parteien, in unerschütterlicher Kameradschaft zusammenzustehen, denn sie hätten kein Recht, in Parteipolitik zu machen, "solange die Existenz unserer Freiheit in Gefahr ist". Nachdrücklich betont Lemmer den Gegensatz zwischen dieser Kundgebung vor dem Reichstag, wo die Menschen freiwillig zusammenströmten, und jener auf dem Marx-Engels-Platz, wo sie hinter Panzern und Kanonen hermarschieren müÃten. Dennoch: "Wir vertrauen ihnen, daà wir eines Geistes und eines Sinnes sind"; auch "die DDR des Herrn Ulbricht" gehöre zu Deutschland. Die Welt sehe an diesem 70. Jahrestag der Mai-Feiern, daà die Berliner wüÃten, was ihnen die Geschichte auferlegt habe. Ihre "groÃartige Haltung" auf dieser Kundgebung zeige, daà sie keinen Haufen von Rabauken darstellten, sondern Menschen seien, die nach den Grundsätzen der Sitte, des Rechts und der Freiheit behandelt werden wollten.
Als SchluÃredner richtet der Regierende Bürgermeister Brandt einen "besonderen GruÃ" an die Mitbürger im Ostsektor und die Landsleute in der "Zone" denen er versichert: "Unser Denken kreist jeden Tag um das ganze Berlin und das ganze Deutschland. Auch dort, wo wir es nicht an die groÃe Glocke hängen können, sprechen wir mit für die Millionen unserer Landsleute, die zum Schweigen verurteilt sind. Von dieser Verantwortung werden wir uns nicht abbringen lassen - durch niemanden und durch keine Macht dieser Welt." Die Berliner forderten, stellvertretend für alle Deutschen in Ost und West, das Recht auf Selbstbestimmung und das Ende der brutalen und auf die Dauer unerträglichen Einmischungen in ihre Angelegenheiten, wie man sie von Berlin aus jeden Tag beobachten könne.
In Ost-Berlin wird die vor allem unter dem Motto "Für eine entmilitarisierte Freie Stadt West-Berlin" stehende Demonstration mit einer Parade von Truppenteilen der NVA eröffnet. Nach Ansprachen des Berliner FDGB-Vorsitzenden Neukrantz, des 1. Sekretärs der Berliner SED-Bezirksleitung, Verner, und des Generalsekretärs des kommunistisch orientierten Weltgewerkschaftsbundes, Louis Saillant, die alle drei die Verwirklichung der Ziele der Sowjetunion und der DDR in der Deutschland- und Berlin-Politik fordern, ziehen rund 250 000 Werktätige aus Ost-Berliner Betrieben, dazwischen Hundertschaften der SED-Betriebskampfgruppen, an der Ehrentribüne vorbei.
Nach mehrjährigen Vorbereitungsarbeiten - u. a. Legung eines kostspieligen Trägerfrequenzkabels, vom Fernmeldeamt in der Schöneberger WinterfeldtstraÃe zum Fernmeldeturm Schäferberg in Wannsee, Umstellung von rund 100 000 Hebdrehwählern in 35 Vermittlungsstellen und Aufbau einer Gegenfunkstelle Torfhaus im Harz -, die etwa 18,5 Mill. DM kosteten, wird der Selbstwähl-Fernsprechverkehr zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik aufgenommen, vorerst allerdings nur mit dem Bereich des Zentralamtes Düsseldorf.
Im Anschluà an das bereits am Vormittag des 30. April geführte erste derartige Gespräch mit Oberpostdirektor Weber vom Zentralamt Düsseldorf (dazu gehören die Ortsnetze in den Hauptamtsbereichen Aachen, Dortmund, Koblenz, Köln, Meschede, Münster, Siegen und Wesel) unterstreicht Vizepräsident Reisch von der Landespostdirektion Berlin vor der Presse noch einmal die absolute Notwendigkeit der Einführung des Selbstwähl-Fernsprechdienstes angesichts der Tatsache, daà die Zahl der Ferngespräche jährlich um etwa 25 % stieg - allein am Vortag, dem 29. April, seien von Berlin aus mit dem Amtsbereich Düsseldorf über die alte Handvermittlung 2723 Gespräche geführt worden - und den Mitarbeitern in den Fernmeldeämtern derartige Belastungen nicht mehr zugemutet werden können.
Noch in diesem Jahr folgt von Berlin aus die Aufnahme der Verbindungen im Selbstwähl-Fernsprechdienst mit nachstehenden Zentralamtsbereichen: Hamburg (dazu gehören die Amtsnetze von Flensburg, Kiel, Lübeck, Bremen und Leer) am 9. August; Frankfurt am Main (dazu gehören weite Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz sowie das ganze Saarland) am 27. September, zugleich kann man von diesem Tage an von Berlin aus Teilnehmer im GroÃherzogtum Luxemburg anwählen; Stuttgart (dazu gehört der gröÃte Teil Baden-Württembergs) am 8. November; München (dazu gehört etwa das Gebiet Bayern südlich der Donau) am 21. November.
Im Haus am Lützowplatz wird vom Kunstamt des Bezirks Tiergarten unter dem Titel "Berliner Aspekte" eine Ausstellung mit Bildern und Graphiken von elf zeitgenössischen Künstlern - August Wilhelm Dressler, Otto Eglau, Werner Heldt, Carl Heinz Kliemann, Hans Kossatz, Rudolf Kügler, Heide Luft, Hans Wolfgang Schulz, Hörst Strempel, Reimar Venske, Gustav Wunderwald - eröffnet, die Berlin zum Thema haben.
Auf ihrer konstituierenden Sitzung wählt diese Synode anstelle des nicht mehr kandidierenden, seit 1946 im Amt befindlichen Wilhelm Moeller, der zum Ehrenpräses ernannt wird, Superintendent Fritz Figur (Köpenick) zu ihrem neuen Präses und den Maschinenschlosser Gerhard Burkhardt (WeiÃensee) sowie Kammergerichtsrat Hans Altmann zu Vizepräsidenten.
In die neu zu bildende Kirchenleitung, der gemäà der Grundordnung zehn ständige Mitglieder angehören - Bischof Dibelius, der Präses der Provinzialsynode Figur, die Generalsuperintendenten Pack (Berlin), Führ (Berlin), Jacob (Cottbus) und Braun (Potsdam), Propst Böhm (Berlin), Präses Scharf (Berlin), Konsistorialpräsident Andler (Berlin), Moderator Pfarrer Langhoff (Brandenburg) - beruft die Synode noch Propst Grüber (Berlin), die Superintendenten Gürtler (Storkow), Krahnert (Berlin) und Ringhandt (Seelow), Kammergerichtsrat Altmann (Berlin), Pfarrvikarin Becker (Berlin), Dipl.-Biologe Crome (Berlin), Bankdirektor Suchan (Berlin) und Geschäftsführer Vogler (Zossen). - Nach Abschluà der Synode wird die neue Kirchenleitung von Bischof Dibelius in einem Fürbittegottesdienst in der Marienkirche in ihr Amt eingeführt.
Im Mittelpunkt der öffentlichen und nichtöffentlichen Debatten steht ein Antrag der Kirchenleitung auf Erlaà eines Kirchengesetzes über die Einsetzung "einstweiliger regionaler Synoden" im Falle einer Spaltung des Kirchengebietes durch politische MaÃnahmen.
Als Berichterstatter-des Ordnungsausschusses unterstreicht der Theologe Prof. Vogel den Willen der Synode zur Einheit des zerrissenen Vaterlandes und zur Einheit der Kirche. Synode und Kirchenleitung hätten aber die Frage nach dieser Praktizierung dieser Einheit in ihrem ÃuÃeren etwa zeitweilig nicht durchführbar sein könnte. Dies dürfe aber nicht so verstanden werden, als ob die Gremien eine derartige Trennung schon "in einer düsteren Prognose antizipierten". Die Kirche lasse es sich nicht nehmen, so lange Gottes Gnade ihr dazu Zeit gebe, darauf zu hoffen, daà "das Unmenschliche und das im politischen Sinne Wahnsinnige nicht geschieht, nämlich die weitere Trennung und die weitere ZerreiÃung". Gegenüber dem vorgelegten Gesetzentwurf stellt die Synode fest, daà sie
In einer mit 145 gegen 65 Stimmen angenommenen EntschlieÃung dankt die Synode der EKU für ihr Notwort. Angesichts der Verhandlungen zwischen den Regierungen, "die für unser gespaltenes Volk und den gefährdeten Weltfrieden von unabsehbarer Tragweite sind", bittet die Synode die Staatsmänner bei ihren Beratungen und politischen Lösungen "jene Menschenrechte nicht zu vergessen, die Gottes Gnade ... allen Menschen gönnt". Beide deutsche Regierungen bittet sie nochmals, auf jede atomare Rüstung zu verzichten. Mit "letztem Ernst" weist sie darauf hin, daà ein Friedensvertrag, der nicht die uneingeschränkte Kommunikation aller Deutschen innerhalb der gegenwärtigen Grenzen des Landes sicherstellt, keinen Frieden bringen könne. Alle Gläubigen ruft die Synode auf nicht nur in Gottesdiensten, sondern auch "jeder in seiner Kammer" für den Frieden der Welt und die Heilung des Risses, "der durch unser Volk geht" zu beten.
Die Welt schaue in diesem Augenblick auf zwei Manifestationen in den Mauern der Stadt: hier die groÃartige Kundgebung freiheitsliebender Menschen drüben der Marschtritt befohlener Kolonnen. Nicht "wir" seien es, die mit Säbeln rasseln und den Frieden bedrohen. "Wir wollen nichts als unser Recht. Aber dafür stehen wir auch bis zum Letzten ein... Wir wollen, daà die Rechte und Pflichten der Kontrollmächte gewahrt bleiben, bis die Einheit Deutschlands wiederhergestellt ist. Wir wollen nicht, daà unsere Stadt noch weiter gespalten und aus der Sektorengrenze eine Staatsgrenze gemacht wird. Die Berliner fordern, daà die engen Verbindungen mit dem freien Teil Deutschlands erhalten und ausgebaut werden. Wir wollen ein Bundesland besonderer Art bleiben und nicht ein dritter Zwergstaat auf deutschem Boden werden. Wir fordern freie Verkehrslinien zwischen der Bundesrepublik und Berlin. Wir sind bereit, jede Ãbereinkunft der Mächte zu unterstützen, durch die ihre Rechte bestätigt werden und unsere Rechte gewahrt bleiben. Wir wären froh, wenn Berlin nicht mehr als Exerzierplatz für Drohungen und Erpressungen miÃbraucht würde ... Unsere Stadt sollte als Prüfstein der vielzitierten Entspannung betrachtet werden, ... [wo] man die Ehrlichkeit von GroÃmacht-Vorschlägen ablesen kann: Berlin bleibt ein Lügendetektor der internationalen Politik."
Die Kommandanten bedauern die militaristische Veranstaltung im Sowjetsektor, "die mit dem Viermächte-Status Berlins unvereinbar ist, eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung darstellt und sich nicht mit wiederholt von der Regierung der UdSSR geäuÃerten Wunsch nach einer Minderung der Spannungen verträgt".
Die Welt schaue in diesem Augenblick auf zwei Manifestationen in den Mauern der Stadt: hier die groÃartige Kundgebung freiheitsliebender Menschen drüben der Marschtritt befohlener Kolonnen. Nicht "wir" seien es, die mit Säbeln rasseln und den Frieden bedrohen. "Wir wollen nichts als unser Recht. Aber dafür stehen wir auch bis zum Letzten ein... Wir wollen, daà die Rechte und Pflichten der Kontrollmächte gewahrt bleiben, bis die Einheit Deutschlands wiederhergestellt ist. Wir wollen nicht, daà unsere Stadt noch weiter gespalten und aus der Sektorengrenze eine Staatsgrenze gemacht wird. Die Berliner fordern, daà die engen Verbindungen mit dem freien Teil Deutschlands erhalten und ausgebaut werden. Wir wollen ein Bundesland besonderer Art bleiben und nicht ein dritter Zwergstaat auf deutschem Boden werden. Wir fordern freie Verkehrslinien zwischen der Bundesrepublik und Berlin. Wir sind bereit, jede Ãbereinkunft der Mächte zu unterstützen, durch die ihre Rechte bestätigt werden und unsere Rechte gewahrt bleiben. Wir wären froh, wenn Berlin nicht mehr als Exerzierplatz für Drohungen und Erpressungen miÃbraucht würde ... Unsere Stadt sollte als Prüfstein der vielzitierten Entspannung betrachtet werden, ... [wo] man die Ehrlichkeit von GroÃmacht-Vorschlägen ablesen kann: Berlin bleibt ein Lügendetektor der internationalen Politik."
Die Kommandanten bedauern die militaristische Veranstaltung im Sowjetsektor, "die mit dem Viermächte-Status Berlins unvereinbar ist, eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung darstellt und sich nicht mit wiederholt von der Regierung der UdSSR geäuÃerten Wunsch nach einer Minderung der Spannungen verträgt".
Die Maidemonstration in Ost-Berlin steht im Zeichen des bevorstehenden 20. Jahrestags der DDR. Ãber 300 000 Menschen ziehen über den Marx-Engels-Platz. Eingeleitet wird die Demonstration mit einer Militärparade. Die Festansprache hält das SED-Politbüromitglied Gerhard Grüneberg.
Die westlichen Stadtkommandanten verurteilen die Ost-Berliner Militärparade als Verletzung des entmilitarisierten Status von Berlin.
Etwa 6 000 bis 7 000 Jugendliche marschieren unter roten Fahnen und Marx-, Lenin-, Liebknecht-, Luxemburg- und Mao-Bildern im Demonstrationszug der APO von Berlin-Moabit nach Berlin-Wedding. Veranstalter sind der SDS, der AStA der FU, der AStA der TU, der Vorstand des "Republikanischen Clubs" und die "Falken".
Etwa 3 000 Personen beteiligen sich am Demonstrationszug der SEW vom Karl-Marx-Platz in Berlin-Neukölln zum Hohenstaufenplatz in Berlin-Kreuzberg (Losungen: "Der Feind steht rechts - darum Aktionseinheit!" und "Zeit nicht verpennen - DDR anerkennen!").
Bundesverkehrsminister Georg Leber betont in seiner Ansprache die Bereitschaft und Entschlossenheit der Bundesregierung zu einer Verständigung mit den östlichen Nachbarn und der DDR. Der Berliner DGB-Vorsitzende Walter Sickert befürwortet Gespräche zwischen den Gewerkschaften in beiden Teilen Deutschlands. Dabei verurteilt er die Versuche der DDR, die West-Berliner Gewerkschaften von den Gewerkschaften des Bundesgebiets zu trennen. Für Gespräche mit dem Osten lieÃen sich die Gewerkschaften weder Reisewege vorschreiben noch würden sie ein Herausbrechen Berlins aus der Gemeinschaft mit der Bundesrepublik dulden. (Vgl. 3. April, 7. April.) Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz betont in seinem GruÃwort die Bereitschaft des Senats zur Schaffung praktischer Regelungen zwischen Ost- und West-Berlin.
6?500 Anhänger linksgerichteter Gruppen ziehen in einer Maidemonstration unter roten Fahnen, Spruchbändern und Bildern von Karl Marx, Wladimir I. Lenin und Ernst Thälmann durch die West-Berliner Bezirke Neukölln und Kreuzberg. In Sprechchören und auf Plakaten wird unter anderem gefordert: "Die Macht im Staat dem Proletarier" und "Gleicher Lohn für Männer und Frauen". Die AbschluÃkundgebung findet auf dem Hohenstauffenplatz in Kreuzberg statt.
In Ost-Berlin wird die Maifeier mit einer Parade der Nationalen Volksarmee auf dem Marx-Engels-Platz (Berlin-Mitte) eröffnet. 25 Minuten lang ziehen marschierende und motorisierte Einheiten an der Ehrentribüne vorbei. AnschlieÃend defilieren 300?000 Menschen an den Repräsentanten der Partei- und Staatsführung vorüber. Das SED-Politbüromitglied Kurt Hager hält die Festansprache.
Die drei westalliierten Stadtkommandanten verurteilen die Ost-Berliner Militärparade als Verletzung des entmilitarisierten Status von Berlin. In einer der Presse übergebenen Erklärung heiÃt es: "Die Alliierten bedauern, daà die sowjetischen Behörden in Verletzung von Viermächte-Abkommen derartige militärische Schaustellungen gestattet haben, besonders zu einer Zeit, da Bemühungen im Gange sind, die Spannungen in und um Berlin zu vermindern."
Die DAG hält eine Maifeier im Theater der Freien Volksbühne in Berlin Wilmersdorf ab. Der DAG Vorsitzende Hermann Brandt betont, seine Gewerkschaft wolle die Gesellschaft nicht zerstören, sondern reformieren.
In West Berlin finden zwei Maiumzüge statt, die von linksgerichteten Gruppen veranstaltet werden. Ãber 15 000 Personen nehmen nach Schätzungen der Polizei an einer Demonstration mit Start im Bezirk Neukölln und Ziel am Hohenstaufenplatz im Bezirk Kreuzberg teil, zu der die SEW und ein "Gewerkschaftliches Mai Komitee" aufgerufen hatten. Etwa 5 000 Teilnehmer werden von der Polizei bei der zweiten Demonstration gezählt, die von der TurmstraÃe im Bezirk Tiergarten zum Leopoldplatz im Bezirk Wedding führt und zu der die "KPD Aufbauorganisation", die KPD/ML sowie Schüler und Studentengruppen aufgerufen hatten.
In Ost Berlin findet auf dem Marx Engels Platz (Berlin Mitte) eine Parade von Einheiten der Nationalen Volksarmee statt. AnschlieÃend ziehen mehr als 250 000 Menschen fast vier Stunden lang an der Ehrentribüne mit den Repräsentanten der Partei und Staatsführung vorbei. Die Festansprache hält das SED Politbüromitglied und Vorsitzender des Bundesvorstands des FDGB, Herbert Warnke.
Die drei westalliierten Stadtkommandanten protestieren gegen die Ost Berliner Militärparade. Sie "verurteilen diese Verletzung von Vier Mächte Abkommen über den entmilitarisierten Status der Stadt, die die sowjetischen Behörden besonders zu einem Zeitpunkt gestattet haben, da man sich bemüht, Vereinbarungen über Verbesserungen in und um Berlin zu treffen".
Vertreter der Einzelgewerkschaften fordern im Sportpalast uneingeschränkte Mitbestimmung der arbeitenden Menschen im Produktionsprozeà und völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau.
Etwa 17 500 Personen beteiligen sich in West-Berlin an einer Demonstration, zu der das sogenannte Mai-Komitee 1972 aufgerufen hat. Der Zug führt vom Karl-Marx-Platz in Berlin-Neukölln zum Hohenstaufenplatz in Berlin-Kreuzberg. Auf Transparenten wird zur Ratifizierung der Ostverträge aufgerufen. (Vgl. 23. - 25. Februar.)
An zwei weiteren Demonstrationen linksgerichteteter Gruppen in West-Berlin beteiligen sich etwa 2 000 Personen. Dabei kommt es zu schweren ZusammenstöÃen zwischen Polizei und Demonstranten auf dem Brunnenplatz in Berlin-Wedding.
In Ost-Berlin findet auf dem Marx-Engels-Platz (Berlin-Mitte) nach einer Festansprache des Vorsitzenden des Bundesvorstands des FDGB, des SED-Politbüromitglieds Herbert Warnke, eine Parade von Einheiten der Nationalen Volksarmee statt. Verteidigungsminister Heinz Hoffmann nimmt den Vorbeimarsch ab. AnschlieÃend ziehen mehr als 350 000 Menschen über vier Stunden lang an der Ehrentribüne mit den Repräsentanten der Partei- und Staatsführung vorbei.
In der von Warnke gehaltenen Festansprache heiÃt es, nach einer Ratifizierung der Verträge von Moskau und Warschau (vgl. 23. - 25. Februar) könnten das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin, das Transitabkommen, der Verkehrsvertrag (vgl. 26. April) sowie die Vereinbarungen zwischen DDR-Regierung und Senat in Kraft treten.
Die drei westalliierten Stadtkommandanten protestieren in einer Erklärung gegen die Ost-Berliner Militärparade.
Etwa 6 000 Personen folgen einem Protestaufruf der Jungsozialisten und vorwiegend linker Sozialdemokraten gegen die offizielle Veranstaltung von DGB und DAG und demonstrieren auf der StraÃe für gewerkschaftliche Forderungen. Der Demonstrationszug beginnt am Karl-Marx-Platz in Berlin-Neukölln und führt zum Hohenstaufenplatz in Berlin-Kreuzberg. Etwa 6 000 Personen nehmen teil.
Später führt über dieselbe Strecke der Demonstrationszug des sogenannten Mai-Komitees '73, in dem die SEW eine führende Rolle spielt. Dem Zug schlieÃen sich rund 21 000 Menschen an.
Die Mai-Demonstration von etwa 5 000 Anhängern der maoistischen KPD, die vom U-Bahnhof TurmstraÃe in Berlin-Tiergarten zum Leopoldplatz in Berlin-Wedding führt, bleibt ebenso ohne Zwischenfälle wie die beiden anderen Demonstrationen.
In Ost-Berlin findet auf dem Marx-Engels-Platz (Berlin-Mitte) nach einer Rede des Vorsitzenden des Bundesvorstands des FDGB, des SED-Politbüromitglieds Herbert Warnke, eine Parade von Einheiten der Nationalen Volksarmee statt. AnschlieÃend ziehen 350 000 Menschen vier Stunden lang an der Ehrentribüne mit den Repräsentanten der Partei- und Staatsführung vorbei.
Warnke hebt in seiner Rede hervor, daà bereits 80 Staaten diplomatische Beziehungen zur DDR unterhielten.
Die drei westalliierten Stadtkommandanten verurteilen die Ost-Berliner Militärparade als Verletzung des Vier-Mächte-Abkommens über den entmilitarisierten Status der Stadt.
In den Bezirken Neukölln und Kreuzberg findet eine Maidemonstration der SEW statt, an der sich rund 10 000 Menschen beteiligen. Rund 3 000 Personen nehmen an einer Demonstration der maoistisch orientierten KPD in Berlin-Wedding teil.
In Ost-Berlin (Karl-Marx-Allee) paradieren Einheiten der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR. AnschlieÃend ziehen 350 000 Menschen an der Ehrentribüne mit den Repräsentanten der Partei- und Staatsführung vorbei. Den Abschluà der Maidemonstration bildet der Vorbeimarsch der Kampfgruppen. Die Maiansprache hält der Vorsitzende des Bundesvorstands des FDGB, das SED-Politbüromitglied Herbert Warnke. Nach der "Kampfdemonstration" findet rund um den Alexanderplatz ein Volksfest statt.
Die drei westalliierten Stadtkommandanten verurteilen die Ost-Berliner Militärparade als Verletzung des entmilitarisierten Status Berlins.
In Ost-Berlin findet eine Militärparade in der Karl-Marx-Allee statt. Der neue Vorsitzende des FDGB-Bundesvorstands, Harry Tisch, Kandidat des Politbüros des Zentralkomitees der SED, hält die Ansprache zum 1. Mai. (Vgl. 26. März.) Am Nachmittag findet im Zentrum Ost-Berlins ein Volksfest statt. Höhepunkt ist der Auftritt des Alexandrow-Ensembles auf dem Alexanderplatz; das Gesangs- und Tanzensemble der Sowjetarmee singt und tanzt unter dem Motto "Genosse Moskau ? Genosse Berlin".
Die Ost-Berliner Militärparade wird von den drei westalliierten Stadtkommandanten als Verletzung des entmilitarisierten Status Berlins scharf verurteilt.
In Ost-Berlin findet auf dem neugestalteten Marx-Engels-Platz (Berlin-Mitte) mit dem erst vor wenigen Tagen eröffneten Palast der Republik eine Militärparade statt. (Vgl. 23. April.) AnschlieÃend ziehen mehr als 350 000 Menschen über den Platz. Mitglieder der Partei- und Staatsführung winken von der Balustrade des Palastes dem Demonstrationszug zu. Die Ansprache hält der Vorsitzende des FDGB-Bundesvorstands, das SED-Politbüromitglied Harry Tisch. Am Nachmittag findet zwischen Alexanderplatz und Palast der Republik ein Volksfest statt.
Die Ost-Berliner Militärparade wird von den drei westalliierten Stadtkommandanten als Verletzung des entmilitarisierten Status Berlins scharf verurteilt.
In West-Berlin werden mehrere Maidemonstrationen in den Bezirken veranstaltet, nachdem am Vorabend in einem Sendesaal des Senders Freies Berlin eine Maifeier des DGB abgehalten wurde.
In West-Berlin findet vor dem Rathaus Schöneberg eine Maikundgebung des DGB mit etwa 20 000 Teilnehmern statt. Angehörige linksextremer Gruppen stören die Veranstaltung.
In West-Berlin findet vor dem Rathaus Schöneberg eine Maikundgebung des Berliner DGB statt, die unter dem Motto "Arbeit für alle in einem Europa des sozialen Fortschritts" steht und an der rund 30 000 Menschen teilnehmen.
In West-Berlin findet vor dem Rathaus Schöneberg eine Maikundgebung des DGB mit etwa 20 000 Teilnehmern statt, die von linken und radikalen Gruppen gestört wird.
Am 13. Mai gewinnt Hertha BSC mit einem 3:0 gegen Fortuna Köln im Berliner Olympia-Stadion vor ca. 11 200 Zuschauern die Zweitliga-Meisterschaft.
Am 18. Mai gibt Bürgermeisterin Ingrid Stahmer im Rathaus Schöneberg einen Empfang für den Bundesliga-Aufsteiger. AnschlieÃend geht es für die Mannschaft von Trainer Werner Fuchs in einem Autokorso über den Kurfürstendamm.
Im Anschluà an eine "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" linker autonomer Gruppen mit etwa 10 000 Teilnehmern kommt es in Berlin-Friedrichshain zu Ausschreitungen. Auch in Berlin-Kreuzberg kommt es während des traditionellen 1. Mai-Festes ? wie im Vorjahr ? zu Krawallen. Insgesamt werden 87 Polizisten verletzt und 181 Personen festgenommen.
Im Anschluà an die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" linker und autonomer Gruppen kommt es in Berlin-Kreuzberg zu Ausschreitungen. Im Ernst-Thälmann-Park in Berlin-Prenzlauer Berg versuchen Angehörige autonomer Gruppen, eine Demonstration der rechtsextremen "Freiheitlich-Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) zu verhindern. Dabei kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem Bundesgrenzschutz. Bilanz der Polizei zum 1. Mai: 104 überwiegend leichtverletzte Polizisten und 294 Festnahmen. Gegen 23 Personen werden Haftbefehle wegen Landfriedensbruch erlassen. An Sachbeschädigungen zählt die Polizei sechs Plünderungen von Geschäften, 52 Schaufenstereinwürfe sowie 57 Beschädigungen an Autos.
Bei der "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" sogenannter autonomer Gruppen kommt es zu Ausschreitungen. An der unter dem Motto "Für eine herrschaftslose und klassenlose Gesellschaft _ Den Widerstand organisieren" stehenden Demonstration, die in Berlin-Kreuzberg beginnt und an der Spandauer StraÃe/Karl-Liebknecht-StraÃe in Berlin-Mitte vom Veranstalter vorzeitig beendet wird, nehmen nach Polizeiangaben rund 5?500 Personen teil. Nach der Demonstration kommt es am Abend in Berlin-Kreuzberg und in Berlin-Prenzlauer Berg erneut zu Ausschreitungen.
19 Polizeibeamte werden verletzt. 169 Personen, denen vorgeworfen wird, Steine und Brandflaschen auf Polizeibeamte geworfen zu haben, werden festgenommen. Gegen 24 der 169 Festgenommenen werden Haftbefehle erlassen.
Am Vortag rief der Dalai Lama, der von der F.D.P.-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung eingeladen worden war, im vollbesetzten Auditorium maximum der FU dazu auf, den Kampf des tibetischen Volkes für Freiheit und Unabhängigkeit zu unterstützen.
Rund 800 Personen starten zu einem Protestzug vom Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg zum Brandenburger Tor. Dazu haben mehrere linke Splittergruppen aufgerufen. Ihr Motto lautet: "Für soziale Gerechtigkeit, gegen Rassismus und Nazipropaganda". Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.
Rund 2 000 junge Leute liefern sich in der Nacht zum 1. Mai mit etwa 6 000 Polizisten auf dem Kollwitzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg eine stundenlange StraÃenschlacht. Am Abend des 1. Mai kommt es hier erneut zu Ausschreitungen. Mehr als 600 Polizisten gehen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen etwa 1 000 Jugendliche vor.
Etwa 2 500 Personen nehmen an einer "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" vom Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg zum Brandenburger Tor teil. Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.
99 verletzte Polizeibeamte und 159 Festnahmen sind die Bilanz der Ausschreitungen.
Die Bundesgartenschau 1995, die ursprünglich in Berlin stattfinden sollte, wurde an Cottbus abgegeben.
An zwei Demonstrationen linker und autonomer Gruppen nehmen mehr als 10 000 Menschen teil, die gegen Sozialabbau, Regierungsumzug und Häuserräumung protestieren. Die Demonstrationen führen von Kreuzberg und Mitte nach Prenzlauer Berg, wo es auf dem Kollwitzplatz zu schweren Ausschreitungen kommt.
Bereits in den frühen Morgenstunden kam es auf dem Kollwitzplatz nach einem StraÃenfest, an dem etwa 10 000 Menschen teilnahmen, zu Krawallen.
Bilanz der Polizei: 221 Festnahmen, 48 Polizisten verletzt.
Am Rande einer Demonstration linker und autonomer Gruppen mit 7 000 Teilnehmern durch die Bezirke Prenzlauer Berg und Mitte kommt es zu Ausschreitungen. Eine Demonstration durch Kreuzberg mit 1 000 Teilnehmern verläuft dagegen ruhig. Am späten Abend räumt die Polizei die OranienstraÃe in Kreuzberg und den Humannplatz in Prenzlauer Berg. Zuvor haben Jugendliche Autos angezündet, Barrikaden errichtet und Polizisten mit Steinen, Flaschen und Büchsen beworfen. Mehr als 220 Menschen werden festgenommen.
In Berlin-Prenzlauer Berg kommt es am späten Abend bei einer Demonstration linker und autonomer Gruppen mit rund 6 000 Teilnehmern zu schweren Ausschreitungen. Bei den StraÃenschlachten, die sich Teilnehmer der Demonstration mit der Polizei liefern, werden nach Angaben der Senatsverwaltung für Inneres 17 Polizisten und nach Veranstalterangaben mindestens 32 Demonstranten verletzt. 407 Personen werden wegen Brandstiftung, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte festgenommen.
In Berlin-Kreuzberg kommt es bei einer Demonstration linker und autonomer Gruppen mit rund 15 000 Teilnehmern zu schweren Ausschreitungen zwischen gewalttätigen Demonstranten und der Polizei. 122 Personen werden festgenommen.
Fast zeitgleich mit der DGB-Kundgebung hält die PDS ihre Maiveranstaltung auf dem Alexanderplatz ab. Etwa 3 000 Menschen hören den Reden der PDS-Landesvorsitzenden Petra Pau, der PDS-Bundestagsabgeordneten Christa Luft und des scheidenden PDS-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Gregor Gysi, zu.
In Berlin-Hellersdorf halten 1 200 NPD-Anhänger eine Kundgebung ab. Die Polizei setzt mehr als 2 000 Beamte ein, um linke Gegendemonstranten fern zu halten. 200 Personen werden festgenommen. An der Protestveranstaltung des Bezirkes gegen die NPD-Kundgebung, einem "Fest der Kulturen", nehmen etwa 10 000 Menschen teil.
Rund um den Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg kommt es am Abend nach einer Demonstration linker und autonomer Gruppen mit rund 5 000 Teilnehmern zu einer StraÃenschlacht, die sich Demonstranten mit der Polizei liefern. Fast 300 Beamte werden verletzt, 200 Personen festgenommen.
Am Abend kommt es in Kreuzberg trotz des Verbots der "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" zu schweren Krawallen. (Vgl. 23. Apr. 2001.) Es gibt viele Verletzte und mehr als 600 Festnahmen.
Nach den Krawallen erklären die CDU und der amtierende Polizeipräsident Gerd Neubeck das Deeskalationskonzept der rot-roten Koalition für gescheitert; SPD, PDS, Grüne und FDP hingegen loben die Strategie.
Schon am Vorabend kam es im Stadtteil Prenzlauer Berg zu Krawallen.
Das juristische Nachspiel der Krawalle zieht sich über die nächsten Monate. Mehrere Steinewerfer werden zu empfindlichen Strafen verurteilt.
Der Angriff findet starke öffentliche Resonanz. Bundesinnenminister Horst Seehofer verurteilt ihn scharf und weist auf die Verpflichtung der Sicherheitsbehörden hin, Medienvertreter auch auf Demonstrationen zu schützen. »Die Freiheit der Presse ist eine Säule unserer Demokratie. Der Staat hat zu garantieren, dass dieses Grundrecht zu jeder Zeit und an jedem Ort gewährleistet ist«, sagt Seehofer am 3. Mai der Deutschen Presse-Agentur. Wer Journalisten angreife, müsse »die Kraft unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen«, betont er. Gewalt und Gewaltandrohungen müssten geächtet werden â »es geht hier um die Grundwerte unseres Gemeinwesens«.
»Ich habe kein Verständnis, wenn einige Gewaltbereite die angespannte und schwierige Lage ausnutzen und Polizistinnen und Polizisten angreifen, zündeln und damit auch viele friedlich demonstrierende Menschen gefährden«, sagt am folgenden Tag der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Weder am 1. Mai noch an einem anderen Tag hätten Gewalt, Hass und Ignoranz einen Platz in der Gesellschaft. Auch Innensenator Andreas Geisel verurteilt die gewalttätigen Ausschreitungen. »Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten und blinde Zerstörungswut haben nichts mit politischem Protest zu tun«, erklärt Geisel. »Wir werden nicht akzeptieren, dass einige gewaltsuchende Autonome uns den 1. Mai als Tag des friedlichen Demonstrierens nehmen wollen.«
Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.landesarchiv-berlin-chronik.de (Stand: 01.05.2026)