Was geschah am 07.05. im Jahr ...

1945

Der sowjetische Stadtkommandant, Generaloberst Bersarin, ernennt den Reichsminister a. D. Dr. Andreas Hermes zum Beauftragten für das Ernährungswesen und damit zum Leiter des Ernährungsamtes der Stadt Berlin. Sein erster Mitarbeiter wird Dr. Franz Mendelson, der frühere Direktor der Landwirtschaftskammer Brandenburg. Sitz der Dienststelle ist das Gebäude der früheren Reichsgetreidestelle in der Brandenburgischen Straße im Bezirk Wilmersdorf.

Unter dem Vorsitz des Generalsuperintendenten der Kurmark, D. Dr. Otto Dibelius, konstituiert sich im Pfarrhaus neben der Paulus-Kirche im Bezirk Zehlendorf aus Anhängern der vom nationalsozialistischen Regime verfolgten "Bekennenden Kirche" eine provisorische neue Kirchenleitung der Evangelischen Kirche für Berlin und Brandenburg. D. Dr. Dibelius, der den Titel "Bischof" annimmt, vertritt gleichzeitig die übrigen, nicht besetzten Generalsuperintendenturen der Kirchenprovinz und übernimmt den Vorsitz im reorganisierten und um einen Beirat erweiterten Konsistorium. Neuer Konsistorialpräsident wird Dr. Hans v. Arnim. Bischof D. Dr. Dibelius wird wenig später durch den sowjetischen Stadtkommandanten, Generaloberst Bersarin, empfangen und als Vorsitzender der evangelischen Kirchenleitung anerkannt.

Die "Notgemeinschaft Freie Scholle", die sich aus der Bevölkerung einer Siedlung in Tegel gebildet hat, fordert alle Einwohner, die sich Lebensmittel und Gegenstände in den Wirren der letzten Tage unrechtmäßig angeeignet haben, auf, diese unverzüglich wieder abzuliefern, damit sie für die Allgemeinheit verwendet werden können. In der Aufforderung weist die "Notgemeinschaft" darauf hin, daß in den letzten Tagen durch die sowjetische Besatzungsmacht mehrere Berliner Einwohner wegen Plünderungen standrechtlich erschossen worden sind.

1946

35. Sitzung der Alliierten Kommandantur. Die Kommandanten billigen eine Reihe bereits erlassener Anordnungen. Unter ihnen soll der Befehl über die Durchführung einer Volkszählung in Berlin vornehmlich statistisches Material über die Bevölkerungsbewegung bringen, um rationierte Waren und Lebensmittel gerechter verteilen zu können. Die Kommandanten beschließen ferner, Militärpersonen den Einkauf rationierter Lebensmittel zu untersagen.
Sie genehmigen die Bildung von Verwaltungsgerichten in Berlin mit der Auflage, daß diese der Abteilung für Justiz und nicht mehr wie früher der Innenverwaltung unterstehen. Zunächst sollen in jedem Sektor bei einem der dort bestehenden Amtsgerichte eine besondere Kammer für Verwaltungsstreitsachen eingerichtet und eine Berufungsinstanz beim Kammergericht geschaffen werden.
Als Nachfolger für Generalmajor Barker nimmt der neue amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Frank A. Keating, an der Sitzung teil.

Die Alliierte Kommandantur erlaubt mit BK/O (46) 207 dem Vertreter des Haupt-Jugendausschusses beim Magistrat, Heinz Kessler (SED), in seiner amtlichen Eigenschaft, jedoch nicht als Vertreter der deutschen Jugend, an der Tagung des Exekutivkomitees der Weltvereinigung der Demokratischen Jugend (Weltjugendrat) in Paris teilzunehmen.
Auf einer Konferenz der Berliner Jugendausschüsse am 5. Mai in der Kindl-Brauerei im Bezirk Neukölln hatte eine Reihe von Teilnehmern gegen die Entsendung Kesslers als eines nichtgewählten Vertreters der Berliner Jugend zum Weltjugendrat protestiert. Sie hatte gleichzeitig gefordert, die Mitglieder aller Jugendausschüsse durch besondere Wahl zu berufen.

Das Sicherheitskomitee der Alliierten Kommandantur befiehlt, den Leiter der Direktion der Berliner Kriminalpolizei, Arthur Lück, wegen politischer Unzuverlässigkeit sofort zu entlassen. Das Amt wird vorläufig von Ernst Klein kommissarisch verwaltet.

1947

Die älteste städtische Krankenanstalt, das Krankenhaus Moabit, feiert ihr 75jähriges Bestehen.

1948

Auf der Sitzung der stellvertretenden Stadtkommandanten berichtet der sowjetische Vertreter, Oberst Jelisarow, über angebliche polizeiliche Ausschreitungen und Pogrome im amerikanischen und französischen Sektor. Die westlichen Vertreter weisen diese Anschuldigungen als lächerlich und als Ablenkungsmanöver zurück.
Über den Termin der nächsten Sitzung kann keine Einigung erzielt werden, nachdem der sowjetische Vertreter erklärt hatte, daß es ihm unmöglich sei, an der bereits auf dem 14. Mai 1948 festgelegten Sitzung teilzunehmen.

Das Berliner Wirtschaftsleben befindet sich nach einer Erklärung des Stadtrats Professor Reuter vor Gewerbetreibenden in Kliems Festsälen in Kreuzberg im Aufstieg, und gehe, wenn auch sehr langsam, einer Besserung entgegen. Den bisher erzielten Aufstieg verdanke Berlin im wesentlichen den Lieferungen aus dem Westen. Im Hinblick auf das ungleiche Verhältnis des Imports und Exports Berlins setzt sich Reuter für eine Steigerung der Ausfuhren ein.

Der Landesverband Berlin der CDU fordert auf einer Delegiertenversammlung im Rathaus Schöneberg anläßlich des dritten Jahrestages der Kapitulation Deutschlands von den Besatzungsmächten einen Friedensvertrag, die Einheit Deutschlands und die Möglichkeit der Bildung einer eigenen Regierung. Der zweite Landesvorsitzende, Dr. Heinrich Krone, verlangt in seinem Referat Wahlen zu einer Nationalversammlung.

Bei der Verteilung eines Aufrufs des Aktionsausschusses der Jungsozialisten, der Jungen Union und der Jungen Liberaldemokraten kommt es in der Nähe der Berliner Universität zu Zusammenstößen mit studentischen Mitgliedern der SED.

1949

Die Alliierte Kommandantur bestätigt mit BK/O (49) 90 die Gesetze über Arbeitslosenunterstützung und über die Regelung der Kurzarbeiterunterstützung.

Der Vorstand der Gewerkschaft der Eisenbahner (UGO) fordert erneut in einem Schreiben an die Reichsbahndirektion Berlin (RBD) unter Hinweis auf das Ergebnis der Urabstimmung, die Löhne und Gehälter der Westberliner Eisenbahner in DM (West) zu zahlen, das uneingeschränkte Koalitionsrecht zu gewähren und die gemaßregelten Berliner Eisenbahner wieder einzustellen. Die Eisenbahner-Gewerkschaft erklärt sich ausdrücklich zu Verhandlungen bereit und erwartet bis zum 10. Mai 1949, mittags 12 Uhr, einen entsprechenden Bescheid. Sollte er nicht eintreffen, so müsse die Gewerkschaft daraus schließen, daß die RBD die Wünsche der Westberliner Eisenbahner ablehne.

Bruno Goldhammer (SED), bisher Chefredakteur des kommunistischen Berliner Rundfunks, wird an Stelle von Wilhelm Girnus, der in das Redaktionskollegium des "Neuen Deutschland" berufen wurde, zum stellvertretenden Intendanten ernannt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 28.8.1946).

1949

Der britische Außenminister, Ernest Bevin, erklärt bei seiner Ankunft zu einem zweitägigen Besuch in Berlin auf dem Flugplatz Gatow in einer kurzen Ansprache vor den deutschen Flugplatzarbeitern, die Luftbrücke werde noch so lange bestehen bleiben, bis die Versorgung Berlins durch andere Transportmittel gewährleistet sei.
Auf einem Empfang des Magistrats begrüßt Oberbürgermeister Professor Reuter den britischen Gast als den "Repräsentanten einer Nation, die uns während der Blockade so große Hilfe geleistet" habe. Außenminister Bevin erwidert, daß er nicht als Vertreter einer Besatzungsmacht, sondern als Freund der Berliner Bevölkerung, deren Standhaftigkeit und Mut er hoch anerkenne, gekommen sei. Er verspricht, auf der kommenden Außenministerkonferenz in Paris im Namen Großbritanniens für die freie demokratische Entwicklung des deutschen Volkes einzutreten.

Der 6. Landesparteitag der Berliner SPD in der Onkel-Bräsig-Schule in Britz wählt einstimmig Franz Neumann wieder zum Ersten Vorsitzenden, Kurt Mattick mit 255 und Dr. Otto Suhr mit 177 Stimmen zu stellvertretenden Vorsitzenden. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern werden Professor Ernst Reuter, Paul Lobe, Walter Jaroschowitz, Ida Wolff, Otto Amberger, Dr. Joseph Grunner, Ella Kay und Dr. Fritz Schloß, zum Landessekretär Theo Thiele, und zum Hauptkassierer Ernst Sünderhauf gewählt.
Alle Redner des Parteitages, vor allem Professor Ernst Reuter, Dr. Otto Suhr und Franz Neumann, begrüßen die angekündigte Aufhebung der Blockade und fordern die Wiederherstellung der Freiheit und die Auflösung der Konzentrationslager in der sowjetischen Besatzungszone, die Heimkehr aller Kriegsgefangenen, einen ungehinderten Verkehr zwischen allen Zonen Deutschlands und allgemeine, gleiche und geheime Wahlen in ganz Deutschland als Voraussetzung für die Gründung einer einheitlichen deutschen Bundesrepublik. In seinem Rechenschaftsbericht über die geleistete politische Arbeit des vergangenen Jahres wendet sich Franz Neumann besonders gegen die "verantwortungslose Opposition" der CDU und FDP außerhalb des Magistrats.
In seinem Grundsatzreferat erklärt der ständige Vertreter des SPD-Parteivorstandes in Berlin, Willy Brandt, die Sozialdemokratie habe entsprechend dem Ausgangspunkt der sozialistischen Bewegung von Anfang an die Forderung nach Beseitigung aller Vorrechte gestellt. Die SPD werde jedoch überlieferte Theorien nicht konservieren. Der demokratische Sozialismus unterscheide sich vom diktatorischen Kommunismus nicht nur durch die Verschiedenheit der Wege und Mittel, sondern auch durch die Gegensätzlichkeit der Ziele.

1950

Das Landesgesundheitsamt beginnt in allen Westberliner Bezirken eine Krebsbekämpfungsaktion. Im Verlauf eines Monats wird in 23 Filmtheatern der Aufklärungsfilm "Kampf dem Krebs" vorgeführt. Zahlreiche Vortragsveranstaltungen und Plakate machen die Bevölkerung auf die Gefahren der Krebserkrankungen aufmerksam und verweisen auf die Möglichkeit kostenloser vorbeugender Untersuchungen.
Im Jahre 1949 standen in Gesamtberlin die Krebserkrankungen als Todesursache mit 6650 Fällen von insgesamt 45 207 Todesfällen an zweiter Stelle nach den Herzkrankheiten. In den drei Westsektoren entfielen von zusammen 27 498 Todesfällen im gleichen Jahr 4193 auf Krebserkrankungen. Für das laufende Jahr zeichnet, sich eine steigende Tendenz der Krebserkrankungen ab.

1951

Transportsachverständige der britischen Militärregierung und der sowjetischen Kontrollkommission (SKK) unterzeichnen nach ihren Besprechungen am 22. März, 20. April und 4. Mai ein Protokoll. Danach erklären sich beide Seiten damit einverstanden:

  1. Die britischen Behörden verpflichten sich ab 22. März zur Wiederherstellung der vor dem 1. März 1948 in Kraft befindlichen Ordnung des Durchgangsverkehrs für Schiffe aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet durch die Schiffahrtswege des britischen Sektors.
    Im einzelnen:
    1. Die britischen Behörden heben die von ihnen am 6. März 1951 eingeführten Beschränkungen in der Schiffahrt auf und werden sich nicht mehr in die Tätigkeit der Schleusen einmischen;
    2. sie rufen von den Schleusen Spandau, Charlottenburg und Plötzensee die Vertreter der West-Berliner Behörden ab.
  2. Die sowjetischen Kontrollorgane
    1. verlängern den Gültigkeitstermin der bestehenden sowie, der neu auszustellenden Schiffspapiere für die interzonale Schiffahrt bis auf weiteres;
    2. verpflichten sich, die in West-Berlin registrierten Schiffe durch die Schleusen Spandau, Charlottenburg und Plötzensee ohne Einmischung durchzulassen.
14. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Volksbildungssenator Professor Tiburtius wird vom Senat beauftragt, alle Vorbereitungen für die alsbaldige Übernahme der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau auf der Schleuseninsel im Tiergarten aus der Verwaltungshoheit der sowjetzonalen Behörden zu treffen.

Der Senat beschließt, daß die Berliner Flughafengesellschaft unter der Bezeichnung "Wirtschaftsstelle Flughäfen" alle Zahlungen für den militärischen Bereich der Flughäfen Tempelhof und Tegel an die amerikanischen und französischen Besatzungsbehörden durchführt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 696, 19.6.1950, Nr. 46 h).

Das während der letzten Kriegstage völlig zerstörte Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz im Bezirk Kreuzberg wird nach erfolgtem Neubau in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, unter ihnen auch Bürgermeister Dr. Schreiber, wiedereröffnet.

1952

Die Alliierte Kommandantur erklärt sich mit BK/L (52) 44 bereit, das Berliner Mantelgesetz zur Übernahme des "Bundesgesetzes über die Stellung des Landes Berlin (Drittes Überleitungsgesetz)" nach Vornahme geringfügiger Textänderungen zu genehmigen, wenn die Ermächtigung zur Veröffentlichung ebenfalls im Gesetz- und Verordnungsblatt (GVBl.) erscheint. Die Kommandantur betont, daß die in dem Schreiben BK/L (51) 129 niedergelegten Grundsätze weiterhin allgemein anwendbar bleiben und nur wegen der besonderen Bestimmungen des § 14 des besagten Bundesgesetzes geändert werden. Nach diesem Paragraphen gelten im Bundesrecht, das als solches im Land Berlin in Kraft tritt und in dem die Ermächtigung zum Erlaß von Durchführungsverordnungen vorgesehen ist, die auf Grund dessen erlassenen Durchführungsverordnungen in Berlin von dem Zeitpunkt ab, zu dem die Ermächtigungsvorschrift hier als Bundesrecht in Kraft tritt. Treten die Durchführungsverordnungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft, so gelten sie im Land Berlin erst von dann an.

Das Oberste Gericht der "DDR" verurteilt unter Vorsitz seines Vizepräsidenten, Dr. Hilde Benjamin (SED), wegen "Diversionsakte" zwei Angeklagte zu lebenslänglichem und weitere dreizehn zu insgesamt etwa 100 Jahren Zuchthaus. Ihnen werden u. a. auch Verbindungen zur "Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit" sowie zum amerikanischen und französischen Geheimdienst zur Last gelegt.

1953

Das Bundesverfassungsgericht stellt in einem Urteil zur Frage der Vereinbarkeit des § 1 des "Gesetzes über die Notaufnahme von Deutschen in das Bundesgebiet" mit Artikel 11 GG u. a. fest, daß:

  1. Freizügigkeit das Recht bedeutet, unbehindert durch die deutsche Staatsgewalt an jedem Ort innerhalb des Bundesgebiets Aufenthalt und Wohnsitz zu nehmen und zu diesem Zweck in das Bundesgebiet einzureisen,
  2. dieses Grundrecht auch die Deutschen in der sowjetischen Besatzungszone und im sowjetischen Sektor Berlins besitzen,
  3. der Gesetzgeber die Möglichkeit hat, das Verfahren zur Einschränkung der Freizügigkeit auf Grund des Art. 11 Abs. 2 GG nach seinem Ermessen zu regeln und dabei im Einzelfall auch aus zwingenden Verfahrensgründen die Ausübung der Freizügigkeit bis zur endgültigen Entscheidung suspendieren kann, und
  4. §1 Abs. 2 des Notaufnahmegesetzes keine erschöpfende Regelung der anerkannten Aufnahmegründe enthält und deshalb im Notaufnahmeverfahren dann, wenn keiner dieser Gründe vorliegt, weiter zu prüfen ist, ob die Versagung der Aufnahme gemäß Art. 11 Abs. 2 GG im Einzelfall gerechtfertigt ist.
Damit hält das Bundesverfassungsgericht den § 1 des Notaufnahmegesetzes mit dem Grundgesetz für vereinbar und erklärt auch eine generelle Suspension des Rechts auf Freizügigkeit für Flüchtlinge während der Dauer des Notaufnahmeverfahrens für zulässig.

68. (Ordentliche) Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Die Abgeordneten wählen in Ausführung des Art. 44 Abs. 2 der Verfassung von Berlin und des Landesbeamtengesetzes mit Mehrheit Dr. Johannes Stumm zum Polizeipräsidenten in Berlin (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 124, 12.2.1949, Nr. 62).

Das Abgeordnetenhaus übernimmt das vom Bundestag am 26. März 1953 verabschiedete "Gesetz über die innerdeutsche Rechts- und Amtshilfe in Strafsachen". Dem Ersuchen deutscher Behörden und Gerichte außerhalb des Geltungsbereiches dieses Gesetzes (d. h. im sowjetischen Besatzungsgebiet) auf Rechts- und Amtshilfe in Strafsachen darf danach nur dann noch entsprochen werden, wenn

  1. ihre Gewährung dem Zweck eines Bundesgesetzes nicht widerspricht,
  2. keine Bedenken bestehen, daß von der Hilfe nur im Einklang mit rechtsstaatlichen Grundsätzen Gebrauch gemacht werden wird, und
  3. nicht anzunehmen ist, daß dem Betroffenen aus der Gewährung der Rechts- und Amtshilfe erhebliche Nachteile erwachsen, die im Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen stehen.
Eine Auslieferung wegen einer Handlung, die im Gebiet der ersuchenden Stellen mit Todesstrafe bedroht ist, darf nur genehmigt werden, sofern Gewähr gegeben ist, daß die Todesstrafe nicht vollstreckt wird.

Durch das vom Abgeordnetenhaus beschlossene "Zweite Gesetz zur Übernahme einer weiteren Bürgschaft für Investitionskredite an Berliner Betriebe" wird der Senat ermächtigt, Ausfallbürgschaften für Investitionskredite an Berliner Betriebe bis zum Gesamtbetrag von 100 Millionen DM zu übernehmen.

Das Abgeordnetenhaus verabschiedet das "Gesetz zur Förderung der Berufsausbildung", das alle Ausbildungsmöglichkeiten für Berufsanwärter ausnutzen soll. Zur Förderung und Erweiterung von Lehr- und Ausbildungsstellen sieht das Gesetz besondere Berufsausbildungsbeihilfen für Arbeitgeber vor. Die hierfür erforderlichen Mittel werden von den Arbeitgebern in Form von Beiträgen an einen zu gründenden "Ausgleichsstock für Berufsausbildung" gezahlt.

In dritter Lesung wird das "Gesetz über preisrechtliche Mietsenkung für Wohnraum" angenommen, wonach Mieten für beschädigte und im Wert geminderte Wohnräume nach festgelegten Tabellensätzen zu senken sind.

Das Abgeordnetenhaus regelt in dem Berliner "Polizeibeamtengesetz" den Status der Polizeivollzugsbeamten. Danach haben sie neben den allgemeinen Beamtenpflichten, die sich aus dem Wesen des Polizeivollzugsdienstes und ihrer dienstlichen Stellung ergeben, das Ansehen der Polizei und Disziplin zu wahren und sich rückhaltlos für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, für den Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, den demokratischen Mehrparteienstaat und den Grundsatz der frei gewählten Volksvertretung einzusetzen.

Nach vorheriger Ausschußberatung genehmigen die Abgeordneten das vom Senat am 10. Dezember 1952 vorgelegte "Hilfsprogramm für arbeits- und berufslose Jugendliche unter 18 Jahren", das für arbeitslose Jugendliche nach Abgang von einer allgemeinbildenden Schule einen dreistufigen beruflichen Ausbildungsgang vorsieht. Die erste Stufe besteht aus einem einjährigen erweiterten Unterricht an den Berufsschulen. Im zweiten "handschaffenden Jahr" sollen die Jugendlichen in anerkannten Ausbildungsstätten handwerklich für ein im dritten Jahr abzuleistendes Betriebspraktikum nach eigener Wahl ausgebildet werden. Das Programm wird vom Jugendaufbauwerk nach Weisungen des Senators für Arbeit und des Hauptjugendamts durchgeführt. Zur Deckung der Kosten des Programms bewilligt das Abgeordnetenhaus im Haushaltsjahr 1953 über 20,6 Millionen DM.

Der Senator für Finanzen ordnet an, daß "Grenzgänger" aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet, denen die Lebensmittelkarten entzogen wurden, jeweils zusätzlich 15 DM (West) pro Monat für sich und ihre Familienangehörigen vom 1. Mai an behalten können.

Arbeitssenator Fleischmann teilt im Auftrag des Senats der Gewerkschaft ÖTV mit, daß er einer generellen Lohnerhöhung bei der BVG um 5 Pfennig pro Stunde zustimmt. Damit wird ein von der Gewerkschaft für den 8. Mai angedrohter Streik abgewendet.

1954

Die Westmächte lehnen in inhaltsgleichen Noten an die Sowjetunion die von ihr angebotenen Verhandlungen über den Abschluß eines europäischen Sicherheitspaktes ab, weil der sowjetische Vertragsentwurf offen auf der Neutralisierung und fortdauernden Teilung Deutschlands basiere, während er die völlige politische, wirtschaftliche und militärische Beherrschung der Länder Osteuropas durch die Sowjetunion unverändert lasse. Bei dem Vorschlag eines Beitritts der Sowjetunion zur NATO erübrige es sich, auf den völlig irrealen Charakter einer solchen Anregung hinzuweisen, da er in jeder Hinsicht den Prinzipien widerspreche, auf denen dieses Verteidigungssystem und die Sicherheit der westlichen Nationen beruhen. Die Verteidigungsmittel ihrer Mitglieder wurden zusammengefaßt, um ihnen kollektiv die Sicherheit zu bieten, die sie einzeln angesichts des militärischen Übergewichts der Sowjetunion in Europa seit 1945 und ihrer westwärts gerichteten Expansion nicht erlangen könnten. Da zwischen ihren Mitgliedern ein lückenloser Informationsaustausch besteht und ihre Beschlüsse einstimmig gefaßt werden, wäre die Sowjetunion als Mitglied dann in der Lage, jeden Beschluß durch ihr Veto unmöglich zu machen. Doch sei niemand bereit, die Zersetzung des gemeinsamen Verteidigungssystems auf diese Art zuzulassen.
Die Westmächte hegten nach wie vor die Überzeugung, daß der einzige Weg, das lastende Gefühl der Unsicherheit zu beseitigen, in der schrittweisen Lösung liege und nicht darin, eine neue Fassade der Sicherheit aufzubauen, hinter der die grundsätzlichen Schwierigkeiten unverändert bleiben. In diesem Sinne hätten sie in Berlin den Eden-Plan befürwortet, der ein erster Schritt zur Lösung des deutschen Problems gewesen wäre, und Vorschläge unterbreitet, die die Sicherheit Europas auf der Grundlage bestehender Abkommen verstärken sollten. Doch die Sowjetunion habe sich geweigert, diese Vorschläge auch nur zu erörtern. Ihre Unterstellung, daß die Pläne zur Schaffung der EVG die Spaltung Europas verursachten und die Gefahr eines Krieges erhöhten, bezeichnen die Westmächte als unrichtig. Vielmehr wurde diese Spaltung durch die Sowjetunion herbeigeführt und ihre Weigerung, die Wiedervereinigung Deutschlands auf der Grundlage freier Wahlen zu erwägen, bilde einen der Faktoren, die zur Fortdauer dieser Spaltung beitrügen. Unter diesen Umständen könne die Bundesrepublik nicht ohne alle Verteidigungsmittel gelassen werden, wenn die Führer Ostdeutschlands offen bekennen, starke Streitkräfte zu besitzen. Der beste und sicherste Weg zur Lösung des Problems eines deutschen Verteidigungsbeitrages liege im Rahmen einer Assoziation, die schon durch ihren Charakter verhindere, daß Deutschland irgendeine bewaffnete Einzelaktion unternimmt.
Die Westmächte vertreten die Auffassung, daß ein Fortschritt bei der Beseitigung internationaler Spannungen am besten erreicht werden könne, wenn die Sowjetunion einen greifbaren Beweis ihrer guten Absichten dadurch geben würde, daß sie gemeinsam mit ihnen

  1. eine schnelle Regelung der österreichischen Frage sucht, die Österreich seine volle Souveränität wiedergibt;
  2. eine dauernde und annehmbare Lösung des deutschen Problems ermöglicht;
  3. bald zu einem Abkommen über allgemeine, fortschreitende, ausgeglichene und überwachte Abrüstung einschließlich des Verbots der Massenvernichtungswaffen und der Kontrolle der Atomenergie gelangt;
  4. auf der gegenwärtigen Genfer Konferenz eine Lösung der dringendsten Probleme im Fernen Osten anstrebt; und
  5. ihr Verhalten in den Vereinten Nationen mit den Grundsätzen der Charta in Übereinstimmung bringt, um sie in die Lage zu versetzen, ihre wahre Rolle als wirksame Organisation für die kollektive Sicherheit zu erfüllen.
Die Ehefrau des im Zusammenhang mit der Entführung des russischen Exilpolitikers Dr. Truschnowitsch ebenfalls verschwundenen Heinz Gläske verläßt West-Berlin und begibt sich in den sowjetischen Sektor. Zwei Tage vorher hatte das "DDR"-Innenministerium noch bekanntgegeben, daß Gläske bei seinen Vernehmungen inzwischen gestanden habe, seit 1953 Mitarbeiter des Nachrichtendienstes von General a. D. Gehlen gewesen zu sein.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors ernennt den bisherigen Leiter des Krankenhauses Weißensee, Dr. Kurt Scheidler (CDU-Ost), zum Leiter der Abteilung Gesundheitswesen.

1955

Zehnter Jahrestag des "Tages der Befreiung" in Ost-Berlin.
Den Beginn der zweitägigen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht - an ihnen nehmen Partei- und Regierungsdelegationen aus sämtlichen Ostblock-Staaten teil; die sowjetische unter Leitung des stellv. Ministerpräsidenten Perwuchin und des Eroberers von Berlin, Verteidigungsminister Shukow - bildet ein "Staatsakt" der DDR-Regierung im Admiralspalast. Hauptredner sind Perwuchin und Ministerpräsident Grotewohl, die beide die gesellschaftliche Entwicklung in der sowjetischen Zone und späteren DDR würdigen, die Freundschaft ihrer beiden Staaten unterstreichen und für eine Lösung des Deutschlandproblems nach dem Vorbild des österreichischen Staatsvertrages eintreten.
Als Voraussetzungen hierfür nennt Grotewohl:

  1. Annullierung der Pariser Verträge;
  2. sofortige Herbeiführung der Verständigung beider Teile Deutschlands zur "Beseitigung des Militarismus" und zur Vorbereitung freier gesamtdeutscher Wahlen für eine Nationalversammlung;
  3. gemeinsame Forderungen beider Teile Deutschlands an die vier Großmächte auf den beschleunigten Abschluß eines Friedensvertrages und des Abzuges der Besatzungstruppen;
  4. Schaffung eines ständigen Gremiums aus Vertretern Ost- und Westdeutschlands zur Prüfung aller übrigen Fragen wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Zusammenarbeit.
Auf der Festsitzung des Ost-Berliner Magistrats würdigt Oberbürgermeister Ebert 36 Personen, die sich als "Aktivisten der ersten Stunde" besonders um den Aufbau verdient gemacht haben.
In seiner Ansprache schildert der Erste Sekretär des ZK der SED, Ulbricht, noch einmal jene Ereignisse, die nach seiner Meinung zur Spaltung Berlins führten. So hätte sich die ursprünglich gute Zusammenarbeit zwischen KPD und SPD in dem Augenblick geändert, als die westlichen Besatzungsmächte im Sommer 1945 in die Stadt einrückten. Von da an bis zur Einführung der Westwährung fast genau drei Jahre später trügen sie die Hauptverantwortung dafür, daß schließlich die "rechtssozialdemokratischen und bürgerlichen" Politiker aus dem Berliner Rathaus auszogen, um in Schöneberg einen sogenannten West-Berliner Senat zu bilden.
Um nun aber auch dort die Verhältnisse nach dem Vorbild des "demokratischen Sektors" umzugestalten, fordert Ulbricht erneut die Herstellung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse.

Am Morgen des 8. Mai legen hohe Partei- und Regierungsfunktionäre sowie die ausländischen Gastdelegationen Kränze am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park nieder, vor dem erstmals gemeinsame Ehrenwachen aus Offizieren der Roten Armee und der KVP aufgezogen sind.
Den Höhepunkt der zahlreichen in der gesamten DDR veranstalteten Kundgebungen bildet in Ost-Berlin eine Demonstration auf dem Marx-Engels-Platz mit rund 200 000 Teilnehmern, darunter starke Marschblöcke der SED-Betriebskampfgruppen mit geschultertem Gewehr; Hauptredner sind hier der stellv. sowjetische Ministerpräsident Perwuchin und Walter Ulbricht.

Während am Nachmittag in verschiedenen Ost-Berliner Bezirken Kulturensembles der Roten Armee auftreten, wird im West-Berliner Titania-Palast durch "private Initiative" unter dem Motto "Wir spielen auf" eine Veranstaltung durchgeführt, an der neben West-Berliner Künstlern auch Kulturgruppen aus dem Ostteil der Stadt und das Orchester der Ost-BVG mitwirken.

1956

Die Alliierte Kommandantur übermittelt dem Senat mit BK/O (56) 7 den Voranschlag der Besatzungskosten und Auftragsausgaben für das Haushaltsjahr 1956/57. Von den rund 194,3 Mill. DM Gesamtkosten entfallen 77,3 Mill. DM auf den amerikanischen, 68 Mill. DM auf den britischen und 49 Mill. DM auf den französischen Sektor. Die Ausgaben für deutsche Arbeitskräfte bilden mit rund 68 Mill. DM den größten Posten. Rund 5 Mill. DM sind für Kosten der kommerziellen Luftbrücke vorgesehen.

Der Senat unterrichtet das Abgeordnetenhaus in einer Vorlage zur Kenntnisnahme vom Abschluß der Liquidation und des Verkaufs des in Berlin gelegenen ehemaligen reichseigenen Filmvermögens. Danach erteilte der Ufi-Liquidationsausschuß bereits am 21. April die Zuschläge für die Berliner UFA-AFIFA-Objekte an ein unter Führung der Berliner Disconto Bank stehendes Konsortium, das daneben noch ein Optionsrecht auf die Terra Filmkunst GmbH, die Berlin Film GmbH, die Ufa Filmkunst GmbH und den Wiener Boheme-Verlag GmbH übernimmt, und die Objekte in Nordrhein-Westfalen (vorwiegend Filmtheater) an ein unter der Führung der Deutschen Bank AG West mit Sitz in Düsseldorf stehendes Konsortium.
Wichtigste Bedingungen für die Erteilung der Zuschläge waren:

  1. durch vertikale Verflechtung der Objekte in Berlin und Düsseldorf die Filmindustrie krisenfest zu machen;
  2. den juristischen und wirtschaftlichen Sitz der UFA-Handelsgesellschaft in Berlin zu belassen;
  3. die UFA-Theatergesellschaft mit ihrem Sitz in absehbarer Zeit nach Berlin zurückzuholen und
  4. Berlin ebenfalls als Sitz einer eventuell zu gründenden UFA-Verleihgesellschaft vorzusehen.
Folgende Gründe sprachen für den Zuschlag an die Bankenkonsortien:
  1. Entsprechend dem Gesetz zur Abwicklung und Entflechtung des ehemaligen reichseigenen Filmvermögens soll durch die Reprivatisierung u. a. eine gesunde, vom Staat unabhängige und auf demokratischen Grundsätzen beruhende Filmwirtschaft geschaffen werden, nachdem durch Anordnungen der Alliierten die Filmwirtschaft nach 1945 in die Branchen Produktion, Verleih und Theater zerlegt worden war. Die daraus resultierende schwierige Situation veranlaßte im Laufe der Jahre selbst die Alliierten, die von ihnen erlassenen Monopolbestimmungen noch vor Erlaß des deutschen Entflechtungsgesetzes wieder aufzuheben, und deshalb verfochten seit langem die zuständigen Bundesministerien und -länder die Auffassung, daß Gesundung und Krisenfestigkeit der Filmwirtschaft nur durch Wiederherstellung ihrer vertikalen Organisation zu erreichen wären, die UFA also wieder Produktion, Verleih und Theater als Abspielbasis umfassen solle.
    Durch gegenseitige Verzahnung ihrer Angebote und den vorgesehenen gemeinsamen Aufsichtsrat gewährleisten beide Bankenkonsortien die wirtschaftlich notwendige Organisationsform. Dagegen konnte sich eine andere Bietergruppe unter Führung des Münchener Gloria-Filmverleihs zu keiner Verzahnung entschließen, so daß es bei ihr zu einem Einzelverkauf gekommen wäre.

  2. Die Bankenkonsortien vermögen dank ihrer Kapitalkraft dringend notwendige Investitionen vor allem für die Berliner Objekte durchzuführen, damit sie wettbewerbsfähig werden und sich gegen die stärker werdende in- und ausländische Konkurrenz behaupten können.

  3. Die Bankenkonsortien erklärten verbindlich, ihr Angebot auf keinen Fall weiterhin verlängern zu können, weil sonst die Arbeitsaufnahme für die kommende Saison unterbleiben müsse und sie sich später keinesfalls zu einer neuen Gruppierung zusammenfinden könnten.
Alle diese Tatbestände sprachen für das gegenüber der Gloria-Gruppe zahlenmäßig geringere Kaufgebot der Bankenkonsortien.

1957

2. Tagung der 3. Provinzialsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg im Gemeindehaus der St.-Georgen-Gemeinde in Ost-Berlin und im Spandauer Johannes-Stift.
Innerhalb seines Rechenschaftsberichts in der Marienkirche bezeichnet Bischof Dibelius das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Ost-Berlin und in der DDR als ein besonders schmerzliches Kapitel. Die Kirche sei nach wie vor bereit, dem Staate das Seine zu geben, müsse aber in dem, was der Kirche gehöre, ihre Freiheit behaupten. Mit Nachdruck tritt der Bischof dem Vorwurf entgegen, daß die Kirche sich einseitig an die NATO-Politik gebunden habe. Sie stehe für den Frieden ein, und zwar für einen, der in der inneren Besinnung des Menschen wurzele. Die ganze Welt wisse, daß sie ständig dafür bete und wirke, den Menschen die furchtbare Sorge vor den Atomwaffen zu nehmen. Schließlich sei nicht sie es gewesen, die Propaganda für Zinnsoldaten und Raketen als Kinderspielzeug mache, die der Einführung von Schießunterricht an den Ober- und den Berufsschulen, sogar für Mädchen, das Wort rede oder die ein Exerzieren von Arbeitern für den Bürgerkrieg und ihre Ausrüstung mit schweren Waffen fordere.
Weiter beklagt der Bischof, daß

In der Aussprache über diesen Rechenschaftsbericht fordert der Dekan der Theol. Fakultät der Ost-Berliner Humboldt-Universität, Prof. Vogel, die Atmosphäre zwischen Staat und Kirche nicht zu vergiften durch eine Verzerrung dessen, worum es dem anderen, "also unserem Staat", in Wirklichkeit gehe. Wenn von seiner Seite etwas Gutes und Dankenswertes geschehe, dürfe man dies nicht mit der Bemerkung abtun, es sei ja doch nur taktisch gemeint. Dies bedeute nämlich nichts anderes als die Verschanzung in den Gegensatz des Mißtrauens hinein.
Prof. Vogel hält es für nötig, sich von der Zwangsvorstellung zu lösen, als ob es sich beim Verhältnis von Kirche und Staat in der DDR um den Gegensatz zweier Weltanschauungsparteien handele. Wer das in der Kirche meine, verrate das Evangelium an das Gesetz des Gegensatzes. Das Evangelium sei aber nicht die Botschaft vom Gegensatz, sondern von der Verteidigung einer gottlosen Welt durch Gott. Dies müsse bestimmend sein bis in die Gespräche hinein, die etwa zwischen Staat und Kirche geführt würden. Hier könne er aber nur mit einer gewissen Bekümmerung daran denken, wie diese kirchlicherseits verlaufen seien.
Der Synodale Pfarrer Bertheau erklärt, angesichts der Tatsache, daß die Kirche in Berlin-Brandenburg ihr Schwergewicht nun einmal im Osten - eben der DDR - habe, sei ein solch einseitiger Bericht wie der von Bischof Dibelius gegebene untragbar. Wer von denen, die im Osten lebten und arbeiteten, sich mit einem Bericht zufriedengeben könne, in dem die östliche Situation so einseitig unter dem Aspekt von Klage und Anklage gesehen würde, müsse bedauert werden.

In einer Resolution weist die Synode die beleidigenden und "ebenso maßlosen wie unwahren Angriffe" zurück, die in der letzten Zeit in der Presse, in Schulen und Betrieben der DDR gegen Bischof Dibelius gerichtet wurden. Die Synode versichert, sich nicht von ihrem Bischof trennen zu lassen und spricht die Erwartung aus, daß auch die zuständigen staatlichen Organe Angriffe dieser Art unterbinden, um ein sinnvolles Gespräch zwischen Staat und Kirche nicht unmöglich zu machen. Die Synode hält es weiter für untragbar, daß Bischof Dibelius in der persönlichen Ausübung seines Amtes im größten Teil des Sprengels gehindert wird und ersucht die DDR-Regierung dringend, solche Behinderungen nicht fortzusetzen.

Einstimmig fordert die Synode vom Ost-Berliner Magistrat, die Erschwerung des Religionsunterrichts an den Schulen zurückzunehmen. Nachdem die Unterrichtsfächer "Sport und Spiel" und "Werken" zusätzlich in den Stundenplan aufgenommen worden seien und in der Regel erst nachmittags erteilt würden, bestünde kaum noch die Möglichkeit, Zeit für die Christenlehre zu erübrigen. Außerdem würden z. Z. noch immer 20 von ursprünglich 30 "Hausverboten" für Katecheten aufrechterhalten, denen untersagt werde, die Schulen zu betreten.

"Mit tiefem Erschrecken" nimmt die Synode zur Kenntnis, "in welcher Weise die verabscheuungswürdigen Schändungen jüdischer Gräber sich in letzter Zeit (in Westdeutschland. D. Hrsg.) gehäuft haben". In ihrer Mitverantwortung für das ganze deutsche Volk bittet die Synode deshalb den Rat der EKD, an die evangelische Christenheit eine Warnung vor dem Aufleben des Antisemitismus zu richten, "dessen Unbußfertigkeit Gottes Gericht herausfordert".

Zum Abschluß ihrer Tagung verabschiedet die Synode eine Resolution, in der sie sich dem Appell der Dekane der Theologischen Fakultäten in der DDR vom 26. April, die auch von Bischof Dibelius und allen anderen ev. Bischöfen in der DDR unterzeichnet wurde, anschließt. Nach einem Dank an die 18 westdeutschen und 13 ostdeutschen Atomforscher für ihre Warnungen vom 12. bzw. 14. April vor der atomaren Ausrüstung deutscher Streitkräfte und vor der Fortsetzung von Atombombenexplosionen erklärt die Synode, daß sie sich eins wisse mit der EKD und der gesamten Ökumene in der radikalen Verwerfung der Massenvernichtungsmittel, in denen der menschliche Verstand wie die Kräfte der Natur mißbraucht, der Mensch als Gottes Ebenbild, für den Christus starb und auferstand, verraten und die Güte des Schöpfers selbst gelästert würden. Sie warnt davor, in dieser Sache mitzumachen oder sich verantwortungsloser Resignation zu überlassen, denn es erfordere den Einsatz jedes einzelnen, das Ziel einer allseitigen Ächtung und Abschaffung der Massenvernichtungsmittel zu erreichen.

1958

Der Regierende Bürgermeister Brandt stattet der Freien und Hansestadt Hamburg einen offiziellen Besuch ab. Nach einer Aussprache mit dem Ersten Bürgermeister Brauer, bei der auch eingehend die Folgen der Wasserstraßengebühren durch die DDR erörtert werden, nimmt Brandt an der Feier zum 125. Geburtstag von Johannes Brahms teil, besucht den Axel Springer Verlag und spricht auf dem Überseetag des Überseeclubs über die geschichtlichen Beziehungen zwischen Hamburg und Berlin. Dabei unterstreicht er die Gemeinsamkeiten aus dem ähnlich gearteten Schicksal beider Stadtstaaten im Ringen um die Wiedervereinigung und ihre Interessen in den Beziehungen zur westlichen wie zur östlichen Welt.

DDR-Verkehrsminister Kramer rechtfertigt in einer vom Presseamt beim DDR-Ministerpräsidenten herausgegebenen Erklärung noch einmal die von seiner Regierung eingeführte Erhebung von Wasserstraßengebühren. Seine Regierung habe zwar volles Verständnis für das Interesse Hamburgs an der Staustufe in Geesthacht, könne sich jedoch nicht damit einverstanden erklären, daß die zweifellos zu erwartenden positiven Ergebnisse für den Hamburger Hafen und die Elbmündung ohne Rücksicht auf die nachteiligen Folgen "für große Teile unserer Republik erzielt werden sollen". Die Öffentlichkeit der DDR habe erstmals durch die Grundsteinlegung am 6. Dezember 1955 von dem Bauwerk erfahren. Man hätte eigentlich erwarten können, daß die Bundesregierung vor der Inangriffnahme eines "die Interessen unseres Staates so einschneidend berührenden Bauvorhabens" den betroffenen Nachbar verständigte und konsultierte, "so wie das international üblich ist". Da dies jedoch nicht erfolgt sei, habe er sich am 26. April 1956 an den Bundesverkehrsminister mit dem Vorschlag gewandt, über diese Fragen Beratungen durchzuführen. Dieser habe dann, statt ihm zu antworten, lediglich eine untergeordnete Instanz - die Wasser- und Schiffahrtsdirektion Hamburg - ermächtigt, alle mit dem Bau der Staustufe zusammenhängenden Probleme "zu erörtern".
Natürlich könnten örtliche Dienststellen technische Details erörtern und abstimmen. Da es sich aber hierbei nicht um Details, sondern "um für das Leben der Menschen wichtige Entscheidungen von großer Tragweite handelt", könnten nur die Regierungen der betroffenen Staaten entsprechende Vereinbarungen treffen. "Wir" haben das Bundesverkehrsministerium mehrfach auf diese Notwendigkeit aufmerksam gemacht und "unsere" Bereitschaft zu einer positiven Regelung zum Ausdruck gebracht. Da aber auch auf seinen, Kramers, letzten Brief vom 10. Oktober 1957 keine Antwort eintraf und die Bauarbeiten weitergingen, hätten "im Interesse unserer Bevölkerung und der Sicherung unserer Volkswirtschaft vor Schäden Maßnahmen ergriffen werden" müssen. Sie bestünden darin, die westdeutsche Binnenschiffahrt mit Gebühren zu belasten, damit der Bevölkerung und der Wirtschaft der DDR zum Teil ihre Aufwendungen ersetzt werden können.
Wenn die westliche Presse argumentiere, daß dadurch die "Freiheit" des Verkehrs zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik bedroht sei, so diene dies lediglich der Irreführung der öffentlichen Meinung. Tatsache dagegen sei, daß alle Verkehrswege nach West-Berlin durch das Gebiet der DDR führen, "deren Rechte man nicht verletzen kann, ohne die Konsequenzen tragen zu müssen". Natürlich sei die westdeutsche Schiffahrt davon betroffen, wenn sie "unsere Wasserstraßen benutzt". Die West-Berliner Schiffahrt sei in diese Maßnahme jedoch nicht einbezogen. Sie könne nach wie vor auf den Berliner Wasserstraßen verkehren ohne Gebührenpflicht. Die Behauptung, die Versorgung Berlins sei erschwert, "entspricht nicht den Tatsachen und dient lediglich der Absicht, die Spannungen zu verschärfen".

1959

An diesem Himmelfahrtstag konsekriert Kardinal Döpfner die nach Plänen von Werner Klinski gebaute Don-Bosco-Kirche auf dem Gelände des von den Salesianern seit Anfang der 50er Jahre geleiteten Jugendwohnheims am Großen Wannsee. In dem Geschoß unter der Kirche befindet sich ein Saal für Kino-, Theater- oder Vortragsveranstaltungen.

1959

Auf der 7. Vier-Etappen-Fahrt der Rad-Amateure durch die Straßen West-Berlins gewinnt Hugo Verlinden (Belgien) vor Hans Schleuniger (Schweiz) und Horst Schellhammer (Bundesrepublik); in der Mannschaftswertung siegt Belgien vor der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland.

1959

An diesem Himmelfahrtstag konsekriert Kardinal Döpfner die nach Plänen von Werner Klinski gebaute Don-Bosco-Kirche auf dem Gelände des von den Salesianern seit Anfang der 50er Jahre geleiteten Jugendwohnheims am Großen Wannsee. In dem Geschoß unter der Kirche befindet sich ein Saal für Kino-, Theater- oder Vortragsveranstaltungen.

1959

Auf der 7. Vier-Etappen-Fahrt der Rad-Amateure durch die Straßen West-Berlins gewinnt Hugo Verlinden (Belgien) vor Hans Schleuniger (Schweiz) und Horst Schellhammer (Bundesrepublik); in der Mannschaftswertung siegt Belgien vor der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland.

1960

Auf Beschluß des Ost-Berliner Magistrats erhält der im Bezirk Prenzlauer Berg gelegene Abschnitt der Behmstraße den Namen Helmut-Just-Straße.

Auf dem Müggelsee in Ost-Berlin findet die Qualifikationsregatta für die gesamtdeutsche Mannschaft in der Starboot-Klasse ihren Abschluß. Gesamtsieger nach insgesamt fünf Wettfahrten wird der 43jährige Kieler Bruno Splieth.

1960

Die zweitägigen Feierlichkeiten zum 15. Jahrestag der "Befreiung" werden eingeleitet mit einer abendlichen Festveranstaltung in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle, wo SED-Chef Ulbricht das Resümee der von ihm geschilderten unterschiedlichen Entwicklung in beiden deutschen Staaten in der kurzen Formel "Die DDR ist die Verkörperung des Friedens; der westdeutsche Staat die Verkörperung des Militarismus und des Krieges" zusammenfaßt und im übrigen die bekannten Positionen der DDR in der Deutschland- und in der Berlin-Politik im Hinblick auf die bevorstehende Pariser Gipfelkonferenz wiederholt.

Am nächsten Morgen folgen Kranzniederlegungen am sowjetischen Ehrenmal in Treptow durch Mitglieder der DDR-Regierung und führende Funktionäre der SED, ihrer Massenorganisationen und der Block-Parteien.
Bei der Einweihung von Schinkels Neuer Wache Unter den Linden als "Mahnmal für die Opfer des Faschismus und des Militarismus" erklärt der stellv. Oberbürgermeister W. Schmidt: "Wir werden nicht eher ruhen, bis das Vermächtnis der teuren Toten, das in der DDR Erfüllung fand, auch in der Westzone verwirklicht wird."

Nach dem Volksfest auf dem Marx-Engels-Platz am Nachmittag geben Ministerpräsident Grotewohl, SED-Chef Ulbricht und der Präsident des Nationalrats der NF, Correns, gemeinsam im Haus der Ministerien einen Empfang, an dem auch die zum Jahrestag entsandte sowjetische Delegation unter Leitung W. J. Ustinows, 1. Sekretär des Moskauer Stadtkomitees der KPdSU und Präsidiumsmitglied des Obersten Sowjet, teilnimmt.

Der Verband Bildender Künstler in Berlin eröffnet im Pavillon der Kunst Unter den Linden eine "Kunstausstellung zum 15. Jahrestag der Befreiung", die Plastiken, Bilder und Graphiken zeigt u. a. von Lea Grundig, Fritz Cremer, Willi Lammert, Walter Arnold, Ruthild Hahne, Walter Womacka und Hans Kies.

1960

Auf Beschluß des Ost-Berliner Magistrats erhält der im Bezirk Prenzlauer Berg gelegene Abschnitt der Behmstraße den Namen Helmut-Just-Straße.

Auf dem Müggelsee in Ost-Berlin findet die Qualifikationsregatta für die gesamtdeutsche Mannschaft in der Starboot-Klasse ihren Abschluß. Gesamtsieger nach insgesamt fünf Wettfahrten wird der 43jährige Kieler Bruno Splieth.

1960

Die zweitägigen Feierlichkeiten zum 15. Jahrestag der "Befreiung" werden eingeleitet mit einer abendlichen Festveranstaltung in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle, wo SED-Chef Ulbricht das Resümee der von ihm geschilderten unterschiedlichen Entwicklung in beiden deutschen Staaten in der kurzen Formel "Die DDR ist die Verkörperung des Friedens; der westdeutsche Staat die Verkörperung des Militarismus und des Krieges" zusammenfaßt und im übrigen die bekannten Positionen der DDR in der Deutschland- und in der Berlin-Politik im Hinblick auf die bevorstehende Pariser Gipfelkonferenz wiederholt.

Am nächsten Morgen folgen Kranzniederlegungen am sowjetischen Ehrenmal in Treptow durch Mitglieder der DDR-Regierung und führende Funktionäre der SED, ihrer Massenorganisationen und der Block-Parteien.
Bei der Einweihung von Schinkels Neuer Wache Unter den Linden als "Mahnmal für die Opfer des Faschismus und des Militarismus" erklärt der stellv. Oberbürgermeister W. Schmidt: "Wir werden nicht eher ruhen, bis das Vermächtnis der teuren Toten, das in der DDR Erfüllung fand, auch in der Westzone verwirklicht wird."

Nach dem Volksfest auf dem Marx-Engels-Platz am Nachmittag geben Ministerpräsident Grotewohl, SED-Chef Ulbricht und der Präsident des Nationalrats der NF, Correns, gemeinsam im Haus der Ministerien einen Empfang, an dem auch die zum Jahrestag entsandte sowjetische Delegation unter Leitung W. J. Ustinows, 1. Sekretär des Moskauer Stadtkomitees der KPdSU und Präsidiumsmitglied des Obersten Sowjet, teilnimmt.

Der Verband Bildender Künstler in Berlin eröffnet im Pavillon der Kunst Unter den Linden eine "Kunstausstellung zum 15. Jahrestag der Befreiung", die Plastiken, Bilder und Graphiken zeigt u. a. von Lea Grundig, Fritz Cremer, Willi Lammert, Walter Arnold, Ruthild Hahne, Walter Womacka und Hans Kies.

1961

Nach längerer Krankheit verstirbt der Berliner Ehrenbürger Jakob Kaiser im 74. Lebensjahr - bis 1933 führender Funktionär der Christlichen Gewerkschaften, Mitbeteiligter am 20. Juli 1944, Mitbegründer der CDU in Berlin und bis Ende 1947 ihr Vorsitzender in der damaligen Sowjetzone, 1949 bis 1957 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen. Nach einem Requiem in der Dahlemer St. Bernhard-Kirche würdigen während eines Staatsaktes im Schöneberger Rathaus am 12. Mai Bundespräsident Lübke, die Bundesminister Schäffer und Lemmer, der Regierende Bürgermeister Brandt, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Krone, und der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse, Albers, Werden und Wirken Jakob Kaisers, der anschließend auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof beigesetzt wird. Während der Trauerfeier wird der Siemensplatz in Charlottenburg-Nord in Jakob-Kaiser-Platz umbenannt.

1961

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Hassuna, besucht während seiner Reise durch die Bundesrepublik für mehrere Tage Berlin. Er unternimmt Stadtrundfahrten, konferiert mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt und informiert sich im Notaufnahmelager Marienfelde über die gegenwärtige Flüchtlingssituation.

1962

Offizielle Einweihung des Otto-Suhr-Instituts der FU (der früheren Deutschen Hochschule für Politik) in der Dahlemer Ihnestraße im Beisein von Susanne Suhr und Eleanor L. Dulles und mit Ansprachen von Institutsdirektor von Eynern, FU-Rektor Heinitz, US-Stadtkommandant.Watson und vom Regierenden Bürgermeister Brandt. Nach dem Festvortrag "Öffentliche Meinung und internationale Politik" von Otto Suhrs persönlichem Freund, Ernst Fraenkel, folgt die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät an den nach 1933 in die USA emigrierten Politologen Siegmund Neumann und die der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät an den Berliner Historiker Hans Herzfeld. Der für rund drei Mio. DM errichtete Neubau verfügt über fünf Seminarräume, einen Hörsaal, Arbeitszimmer für das Lehrpersonal und eine Bibliothek.

1962

Wahrend seines knapp zweitägigen Aufenthalts in der Stadt konferiert Bundeskanzler Adenauer mit dem Berlin-Beauftragten von US-Präsident Kennedy, General Clay, und dem Regierenden Bürgermeister Brandt, nimmt an der 187. Sitzung des Senats und an der Eröffnung des vom DGB veranstalteten 5. Deutschen Beamtentages teil, enthüllt auf dem Waldfriedhof Zehlendorf eine Grabplatte an der Ruhestätte des früheren Bundesministers Kaiser, besucht den erkrankten Bundesbevollmächtigten Vockel, unternimmt in Begleitung von Bundesminister Lemmer und von Bundessenator Schütz eine Fahrt entlang der Sperranlagen an der Sektorengrenze und stellt sich im Haus des Vereins Berliner Kaufleute und Industriellen Fragen der Presse.

1965

Zwei 22 und 21 Jahre alte Handwerker, die das Dach der Neuglienicker Kapelle (1880/81 nach Entwürfen von Ludwig Persius erbaut) in der Wilhelm-Leuschner-Straße in Glienicke reparieren, entwaffnen den sie bewachenden DDR-Grenzposten, stellen eine Leiter an den Stacheldrahtzaun und flüchten in den West-Berliner Ortsteil Wannsee, wo sie die mitgenommene Waffe der Polizei übergeben.

1968

Bausenator Schwedler berichtet vor der Presse, daß der Senat Ende April im Rahmen des Interzonenhandels-Abkommens an die DDR eine Vorbehaltszahlung für das erste Quartal 1968 in Höhe von 1,688 Mio. DM für die Abnahme West-Berliner Abwässer überwies (vgl. 5. Januar). Deren Behörden hätten jetzt der Forderung der West-Berliner Seite nachzukommen, ihre Selbstkosten für diese Dienstleistung darzulegen, die dann mit den westlichen Wasserzulieferungen für Ost-Berliner Einrichtungen, z. B. die Reichsbahn, verrechnet werden müßten. West-Berlin leitet jährlich etwa 135 Mio. Kubikmeter, rund 80 % seiner Abwässer auf die Rieselfelder im Stadtrandgebiet und erstattete aufgrund einer Vereinbarung vom 12. Dezember 1950 bis zum Bau der Mauer den Ost-Berliner Behörden einen Pauschalbetrag von 1,3 Mio. DM pro Jahr, was etwa einem Pfennig für einen Kubikmeter entsprach.

1970

Die 18. Internationale Vier-Etappen-Fahrt der Radamateure über 540 Kilometer in Berlin, an der 99 Fahrer aus acht Ländern teilnehmen, gewinnt in der Einzelwertung Werner Blaudzun aus Dänemark mit 14:01:03 Stunden und in der Mannschaftswertung Dänemark mit 42:09:29 Stunden.

1971

Im Gebäude des früheren Alliierten Kontrollrats in Berlin Schöneberg treffen die Botschafter der vier für Berlin verantwortlichen Mächte zu ihrem 19. Berlin Gespräch zusammen. (Vgl. 16. April.) Das Treffen findet unter Vorsitz des britischen Botschafters Sir Roger Jackling statt.

Auf dem Zentralflughafen Berlin Tempelhof landet eine Transportmaschine der US Luftwaffe, die während der Blockade West Berlins 1948/49 die Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern versorgte. Der "Rosinenbomber" vom Typ "Skymaster" soll am Columbiadamm als Mahnmal und Erinnerung an die Luftbrücke aufgestellt werden.

1971

Auf dem Landesparteitag der Berliner CDU in der Kongreßhalle (Berlin Tiergarten) kritisiert der Landesvorsitzende Peter Lorenz den sowjetischen Vertragsentwurf für eine Berlin Regelung. (Vgl. 26. März.) Das Papier zeige "den Willen, die Teilung Deutschlands völkerrechtlich absichern zu lassen, von den westlichen Partnern eine für den Osten befriedigende Berlin Regelung zu erzwingen und Berlin am Ende nach einer Übergangszeit für die Einbeziehung in den kommunistischen Machtbereich vorzubereiten".
   Mit großer Mehrheit wird Lorenz in seinem Amt als Landesvorsitzender bestätigt. Als einziger Kandidat für dieses Amt nominiert, erhält er 184 der 202 gültigen Stimmen; 13 Delegierte stimmen mit Nein und fünf Delegierte enthalten sich der Stimme. Auch der Zweite Landesvorsitzende, Karl Heinz Schmitz, und der Geschäftsführende Landesvorsitzende, Heribert Baumann, sowie die drei stellvertretenden Landesvorsitzenden Wolfgang Rothkegel, Eleonore Schneider und Jürgen Wohlrabe werden wiedergewählt.
   Ferdinand Friedensburg, von 1946 bis 1951 Berliner Bürgermeister, wird einstimmig zum Ehrenvorsitzenden der Berliner CDU gewählt.

1975

Die Mitglieder einer Moskauer Delegation, die als Gäste Ost-Berlins an den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der "Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die ruhmreiche Sowjetarmee" teilnehmen, besuchen die Mauer am Brandenburger Tor und sind anschließend zu Gast im Berliner Rathaus. (Vgl. 5. Mai.) Der Delegation gehören auch zwei Ehrenbürger Ost-Berlins an: Fjodor J. Bokow, ehemals Militärratsmitglied der SMAD, und Aleksandr G. Kotikow, der von 1946 bis 1950 sowjetischer Stadtkommandant in
   Berlin war. Die Delegation wird von Bokow geleitet.
   Anläßlich des 30. Jahrestags findet eine Festveranstaltung des Zentralkomitees der SED, des Staatsrats und des Ministerrats der DDR in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden statt. Erich Honecker, Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, und Fjodor D. Kulakow, Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, halten Ansprachen.
   Anschließend nehmen die Teilnehmer der Festveranstaltung an einem abendlichen "Meeting der Jugend der DDR" mit 40 000 FDJlern und Komsomolzen am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow teil.

Nach der Bildung des neuen Senats bezeichnet der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz in seiner Regierungserklärung vor dem Abgeordnetenhaus (4. Sitzung, 7. Wahlperiode) die Aufrechterhaltung und den Ausbau der Bindungen an den Bund als unverzichtbares Fundament für die weitere Entwicklung West-Berlins. (Vgl. 24. April, 25. April.) Gleichzeitig betont er die Schutzfunktion der Westalliierten, deren Engagement für Berlin sich im Vier-Mächte-Abkommen bestätigt habe. Schütz kündigt an, daß der Senat sich um Verbesserungen im Reise- und Besuchsverkehr mit der DDR durch Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens ebenso bemühen werde wie um die Öffnung neuer Übergänge nach Ost-Berlin und in die DDR.

1978

Im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg findet eine Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen des israelischen Staates statt. Der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe kündigt an, dass West-Berlin die Errichtung einer Turnhalle in einem Sportinstitut bei Tel Aviv mit 650 000 DM aus Überschüssen der Klassenlotterie fördern werde.

1982

Der DDR-Staatssekretär für Kirchenfragen, Gysi, empfängt in Ost-Berlin das SPD-Präsidiumsmitglied Eppler in dessen Eigenschaft als amtierender Präsident des Deutschen'Evangelischen Kirchentages zu einer Aussprache über eine Beteiligung von Christen aus der DDR am Kirchentag 1983 in Hannover.

1982

Unter der Leitung des stellv. Außenministers Stoessel erörtern die Botschafter der Vereinigten Staaten in Osteuropa aktuelle politische Fragen. Im Rathaus Schöneberg trifft Stoessel den Regierenden Bürgermeister von Weizsäcker zu einem Gespräch über die Berlin- und Deutschland-Politik.

1984

Die amerikanische Fluggesellschaft Direct Air gibt bekannt, daß sie am 12. Mai mit ihrer zweimotorigen "Metro III", die 18 Passagieren Platz bietet, den Linienverkehr zwischen Berlin und Friedrichshafen eröffnen wird mit jeweils einem Hin- und Rückfiug montags, donnerstags, freitags und samstags; der Flugpreis beträgt 516 DM, ein Spartarif wird für 334 DM angeboten.

1985

Die Frühjahrstagung der Regionalsynode West der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg im Spandauer Johannesstift, nimmt von Konsistorialpräsident Wildner; nach dessen einführenden Bemerkungen zum Verhältnis Staat-Kirche sowie zur finanziellen Situation der Kirche den Arbeitsbericht der Kirchenleitung entgegen, billigt den Vortrag von Bischof Kruse "Unsere Kirche und ihre Kirchen", der zur Orientierung in der weiteren Beratung über die künftige Nutzung großer, von Gemeinden nicht mehr zu füllenden Gotteshäusern dienen soll, und bestätigt das geplante Rahmenthema "Kirche in der Stadt - Kirche für die Stadt" für die kommende sechsjährige Legislaturperiode.

1985

Zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa, der Zerschlagung des NS-Regimes und der Befreiung des deutschen Volkes gibt es in beiden Teilen der Stadt eine Fülle von Gedenkveranstaltungen: In West-Berlin sprechen auf einer gemeinsamen Feier von Abgeordnetenhaus und Senat Parlamentspräsident Rebsch (CDU), die Politologen Löwenthal (SPD) und Flechtheim (für die AL), der frühere britische Botschafter in Bonn, Sir Frank Roberts, sowie der Regierende Bürgermeister Diepgen, der anschließend mit dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses sowie den Vorsitzenden der Fraktionen - Buwitt (CDU), Momper (SPD), Heidemarie Bischof (AL) und Rasch (F. D. P.) - an der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Plötzensee Kränze niederlegt; das gleiche tut der sowjetische Generalkonsul in West-Berlin, Iwanow, im Beisein von Vertretern der Militärmissionen und Generalkonsulate sozialistischer Staaten; erfolgt vor dem sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten das traditionelle militärische Zeremoniell der Kranzniederlegung durch Botschafter Kotschemassow und den GSSD-Oberkommandierenden Armeegeneral Saizew; im Auftrag des Ökumenischen Rates Berlin legt auch der ev. Bischof Kruse erstmals einen Kranz nieder, eine Geste, die in Teilen der Kirche heftig umstritten ist, da es sich hier um ein "reines Siegerdenkmal" handele, das überdies nur wenige hundert Meter von der Mauer entfernt stehe; versammeln sich auf dem Breitscheidplatz 4000 Menschen zu einem Ökumenischen Gottesdienst unter der Losung "Bereit zur Versöhnung"; kommen rund 2000 Personen zur Kundgebung vor dem Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße, auf der der Gemeindevorsitzende Galinski, der Berliner ev. Bischof Kruse und der Berliner DGB-Vorsitzende Pageis sprechen; veranstalten die katholischen Gemeinden in der Kirche Maria Regina Martyrum nahe der Gedenkstätte Plötzensee eine 72stündige ununterbrochene Gebetswache, die mit einem Gedenkgottesdienst abschließt; organisiert die Friedensbewegung unter dem Motto "Nie wieder Krieg - Nie wieder Faschismus" einen von fünf Plätzen aus führenden sternförmigen Marsch zum Breitscheidplatz, wo die Theologin Dorothea Solle, der farbige US-Bürgerrechtler Jesse Jackson und der Vorsitzende des Komitees der Kriegsveteranen der UdSSR, Wladimir Gall, vor 30000 (nach Mitteilung der Polizei 10000) Teilnehmern ein Ende des Wettrüstens in West und Ost fordern. In Ost-Berlin spricht Volkskammerpräsident Sindermann im Palast der Republik auf dem offiziellen Festakt der DDR, an dem die Botschafter der Westmächte sowie der Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR, Bräutigam, jedoch nicht teilnehmen; stellt der Vorsitzende des Bundes der Ev. Kirche in der DDR und sächsische Landesbischof Hempel seine Predigt im Gedenkgottesdienst in der Marienkirche, an dem auch der DDR-Staatssekretär für Kirchenfragen, Gysi, und der Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik, Bräutigam, teilnehmen, unter das Motto der Versöhnung, die "keine schwärmerische Umarmung, sondern eine harte, oft tiefschmerzende Arbeit" sei, die um der Zukunft willen aber lohne; legen Mitglieder der Staats- und Parteiführung der DDR mit Erich Honecker an der Spitze am Denkmal des polnischen Soldaten und des deutschen Antifaschisten im Friedrichshain und in der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde sowie Botschafter Kotschemassow und der GSSD-Oberkommandierende Armeegeneral Saizew am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park Kränze nieder, wo zuvor Mitglieder der FDJ und der Pionier-Organisation "Ernst Thälmann" zu einer "Manifestation für Frieden und Sozialismus" antraten, gibt es auf dem Alexanderplatz wie auf anderen Plätzen "Feste der Befreiung" mit Auftritten von Tanz- und Folkloregruppen; beschließen der traditionelle Große Wachaufzug und dann der Große Zapfenstreich der NVA vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus Unter den Linden die Feierlichkeiten.

1985

Die Berliner Börse feiert in der Philharmonie ihr 300jähriges Bestehen. Nach Grußworten von Wirtschaftssenator Pieroth sowie der Präsidenten des Komitees der Börsen in der EG, Yves Flornoy, der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Wertpapierbörsen, Karl-Oskar Koenigs, und der Berliner IHK, Horst Kramp, an mehr als 1200 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft und die ausländischen Gäste spricht Bundesbankpräsident Pohl in seinem Festvortrag zum Thema "Neuorientierung an den Börsen und am Kapitalmarkt".

1986

DDR-Staats- und Parteichef Honecker empfängt im Palais Unter den Linden die Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens und des Saarlandes, Rau und Lafontaine (beide SPD), die sich privat im Ostteil der Stadt aufhalten, zu einer kurzfristig zustandegekommenen Unterredung, in deren Verlauf sie übereinstimmend die Verantwortung beider deutscher Staaten für Frieden, Abrüstung und Entspannung unterstreichen.

1987

In der51. Sitzung des Abgeordnetenhauses (lO.Wahlperiode) verurteilen derSenat sowie Vertreter von CDU, SPD und F.D.R noch einmal scharf die KreuzbergerKrawalle, Plünderungen und Brandstiftungen, die AL hingegen weist der Polizei eine Mitschuld an der Eskalation zu (vgl. 172. Mai). Während der Regierende Bürgermeister Diepgen, die Senatoren Kewenig und Fink einerseits Härte in der Durchsetzung von Recht und Gesetz, andererseits jedoch Nachdenklichkeit bei der Beschreibung von tieferliegenden Problemen sowie eine entschlossenere Politik zur "Gesundung" des Bezirkes ankündigen, sich zugleich aber auch energisch gegen die Auffassung zur Wehr setzen, in sozialen Problemen lägen die entscheidenden Ursachen für die Ausschreitungen, verweist der SPD-Fraktionsvorsitzende Momper ausführlich auf die im östlichen Kreuzberg (dem früheren Postbezirk SO 36) in den letzten Jahren entstandene "explosive soziale Mischung" mit einem Ausländeranteil von 25%, einer Jugendarbeitslosigkeit von knapp 50%, die im türkischen Bevölkerungsteil sogar fast 70% betrage. Dort existierten viele Menschen, die"diesen Staat nicht mehrals sozialen und gerechten Staat erleben". Er, wie nach ihm auch der AL-Fraktionsvorsitzende Wieland, fordern Innensenator Kewenig zum Rücktritt auf, da er für den "konzeptionslosen Einsatz" der Polizei politisch die Verantwortung trage.

In der Spandauer Zitadelle eröffnen Alt-Bundespräsident Carstens, Kultursenator Hassemer und der Generaldirektor der Staatlichen Museen PK, Prof. Dube, die vom Museum für Vor-und Frühgeschichte PK, dem Archäologischen Landesamt und den Mediävisten des Friedrich-Meinecke-Instituts unter der Gesamtleitung von Prof. Adriaan von Müller entwickelte Ausstellung "Bürger, Bauer, Edelmann-Berlin im Mittelalter". Als dritte dergroßen Ausstellungen zum Stadtjubiläum (vgl. 30. April) sucht sie mit rund 500 Objekten aus zahlreichen Wissenschaftliehen Bereichen einen Überblick zur Entwicklung der Stadt in ihren ersten dreihundert Jahren zu vermitteln.

Im Literaturhaus in der Fasanenstraße erhält Anja Rosmus-Wenninger in Anerkennung ihrer "mit persönlichem Mut und viel Ausdauer" betriebenen Forschungsarbeiten über den "Alltag des Dritten Reiches" in ihrer Heimatstadt Passau eine Totenmaske Kurt Tucholskys. Es handelt sich dabei um die dritte Ausfertigung des am 21. Dezember 1935 im Exil in Schweden aus dem Leben geschiedenen Schriftstellers aus dem Besitz seiner heute 90jährigen Lebensgefährtin Gertrude Prenzlau-Meyer.

1988

Funktionäre des Berliner SPD-Landesvorstandes und weitere 350 Parteimitglieder legen an den Todesstätten der ehemaligen Vorsitzenden der SPD-Fraktionen des Reichstages und des Preußischen Landtages, Rudolf Breitscheid und Ernst Heilmann, sowie des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann im ehemaligen KZ Buchenwald Kränze nieder. In einer kurzen Ansprache vor dem Glockenturm der Gedenkstätte auf dem Ettersberg erklärt der Landesvorsitzende Momper, daß mit dieser Fahrt die Berliner SPD ihre Tradition fortsetze, den Geist des Antifaschismus wachzuhalten. Anschließend treffen Momper sowie die Vorstandsmitglieder Ingrid Stahmer, Harry Ristock, Alexander Longolius, Norbert Meisner und Ditmar Staffelt in Weimar den Abteilungsleiter im ZK der SED, Gunter Rettner, zur Fortsetzung des politischen Meinungsaustausches.

1989

Die Wahlen zu den Stadtbezirksversammlungen in Ost-Berlin - in der DDR wählt man zugleich Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen - erbringen für die Einheitsliste der "Nationalen Front" folgende Ergebnisse: Wahlbeteiligung Ja-Stimmen Nein-Stimmen Mitte 58955 97,20 57 923 98,32 991 1,68 Prenzlauer Berg 107739 95,05 105 614 98,14 1998 1,86 Friedrichshain 85377 96,48 83 653 98,11 1611 ¦1,89 Marzahn 112134 98,20 111272 99,27 821 0,73 Hohenschönhausen 77174 98,19 76399 99,04 742 0,96 Hellersdorf 58609 98,05 57943 98,95 613 1,05 Treptow 87 579 98,17 86572 98,91 950 1,09 Köpenick 89954 96,95 88465 98,44 1406 1,56 Lichtenberg 140216 97,53 138514 98,83 1645 1,17 Weißensee 43 042 96,47 42 007 97,65 1011 2,35 Pankow 84144 97,00 82 888 98,60 1177 1,40 Insgesamt 944923 97,20 931250 98,63 12965 1,37 Obgleich dieses "offizielle" Ergebnis rund ein Prozent Ja-Stimmen weniger aufweist als vor fünf Jahren, vertreten eine Reihe von Bürgerrechtsgruppen, die in manchen Bezirken fast in allen Wahllokalen die Stimmauszählung verfolgen konnten, die Auffassung, daß diese manipuliert worden sei, denn ihre Beobachter hätten bis zu 20 % Nein-Stimmen registriert.

Der zum 9. Mal von der französischen Schutzmacht organisierte 25-Kilometer-Lauf mit Start und Ziel vor und im mit 20 000 Zuschauern besetzten Olympia- Stadion zählte in diesem Jahr 12 083 Teilnehmer aus 54 Nationen. Bei den Männern siegt Dave Clark (Großbritannien) in 1:15,07 Stunden vor Martin Vrabel (CSSR) und Suleyman Nyambui (Tansania), bei den Frauen die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin Rosa Mota (Portugal) in 1:25,46 Stunden vor Alena Peterkova (CSSR) und Carla Beurskens (Niederlande). Als beste Deutsche belegen Michael Spoettl (Mannheim) und Dorothee Mechau (Bielefeld) Platz 20 bzw. 13.

1990

Der Oberbürgermeisterkandidat der Ost-Berliner SPD, Tino Schwierzina, bietet allen in der neugewählten Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien - außer der PDS - Gespräche über die Bildung einer Koalition an. (Vgl. 6. Mai.)

1991

Der ungarische Staatspräsident Arpad Göncz trifft im Rahmen seines Deutschland-Besuches zu einer eintägigen Visite in Berlin ein, wo er vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen im Rathaus Schöneberg empfangen wird. Bei der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt bezeichnet Göncz im Schloß Charlottenburg das vereinigte Deutschland als Tragpfeiler des neuen Europa.

1995

50 Jahre nach Kriegsende wird in der teilweise wiederaufgebauten Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte das "Centrum Judaicum", das als kultureller Treffpunkt und Mittelpunkt jüdischen Lebens in Berlin dienen soll, feierlich eingeweiht. Die Neue Synagoge, 1943 im Bombenhagel zerstört, war einst die größte und prächtigste Synagoge Deutschlands. Die Feier findet unter freiem Himmel statt, im ehemaligen Hauptraum des Gotteshauses, von dem nur noch die Grundmauern stehengeblieben sind. Unter den 3 000 Gästen sind auch Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Auf Einladung des Senats nehmen auch 450 Ehrengäste teil, die als Juden während der NS-Zeit Berlin verlassen mußten. In seiner Festansprache bezeichnet der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, die Einweihung als ein "wichtiges Zeichen für wiedererstehendes jüdisches Leben in Deutschland". Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen erinnert in seiner Ansprache daran, daß der Beitrag der jüdischen Bürger aus der Geschichte Berlins nicht wegzudenken sei.
Am 4. Mai übergab im Centrum Judaicum der Senator für Kulturelle Angelegenheiten, Ulrich Roloff-Momin, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Jerzy Kanal, das erste Exemplar des im Auftrag des Kultursenators vom Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der FU herausgegebene "Gedenkbuchs Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus". 55 696 ermordete Berliner Juden sind in diesem Buch aufgelistet.

Mehrere tausend Menschen nehmen an einer von einem "Bündnis 8. Mai" aus rund 200 Gruppen und Organisationen initiierten Demonstration zum 50. Jahrestag des Kriegsendes teil. Die Teilnehmer ziehen vom Alexanderplatz durch das historische Scheunenviertel, einst von vielen Juden bewohnt, zum Schloßplatz. Es kommt zu vereinzelten Rangeleien mit der Polizei, als Beamte Fahnen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) beschlagnahmen. 19 Personen werden vorläufig festgenommen. Mehrere Demonstranten und 20 Polizisten werden verletzt.

Beim traditionellen Straßenlauf "25 km von Berlin" starten rund 4 500 Läuferinnen und Läufer aus 49 Nationen. Der Startschuß fällt auf dem Olympischen Platz in Berlin-Charlottenburg. Es geht dann zum Kurfürstendamm und über Putlitzbrücke und Kaiserdamm zurück zum Olympia-Stadion. Elija Lagat aus Kenia gewinnt die 15. Auflage des Straßenlaufs mit 1:16:16 Stunden. Schnellste Frau ist - wie im Vorjahr - die Tschechin Alena Peterkova (1:25:51 Stunden).

1997

Im Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg ist die Ausstellung "Die Epoche der Moderne - Kunst im 20. Jahrhundert" zu sehen. Präsentiert wird eine Rückschau auf die Entwicklung der modernen Kunst in diesem Jahrhundert. Am Beispiel von über 100 Künstlern und rund 350 Kunstwerken zeigt die Schau die großen Umbrüche in der Kunst vom Anfang des Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Im Lichthof wird der "Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch" von Joseph Beuys (1921 - 1986) ausgestellt, und zwar ein Bronzeabguß des Originals. Ein Tieflader lieferte das etwa 800 Kilogramm schwere und rund sechs Meter hohe Kunstwerk an.
Durch die Verlängerung der Öffnungszeiten bis Mitternacht an den letzten vier Tagen werden die Besucher in Scharen angezogen. Insgesamt sehen über 220 000 Menschen die Exponate.

1998

Im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte findet eine Festveranstaltung aus Anlaß des 50. Jahrestags der Gründung des Staates Israel statt. Zu den mehr als 2 000 Gästen zählen auch der Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland, Avi Primor, Bundeskanzler Helmut Kohl, Bundesaußenminister Klaus Kinkel und Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.

1999

Auf dem Landesparteitag der Berliner CDU wird der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen mit 94,2 Prozent der Delegiertenstimmen zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 10. Okt. gewählt. Diepgen tritt gegen den früheren Regierenden Bürgermeister Walter Momper an, der von der Berliner SPD in einer Urwahl ihrer Mitglieder zum Spitzenkandidaten bestimmt wurde. (Vgl. 17. Jan. 1999.)

2000

Im Rahmen des Berliner Theatertreffens verleiht die Stiftung Preußische Seehandlung den mit 30 000 DM dotierten Theaterpreis Berlin an den Regisseur Frank Castorf und den Schauspieler Henry Hübchen. Castorf ist Intendant der Berliner Volksbühne, Hübchen einer seiner bevorzugten Hauptdarsteller. Die Stiftung lobt die beiden Künstler für ihr Lebenswerk und ihre herausragenden Einzelleistungen. Mit der Auszeichnung werde "die wohl innigste, komplizierteste und abgründigste Paarung der Theaterwelt geehrt - ein Regisseur und sein Schauspieler".

2002

Die private Hochschule "European School of Management and Technology" (ESMT) kann in das ehemalige DDR-Staatsratsgebäude am Schlossplatz in Mitte ziehen. Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesfinanzminister Hans Eichel und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit einigen sich darauf, dass das dem Bund gehörende Gebäude durch einen Grundstückstausch an Berlin übertragen wird. Die Hochschule will es ab Oktober nutzen.

2005

Am Brandenburger Tor findet der "Tag für Demokratie" statt - um des Kriegsendes vor 60 Jahren zu gedenken und um ein Zeichen gegen die am 8. Mai geplante Demonstration der rechtsextremistischen NPD zu setzen. Den Aufruf zu der Veranstaltung hat ein bundesweites Bündnis aus Parteien, Kirchen, den Sozialpartnern, Stiftungen und Initiativen formuliert. Mehr als 100 000 Menschen besuchen die Veranstaltungen des "Tages für Demokratie".

2007

Zu einem Festessen im Säulensaal des Berliner Rathauses hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Berliner Ehrenbürger Egon Bahr und Sigmund Jähn eingeladen. Bahr, unter anderem ehemaliger Sprecher des Berliner Senats und enger Vertrauter von Willy Brandt (1913-1992), feierte am 18. März seinen 85. Geburtstag, Jähn, erster Deutscher im Weltall, wurde am 13. Februar 70 Jahre alt.

2008

Für den Neubau des Bundesnachrichtendienstes (BND) an der Chausseestraße in Mitte wird der Grundstein gelegt. Bis 2012 soll auf dem auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend die neue Zentrale des BND für 4 000 Mitarbeiter entstehen.

Die Akademie der Künste erinnert an die in der NS-Zeit ausgeschlossenen und ausgetretenen Mitglieder. Eine Inschrift an der Fassade des Akademiegebäudes am Pariser Platz nennt die Namen dieser Mitglieder. Zur Einweihung der Inschrift sprechen Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, und Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestags.

2009

Mit mehr als 600 geladenen Gästen eröffnen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Bundesaußenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Kurator Tom Sello die von der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. eingerichtete, in Kooperation mit der Kulturprojekte Berlin GmbH realisierte Open-Air-Ausstellung 'Friedliche Revolution 1989/90' auf dem Alexanderplatz, die ein Höhepunkt des Berliner Themenjahres '20 Jahre Mauerfall' ist. Bilder, Texte, Medienstationen mit Film- und Fernsehbeiträgen erläutern die Ereignisse des gesellschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland und den Weg zur deutschen Einheit. Die Ausstellung ist in drei Bereiche gegliedert: Aufbruch - Revolution - Einheit. Auch der Liedermacher und Berliner Ehrenbürger Wolf Biermann spricht bei der Eröffnung, außerdem singt er einige seiner Lieder.
Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober 2010 täglich 24 Stunden bei freiem Eintritt zugänglich.

2010

Richtfest für das Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg »Willy Brandt« in Schönefeld: Am Haken eines großen Krans steigt eine mit Bändern geschmückte Flugzeugnachbildung als Richtkrone auf. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem Grußwort: »Der neue Flughafen ist das Zukunftsprojekt in der Region Berlin-Brandenburg. Bereits heute gibt es Gewinner: die regionale Bauwirtschaft und das Handwerk. Tausende Beschäftigte sind an dem Großprojekt im Süden Berlins beteiligt.« Am 8. und 9. Mai findet ein Richtfestwochenende statt. 120 000 Interessenten strömen zur Baustelle.

2018

Im Alter von 67 Jahren stirbt in Berlin die Schauspielerin Juliane Korén. Ab Anfang der 1970er-Jahre spielte sie in über 20 Film- und Fernsehproduktionen der DEFA und des Deutschen Fernsehfunks. Dank ihrer Rollen in »Dornröschen« (1971) und »Meine Schwester Tilli« (1972) wurde sie in der DDR zu einem Publikumsliebling. Nach der Wende ging Korén zunächst ans Schauspielhaus Bochum und dann ans Staatstheater Stuttgart. Von 2005 bis 2013 gehörte sie zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und spielte anschließend dort weiterhin als Gast.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 07.05.2021)