Was geschah am 22.05. im Jahr ...

1945

Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Jens Nydahl zum neuen Bezirksbürgermeister von Tempelhof, nachdem der Vorgänger Dr. Willy Kramm wegen seiner Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Partei seine Stellung aufgeben mußte.

Der Leiter der Abteilung für Handel und Handwerk des Magistrats, Josef Orlopp, empfiehlt den Bezirksverwaltungen:

  1. geschlossene Geschäfte, deren Inhaber geflüchtet sind, zu beschlagnahmen und "zuverlässige Kaufleute" einzuweisen;
  2. Geschäfte, deren Inhaber der NSDAP, der SA oder der SS angehört haben, nicht mehr mit bewirtschafteten Bedarfsgütern zu beliefern;
  3. Geschäftsinhaber, die zwar nicht der nationalsozialistischen Partei angehörten, aber "faschistische oder militaristische" Ideen propagieren, zu verwarnen und nötigenfalls ihre Geschäfte zu schließen.
Das Bezirksgericht von Schöneberg nimmt seine Tätigkeit in den früheren Räumen des Kammergerichts in der Elßholzstraße 32 wieder auf.

Die Post beginnt wieder mit der Beförderung von Briefen und Postkarten in Groß-Berlin, indem sie ihren Stafettendienst erweitert.
Die bisher ausgegebenen Postwertzeichen sind ungültig. Die Frankierung erfolgt gegen Barzahlung durch Abstempelung.

Die BVG nimmt mit der U-Bahn die Strecken Gardepionierplatz - Hermannplatz - Bergstraße, Schönleinstraße - Hermannplatz - Leinestraße und Rosenthaler Platz - Gesundbrunnen wieder in Betrieb.
Neue Autobuslinien nehmen den Verkehr, zwischen Zoo - Wittenbergplatz - Potsdamer Platz, Zoo - Kaiserplatz und Treptow - Dönhoffplatz auf.

1946

Das Landesgesundheitsamt fordert die Amtsärzte der Berliner Bezirke in einem Rundschreiben auf, Maßnahmen zur Bekämpfung der sich ausbreitentenden Malaria zu treffen. Die früher in Berlin fast unbekannte Krankheit war durch heimkehrende Kriegsgefangene aus dem Osten eingeschleppt worden. Die Zahl der Neuerkrankungen an Malaria hätte sich gegenüber 64 im April auf 131 im Mai mit weiter steigender Tendenz erhöht.

Die Abteilung für Handel und Handwerk des Magistrats gibt bekannt, daß Raucherkarten rückwirkend ab 1. Mai 1946 auch an Frauen im Alter von mehr als 55 Jahren ausgegeben werden, wenn sie mindestens 48 Stunden wöchentlich berufstätig sind.

Die Berliner SED veranstaltet unter der Leitung ihres Vorsitzenden Hermann Matern im "Palast" am Bahnhof Friedrichstraße ihre erste Funktionärkonferenz, in deren Mittelpunkt Fragen des Neuaufbaus von Berlin stehen.

1947

Die Alliierte Kommandantur fordert durch BK/O (47) 122 den Magistrat auf, alle von ihm bis zum 1. Januar 1947 zur Genehmigung vorgelegten gesetzlichen Bestimmungen, zu denen die Kommandanten noch keine Stellung genommen haben, nochmals zu überprüfen und notfalls erneut vorzulegen.

Die Alliierte Kommandantur genehmigt durch BK/O (47) 117 die Bildung eines Gründungsausschusses einer die gesamte Stadt umfassenden Volksbühnenbewegung und fordert den Magistrat als Antragsteller auf, die notwendigen organisatorischen Maßnahmen einzuleiten.
Von den 19 der von den Besatzungsmächten bestimmten Ausschußmitglieder gehören fünf der SPD, drei der CDU und sechs der SED an. Der Rest ist parteilos. Dem Gründungsausschuß gehören unter anderen an Intendant Karl-Heinz Martin, Domkapellmeister Dr. Karl Förster, Hauptschulrat Friedrich Weigelt, Professor Dr. Edwin Redslob, Professor Dr. Joachim Tiburtius, Schauspielerin Hilde Koerber, Stadtverordnete Hilde Lucht-Perske. Vertreter des Magistrats ist Stadtrat Dr. Siegfried Nestriepke.

Die Alliierte Kommandantur befiehlt durch BK/O (47) 116 eine Änderung der Kennzeichen von Kraftfahrzeugen. Die von der sowjetischen Besatzungsmacht eingeführten Kennbuchstaben "BG" (Berlin Gorod - Berlin Stadt) werden durch die Bezeichnung "KB" (Kommandatura Berlin) ersetzt.

Der sowjetische Stadtkommandant überträgt durch Befehl Nr. 674 den Konsumgenossenschaften im sowjetischen Sektor die Erfassung und Verteilung von Gemüse in Höhe von 20 Prozent des Angebots.
Der Verband Berliner Konsumvereine verfügt gegenwärtig im sowjetischen Sektor über 230 Geschäfte. Die Zahl der Mitglieder beträgt rund 131 000.

(30.) Ordentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin.
Stadtrat Fuellsack gibt im Zusammenhang mit Anfragen von SPD und LDP einen Bericht über die Ernährungslage Berlins, die auf Grund einer Reihe von Schwierigkeiten vor allem in der Kartoffel- und Gemüseversorgung außerordentlich ernst sei. So könne Berlin zum Beispiel nicht über die Ernte seiner zwölf in der sowjetischen Besatzungszone liegenden Stadtgüter verfügen und müsse deshalb sogar Gemüse aus Thüringen einführen. Besonders nachteilig mache sich darüber hinaus die getrennte Belieferung der einzelnen Sektoren bemerkbar, die zu umfangreicher Verwaltungstätigkeit und vor allem zu sehr ungleichmäßiger Lebensmittelzuteilung an die Bevölkerung führe. In der Aussprache über diesen Bericht wird von den Rednern der SPD, CDU und LDP zugleich auch gefordert, durch Verhandlungen mit der Landesregierung von Brandenburg die unwürdigen Zustände bei der Beschlagnahme von Gemüse und Lebensmitteln durch die Polizei auf den Berliner Vorortbahnhöfen zu beseitigen. Nach ausführlicher Debatte über die nicht ordnungsmäßige Geschäftsführung der Baustoffbeschaffungs G.m.b.H. und scharfen Auseinandersetzungen zwischen, Stadtrat Klingelhöfer und dem Stadtverordneten Maron (SED) wird bei Ablehnung verschiedener Ergänzungsantrage ein Antrag der SPD über eine grundsätzliche Änderung der Geschäftsführung angenommen.
Dagegen wird ein Antrag der SED, dem ehemaligen Direktor der Siemens-Werke, von Witzleben, den Sichtvermerkstempel für seine Wiederbeschäftigung bei den Siemens-Werken zu verweigern, mit der Begründung abgelehnt, daß diese Angelegenheit ausschließlich in den Verwaltungsbereich gehöre.

Der Besuch der Ostseebäder ist auf Grund einer Anordnung der Industrie- und Handelskammer von Mecklenburg-Vorpommern nur werktätigen Berlinern, die eine Sondergenehmigung der Bezirksbürgermeister besitzen müssen, für 14 Tage gestattet.

1948

Die Berliner CDU und LDP lehnen das Volksbegehren ab und erlassen entsprechende Aufrufe.

Berliner Erstaufführung von Paul Hindemiths Oper "Mathis der Maler" in der Statsoper.

1949

Am Bahnhof Charlottenburg kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Bahnpolizei, streikenden Eisenbahnern und der Bevölkerung, bei denen sieben Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt werden. Der Bahnhof wechselt dabei viermal den Besitzer.
Auf den Nordbahnstrecken nach Birkenwerder, Velten und Bernau wird ein Pendelverkehr betrieben, bis von der Brücke in der Badstraße im Bezirk Wedding eine fast tausendköpfige Menge schwere Zementblöcke auf die Gleisanlagen wirft. Die Bahnpolizei eröffnet sofort das Feuer und verletzt mehrere Personen. Daraufhin riegeln deutsche Polizei und französische Militärpolizei das Gelände in der Bad- und Brunnenstraße ab, so daß der S-Bahnhof Gesundbrunnen nicht mehr betreten werden kann.
Als auf dem Bahnhof Tegel ein Dampfzug mit 50 bewaffneten Polizisten der sowjetischen Besatzungszone erscheint, verhindert französische Militärpolizei größere Auseinandersetzungen.

Vorstand und Beirat der Gewerkschaft der Eisenbahner (UGO) fordern den Abzug der ortsfremden Volkspolizei und des Bahnschutzes von den Bahnanlagen in den westlichen Sektoren, die Übergabe des Bahnschutzes an die rechtmäßige Berliner Polizei und eine Anordnung der dafür zuständigen Stellen an die Reichsbahndirektion Berlin (RBD), die Einnahmen in den westlichen Sektoren auf DM (West) umzustellen. Bis zur Erfüllung dieser Forderungen werde der gewerkschaftliche Kampf geschlossen weitergeführt. Die Gewerkschaft fordert die Berliner Bevölkerung auf, ihren gerechten Kampf zu unterstützen.

In den westlichen Sektoren wird eine landwirtschaftliche Betriebszählung durchgeführt, durch die Unterlagen über die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe im Stadtgebiet gewonnen werden sollen. Sie ergibt unter anderem, daß in den zwölf westlichen Bezirken 995 landwirtschaftliche Betriebe, darunter 3 reine Forstbetriebe, existieren; davon haben allerdings 538 nur eine Größe von 2 Hektar. An Tieren werden 3674 Pferde, 5011 Rinder, 4420 Schweine, 8133 Ziegen, 189 668 Kaninchen, 299 141 Hühner und 5241 Bienenvölker gehalten (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 13.4.1946).

In Berlin treffen die ersten Rücktransporte mit Kindern ein, die während der Blockade mit Unterstützung der britischen Militärregierung zur Erholung in die westlichen Besatzungszonen geflogen worden waren (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, 18.11.1948).

Premiere der Opern-Einakter "Die lächerlichen Preziösen" und "Der schwangere Bauer" von Fritz Behrend nach Vorlagen von Moliere und Hans Sachs in der Städtischen Oper unter der musikalischen Leitung von Arthur Rother und in der Inszenierung von Fritz Dittgen. In den Hauptpartien singen Traute Richter, Traute Schmidt, Georg Gerhardt, Willi Hake, Leopold Clam, Willi Hoppe und Helmut Krebs.

1950

Der Magistrat stimmt auf seiner 88. Sitzung den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung vom 16. Mai zu.
Er berät die bereits vorbereiteten Maßnahmen anläßlich .des sogenannten Deutschlandtreffens der FDJ zu Pfingsten und beschließt, eine abschließende Informationsbesprechung hierüber im Rahmen einer außerordentlichen Magistratssitzung am 25. Mai abzuhalten. Der Chef der Stadtkanzlei, Georg von Broich-Oppert, teilt den Magistratsmitgliedern mit, daß zu den Pfingsttagen eine Delegation des Bundestages und der Bundesregierung nach Berlin kommen wird.

Stadtrat Dr. Holthöfer wird ermächtigt, bei der Alliierten Kommandantur die Genehmigung für die Vereinigung des Berliner Post- und Fernmeldewesens mit dem der Bundesrepublik zu beantragen.

Der Magistrat beschließt eine Verordnung über den Verkehr mit Maschinen, nach der jedes Verbringen von Maschinen aus den Westsektoren Berlins der Genehmigung durch die Magistratsabteilung Wirtschaft bedarf. Die Alliierte Kommandantur und die einzelnen westlichen Militärregierungen werden zugleich um die Aufhebung einer Reihe seit 1946 ergangener Befehle ersucht, die bisher die Bewegung von Maschinen - auch innerhalb der Westsektoren - von teilweise umständlichen Genehmigungsverfahren abhängig machten (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 6.9.1946; Bd. 2, 4.2.1947, 17.7.1948). Neben einer Zusammenfassung und Vereinfachung dieser Verfahren soll die einheitliche Genehmigungspflicht für alle Verlagerungen von Maschinen dem Magistrat zugleich eine Möglichkeit geben, der Verlagerung und Sitzverlegung von Berliner Unternehmen in die Bundesrepublik entgegenzuwirken.

1951

Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter weist alle Mitglieder des Senats sowie Behörden und Dienststellen der Hauptverwaltung in einem Rundschreiben an, im Schriftverkehr mit der Alliierten Kommandantur ab sofort die Anrede "Sehr geehrter Mr. ..." oder "Sehr geehrter Herr (Dienstgrad)" und als Schlußformel "Mit vorzüglicher Hochachtung" zu verwenden.
Weiter teilt der Regierende Bürgermeister mit, daß der Titel "Stabschef der Alliierten Kommandantur" in "Vorsitzführender Sekretär der Alliierten Kommandantur" abgeändert wurde.

Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter betont vor der Berliner Pressekonferenz, daß in Berlin alles getan werde, um den illegalen Ost-West-Handel zu unterbinden. Nach seiner Ansicht gehe der größte Teil davon im sogenannten Dreieckverfahren von Westdeutschland über andere westeuropäische Staaten in die Länder Osteuropas. Derartige Geschäfte lägen aber außerhalb der deutschen Zuständigkeit, so daß die Besatzungsmächte zur Abwehr des Schmuggels mit den betreffenden westeuropäischen Staaten Abkommen schließen müßten. Scharf wendet er sich gegen die Auffassung, daß Berlin der "weiche Punkt" sei, über den illegale Ost-West-Geschäfte liefen.
Der Senator für Wirtschaft und Ernährung, Professor Eich, und der Präsident des Landesfinanzamtes, Weltzien, berichten, daß in Berlin 500 Personen im Grenzkontrolldienst die von und nach Westdeutschland beförderten Waren prüfen. Ihre Zahl soll noch um weitere 400 Personen erhöht werden. Eine zweite Kontrolle liegt im sogenannten Ansage-Zettelverfahren, das zwischen dem jeweiligen westdeutschen und Berliner Zonengrenzkontrollpunkt eine telefonische Voranmeldung der abgehenden Transporte und eine Übersicht über den Verbleib der Waren ermöglicht.
Hauptsächlich werden die Kontrollpunkte Dreilinden und Heerstraße sowie die 98 Straßenübergänge zwischen West-Berlin und dem sowjetischen Besatzungsgebiet überwacht und der gesamte Schiffsverkehr überprüft.

Volksbildungssenator Professor Tiburtius berichtet von dem Bemühen des Senats, Wilhelm Furtwängler zur ständigen Leitung der Berliner Philharmoniker zu bewegen. Zur Behebung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Philharmoniker sei Furtwängler nahegelegt worden, mehr Konzerte des Orchesters als bisher zu dirigieren. - Der Staatssekretär im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Franz Thediek, gibt bekannt, daß sein Ministerium einen Zuschußantrag von 250 000 DM für die Philharmoniker habe ablehnen müssen und Furtwängler gleichfalls geraten habe, öfter sein Berliner und seltener ausländische Orchester zu dirigieren (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 807, 30.10.1950, Nr. 62 d).

Die Wasserstraßendirektion der SBZ gibt bekannt, daß die Schleuse Großwusterwitz-Plauener Kanal am Plauer See wegen "dringender Reparaturarbeiten" für die Zeit vom 26. Mai bis 10. Juni gesperrt werden muß. Damit ist nach der Sperrung des Mittellandkanals wegen Reparaturarbeiten am Schiffshebewerk Rothensee der gesamte Interzonenschiffsverkehr über Elbe und Havel unterbrochen.

Eine außerordentliche Schulleiter- und Schulrätekonferenz im sowjetischen Sektor unter Leitung des Stadtrats für Volksbildung, Max Kreuziger (SED), nimmt eine Entschließung an, in der alle Schulleiter aufgefordert werden, in Lehrerkonferenzen "ernsthafte Diskussionen über die Volksbefragung" durchzuführen und alle Lehrer, die der "amerikanischen Kriegspropaganda" hörig geworden seien, von den Schulen zu entfernen.
Anlaß zu dieser Konferenz gab eine vom FDGB, Abteilung Schule und Erziehung, einberufene Versammlung im Bezirk Mitte am 18. Mai unter Teilnahme der hier beschäftigten 180 West-Berliner Lehrkräfte. Dabei hatten sich die Lehrer in Anwesenheit des stellvertretenden Ost-Berliner Stadtschulrats Professor Helmuth Häntzsche eindeutig gegen die kommunistisch gesteuerte Volksbefragung ausgesprochen.

Der Vorstand der Konsumgenossenschaften des sowjetischen Sektors gesteht nach Vorwürfen des früheren Ost-Berliner Wirtschaftsstadtrats Bruno Baum (SED) "selbstkritisch" ein, während der Brotverknappung Anfang des Monats ernsthafte Fehler begangen zu haben, da er seine Handels- und Produktionsaufgaben "nicht immer im richtigen Zusammenhang mit der jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Situation gesehen und die richtigen Schlüsse für die konsumgenossenschaftlichen Aufgaben gezogen" habe. Mehrere leitende Angestellte der Konsumgenossenschaft seien deshalb aus ihren Stellungen abberufen und die falsche Maßnahme, Privatbäckereien nicht mit Brot zu beliefern, inzwischen wieder aufgehoben worden.

1952

3. Landesparteitag der Berliner NDPD im "Haus der Ministerien".
Der stellvertretende Vorsitzende der Gesamtpartei und ehemalige Wehrmachtsgeneral, Vincenz Müller, fordert von den Delegierten, in Berlin den Frieden "bewußt und systematisch, zäh und mutig" zu verteidigen. Vor allem hier müsse die Frontgeneration des Zweiten Weltkrieges vor einem Irrweg "im Dienste des amerikanischen Angriffs- und Eroberungskrieges" zurückgehalten werden. Im Glauben an ein "besseres Deutschland" sei sie aus Krieg und Gefangenschaft in die Heimat zurückgekehrt. Deshalb bejahe die NDPD auch die Aufstellung nationaler Streitkräfte in der "DDR", diesem Staat des "nationalen Stolzes", der "eine freie, unabhängige, dem Frieden und dem Fortschritt dienende, wahrhaft deutsche und wahrhaft demokratische Republik" darstelle. Dieser Charakter werde auch Wesen und Aufgaben seiner Streitkräfte prägen.
Eine besonders wichtige Aufgabe der Berliner Parteiorganisation sieht Müller darin, dem Mittelstand zu beweisen, daß er eine glückliche Zukunft nur im Bündnis mit der Arbeiterschaft finden könne.

In seinem Rechenschaftsbericht kritisiert der Politische Geschäftsführer des Landesverbandes, Friedrich Pfaffenbach, die noch nicht ausreichende Mitarbeit von NDPD-Angehörigen in der "Nationalen Front". Wenn die Partei auch "stets mit Abstand die LDP und CDU (Ost)" im Einsatz hinter sich gelassen habe, so hätte sich doch die Zahl ihrer "ständigen Aufklärer" gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich erhöht. Nach den Forderungen des Parteiprogramms müßten aber gerade die besten Parteimitglieder in verstärktem Maße in den Organen der "Nationalen Front" mitwirken, wodurch letztlich auch die Partei selbst an Werbewirkung gewinnen würde.
Als mangelhaft bezeichnet Pfaffenbach die Arbeit des Berliner "Demokratischen Blocks". Trotz vieler Bemühungen habe es der Landesverband nicht erreicht, daß der "Block"-Ausschuß regelmäßig tagte. Auf den wenigen, meist auch noch schlecht vorbereiteten Sitzungen, würden kaum entscheidende Berliner Probleme behandelt. Der Landesvorstand werde deshalb darauf dringen, daß der "Block"-Ausschuß mindestens einmal im Monat zusammentreffe, um durch entsprechende Vorschläge und Vorlagen dabei zu helfen, die Arbeit des Magistrats zu verbessern.

Zum neuen Landesvorsitzenden wählt der Parteitag Egbert von Frankenberg, zu seinem Stellvertreter Friedrich Pfaffenbach. Der bisherige Landesvorsitzende und Ost-Berliner Bürgermeister, Max Schneider, bleibt Mitglied des Landesvorstandes.

1953

Vor der Berliner Pressekonferenz erläutern die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien ihre Auffassung zur Frage der Teilnahme Berlins an den Bundestagswahlen. Franz Neumann (SPD) erklärt, seine Partei träte in jedem Fall für eine direkte Wahl der Bundestagsabgeordneten in Berlin ein. Demgegenüber sprechen sich Ernst Lemmer (CDU) und Hermann Fischer (FDP) gegen die Belastungen eines Wahlkampfes in Berlin aus, da die Alliierte Hohe Kommission in ihrer letzten Verlautbarung erklärt habe, die Berliner Bundestagsabgeordneten dürften nicht das volle Stimmrecht erhalten. Falls CDU und FDP direkten Wahlen in Berlin zustimmen, bietet Franz Neumann die Abgabe einer bindenden Erklärung an, nach der die SPD Neuwahlen zum Abgeordnetenhaus innerhalb eines Vierteljahres nach den Bundestagswahlen - unabhängig von deren Ausgang - befürworte.

Der Vorsitzende der Wahlleitung des Ost-Berliner Magistrats, Paul Hentschel, berichtet im "Neuen Deutschland" über das Ergebnis der Neuwahlen der Haus- und Straßenvertrauensleute. Danach wurden 22 535 Hausvertrauensleute und 1536 Straßenvertrauensleute gewählt. Hierzu wurden 19 384 Versammlungen abgehalten, die von 361 538 Personen besucht wurden. Hentschel rügt, daß auf diesen Versammlungen häufig die Wahlhandlung, nicht aber die politische Agitation im Mittelpunkt stand. Er kündigt eine verstärkte Schulung der Vertrauensleute durch die Räte der Stadtbezirke an.

1954

Die Vertreterversammlung der IG Metall lehnt das bisherige Verhandlungsergebnis mit den Arbeitgebern auf Beibehaltung des bis zum 31. Mai 1954 gültigen Lohntarifs ab und beschließt, ihre Forderungen nach Erhöhung der Eckstundenlöhne von 1,44 auf 1,54 DM notfalls mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln durchzusetzen. Vorher soll am 14. Juni in einer Kundgebung im Sportpalast der tariflose Zustand für die ganze Berliner Metallindustrie erläutert werden.

1954

Der Berliner "Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands" veranstaltet im Hotel "Esplanade" den ersten Landesverbandstag nach seiner Gründung im Dezember 1952, auf dem der Vorsitzende Werner John Schüler wiedergewählt wird. Der Generalsekretär des Weltfrontkämpferverbandes, Eliot Newcomb (Großbritannien), begrüßt die inzwischen erfolgte Aufnahme des deutschen Verbandes in die internationale Organisation, die keine Solidarität gegenüber Kriegsverbrechen verteidigenden Soldatenverbänden übe, die glauben, dort wieder fortfahren zu müssen, wo sie 1945 gezwungen wurden, aufzuhören und erklärt: "Die einzigen Schlachten, die wir schlagen wollen, sind die gegen Hunger und Elend." Der Verbandstag appelliert in einem Telegramm an Bundeskanzler Dr. Adenauer um rasche Erfüllung der versprochenen Berlin-Hilfen zur Milderung sozialer Spannungen. Außerdem fordert der Verbandstag eine Weiterentwicklung der Kriegsopferversorgung.

1955

Nach einer entsprechenden Vereinbarung beider deutscher Bahnverwaltungen wird die Zahl der Interzonenzugpaare mit dem heutigen Inkrafttreten des Sommerfahrplans von bisher zehn auf dreizehn erhöht.
Neben den Zügen zwischen Leipzig und Köln/Mönchen-Gladbach, Frankfurt/Main, München verkehren nunmehr zwischen Berlin und München ein Zug, Berlin und Frankfurt/Main zwei, Berlin und Hamburg drei, Berlin und Köln vier Züge.
Außerdem setzt die Reichsbahn zweimal wöchentlich den "Saßnitz-Expreß" nach München über Hof als Triebwagen ein, der allerdings - nach einer ersten Probefahrt am 13. März mit schwedischen Reiseleitern und Journalisten - um Berlin herumgeleitet wird und auch an keiner anderen Station in der DDR hält.

Das Presseamt beim DDR-Ministerpräsidenten untersagt, wie auch schon am 15. Mai, den Vertrieb der heutigen Ausgabe der Ev. Wochenzeitung "Die Kirche" in Ost-Berlin und der DDR, weil ihre Redaktion es versäumte, die Leser über den "wahren Anlaß" des Vertriebsverbots zu unterrichten und damit die Organe der DDR wissentlich erneut diffamierte. Das Amt begründet seine Maßnahme mit der Veröffentlichung der Erklärung der Synode von Espelkamp zur Wiedervereinigung, in der "übelste verleumderische Hetze gegen die DDR betrieben wurde".

1956

Der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr eröffnet in der Festhalle am Funkturm den unter Leitung des Berliner Chirurgen Prof. Gohrbandt stehenden "5. Deutschen Kongreß für ärztliche Fortbildung", an dem rund 5000 Ärzte aus beiden Teilen Deutschlands und aus dem Ausland teilnehmen. Im Vordergrund der Diskussionen steht die Anwendung der plastischen und korrektiven Chirurgie.
Mit dem Kongreß ist eine von etwa 120 führenden Firmen der pharmazeutischen und medizinisch-technischen Industrie des In- und Auslandes beschickte Ausstellung verbunden.

1957

25. Sitzung der Volkskammer.
Präsident Dr. Dieckmann protestiert zu Beginn im Namen aller Abgeordneten gegen die "unwürdige" Behandlung von Rosa Thälmann - Witwe des 1944 von den Nationalsozialisten im KZ Buchenwald ermordeten früheren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann -, die am Vortage auf der Rückkehr vom Münchener Kongreß der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" im Interzonenzug von bayerischen Grenzpolizisten trotz ihres Protestes durchsucht worden war. Damit hätten die Organe der Bundesrepublik die elementarsten Pflichten eines jeden Staates, nämlich den Abgeordneten der Parlamente anderer Staaten die gebührende Achtung entgegenzubringen, auf das gröblichste verletzt. "Wir werden gegenüber Bundestagsabgeordneten, die in die DDR einreisen wollen, fortan die gleichen der Frau Abgeordneten Rosa Thälmann gegenüber angewandten Untersuchungsmethoden anwenden, wenn nicht die Bonner Regierung dem Präsidium der Volkskammer unverzüglich ihr Bedauern über diesen skandalösen Vorfall ausspricht und die Versicherung abgibt, daß seine Wiederholung ausgeschlossen ist."

Die Berlin-Beauftragte im State Department, Eleanor L. Dulles, erklärt in einer Rede vor der Frauenvereinigung der Republikanischen Partei in New York zum Thema "Berlin und die Methoden der Sowjets", daß sich bei einer Analyse der sowjetischen Politik hinsichtlich Berlins und Deutschlands drei Dinge ganz klar feststellen ließen:

  1. Das grundlegende Ziel der Sowjets bestehe nach wie vor darin, die Unterwerfung unter die kommunistische Herrschaft um jeden Preis zu erzwingen.
  2. Die Methoden der Sowjets änderten sich, je nachdem ob sie in ihren Beziehungen zu Europa gerade milde oder rauhe Töne anschlügen.
  3. Jedes Anzeichen eines Nachlassens der Westmächte und der Bundesrepublik in ihrem Bemühen um Berlin löse auf Seiten der Sowjets prompt Versuche eines Übergreifens auf Positionen aus, die der Westen bisher unter erheblichen Kosten gehalten habe. Umgekehrt hätten die häufigen Demonstrationen, daß die freie Welt zu Berlin steht und der Widerstandswille der Berliner sich nicht brechen ließ, fast jedesmal zu einer Politik größerer Nachgiebigkeit und zu einer Verringerung ihrer Drohungen und des Drucks geführt.
Eleanor Dulles zieht daraus die Schlußfolgerung, daß die Sowjets Berlin als eine Quelle ständiger Störungen, aber auch als ein Mittel der westlichen Alliierten betrachten, das sowjetische Vordringen nach dem Westen aufzuhalten. Dabei sei offensichtlich, daß sie mit ihren wechselnden Methoden der Überredung und der Einschüchterung weder den Geist noch die Lebenskraft der Stadt vernichten können. Selbst wenn sie mit ihren zahlreichen Versuchen, die Entschlossenheit des Westens auf die Probe zu stellen, fortführen, bestehe kein Grund zu der Annahme, daß sie bereit wären, große Risiken in Berlin einzugehen.
Ein Überblick über die Folge der Geschehnisse in Berlin seit 1945 könne allen übrigen Nationen zur Ermutigung dienen und ein Bild von den positiven Wirkungen geben, mit denen ein Volk der Tyrannei entschlossen Widerstand leiste, jedoch auch von der Bedeutung, die in einer solchen Situation selbst nur symbolische militärische Kräfte haben, wenn sie an Gefahrenpunkten wie Berlin gehalten werden. Man könne darauf vertrauen, daß die Berliner, die Zeiten größter Not durchmachten und ihr Leben klug und mutig den Gegebenheiten anzupassen verstünden, ihre eigenen Hilfsquellen weiter ausbauen und ihre Lage künftig noch verbessern werden. Wenn auch langandauernde und ständige Kämpfe allmählich müde machten, so wirke dieser Ermüdung doch die heftige Reaktion auf Herausforderungen der kommunistischen Besatzungsbehörden entgegen. Gerade die aus der Situation bedingten Ärgernisse und Gefahren erzeugten leidenschaftliche Reaktionen und gäben die Gewähr, daß die politischen Anstrengungen der Berliner auch in Zukunft von größter Bedeutung sein und der Schwung ihres wirtschaftlichen Lebens anhalten werden, bis der Lebensstandard der Stadt dem der Bundesrepublik entspreche. Berlin bilde, wenn auch geographisch gesehen in kleinen Grenzen, einen Modellfall für das Versagen der sowjetischen Methoden. "Und solche Fehlschläge werden die Sowjets auch künftig sowohl in Berlin wie anderswo erleiden, solange sie ihren Irrtum nicht einsehen."

Mit einer Ausstellung seiner "Kostbarkeiten" wird das Berliner Kupferstichkabinett in dem ehemals Staatlichen Museum in Dahlem wiedereröffnet, nachdem im letzten Winter die in Wiesbaden und Celle lagernden Bestände nach Berlin zurückgekehrt waren. Die nun in West-Berlin befindliche Sammlung - der größere Teil der Bestände des Kupferstichkabinetts, etwa 70 Prozent, allerdings ist in Ost-Berlin - umfaßt mehrere hunderttausend Blätter und illustrierte Bücher, darunter etwa 20 000 Handzeichnungen alter Meister bis um 1800, Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte und andere Druckgraphik von den Anfängen um 1400 bis zur Gegenwart. Dabei sind Dürer und Schongauer mit ihrer Druckgraphik vollständig vertreten.

1958

Der Geschäftsträger der sowjetischen Botschaft in Ost-Berlin, S. Astawin, weist in gleichlautenden Schreiben die Proteste der westlichen Botschafter gegen die Einführung der Wasserstraßengebühren in der DDR als unbegründet zurück. Sie hätten "Verwunderung hervorgerufen", da diese Frage nur die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR beträfe, letztere aber bekanntlich seit ihrem Vertrag mit der Sowjetunion vom 20. September 1955 über das sich unter ihrer Souveränität befindliche Territorium ihre eigene Jurisdiktion ausübe.
Was "das Wesen der Sache anbetrifft", so seien nach seinen Informationen die Maßnahmen der DDR "in keinem Fall" auf die Einschränkung des normalen Verlaufs des Transports auf den "inneren Wasserwegen Deutschlands" gerichtet, sondern trügen "rein kommerziellen Charakter".

Auf dem SPD-Parteitag in Stuttgart werden mit dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt, Senatsdirektor Heinrich Albertz und Senator Ella Kay drei Berliner in den Parteivorstand gewählt. Der frühere Landesvorsitzende Franz Neumann, der dem Parteivorstand seit 1946 angehörte, erhält diesmal nicht die erforderliche Stimmenzahl.

1959

5. Tagung des ZK der SED.
Der Erste ZK-Sekretär Ulbricht stellt in seiner Rede die Frage, welche eigenen Anstrengungen die Deutschen zur Förderung der Entspannung und zur Ermöglichung der Annäherung unternehmen könnten. Die DDR jedenfalls halte den Abschluß eines Gewaltverzichts oder Nichtangriffsvertrages für zweckmäßig und schlage hierzu Beratungen der Regierungsdelegationen beider deutscher Staaten in Genf auf gleichberechtigter Basis vor. Es müsse Klarheit darüber bestehen, daß auch die bescheidensten Vorschläge technischer Natur, von denen in der westdeutschen Presse sehr oft die Rede sei, nur dann einen realen Sinn hätten, wenn die Atomrüstung Westdeutschlands eingestellt und auf die Schaffung von Raketenbasen verzichtet werde. Man könne weder über den Postverkehr noch über andere Fragen beraten, wenn nicht in Westdeutschland friedliche Verhältnisse geschaffen würden. "Das ist das Problem, um das es geht." Die Führung der DDR vertrete jedoch die Überzeugung, daß es dank der Initiative der Sowjetunion und auf Grund der "realistischeren" Auffassungen, die sich allmählich bei "manchen" westlichen Außenministern durchsetzten, gelingen werde, trotz der "Störmaßnahmen der Adenauer-Regierung die Aufgaben der Genfer Konferenz zum Resultat zu führen, nämlich die Gipfelkonferenz vorzubereiten".

Hauptberatungspunkt des ZK ist neben dem Entwurf eines Gesetzes über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der DDR Erich Apels Referat "Durch sozialistische Rekonstruktion und Erhöhung der Arbeitsproduktivität zur Erfüllung des Siebenjahrplanes", wobei er die Rekonstruktion als "rationellste Organisation der Produktion auf der Basis der höchstentwickelten Wissenschaft und Technik und der vollen Nutzung der schöpferischen Initiative der Werktätigen" definiert.

1959

5. Tagung des ZK der SED.
Der Erste ZK-Sekretär Ulbricht stellt in seiner Rede die Frage, welche eigenen Anstrengungen die Deutschen zur Förderung der Entspannung und zur Ermöglichung der Annäherung unternehmen könnten. Die DDR jedenfalls halte den Abschluß eines Gewaltverzichts oder Nichtangriffsvertrages für zweckmäßig und schlage hierzu Beratungen der Regierungsdelegationen beider deutscher Staaten in Genf auf gleichberechtigter Basis vor. Es müsse Klarheit darüber bestehen, daß auch die bescheidensten Vorschläge technischer Natur, von denen in der westdeutschen Presse sehr oft die Rede sei, nur dann einen realen Sinn hätten, wenn die Atomrüstung Westdeutschlands eingestellt und auf die Schaffung von Raketenbasen verzichtet werde. Man könne weder über den Postverkehr noch über andere Fragen beraten, wenn nicht in Westdeutschland friedliche Verhältnisse geschaffen würden. "Das ist das Problem, um das es geht." Die Führung der DDR vertrete jedoch die Überzeugung, daß es dank der Initiative der Sowjetunion und auf Grund der "realistischeren" Auffassungen, die sich allmählich bei "manchen" westlichen Außenministern durchsetzten, gelingen werde, trotz der "Störmaßnahmen der Adenauer-Regierung die Aufgaben der Genfer Konferenz zum Resultat zu führen, nämlich die Gipfelkonferenz vorzubereiten".

Hauptberatungspunkt des ZK ist neben dem Entwurf eines Gesetzes über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der DDR Erich Apels Referat "Durch sozialistische Rekonstruktion und Erhöhung der Arbeitsproduktivität zur Erfüllung des Siebenjahrplanes", wobei er die Rekonstruktion als "rationellste Organisation der Produktion auf der Basis der höchstentwickelten Wissenschaft und Technik und der vollen Nutzung der schöpferischen Initiative der Werktätigen" definiert.

1961

Bischof Dibelius weiht an diesem Pfingstmontag das neuen Kirchenzentrum der ev. Gemeinde Zehlendorf-Schönow an der Andreezeile. Das zeltförmige Gotteshaus wird beherrscht von einem 13 Meter hohen und 20 Meter breiten, schiefergedeckten Satteldach, die Längswände und Giebelseiten sind mit Doppelglas verkleidet, es bietet bis zu 400 Gläubigen Platz und ist mit einem Flachbau verbunden, der Räumlichkeiten für die Gemeinde- und Jugendarbeit sowie die Sakristei beherbergt.

1963

Den Kongreß "Wasser Berlin 1963" in den Messehallen am Funkturm - eröffnet von seinem Schirmherrn Bundespräsident Lübke - besuchen 8 000 in- und ausländische Experten, die in Referaten und Arbeitskreisen alle aktuellen Probleme der Wasserwirtschaft erörtern. Auf der dem Kongreß angeschlossenen Ausstellung zeigen - neben einer Gemeinschaftsschau des Bundes"der Länder und der einschlägigen Verbände sowie Institutionen - auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern weit über 150 in der Wasserwirtschaft engagierte Firmen ihre Erzeugnisse, die das Interesse von 22 500 Besuchern aus 21 Ländern finden.

1965

Bei den 16. Europameisterschaften der Amateurboxer in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle ermitteln die 172 Aktiven aus 24 Ländern in den einzelnen Gewichtsklassen folgende Sieger: Fliegen: Hans Freistadt (Bundesrepublik), Bantam: Oleg Grigorjew (Sowjetunion), Feder: Stanislaw Stepaschkin (Sowjetunion), Leicht: Velikton Barannikow (Sowjetunion), Halbwelter: Jerzey Kulej (Polen), Welter: Richard Tamulis (Sowjetunion), Halbmittel: Viktor Agejew (Sowjetunion), Mittel: Valerij Popentschenko (Sowjetunion), Halbschwer: Sergej Posnjak (Sowjetunion), Schwer: Alexander Isossimow (Sowjetunion).

1967

Im Rahmen einer Feierstunde übergibt Bischof Scharf in der Charlottenburger Goethestraße das "Haus der Kirche" seiner Bestimmung. Der in rund dreijähriger Bauzeit nach Plänen der Architektengemeinschaft Konrad Sage/Karl Hebecker/ Heinz Richter für 5,4 Mio. DM errichtete Gebäudekomplex besteht aus vier separaten Baukörpern: einem Studentenwohnheim mit 52 Plätzen an der Krummen Straße, einem fünfgeschossigen Verwaltungstrakt gegenüber der Trinitatis-Kirche mit Büroräumen, Konferenz- und Bibliothekszimmern sowie dreizehn Appartements für Studentenfamilien, einem dreigeschossigen Konferenz- und Seminargebäude mit einem Veranstaltungssaal für 425 Personen, Konferenzräumen und einer Cafeteria, schließlich einem Haus mit vier Wohnungen.

1968

Wissenschaftssenator Stein eröffnet das 1943 durch Bomben zerstörte, für rund 3,5 Mio. DM in fünfjähriger Bauzeit wiederhergerichtete Große Tropenhaus des Botanischen Gartens. Mit seinen 60 Metern Länge, 30 Metern Breite und 25 Metern Höhe gilt es als Europas derzeit größtes Gewächshaus, in dem eine fahrbare Arbeitsbühne den Zugang zu allen Anlagen, selbst den Palmengipfeln, ermöglicht.

Schulsenator Evers begründet in einem Rundschreiben die Absage des für den 24. Mai vorgesehenen Sportfestes der Berliner Schulen im Olympia-Stadion damit, daß, "nach zuverlässigen Informationen", mit erheblichen Störungen durch die APO gerechnet werden müsse und daher keine Gewähr für die Sicherheit der 11bis 14jährigen Schüler mehr bestehe. Kinder neigten bei Tumulten erfahrungsgemäß zu Panik. Die Möglichkeit von Verletzungen, insbesondere wenn Demonstranten von den Zuschauerrängen nach unten drängten, könne man nicht durch einen Polizei-Einsatz ausschließen. Der Senator hält es für bedauerlich, "daß verantwortungslose Kräfte politische Auseinandersetzungen auf dem Rücken schutzloser Kinder austragen wollen". Vor Berliner Schulen waren in den letzten Tagen Flugblätter verteilt worden, die zur Störung des Sportfestes aufforderten. So veranlaßte u. a. die "Aktionsgemeinschaft Berliner Schulen" dessen "Umfunktionieren" durch Besetzen des Stadionrasens, und die "Schüler-SDS-Basisgruppe Moabit" sprach gar von der letzten Möglichkeit eines Protests der Schüler gegen die Notstandsgesetzgebung (vgl. 20. Mai).

1969

In der 51. Sitzung des Abgeordnetenhauses (5. Wahlperiode) findet die Aussprache über die Regierungserklärung statt, die der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz in der 50. Sitzung abgab. (Vgl. 8. Mai.) Mit den Stimmen von SPD und F.D.P. gegen die der CDU nimmt das Abgeordnetenhaus die von Schütz vorgelegten Richtlinien über die Regierungspolitik für die zweite Hälfte der Wahlperiode an.
   Der amtierende Parlamentspräsident Peter Lorenz erinnert an das Inkrafttreten des Bonner Grundgesetzes vor 20 Jahren (23. Mai 1949) und unterstreicht die Zugehörigkeit Berlins zum Bund: "... die freiheitlich-demokratische Grundordnung gilt auch für Berlin, und die Menschen dieser Stadt fühlen sich zugehörig zum Bund, ohne dessen ideelle und materielle Hilfe der Wiederaufbau unseres Gemeinwesens nicht möglich gewesen wäre. Die Aufrechterhaltung und der Ausbau dieser Verflechtung mit dem Bund, die Einbeziehung Berlins in das Rechts-, Wirtschafts- und Finanzsystem der Bundesrepublik Deutschland ist und bleibt eine entscheidende Lebensgrundlage für unsere Stadt."

1970

Auf dem Parteitag der SEW in der "Neuen Welt" in der Hasenheide (Berlin-Neukölln) spricht sich der Parteivorsitzende Gerhard Danelius für "normale und gutnachbarliche Beziehungen" zur DDR aus. Unter Hinweis auf die Vier-Mächte-Gespräche über Berlin meint der Parteivorsitzende, es sei wünschenswert, daß dieser Meinungsaustausch dazu beitrage, "die Funktion Westberlins als Frontstadt des kalten Krieges endgültig zu beenden".
   Nach der auf dem außerordentlichen Parteitag vom 15. Februar 1969 beschlossenen Umbenennung von SED-Westberlin in SEW wird nun ein neues Parteiabzeichen eingeführt. Ferner wird beschlossen, ein 13köpfiges Politbüro einzurichten, das vom Parteivorstand bestimmt werden und das die politische Leitung der Arbeit zwischen den Tagungen des Parteivorstands darstellen soll. Die Befugnisse des Parteisekretariats sollen erweitert werden. Zudem wird ein stellvertretender Parteivorsitzender gewählt, und zwar das bisherige Vorstandsmitglied Erich Ziegler. Danelius wird im Amt des Parteivorsitzenden bestätigt.
   Als Ost-Berliner Gast des Parteitags erklärt das SED-Politbüromitglied Kurt Hager, daß die Zukunft der West-Berliner Bevölkerung "nicht in der gefährlichen 'Schicksalsgemeinschaft' mit dem westdeutschen Imperialismus" liege, "sondern in einer selbständigen politischen Entwicklung Westberlins mit gutnachbarlichen Beziehungen zur DDR wie auch zu den anderen Staaten".

1974

In Berlin-Charlottenburg wird der Adenauerplatz eingeweiht, der am Kurfürstendamm durch den Umbau der Wilmersdorfer Straße entstand. Die Mitte des nach dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und Berliner Ehrenbürger Konrad Adenauer (1876-1967) benannten Platzes schmückt ein Springbrunnen. Zum Weihe- und Volksfest kommen auch Max Adenauer, Sohn des früheren Bundeskanzlers, sowie der CDU-Bundesvorsitzende und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Helmut Kohl.
   Im Jahre 1967 führten Bürgerproteste dazu, daß die Umbenennung des Kaiserdamms (Berlin-Charlottenburg) in Adenauerdamm wieder aufgehoben wurde.

1975

Im "Ermelerhaus" am Märkischen Ufer in Berlin-Mitte findet ein Empfang statt, zu dem der Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, Staatssekretär Günter Gaus, anläßlich des 26. Jahrestags der Verkündung des Bonner Grundgesetzes eingeladen hat. Zahlreiche Chefs diplomatischer Missionen in der DDR und DDR-Repräsentanten nehmen teil, unter anderen der Botschafter der Sowjetunion in der DDR, Pjotr A. Abrassimow, und der Außenminister der DDR, Oskar Fischer. Es handelt sich um den ersten großen Empfang, den Gaus seit Eröffnung der Ständigen Vertretung gibt.

Generalmajor Werner Gröning wird als neuer Präsident der Volkspolizei Berlin eingeführt. Er ist Nachfolger von Generalmajor Horst Ende, der das Amt seit 1964 innehatte.

1979

Gegen den Ost-Berliner Schriftsteller Stefan Heym, dem von den DDR-Behörden vorgeworfen wird, er habe seinen jüngsten Roman "Collin" im Westen ohne Genehmigung des Büros für Urheberrechte veröffentlicht, spricht das Stadtbezirksgericht Berlin-Köpenick wegen angeblichen Verstoßes gegen das Devisengesetz der DDR eine Geldstrafe in Höhe von 9 000 Mark aus. (Vgl. 14. Mai.)

1981

Die Berliner F.D.P. beschließt auf ihrem außerordentlichen Landesparteitag im "Schultheiss" in der Hasenheide nach erbitterter Debatte mit 134 gegen 93 Stimmen bei 3 Enthaltungen, "in keiner Form einen von der CDU geführten Senat zu unterstützen oder zu dulden und deshalb keine Koalitionsverhandlungen zu führen" und beantwortet damit das vom CDU-Landesvorsitzenden von Weizsäcker am 19. Mai den F.D.P.-Politikern Kunze, Brunner und Vetter unterbreitete Koalitionsangebot (vgl. 18. März). Drei Tage später fordert das F.D.P.-Präsidium in Bonn die sieben Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus auf, nicht dem Beschluß des Landesparteitages zu folgen, sondern die Wahl eines CDU-Senats zu ermöglichen, weil eine "Verweigerungskoalition mit SPD und AL" der Verantwortung der Liberalen nicht gerecht würde.

Nach 26monatiger Bauzeit wird auf einem Areal zwischen Augsburger Platz, Marburger und Rankestraße das Steigenberger Hotel mit 6Ö0 Betten in 400 Zimmern eröffnet, dessen Baukosten sich auf 72 Mio. DM beliefen.

Die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Arno Breker, einst einer der Protagonisten von NS-Kunst, läßt etwa 1000 Personen in der Meinekestraße protestieren, wobei es zu Handgreiflichkeiten mit der Polizei kommt. Nach scharfen Angriffen in der Öffentlichkeit distanziert sich der mittlerweile 81 Jahre alte Künstler am 26. Mai vor der Berliner Presse erstmals seit 1945 vom Nationalsozialismus.

Der Regierende Bürgermeister Vogel überreicht im ICC Hellmut Becker die ihm vom Senat verliehene Ernst-Reuter-Medaille in Silber in Würdigung seiner achtzehnjährigen Tätigkeit als Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

1983

Im Alter von nur 55 Jahren stirbt Herbert Grigers (SPD), Bezirksbürgermeister von Reinickendorf 1970 bis 1981. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem Hermsdorfer Friedhof.

1984

Der Senat beschließt auf seiner 15. Sitzung das Ende des als Eigenbetrieb geführten Vieh- und Schlachthofs Spandau zu Gunsten eines privaten Schlachthauses, das am Fleischgroßmarkt an der Beusselstraße für 30 Mio. DM entstehen - dafür will der Senat in mehreren Raten 12 Mio. DM als einmaligen Zuschuß beisteuern - und voraussichtlich 1987 seinen Betrieb aufnehmen soll. Der zuständige Senator Wronski begründet diese Entscheidung vor der Presse mit dem Hinweis auf die trotz erheblicher Rationalisierungsmaßnahmen jährlich notwendigen 5 Mio. DM Zuschüsse für den Spandauer Betrieb.

1985

Die letzte Etappe der "38. Internationalen Radfernfahrt für den Frieden (Friedensfahrt)" Prag-Warschau-Berlin - in diesem Jahr anläßlich des Kriegsendes vor 40 Jahren mit einem Abstecher nach Moskau, wo in der Stadt und auf dem Olympia-Kurs von 1980 zwei Wertungen ausgefahren wurden - gewinnt nach 130 Kilometern ab Neubrandenburg auf der Karl-Marx-Allee Uwe Raab (DDR). Gesamtsieger in der Einzelwertung wird Lech Piasecki (Polen) und in der Mannschaftswertung die Sowjetunion.

1987

Nach abschließenden zweitägigen Beratungen im Reichstag nennt der Wissenschaftsrat auf einer Pressekonferenz die Bedingungen, die er beim bis 1993 abzuschließenden Umzug des FU-Klinikums Charlottenburg ins Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK) gewahrt sehen will. Dazu gehören u.a.: Festlegung der Bettenzahl auf 1328, da Klinika mit mehr Betten weniger aktiv Forschung betrieben; Festsetzung der finanziellen Obergrenze auf 800 Mio. DM, wovon der Bund die Hälfte tragen soll; Zusammenfassung der vier medizinischen Fachbereiche zu einer Medizinischen Fakultät; Errichtung eines zentralen Forschungshauses, dessen Labors aktive Forschergruppen auf Zeit nutzen dürfen. Abschließend gibt WissenschaftssenatorTurner bekannt, daß für den Neubau der Klinikumsgebäude die noch vorhandenen Pavillonsbauten Ludwig Hoffmanns abgerissen werden müssen, da auch der Wissenschaftsrat sie für eine moderne Hochschulmedizin als ungeeignet betrachtet. - Diese Ankündigung ist für den Präsidenten der Architekturkammer Berlin, Cornelius Hertling, Anlaß, sich am 3. Juni aus der Jury für den Teilwettbewerb für Klinikumsbauten zurückzuziehen, da er die Pavillons für denkmalswürdig hält und vor allem bemängelt, daß man nicht schon früher mit der Suche nach alternativen Standorten begann. Der Weddinger Bezirksbürgermeister Spiller befürchtet bei einer Realisierung dieser Planung, daß "das wohlgeordnete und leistungsfähige RVK geschlossen und sein Gelände der FU zur Verfügung gestellt würde". Auch zweifelt er; ob Universität, die Stiftung Herzzentrum und vom Bezirksamt geleitete Stationen "praktisch und funktionsgerecht" zusammen arbeiten könnten.

Das Landgericht Berlin verurteilt nach neun Verhandlungstagen den früheren Mitarbeiter in der Senatsverwaltung, Wolfgang Siede, zu vier Jahren Freiheitsentzug und 12 000 DM Geldstrafe wegen Erpressung in zwei Fällen in Tateinheit mit Bestechlichkeit bzw. Vorteilsnahme, versuchter Erpressung und Bestechlichkeit sowie Steuerhinterziehung. Das Gericht hält Siede, der ein Teilgeständnis abgelegt hatte, in sämtlichen Anklagepunkten für überführt, insbesondere hinsichtlich seiner Forderungen an den Münchener Baubetreuer Bertram hinsichtlich dessen Wünschen nach Aufnahme in das staatliche Förderungsprogramm in Höhe von 100 000 DM in bar und eines Autos im Wert von 75 000 DM.

Im als künftigen Sitz derFilm-und Fernsehakademie ("Filmhaus") vorgesehenen Restbauten des ehem. Hotels Esplanade in der Bellevuestraße eröffnet Kultursenator Hassemer die zugleich als Abschluß des dreitägigen, von 300 Teilnehmern besuchten Kongresses der internationalen Filmarchivare gedachte, von der Stiftung Deutsche Kinemathek (Ute Berg-Ganschow und Wolfgang Jacobsen) orgnisierte Ausstellung "Film... Stadt... Kino... Berlin", die mit rund 500 Einzelstücken einen Überblick über 90 Jahre Filmgeschichte in Berlin zu vermitteln sucht. Im Rahmen der kleinen Eröffnungsfeier überreicht der Regierende Bürgermeister Diepgen dem 81jährigen Regisseur Billy Wilder, der ab 1926 in Berlin als Journalist und Drehbuchautor arbeitete, 1933 vor den Nazis über Paris in die USA emigrierte und seit 1940 in Hollywood für seine Filme insgesamt sechs "Oscars" erhielt, die Ernennungsurkunde zum "Professor ehrenhalber".

Einweihung des für 2,8 Mio. DM neugestalteten Karl-Marx-Platzes aus einer reinen Parkfläche zu einer Anlage mit Bänken und Bäumen einschließlich des von Hartmut Bonk für 800 000 DM geschaffenen Brunnens mit Figuren aus der griechischen Mythologie und des nebenan nach historischem Vorbild für eine Mio. DM restaurierten Richardplatzes mit dem von den Nachfahren der böhmischen Exulanten aufgestellten Denkmal Friedrich Wilhelms I. (vgl. 17. Mai) durch Baustadtrat Branoner (CDU).

1989

Polens Staats- und Parteichef Jaruzelski trifft während seines Arbeitsbesuchs in Ost- Berlin zunächst seinen DDR-Kollegen Honecker in Schloß Niederschönhausen zu einem Meinungsaustausch unter vier Augen, der dann in einem erweiterten Kreis fortgesetzt wird. Nach den zu gleicher Zeit geführten Gesprächen zwischen den jeweiligen Politbüromitgliedern über eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der PVAP und der SED aufzahlreichen Gebieten erfolgt im Beisein von Jaruzelski und Honecker die Unterzeichnung entsprechender Dokumente sowie des Vertrages über die Abgrenzung der Seegebiete in der Oderbucht, die nach Erweiterung der DDR-Grenze auf zwölf Seemeilen lange Zeit strittig war.

1993

Eröffnungsfahrt des Intercity-Expreßzugs (ICE), des schnellsten und komfortabelsten Zuges der Bahn, nach Berlin: Erstmals rollt der ICE auf dem Bahnhof Berlin-Lichtenberg ein. Tausende Berliner empfangen den Hochgeschwindigkeitszug.
   Am folgenden Tag nimmt der ICE zum Fahrplanwechsel den fahrplanmäßigen Betrieb in Berlin auf. Acht ICE-Verbindungen im Zwei-Stunden-Takt gibt es täglich zwischen Berlin und München _ über Magdeburg, Braunschweig, Frankfurt am Main und Stuttgart. Allerdings kann der ICE im Berlin-Verkehr seine Höchstgeschwindigkeit noch nicht ausfahren. 1997 aber soll er dann mit Tempo 250 auf der Neubaustrecke nach Hannover fahren.

1995

Bundesbauminister Klaus Töpfer und der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen verständigen sich auf eine Asbestbeseitigung im Palast der Republik in Berlin-Mitte. Sie kündigen an, daß voraussichtlich im nächsten Jahr mit der Sanierung begonnen werde. Der Bund werde in Kürze europaweit einen Wettbewerb für die Beseitigung von rund 750 Tonnen Spritzasbest ausschreiben. Die Politiker betonen nach einer Sitzung des gemeinsamen Ausschusses von Bundesregierung und Senat zur Hauptstadtplanung, mit dem Beschluß sei keine Vorentscheidung über die Zukunft des seit fast fünf Jahren stillgelegten Gebäudes gefallen.
In einer Presseerklärung des Sprecherrats der ehemaligen Mitarbeiter des Palastes der Republik heißt es, das Gebäude solle aus "politisch-ideologischen Gründen zerstört werden", und nur zu diesem Zweck werde die Asbest-Diskussion inszeniert. Der Sprecherrat fordert, den Palast kurzfristig zu sanieren und in Teilbereichen am 3. Okt. 1995 wiederzueröffnen.

1996

Ein Warnstreik von etwa 10 000 BVG-Mitarbeitern legt den öffentlichen Nahverkehr in Berlin lahm. Bis 9 Uhr 30 bleiben Busse und Bahnen im Depot. Die Protestaktion findet vor dem Hintergrund der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst statt.

1997

Sechs Jahre nach dem Abstieg im Jahre 1991 sichert sich Hertha BSC mit einem Auswärtssieg in Unterhaching (2 : 1 [1 : 0] gegen SpVgg Unterhaching) die Rückkehr in die 1. Fußballbundesliga. Der Aufstieg steht damit bereits drei Spieltage vor dem Saisonschluß fest.
Am 8. Jun. findet für Hertha BSC das letzte Spiel in der 2. Bundesliga statt (0 : 2 [0 : 1] gegen KFC Uerdingen). Mit 25 000 Anhängern feiert die Mannschaft im Olympiastadion und auf dem Maifeld in Berlin-Charlottenburg den Aufstieg. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen beglückwünscht das Team von Trainer Jürgen Röber.
Saisonpremiere in der 1. Bundesliga: Am 3. Aug. spielt Hertha BSC im ausverkauften Olympiastadion gegen Borussia Dortmund 1 : 1 (1 : 1).

1999

Das nahe dem Reichstagsgebäude liegende ARD-Hauptstadtstudio wird eröffnet. Politiker und Journalisten sollten gemeinsam neue Formen erarbeiten, um die Arbeit des Bundestags besser im Fernsehen darzustellen, sagt Bundestagspräsident Wolfgang Thierse bei der Eröffnung. Vor allem die Arbeit in den Ausschüssen würde nicht immer genügend gewürdigt und vermittelt werden.

2002

US-Präsident George W. Bush kommt am 22. Mai zu seinem ersten Deutschland-Besuch nach Berlin. Im Literatur-Café Tucher am Pariser Platz trifft er sich mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dem Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Daniel R. Coats, zum Abendessen. Bush übernachtet im Hotel Adlon.
   Am 23. Mai trifft der Gast aus Washington im Schloss Bellevue mit Bundespräsident Johannes Rau zusammen, im Bundeskanzleramt mit Bundeskanzler Gerhard Schröder. Vor den Abgeordneten des Deutschen Bundestags hält Bush eine Rede, in der er seine Entschlossenheit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus bekräftigt. Der US-Präsident warnt die Europäer davor, die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus zu unterschätzen. Regime, die an Massenvernichtungswaffen und Trägerraketen arbeiteten, hätten auch die Landkarte Europas im Kopf. "Wunschdenken mag bequem sein, aber es schafft keine Sicherheit", so Bush.
   Während der Rede im Bundestag entrollen drei PDS-Abgeordnete ein Transparent mit der Aufforderung an Bush und Schröder: "STOP YOUR WARS".
   In Berlin herrscht angesichts zahlreicher geplanter Protestdemonstrationen gegen Bush Sicherheitsstufe 1. Rund 10 000 Polizeibeamte sind im Einsatz. Wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen kann der Präsident nicht viel von Berlin sehen. Er fliegt nach einem knapp 20-stündigen Aufenthalt in der Stadt nach Moskau weiter.
   Der Besuch verläuft weitgehend störungsfrei. Keinem Bush-Gegner gelingt es, in den Sicherheitsbereich in Mitte einzudringen. Bereits am 21. Mai gab es eine erste große Demonstration gegen die Politik Bushs. Sie verlief friedlich. Am 22. Mai kommt es im Anschluss an eine Demonstration zu Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und Polizei. Am 23. Mai muss der S-Bahn-Verkehr am Alexanderplatz vorübergehend ausgesetzt werden, weil etwa 600 Bush-Gegner den Bahnhof blockieren. Bei den Protesten gegen Bush nimmt die Polizei insgesamt 64 Personen fest, von denen neun dem Haftrichter vorgeführt werden. In 272 Fällen kommt es zu kurzfristigen Freiheitsentziehungen. Mit "That's democracy" kommentiert der US-Präsident die Demonstrationen.

2003

Die Privatisierung der Berliner Flughafengesellschaft und damit auch der privat finanzierte Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International sind endgültig gescheitert. Damit muss der geplante Flughafenneubau von der öffentlichen Hand finanziert werden. Der Ausbau soll nach derzeitigen Plänen 1,3 Milliarden Euro kosten. Hinzu kommen die Aufwendungen für den Schienen- und Straßenbau zum Flughafen, die auch nach einer Privatisierung von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie vom Bund aufzubringen gewesen wären.

2007

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gibt im Säulensaal des Berliner Rathauses einen Empfang für die Handballmannschaft der Reinickendorfer Füchse e. V. und würdigt damit den Aufstieg des Traditionsvereins in die Erste Bundesliga. Die Spieler tragen sich in das Gästebuch der Stadt ein. Wowereit sagt in seiner Ansprache unter anderem: "Die Sportstadt Berlin ist glücklich, dass wir nach vielen Jahren künftig auch wieder im Handball erstklassig sind. Hertha, Eisbären, Alba - und jetzt vertreten auch die Füchse in einer begeisternden Mannschafts-Sportart den Berliner Sport in der obersten deutschen Spielklasse, die anerkanntermaßen die beste Handball-Liga der Welt ist."

Die neue Abfertigungshalle des Flughafens Berlin-Tegel wird feierlich eröffnet. Am Terminal C können künftig bis zu 2,5 Millionen Passagiere im Jahr ankommen oder abfliegen. Der größte Nutzer wird die Fluggesellschaft Air Berlin sein.

2009

Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Mitte findet ein Festakt zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland statt. (Vgl. 25. März.) Vor 1 400 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, zahlreiche weitere Kabinettsmitglieder sowie die Altbundespräsidenten Roman Herzog, Walter Scheel und Richard von Weizsäcker, hält Bundespräsident Horst Köhler eine Rede.

2015

Rund eine Viertelmillion (245 694) Besucherinnen und Besucher sehen in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Mitte die Ausstellung »Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende«. In der Schau wird den Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Kunstrichtungen nachgespürt. Gut 160 Meisterwerke sind, gegliedert nach gemeinsamen Hauptmotiven beider Stile, im gesamten Mittelgeschoss der Alten Nationalgalerie zu sehen. Mehr als die Hälfte der Arbeiten stammt aus der Sammlung der Nationalgalerie, ergänzt um hochkarätige Leihgaben aus internationalen Museen. Die Nationalgalerie war eines der ersten Museen weltweit, das ab 1896 impressionistische Gemälde erwarb; bereits 1919 kam eine große Sammlung expressionistischer Werke hinzu. »Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende« ist die besucherstärkste Ausstellung in der Geschichte des Hauses.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 22.05.2017)