Was geschah am 08.05. im Jahr ...

1945

Im Gebäude der ehemaligen Pionierschule in Berlin-Karlshorst unterzeichnen im Namen des Oberkommandos der Wehrmacht Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral v. Friedeburg und Generaloberst Stumpff in Anwesenheit des Marschalls der Sowjetunion Shukow, des britischen Luftmarschalls Tedder, des Befehlshabers der strategischen Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten, Generalleutnant Spaatz, und des Oberbefehlshabers der französischen Armee, General de Lattre de Tassigny, die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Damit findet der zweite Weltkrieg auf europäischem Boden sein Ende.

Die sowjetische Militärkommandantur legt durch Befehl die Grenzen des Verwaltungsbezirks Mitte neu fest. Damit gehört auch die ehemalige Reichsdruckerei, bisher Verwaltungsbezirk Kreuzberg, nunmehr zum Verwaltungsbezirk Mitte.

Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Nicolai Kickull zum Bezirksbürgermeister von Kreuzberg.

Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Ferdinand Grändorf zum Bezirksbürgermeister von Schöneberg.

Im Bezirk Charlottenburg findet die erste Eheschließung seit dem Ende der Kampfhandlungen statt, nachdem das Standesamt des Bezirks bereits am 5. Mai seine Tätigkeit wiederaufgenommen hatte. Das Brautpaar zählt zu den Personen, die nach den "Nürnberger Gesetzen" nicht heiraten durften.

1946

Das Komitee für kulturelle Angelegenheiten der Alliierten Kommandantur verfügt mit Cult/I/46/6, daß Kinder unter 14 Jahren nach 19 Uhr keine Filmvorführungen besuchen dürfen. Kindern unter 6 Jahren ist die Teilnahme an für sie geeigneten Filmvorführungen nur in Begleitung Erwachsener gestattet.

1947

(28.) Ordentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin.
Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr verliest eine Stellungnahme der Alliierten Kommandantur zu dem Plan der Stadtverordnetenversammlung über die Sammlung von Material zur Vorbereitung eines Friedensvertrages und erklärt dazu im Einvernehmen mit dem Ältestenausschuß, daß die Stadtverordnetenversammlung mit der Auffassung der Alliierten Kommandantur über die Aufgaben des vorgesehenen Sonderausschusses übereinstimme. Weitergreifende Äußerungen von Angehörigen der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats seien privater Natur.
Die Stadtverordneten fordern in einem Dringlichkeitsantrag der SPD, ergänzt durch einen Zusatzantrag der SED, Verhandlungen des Magistrats mit der sowjetischen und britischen Militärregierung über die Zurücknahme von Räumungsbefehlen, durch die Häuserblocks im Verwaltungsbezirk Weißensee und in der Siedlung Hottengrund in Kladow, Bezirk Spandau, betroffen sind.
Die Stadtverordnetenversammlung stimmt mit Mehrheit einem Antrag der SPD zu, bis zur Neuwahl eines Oberbürgermeisters Frau Bürgermeister Schroeder mit der Führung der Amtsgeschäfte zu betrauen.
Die Stadtverordneten erörtern eine Erklärung des Magistrats zu der Anfrage der CDU über die Bildung der Beratungsausschüsse bei den Arbeitsämtern, mit der diese das Koalitions- und Vorschlagsrecht der Arbeitgeber geklärt wissen will. Stadtverordneter Dr. Schreiber (CDU) weist im Zusammenhang damit die Auffassung des Leiters der Abteilung für Arbeit, Stadtrat Schmidt, zurück, daß, im Widerspruch zur demokratischen Freiheit, auch in Zukunft keine Arbeitgeberorganisationen notwendig seien. Der Leiter der Abteilung für Wirtschaft, Stadtrat Klingelhöfer, vertritt demgegenüber den Standpunkt, daß die bei der Wirtschaftskammer vorgesehenen Fachgemeinschaften völlig die Aufgaben der früheren Unternehmerverbände ersetzen können.
Ferner erörtern die Stadtverordneten die Wiederherstellung der S-Bahnstrecke Ostkreuz-Erkner, für deren Finanzierung die Reichsbahn der sowjetischen Besatzungszone Mittel der Stadt Berlin in Höhe von 1 Million RM in Anspruch nehmen will, ohne jedoch die notwendigen Sicherungen zu geben, sowie die Gründung des Hydromentwerkes Rummelsburg, das Zementersatz herstellen soll.
Stadtkämmerer Dr. Haas begründet den Haushaltsplanentwurf von Berlin für 1947, in dem als neue Etatposten die Polizei, die Justiz, das Post- und Fernmeldewesen und die während des nationalsozialistischen Regimes gestrichenen Zuschüsse für die Kirchen wieder erscheinen. Er gibt in Verbindung damit einen Überblick über die Entwicklung der Besatzungskosten seit 1945.

Die Wochenschrift für Kultur, Politik, Wirtschaft und Berliner Leben "Roland von Berlin" erhält die, Lizenz der sowjetischen Militärregierung.

Zum ersten Male fahren zahlreiche unterernährte und tuberkulosegefährdete Berliner Kinder im Rahmen einer umfangreichen Schweizer Hilfsaktion zu einem dreimonatigen Erholungsaufenthalt in die Schweiz.

1948

Auf dem 5. Parteitag des Landesverbandes Groß-Berlin der SPD wird Franz Neumann als Vorsitzender einstimmig wiedergewählt. Die Delegierten bestimmen Kurt Mattick und Ella Kay zu seinen Stellvertretern und Ernst Sünderhauf erneut zum Landessekretär.
In Entschließungen fordert der Landesparteitag eine deutsche Nationalversammlung und setzt sich mit der Berliner Lage auseinander. Es wird festgestellt, daß Möglichkeiten der demokratischen Arbeit durch polizeiliche, politische und wirtschaftliche Maßnahmen im sowjetischen Sektor fortlaufend eingeschränkt werden, so daß dieser Sektor immer mehr von der übrigen Stadt abgespalten wird. Zur Situation im FDGB heißt es, man könne es den Gewerkschaftsmitgliedern auf die Dauer nicht zumuten, daß ihre Beiträge zur Unterstützung einer totalitär gelenkten Organisation missbraucht werden.
Der Parteitag empfiehlt den SPD-Mitgliedern den Austritt aus der VVN, da sie kommunistischem Einfluß unterliege.
Staatsrat Professor Carlo Schmid stellt in seinem Referat fest, daß in Berlin die Entscheidung im Ringen um die Einheit des deutschen Volkes und damit um die Einheit Europas fallen werde. Die Funktion Berlins begründe besondere Verpflichtungen der demokratischen Besatzungsmächte zur Hilfeleistung. Die SPD werde stets für die Einbeziehung Berlins in den Marshallplan eintreten.

1949

Der Parlamentarische Rat in Bonn verabschiedet vier Jahre nach der Kapitulation Deutschlands (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 8.5.1945) in dritter Lesung mit den Stimmen der SPD, CDU und FDP das Grundgesetz der künftigen Bundesrepublik Deutschland. Gegen die Annahme sprechen sich 2 Abgeordnete des Zentrums, 2 der KPD, 2 der DP und 6 der CSU aus. Im Anschluß an die Abstimmung erklärt Jakob Kaiser (CDU) im Namen der nicht stimmberechtigten Berliner Abgeordneten: "Wir bitten, den 53 Ja-Stimmen das volle Gewicht unserer 5 Berliner Stimmen zuzuzählen."

Der sowjetische Stadtkommandant, Generalmajor Kotikow, weiht im Treptower Park ein von sowjetischen Architekten und Bildhauern geschaffenes monumentales Denkmal für die im zweiten Weltkrieg Gefallenen der Roten Armee ein.

In der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg berichtet Bezirksbürgermeister Horlitz von einer Besprechung mit dem Kirchenvorstand der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche über das weitere Schicksal der Kirchenruine. Der Vorstand halte daran fest, daß die Kirche an ihrem Standort wieder aufgebaut werden müsse, während der Magistrat sich für eine Verlegung der Kirche auf einen in der Nähe gelegenen Platz ausgesprochen habe.

1950

Die Alliierte Kommandantur übermittelt dem Magistrat mit BK/O (50) 49 den Voranschlag der Besatzungskosten und Zwangsausgaben für das Haushaltsjahr 1950/51, deren Gesamtsumme 184,437 Millionen DM beträgt. An erster Stelle der Besatzungskosten stehen mit 88,341 Millionen DM die Ausgaben für Arbeitskräfte. Die Besatzungskosten und Zwangsausgaben im letzten Haushaltsjahr betrugen 247 Millionen DM.

Der amtierende Vertreter der Sowjetischen Kontrollkommission in Berlin, Gardeoberst Jelisarow, richtet an die drei westlichen Stadtkommandanten ein Schreiben zur Frage der Durchführung freier Wahlen in ganz Berlin. Jelisarow geht damit auf ein ihm am 21. April in Abschrift übersandtes Schreiben der drei westlichen Stadtkommandanten an den Oberbürgermeister ein, in dem die drei Kommandanten sich für die Vorschläge von Stadtverordnetenversammlung und Magistrat zur Durchführung Gesamtberliner freier Wahlen ausgesprochen hatten. Jelisarow nennt in seinem Schreiben sieben Punkte als Voraussetzung für freie demokratische Wahlen in ganz Berlin, darunter den zuvor erfolgten Abzug aller Besatzungstruppen aus Berlin und die Aufhebung der Sektorengrenzen, die Bildung einer aus Vertretern des sowjetischen Sektors und der drei Westsektoren paritätisch zusammengesetzten Wahlkommission und die Beseitigung des für die Westsektoren erlassenen sogenannten Kleinen Besatzungsstatuts.

Der Magistrat stimmt auf seiner 85. Sitzung den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung vom 4. Mai zu.

In weiterer Ausführung des Stadtverordnetenbeschlusses vom 1. September 1949 wird die Abteilung Rechtswesen beauftragt, dem Magistrat eine Sammelvorlage über die bis zum 1. Mai 1950 im Bundesgebiet in Kraft getretenen Bundesvorschriften vorzulegen. Die Fachabteilungen haben in eigenen Vorlagen die Beschlüsse des Magistrats darüber vorzubereiten, ob die einzelnen Bundesvorschriften, eventuell mit Änderungen, in Berlin zu übernehmen sind.

Der Magistrat beschließt den Entwurf eines Gesetzes über die Einführung des Einkommensteuergesetzes und des Körperschaftssteuergesetzes der Bundesrepublik Deutschland in Groß-Berlin (West) sowie den Entwurf eines Gesetzes über die Anwendung des im Bundesgebiet geltenden Volkszählungsgesetzes 1950 in Berlin.

Stadtrat Klingelhöfer teilt mit, daß die Alliierte Kommandantur bisher noch nicht den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats zur Errichtung einer Handelskammer zugestimmt habe. Inzwischen werde von privaten Kreisen die Gründung von zwei Vereinen, einer "Handelskammer in Vorbereitung" und einer "Handwerkskammer in Vorbereitung" in die Wege geleitet.

Der Magistrat bespricht die Angelegenheit des aus politischen Gründen nach Westberlin geflüchteten Dresdener Rechtsanwalts Dr. Noellau, gegen den auf Grund einer fingierten Mordanklage ein Auslieferungsantrag aus Dresden vorliegt. Bürgermeister Dr. Friedensburg wird mit einer Untersuchung des Falles beauftragt.

Zugestimmt wird einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und dem Magistrat über die Übernahme der Verwaltung der Staatsdruckerei in Berlin durch die Bundesregierung. Die Staatsdruckerei war bereits am 1. September 1949 unter der Bezeichnung "Bundesdruckerei" der Leitung der Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt a. M. unterstellt worden, nachdem der Magistrat am 10. August 1949 einer entsprechenden Vereinbarung zugestimmt hatte, die am 27. Oktober 1949 von der Alliierten Hohen Kommission gebilligt worden war. Die Druckerei beschäftigt gegenwärtig 800 Kräfte und erhält erhebliche Investitionen und Auftragserteilungen durch das Bundespostministerium.

Der Magistrat stimmt ferner dem Plan der Abteilung Wirtschaft zu, eine Lehrschau "Rationelles Schaffen in Berlin" als Anregung zur Leistungssteigerung der Berliner Wirtschaft durchzuführen.

Beschlossen werden außerdem Dienstordnungen für Chefärzte sowie für Ober- und Assistenzärzte an den öffentlichen Krankenanstalten Berlins. Diese bestimmen unter anderem, daß Ober- und Assistenzärzte keine privatärztliche oder andere Nebentätigkeit ausüben dürfen außer Urlaubsvertretungen eines freipraktizierenden Arztes. Sonst sind Ausnahmen nur zulässig, wenn die Nebentätigkeit überwiegend im öffentlichen Interesse liegt.

Der Magistrat übernimmt eine 20prozentige Ausfallbürgschaft bis zur Höhe eines Kreditbetrages von 30 Millionen DM zur Finanzierung des Herbst- und Wintergeschäftes der Berliner Bekleidungsindustrie. Die Westberliner Bekleidungsindustrie konnte, zum Teil durch Kredite mit Hilfe einer früheren Ausfallbürgschaft des Magistrats, ihre Gesamtumsätze in der vergangenen Herbst- und Wintersaison auf rund 70 Millionen DM (West) steigern.

Auf Grund eines Berichtes von Bürgermeister Dr. Friedensburg über erhebliche Beschädigungen des Grunewalds durch alliierte Truppen wird beschlossen, mit einer Bitte um entsprechende Vorsichtsmaßnahmen an die drei westlichen Stadtkommandanten heranzutreten.

1953

Die Alliierte Kommandantur unterrichtet den Senat mit BK/L (53) 28, daß sie auch weiterhin den Verkauf von Sportwaffen in Berlin nicht genehmigt. Sie wolle jedoch prüfen, inwieweit solche Waffen in Berlin für Exportzwecke hergestellt werden können, falls die Berliner Wirtschaft entsprechende Aufträge bekommt.

Die Bundesregierung beauftragt auf ihrer Sitzung die Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und für gesamtdeutsche Fragen mit der Prüfung von Hilfsmaßnahmen für die mitteldeutschen Landsleute. Gleichzeitig ruft sie die Bevölkerung des Bundesgebiets zu verstärkter Päckchenhilfe auf. Ferner schlägt sie dem Berliner Senat baldige Verhandlungen über die Unterstützung der "Grenzgänger" aus der SBZ vor.

Bundeskanzler Dr. Adenauer erklärt in Bonn vor einer Gruppe Berliner Journalisten zur Frage der Beteiligung Berlins an den Bundestagswahlen, die alliierten Hohen Kommissare hätten bereits einen Einspruch gegen ein Wahlgesetz angekündigt, das die volle Stimmberechtigung der Berliner Abgeordneten vorsehe. Unabhängig davon bleibe seiner Meinung nach die Frage einer direkten Wahl der Berliner Bundestagsabgeordneten offen, über die vom Abgeordnetenhaus zu entscheiden und die von der Alliierten Kommandantur zu genehmigen wäre. Persönlich wünsche er keinen Wahlkampf in Berlin, da in diesem belagerten Vorposten jede Entzweiung der Parteien und ein scharfer Wahlkampf nur den Sowjets nütze.

Innensenator Dr. Müller gibt auf einer Pressekonferenz bekannt, daß die Berliner Verwaltung nach dem Haushaltsplan 1953 insgesamt 121 866 Personen beschäftigt. Die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses über eine generelle Einsparung von 5 Prozent der Stellen hätten sich angesichts der wachsenden Verwaltungsaufgaben als undurchführbar erwiesen.

Der politische Berater des Chefs der SKK, Pawel F. Judin, empfängt im sowjetischen Hauptquartier in Karlshorst den hessischen Kirchenpräsidenten D. Martin Niemöller in Begleitung des Beauftragten der evangelischen Kirche bei der Regierung der "DDR", Propst Grüber, zu einer Aussprache über Fragen des Kirchenkampfes.

Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter und der Senator für Volksbildung, Professor Tiburtius, eröffnen im Museum Dahlem die vierte Ausstellung von Kunstwerken der ehemals staatlichen Museen Berlin.

Der Senat überreicht dem Kommunalpolitiker Wilhelm Ahrens (SPD) an seinem 75. Geburtstag die Ernennungsurkunde zum Stadtältesten.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors bemängelt auf seiner Sitzung erneut, daß einzelne Abteilungen den Eingaben und Beschwerden aus der Bevölkerung noch immer nicht genügend Beachtung schenken.

1954

Erste Tagung des 11. SPD-Landesparteitages in der Onkel-Bräsig-Schule in Britz.
Der Landesvorsitzende Neumann übt in seinem Referat "Kampf für Freiheit und soziale Sicherheit" heftige Kritik an den Vorgängen bei der Bildung der Kleinen Senatskoalition und an der nach seiner Ansicht mangelnden Unterstützungsbereitschaft der Bundesregierung gegenüber Berlin. Er wirft dem Senat unter Führung des Regierenden Bürgermeisters Dr. Schreiber Mangel an Energie und Nachgiebigkeit gegenüber Einzelinteressen der Berliner Wirtschaft vor, wie es sich u. a. bei der schleppenden Erledigung der Wiedergutmachung, der Bevorzugung ehemaliger PG's bei der Beamteneinstellung und der Benachteiligung der sozial schlechter gestellten Schichten durch das Steuerpräferenzsystem gezeigt habe. Er wendet sich gegen mögliche Mieterhöhungen und gegen die geplante Herabstufung der KV AB in eine "Arme-Leute-Krankenkasse" durch die beabsichtigte Herausnahme immer weiterer Beitragszahler mit hohen Löhnen und Gehältern.
Zu der von CDU und FDP betriebenen Kultur- und Schulpolitik meint Neumann, daß mit Hilfe radikal-katholischer CDU-Abgeordneter eine weitere Konfessionalisierung des Schulwesens versucht werde, die sich auf das Elternrecht berufen und dabei arglistig verschwiegen, daß nur zehn Prozent der Elternschaft in Berlin katholisch sind. Anscheinend sollten die muffigen und philisterhaften Ideen des Bundesfamilienministers Wuermeling in Berlin Eingang finden. Doch sollte man sich darüber klar sein, daß "der Berliner verdammt ungemütlich werden kann, wenn man das Rad der Geistesgeschichte um 200 Jahre zurückdrehen und unser Kulturleben auf das Niveau eines bayerischen Priesterseminars herabdrücken will".
Neumann fordert die westlichen Besatzungsmächte auf, ihre Stellung in Berlin nach der Verleihung der Souveränität an die SBZ zu klären und schlägt vor, das "Kleine Besatzungsstatut" durch eine Zwei-Punkte-Erklärung zu ersetzen, wonach die Alliierte Kommandantur lediglich die Sicherheit der Westsektoren gewährleistet und Berlin im übrigen die volle Staatsgewalt nach seiner Verfassung ausübt.
Das von der FDP beantragte Verbot der SED in den Westsektoren lehnt Neumann ab. Nachdem die SED bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus kandidieren will, wäre es logisch, diese Wahlen nach den Bedingungen von 1946 in allen vier Sektoren abzuhalten.

Der stellvertretende Landesvorsitzende Josef Braun geht in seinem Geschäftsbericht vor allem auf die Versuche der Berliner SPD ein, die Bevölkerung im sowjetischen Besatzungsgebiet in den Tagen des 17. Juni stärker anzusprechen. Ihr Bemühen sei aber an der unverständlichen Zurückhaltung der bürgerlichen Parteien und der Alliierten, aber auch an der Reserviertheit des RIAS gescheitert. Somit konnte die notwendige politische Entschlossenheit in dieser Situation nicht erreicht werden. Der Aufstand der Arbeiterschaft in seiner ganzen Tragweite hätte von deutschen Stellen gegenüber den Alliierten aufgegriffen werden müssen, um sie zu stärkerer Einwirkung auf ihren früheren Verbündeten zu veranlassen und dem Freiheitswillen der mitteldeutschen Bevölkerung Rechnung zu tragen.
Braun gibt einen Rückgang der Mitgliedschaft seiner Partei auf rund 31 000 in den Westsektoren und auf rund 7000 Mitglieder im sowjetischen Sektor bekannt.

Der Parteitag stellt in der Resolution "Berlin ist in Gefahr!" fest, daß

Die SPD hält folgende Aufgaben für vordringlich:
  1. Berlin muß Bollwerk der Freiheit und Vorposten für die Wiedervereinigung bleiben. Nach der gescheiterten Berliner Konferenz im Februar und der "Pankower Souveränität von Moskaus Gnaden" komme es mehr denn je darauf an, die Bundesregierung eindringlich auf ihre politischen Pflichten hinzuweisen, das Verhältnis zwischen Bund und Berlin im Lichte der jüngsten Erfahrungen zu überprüfen und die Sicherheitsgarantien für Berlin zu verstärken. Gegen die Bürgerkriegsvorbereitungen der "Machthaber aus Pankow" setze die SPD den Willen zur Verteidigung der Demokratie mit allen ihr tauglich erscheinenden Mitteln.
  2. Ausarbeitung eines langfristigen Wirtschaftsprogramms für Berlin in Zusammenarbeit "mit den Sozialdemokraten vom Bundestag", den Gewerkschaften und den westdeutschen Ländern und den Gemeinden.
  3. Weckung des Bewußtseins der sozialen Verpflichtung gegenüber den Notleidenden und Hilfsbedürftigen in allen Kreisen der Bevölkerung; Fortsetzung des Widerstandes gegen Erhöhung der Brotpreise, der Mieten und Dienstleistungstarife, gegen Verschlechterung der Krankenversicherung.
  4. In engster Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften Schaffung der Voraussetzungen, daß alle Bürger an der Aufbauarbeit in Berlin teilhaben.
  5. Die SPD erklärt sich zum Sprecher all der Berliner, denen das Freiheitsinteresse mehr gilt als ein Sonderinteresse.
  6. Praktische und moralische Hilfeleistung für die Landsleute in der Zone und in Ost-Berlin. Der Landesparteitag wählt, bei einer Stimmenthaltung, Franz Neumann mit 145 von 289 Stimmen zum Landesvorsitzenden; sein Gegenkandidat Willy Brandt erhält 143 Stimmen. Auf Vorschlag des während des Parteitages einberufenen Landesausschusses wird darauf Willy Brandt mit großer Mehrheit zum ersten stellvertretenden und Josef Braun sowie Maria Reuber zu weiteren stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Dem Vorstand gehören ferner Theo Thiele als Landessekretär, Otto Theuner als Landeskassierer, und als Beisitzer Siegfried Aufhäuser, Margarete Heise, Paul Hertz, Ella Kay, Willy Kressmann, Joachim Lipschitz, Kurt Mattick, Kurt Neubauer, Werner Rüdiger, Ernst Scharnowski, Otto Suhr und Ida Wolff an.
Der Landesparteitag lehnt die Annahme eines Briefes der Berliner SED-Bezirksleitung an die Delegierten ab, der zur "Aktionseinheit der Arbeiterklasse" angesichts der bevorstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus auffordert. Da "der Anschluß West-Berlins an Bonn" nur zu Verschlechterungen der Lage der Werktätigen geführt habe, die Hauptstadt aber eine für ganz Deutschland vorbildliche demokratische Ordnung besitzen solle, dürfe sie nicht der "militaristischen und antidemokratischen Politik Bonns" untergeordnet werden. Die SED-Bezirksleitung begrüßt den Beschluß der West-Berliner SED-Kreisleitungen, sich an den bevorstehenden Wahlen zu beteiligen. Sie ihrerseits erklärt sich bereit, dabei mit der SPD "im Interesse der Werktätigen gegen die Feinde des Volkes" zusammenzuarbeiten. Die SED schlägt daher Beratungen über gemeinsame Maßnahmen in folgenden Fragen vor:
  1. Verbot der Massenvernichtungsmittel,
  2. Beseitigung des Besatzungsstatuts in Westdeutschland und West-Berlin, Verhinderung der EVG-Verträge, Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland,
  3. Streichung aller Kriegs- und Nachkriegsschulden, Verhandlungen mit dem Ost-Berliner Magistrat über ein 200-Millionen-DM-Zusatzabkommen im Interzonenhandel,
  4. Verbot für "militaristische" und Verbreitungsfreiheit für "humanistische" Literatur,
  5. Verhinderung des Auftretens von "Kriegstreibern und Militaristen" in den Westsektoren.
Landesparteitag der Berliner CDU im Keglerheim in der Hasenheide.
Der Landesvorsitzende, Bundesminister Dr. Tillmanns, vertritt in seinem Arbeitsbericht die Überzeugung, daß seine Partei die Aufgabe, die Regierung in Berlin zu führen, fest in die Hand genommen habe. Jedenfalls habe die der CDU und der FDP nach dem Tode Ernst Reuters "aufgezwungene" Kleine Koalition gezeigt, daß sie Fruchtbares für die Bevölkerung leisten könne.
Die innerparteiliche Arbeit sei nicht immer ohne Spannungen gewesen, so z. B. in der Frage, ob Wünsche des Landesvorstandes oder der gesamten Partei auch für die Fraktion im Abgeordnetenhaus bindend sind. Dazu bemerkt Dr. Tillmanns, daß Meinungsäußerungen und Wünsche der Partei nicht einfach Befehl für die Mitglieder der Fraktion sein könnten, sie andererseits aber auch nicht gleichgültig hingenommen werden dürften. Eine Lösung dieses Problems liege sicher darin, in der gesamten Partei die Bereitschaft zur Solidarität und zur Achtung voreinander mit dem Willen, auch auf andere zu hören, zu stärken. So bleibe es zwar dabei, daß die CDU - wie der Hamburger Bundesparteitag im April 1953 festlegte - sich zur Mehrheits- und Persönlichkeitswahl bekennt, aber dennoch nicht verkannt werden dürfe, daß die Abgeordnetenhausfraktion in Berlin durch die Koalition mit der FDP vor besonderen politischen Gegebenheiten stehe.
Den bevorstehenden Wahlkampf in Berlin werde die CDU nicht mit negativer Polemik, sondern mit positiven Argumenten und, gestützt auf ihre bewährten Grundsätze, in allen Bereichen der Politik führen, um die Aufgabe der weiteren Stärkung und Sicherung der Existenz Berlins fortsetzen zu können. Eine gute Basis dafür bilde der dank der Initiative, der Berliner CDU zustande gekommene jüngste Beschluß des Bundestages über die Berlin-Hilfe. Die Opposition sei damit um ein großes Schlagwort ärmer geworden, denn Bundeskanzler Dr. Adenauer habe so sein Wort gehalten.

Der Regierende Bürgermeister Dr. Schreiber leitet sein politisches Referat "Berlin steht für Deutschland" mit einem kurzen Überblick über die ersten fünf Monate seiner Amtsführung ein. Die bisherige Arbeit des Senats habe bewiesen, daß die häufig geäußerte Auffassung, ohne Sozialdemokraten könnte in Berlin überhaupt nicht regiert werden, nicht zutreffe. Allerdings werde es der Regierung dadurch nicht leichter gemacht, daß ihr mit der SPD eine Opposition gegenüberstehe, die nicht immer eine sachliche Haltung zeige. Er bedauert auch, daß selbst die eifrigsten Befürworter einer Kleinen Koalition die besondere Situation einer solchen Regierung oft nicht beachteten; denn die Beteiligung an ihr bringe nicht nur Annehmlichkeiten mit sich, sondern erfordere ein hohes Verantwortungsgefühl und gelegentlich auch den Mut zum scheinbar Unpopulären.
Obwohl die einzelnen Senatsmitglieder durch zahlreiche Repräsentationspflichten einer hohen Belastung ausgesetzt sind, habe die Kleine Koalition ihre Zahl von vorher fünfzehn auf zehn herabgesetzt und damit ein gutes Beispiel für die Sparsamkeit der Verwaltung geliefert.
Die Berliner dürften sich nicht in parteipolitischer Leidenschaft zerfleischen, sondern müßten in jedem Augenblick die große Verantwortung empfinden, die sie vor dem ganzen Volk und besonders gegenüber den Landsleuten in Mitteldeutschland trügen. Berlin habe die Pflicht, den Mitteldeutschen hilfreich zu begegnen und ihnen von Zeit zu Zeit durch große Kundgebungen zu zeigen, daß die ganze Stadt über alle Parteien und Konfessionen hinaus einmütig zusammensteht, wenn es gilt, für Einheit, Freiheit und einen gerechten Frieden Zeugnis abzulegen.
Diese große Aufgabe könne Berlin um so besser erfüllen, je mehr es gelinge, die große soziale Not in der Stadt allmählich zu überwinden. Die dank der Hilfe der Bundesregierung und des verstärkten Auftragseingangs aus der Bundesrepublik und dem Ausland in den letzten beiden Jahren einsetzende günstige Entwicklung werde sich auch im laufenden Jahr fortsetzen. Dr. Schreiber weist darauf hin, daß der jetzige Senat bei seinen Verhandlungen in Bonn mehr erreicht habe als der frühere, wenn die SPD auch durch vielfach persönlich zugespitzte Kritik versuche, diese Leistungen in der Öffentlichkeit herabzusetzen. Daneben bemühe sie sich auch noch, durch sogenannte Wirtschaftsprogramme, von deren Unerfüllbarkeit sie selbst überzeugt sein muß, selbst wenn sie Regierungsverantwortung trüge, Wähler an sich zu locken, wobei man sich nur wundern könne, warum all dies nicht längst verwirklicht wurde, als die SPD in Berlin noch eine so starke Position im Senat hatte. Wenn aber die Wirtschaft sich weiter so gut entwickle, sei er davon überzeugt, daß die Berliner die Arbeit des Senats bei den Wahlen im kommenden Dezember genauso anerkennen würden, wie das die Wähler im Bundesgebiet mit der Leistung der Bundesregierung am 6. September 1953 getan hätten.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Ernst Lemmer, spricht sich gegen ein Verbot der SED in den Westsektoren aus; die CDU wünsche "den Vollzug der politischen Hinrichtung der SED-Substanz in Berlin durch den Stimmzettel". Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dr. Batzel erklärt, die CDU stimme dem Verhältniswahlrecht in Berlin aus Rücksicht auf die FDP zu.

Der Parteitag fordert mit der Annahme entsprechender Anträge die Herabsetzung der Dauer der Grundschule von sechs auf vier Jahre, die Gleichstellung des Religionsunterrichtes als ordentliches Lehrfach in allen Schulen einschließlich der Berufsschulen sowie die Zulassung der Innungs-, Betriebs- und Ersatzkassen noch vor den Wahlen 1954.

Der Landesparteitag wählt erneut Dr. Robert Tillmanns zum ersten, Egon Endres zum geschäftsführenden und Karl Theodor Schmitz, Anton Weber und Dr. Günter Riesebrodt zu stellvertretenden Landesvorsitzenden, zu weiteren Mitgliedern des Landesvorstandes Günther Dach, Joachim Wolff, Josef Stingl, Wolfram Müllerburg, Hilde v. d. Gablentz, Agnes Eilers, Ottomar Batzel, F. D. v. Hansemann, Johannes Müller, Oskar E. Kramer, Peter Lorenz, Margarete Schuckert und Eduard Bernoth.

1955

Des 150. Todestages Friedrich Schillers wird in verschiedenen Feiern in beiden Teilen der Stadt gedacht. Es sprechen auf den Veranstaltungen

Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg, Bruhn, und Abordnungen der Berliner Schulen legen am Schillerdenkmal im Lietzenseepark Kränze nieder.

In West-Berlin wird in der Eichengalerie des Charlottenburger Schlosses und in Ost-Berlin im Vestibül der Staatsbibliothek Unter den Linden je eine Ausstellung über Leben und Werk Schillers eröffnet.

1956

Zwei amerikanische Offiziere - unter ihnen ein Oberst aus dem NATO-Hauptquartier in Paris - werden im Ost-Berliner Bezirk Treptow, unweit der Sektorengrenze, von Volkspolizisten drei Stunden lang festgehalten, weil sich in ihrem Dienstwagen ein Radiotelefon befindet.

1958

Nach seiner Teilnahme an der Frühjahrstagung des NATO-Rates in Kopenhagen stattet der amerikanische Außenminister Dulles Berlin einen mehrstündigen Besuch ab, in dessen Verlauf er die Kongreßhalle besichtigt, im Senatsgästehaus an einem Essen mit den westlichen Stadtkommandanten und mehreren Senatoren teilnimmt und mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt die gegenwärtige Lage Berlins erörtert.

In einer Rede im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses erinnert Minister Dulles zunächst daran, daß dies sein vierter Besuch in Berlin seit Kriegsende sei; das erste Mal wenige Wochen nach dem Ende der Feindseligkeiten, das zweite Mal Ende 1948 während der Blockade und das dritte Mal in den Wochen der Außenministerkonferenz Anfang 1954. Heute könne er im Namen von Präsident Eisenhower und des Volkes der Vereinigten Staaten den Menschen des freien Berlin nur sagen: "Alle Hochachtung! Für uns war es eine Auszeichnung und ein geistiger Ansporn, mit Ihnen verbunden zu sein."
Dulles bezeichnet die Lage" Berlins als ein tragisches Symbol der Mißachtung des verpfändeten Wortes. Noch auf der Genfer Gipfelkonferenz im Sommer 1955 hätte sich die Sowjetunion zu ihrer im Potsdamer Abkommen von 1945 übernommenen Verpflichtung bekannt, daß sie gemeinsam mit den anderen Besatzungsmächten eine Verantwortung für die Wiedervereinigung Deutschlands trage. Diesen Verpflichtungen scheine sich die Sowjetunion nun zu entziehen. Da ihre Machthaber gottlose Materialisten seien, hätten die von ihnen übernommenen Verpflichtungen keine moralische Verbindlichkeit. Oft scheine es, als ob sie den Abschluß und den Bruch von Vereinbarungen nur als ein rechtmäßiges internationales Mittel betrachteten und daß ihre Versprechungen, wie Lenin erklärt habe, nur gegeben wurden, um gebrochen zu werden. Deshalb bilde diese Einstellung der Sowjetunion ein ernstes Hindernis bei der Lösung politischer Fragen.
"Sie hier in Berlin, die Sie ein lebender Beweis für die Verletzung internationaler Abkommen durch die Sowjetunion sind, werden dies gewiß verstehen." Die schwierige Lage in Berlin müßte die Welt lehren, daß es unbesonnen sei, im Vertrauen auf sowjetische Versprechungen Zugeständnisse zu machen, nur weil diese verlockend seien. Berlin lehre ein Zweites: Die unglaubliche Fähigkeit von Menschen, die von einem Glauben beseelt sind, alle Fesseln zu sprengen durch die Hoffnung und Erwartung eines künftigen reicheren und freieren Lebens.
Die Tatsache, daß die Sowjetunion trotz ihrer negativen Haltung auf der Berliner Konferenz 1954 dann ein Jahr später überraschend doch dem österreichischen Staatsvertrag zustimmte, zeige, daß die Hoffnungen für Deutschland und Berlin nicht aufgegeben zu werden brauchen. "Der Tag wird kommen, an dem, wahrscheinlich unerwartet und unvorhersehbar, die Genfer Versprechungen des Jahres 1955 erfüllt werden und Deutschland wieder in Freiheit vereint sein wird."
Mit ausdrücklicher Ermächtigung von Präsident Eisenhower wiederholt und bekräftigt Dulles die Garantie-Erklärung der drei Außenminister der Westmächte, die sie anläßlich der Unterzeichnung der Schlußakte über den Beitritt der Bundesrepublik zur NATO am 3. Oktober 1954 in London abgaben. Er wisse, daß die Berliner erkannt hätten, wie wichtig für sie die militärische Abschreckung gewesen sei, die einen Schild darstellte, hinter dem ihre Arbeit des Friedens gedieh. Zu der gegenwärtigen Kampagne des Ostblocks gegen die Atomrüstung meint Dulles: "Es ist unsere Pflicht, hinter die verlockend klingenden Worte zu schauen, um den dahintersteckenden Anschlag auf die Freiheit zu entdecken und zurückzuweisen... Jeder wäre bereit, verläßliche Maßnahmen zu ergreifen, ... um die neuen Waffen, die die Menschheit mit ihrer Vernichtung bedrohen, abzuschaffen. Aber Berlin lehrt uns, daß man den bloßen Versprechungen der sowjetischen Kommunisten keinen Glauben schenken kann. In Schwäche kann keine Sicherheit bestehen ... Menschen, die frei sind, und alle Menschen, die nach dem Verlust der Freiheit sie wieder zu gewinnen trachten, sollten sich vor Berlin verneigen und die Lehren, die wir Berlin verdanken, in sich aufnehmen und beherzigen."

82. (Ordentliche) Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Bürgermeister Amrehn gibt in einer Senatserklärung einen Überblick über die bisherige westliche Reaktion gegenüber der von der DDR verfügten Erhebung von Wasserstraßenbenutzungsgebühren. Er stellt fest, daß Berlins Wirtschaft davon ebenso hart getroffen werde wie seinerzeit bei der Einführung der Autobahngebühren, da monatlich zwischen Berlin und dem Bundesgebiet etwa 650 Schiffe verkehren. Die Versorgung Berlins mit Rohstoffen und Lebensmitteln sei zwar gesichert, desgleichen würden die Kunden der Berliner Wirtschaft pünktlich wie bisher beliefert, doch der Bürgermeister fordert die Bundesregierung zu raschen Entscheidungen im Interesse aller Beteiligten auf, damit der Verkehr auf dem Wasser so schnell wie möglich wieder in vollem Umfang aufgenommen werden könne.

1959

Anläßlich des 75jährigen Bestehens der BEWAG versammeln sich in der Kongreßhalle mehr als tausend Energie-Fachleute aus dem In- und Ausland zu einer Feierstunde, die zugleich den Auftakt für den bis zum 14. Mai dauernden Kongreß der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) bildet.
Nach Begrüßungsworten des Regierenden Bürgermeisters Brandt - zugleich BEWAG-Aufsichtsratsvorsitzender - gibt der technische Direktor der BEWAG Rudolf Wissell jun., einen technisch-wirtschaftlichen Überblick auf "75 Jahre öffentliche Stromversorgung in Deutschland", und der bisherige VDEW-Vorsitzende, Stadtrat K. Frank (Hannover) - sein Amt wird im Verlauf dieses Kongresses von Prof. W. Strahringer (Darmstadt) übernommen - referiert über "Die öffentliche Elektrizitätsversorgung im Gefüge der heutigen Wirtschaft".

Der kaufmännische Direktor der BEWAG, Johann Bröse, gibt bekannt, daß der Aufsichtsrat am Vormittag dem von der Verwaltung vorgeschlagenen 375-Millionen-DM-Investitionsprogramm für die nächsten fünf Geschäftsjahre zustimmte, das neben jährlich etwa 40 Mill. DM für den laufenden Erneuerungs- und Erweiterungsbedarf u. a. den Bau einer neuen Gasturbinenanlage mit einer Kapazität von 50 000 kW im Kraftwerk Steglitz und der beiden ersten Ausbaustufen mit zunächst zwei Blockeinheiten von je 100 000 kW im neuen Großkraftwerk Oberhavel in Spandau, für das die Gründungsarbeiten in diesem Frühjahr bereits begonnen haben, vorsieht.

Der "Arbeitskreis Berlin" des BDI und die "Arbeitsgemeinschaft Berlin" des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft erörtern im Gebäude der IHK unter Vorsitz von BDI-Präsident Berg die bereits erfolgten und eventuell weiterhin erforderlichen Förderungsmaßnahmen der einzelnen Verbände für die Berliner Wirtschaft.
Anschließend bemerkt Berg vor der Presse, daß seit der Tagung in Altena rund hundert westdeutsche Firmen Berlin-Beauftragte einsetzten, die die Vergabe von Aufträgen in die Stadt überwachten. Als bisheriges Resultat dieser Aktion habe die Berliner Industrie im ersten Quartal 1959 gegenüber dem gleichen Zeitraum 1958 ihren Umsatz um 7% steigern können, während im Bundesgebiet die entsprechende Zahl 0,8 % lautet. Eine große Schwierigkeit liege nach wie vor aber darin, auch die Mittel- und Kleinbetriebe zu veranlassen, gleichfalls Aufträge nach Berlin zu vergeben. Grundsätzlich schließt Berg weitere staatliche Maßnahmen zur Unterstützung der Berliner Wirtschaft;entsprechend den jeweiligen Umständen nicht aus; er macht jedoch deutlich, daß es zunächst darauf ankomme, die Solidarität der Wirtschaft wirksam zu machen.

1959

Anläßlich des 75jährigen Bestehens der BEWAG versammeln sich in der Kongreßhalle mehr als tausend Energie-Fachleute aus dem In- und Ausland zu einer Feierstunde, die zugleich den Auftakt für den bis zum 14. Mai dauernden Kongreß der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) bildet.
Nach Begrüßungsworten des Regierenden Bürgermeisters Brandt - zugleich BEWAG-Aufsichtsratsvorsitzender - gibt der technische Direktor der BEWAG Rudolf Wissell jun., einen technisch-wirtschaftlichen Überblick auf "75 Jahre öffentliche Stromversorgung in Deutschland", und der bisherige VDEW-Vorsitzende, Stadtrat K. Frank (Hannover) - sein Amt wird im Verlauf dieses Kongresses von Prof. W. Strahringer (Darmstadt) übernommen - referiert über "Die öffentliche Elektrizitätsversorgung im Gefüge der heutigen Wirtschaft".

Der kaufmännische Direktor der BEWAG, Johann Bröse, gibt bekannt, daß der Aufsichtsrat am Vormittag dem von der Verwaltung vorgeschlagenen 375-Millionen-DM-Investitionsprogramm für die nächsten fünf Geschäftsjahre zustimmte, das neben jährlich etwa 40 Mill. DM für den laufenden Erneuerungs- und Erweiterungsbedarf u. a. den Bau einer neuen Gasturbinenanlage mit einer Kapazität von 50 000 kW im Kraftwerk Steglitz und der beiden ersten Ausbaustufen mit zunächst zwei Blockeinheiten von je 100 000 kW im neuen Großkraftwerk Oberhavel in Spandau, für das die Gründungsarbeiten in diesem Frühjahr bereits begonnen haben, vorsieht.

Der "Arbeitskreis Berlin" des BDI und die "Arbeitsgemeinschaft Berlin" des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft erörtern im Gebäude der IHK unter Vorsitz von BDI-Präsident Berg die bereits erfolgten und eventuell weiterhin erforderlichen Förderungsmaßnahmen der einzelnen Verbände für die Berliner Wirtschaft.
Anschließend bemerkt Berg vor der Presse, daß seit der Tagung in Altena rund hundert westdeutsche Firmen Berlin-Beauftragte einsetzten, die die Vergabe von Aufträgen in die Stadt überwachten. Als bisheriges Resultat dieser Aktion habe die Berliner Industrie im ersten Quartal 1959 gegenüber dem gleichen Zeitraum 1958 ihren Umsatz um 7% steigern können, während im Bundesgebiet die entsprechende Zahl 0,8 % lautet. Eine große Schwierigkeit liege nach wie vor aber darin, auch die Mittel- und Kleinbetriebe zu veranlassen, gleichfalls Aufträge nach Berlin zu vergeben. Grundsätzlich schließt Berg weitere staatliche Maßnahmen zur Unterstützung der Berliner Wirtschaft;entsprechend den jeweiligen Umständen nicht aus; er macht jedoch deutlich, daß es zunächst darauf ankomme, die Solidarität der Wirtschaft wirksam zu machen.

1960

Jahreshauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) im Haus des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller.
Nach Begrüßungsworten des Regierenden Bürgermeisters Brandt und von Bundesminister Lemmer diskutierten die 125 Delegierten, die mehr als eine halbe Million Mitglieder des nach eigenen Angaben größten Verbandes dieser Art in Europa vertreten und erstmals seit 1932 wieder in Berlin tagen, innerorganisatorische und verkehrsrechtliche Fragen. In einer einmütig beschlossenen Resolution fordern sie ein einheitliches europäisches Straßenverkehrsrecht und appellieren an alle Regierungen Europas, an die Institutionen des Europa-Rates und an die Automobilklubs anderer Länder, über die bereits erzielten und gewiß begrüßenswerten Fortschritte hinaus sich verstärkt für eine Liberalisierung und Vereinheitlichung des Verkehrsrechts auf europäischer Grundlage einzusetzen.

1960

Jahreshauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) im Haus des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller.
Nach Begrüßungsworten des Regierenden Bürgermeisters Brandt und von Bundesminister Lemmer diskutierten die 125 Delegierten, die mehr als eine halbe Million Mitglieder des nach eigenen Angaben größten Verbandes dieser Art in Europa vertreten und erstmals seit 1932 wieder in Berlin tagen, innerorganisatorische und verkehrsrechtliche Fragen. In einer einmütig beschlossenen Resolution fordern sie ein einheitliches europäisches Straßenverkehrsrecht und appellieren an alle Regierungen Europas, an die Institutionen des Europa-Rates und an die Automobilklubs anderer Länder, über die bereits erzielten und gewiß begrüßenswerten Fortschritte hinaus sich verstärkt für eine Liberalisierung und Vereinheitlichung des Verkehrsrechts auf europäischer Grundlage einzusetzen.

1961

Der neue amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Watson, stattet dem Regierenden Bürgermeister Brandt im Rathaus Schöneberg seinen Antrittsbesuch ab (vgl. 3. Mai).

Verkehrssenator Theuner übergibt den neuerbauten Bahnhof Augsburger Straße der U-Bahnlinie AII zwischen den Stationen Wittenbergplatz und Spichernstraße seiner Bestimmung.

1963

Am 18. Jahrestag der Kapitulation des Reiches legen Botschafter Abrassimow und der Leiter der Polit-Verwaltung der zeitweilig in der DDR stationierten Streitkräfte, Generaloberst S. E Wasjagin, an den sowjetischen Ehrenmalen im Treptower Park und im Tiergarten Kränze nieder, wobei hier auch der Vorbeimarsch einer Ehrenkompanie erfolgt, deren Soldaten mit Bussen über den Sektorenübergang Sandkrugbrücke (brit. Sektor) fahren, während das Botschaftspersonal den "Checkpoint Charlie" in der Friedrichsträße (amerik. Sektor) benutzen kann.

Auf den erstmaligen Einsatz 64 neuer, bei günstigen Windverhältnissen 6 Kilometer weit zu hörenden Lautsprecher mit 120 bis 128 Phon durch das "Studio am Stacheldraht", die für anderthalb Stunden Nachrichten, Kommentare und Musik in Richtung einer NVA-Kaserne in Groß-Glienicke übertragen, reagiert die DDR nach längerer Pause mit der Wiederaufnahme eigener Propaganda-Sendungen entlang der Mauer nach West-Berlin hinein.

In seiner vierzehntägigen Sendereihe "Wo uns der Schuh drückt" gibt der Regierende Bürgermeister Brandt am 12. Mai bekannt, daß der "Lautsprecherkrieg" keine Fortsetzung erfahren soll. Bei der Aktion der neuen, "offenbar sehr wirksamten]" Geräte am 8. Mai habe es sich lediglich um eine Erprobung gehandelt.

1964

Im Sportpalast gewinnt vor 6 000 Zuschauern der Dortmunder Willi Quatuor im Leichtgewicht der Berufsboxer die Europameisterschaft gegen den Italiener Michele Gullotti durch k.o. in der 14. Runde.

1964

Am 19. Jahrestag der Kapitulation des Reiches legen Botschafter Abrassimow und der Oberkommandierende der zeitweilig in der DDR stationierten Streitkräfte, Armeegeneral Jakubowski, an den Ehrenmalen im Treptower Park und im Tiergarten Kränze nieder, wobei hier auch der Vorbeimarsch einer Ehrenkompanie erfolgt, deren Soldaten - wie im Vorjahr - mit Bussen über den Sektorenkontrollpunkt Sandkrugbrücke (brit. Sektor) fahren, während das Personal der sowjetischen und anderer Ostblock-Botschaften den "Checkpoint Charlie" in der Friedrichstraße (amerik. Sektor) benutzt.

Das PEN-Zentrum der Bundesrepublik wählt auf seiner Jahresversammlung in der Akademie der Künste - der ersten nach der Neugründung 1952 in Berlin - Dolf Sternberger zu seinem neuen Präsidenten als Nachfolger des im Januar verstorbenen Bruno E. Werner und bestätigt Rudolf Krämer-Badoni in seinem Amt als Generalsekretär.

1969

In der 50. Sitzung des Abgeordnetenhauses (5. Wahlperiode) gibt der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz eine Erklärung über die Richtlinien der Regierungspolitik für die zweite Hälfte der Legislaturperiode ab. Schütz wendet sich gegen Versuche der Sowjetunion und der DDR, die Bindungen West-Berlins an die Bundesrepublik in Frage zu stellen oder zu beseitigen, bezeichnet die Zugehörigkeit West-Berlins zum Rechts-, Wirtschafts- und Finanzsystem der Bundesrepublik als einen Punkt von zentraler Bedeutung für die Lebensfähigkeit der Stadt und fordert die östliche Seite auf, die Realität West-Berlins anzuerkennen. Er bietet der DDR-Führung Verhandlungen über alle Fragen von beiderseitigem Interesse an.
   Das Abgeordnetenhaus billigt in zweiter Lesung das Nachtragshaushaltsgesetz 1969. (Vgl. 18. März.) Der Nachtragshaushaltsplan wird in Gesamteinnahmen und in Gesamtausgaben auf 122,3 Millionen DM festgestellt. Durch den Nachtragshaushaltsplan wird der Haushaltsplan in Gesamteinnahmen von bisher 6,222 Milliarden DM auf 6,345 Milliarden DM, in Gesamtausgaben von bisher 6,322 Milliarden DM auf 6,444 Milliarden DM und mit einem Fehlbetrag von unverändert 99,6 Millionen DM festgestellt.

Anläßlich des 24. Jahrestags der deutschen Kapitulation legen der sowjetische Botschafter in Ost-Berlin, Pjotr A. Abrassimow, und der Oberkommandierende der Gruppe der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, Marschall der Sowjetunion Pjotr K. Koschewoi, an dem in West-Berlin gelegenen sowjetischen Ehrenmal Kränze nieder. In Ost-Berlin erfolgt eine feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal in Berlin-Treptow.

1969

Die Eröffnung des III. Internationalen Richterkongresses in der Kongreßhalle (Berlin-Tiergarten) erfolgt in Anwesenheit von Bundespräsident Heinrich Lübke, Bundesjustizminister Horst Ehmke und des Regierenden Bürgermeisters Klaus Schütz. Etwa 800 Juristen aus 22 Ländern nehmen an dem dreitägigen Kongreß, der alle fünf Jahre stattfindet, teil. Hauptthema der Berliner Tagung ist die Frage, ob die Bedürfnisse der modernen Gesellschaft Änderungen in der Stellung des Richters erfordern.

1970

Anläßlich des 25. Jahrestags der deutschen Kapitulation findet im Ost-Berliner Friedrichstadtpalast eine Festveranstaltung des Zentralkomitees der SED, des Staatsrats, des Ministerrats und des Nationalrats der Nationalen Front statt. Der Vorsitzende des Ministerrats, Willi Stoph, hält die Festansprache.
   An den sowjetischen Ehrenmalen in Berlin-Tiergarten und in Berlin-Treptow, an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde und am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus Unter den Linden finden die traditionellen Kranzniederlegungen statt.

Senat und Abgeordnetenhaus verleihen am 25. Jahrestag der deutschen Kapitulation dem Theologen Heinrich Grüber die Berliner Ehrenbürgerwürde. Damit werden die Verdienste gewürdigt, die sich Grüber in der NS-Zeit durch seine Hilfe für Verfolgte erwarb, aber auch die Leistungen, die er nach 1945 erbrachte. Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz sagt in seiner Ansprache im Rathaus Schöneberg, Propst Grüber habe "ein Beispiel gegeben für die Kraft des Glaubens, für Brüderlichkeit, für Standhaftigkeit und für Unbeugsamkeit des Gewissens".

Anläßlich des 25. Jahrestags der deutschen Kapitulation findet in der Philharmonie (Berlin-Tiergarten) ein Symposion über "Frieden und Verständigung" statt. Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz heißt einleitend die Gäste aus zahlreichen Ländern in Berlin willkommen und betont, die Stadt trage noch immer an den Folgen des Krieges und der Ost-West-Auseinandersetzung. Der Rhetorik vergangener Jahre müsse man heute die Formel "Realität gegen Realität" entgegenstellen. Es gehe heute um eine quantitative Verbesserung des Status quo. Die Grenzen sollten, wenn auch nur mit kleinen Schritten, den Charakter des Trennenden verlieren.

1971

Anläßlich des 26. Jahrestags der deutschen Kapitulation legen der sowjetische Botschafter in der DDR, Pjotr A. Abrassimow, und der Oberkommandierende der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, Armeegeneral Viktor G. Kulikow, an dem im West Berliner Bezirk Tiergarten gelegenen sowjetischen Ehrenmal Kränze nieder. Zuvor erfolgte in Ost Berlin eine Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bezirk Treptow.
   Am Vorabend fand in der Volksbühne in Berlin Mitte eine Festveranstaltung des Zentralkomitees der SED, des Ministerrats, des Nationalrats der Nationalen Front und des Zentralvorstands der Gesellschaft für Deutsch Sowjetische Freundschaft statt. Die Festansprache hielt der Präsident der Gesellschaft für Deutsch Sowjetische Freundschaft, Lothar Bolz.

1972

Anläßlich des 27. Jahrestags der deutschen Kapitulation legt eine sowjetische Delegation an dem im West-Berliner Bezirk Tiergarten gelegenen sowjetischen Ehrenmal Kränze nieder. An der Zeremonie nehmen unter anderen der Botschafter der Sowjetunion in der DDR, Michail T. Jefremow, und der Oberkommandierende der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, Generaloberst Semjon K. Kurkotkin, teil. In Ost-Berlin erfolgt eine Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bezirk Treptow.
   Am 5. Mai fand anläßlich des Jahrestags in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden eine Festveranstaltung des Zentralkomitees der SED, des Staatsrats, des Ministerrats, des Nationalrats der Nationalen Front und des Zentralvorstands der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft statt. Die Festansprache hielt das SED-Politbüromitglied Erich Mückenberger.

1973

Der Senator für Bundesangelegenheiten, Dietrich Stobbe, führt mit den Fraktionsvorsitzenden von CDU und F.D.P. im Abgeordnetenhaus ? Heinrich Lummer und Hermann Oxfort ? sowie mit dem Geschäftsführer der SPD-Fraktion ? Jürgen Brinckmeier ? ein Gespräch über Fragen der Vertretung West-Berlins im Zusammenhang mit der geplanten Aufnahme der beiden deutschen Staaten in die UNO. Nach der Unterredung verlautet, Stobbe habe den Parteivertretern versichert, die US-Regierung werde einem Beitritt der DDR zur UNO nur dann zustimmen, wenn die Vertretung West-Berlins durch die Bundesregierung ? mit Ausnhame von Sicherheits- und Statusfragen ? zweifelsfrei geklärt sei.

Anläßlich des 28. Jahrestags der deutschen Kapitulation legt eine sowjetische Delegation an dem im West-Berliner Bezirk Tiergarten gelegenen sowjetischen Ehrenmal Kränze nieder. An der Zeremonie nehmen unter anderen der Botschafter der Sowjetunion in der DDR, Michail T. Jefremow, und der Oberkommandierende der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, Armeegeneral Jewgeni F. Iwanowski, teil. In Ost-Berlin erfolgen Kranzniederlegungen am sowjetischen Ehrenmal im Bezirk Treptow und am "Denkmal für den gemeinsamen Kampf der polnischen Soldaten und der deutschen Antifaschisten" im Volkspark Friedrichshain.
   Am Vorabend fand anläßlich des Jahrestags in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden eine Festveranstaltung des Zentralkomitees der SED und des Ministerrats der DDR statt. Die Festrede hielt das SED-Politbüromitglied Hermann Axen.

1974

Das am 20. März in Frankfurt am Main paraphierte Protokoll über die Regelung der Sportbeziehungen zwischen dem Deutschen Sportbund (DSB) der Bundesrepublik Deutschland und dem Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) der DDR wird im Interhotel "Stadt Berlin" am Alexanderplatz vom amtierenden DSB-Präsidenten Hans Gmelin und vom DTSB-Präsidenten Manfred Ewald unterzeichnet. In dem Protokoll, das die Prinzipien der Beziehungen regelt, erkennt der DTSB die volle Zugehörigkeit des Landessportbunds Berlin zum DSB an.
   Außerdem wird der von einer Kommission vorbereitete Plan über die Durchführung von Sportveranstaltungen für das Jahr 1974 bestätigt. Erst nach langen Beratungen einigten sich die Delegationen auf die Bezeichnung der beiden Teile Berlins im Veranstaltungskalender. Künftig wird generell von "Berlin" gesprochen. Bei Veranstaltungen in West-Berlin wird lediglich der jeweilige Verwaltungsbezirk hinzugefügt.

Anläßlich des 29. Jahrestags der deutschen Kapitulation legt eine sowjetische Delegation an dem im West-Berliner Bezirk Tiergarten gelegenen sowjetischen Ehrenmal Kränze nieder. An der Zeremonie nehmen unter anderen der Botschafter der Sowjetunion in der DDR, Michail T. Jefremow, und der Oberkommandierende der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, Armeegeneral Jewgeni F. Iwanowski, teil. In Ost-Berlin erfolgt eine Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal im Bezirk Treptow.
   Am Vorabend fand anläßlich des Jahrestags in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden eine Festveranstaltung des Zentralkomitees der SED, des Staatsrats der DDR, des Ministerrats und des Nationalrats der Nationalen Front statt. Die Festrede hielt das SED-Politbüromitglied Willi Stoph, Vorsitzender des Staatsrats.

1975

Im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg findet anläßlich des 30. Jahrestags der deutschen Kapitulation eine Feierstunde statt. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski, und der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz halten Ansprachen. Schütz sagt, die Bundesrepublik und mit ihr West-Berlin würden heute als sichere Faktoren des Friedens in der Welt angesehen. "Ich meine es nicht selbstgerecht für unser Land, wenn ich sage, daß wir damit die entscheidende Konsequenz aus dem Gewesenen gezogen haben", sagt Schütz.

Die 28. Internationale Friedensfahrt für Radamateure Berlin ? Prag ? Warschau mit 13 Etappen über insgesamt 1 915 Kilometer wird in Ost-Berlin gestartet. 102 Radsportler aus 17 Ländern nehmen in der Karl-Marx-Allee an der Staffel der Nationen, die als Prolog der Fahrt gilt, teil. Mehr als 80 000 Zuschauer säumen die sieben Kilometer lange Strecke.
   Am folgenden Tag starten die Fahrer zur ersten Etappe von Berlin nach Magdeburg über 167 Kilometer.
   Die Friedensfahrt endet am 22. Mai in Warschau. Sieger in der Gesamt-Einzelwertung wird Ryszard Szurkowski aus Polen (44:25:30 Stunden); in der Gesamt-Mannschaftswertung siegt die sowjetische Mannschaft (133:19:48 Stunden).

1980

Zum zweiten Mal findet auf dem Messegelände am Funkturm (Charlottenburg) die Autoschau "Autos, Avus, Attraktionen" (AAA) statt. Die Ausstellungsfläche wuchs gegenüber 1978 von 18 000 auf 33 000 Quadratmeter, die Ausstellerzahl erhöhte sich von 66 auf 96, die Zahl der Länder, aus denen die in der Schau gezeigten Exponate stammen, stieg von acht auf 14. Neben Serienfahrzeugen aller deutscher Hersteller ? mit Ausnahme von Porsche ? und aller auf dem deutschen Markt wichtigen ausländischen Marken gibt die Schau einen Einblick in Forschung, Entwicklung und Produktion, in weite Bereiche des Motorsports sowie das gesamte Umfeld des Automobils.
   Zu der Ausstellung kommt ein Drittel weniger Besucher als 1978. 100 320 Interessierte schauen sich in zehn Messehallen und auf dem Freigelände das Angebot der Aussteller an. Hinzu kommen 35 000 Besucher von verschiedenen Rennveranstaltungen im Rahmen der AAA.

1982

Zum 37. Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands legen Botschafter Abrassimow und Armeegeneral Saizew an den sowjetischen Ehrenmalen in den Bezirken Tiergarten und Treptow Kränze nieder. In Ost-Berlin veranstaltet die NVA aus diesem Anlaß vor dem Ehrenmal Unter den Linden einen großen Wachaufzug.

Nach politischen Gesprächen in Bonn hält sich der italienische Ministerpräsident Spadolini für mehrere Stunden in Berlin auf, wo er im Rathaus Schöneberg mit dem Regierenden Bürgermeister von Weizsäcker zusammentrifft, sich ins Goldene Mauer in der Niederkirchnerstraße (früher Prinz-Albrecht-Straße), 8. Mai 1982. Links die Rückseite des Hauses der Ministerien der DDR (früher Reichsluftfahrtministerium). Buch der Stadt einträgt, die Mauer am Reichstag besichtigt sowie die Ausstellung "Die Pferde von San Marco" (vgl. 23724. April) und die Staatsbibliothek besucht.

1983

Des 50. Jahrestages der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in anderen Orten des Reiches wird in beiden Teilen der Stadt mit einer Reihe von Veranstaltungen gedacht. In West-Berlin eröffnet die Akademie der Künste am 8. Mai die vom Leiter ihres Archivs, Prof. Huder, konzipierte Ausstellung "Das war ein Vorspiel nur... Bücherverbrennung 1933 - Voraussetzungen und Folgen", die mit Büchern, Bildern, Briefen, Zeitungen, Zeitschriften, Plakaten, Flugblättern und anderen Dokumenten die Hintergründe und die zu jenem Ereignis hinführende Entwicklung aufzuzeigen versucht.

Am 9. und 10. Mai treffen sich, ebenfalls in der Akademie der Künste, rund 100 Mitglieder des PEN-Zentrums der Bundesrepublik zu ihrem Jahreskongreß, der ganz im Zeichen der Erinnerung an die "Machtergreifung" 1933 und ihre Folgen steht. In einem mit großer Mehrheit verabschiedeten "Berliner Appell" warnt das PEN-Zentrum vor jeder Einschränkung bürgerlicher Freiheiten, vor zunehmenden nationalistischen und reaktionären Tendenzen, vor der Duldung neonazistischer Aktivitäten, vor wachsenden obrigkeitsstaatlichem Denken und Handeln. In Ost-Berlin signieren am 8. Mai im Rahmen eines Buchbasars auf dem Bebelplatz (dem früheren Opernplatz) rund 150 Schriftsteller ihre Werke. An gleicher Stelle beteiligen sich 50 000 Personen an einer Kundgebung "Dem Frieden das Wort und die Tat", auf der zunächst elf Schriftsteller aus sechs Ländern antifaschistische und sozialistische Literatur lesen und dann die Versammelten in einer Willenserklärung sich gegen die NATO-Nachrüstung und "imperialistische Kriegsdrohungen" wenden.

1984

Die BEWAG - ältestes deutsches Unternehmen der Stromversorgung, am 8. Mai 1884 im Handelsregister als "Berliner Städtische Elektrizitätswerke AG" eingetragen - feiert ihr Jubiläum unter dem Motto "100 Jahre Strom für Berlin" mit einem Festakt im Palais am Funkturm, auf dem Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff und der Regierende Bürgermeister Diepgen Bedeutung und Verdienste der BEWAG für die industrielle Entwicklung der Stadt würdigen.

1986

Am letzten Spieltag der Saison 1985/86 der Zweiten Bundesliga verliert Blau-Weiß 90 vor 18.000 Zuschauern im Olympia-Stadion gegen Tennis Borussia zwar mit 1:2, schafft als Tabellenzweiter aber dennoch den direkten Aufstieg in die höchste Fußball-Klasse, während der Sieger dieses Spiels nach nur einjähriger Zugehörigkeit zum Profi-Fußball wieder in die Berliner Amateur-Oberliga absteigen muß; das gleiche Schicksal trifft auch Berlins langjährig führenden Club Hertha BSC.

1987

Zum Auftakt der 40. Internationalen Radfernfahrt Berlin-Prag-Warschau ("Friedesfahrt") gewinnt Wassili Shdanow (UdSSR) den sieben Kilometer langen "Prolog" in der Ost-Berliner Innenstadt in 8:32 Minuten vor Uwe Ampler(DDR) und Pjotr Ugrjumow (UdSSR), die gut drei Sekunden mehr benötigen. Die erste, 108 Kilometer lange Etappe "Rund in Berlin" (ein 8 x 13,5 langerRundkurs) kann Olaf Ludwig (DDR) für sich entscheiden vor seinem Mannschaftskameraden Uwe Raab und Dshamolidin Abdushaparow (UdSSR) sowie Remig Stumpf (Bundesrepublik). Am 23. Mai beenden dieses Rennen in Warschau als Einzelsieger der Weltmeister Uwe Ampler (Leipzig) mit 1:47 Minuten Vorsprung vor Petar Petrow (Bulgarien) und 2:44 Minuten vor Andrzej Mierzejewski (Polen), in der Mannschaftsvertretung belegt die DDR ebenfalls den ersten Platz mit 52 Sekunden Vorsprung vor derUdSSR und 9:29 Minuten vorPolen. Bester bundesdeutscherFahrerwird Peter Gänsler auf Platz 26 mit einem Rückstand von 17:17, während die Mannschaft der BRD Platz 8 belegt mit 35:14 Minuten hinter der DDR.

1987

Der Regierende Bürgermeister Diepgen enthüllt auf dem Platz vor dem Bahnhof Zoo eine Büste des preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg (1755-1822). Hierbei handelt es sich um eine Bronzekopie der von Rauch 1816 bis 1818 geschaffenen Marmorbüste, deren Form in der Gipsformerei der Staatlichen Museen PK erhalten ist. Nach dem Willen des Stifters, des Berliner Rotary Clubs, soll sie an die humane und tolerante Haltung Hardenbergs erinnern, der u.a. in Fortführung der Steinschen Reformen 1810 die Gewerbefreiheit und 1812 die Juden-Emanzipation durchsetzte.

Der Berliner Kabelrat vergibt die zweite private UKW-Hörfunkfrequenz in der Stadt an ein Gemeinschaftsunternehmen,an dem mit je 22,5 % beteiligt sind: RTL plus (Bild- und Tonstudio 81 GmbH), UFA Film- und Fernseh-GmbH der Bertelsmann-Gruppe, AV Euromedia der Holtzbrinck-Verlagsgruppe sowie der Axel Springer Verlag über "SAT 1" sowie mit 10% das Anzeigenblatt "Zweite Hand". Dabei darf sich kein Gesellschafter des Gemeinschaftsunternehmens an der auf der ersten privaten Frequenz sendenden Schamoni-Mediengesellschaft "100,6" beteiligen (vgl. 10. April). Die Beteiligung des Springer-Verlages begründet der Kabelrat mit derRücknahmederBewerbungandererZeitungsverlage (Tagesspiegel, Volksblatt), die einen Konkurrenzschutz nicht mehr notwendig erscheinen lassen. Außerdem teilt der Kabelrat dem alternativen "Radio 100" sechs Stunden Sendezeit auf der zweiten Frequenz zu, das bislang auf der ersten täglich vier sendet.

1988

In München stirbt der frühere Stadtkämmerer und Finanzsenator (1946 bis 1958) und Präsident des Berliner Oberverwaltungsgerichts (1959 bis 1963), Friedrich Haas (CDU), der maßgeblichen Anteil an der Durchführung der Berliner Währungsreform 1948/49 hatte, im Alter von 91 Jahren.

Am zum achten Mal von der französischen Schutzmacht organisierten 25-Kilometer-Lauf mit Start und Ziel am Olympia-Stadion beteiligen sich in diesem Jahr rund 10 600 Männer und etwa 1000 Frauen. Bei ersteren gewinnt in einer Zeit von 1:16,11 Stunden Bertrand Itsweire (Frankreich) vor Ivan Uvizil (CSSR) und Geert Deruddere (Belgien), bei letzteren in einer Zeit von 1:17,00 Stunden Ludmilla Melicherova (CSSR) vor Anna Iskra (Polen) und Debbie Noy (Großbritannien).

1990

Der Regisseur und Intendant Gustav Rudolf Sellner stirbt im Alter von 84 Jahren in Königsfeld-Burgberg im Schwarzwald. Sellner war von 1961 bis 1972 Generalintendant der Deutschen Oper Berlin.

1990

Die 43. Internationale Friedensfahrt für Radamateure über 1525 Kilometer mit 84 Fahrern aus 14 Staaten, die auf der Ost-Berliner Karl-Marx-Allee feierlich eröffnet wird, führt von Berlin über die Tschechoslowakei nach Bielsko Biala in Polen. Gesamtsieger wird Jan Svorada aus der Tschechoslowakei, der auf sieben der elf Etappen das gelbe Trikot des Spitzenreiters trägt und für den ersten tschechoslowakischen Sieg seit 1972 in diesem Rennen sorgt.

1991

Die 39. Internationale Vier-Etappen-Fahrt der Radamateure über 583 Kilometer in Berlin, an der 108 Fahrer in 17 Teams teilnehmen, gewinnt in der Einzelwertung Steffen Wesemann (Frankfurt/Oder) mit 13:13:06 Stunden und in der Mannschaftswertung Dänemark mit 39:40:24 Stunden.

1992

Die Treuhandanstalt in Berlin verkauft die staatliche Nachrichtenagentur der einstigen DDR, den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN), an den Verlag Effecten-Spiegel AG, Düsseldorf. Damit wird ADN ab sofort mit der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschen Dienst (ddp) zusammenarbeiten. Am ddp ist die Effecten-Spiegel AG maßgeblich beteiligt. Bolko Hoffmann, Inhaber der Effecten-Spiegel AG, übernimmt zusammen mit Helge Ehler, dem Geschäftsführer und Chefredakteur des ddp, die Geschäftsführung des ADN.

1994

Am 49. Jahrestag der deutschen Kapitulation gedenken die abziehenden russischen Streitkräfte letztmals auf deutschem Boden der gefallenen Sowjetsoldaten. In Berlin und an vielen Orten Ostdeutschlands werden Kränze zu Ehren der Kriegstoten niedergelegt, so auch an den sowjetischen Ehrenmalen in Berlin-Treptow und Berlin-Tiergarten.

Beim traditionellen Straßenlauf "25 km von Berlin" starten 5 139 Läuferinnen und Läufer aus 53 Ländern. Der Startschuß fällt auf dem Olympischen Platz in Berlin-Charlottenburg. Es geht dann zum Kurfürstendamm und über Putlitzbrücke und Kaiserdamm zurück zum Olympia-Stadion. Der Vorjahressieger Tendai Chimusasa aus Simbabwe gewinnt die 14. Auflage des Straßenlaufs mit 1:14:45 Stunden. Schnellste Frau ist die Tschechin Alena Peterkova mit 1:25:46 Stunden.

1995

In einem Staatsakt im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte gedenken Repräsentanten der Bundesrepublik und der vier Siegermächte des Kriegsendes vor 50 Jahren. Bundespräsident Roman Herzog sagt vor den 1 400 Ehrengästen, daß Westeuropa als "Insel des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands" die Pflicht habe, anderen zu helfen, vergleichbare Entwicklungen zu nehmen. Auch US-Vizepräsident Al Gore, Großbritanniens Premierminister John Major, Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand und Rußlands Regierungschef Viktor S. Tschernomyrdin beschwören ein friedliches Zusammenleben. Der scheidende Staatspräsident Mitterrand würdigt in seiner sehr persönlich gehaltenen Rede, die er als letzte Amtshandlung seiner Präsidentschaft bezeichnet und die der Höhepunkt des Staatsakts ist, die positiven Veränderungen im deutsch-französischen Verhältnis.

Mit einem Festakt im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses und der Enthüllung einer Bautafel auf dem nahegelegenen "Prinz-Albrecht-Gelände" am Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg, wo in der NS-Zeit die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die Reichsführung-SS, der Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS (SD) und ab 1939 das Reichssicherheitshauptamt ihren Hauptsitz hatten, begeht die Stiftung Topographie des Terrors den symbolischen Baubeginn für das künftige Ausstellungs-, Dokumentations- und Begegnungszentrum. Der von dem Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfene Neubau wird die provisorische Ausstellungshalle auf dem Prinz-Albrecht-Gelände ersetzen. Mit dem Neubau soll aus einer provisorischen Ausstellung ein dauerhafter "Ort der Mahnung und des Lernens werden", wie der Direktor der Stiftung, Reinhard Rürup, sagt. Das beste Monument für die Opfer der NS-Gewalt sei eine humane, tolerante Gesellschaft ohne Rassismus und Antisemitismus, erklärt Bundesbauminister Klaus Töpfer in seiner Rede stellvertretend für die Bundesregierung, die einen Teil der Baukosten tragen wird.

Zur Präsentation der endgültigen Form der Reichstagskuppel steigt Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth auf das Dach des Reichstagsgebäudes. Die Stahl-Glas-Konstruktion des britischen Architekten Sir Norman Foster ist mit insgesamt 30 Metern fast so hoch wie die historische Kuppel. Innerhalb der Konstruktion führen zwei Gänge spiralartig zu einer Besucherplattform, die für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll. In der Mitte der Kuppel sorgt ein trichterförmiges, verspiegeltes Element für Beleuchtung sowie für die natürliche Be- und Entlüftung des Plenarsaals. 1999 soll der Deutsche Bundestag in das Reichstagsgebäude ziehen. Dann, so Dietmar Kansy, Vorsitzender der Baukommission des Ältestenrats des Bundestags, werde die Kuppel nachts beleuchtet sein und zeigen, "wo das Herz der Republik schlägt".

1999

Anlässlich des 50. Jahrestags der Annahme des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland durch den Parlamentarischen Rat findet in der Philharmonie in Berlin-Tiergarten ein "Demokratieforum" statt, das von dem Publizisten Dieter Zimmer moderiert wird. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker moniert die seiner Ansicht nach zu starke Rolle der Parteien, die nicht nur, wie vom Grundgesetz vorgesehen, an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirkten, sondern das politische Milieu schlechthin darstellten.

2000

Die Stiftung Topographie des Terrors fordert von Bund und Land dringend Unterstützung für den Weg aus der derzeitigen Krise beim Bau des NS-Dokumentationszentrums. Hintergrund der Krise sind immense Kostensteigerungen, die faktisch zu einem Baustopp führten. Es sei nicht nur eine Berliner, sondern auch eine nationale Aufgabe, das Dokumentationszentrum zum nationalsozialistischen Terror zu errichten, sagt der wissenschaftliche Direktor Reinhard Rürup.

2001

Im Rahmen des Berliner Theatertreffens verleiht die Stiftung Preußische Seehandlung den mit 30 000 DM dotierten Theaterpreis Berlin an den Schauspieler Bruno Ganz. Er sei ein "verwegener Abenteurer seines Berufes", so die Jury in der Begründung. Zurzeit spielt der 1941 in Zürich geborene Schauspieler in der Arena in Treptow die Titelfigur in Peter Steins "Faust"-Inszenierung. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen überreicht den Preis im Spiegelzelt des Theatertreffens.

2003

Die Neue Nationalgalerie in Tiergarten zeigt klassische Mode von Giorgio Armani. Sie widmet dem Modemacher eine Werkschau mit über 400 Ausstellungsstücken aus den vergangenen 30 Jahren.

2005

60. Jahrestag des Kriegsendes: In der St. Hedwigs-Kathedrale in Mitte findet ein ökumenischer Gottesdienst statt, an dem auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder, mehrere Kabinettsmitglieder sowie die Spitzen der Oppositionsparteien teilnehmen. Danach begeben sich die Repräsentanten der deutschen Verfassungsorgane zur Neuen Wache Unter den Linden (Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland) und gedenken mit einer Kranzniederlegung der Opfer des Zweiten Weltkriegs.
   Am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow legen der russische Botschafter Wladimir V. Kotenew und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper, Kränze nieder. Der 8. Mai 1945 sei der Sieg der Zivilisation über die Barbarei gewesen, sagt Kotenew vor ordensgeschmückten Veteranen der Roten Armee.
   Bundespräsident Köhler sagt in seiner Rede, die er bei der Gedenkfeier von Bundestag und Bundesrat im Reichstagsgebäude hält, 60 Jahre nach Kriegsende sei Deutschland trotz mancher Schwierigkeit eine stabile Demokratie. Die Deutschen hätten heute guten Grund, stolz auf ihr Land zu sein. Zugleich mahnt Köhler, die Erinnerung an den Naziterror nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Deutschland müsse dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederhole.
   Am Alexanderplatz versammeln sich rund 3 000 Anhänger der NPD und neonazistischer Kameradschaften, die über den Boulevard Unter den Linden zur Friedrichstraße ziehen wollen, und zwar unter dem Motto "60 Jahre Befreiungslüge - Schluss mit dem Schuldkult". (Vgl. 7./8. Mai.) Ursprünglich wollten sie zum Brandenburger Tor marschieren, dies hatte ihnen aber das Bundesverfassungsgericht verboten. Tausende von Gegendemonstranten blockieren stundenlang die geplante Demonstrationsroute, schließlich untersagt die Polizei den Rechtsextremisten, durch das Stadtzentrum zu ziehen.

2007

Das Strandbad Wannsee wird 100 Jahre alt. Für alle Besucher gilt ein Sondertarif von 100 Cent.
Am 12. Mai übergibt die Stiftung Denkmalschutz Berlin, die in den vergangenen drei Jahren Umkleidehallen, Wandelgänge und Treppenaufgänge für 8,5 Millionen Euro denkmalgerecht wiederhergestellt hat, die restaurierten Bauabschnitte in einem Festakt symbolisch an Sportsenator Ehrhart Körting. Vier Millionen Euro investierten die Bäderbetriebe in die Erneuerung der technischen Ausstattung.

2010

Anderthalb Jahre nach der Schließung des Flughafens Berlin-Tempelhof wird das rund 300 Hektar große Gelände, die größte Parkfläche Berlins, für die Öffentlichkeit geöffnet. Rund 235 000 Besucherinnen und Besucher kommen am ersten Wochenende (8. und 9. Mai).

2012

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld wird nicht planmäßig am 3. Juni eröffnet. (Siehe 25. April.) Das teilt die Betreibergesellschaft auf einer Pressekonferenz mit. Der Termin lasse sich wegen noch nötiger Tests bei den Brandschutzanlagen nicht halten. Der Start musste bereits einmal verschoben werden. Ursprünglich sollte der Airport im November 2011 in Betrieb gehen. Um mindestens zwei Monate, heißt es zunächst, werde sich die Eröffnung verschieben. Später heißt es, der Airport werde im März 2013 eröffnen, Anfang September wird schließlich der 27. Oktober 2013 als neuer Eröffnungstermin genannt.

2013

Nach jahrelangen Protesten beginnt die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 von Neukölln nach Treptow. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Stadtentwicklungssenator Michael Müller betonen beim symbolischen Spatenstich, auch in einer Stadt wie Berlin müsse ein Ausbau der Verkehrsinfrastruktur möglich sein. Der 3,2 Kilometer lange Autobahnabschnitt werde die umliegenden Gebiete deutlich entlasten. Das neue Teilstück ist laut Ramsauer mit Kosten von mehr als 450 Millionen Euro das teuerste Stück Autobahn, das in Deutschland je gebaut wurde. Der Spatenstich wird von lauten Protesten einiger Demonstranten begleitet.

2013

Meisterfeier: Nachdem die Berlin Recycling Volleys erneut den deutschen Meistertitel errungen haben, wird das Team vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit im Säulensaal des Berliner Rathauses empfangen. Das gesamte Team trägt sich in das Gästebuch der Stadt ein. Wowereit: »Glückwunsch zur Titelverteidigung und zur fünften Meisterschaft! Die Mannschaft hat in Friedrichshafen die Nerven behalten und souverän die Serie gewonnen. Die Volleys haben sich mit diesem Sieg einmal mehr als würdige Botschafter der Sportmetropole Berlin erwiesen. Ich darf dem Team, aber auch Trainer Mark Lebedew und Manager Kaweh Niroomand zu dem Triumph gratulieren.«

2015

Eine Gedenktafel für Richard von Weizsäcker (siehe 31. Januar) wird vor dem Axel-Springer-Haus in Kreuzberg von dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, der Verlegerin Friede Springer, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und dessen Amtsvorgängern Klaus Wowereit, Eberhard Diepgen und Walter Momper enthüllt. Auf der Tafel, mit der die Axel Springer SE den verstorbenen Altbundespräsidenten für seinen Einsatz für die deutsche Einheit würdigt, steht: »›Die Mauer in Berlin ist eine Realität; aber realistisch ist sie nicht, denn sie ist nicht vernünftig, nicht human. Deshalb wird sie in der geschichtlichen Perspektive keinen Bestand haben.‹ Bundespräsident Richard von Weizsäcker 18. März 1986«.

2018

In knapp einer Woche haben Fischer in zwei Berliner Parkseen mehr als 3 000 essbare Rote Amerikanische Sumpfkrebse, die von ausgesetzten Exemplaren abstammen, gefangen. Mehr als zwei Drittel davon sind im Britzer Garten (Neukölln) ins Netz gegangen, die übrigen im Tiergarten (Mitte), wie der Wildtierexperte Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bilanziert. Weil die Allesfresser als Gefahr für heimische Arten und Ökosysteme gesehen werden, ist die Eindämmung EU-weit geboten.

2020

Einmaliger Feiertag in Berlin: Der 75. Jahrestag des 8. Mai 1945 wird in der Hauptstadt (nicht in der gesamten Bundesrepublik) als Feiertag begangen. In der Neuen Wache in Mitte findet eine Kranzniederlegung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesratspräsident Dietmar Woidke und Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle statt. Bundespräsident Steinmeier hält vor der Neuen Wache eine Rede zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa. Er spricht an einem Pult und ist bogenförmig – im vorgeschriebenen Abstand sitzend – von den Vertretern der zentralen Verfassungsorgane umgeben.
Die ursprünglich geplanten Großveranstaltungen zur Erinnerung an das historische Datum wurden wegen der Coronapandemie abgesagt.

2021

Im Alter von 81 Jahren stirbt in Campton Hills im US-Bundesstaat Illinois der deutsch-amerikanische Architekt Helmut Jahn, der mit spektakulären Bauwerken internationale Anerkennung erhielt. Für Berlin entwarf er unter anderem das Sony-Center mit Bahntower am Potsdamer Platz und den Baukomplex »Neues Kranzler-Eck« am Kurfürstendamm.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller würdigt den verstorbenen Architekten: »Helmut Jahn ist einer der bedeutendsten Baumeister unserer Zeit gewesen und war weltweit ein gefragter Architekt. Bis ins hohe Alter hat er nicht geruht, seine ambitionierten Projekte zu verwirklichen. In Berlin denkt man vor allem an das Sony-Center am Potsdamer Platz, wo Jahn dem neugestalteten Quartier ein weithin sichtbares städtebauliches Zeichen gestiftet hat. Mit seiner futuristischen Vision eines stadtoffenen Forums und dem spektakulären Zeltdach hat Jahn Maßstäbe gesetzt. Die vielen Millionen Besucherinnen und Besucher, die seit der Eröffnung im Sommer 2000 dort weilten, waren in ihrer überwältigen Mehrheit beeindruckt von diesem neuen Wahrzeichen der Stadt. Wir danken Helmut Jahn für diesen kraftvollen Entwurf und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.«

2022

Zum 77. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus wird an verschiedenen Gedenkorten in Berlin an die Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert. 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs legt der ukrainische Botschafter in Deutschland Andrej Melnyk unter starker Polizeipräsenz bei der Gedenkveranstaltung der Botschaft der Ukraine am Sowjetischen Ehrenmal einen Kranz zum Gedenken an die ukrainischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs nieder. Gegenüber dem Mahnmal versammeln sich pro-russische und pro-ukrainische Protestierende, es bleibt jedoch friedlich. Zum Schutz des Gedenkens an die Kriegsopfer sowie die Befreiung vom Nationalsozialismus ist die Polizei Berlin mit jeweils insgesamt 1800 Einsatzkräften am 8. und 9. Mai im Einsatz.

Um mögliche Konflikte bei den Gedenkveranstaltungen und Kundgebungen am 8. und 9. Mai anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs zu verhindern, erlässt die Polizei Berlin eine Allgemeinverfügung zum Schutz von Versammlungen und Veranstaltungen, die Flaggen und militärische Symbole am beiden Tagen verbietet. Die Verfügung bezieht sich auf die 15 ausgewählten Gedenkorte in Berlin, »an denen durch diese Regeln ein würdevolles, friedliches Gedenken an den 8. und 9. Mai 1945 ermöglicht werden soll«, so die Senatsverwaltung für Inneres, Digitalisierung und Sport. Ausgenommen davon sind Veteranen des Zweiten Weltkrieges sowie Botschafter*innen und ihre Delegationen. Der ukrainische Botschafter in Deutschland Andrej Melnyk, ukrainische Verbände und die Opposition im Abgeordnetenhaus hatten das Fahnenverbot zuvor kritisiert.

2023

Zum 78. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges wird in Berlin die Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert. Beim Stillen Gedenken und der Niederlegung eines Blumengebindes sind u. a. Oleksij Makejew, Botschafter der Ukraine in Deutschland, der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und der Staatsminister bei der Bundesministerin des Auswärtigen Tobias Lindner in der Neuen Wache anwesend.

2023

Das Verwaltungsgericht Berlin hebt ein Verbot ukrainischer Flaggen rund um sowjetische Ehrenmale am 8. und 9. Mai auf. Die Polizei hatte ursprünglich ein Verbot beider Flaggen, sowohl ukrainischer als auch russischer, erlassen. Die ukrainische Flagge darf nun aber doch gezeigt werden, während russische weiterhin verboten sind.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.landesarchiv-berlin-chronik.de (Stand: 08.05.2026)