Was geschah am 31.05. im Jahr ...

1945

Der sowjetische Stadtkommandant, Generaloberst Bersarin, ordnet mit dem Befehl Nr. 5 an, Fahnen der Sowjetunion, Großbritanniens, der Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreichs in der Größe von 80 X 180 cm für jedes öffentliche Gebäude, jeden Betrieb und jedes Haus Berlins anzufertigen. Die Ausführung des Befehls muß dem Stadtkommandanten bis zum 2. Juni 1945, 22 Uhr, gemeldet werden.
Dieser Befehl ergeht im Zusammenhang mit dem zu erwartenden Einmarsch der westlichen Besatzungstruppen in Berlin.

Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilt zwei Berliner wegen verbotenen Waffenbesitzes zum Tode. Die Urteile werden sofort vollstreckt.

Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Dr. Richard Münch zum Bezirksbürgermeister von Spandau.

Oberbürgermeister Dr. Werner erläßt einen Aufruf an die Berliner Bevölkerung, in dem davor gewarnt wird, Anschläge auf Angehörige der sowjetischen Besatzungstruppen oder Träger öffentlicher Funktionen zu verüben sowie aus politischen Gründen Brandstiftungen zu begehen. Jedes Attentat und jede Sabotage würden den Tod von 50 ehemaligen Nationalsozialisten nach sich ziehen.

Der Magistrat erläßt eine Verordnung über die vorläufige Beschäftigung und Einstufung der in der gesamten städtischen Verwaltung wieder beschäftigten Angestellten. Danach sind mit dem Einzug der sowjetischen Armee grundsätzlich alle alten Dienstverhältnisse sowie alle Forderungen auf Pensionen, Ruhegelder usw. erloschen. Zeugnisse über frühere Dienstleistungen werden nicht ausgestellt, sondern auf Anforderung nur Dienstbescheinigungen erteilt.

Allen Angehörigen des Deutschen Roten Kreuzes wird mitgeteilt, daß nach Verhandlungen mit zuständigen Stellen, so auch mit dem Leiter der Abteilung für Gesundheitswesen des Magistrats, Stadtrat Professor Dr. Sauerbruch, über die weitere Arbeit das DRK von den sowjetischen Besatzungsbehörden anerkannt worden ist.
Vor einigen Tagen hatte ein Arbeitsausschuß des DRK-Präsidiums in Potsdam-Babelsberg, in dem alle früheren Ämter vertreten waren, die Mitglieder des kommissarischen geschäftsführenden Komitees des DRK-Präsidiums bestimmt. Vorsitzender dieses Komitees ist Diplom-Volkswirt Ludwig Heß und sein Stellvertreter Wilhelm Söth, der gleichzeitig der politische Vertrauensmann ist. Alle Mitglieder des Komitees sind ebenfalls von den sowjetischen Besatzungsbehörden bestätigt worden.

Nach den letzten vorliegenden Angaben aus der Kriegszeit betrug die Zahl der in die zivile Lebensmittelversorgung einbezogenen Einwohner Berlins im Januar 1945 rund 2 850 000. Bei der ersten Lebensmittelkartenverteilung in der zweiten Hälfte des Monats Mai wurden rund 2 600 000 Lebensmittelkarten ausgegeben. Die Einwohnerzahl der Stadt hatte sich demnach im Laufe der letzten Kriegsmonate um rund 300 000 Personen verringert.

Durch Kriegseinwirkungen waren in Berlin 124 Schulgebäude total zerstört worden und 111 schwer beschädigt. 81 Schulgebäude wurden für andere Zwecke verwendet (Krankenhäuser und anderes). Es verblieben 292 Gebäude mit 3044 behelfsmäßig brauchbaren Räumen (1938: 712 Schulgebäude mit 13 127 Klassenräumen und 9603 Räumen für sonstige Zwecke).

1946

30. Sitzung des Alliierten Kontrollrats. Der Kontrollrat beschließt das Gesetz Nr. 29 über die "Ausfertigung beglaubigter Abschriften von Schriftstücken", das die bevollmächtigten Vertreter der Regierung jeder der vier Besatzungsmächte berechtigt, beglaubigte Abschriften aus amtlichen Akten deutscher Dienststellen oder aus den Akten von Wirtschaftsunternehmen anzufordern. Zugleich wird das Gesetz Nr. 6 des Kontrollrats vom 10. November 1945 aufgehoben.

37. Sitzung der Alliierten Kommandantur. Die Kommandanten billigen eine Reihe in letzter Zeit erlassener Befehle an den Magistrat. Sie genehmigen ferner die Rückkehr von etwa 600 Berliner Schülern und 80 Lehrern, die während des Krieges nach Kärnten evakuiert waren.
Entsprechend der Entscheidung des Koordinierungskomitees des Alliierten Kontrollrats beschließen die Kommandanten zwei gleichlautende Briefe an die Leitungen der Berliner SPD und der Berliner SED, in denen sie die gleichberechtigte Zulassung und Tätigkeit beider Parteien in allen vier Sektoren genehmigen. Unter anderem sollen beide Parteien in jedem Verwaltungsbezirk Berlins Büroräume erhalten.

Die französische Militärregierung beginnt im Mai, Berliner Kinder zwischen 6 und 12 Jahren aus ihrem Sektor zur Erholung nach Württemberg zu verschicken.

Die amerikanische Militärregierung gibt die Ernennung des ehemaligen stellvertretenden Direktors des Patentbüros beim amerikanischen Marineministerium, Richard Spencer, zum Chef der neugegründeten deutschen Patentstelle bekannt. Spencer soll die Wiedereröffnung des seit dem 3. Februar 1945 geschlossenen Patentamtes in Berlin vorbereiten.

Im Mai erscheint das erste Heft der von der Sowjetischen Militärverwaltung im Verlag der "Täglichen Rundschau" herausgegebenen sozialpolitischen und populärwissenschaftlichen Halbmonatsschrift "Neue Welt". Die Zeitschrift will die Leser im sowjetischen Besatzungsgebiet mit dem Leben in der Sowjetunion vertraut machen. Chefredakteur ist A. W. Kirsanow, zugleich Chefredakteur der "Täglichen Rundschau".

Die Deutsche Botanische Gesellschaft nimmt unter dem Vorsitz von Professor Dr. Robert Pilger mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung ihre Tätigkeit in Dahlem im Bezirk Zehlendorf wieder auf.

In einer Ausstellung "Junge Generation", die vom Kunstamt des Magistrats und dem Schutzverband bildender Künstler in der Schlüterstraße 45 im Bezirk Charlottenburg eröffnet wird, zeigen Lehrer und Schüler der Hochschule für bildende Künste ihre Werke.

1947

62. Sitzung des Kontrollrates.
Der Kontrollrat beauftragt die Alliierte Kommandantur, den Rücktritt von Dr. Ostrowski als Oberbürgermeister von Berlin zu bestätigen, die Pflichten des Oberbürgermeisters vorübergehend Frau Schroeder zu übertragen sowie dem Magistrat der Stadt Berlin vorzuschlagen, die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters durchzuführen.

Die Alliierte Kommandantur gibt durch BK/O (47) 137 die Strafmaße, für eine Mißachtung des Kontrollratsgesetzes Nr. 43 über die Herstellung und den Handel mit Kriegsmaterial bekannt. Als Höchstmaß ist die Todesstrafe vorgesehen.

Die Alliierte Kommandantur befiehlt dem Magistrat durch BK/O (47) 136 die sofortige Durchführung des § 2 der Anordnung BK/O (47) 56, der die Ernennung eines stellvertretenden Abteilungsleiters, in diesem Falle der Abteilung Gesundheitswesen des Magistrats, der Bestätigung durch die Alliierte Kommandantur unterwirft.

Die Alliierte Kommandantur bestätigt durch BK/O (47) 131 die vom Präsidenten des Kammergerichts vorgelegte Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Referendare und Gerichtsassessoren und befiehlt unter Anführung einer Reihe von Abänderungen ihre umgehende Anwendung. Diese Bestimmungen enthalten auch für aktive Antifaschisten und andere während des nationalsozialistischen Regimes verfolgte Personen das Vorrecht, die Referendar- und Assessorprüfung abzulegen, unter der Voraussetzung, daß sie einen Kursus von vier Semestern an einer Universität besucht und den zweijährigen Vorbereitungsdienst für die Assessorenprüfung vollendet haben. Auch wird diesen Referendaren bei einem möglichen Ausschluß von einer Prüfung ein Beschwerderecht bei der Alliierten Kommandantur zugestanden.

Die Alliierte Kommandantur genehmigt durch BK/O (47) 139 die Herausgabe der Veröffentlichung "Berliner Statistik", die bereits seit Januar 1947 monatlich mit der sowjetischen Lizenz Nr. 9a erscheint.

Der Rundfunk im amerikanischen Sektor, RIAS, berichtet über den Aufbau des Document Center, Berlin-Dahlem, in dem zahlreiche Karteien und Akten ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen, darunter die Zentralkartei der NSDAP, die Akten des NS-Lehrerbundes, der NS-Ärzteschaft und der SS und Gestapo zusammengefaßt sind. Das Document Center erteilt nur an die Dienststellen der alliierten Militärregierungen Auskünfte, die sie bei Bedarf an deutsche Behörden weiterleiten.

Auf Anordnung der Alliierten Kommandantur werden durch das Landesgesundheitsamt in 18 Krankenhäusern sogenannte Penicillin-Zentren eingerichtet. Die Bestände stammen hauptsächlich aus Spenden britischer Wohlfahrtsorganisationen.

Die während des Krieges in ein hessisches Kalibergwerk verlagerten Teile der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek, rund 3 Millionen Bände, 100 000 Musikmanuskripte und 10 000 orientalische Handschriften sowie Teile aus dem Fundus der Berliner Staatstheater, werden auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung geborgen und nach Marburg gebracht.

1948

Die Alliierte Kommandantur genehmigt durch BK/O (48) 73 den Zulassungsantrag des "Deutschen Instituts für Berufsausbildung e. V." vorbehaltlich der Umbenennung in "Berliner Institut für Berufsausbildung e. V." und der entsprechenden Tätigkeitsbeschränkung.
Sie genehmigt mit BK/O (48) 74 die Tätigkeit der "Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft für Tierärzte". Jedoch dürfen außerhalb Berlins praktizierende deutsche Tierärzte und ausländische Tierärzte nicht aufgenommen werden.
Mit BK/O (48) 76 wird der "Tierschutzverein Berlin und Umgebung" anerkannt und mit BK/O (48) 86 der "Europa-Union" die Zulassung versagt.

Zur "weiteren Demokratisierung der Berliner Gerichte" ordnet die Alliierte Kommandantur mit BK/O (48) 79 an, daß die Funktionen von Schöffen und Geschworenen als "wichtige öffentliche Ämter" zu betrachten sind.

Der von der UGO nicht anerkannte Vorstand des Berliner FDGB wählt auf seiner konstituierenden Sitzung wieder Roman Chwalek (SED), Hermann Schlimme (SED) und Nikolaus Bernhard (SPD) zu ersten Vorsitzenden.

Aufruf des Stadtvorstandes der Freien Deutschen Jugend (FDJ) Berlin für das Volksbegehren.

Die literarisch-satyrische Zeitschrift "Ulenspiegel" erscheint nunmehr mit sowjetischer Lizenz, herausgegeben von Herbert Sandberg.

1949

Auf der Pariser Außenministerkonferenz lehnen die westlichen Außenminister den Vorschlag des sowjetischen Außenministers Wyschinski ab, eine Delegation des Deutschen Volkskongresses aus der sowjetischen Besatzungszone zu empfangen und ihre Ansicht zur Regelung des Deutschlandproblems anzuhören. Sie begründen ihre Haltung mit dem Hinweis, daß der Deutsche Volkskongreß keine echte Vertretung des gesamten deutschen Volkes darstelle.

Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn in der sowjetischen Besatzungszone, Willi Kreikemeyer (SED), lehnt das Angebot Oberbürgermeister Professor Reuters ab, zwischen der Reichsbahn und den streikenden Westberliner Eisenbahnern zu vermitteln. In einem Schreiben an den Oberbürgermeister teilt Kreikemeyer mit, daß inzwischen mit der Industriegewerkschaft Eisenbahn im FDGB, die von der Reichsbahn als einzig legaler Verhandlungspartner anerkannt werde, ein Abkommen geschlossen wurde, nach dem den in den westlichen Sektoren wohnenden Eisenbahnern 60 Prozent ihrer Gehälter und Löhne in DM (West) ausgezahlt werden sollen. Kreikemeyer begründet die Ablehnung mit dem Hinweis, daß sich die Reichsbahn mehrmals an den Magistrat mit der Bitte gewandt habe, den in den westlichen Sektoren wohnenden Eisenbahnern ihre Löhne und Gehälter wie allen anderen Arbeitern in DM (West) umzutauschen. Nach Ablehnung dieser Vorschläge habe sich die Reichsbahn gezwungen gesehen, die Angelegenheit selbst zu regeln.
Oberbürgermeister Professor Reuter erklärt in einem Antwortbrief, daß sich Generaldirektor Kreikemeyer den zwingenden Verpflichtungen als verantwortlicher Mann der Reichsbahn entziehe, solange er nicht mit den wirklichen Vertretern der streikenden Eisenbahner verhandle.

Die Generaldirektion der Deutschen Reichsbahn in der sowjetischen Besatzungszone und die Industriegewerkschaft Eisenbahn im FDGB geben bekannt, daß ihre am 10. Mai 1949 aufgenommenen Verhandlungen mit einer Vereinbarung abgeschlossen wurden, nach der sich die Generaldirektion verpflichtet, ab 1. Juni 1949 an ihre Westberliner Arbeitnehmer Löhne und Gehälter in Höhe von 60 Prozent in DM (West) auszuzahlen. Bei den Verhandlungspartnern bestehe Einmütigkeit darüber, daß der Prozentsatz der in DM (West) gezahlten Löhne und Gehälter entsprechend den von der Reichsbahn in den westlichen Sektoren vereinnahmten Beträgen in DM (West) erhöht werden kann. Die Reichsbahndirektion Berlin wird außerdem gegen die streikenden Arbeiter und Angestellten keine Repressalien ergreifen.

Als Antwort auf entsprechende Maßnahmen im sowjetischen Besatzungsgebiet ordnen die drei westlichen Militärregierungen an, daß ab 1. Juni 1949 jede Überweisung von Mietzahlungen aus den westlichen Sektoren verboten ist. Der Magistrat errichtet zur Durchführung dieser Anordnung eine Währungsüberwachungsstelle. Hauseigentümer, deren Wohnsitz sich nicht in den westlichen Sektoren Berlins befindet, müssen sich bei einer Westberliner Bank oder beim Postscheckamt Berlin West ein Konto einrichten. Zahlungen der Mieter sowie der Hauseigentümer dürfen nur über dieses Konto laufen. Verfügungen über dieses Konto sind nur mit Zustimmung der Währungsüberwachungsstelle zulässig. Die Währungsüberwachungsstelle ist ermächtigt, bei Verstößen gegen diese Anordnung einen Verwalter für das betreffende Grundstück zu bestellen.

Gastspiel der London Gate Theatre Company mit "Mensch und Übermensch" von George Bernard Shaw im Renaissance-Theater in der Inszenierung von Norman Marshall. In den Hauptrollen spielen Hugh Bürden, Rex Garner und Francis Clare.

Die Wechselstuben verkaufen 1 DM (West) für 4,70 DM (Ost). Der Monatsdurchschnitt liegt bei 1:3,80.

Im Mai wurden 195 200 Tonnen Güter über die Luftbrücke eingeflogen. Der Tagesdurchschnitt lag bei 6200 Tonnen. Im gleichen Zeitraum wurden Waren im Werte von 20 Millionen DM (West) aus den drei westlichen Sektoren über die Luftbrücke ausgeflogen.
Nach Aufhebung der Blockade kommen zum erstenmal wieder 70 800 Tonnen Güter auf dem Schienen- und 12 500 Tonnen auf dem Wasserwege in die westlichen Sektoren.

Die Zahl der Arbeitslosen in den westlichen Sektoren steigt im Mai auf 164 515 Personen an.

25 590 Berliner aus den westlichen Sektoren, die bisher während der Blockade ihre Lebensmittel im sowjetischen Sektor bezogen, melden sich in ihren Heimatbezirken zurück.

Im Mai treffen 1564 ehemalige Kriegsgefangene in Berlin ein.

Im Laufe des Monats werden in den westlichen Sektoren insgesamt 2979 Flüchtlinge aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet registriert.

1950

Die Alliierte Kommandantur nimmt mit BK/O (50) 56 zu den fortlaufenden Behinderungen des Westberliner Schiffsverkehrs an den der Wasserstraßendirektion der sowjetischen Besatzungszone unterstehenden Berliner Schleusen Stellung. Sie ordnet an, daß allen Wasserfahrzeugen, die im Besitz ordnungsgemäßer, von der Wasserstraßendirektion oder vom Magistrat anerkannter Registrierpapiere sind, die unbehinderte Durchfahrt auf allen Wasserwegen Groß-Berlins zu gestatten ist. Wer künftig dem Schiffsverkehr auf den Berliner Wasserwegen Einschränkungen aufzuerlegen versucht oder solche anordnet, setzt sich der gerichtlichen Verfolgung aus.

Das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der sowjetischen Besatzungszone erläßt auf Grund des "Gesetzes zum Schutze des innerdeutschen Handels" neue Bestimmungen für den Postverkehr zwischen Berlin und der sowjetischen Besatzungszone. Für den Versand von Handelswaren nach und aus Westberlin wird ein Warenbegleitschein des Ministeriums für innerdeutschen Handel, Außenhandel und Materialversorgung eingeführt. Der Versand einer Reihe von Gütern nach Westberlin, darunter Bunt- und Schwarzmetalle, Kunstgegenstände, technische Zeichnungen und Wertpapiere, wird grundsätzlich verboten. Im Postverkehr zwischen der sowjetischen Besatzungszone und dem sowjetischen Sektor von Berlin wird der Versand einer Reihe von Waren ebenfalls begleitscheinpflichtig. Hierzu gehören unter anderem alle Erzeugnisse des Maschinenbaues, der Elektrotechnik, der Feinmechanik und Optik sowie der Chemie-, Textil- und Lebensmittelindustrie.
Geschenk- und Familiensendungen zwischen dem sowjetischen Besatzungsgebiet und Groß-Berlin bedürfen eines vom Absender unterschriebenen Inhaltsverzeichnisses und der Aufschrift "Keine Handelsware" oder bei warenbegleitscheinpflichtigen Sendungen "Mit Warenbegleitschein".

Im sowjetischen Sektor beginnt im Anschluß an das "Deutschlandtreffen" der FDJ eine Tagung des Exekutivkomitees des kommunistischen "Weltbundes der demokratischen Jugend". Das Exekutivkomitee verabschiedet unter anderem eine Reihe- von Propagandaresolutionen und unterzeichnet den sogenannten Stockholmer Friedensappell.

Premiere von Georg Kaisers Schauspiel "Der Gärtner von Toulouse" im Theater am Kurfürstendamm. Unter der Regie von Thomas Engel spielen in den Hauptrollen Hilde Hildebrand, Gisela Trowe und Fritz Eberth.

Die Wechselstuben verkaufen 1 DM (West) für 6,80 DM (Ost). Der Monatsdurchschnitt liegt bei 1:6,95.

Die Zahl der Arbeitslosen in Westberlin sinkt im Mai geringfügig auf 273 816, die der Kurzarbeiter auf 21 419.
Im Berliner Notstandsprogramm werden am Monatsende 41 988 Arbeiter (ohne Stammarbeiter) beschäftigt.

Die Grenzkontrollbehörden der sowjetischen Besatzungszone setzen auch im Mai die Behinderungen des Straßen- und Schiffsverkehrs zwischen Berlin und dem Bundesgebiet fort. Insgesamt wird 79 Lastkraftwagen wegen willkürlicher Beanstandungen der Begleitpapiere oder Ladungen an den Grenzübergängen zur Bundesrepublik die Durchfahrt verweigert. Besonders ausgedehnt werden die Behinderungen des Schiffsverkehrs.

Im Mai verlassen 17 580 Flüchtlinge das sowjetische Besatzungsgebiet. Von ihnen werden in Westberlin 5010 registriert.

1951

Die Alliierte Kommandantur weist den Senat mit BK/O (51) 32 an, allen interessierten Kreisen die Direktiven 1 und 2 zum Gesetz Nr. 13 der Alliierten Kommandantur über die "Überwachung von Stoffen, Einrichtungen und Ausrüstungen auf dem Gebiet der Atomenergie" und über die "Verzeichnisse und Ermächtigungen, die gemäß Gesetz Nr. 13 der Alliierten Kommandantur Berlin von Forschungs-, Bildungs- und medizinischen Instituten und Museen gefordert werden", bekanntzugeben.

Mit BK/L (51) 64 bestimmt die Kommandantur, daß Reiseausweise des Combined Travel Board ab sofort nicht mehr bei den Bezirksreisebüros, sondern nur noch bei deutschen Polizeidienststellen zu beantragen sind.

Die Kommandantur erinnert den Senat mit BK/L (51) 65 an das "Gesetz über die Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus", das nach dem "Kleinen Besatzungsstatut" zu ihren Vorbehalten gehört und bittet, beginnend am 30. April 1951, um monatliche Berichte über die Fortschritte zur Durchführung des Gesetzes.

Der Leiter der ECA-Sonderkommission für Westdeutschland, Jean Cattier, gibt auf einer Konferenz des Beratenden Berliner ERP-Ausschusses bekannt, daß das Berliner Notstandsprogramm zunächst bis zum 30. September 1951 verlängert wird. Dafür erhalte Berlin 45 Millionen DM aus GARIOA-Gegenwertmitteln, um 45 000 bis 48 000 Menschen solange weiterbeschäftigen zu können.
Auf einer Pressekonferenz erklärt der Senator für Kreditwesen, Dr. Hertz, daß über eine Fortführung des Notstandsprogramms über den 30. September 1951 hinaus und die dafür erforderlichen Mittel noch nicht entschieden wurde. Augenblicklich würde beim Notstandsprogramm versucht, von reinen Notstandsarbeiten zu produktiver Tätigkeit überzugehen, wobei drei Schwerpunkte im Vordergrund stünden: die Ausbildung von Jugendlichen, die Beschäftigung von arbeitslosen Angestellten und die Verbindung des Notstandsprogramms mit der Bautätigkeit.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors beschließt auf seiner Sitzung, für den vom 10. bis 15. Juli in Berlin stattfindenden Evangelischen Kirchentag 100 000 DM (Ost) zu bewilligen und das Walter-Ulbricht-Stadion sowie die Werner-Seelenbinder-Halle für die Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Außerdem gewährt er zur Wiederinstandsetzung zerstörter kulturhistorisch wertvoller Kirchenbauten einen einmaligen Zuschuß in Höhe von 225 000 DM (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 414, 22.9.1949, Nr. 77 a).

Der Magistrat beschließt die Umbenennung weiterer 69 Straßen mit Namen aus der Vergangenheit Preußens und des Deutschen Reiches nach Wissenschaftlern und Künstlern sowie Ortschaften und Seen aus der Umgebung Berlins.

Die Wechselstuben verkaufen 1 DM (West) für 4,70 DM (Ost). Der Monatsdurchschnitt des Wechselkurses beträgt 1 : 4,65.

1952

Der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General Handy, protestiert in einem Schreiben an den Oberkommandierenden der sowjetischen Truppen in Deutschland, General Tschuikow, gegen die Behinderung der amerikanischen Streifen auf der Autobahn Berlin-Helmstedt. Die amerikanische Militärpolizei sei eine reine Militäreinheit und ein Bestandteil der amerikanischen Armee, die ihren regulären Dienst auf der Autobahn schon seit Jahren versehe. Da sich ihre Aufgabe, Ausrüstung und Bewaffnung inzwischen kaum verändert haben, müsse das wiederholte sowjetische Eingreifen in ihre Tätigkeit als "böswillig und ohne jede Berechtigung" angesehen werden. General Handy besteht deshalb darauf, daß General Tschuikow ohne Verzug die nötigen Schritte unternimmt, damit sich Angehörige der ihm unterstellten Truppen nicht in die üblichen militärischen Routine-Aufgaben seiner Streitkräfte einmischen.

Der bisherige Leiter der Diplomatischen Mission der Sowjetunion in der "DDR", Georgij M. Puschkin, wird von seinem Posten abberufen und zum stellvertretenden sowjetischen Außenminister ernannt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 448 f., 15.10.1949, Nr. 63). Sein Nachfolger wird Iwan Iwanowitsch Iljitschow.

Sowjetisches Militär und Einheiten der Volkspolizei besetzen in den frühen Morgenstunden die gegenüber dem Bezirk Spandau in der sowjetischen Zone gelegenen West-Berliner Exklaven Fichtewiese, Papenberge, Erlengrund und Bürgerablage. Ihre Bewohner werden aufgefordert, ihre Wochenendhäuser und Wohnlauben bis um 24 Uhr zu räumen.
Am Mittag wird die zum Bezirk Zehlendorf gehörende Exklave Steinstücken von jeglichem Verkehr abgeschnitten, in den Abendstunden dürfen die Steinstückener jedoch die Sperre in beiden Richtungen wieder passieren. Das Kreisamt der Volkspolizei in Potsdam teilt auf Anfrage mit, daß keine Absicht bestehe, damit den Status von Steinstücken zu ändern. Vielmehr sollten seine Einwohner nur besondere Ausweise zum Passieren des Gebietes der "DDR" nach West-Berlin erhalten. Die gegenwärtigen Sperren wären im übrigen nur "vorübergehender Natur".

Der Regierende-Bürgermeister Professor Reuter übergibt in einer kurzen Feierstunde die aus Mitteln des Notstandsprogramms erbaute zweite, von Norden nach Süden verlaufende Fahrbahn der Clay-Allee, die die Bezirke Wilmersdorf und Zehlendorf miteinander verbindet, dem Verkehr.

Die Wechselstuben kaufen 100 DM (Ost) für 25,14 DM (West). Der Kursdurchschnitt liegt im Mai 1952 bei 25,70 DM (West) für 100 DM (Ost).

1953

Die Berliner Wechselstuben verkaufen 100 DM (Ost) für 18,31 DM (West) und 100 DM (West) für 580 DM (Ost). Der Durchschnittskurs im Monat Mai 1953 liegt bei 100 DM (Ost) für 17,90 DM (West).

Dem evangelischen Bischof von Berlin-Brandenburg, D. Dr. Dibelius, werden im Mai von den sowjetzonalen Behörden ohne Angabe von Gründen zweimal Einreisegenehmigungen in die sowjetische Besatzungszone von den dortigen Behörden zur Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen verweigert.

Neun im "Berliner Corporationsring" zusammengeschlossene studentische farbentragende Verbände beantragen bei den Rektoren der Freien und der Technischen Universität die Anerkennung als studentische Gemeinschaften.

Mit Zustimmung der Senatsverwaltung für Verkehr und Betriebe, der Verkehrspolizei und der Schulbehörden setzt die Verkehrswacht in Berlin Schülerlotsen ein. Sie sollen zu Beginn und Schluß des Unterrichts jüngere Schüler gefahrlos über die Fahrbahnen in der Nähe von Schulgebäuden bringen. Ihre Ausrüstung besteht aus einer weißen Kappe, einem Koppel und einem Verkehrsstab. Sie wird von Autofirmen gestiftet.

Der Senat unterrichtet das Abgeordnetenhaus in Vorlagen zur Kenntnisnahme vom 12. und 20. Mai, daß nach dem Stand vom 1. April 1953 in den Städtischen Krankenhäusern 16 930 Planbetten, in gemeinnützigen und privaten Krankenanstalten 13 940, zusammen also 30 870 Betten zur Verfügung stehen. Davon befinden sich rund 3600 in Hospitälern, 1330 in Kinderkrankenhäusern, 1160 in Tbc-Krankenhäusern und 2290 in Heil- und Pflegeanstalten. Danach entfallen 14,1 Betten auf 1000 Einwohner; diese Schlüsselzahl liegt über der vergleichbarer westdeutscher Großstädte. Dafür liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Kranken, besonders im Rentenalter, weit über dem Durchschnitt der Bundesrepublik. Einen besonderen Bettenbedarf haben die Hospitäler, die chirurgischen und inneren Stationen sowie Spezialkliniken für Geisteskranke. Besonders dringend sind Krankenhausneubauten in den südwestlichen Bezirken Wilmersdorf, Steglitz und Zehlendorf, ferner im nördlichen Bezirk Reinickendorf.

1954

Der Verwaltungsrat der Bundespost empfiehlt dem Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, die beabsichtigte Tariferhöhung im Paket- und Fernsprechverkehr zwischen Berlin und der übrigen Bundesrepublik nach dem Muster der bis 1939 gültigen "Ostpreußentarife" vorzunehmen, als die Tarife mit der vom Reich abgetrennten Provinz um eine Stufe günstiger berechnet wurden.

36. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat gewährt dem Kirchenkollegium des Berliner Domes (Bezirk Mitte, sowjetischer Sektor) über den evangelischen Bischof von Berlin-Brandenburg einen Zuschuß zum Ankauf von Baumaterialien für den Wiederaufbau mit der Maßgabe, sie aus Berlin (West) zu beziehen.

Der Senat beschließt, den in Berlin eintreffenden Spätheimkehrern und entlassenen politischen Häftlingen für vier Wochen Freifahrt auf den städtischen Verkehrsmitteln zu gewähren.

Der Regierende Bürgermeister Dr. Schreiber empfängt den neuen kanadischen Botschafter in Bonn, Charles Stewart Ritchie, der zugleich die kanadische Militärmission in Berlin leitet, zu einem Höflichkeitsbesuch.

Der Senat unterrichtet das Abgeordnetenhaus in einer Vorlage zur Kenntnisnahme über verschiedene Unterstützungsmaßnahmen für die Studierenden an Hoch- und Fachschulen. Danach soll entgegen ursprünglichen Plänen des Senats die Studentenspeisung nicht den einzelnen Studentenwerken übertragen, sondern weiter von der allgemeinen Schulspeisung ausgegeben werden. Auch lehnt der Senat es ab, die aus der Sowjetzone stammenden Studenten vor Abschluß ihres Studiums durch das Notaufnahmeverfahren zu schleusen, weil sonst die familiären Kontakte der Studenten zu ihren Angehörigen automatisch unterbrochen würden. Daher müssen die Währungsbeihilfen weiter gezahlt werden, deren Empfängerkreis an den Hochschulen jedoch von rund 3950 im Sommersemester 1952 auf rund 3000 im März 1954 zurückging. Allerdings sollten die semesterweise abgehaltenen Fleißprüfungen für Empfänger von Währungsbeihilfen und Sozialstipendien strenger durchgeführt werden. Außerdem soll die Zahl der Sozialstipendienempfänger von gegenwärtig noch 2050 auf etwa 1500 im Jahre 1955 gesenkt werden, um ungefähr den Durchschnittssatz der westdeutschen Hochschulen mit 20 v. H. Stipendiatenplätzen zu erreichen.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors übernimmt eine Verordnung der "DDR"-Regierung vom 28. Mai über die von der Volkskammer beschlossene Volksbefragung "Friedensvertrag oder EVG-Verträge". Abstimmungsberechtigt sind hierbei nur wahlberechtigte Einwohner in Ost-Berlin.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 490 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 21,67 DM (West). Der Durchschnittskurs liegt im Mai 1954 bei 21,25 DM (West) für 100 DM (Ost).

Die Arbeitslosenzahl in West-Berlin sinkt in diesem Monat um rund 7400 auf 197 600 und bleibt damit zum ersten Mal seit Aufhebung der Blockade im Mai 1949 unter der 200 000-Grenze.

1955

23. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Zur Angleichung an den Rechtszustand in der Bundesrepublik befürwortet der Senat die Einführung der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung auch in Berlin. Da aber hierbei den besonderen Berliner Verhältnissen Rechnung getragen werden müsse, wünscht er vor Übernahme des "Gesetzes über die Selbstverwaltung und über Änderungen auf dem Gebiet der Sozialversicherung" vom 13. August 1952 die Einfügung einer ergänzenden Berlin-Klausel.
Die Senatoren für Arbeit und Sozialwesen sowie für Bundesangelegenheiten werden daher beauftragt, zu diesem Zweck bei Bundestag und Bundesrat geeignete Schritte einzuleiten.

Der Senat nimmt zustimmend Kenntnis von der Mitteilung von Finanzsenator Dr. Haas, daß nach Zusagen von Bundesfinanzminister Dr. Schäffer vom 20. Mai der Soziale Wohnungsbau mit Kassenkrediten zum niedrigen Zinssatz von 3 % finanziert werden kann.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 501 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 20,82 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat liegt bei 100 DM (Ost) für 20,05 DM (West).

1955

4. Deutscher Kongreß für ärztliche Fortbildung in den Messehallen am Funkturm.
Auf der diesjährigen Tagung sprechen zu den rund 4000 Teilnehmern aus ganz Deutschland 50 namhafte in- und ausländische Wissenschaftler zu Themen aus den Bereichen der Krankheiten der Verdauungsorgane, der Kinderheilkunde, der Allergien und der Unfallchirurgie.
Während der Kongreßdauer findet in mehreren Hallen des Ausstellungsgeländes wieder eine medizinisch-technische und pharmazeutische Ausstellung statt, die von 122 Firmen beschickt ist.
Bei der Begrüßung der Ärzte äußert der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr die Hoffnung, daß genau so, wie vor 100 Jahren aus der Initiative Rudolf Virchows die Bildung berufsständischer Organisationen mit dazu beitrug, das deutsche Nationalbewußtsein erst zu entwickeln und auf ihren ersten Kongressen der Keim für die Entwicklung eines einigen Deutschland gelegt wurde, heute derartige Tagungen durch die Begegnung der Menschen aus Ost und West das Nationalbewußtsein im gespaltenen Vaterland erhalten sollten. Vielleicht könnten daraus ebenso starke Ansatzpunkte zur Wiedervereinigung erwachsen wie aus politischen Verhandlungen.

Auch in diesem Monat werden von den DDR-Grenzorganen scharfe Kontrollen von Lastkraftwagen im Berlin-Verkehr durchgeführt, insbesondere bei Schrott- und Metalltransporten, und für kleine Fehler in den Begleitpapieren hohe Bußgelder verhängt.

Die Verkaufsstelle für Sammlermarken in Ost-Berlin gibt Briefmarken der DDR nur noch nach Vorlage des Personalausweises ab, so daß Käufer aus dem Währungsgebiet der DM (West) ihre Kaufbeträge 1:1 eintauschen müssen.

Die amerikanischen Behörden beginnen mit der Erweiterung ihrer Zehlendorfer Wohnsiedlung zwischen Hüttenweg und Argentinischer Allee. Diese Wohnblocks, werden im Auftrage des Bundesfinanzministers mit Bundesmitteln errichtet, um weitere noch beschlagnahmte Wohnungen wieder für die deutsche Bevölkerung freizumachen.

Der Leiter des Amtes für Denkmalspflege beim Senator für Bau- und Wohnungswesen, Prof. Scheper, zieht in einem Artikel die Bilanz der zehnjährigen Arbeit seines Amtes seit Kriegsende. Er erinnert an die ihm vom damaligen Stadtrat für Bau- und Wohnungswesen, Prof. Scharoun, gestellte doppelte Aufgabe: einmal das historisch Wesentliche und architektonisch Wertvolle wenigstens so lange vor fortschreitendem Verfall bis zur Möglichkeit einer Wiederherstellung zu sichern und zum anderen es in die zwangsläufig nach sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und verkehrstechnischen Gesichtspunkten notwendige Stadtplanung einzuordnen. Wenn es auch nicht gelang, den ersten Teil dieser Aufgabe unter den armseligen Verhältnissen der ersten Nachkriegszeit zu lösen, so habe sein Amt aber doch auch die Gelegenheit der angerichteten Schäden benutzt, um frühere Architekturen von späteren stilistischen Entstellungen oder unpassenden Hinzufügungen zu befreien. Im einzelnen nennt Prof. Scheper folgende Kulturobjekte in Berlin, die von seinem Amt seit 1948 wiederaufgebaut wurden oder an deren Aufbau noch gearbeitet wird:

1. Stadtkirchen
St. Marienkirche (13. Jahrh.),
Nikolaikirche Spandau (13. Jahrh.),
Heiliggeistkapelle von 1313,
St. Johanniskirche (Schinkel und Stüler 1835),
Luisenkirche (Gerlach 1710),
Nazarethkirche (Schinkel 1835),
St. Paulskirche (Schinkel 1835),
St. Jacobikirche (Stüler 1844),
St. Lukaskirche (1861).

2. Dorfkirchen
Wittenau (spätes 14. Jahrh., Umbau 18. Jahrh.),
Lichtenrade (14. Jahrh.),
Buckow (13. Jahrh., Umbau 16. Jahrh.),
Dahlem (13. Jahrh., Umbau 15. und 16. Jahrh.),
Gatow (13. Jahrh., Umbau 15. Jahrh.),
Kladow (mittelalterlicher Bau zerstört, 1818 erneuert),
Neukölln (1435 zerstört, 1639 erneuert),
Rudow (13. Jahrh., Umbau 1730 und 1910),
Zehlendorf (1768),
Schöneberg (mittelalterlich, 1540 zerstört, 1762 erneut zerstört, 1764 wieder aufgebaut),
Marienfelde (Anfang 13. Jahrh.),
Mariendorf (13. Jahrh., Umbau 16. und 18. Jahrh.),
Tempelhof (erste Hälfte 13. Jahrh., Umbau 16., 18. und 19. Jahrh.),
Lübars (13. Jahrh., 1790 zerstört, 1793 erneuert),
Hermsdorf (1830),
Giesensdorf (14. Jahrh., im 18. Jahrh. erneuert).

3. Schlösser
Glienicke (Schinkel 1824-26),
Steglitz (Wrangelschloß, 1808 Heinrich Gentz),
Tegel (Schinkel 1822-24),
Lichterfelde (1770),
das Gutshaus Britz (Britzer Schlößchen 1880).

4. Parkbauten und andere Architekturen
Jägerhof Glienicke (Schinkel 1827),
Matrosenhaus, Hofgärtnerhaus und Gärtnerhaus Glienicke (Persius 1840-42),
Blockhaus Nikolskoe (1819),
Domäne Dahlem (16. Jahrh.),
Dorfkrug Dahlem (18. Jahrh.),
Gutshaus Marienfelde (von 1850),
Gemeindeschule Alt-Mariendorf (von 1840),
Dorfschmiede in Neukölln (um 1800),
Betsaal der böhmisch-reformierten Gemeinde in Neukölln (18. Jahrh.),
Britzer Mühle von 1869,
Adlermühle in Mariendorf,
Schloßkaserne in Charlottenburg (Stüler 1855),
einzelne Bürgerhäuser in verschiedenen Bezirken.

5. Denkmäler
Rettung und Neuaufstellung des "Großen Kurfürsten" von Andreas Schlüter,
die Denkmäler des Tiergartens und verschiedener Bezirke sowie
Grabdenkmäler auf mehreren Friedhöfen.

Beim Deutschen Reisebüro in Ost-Berlin wird eine Zweigstelle "Berlin-Tourist" zur Betreuung aller Besucher des In- und Auslandes geschaffen, wozu Rundfahrten in der Stadt und in ihre Umgebung gehören. Das DER hat auch Verbindungen zu Reisebüros in der Schweiz und Skandinavien aufgenommen, um für Reisen "in die deutsche Hauptstadt" zu werben.

Die Deutsche Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin beschließt, das Institut für hellenistisch-römische Philosophie, die Kommissionen für spätantike Religionsgeschichte und für Byzantinistik sowie 13 weitere altertumswissenschaftliche Unternehmen der Akademie zu einem "Institut für griechisch-römische Altertumskunde" zusammenzufassen.

1956

TASS teilt mit, daß der USA-Botschaft in Moskau eine Note der sowjetischen Regierung wegen des "Spionagetunnels" in Berlin-Altglienicke übermittelt wurde, die an das Schreiben des Stabschefs der amerikanischen Truppen in Europa, Generalmajor Uncles, erinnert, worin er mitteilte, daß er die Angelegenheit nach Washington zur Untersuchung weitergeleitet habe. Die Sowjetunion erwarte daher, daß die Regierung der USA alle notwendigen Maßnahmen zur Klarstellung aller Umstände ergreifen werde, die zur Anzapfung der Nachrichtenlinien führten, damit die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden und eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse in Zukunft ausgeschlossen bleibt.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 417,50 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 25,43 DM (West). Der Durchschnittskurs dieses Monats liegt bei 24,80 DM (West) für 100 DM (Ost).

1957

Der neue Leiter der Polnischen Militärmission in West-Berlin, Gesandter Tykoczinski, stattet im Rathaus Schöneberg dem Regierenden Bürgermeister Prof. Suhr und Parlamentspräsident Brandt einen Antrittsbesuch ab.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 430 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 24,69 DM (West). Der Durchschnittskurs im Mai liegt bei 24,05 DM (West) für 100 DM (Ost).

1958

Inbetriebnahme des 4,3 Kilometer langen neuen Abschnitts der U-Bahnlinie C vom Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz aus in Richtung Norden" mit den Bahnhöfen Scharnweberstraße, Seidelstraße, Holzhauser Straße, Borsigwerke und Tegel.
Verbunden damit ist eine umfangreiche Veränderung des Verkehrsnetzes der BVG im gesamten Berliner Norden vom 1. Juni an. Als Ersatz für die stillgelegten Straßenbahnen werden eingerichtet:

Ferner wird eine neue Buslinie A 64 vom Kurt-Schumacher-Platz zur Ernst-Reuter-Siedlung in der Bernauer Straße eingerichtet, die zugleich einen Teil des Verkehrs der bisherigen Straßenbahnlinie 68 übernimmt.
Drei Buslinien werden verlängert: die Linien A 12 und A 12 S, die bisher an der Seestraße endeten, fahren künftig bis zum Leopoldplatz; die Linie A 14 wird im Norden vom Mattenhuder Pfad hinaus bis Heiligensee verkehren, im Süden von der Osloer Straße bis zum U- und S-Bhf. Gesundbrunnen.

In einer kurzen Feier vor dem U-Bahnhof Tegel dankt der Regierende Bürgermeister Brandt allen U-Bahnbauern für ihre Arbeit und besonders der Bundesregierung für ihre Bereitwilligkeit, die erforderlichen Mittel zum Ausbau des Berliner Verkehrsnetzes zur Verfügung zu stellen. Wenn mancher kein Verständnis für die Notwendigkeit solcher Bauten aufbringe, so könne er nur sagen, daß "diese Arbeiten uns vor dem verhängnisvollen Fehler bewahrten, erst die Stadt wieder aufzubauen, um sie dann später zur Hälfte wieder einzureißen, um den inzwischen gewaltig angewachsenen Nöten des Verkehrs abzuhelfen". Denn schon heute müsse die Aufgabe von morgen begriffen und gründlich vorbereitet werden.
Wie schon der Regierende Bürgermeister Brandt, so erinnert auch Bausenator Schwedler an Ernst Reuter, dem es nicht vergönnt gewesen sei, diese Strecke selbst zu eröffnen. Ihm vor allem gebühre Dank, "denn ohne seine damals als illusionistisch erscheinenden Pläne hätte dieses Vorhaben nicht verwirklicht werden können". Im Anschluß an seine Ansprache übergibt der Bausenator dem BVG-Direktor Dr. Schneider "im Gedenken an Ernst Reuter, dem ersten BVGer", die Genehmigungsurkunde für dieses Bauwerk.

Im Rahmen seiner Ansprache zur Eröffnung der neuen U-Bahnstrecke begrüßt der Regierende Bürgermeister Brandt ausdrücklich, daß "jetzt endlich, dreizehn Jahre nach Kriegsende, im östlichen Teil der Stadt und in der Sowjetzone mit den Lebensmittelkarten Schluß gemacht" wurde. Zugleich appelliert er eindringlich an alle West-Berliner, mehr Selbstdisziplin als bisher zu üben und sich von Einkäufen im Ostsektor zurückzuhalten. Denn jeder, der "drüben" kaufe, verkürze nicht nur die ohnehin nicht zulängliche Warendecke zu Lasten "unserer Mitbürger", sondern liefere auch den dortigen "Machthabern" den Vorwand, den Verkehr der Menschen untereinander zu erschweren.

Der Regierende Bürgermeister Brandt übergibt im Beisein des Rundfunkrates auf dem Funkturmgelände den neuen Zehn-Kilowatt-Fernsehsender des SFB seiner Bestimmung. Durch seine zehnfach stärkere Sendeenergie kann das vom SFB ausgestrahlte Fernsehen nunmehr in einem Umkreis von 60 statt wie bisher nur 20 Kilometern empfangen werden.

Der Ostmark-Ausschuß der Berliner Wechselstuben gibt bekannt, daß diese an diesem Wochenende 31. Mai/1. Juni nur so viel Ostmark ankaufen werden, wie sie auch wieder absetzen können. Sie sehen sich zu diesem Schritt gezwungen, da zahlreiche Ost-Berliner nach der Abschaffung der Lebensmittelkarten auch mit einem Notenumtausch im Währungsgebiet der DM (Ost) rechneten - Gerüchte wollten in diesem Zusammenhang sogar von einer vorübergehenden Schließung der Sektorengrenze wissen - und versuchen würden, ihr Geld in West-Berlin gegen DM (West) zu wechseln.
Am Tag zuvor hatte ADN allerdings schon nachdrücklich Gerüchte dementiert, daß in der DDR eine neue Währungsaktion unmittelbar bevorstehe. Entsprechende "Behauptungen eines West-Berliner Groschenblatts" sollten lediglich von den in der DDR ergriffenen Maßnahmen "zur Verbesserung der Lebenslage der Bevölkerung ablenken und die Pleite der West-Berliner Schieber- und Agentenzentralen verdecken".

Die Berliner Wechselstuben kaufen 390 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 27,23 DM (West). Der Durchschnittskurs beträgt in diesem Monat 26 DM (West) für 100 DM (Ost).

1958

Landesparteitag der Berliner FDP in den Tiergarten-Festsälen.
Der Landesvorsitzende Dr. Will bezeichnet es in seinem Referat als das Hauptziel der Berliner FDP, wieder koalitionsfähig zu werden und sich nach den Wahlen Anfang Dezember an der Bildung des neuen Senats zu beteiligen. Für jede Partei sei es tödlich, wenn sie allzulange auf den Oppositionsbänken ausharren müsse. Der neu zu wählende Landesvorstand sollte daher unmittelbar nach diesem Parteitag initiativ werden. Bei aller deutlichen Abgrenzung gegen beide großen Parteien findet Dr. Will dennoch gegenüber der SPD etwas freundlichere Worte. Ob und mit wem die FDP koalieren könne, würde jedoch in erster Linie der Wähler entscheiden. In keiner Koalition allerdings würde sie ihre liberalen Grundsätze verleugnen. Gerade in Berlin wäre es gut, wenn zwischen der "schwarz-roten Verzahnung" eine "entspannende FDP-Zone" geschaffen würde.

Nach einem Bericht des Fraktionsvorsitzenden Dr. Ronge über die Arbeit der Fraktion im Abgeordnetenhaus wird von vielen Delegierten in der Aussprache besonders die Personalpolitik der Koalitionsparteien SPD und CDU angegriffen. Dabei wird u. a. von "Beutepolitik" oder "Größenwahn" gesprochen, Bundesminister Lemmer als Berliner CDU-Vorsitzendem Bequemlichkeit und dem Regierenden Bürgermeister Brandt (SPD) vorgeworfen, zuviel herumzureisen und sich zuviel fotografieren zu lassen, "womit allein es auch nicht getan" sei.

Der stellv. Vorsitzende der Bundespartei, Dr. Mende, wiederholt in seinem außenpolitischen Referat im wesentlichen die von ihm und den anderen Mitgliedern der FDP-Fraktion im Bundestag vorgetragenen Argumente. Verhandlungen mit der DDR lehnt Dr. Mende unter Hinweis auf das Potsdamer Abkommen ab, in dem sich die Siegermächte zur Erhaltung der deutschen Einheit verpflichtet hätten. Wer jedoch die Sowjets aus Mitteldeutschland heraushaben wolle, der müsse bereit sein, Gegenleistungen zu bringen. "Wer Ulbricht, loswerden will, muß bereit sein, in Moskau an der Kasse nach dem Preis zu fragen".

Nach längerer Diskussion billigen die Delegierten eine Resolution, in der die Wiedervereinigung als oberstes Ziel der Nation bezeichnet wird. Nur, was die Wiedervereinigung fördere, sei gute Außenpolitik. Dagegen drohe die von der CDU durchgesetzte atomare Bewaffnung der Bundeswehr, die Wiedervereinigung zu verzögern oder gar zu verhindern. Bei allen politischen Maßnahmen müsse davon ausgegangen werden, daß ein sowjetisches Sicherheitsbedürfnis von den freien Völkern genauso anzuerkennen sei, wie diese die Anerkennung des eigenen Sicherheitsbedürfnisses verlangten. Die Berliner FDP betrachtet daher neben einer kontrollierten Abrüstung ein Auseinanderrücken der Machtblöcke als einen wirksamen Beitrag auf dem Weg zur Wiedervereinigung und wolle sich mit allen legalen Mitteln für diese Entflechtung in Mitteleuropa einsetzen.

In einer Kampfabstimmung wählt der Parteitag mit 141 Stimmen Prof. Hans Reif zum neuen Landesvorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende, Dr. Rudolf Will, erhält im gleichen Wahlgang nur 125 Stimmen; auf Vorschlag von Prof. Reif wird er jedoch mit 237 Stimmen zum ersten und Heinz Amelang mit 248 Stimmen zum zweiten stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt.

1958

7. Deutsches Mozartfest.
Bei der Eröffnungsveranstaltung im Konzertsaal der Hochschule für Musik dankt Volksbildungssenator Prof. Tiburtius der Deutschen Mozartgesellschaft, daß sie in diesem Jahr Berlin als Festort wählte. Als besonders ernste Verpflichtung aller Freunde Mozarts bezeichnet er die Aufgabe, gerade der Jugend den Zugang zu diesem großen Musiker zu erschließen. Dies dürfe jedoch nicht nur durch das Hören von Rundfunksendungen und Schallplatten, also durch passives Aufnehmen, sondern vor allem durch eigenes, wenn auch laienhaftes Musizieren zu entwickeln sein.
Der stellv. Präsident der Mozartgesellschaft, Prof. Erich Vallentin, hebt hervor, daß sich die Gesellschaft für Berlin als diesjährigen Veranstaltungsort entschieden habe, um gerade in der alten Hauptstadt, einem Brennpunkt der Welt, die humanen Zeichen Mozarts, aufleuchten zu lassen.
Während des siebentägigen Festes werden von den Berliner Philharmonikern, dem Berliner Radio-Symphonie-Orchester, dem RIAS-Jugendorchester, dem Chor der St. Hedwigs-Kathedrale und dem RIAS-Kammerchor, einer Reihe namhafter Solisten sowie verschiedenen Kammermusik-Orchestern weltliche und kirchenmusikalische Werke Mozarts aufgeführt. Die Städtische Oper beteiligt sich mit Sonderaufführurigen der gegenwärtig in ihrem Repertoire befindlichen Opern "Idomeneo", "Cosi fan tutte" und "Die Hochzeit des Figaro" an dem Fest.

Anfang Mai untersagen die DDR-Behörden plötzlich Transitfahrten mit PKWs und Bussen durch ihr Staatsgebiet und zwingen Reisende, dafür die Reichsbahn zu benutzen. Rückfragen des Reisebüros "DER" bei den zuständigen Stellen der DDR ergeben dann nach einigen Tagen insofern Klarheit, als die DDR nur dann eine Durchreiseerlaubnis nach Polen und der Tschechoslowakei gewährt, wenn die Reisenden aus der Bundesrepublik für die PKWs oder Reisegesellschaften für ihre Busse die Einreisegenehmigung der Zielländer vorweisen können.

Der "Untersuchungsausschuß Freiheitlicher Juristen" teilt mit, daß er in den vergangenen Wochen in verstärktem Maße Hinweise erhielt, wonach Mitarbeiter der Reichsbahn auf dem Bahnhof Zoo aufgegebene Gepäckstücke, deren Besitzer als Flüchtlinge "verdächtig" erscheinen, ohne Wissen der Eigentümer nach Ost-Berlin geschafft haben. Den reklamierenden Besitzern pflege die Leitung des Bahnhofs Zoo den "Rat" zu erteilen, über die "verloren gegangenen" Sachen im Ost-Berliner Bahnhof Friedrichstraße "nachzufragen". Der "Untersuchungsausschuß" warnt daher "alle Zonenbewohner und Flüchtlinge" davor, ihr Gepäck den in West-Berlin gelegenen Dienststellen der Reichsbahn anzuvertrauen.

Im Laufe dieses Monats verhängt das Amt für Zoll und Warenkontrolle der DDR nach Angaben zuständiger Stellen in Berlin in etwa 50 bis 60 Fällen Geldstrafen zwischen 1000 und 3000 DM, sofern LKWs nur einen Warenbegleitschein vorweisen, ihre Ladung aber für verschiedene Empfänger bestimmt ist. In den meisten Fällen waren zuvor "Beschlagnahme-Verfügungen" erlassen worden, so daß die Fahrzeuge meist erst nach längeren Verhandlungen freigegeben wurden.

Die Berliner Polizei nimmt in diesem Monat die ersten Polizeirufsäulen auf den Straßen in Betrieb, von denen aus die Bürger im Gegensprechverkehr eine rasche Verbindung zum jeweils nächsten Polizeirevier herstellen können

Auf dem volkseigenen Gut Hellersdorf im Bezirk Lichtenberg wird im Mai mit der Anlage des ersten Rinder-Offenstalles nach sowjetischem Vorbild begonnen.

1959

Mit Inkrafttreten des Sommerfahrplanes 1959 der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bundesbahn verkehren folgende Züge zwischen der Bundesrepublik und Berlin:

Die bisherigen Nachtzüge D 149/150 (Berlin-Stuttgart) und der Saßnitz-Expreß (D 129/130) werden zu einem neuen Saßnitz-Expreß umgestaltet, dessen Benutzung außer den üblichen Beschränkungen für den Interzonenverkehr keinen besonderen Beschränkungen unterliegt.
Kurswagen verkehren nach Kiel, Warschau, Aachen-Lüttich-Paris, Hoek van Holland, Paderborn-Bonn, Bremen-Norddeich, Kassel, Saarbrücken-Paris, Malmö, Stuttgart.
Zur Beschleunigung der Verbindung mit Moskau setzt die Reichsbahn bis Brest das Triebwagenpaar "Berolina" ein; drei Stunden Fahrzeitverkürzung werden durch den Einsatz des Triebwagenpaares "Karlex" auf der Strecke von OstBerlin nach Karlsbad erzielt.

Auf dem Hubertus-Sportplatz im Ortsteil Grunewald gewinnt der VfR 06 Hannover-Döhren das Endspiel um die Deutsche Rugbymeisterschaft mit 10 : 5 über die Rudergesellschaft Heidelberg.

Der SC Brandenburg Berlin erringt mit einem 1 : 0 über Uhlenhorst Mülheim in Mülheim/Ruhr zum zweiten Mal nach 1956 den Titel eines Deutschen Hockeymeisters.

1959

Mit Inkrafttreten des Sommerfahrplanes 1959 der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bundesbahn verkehren folgende Züge zwischen der Bundesrepublik und Berlin:

Die bisherigen Nachtzüge D 149/150 (Berlin-Stuttgart) und der Saßnitz-Expreß (D 129/130) werden zu einem neuen Saßnitz-Expreß umgestaltet, dessen Benutzung außer den üblichen Beschränkungen für den Interzonenverkehr keinen besonderen Beschränkungen unterliegt.
Kurswagen verkehren nach Kiel, Warschau, Aachen-Lüttich-Paris, Hoek van Holland, Paderborn-Bonn, Bremen-Norddeich, Kassel, Saarbrücken-Paris, Malmö, Stuttgart.
Zur Beschleunigung der Verbindung mit Moskau setzt die Reichsbahn bis Brest das Triebwagenpaar "Berolina" ein; drei Stunden Fahrzeitverkürzung werden durch den Einsatz des Triebwagenpaares "Karlex" auf der Strecke von OstBerlin nach Karlsbad erzielt.

Auf dem Hubertus-Sportplatz im Ortsteil Grunewald gewinnt der VfR 06 Hannover-Döhren das Endspiel um die Deutsche Rugbymeisterschaft mit 10 : 5 über die Rudergesellschaft Heidelberg.

Der SC Brandenburg Berlin erringt mit einem 1 : 0 über Uhlenhorst Mülheim in Mülheim/Ruhr zum zweiten Mal nach 1956 den Titel eines Deutschen Hockeymeisters.

1960

78. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat beschließt weitere fünf Gräber namhafter und verdienter Persönlichkeiten als Ehrengrabstätten zunächst auf die Dauer von 25 Jahren in die Pflege der Stadt zu übernehmen: Leopold von Gerlach (Berlins erster Oberbürgermeister 1809-1813), Richard Lepsius (Ägyptologe, 1810-1884), Ferdinand Brückner (Schriftsteller), Fritz Hausberg (lib. Politiker, Stadtältester) und George Grosz (Zeichner, Maler).

Der Senat nimmt den Bericht von Bausenator Schwedler zur Kenntnis, daß die Landespostdirektion auf dem Gelände der Richtfunkstelle Schäferberg in Wannsee einen Fernmeldeturm von etwa 121 Meter Höhe errichten wird.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 470 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 22,59 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 21,55 DM (West).

1960

6. Berufsschultag in der Ostpreußenhalle am Funkturm.
An dieser vom Verband der Gewerbelehrer erstmals in Berlin durchgeführten Veranstaltung nehmen neben den etwa 2500 Verbandsmitgliedern auch zahlreiche ausländische Gäste, Vertreter der Kultur- und Wirtschaftsministerien aus den Bundesländern, der Landtage, der Gewerkschaften, der Spitzenverbände, der Universitäten, der Hoch- und Fachschulen teil.
Nach Begrüßungsworten von Minister Lemmer für die Bundesregierung und von Senatsdirektor Rau für den Berliner Senat hält der Politologe Eugen Kogon (Karlsruhe) das Hauptreferat "Die berufsbildende Schule im gesamten Bildungswesen". Weiter referieren der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Burgbacher über "Die berufsbildende Schule in wirtschaftspolitischer Sicht", der stellv. SPD-Vorsitzende Waldemar von Knoeringen über "Die berufsbildende Schule in kulturpolitischer Sicht" und ein Hamburger Berufsschuldirektor über "Grundzüge der künftigen Gestalt des berufsbildenden Schulwesens".

Noch unmittelbar vor dieser Tagung hatte der Vertretertag des Verbandes zwei Resolutionen beschlossen, in denen er fordert,

Während der Tagung ist eine vom Landesarbeitsamt organisierte Berufskundliche Ausstellung in der Thüringenhalle des Messegeländes zu sehen.

In diesem Monat erreicht der Flüchtlingsstrom aus der DDR und Ost-Berlin nach West-Berlin mit etwa 16 500 Personen einen seit Jahren nicht mehr zu verzeichnenden Höchststand. Hauptursache dafür ist weiterhin die anhaltende Bauernflucht; besonders groß ist auch die Zahl der Handwerker, die sich dem Zusammenschluß in Produktionsgenossenschaften entziehen wollen.

Auf der sogenannten Cöllner Insel wird mit dem Abriß der Ruine der Petri-Kirche begonnen, da sich nach Ansicht der Ost-Berliner Behörden ein Wiederaufbau des "historisch unbedeutenden Bauwerks" nicht lohnt.

1960

78. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat beschließt weitere fünf Gräber namhafter und verdienter Persönlichkeiten als Ehrengrabstätten zunächst auf die Dauer von 25 Jahren in die Pflege der Stadt zu übernehmen: Leopold von Gerlach (Berlins erster Oberbürgermeister 1809-1813), Richard Lepsius (Ägyptologe, 1810-1884), Ferdinand Brückner (Schriftsteller), Fritz Hausberg (lib. Politiker, Stadtältester) und George Grosz (Zeichner, Maler).

Der Senat nimmt den Bericht von Bausenator Schwedler zur Kenntnis, daß die Landespostdirektion auf dem Gelände der Richtfunkstelle Schäferberg in Wannsee einen Fernmeldeturm von etwa 121 Meter Höhe errichten wird.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 470 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 22,59 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 21,55 DM (West).

1960

6. Berufsschultag in der Ostpreußenhalle am Funkturm.
An dieser vom Verband der Gewerbelehrer erstmals in Berlin durchgeführten Veranstaltung nehmen neben den etwa 2500 Verbandsmitgliedern auch zahlreiche ausländische Gäste, Vertreter der Kultur- und Wirtschaftsministerien aus den Bundesländern, der Landtage, der Gewerkschaften, der Spitzenverbände, der Universitäten, der Hoch- und Fachschulen teil.
Nach Begrüßungsworten von Minister Lemmer für die Bundesregierung und von Senatsdirektor Rau für den Berliner Senat hält der Politologe Eugen Kogon (Karlsruhe) das Hauptreferat "Die berufsbildende Schule im gesamten Bildungswesen". Weiter referieren der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Burgbacher über "Die berufsbildende Schule in wirtschaftspolitischer Sicht", der stellv. SPD-Vorsitzende Waldemar von Knoeringen über "Die berufsbildende Schule in kulturpolitischer Sicht" und ein Hamburger Berufsschuldirektor über "Grundzüge der künftigen Gestalt des berufsbildenden Schulwesens".

Noch unmittelbar vor dieser Tagung hatte der Vertretertag des Verbandes zwei Resolutionen beschlossen, in denen er fordert,

Während der Tagung ist eine vom Landesarbeitsamt organisierte Berufskundliche Ausstellung in der Thüringenhalle des Messegeländes zu sehen.

In diesem Monat erreicht der Flüchtlingsstrom aus der DDR und Ost-Berlin nach West-Berlin mit etwa 16 500 Personen einen seit Jahren nicht mehr zu verzeichnenden Höchststand. Hauptursache dafür ist weiterhin die anhaltende Bauernflucht; besonders groß ist auch die Zahl der Handwerker, die sich dem Zusammenschluß in Produktionsgenossenschaften entziehen wollen.

Auf der sogenannten Cöllner Insel wird mit dem Abriß der Ruine der Petri-Kirche begonnen, da sich nach Ansicht der Ost-Berliner Behörden ein Wiederaufbau des "historisch unbedeutenden Bauwerks" nicht lohnt.

1961

Die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung beschließt auf ihrer 20. (Außerordentlichen) Sitzung eine Empfehlung an den Staatsrat der DDR, die neuen Ordnungen über Aufgaben und Arbeitsweise der Bezirkstage bzw. Stadtbezirksversammlungen im Grundsatz auch für die kommunalen Organe der "Hauptstadt" gelten zu lassen. In der Begründung des entsprechenden Magistrats-Antrages hatte Oberbürgermeister Ebert daraufhingewiesen, daß, da die "Hauptstadt" keinem anderen DDR-Bezirk unterstehe und selbst die Funktion eines Bezirks ausübe, auch für sie die für Bezirke gültige Ordnung maßgeblich sein müsse.

Die Post im Osten der Stadt versieht in diesem Monat erstmals dort aufgegebene Sendungen mit der Ortsangabe "Berlin - Hauptstadt der DDR" im Stempel.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 460 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 23,08 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 22,30 DM (West).

1964

PanAm eröffnet mit einer auf dem Flughafen Tegel landenden Maschine vom Typ DG 8 die Direktverbindung zwischen New York und Berlin. Die ersten 86 Passagiere, unter ihnen vier Mitglieder des Repräsentantenhauses sowie 40 Journalisten amerikanischer Zeitungen und Funk- und Fernsehstationen, begrüßen gemeinsam US-Stadtkommandant General Polk, der Regierende Bürgermeister Brandt und Verkehrssenator Theuner. Nach etwa dreistündigem Aufenthalt erfolgt der planmäßige, rund neun Stunden dauernde Rückflug mit einer Zwischenlandung in Glasgow.

1965

Der Strafsenat la des Ost-Berliner Stadtgerichts verurteilt vier in West-Berlin lebende Bürger der Bundesrepublik, darunter eine Frau, zu vier bis zehn Jahren Zuchthaus, weil sie, so die Darstellung von ADN, "im Dienste der Menschenhandler und Schleusen-Organisationen in Tateinheit mit verbotener Nachrichtensammlung, Dokumenten- und Urkundenfälschung sowie versuchter illegaler Geldausfuhr" an Fluchthilfe-Aktionen beteiligt waren. Am ersten Tag des für die Pfingstfeiertage vereinbarten vierten Besuchszeitraums passieren rund 13000 West-Berliner die fünf Sektorengrenzübergänge, um in Ost-Berlin ihre Verwandten zu sehen (vgl. 12. April).

1966

Der 15. Deutsche Kongreß für ärztliche Fortbildung in den Messehallen am Funkturm zählt knapp 11000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland. Tagungsthemen sind Probleme der Herz-und Hirnchirurgie, die Diabetes, Viruskrankheiten sowie die Möglichkeiten zum Einsatz von Radio-Isotopen in Diagnostik und Therapie.

1967

Festsitzung des Ordens "Pour le merke für Wissenschaften und Künste" im "Audimax" der FU anläßlich der 125. Wiederkehr seines Gründungstages am 31. Mai 1842, an der 22 seiner zur Zeit 28 deutschen und 20 ausländischen Mitglieder teilnehmen. Bundespräsident Lübke, der Regierende Bürgermeister Albertz und FU-Rektor Lieber würdigen in ihren Begrüßungsansprachen den von König Friedrich Wilhelm IV. gestifteten Orden, der eine ehrwürdige Tradition darstelle, und bezeugen ihren tiefen Respekt für die herausragenden Leistungen seiner Mitglieder. Nach der Veranstaltung empfangen Studenten den Bundespräsidenten, der in Begleitung von Bundesinnenminister Lücke und des Regierenden Bürgermeisters zu seinem Wagen geht, mit "Buh" - und den Namen des nordvietnamesischen Partei- und Staatschef skandierenden "Ho Chi Minh"-Rufen, wobei sie rhytmisch mit Blechbüchsen klappern, in denen sie Geld für den Kampf des kommunistischen Vietcong in Südvietnam sammeln. Der etwa eine Viertelstunde dauernde Tumult legt sich erst, als der greise Otto Hahn, dem 1938 in Berlin als erstem eine Kernspaltung gelang, das Gebäude verläßt und auf die Studenten zugeht, die ihn mit demonstrativem Beifall begrüßen.

1968

Nach Rückkehr von DDR-Staats- und Parteichef Ulbricht von einem dreitägigen Moskau-Besuch veröffentlich ADN ein Kommunique, demzufolge beide Seiten erklären, daß die kürzlich von der DDR-Regierung getroffenen "Schutzmaßnahmen" auf den Verbindungsstraßen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik (vgl. 10. März, 13. und 26. April) sich "in voller Übereinstimmung mit den Rechten und Verpflichtungen der DDR aus den gültigen internationalen Abkommen befinden". Der von den "herrschenden Kreisen" Westdeutschlands verfolgte Kurs der "ungesetzlichen Einbeziehung" West-Berlins in die Bundesrepublik und die damit zusammenhängenden "Provokationen" würden nach wie vor auf "entschiedene Abfuhr" stoßen.

Das Plenum der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin wählt Professor Erich Rübensam (SED) zum neuen Präsidenten und verleiht seinem Vorgänger, dem aus Altersgründen ausscheidenden Professor Hans Stubbe, die Würde eines Ehrenpräsidenten.

1969

Im Alter von 62 Jahren stirbt in West-Berlin die Schauspielerin Hilde Körber, von 1951 bis 1969 Leiterin der von ihr gegründeten Max-Reinhardt-Schule, die 1965 in die Staatliche Hochschule für Musik und darstellende Kunst Berlin eingegliedert wurde. Von 1946 bis 1950 gehörte sie als CDU-Abgeordnete der Berliner Stadtverordnetenversammlung an.
   Am 11. Juni nimmt eine große Trauergemeinde auf dem Waldfriedhof Berlin-Dahlem (Hüttenweg) Abschied von Hilde Körber.

1972

Die Bezirksverordnetenversammlung Tiergarten von Berlin wählt in ihrer 14. Sitzung (8. Wahlperiode) Joachim Karnatz (SPD) erneut zum Bezirksbürgermeister.

1973

Die SPD- und F.D.P.-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Herbert Wehner und Wolfgang Mischnick, treffen am Wandlitzsee bei Berlin mit dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED, Erich Honecker, zu einem Gespräch zusammen. Dabei wird auch das Thema Berlin erörtert.

1973

Die 21. Internationale Vier-Etappen-Fahrt der Radamateure über 561 Kilometer in Berlin, an der 77 Fahrer aus sechs Ländern teilnehmen, gewinnt in der Einzelwertung Andreas Troche aus Hameln mit 14:34:51 Stunden und in der Mannschaftswertung die Berliner Stadtmannschaft mit 43:50:10 Stunden.

1977

In den Ausstellungshallen am Funkturm (Berlin-Charlottenburg) findet der in Anwesenheit von Bundesgesundheitsministerin Antje Huber eröffnete 26. Deutsche Kongress für ärztliche Fortbildung statt. Gleichzeitig werden der 10. Deutsche zahnärztliche Fortbildungskongress, der 8. Fortbildungskongress für Krankenschwestern und Krankenpfleger sowie die Internationale pharmazeutische und medizinisch-technische Ausstellung veranstaltet.

1978

Im Alter von 88 Jahren stirbt in West-Berlin die Malerin und Graphikerin Hannah Höch. Sie war eine der wichtigsten Vertreterinnen des Dadaismus und zählte zu den Pionieren der Fotomontage. 1976 verlieh ihr der West-Berliner Senat anlässlich der großen Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie den Professorentitel ehrenhalber.

1979

Nach der Bildung des neuen Senats (vgl. 26. April) betont der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe in seiner Regierungserklärung vor dem Abgeordnetenhaus (3. Sitzung, 8. Wahlperiode), immer wieder auftauchende Spannungen zwischen Ost und West müssten vor dem Hintergrund eines im überragenden Interesse beider Seiten liegenden Entspannungsprozesses gesehen werden. Fundamentaler Auftrag bleibe die Aufrechterhaltung und Entwicklung der Bindungen Berlins an den Bund.

1980

Hertha BSC steigt nach einem unzureichenden 4:2-Sieg über den VfB Stuttgart im Olympiastadion in Charlottenburg aus der Bundesliga ab. In der kommenden Saison werden die Berliner in der Zweiten Fußball-Liga Nord spielen.

1983

Der IX. Kongreß des Schriftstellerverbandes der DDR in der Kongreßhalle am Alexanderplatz zählt mehr als 300 Delegierte und Gäste. Im Mittelpunkt der Reden, Referate und Diskussionen steht der "aktive Beitrag" der Schriftsteller zur Stärkung der sozialistischen Gesellschaft in der DDR und zur Sicherung des Friedens. Der Kongreß wählt erneut Hermann Kant zum Vorsitzenden des Verbandes. Überschattet wird der Kongreß vom Tod der Ehrenpräsidentin des Verbandes, Anna Seghers, am 1. Juni. Nach einem Trauerakt am 8. Juni in der Akademie der Künste der DDR findet die im Alter von 82 Jahren Verstorbene ihre letzte Ruhestätte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

1986

Die Frühjahrs-Mitgliederversammlung der Berliner Akademie der Künste wählt den 60jährigen Komponisten Giselher Klebe zu ihrem neuen Präsidenten als Nachfolger des aus persönlichen Gründen nicht mehr kandidierenden Schriftstellers Günter Grass.

Im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Diepgen erfolgt im besonders für Kunstausstellungen hergerichteten Haus Fasanenstraße 24 (vgl. 25. April) die Eröffnung eines Käthe-Kollwitz-Museums. Die 15 Plastiken, 50 Zeichnungen und 120 Graphiken, die den Grundstock der Sammlung bilden, sind Leihgaben der Erbengemeinschaft Käthe Kollwitz oder stammen überwiegend aus dem Besitz von Hans Pels-Leusden, dessen Galerie vor kurzem in die benachbarte Grisebach-Villa einzog (vgl. 21. März), und unter dessen Vorsitz ein eingetragener Verein das Museum ohne behördliche Zuschüsse unterhalten will.

Das 35. Finale der FDGB-Fußballpokals im "Stadion der Weltjugend" vor fast 50.000 Zuschauern gewinnt der 1. FC Lokomotive Leipzig mit 5:1 gegen den 1. FC Union (Ost-)Berlin.

1987

Mit dem 27. Deutschen Turnfest erlebt Berlin zum dritten Mal diese größte Veranstaltung des deutschen Sports. Sah die Stadt 1961 etwa 4 000 Teilnehmer, so 1968 rund 68 000, diesmal jedoch 120 000 aus über 4 800 Vereinen, die mit Dutzenden von Bussen und 40 Sonderzügen hierherkommen; 94 000 Teilnehmer finden ihr Quartier in 375 Schulen. Insgesamt gibt es 628 sportliche Wettkämpfe u.a. in der Deutschlandhalle, im ICC und auf den Sportplätzen und Hallen vieler Vereine, daneben aber auch eine Fülle von Veranstaltungen wie Tanznachmittage und -abende, Konzerte der zahlreichen Kapellen und Spielmannszüge von Vereinen und eine internationale Fete von 27000 jungen Turnern im Strandbad Wannsee. Zu den Höhepunkten zählen: die Eröffnung im Olympia-Stadion mit Bundespräsident von Weizsäcker; ein Festakt im ICC, bei dem der Bundespräsident 19 Vereine, darunter fünf Berliner, die älter sind als hundert Jahre, mit der Sportplakette des Bundes auszeichnet; eine Feierstunde in der Hasenheide, in welcher der Regierende Bürgermeister Diepgen an Turnvater Jahn erinnert, der 1811 hiermit seinen Schülern den ersten Turnplatz derWelt einrichtete; ein großer Festumzug und die Abschlußfeier am Pfingstsonntag ebenfalls im Olympia-Stadion mit Bundeskanzler Kohl, der die zurückliegenden Tage als ein "Fest der Harmonie,... der Freude, eine gelungene Demonstration für Sport und Spiel" bezeichnet. Bei den Deutschen Kunstturnmeisterschaften siegen im Olympischen Zwölfkampf Andreas Aguilar (TK Hannover) vor Andreas Japtok (VfL Hannover) und Bernhard Simmelbauer (TV Mühldorf), Olympischen Achtkampf Anja Wilhelm (VfL Wolfsburg) vor Isabella Lospichl (TSV Weilheim) und in der Rhythmischen Sportgymnastik Marion Rothaar vor Regina Weber und Diana Schmiemann (alle Wattenscheid)

1988

Als erste der fünf großen Ausstellungen im Rahmen der Veranstaltungen zur Kulturstadt Europas eröffnet der Regierende Bürgermeister Diepgen im Sonderausstellungssaal der Stiftung PK in der Dahlemer Lansstraße die von der griechischen Kulturministerin Melina Mercouri initierte, auf deutscher Seite vom Seminar für Vor- und Frühgeschichte der FU vorbereitete Schau "Das Mykenische Hellas -Heimat der Helden Homers". Sie zeigt 329 Stücke mykenischer Kultur (1600 bis 1100 v. Chr.), die aus 30 vorwiegend griechischen Museen stammen.

1989

Zum Abschluß seines knapp zweitägigen Besuchs in der Bundesrepublik fordert US-Präsident Bush in einer programmatischen Rede in Mainz "Selbstbestimmung für ganz Deutschland und alle Länder Osteuropas". Ebenso wie in Ungarn (vgl. 267 27. Mai) müßten alle Schranken in Europa fallen. "Berlin muß die nächste Station sein. An keinem anderen Ort wird die Teilung zwischen Ost und West deutlicher sichtbar als in Berlin. Dort trennt eine brutale Mauer Nachbarn und Brüder. Diese Mauer steht als Monument für das Scheitern des Kommunismus. Sie muß fallen. Glasnost mag ja ein russisches Wort sein. Offenheit jedoch ist ein westliches Konzept. West-Berlin hat immer die Offenheit einer freien Stadt besessen. Unser Vorschlag würde ganz Berlin zu einem Zentrum des Handels zwischen Ost und West machen - einem Ort der Zusammenarbeit, nicht der Konfrontation. Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung zu der im Jahre 1987 von den Westmächten verkündeten Initiative zur Stärkung von Freiheit und Sicherheit in dieser geteilten Stadt ... Bringt Glasnost nach Ost-Berlin ..." Während der Regierende Bürgermeister Momper und sein Amts vorgänger Diepgen die Hervorhebung Berlins in der Rede des Präsidenten ausdrücklich begrüßen, bezichtigt ihn ADN in einem Kommentar der Einmischung in die inneren Angelegenheiten sozialistischer Staaten. Statt einer "wichtigen Grundsatzrede" zum Ost-West-Verhältnis habe er "alte Sprüche und dreiste Ansprüche" vorgetragen, die Fundamente der europäischen Nachkriegsordnung in Frage gestellt und "den untauglichen Versuch seines Amtsvorgängers" erneuert, "unter Verkennung geschichtlicher und politischer Realitäten insbesondere Vorschriften für die Grenze zwischen der DDR und Berlin (West) zu machen".

Nach den Kommunalwahlen in Ost-Berlin (vgl. 7. Mai) konstituiert sich in Pankow die letzte der Stadtbezirksversammlungen. Auf ihr erfolgt, wie schon am 24., 25., 29. und 30. Mai in den zehn anderen Versammlungen, jeweils einstimmig die Bestätigung der bisherigen bzw. eine Neuwahl (Namen sind kursiv gesetzt) der alle der SED angehörenden Bezirksbürgermeister: Gottfried Kroschwald Wolfgang Schulze Heinz Borbach Günter Polauke Horst Stranz Günter Milke Ingeborg Poßduweit Heinz Mohn Gerd Cyske Hand-Günter Burbach Wilfried Franke

Beim traditionellen Spargelessen des Berliner Journalisten-Verbandes beklagt der Regierende Bürgermeister Momper die Behandlung des neuen Senats durch Bundeskanzler Kohl und die Union. Er beobachte "mit Sorge, daß aus parteipolitischem Interesse heraus die frühere selbstverständliche Aufmerksamkeit für Berlin abnimmt". Er halte es - unter Anspielung auf die Tatsache, daß nicht er, sondern nur CDU-Oppositionsführer Diepgen und Parlamentspräsident Wohlrabe als einziger Vertreter Berlins zum Essen mit US-Präsident Bush am 30. Mai in Bonn eingeladen worden war - keineswegs für eine Bagatelle, wenn der Kanzler sich beharrlich weigere, den Regierenden Bürgermeister von Berlin überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Der Chef des Kanzleramtes, Seiters, hingegen wirft Momper vor, er habe es bis heute nicht für nötig gehalten, Kohl einen Antrittsbesuch zu machen. Damit hätte er eine Tadition gebrochen, die bei den Regierenden Bürgermeistern von Ernst Reuter bis Eberhard Diepgen reiche. Vor diesem Hintergrund sei die Anschuldigung, Kohl nehme Momper nicht zur Kenntnis, "geradezu absurd". 1.Mitte: 4.Prenzlauer Berg: 5.Friedrichshain: 15.Treptow: 16.Köpenick: 17.Lichtenberg: 18.Weißensee: 19.Pankow: (21.) Marzahn: (22.) Hellersdorf: (23.) Hohenschönhausen

1990

Die Volkskammer der DDR beschließt auf ihrer 9. Tagung (10. Wahlperiode), daß alle DDR-Staatswappen, die sich in und an öffentlichen Gebäuden befinden, unverzüglich, spätestens jedoch in Wochenfrist, zu entfernen sind.

In der 32. Sitzung des Abgeordnetenhauses (11. Wahlperiode) sprechen sich Finanzsenator Norbert Meisner und Vertreter aller Fraktionen für die Beibehaltung der Berlin-Förderung, die aus der Arbeitnehmerzulage sowie Steuererleichterungen und erhöhten Investitionszulagen besteht, und der Berlin-Hilfe - des Bonner Zuschusses zum Berliner Landeshaushalt - in den nächsten Jahren aus. (Vgl. 15. Mai.) Zur Begründung weisen sie darauf hin, daß auf die Gesamtstadt im Zuge der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (vgl. 18. Mai) erhebliche Probleme zukommen würden.
   Mit 67 Ja-Stimmen gegen 50 Nein-Stimmen beschließt das Abgeordnetenhaus in namentlicher Abstimmung, daß die mit Trauerflor versehenen Fahnen der früheren deutschen "Ostprovinzen" Ostpreußen, Pommern und Schlesien aus dem Plenarsaal des Abgeordnetenhauses entfernt werden und daß von den ebenfalls im Plenarsaal hängenden Fahnen der früheren DDR-Länder der Trauerflor entfernt wird. In der vorausgegangenen Debatte hatte die CDU zwar dem Anliegen zugestimmt, den Trauerflor von den Fahnen der auf DDR-Gebiet liegenden Länder zu entfernen, insgesamt aber Ablehnung des Antrags angekündigt. Ähnlich wie die REP argumentierte sie, daß man die 700jährige Geschichte der Ostgebiete und den Verlust der Heimat nicht vergessen dürfe. SPD und AL verwiesen dagegen auf die Veränderungen in Europa und den deutschen Einigungsprozeß. Damit würden die Fahnen der Ostgebiete in Gefahr geraten, zu falschen Symbolen zu werden. Man wolle weder die Geschichte noch die Kultur der Ostgebiete vergessen, aber auch keine falschen Symbole haben.
   Das Abgeordnetenhaus weist einen Mißtrauensantrag der REP gegen Innensenator Erich Pätzold zurück. In der namentlichen Abstimmung sprechen sich die anwesenden 71 Koalitionsabgeordneten für Pätzold aus; 59 Parlamentarier stimmen mit Nein. Begründet worden war der Mißtrauensantrag mit der Verantwortung des Senators für die Ausschreitungen am 1. Mai in Kreuzberg. (Vgl. 1. Mai.)

Unter der Leitung von Parlamentspräsident Jürgen Wohlrabe konstituiert sich der Abgeordnetenhaus-Ausschuß für die Vorbereitung der Einheit Berlins. Der 19köpfige Ausschuß setzt sich zusammen aus acht Mitgliedern der CDU-Fraktion, acht Mitgliedern der SPD-Fraktion, zwei Mitgliedern der Fraktion der AL und einem Mitglied der Fraktion der REP. Zum Vorsitzenden wird der SPD-Fraktionsvorsitzende Ditmar Staffelt gewählt. Stellvertretender Vorsitzender wird der geschäftsführende CDU-Fraktionsvorsitzende Dankward Buwitt.
   Die Themen, mit denen sich der Ausschuß künftig befassen wird, erstrecken sich auf die Bereiche Ländergliederung, Verfassung, Verwaltungsstrukturen, Regionalplanung und Formen der Kooperation mit einem Land Brandenburg.
   Der Ausschuß will innerhalb der nächsten 14 Tage zu einer gemeinsamen Sitzung mit dem Ausschuß "Einheit Berlins" der Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung zusammentreten. (Vgl. 28. Mai.)

Ost-Berlins "Runder Tisch" zieht im Roten Rathaus auf seiner 23. und letzten Zusammenkunft Bilanz über seine Arbeit in den vergangenen fünfeinhalb Monaten. Erstmals am 14. Dezember 1989 aufgestellt, kamen an ihm in der Übergangszeit - ohne legitimierte Volksvertreter - Alt- und Neuparteien sowie Vereinigungen zusammen. Zu Beginn nahmen 18 Parteien und Vereinigungen Platz, drei weitere kamen bis Ende Februar noch hinzu. Themen waren die wirtschaftliche und soziale Lage, die Situation im Gesundheitswesen, auf dem Arbeits- und Immobilienmarkt sowie die Stadt- und Verkehrsentwicklung.
   Am 8. Juni wird der Stadtverordnetenvorsteherin Christine Bergmann im Roten Rathaus eine etwa 1000 Seiten umfassende Mappe mit den Arbeitsergebnissen des Runden Tisches überreicht.

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1991

Der SPD-Bundesparteitag in Bremen lehnt mit einer Stimme Mehrheit Berlin als künftigen Sitz von Bundestag und Bundesregierung ab. 203 Delegierte votieren für Bonn, 202 für Berlin, drei enthalten sich der Stimme. Der beschlossene Antrag besagt, es müsse eine Aufgabenteilung zwischen Bonn und Berlin geben. Bundespräsident, Bundesrat und Bundesversammlung sollten ihren Sitz in Berlin nehmen, Bundestag und Bundesregierung sollten in Bonn bleiben. Wichtige Plenarsitzungen, die Wahlen von Bundeskanzler und Bundespräsident, Staatsakte und Staatsbesuche sollten in Berlin stattfinden.
   Fast einstimmig sprechen sich die Delegierten für eine Volksabstimmung über die Frage des künftigen Parlaments- und Regierungssitzes aus.

1992

Zwischen Berlin-Frohnau und Hohen Neuendorf (Kreis Oranienburg) wird die 1961 unterbrochene S-Bahnstrecke wieder in Betrieb genommen. (Vgl. 1. April.) Die Lücke im Netz der S-Bahn ist für 65 Millionen DM geschlossen worden.

Zehn Bahnhöfe werden zum Fahrplanwechsel umbenannt: Aus dem S-Bahnhof Marx-Engels-Platz wird die Station Hackescher Markt, aus dem S-Bahnhof Mariendorf die Station Attilastraße, aus dem S-Bahnhof Großgörschenstraße die Station Yorckstraße (Großgörschenstraße), aus dem S-Bahnhof Steglitz die Station Rathaus Steglitz, aus dem U-Bahnhof Kottbusser Damm die Station Schönleinstraße, aus dem U-Bahnhof Putlitzstraße die Station Westhafen und aus dem U-Bahnhof Tegel die Station Alt-Tegel. Die Bahnhofsnamen der U-Bahnhöfe Neukölln und Tempelhof werden jeweils mit dem Begriff Südring als Hinweis auf die S-Bahn ergänzt, der Bahnhof Olympia-Stadion bekommt den Zusatz (Ost) als Hinweis auf den östlichen Stadionzugang.

Nach knapp einjähriger Renovierung wird das Jagdschloß Grunewald ? das einzige Berliner Renaissance-Bauwerk ? zu seinem 450. Jubiläum feierlich wiedereröffnet. Das von Joachim II., Kurfürst von Brandenburg, in Auftrag gegebene Schloß wurde 1542 von Baumeister Caspar Theyss errichtet. Eine Sonderausstellung zum 450. Jubiläum ist bis 26. Juli zu sehen.

1996

Zum ersten Mal legen Bundeswehrrekruten in Berlin ein öffentliches Gelöbnis ab. Etwa 2 000 Gäste verfolgen die Zeremonie, die unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Schloß Charlottenburg stattfindet und an der 286 Rekruten beteiligt sind. Entschieden wendet sich Bundespräsident Roman Herzog in seiner Rede gegen eine Diffamierung der Soldaten. "Sie leisten einen wichtigen und ethisch wertvollen Dienst und sind gewiß keine Mörder, sondern setzen im Gegenteil ihr Leben und ihre Gesundheit für das Gemeinwohl ein", sagt Herzog. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen würdigt das erste öffentliche Gelöbnis von Bundeswehrrekruten in Berlin als ein Stück wiedergewonnener Normalität. "Berlin steht zur Bundeswehr, und die Bundeswehr steht in Berlin", sagt Diepgen. "Wir verstecken unsere Soldaten nicht."
Rund 1 000 Menschen protestieren gegen die Gelöbnisfeier. Vereinzelt kommt es zu Ausschreitungen. 92 Personen werden festgenommen, darunter zwei Mitglieder der PDS-Fraktion des Abgeordnetenhauses.

In der Deutschen Oper in Berlin-Charlottenburg vergibt Bundesinnenminister Manfred Kanther in der Galaveranstaltung "Die Nacht der Komödianten" vor rund 2 000 geladenen Gästen die Bundesfilmpreise 1996. Die Veranstaltung wird von der ARD live übertragen. Der Hauptpreis, ein Filmband in Gold für den besten Film, geht an "Der Totmacher" von Romuald Karmakar. Die Auszeichnung ist mit einer Prämie von 950 000 DM verbunden. Ein Filmband in Gold für den besten Regisseur wird Romuald Karmakar für "Der Totmacher" zugesprochen. Ein Filmband in Gold für den besten Darsteller erhält Götz George für "Der Totmacher", ein Filmband in Gold für die beste Darstellerin Katja Riemann für "Stadtgespräch" und "Nur über meine Leiche". Filmbänder in Silber gehen an den Regisseur Joseph Vilsmaier für "Schlafes Bruder" und an den Regisseur Michael Verhoeven für "Mutters Courage". Mit Filmbändern in Gold werden ausgezeichnet Alexander Berner für den Schnitt von "Schlafes Bruder" und "Wia die Zeit vergeht", Hans-Christoph Blumenberg für das Drehbuch zu "Beim nächsten Kuß knall' ich ihn nieder" sowie Thomas Plenert für die Kameraarbeit in "Kalte Heimat". Ein Filmband in Gold für herausragende Verdienste um den deutschen Film wird postum dem Potsdamer Szenenbildner Alfred Hirschmeier verliehen. Schließlich gehen ein Filmband in Gold als Ehrenpreis für eine bedeutende Filmpersönlichkeit aus dem Ausland an den US-amerikanischen Regisseur Fred Zinnemann und ein Filmband in Gold für den besten ausländischen Film an "Smoke" von Wayne Wang.

Am Pariser Platz steigt die Richtkrone am Hotel Adlon empor. Rund 2 000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur nehmen an der Zeremonie teil.

1998

Eröffnet wird eine ständige Ausstellung im Alten Museum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte mit Exponaten aus der wiedervereinten Berliner Antikensammlung ("Neue Antike im Alten Museum - 300jähriges Bestehen der Antikensammlung"). Rund 3 000 Kunstliebhaber kommen am Eröffnungstag in die neugestalteten Ausstellungssäle.

Höhepunkt des von der "Werkstatt der Kulturen" veranstalteten "Karnevals der Kulturen" in Berlin-Kreuzberg ist eine Parade auf einer 3,6 Kilometer langen Route zwischen Mariannen- und Oranienplatz, vorbei an mehr als 250 000 Schaulustigen. Rund 3 500 Akteure aus über 60 Ländern sind beteiligt.

Im Alter von 85 Jahren stirbt in Berlin die Schauspielerin, Sängerin und Entertainerin Lotti Huber. Sie wurde 1980 von dem Filmemacher Rosa von Praunheim entdeckt, der mit ihr den Film "Unsere Leichen leben noch" drehte.
Am 5. Jun. wird die Künstlerin auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde an der Heerstraße in Berlin-Charlottenburg beigesetzt. Zum Abschied kommen rund 500 Freunde und Weggefährten.

1999

Zum 200. Jahrestag des Beginns der Forschungsreise Alexander von Humboldts (1769 - 1859) nach Amerika wird im Haus der Kuluren der Welt in Berlin-Tiergarten ein international besetztes wissenschaftliches Symposium veranstaltet, das die Frage nach den vielfältigen, bislang weitgehend unbeachtet gebliebenen Beziehungen zwischen den Forschungen des Berliner Naturforschers und Geographen und der Entwicklung der Moderne aufwirft. Eröffnet wird die Veranstaltung mit einem Festvortrag von Wolf Lepenies, Leiter des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Alexander von Humboldt forschte von 1799 bis 1804 in Amerika.

2001

Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen weist jegliche Schuld des Senats an der Krise der mehrheitlich landeseigenen Bankgesellschaft Berlin zurück. "Der Senat trägt nicht die Verantwortung für einzelne notleidende Kreditengagements der Bankgesellschaft oder gar Verstöße gegen das Kreditwesengesetz. Er sieht sich aber in der Verantwortung, die Folgen der offensichtlichen Schieflage der Bank zu beseitigen", sagt Diepgen in einer Regierungserklärung vor dem Abgeordnetenhaus (27. Sitzung, 14. Wahlperiode). Der Regierungschef kündigt einen harten Sparkurs an und spricht "von einer neuen Dimension des Sparens", die auf das Land zukomme.
Der Senat muss mehr als vier Milliarden DM zur Verfügung stellen, um die Bankgesellschaft zu retten. Dies bestätigt das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen offiziell unter Bezugnahme auf Sonderprüfungen bei der Bankgesellschaft. Schuld an den Problemen sind in erster Linie riskante Immobiliengeschäfte.

2003

Das 60. DFB-Pokalfinale gewinnt vor 70 000 Zuschauern im Olympiastadion in Charlottenburg der deutsche Fußballmeister FC Bayern München gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 3 : 1 (2 : 0).
   Das deutsche Pokalfinale wird mindestens bis zum Jahre 2010 in Berlin stattfinden. Einen entsprechenden Vertrag schließt der DFB mit dem Senat.

2005

Israels Staatspräsident Mosche Katzav, der am Vortag zu einem dreitägigen Staatsbesuch anlässlich des 40. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland in Berlin eintraf, hält im Reichstagsgebäude eine Rede vor dem Deutschen Bundestag. "Hier, in diesem Gebäude", sagt er, "begann die Tragödie, die zur systematischen Ausrottung des jüdischen Volkes führte. Hier in Berlin wurden die Entscheidungen gefällt, die zur größten Tragödie der Menschheit führten." Mit Blick auf die besonderen Beziehungen und die Geschichte von Deutschen und Israelis spricht der Staatspräsident von der "gemeinsamen Herausforderung, die Lehre der Shoa an die nächsten Generationen weiterzugeben". Katzav sagt: "Verwandeln wir das Trauma der Vergangenheit in eine Hoffnung für die Zukunft."
   Bundespräsident Horst Köhler und der israelische Staatsgast feiern mit rund 600 israelischen und deutschen Jugendlichen ein Gartenfest im Park des Charlottenburger Schlosses. Am Abend findet in der Philharmonie in Tiergarten ein festliches Konzert statt, mehr als 2 000 Gäste feiern in Anwesenheit von Katzav und Köhler den 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Zubin Mehta dirigiert das Israel Philharmonic Orchestra, gespielt werden Werke von Ludwig van Beethoven.
   Am folgenden Tag besucht Katzav als erstes Staatsoberhaupt das Holocaust-Mahnmal. (Vgl. 10. Mai.) Anschließend benennt er in Mitte das südliche Teilstück der Entlastungsstraße in Ben-Gurion-Straße um. David Ben Gurion (1886-1973) war der erste israelische Ministerpräsident. Bereits im letzten Jahr benannte Katzav den nördlichen Abschnitt der Entlastungsstraße in Yitzhak-Rabin-Straße um.

2005

Unter dem Motto "100 Jahre Deutscher Städtetag: Die Zukunft liegt in den Städten" findet in Berlin die 33. Hauptversammlung des Deutschen Städtetags statt. Der größte kommunale Spitzenverband in Deutschland wurde vor 100 Jahren in Berlin gegründet.
   Während der Hauptversammlung im Hotel Estrel in Neukölln sprechen am 1. Juni nach einer Begrüßung durch den Gastgeber, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Präsidentin des Deutschen Städtetags und Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, Petra Roth, und Hauptgeschäftsführer Stephan Articus.
   Am 1. Juni nehmen rund 1 800 Delegierte und Gäste im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Mitte an einem Festakt zum Jubiläum des Verbandes teil. Es spricht Bundespräsident Horst Köhler.
   Am 2. Juni wählen die Delegierten der Hauptversammlung den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum neuen Städtetagspräsidenten.

2006

Im Filmhaus des Sony-Centers am Potsdamer Platz wird das Fernsehmuseum der Deutschen Kinemathek eröffnet. Es soll den historischen und kulturellen Wert des audiovisuellen Erbes im öffentlichen Bewusstsein verankern. In der ständigen Ausstellung sind unter anderem Sternstunden der Programmgeschichte erfahrbar.

2009

Höhepunkt des 14. Karnevals der Kulturen in Kreuzberg ist ein bunter Straßenumzug mit mehr als 4 000 Teilnehmern aus 70 Nationen. Rund 700 000 Schaulustige feiern nach Schätzung des Veranstalters am Straßenrand mit.

2010

Bundespräsident Horst Köhler erklärt auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Schloss Bellevue seinen sofortigen Rücktritt. Als Grund nennt er die Kritik, die es zuletzt wegen seiner Äußerungen zum deutschen Afghanistan- Einsatz gab. Diese Kritik entbehre, so Köhler, jeder Rechtfertigung und lasse den notwendigen Respekt für sein Amt vermissen. Am 15. Juni wird Köhler mit einem Großen Zapfenstreich im Park von Schloss Bellevue feierlich verabschiedet.

2013

Zensus 2011: In Deutschland werden die Einwohnerzahlen für Bund, Länder und Kommunen sowie Ergebnisse aus der Gebäude- und Wohnungszählung bekannt gegeben. In Berlin leben weniger Menschen als gedacht. Zum Stichtag wohnten knapp 3,3 Millionen Menschen in der Hauptstadt – rund 180 000 weniger als bislang angenommen. Da der Länderfinanzausgleich sich an der Einwohnerzahl der Länder orientiert, muss Berlin mit erheblichen Mindereinnahmen und einer hohen Rückzahlung rechnen.

2016

Zum 16. Mal findet das traditionelle Hoffest des Regierenden Bürgermeisters in den Höfen und Arkaden des Berliner Rathauses statt.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 31.05.2020)