Was geschah am 12.09. im Jahr ...

1945

Die Alliierte Kommandantur genehmigt mit BK/O (45) 80 das vom Magistrat beschlossene Bezirksverfassungsstatut.

Der Befehl Nr. 19 der Transportabteilung der Sowjetischen Militärverwaltung unterstellt sämtliche Häfen und Hafenbetriebe in der sowjetischen Besatzungszone der Generaldirektion Schiffahrt bei der Zentralverwaltung für Verkehr, die auch für das Wasserstraßenamt Berlin zuständig ist.

Das Oberfinanzpräsidium der Abteilung für Finanz- und Steuerwesen des Magistrats erläßt eine Anordnung über die Umsatzsteuer-Zuständigkeit. Berliner Unternehmen haben danach in Berlin auch die Umsätze ihrer Zweigniederlassungen außerhalb Berlins zu versteuern, soweit sich diese Zweigniederlassungen in Deutschland befinden. Berliner Zweigniederlassungen, deren Hauptsitz sich außerhalb Berlins befindet, versteuern ihre Umsätze bei dem für sie zuständigen Berliner Finanzamt.

Die Abteilung für Gesundheitswesen des Magistrats ordnet auf Befehl der Alliierten Kommandantur eine neu zu organisierende Überwachung von Lebensmittelbetrieben und Kontrolle der Lebensmittel an. Zu den amtsärztlichen und amtstierärztlichen Überwachungskommissionen treten ehrenamtliche Vertrauensausschüsse der entsprechenden Berufsgruppen. Ihre Mitglieder werden von den vorläufigen Innungen und den Gewerkschaften gestellt.

Der Polizeipräsident fordert in einer Rundverfügung an die Polizeireviere und an den Gewerbeaußendienst schärfste Überwachung der ambulanten Druckschriftenhändler und die unverzügliche Beschlagnahme der von ihnen vertriebenen fremdsprachigen Broschüren und Fahrpläne. Für den ambulanten Druckschriftenhandel ist zudem ein besonderer Legitimationsschein notwendig. Der ambulante Warenverkauf von Haus zu Haus ist verboten.

In einer Aussprache zwischen dem Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Botschafter a. D. Rudolf Nadolny, und dem Präsidenten der Provinz Brandenburg, Dr. Karl Steinhoff, wird vereinbart, daß Eingriffe gegenüber dem Roten Kreuz unterbleiben sollen, bis über die weitere Zulassung auch im sowjetischen Besatzungsgebiet entschieden worden ist.

1946

Die Alliierte Kommandantur weist mit BK/O (46) 364 eine Beschwerde der SPD über Behinderung ihrer politischen Versammlungen zurück und erklärt, daß die SPD in allen von ihr angeführten Fällen die von der Kommandantur festgelegten Regeln verletzt habe.

Mit BK/O (46) 365 lehnt die Alliierte Kommandantur angesichts der bevorstehenden Wahlen die vom Magistrat beschlossene Ernennung von Paul Eschert zum Leiter der Abteilung für Kunst ab. Sie ordnet an, daß bis auf weiteres Bürgermeister Karl Schulze (SED) als Leiter dieser Abteilung im Amt bleibt.

Nachdem die Alliierte Kommandantur Dr. Haas (CDU) wegen seiner Zugehörigkeit zu einer Partei als Stadtwahlleiter abgelehnt hat, beschließt der Magistrat in einer außerordentlichen Sitzung, Stadtrat Dr. Hermann Landwehr (parteilos) für dieses Amt vorzuschlagen.

Aus Anlaß der bevorstehenden Berliner Kommunalwahlen spricht der Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der LDP, Dipl.-Ing. Carl-Hubert Schwennicke, auf einer Pressekonferenz über die Aufgaben und Ziele seiner Partei. Anschließend gibt er die Kandidatenliste der LDP für die Wahlen bekannt, auf der unter anderen Dr. Wilhelm Külz, Carl-Hubert Schwennicke, Nora Melle, Dr. Anton Schöpke, Dr. Ella Barowski und Dr. Hans Reif aufgeführt sind.

Im Lokal "Alt Bayern" in der Friedrichstraße im Bezirk Mitte wird das Kabarett "Frischer Wind" unter der Leitung von Walter Groß eröffnet.

1947

Der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten beim Vatikan, Myron Taylor, bespricht mit Kardinal Graf von Preysing und Bischof D. Dr. Dibelius die kirchliche Lage in Berlin und Deutschland. Katholische und evangelische leitende Stellen dementieren im Zusammenhang damit eine Meldung der sowjetisch lizenzierten Zeitung "Berlin am Mittag", die hinter der Anwesenheit Taylors in Berlin politische und vor allem antisowjetische Gründe vermutete.

Die Alliierte Kommandantur setzt durch BK/O (47) 198 das Kontrollratsgesetz Nr. 57 über die Auflösung und Liquidierung der Versicherungsgesellschaften, die der ehemaligen nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront angeschlossen waren, für Berlin in Kraft. Sie beauftragt den Magistrat, einen Liquidator einzusetzen.

Der stellvertretende Leiter der Abteilung für Arbeit, Paul Fleischmann, erläutert vor dem Rat der Bezirksbürgermeister die geplante Neuorganisation der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, die bisher dezentralisiert durchgeführt wurde. Die unterschiedliche Wohn- und Industriestruktur der einzelnen Bezirke verhindere oftmals eine Steuerung des Berufsnachwuchses. Die Berufsberatungsstellen sollen aus den Bezirken herausgenommen werden und an ihre Stelle sechs Berufsämter treten. Der Plan stößt wegen seiner "zentralistischen Tendenzen" auf Widerspruch.
Zur Beschränkung von Personalveränderungen in den Bezirksämtern des sowjetischen Sektors teilt Bürgermeister Dr. Friedensburg mit, daß in einer erneuten Besprechung mit dem sowjetischen Verbindungsoffizier beim Magistrat, Major Tarchow, der ursprüngliche Befehl der sowjetischen Zentralkommandantur aufrecht erhalten wurde. Den Bezirksbürgermeistern könne nach sowjetischer Auffassung nicht das genügende Vertrauen entgegengebracht werden, das für die Interessen der Besatzungsmacht notwendig ist.
Nach einer Mitteilung des Magistrats hat die Alliierte Kommandantur einen Antrag auf Wegfall der Arbeitsbescheinigung für Empfänger der Lebensmittelkartengruppe III mit der Begründung abgelehnt, daß die Vorlage der monatlichen Arbeitsbescheinigungen das einzige sichere Mittel ist, um diejenigen arbeitsfähigen Berliner zu erfassen, die aus irgendeinem Grunde ihre Beschäftigung aufgeben.

1948

Auf dem Hof der Strafanstalt Plötzensee, Bezirk Tiergarten, in der die Teilnehmer des 20. Juli 1944 hingerichtet wurden, findet eine offizielle Totenehrung statt, auf der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr spricht. Andere stille Feierstunden werden in einigen Bezirken der westlichen Sektoren veranstaltet.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) veranstaltet im Lustgarten eine Kundgebung zum Gedächtnis an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes mit über 100 000 Teilnehmern, darunter auch entgegen einer Anweisung von Stadtrat May die Schulklassen des sowjetischen Sektors, die mit Transparenten gegen den "bankrotten Magistrat" demonstrieren.
Als Sprecher der sowjetischen Delegation bezeichnet General Gordejew die Vereinigten Staaten als "faschistische Kriegshetzer".
Der VVN-Vorsitzende der sowjetischen Besatzungszone, Ottomar Geschke (SED), erklärt, die VVN erhebe die Faust gegen alle, die nicht mit dem FDGB für eine bessere Zukunft in Berlin kämpften, sondern "mit der Wallstreet einen neuen Krieg anzetteln" wollten.

1949

Die Bundesversammlung wählt in Bonn in Anwesenheit der nicht stimmberechtigten Berliner Vertreter den Vorsitzenden der FDP, Professor Dr. Theodor Heuß, zum ersten Bundespräsidenten. Damit ist die Gründung der Bundesrepublik Deutschland vollzogen.
Im Anschluß an seine Eidesleistung in der 2. Sitzung des Bundestages, an der auch der Bundesrat geschlossen teilnimmt, betont der Bundespräsident in einer Ansprache die enge Verbundenheit der Bundesrepublik mit Berlin und dem deutschen Osten. Das Schicksal Berlins sei mit dem Westdeutschlands untrennbar verbunden, wie auch das Schicksal Gesamtdeutschlands nicht von dem Berlins zu trennen sei.

Die vier Stadtkommandanten beschließen auf ihrer vierten Konferenz nach der Pariser Außenministerkonferenz, daß die Postwertzeichen der westlichen Sektoren und die des sowjetischen Besatzungsbereiches gegenseitig anerkannt werden. Die Kommandanten kommen weiter überein, deutsche Fachleute aus beiden Verwaltungen der Stadt zu beauftragen, Mißstände und Unzulänglichkeiten im Gas-, Licht- und Fernsprechnetz sowie bei anderen städtischen Einrichtungen zu beseitigen. Bei der Beratung über diesen Punkt stellt der amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Taylor, klar, daß ein Zusammentreffen deutscher Fachleute rein technischer Natur sei und keine Anerkennung des Magistrats des sowjetischen Sektors durch die westlichen Besatzungsmächte bedeute.
Die westlichen Stadtkommandanten protestieren erneut bei dem stellvertretenden sowjetischen Stadtkommandanten, Gardeoberst Jelisarow, mündlich gegen die ständigen Verletzungen der getroffenen Vereinbarungen durch die Reichsbahndirektion Berlin.
In anschließenden Pressekonferenzen betonen der britische und der stellvertretende amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Bourne und Oberst Babcock, daß die Beratungen in einer guten Atmosphäre stattgefunden hätten und einen Fortschritt in der Normalisierung der Berliner Verhältnisse erwarten ließen.

Die Verwaltung für europäische Zusammenarbeit mit Sitz in Paris und Washington bewilligt auf Antrag des Zweimächtekontrollamtes für Deutschland 44 Millionen DM für den Wiederaufbau des Kraftwerkes West. Neben diesem Betrag aus dem ERP-Gegenwertfonds wird die Deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau der Berliner BEWAG weitere 11 Millionen DM zur Verfügung stellen.

Die Abteilung Wirtschaft des Magistrats macht die Alliierte Kommandantur in einem Schreiben darauf aufmerksam, daß es ihr nicht möglich sein werde, bis zu dem von ihr mit der Anordnung BK/O (49) 97 genannten Termin des 19. September 1949 alle Anträge auf finanzielle Hilfe an die von der Blockade betroffenen Firmen zu bearbeiten. Sie weist darauf hin, daß bis jetzt 4569 Anträge über eine Gesamtsumme von 53,3 Millionen DM eingereicht wurden, deren Behandlung umfangreiche und zeitraubende Rückfragen und Verhandlungen notwendig gemacht haben und noch notwendig machen.

1950

Oberbürgermeister Professor Reuter übergibt in Anwesenheit der Stadtverordneten Vorstehers Dr. Suhr und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den Berliner Jugendverbänden ein "Haus der Jugend" in der Koserstraße in Dahlem. Das neu eingerichtete Haus enthält neben mehreren Aufenthalts- und Werkräumen einen Kinderhort, eine Jugendherberge mit 60 Betten sowie das Büro des Berliner Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergwerkes.

Am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes wird in einem feierlichen Gottesdienst in der Synagoge Pestalozzistraße im Bezirk Charlottenburg der neue Rabbiner der Berliner Jüdischen Gemeinde, Peter Levinson, in sein Amt eingeführt.

Die französische Revuetänzerin und -Sängerin Josefine Baker, die bereits in den zwanziger Jahren mit großem Erfolg in Berlin gastierte, gibt ihr erstes Gastspiel nach dem Kriege im Titania-Palast im Bezirk Steglitz.

Premiere von Friedrich Smetanas "Die verkaufte Braut" in der Komischen Oper im sowjetischen Sektor. Unter der Regie von Walter Felsenstein singen in den Hauptpartien Anny Schlemm, Heinrich Pflanzl, Rudolf Schock und Ralph Peters.

1951

Der Rat der Bezirksbürgermeister mißbilligt in einer außerordentlichen, vom Regierenden Bürgermeister Reuter geleiteten Sitzung einmütig das Vorgehen des Kreuzberger Bezirksbürgermeisters Kressmann, der an der Sitzung nicht teilnimmt. Sie bestreiten Kressmanns Auffassung, er sei zu dieser Aktion berechtigt gewesen, weil der Senat noch keine Gegenmaßnahmen gegen den sowjetzonalen Straßenzoll eingeleitet habe. Entscheidungen über Ost-West-Probleme seien Sache des Senats.

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Brandt (SPD) weist in einer Feierstunde zum zweijährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland vor Mitarbeitern der Berliner Bundesvertretung auf die Gefahr hin, daß viele Deutsche den provisorischen Charakter der staatlichen Organisation des Bundesgebietes vergäßen. Es bedeute jedoch keine Schwächung der außenpolitischen Position der Bundesrepublik, wenn man sich zu diesem Provisorium bekenne. Der Bundesbevollmächtigte Dr. Vockel unterstreicht die These, daß es einen wirklich nationalen Gedenktag nicht geben könne, solange Deutschland zerrissen und Berlin nicht seine Hauptstadt sei.

Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter fordert auf einem Jugendtreffen auf dem Kreuzberg aus diesem Anlaß die Jugend auf, die demokratischen Grundrechte zu hüten, damit die Freiheit erhalten bleibt, bis allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein gesichert ist. Denn nur in einer Gemeinschaft von freien Völkern werde es einen dauernden Frieden geben.

Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft ratifiziert in München ein Abkommen über die in der Deutschen Forschungshochschule Dahlem zusammengeschlossenen ehemaligen Berliner Institute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Das Abkommen sieht neben der Anerkennung der Institute die Möglichkeit einer Namensgebung durch die Max-Planck-Gesellschaft vor. Als erste werden die Institute für Physikalische und Elektrochemie und für Zellphysiologie unter der Leitung der beiden Nobelpreisträger, Professor Max von Laue und Professor Otto Warburg, den Namen Max Plancks erhalten.
Das Abkommen sichert ferner den Fortbestand des Berliner Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht mit seiner umfangreichen Bibliothek.(vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 848, 18.12.1950, Nr. 41 e).

1952

Der Vorsitzende und der Pressechef des sowjetzonalen Amtes für Information, Gerhart Eisler und Albert Norden, übergeben der Öffentlichkeit auf einer internationalen Pressekonferenz ein Weißbuch ihrer Regierung über die Verträge von Bonn und Paris, das auch allen Bundesabgeordneten zugeleitet werden soll. Beide fordern die anwesenden Journalisten auf, den noch nicht informierten Westdeutschen den "verhängnisvollen Inhalt" der Verträge bekanntzumachen. Dies sei eine hohe Mission, die beträchtlich dazu beitragen würde, "daß eine nationale Front das amerikanische Damoklesschwert entfernen und Deutschland retten wird".
Während der Pressekonferenz verliest Albert Norden auch einen Brief des thüringischen Landesbischofs D. Moritz Mitzenheim an verschiedene Mitglieder des Rates der EKD - darunter Bundestagspräsident Dr. Ehlers, den ehemaligen Bundesinnenminister Dr. Heinemann und Bischof Dr. Lilje (Hannover) -, in dem er unter Hinweis auf die letzte Deutschland-Note der Sowjetunion und die Vorschläge der "Obrigkeit der DDR" darum bittet, die Aufnahme des Gesprächs der Deutschen untereinander zu fordern und den Beginn von Viermächteverhandlungen über Deutschland zu erbitten. Denn er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der neuerliche Vorschlag für unabsehbare Zeit der letzte seiner Art ist und daß, wenn nicht wenigstens der Beginn eines Gesprächs durch ihn ausgelöst werde, die Wege der beiden Teile Deutschlands für lange Zeit auseinandergehen.

1953

Die Berliner Bank AG eröffnet in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste ihr neues Zentralgebäude in der Hardenbergstraße (Bezirk Charlottenburg). In seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender würdigt der Regierende Bürgermeister Professor Reuter die Leistungen des jungen senatseigenen Unternehmens, dessen Monatsumsatz von 1949 bis 1953 von 400 auf 2600 Millionen DM stieg; im gleichen Zeitraum wuchs das Kreditvolumen von 30 auf 310 Millionen DM (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 534, 22.12.1949, Nr. 87 c).

Ein Einsatzkommando der West-Berliner Polizei verhindert am S-Bahnhof Tempelhof den nach alliierter Anordnung verbotenen Abtransport von Schienen und Eisenbahnschwellen durch die Reichsbahn in den sowjetischen Sektor.

1954

Am Gedenktag der Opfer des Faschismus wird vor dem Rathaus Reinickendorf durch Bezirksbürgermeister Dünnebacke ein von Lidy von Lüttwitz gestaltetes steinernes Mahnmal enthüllt, das einen auf ein hakenkreuzförmiges Rad zur Folterung gefesselten Menschen symbolisiert; es trägt die Inschrift: "Jede Weltanschauung, die sich auf Gewalt gründet, rädert den Menschen auf ihren Symbolen". In Vertretung des Regierenden Bürgermeisters erklärt der Senator für Arbeit und Sozialwesen, Heinrich Kreil, daß der Senat in diesem Jahre bewußt auf eine Feierstunde in der abseits vom Verkehr der Stadt liegenden Gedenkstätte Plötzensee verzichtet habe, um durch die Einweihung dieses Denkmals an belebter Stelle die Erinnerung an den Schrecken des Naziregimes bei allen Bürgern wachzuhalten.
Der Berliner SPD-Vorsitzende Franz Neumann dankt als Sprecher der Verfolgten des NS-Regimes dem Bezirk Reinickendorf für die Errichtung dieses Mahnmals, das für alle Opfer der Gewaltherrschaft in Deutschland bestimmt sei und erinnert daran, daß die Wiedergutmachung für sie bisher noch immer unzureichend ist.
Annedore Leber, Witwe des im Januar 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten SPD-Reichstagsabgeordneten Julius Leber, weist in ihrer Gedenkansprache darauf hin, daß das ethische Rechtsempfinden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland nicht Schritt gehalten habe. Der Maßstab für die geistige Orientierung müsse jedoch der Respekt vor Recht und Gerechtigkeit sein, den ein Staatswesen in allen seinen Maßnahmen zu praktizieren habe. Erst wenn dieses Ziel verwirklicht sei, wären die Opfer der Jahre 1933 bis 1945 nicht umsonst gestorben.

Im sowjetischen Sektor sprechen aus dem gleichen Anlaß Ministerpräsident Grotewohl und Vertreter ausländischer kommunistisch beeinflußter Widerstandsorganisationen während einer Kundgebung auf dem Thälmann-Platz, die unter Hinweis darauf, daß allein sie die wahren Erben des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus seien und dessen Ziele sie in der "DDR" verwirklicht hätten, die Gelegenheit benutzen, um erneut zum Kampf gegen Faschismus und die Vorbereitung eines neuen Krieges in Westdeutschland aufzurufen.

Die Jüdische Gemeinde in Ost-Berlin begeht den Gedenktag mit einer Kundgebung zu Ehren der ermordeten europäischen Juden auf dem alten Jüdischen Friedhof in Weißensee, auf der das Vorstandsmitglied der Gemeinde, Georg Heilbrunn, und Rabbiner Martin Riesenburger sprechen.

Der Präsident der Ost-Berliner Industrie- und Handelskammer, Hans Hoffmann, teilt anläßlich der Leipziger Messe in einem "Ausspracheabend" mit Handwerksmeistern aus ganz Berlin mit, daß der "Ausschuß zur Förderung des Berliner Handels" im sowjetischen Sektor ein Büro "Berliner Handel" eingerichtet hat, das Vorschlaglisten für ein "Gesamtberliner Handelsabkommen" über 200 Millionen Verrechnungseinheiten ausarbeiten soll und hierzu schon Vorverträge im Wert von 170 Millionen abgeschlossen hätte.

1955

40. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Nach der Erörterung der Lage der Deutschen Klassenlotterie Berlin (DKLB) beschließt der Senat,

  1. Finanzsenator Dr. Haas zu beauftragen, binnen vier Wochen eine Vorlage zur Änderung des Gesetzes über die Klassenlotterie einzubringen;
  2. den bereits amtierenden Stellvertreter des DKLB-Vorstandes, Erwin Adami, in seiner Funktion zu bestätigen;
  3. daß die Bestellung von Wilhelm Müller als Vorstandsmitglied und Direktor der DKLB mit Auslaufen seines Anstellungsvertrages am 31. August 1955 erloschen ist;
  4. die in der Öffentlichkeit gegen die DKLB-Geschäftsführung erhobenen Vorwürfe zu überprüfen;
  5. den DKLB-Aufsichtsrat zu ersuchen, dem Senat einen Bericht zu Punkt 4 seines Beschlusses zu geben.

1957

Ost-Berlins stellv. Oberbürgermeister Schmidt erklärt auf einer Versammlung im VEB Betonwerk in der Schmidstraße (Bezirk Mitte), daß das Schreiben der westlichen Stadtkommandanten an den sowjetischen Militärkommandanten zum Grenzgängerproblem für die von den deutschen Organen zu treffende Entscheidung politisch belanglos sei. Den drei Stadtkommandanten könne man lediglich bescheinigen, offensichtlich die Zukunft verschlafen zu haben, denn die Wirksamkeit des sogenannten Kleinen Besatzungsstatuts, d. h. die Aufrechterhaltung des Besatzungsregimes mit seinen einschneidenden Folgen für die Entscheidungsfreiheit der gewählten Organe des Volkes habe glücklicherweise am Brandenburger Tor ihr Ende gefunden. Für den sowjetischen Kommandanten bestehe überhaupt keine Möglichkeit, die Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats zu beeinflussen, wie das bedauerlicherweise in West-Berlin gang und gäbe sei. Wenn die Westmächte sich als die Herren der Westsektoren aufspielten, müsse man ihnen sagen, daß sie im "demokratischen" Berlin nichts zu suchen hätten. Die "gewählten Organe des Volkes" würden es nicht zulassen, daß sie sich in ihre Angelegenheiten einmischten. Den westlichen Stadtkommandanten wäre vielmehr zu empfehlen, sich mit den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens vertraut zu machen, das die völkerrechtliche Grundlage für ihre Anwesenheit in Berlin darstelle und von den Westmächten gebrochen worden sei. Niemand anders als sie und die West-Berliner "Frontstadtpolitiker" wären die Schuldigen dafür, daß gegenwärtig überhaupt ein Problem der sogenannten Grenzgänger existiere.
1949 hätten 103 000 West-Berliner Bürger im "demokratischen Sektor" gearbeitet und 85 000 Ost-Berliner in West-Berlin. Daß heute nur noch 15 600 West-Berliner im "demokratischen Sektor" und rund 30 000 Bürger des "demokratischen Sektors" in West-Berlin arbeiteten, sei eine "Folge der unmenschlichen Maßnahmen des Schöneberger Senats". Willkürlich hätte man Zehntausende von Bürgern vom Lohnumtausch ausgeschlossen und sie damit ihrer Existenzgrundlage in West-Berlin beraubt.
Zu der von den Stadtkommandanten ebenfalls angeschnittenen Frage des freien Verkehrs zwischen beiden Teilen der Stadt und einer Normalisierung des Lebens meint Schmidt: "Daß es gegenwärtig einen völlig ungehinderten Verkehr zwischen beiden Teilen der Stadt gibt, ist weder ein Verdienst der Politik der West-Berliner Stadtkommandanten noch des West-Berliner Senats, sondern einzig und allein auf die Politik und Toleranz der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats von Groß-Berlin zurückzuführen. Einigen Schreihälsen in West-Berlin, die offenbar jeden Überblick über die Realitäten der politischen Situation verloren haben, sei aber deutlich gesagt, daß auch unsere Toleranz durchaus Grenzen hat." Wie oft hätten die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat in der Vergangenheit dem Senat Vorschläge unterbreitet, die dieser aber stets abgelehnt habe. Nichts liege "uns" ferner, als die Lage in Berlin zu verschärfen. Doch dürfe man nicht zulassen, "daß West-Berlin weiter zu einem Radarschirm der NATO" ausgebaut werde. Vielmehr gehe es darum, Berlin wieder zur Hauptstadt eines wiedervereinigten, demokratischen und friedliebenden Deutschlands zu machen. Eine derartige Entwicklung lasse aber für das in den Westsektoren jetzt noch bestehende Besatzungsregime keinen Platz mehr. Auch die Regelung des Grenzgängerproblems gehöre zu jenen Fragenkomplexen, die mit einer Normalisierung der Lage in der Stadt zusammenhängen. Hierbei sei es durchaus nicht notwendig, daß "von uns" in jedem Falle auf diesem Gebiet einseitige Maßnahmen ergriffen werden müßten, denn auch hier bestünden jeder Zeit Möglichkeiten einer Verständigung zwischen Senat und Magistrat. Erst wenn sie vom Senat unausgenutzt blieben, würden sich einseitige Maßnahmen nicht vermeiden lassen.

Ein Senatssprecher bezeichnet diese Feststellung Schmidts als einen ebenso sinnlosen Erpressungsversuch wie alle vorangegangenen. Man habe den Senat auch wegen anderer, schwierigerer Fragen nicht an einen Tisch mit Mitgliedern des Ost-Berliner Magistrats zwingen können. Das freie Berlin habe überdies noch nie Flüchtlinge zurückgeschickt. Wenn Ost-Berliner Einwohner in ihrer Existenz bedroht würden, nur weil sie in West-Berlin arbeiteten, werde der Senat auch Mittel und Wege finden, ihnen zu helfen.

In der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle besiegt die Box-Nationalstaffel der DDR in einem Länderkampf die der CSR mit 14 : 6 Punkten.

1958

Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Lemmer, bezeichnet in einem Artikel der "Politisch-Sozialen Korrespondenz" die Lage in Mitteldeutschland nach dem V. Parteitag der SED als mindestens ebenso schwer und bedrückend wie 1952/53. Damals, nach der II. Parteikonferenz der SED, sei mit einer schnellen und totalen Sozialisierung begonnen worden die einen derartigen Unwillen in der Bevölkerung hervorgerufen habe, daß Ulbricht Anfang Juni 1953 sich zur Verkündung des "Neuen Kurses" gezwungen sah, der allerdings den Volksaufstand vom 17. Juni nicht mehr verhindern konnte. Nun stünden die Mitteldeutschen wieder inmitten einer radikalen Umwälzung - unendliches Leid, vernichtete Existenzen, zerrissene Familien seien die Folgen dieser Politik. Wenn auch die Aussichten, den derzeitigen Zustand des geteilten Landes zum Besseren zu wenden, heute gering erschienen, so plädiert der Minister doch dafür, jede Möglichkeit zu prüfen, wobei er es für notwendig hält, "nicht alte Vorurteile, die vor Jahren einmal richtig gewesen sein mögen, unbesehen oder aus übertriebener Furcht vor Risiken weitergelten zu lassen". Lemmer vermag zwar die Auffassung der Regierungen der Sowjetunion und der DDR, daß eine gemeinsame Kommission beider deutscher Regierungen an den Beratungen über einen Friedensvertrag hinzugezogen werden müsse, nicht zu teilen, "denn auf einen gemeinsamen Standpunkt in sehr wesentlichen Fragen werden wir uns kaum einigen können", doch die Hinzuziehung von Vertretern, der Ost-Berliner Regierung zu den Arbeiten des Viermächte-Gremiums "sollte für uns kein unüberwindliches Hindernis darstellen". Innerdeutsche Fragen, die nach Ansicht der Ost-Berliner Regierung ebenfalls von der gemeinsamen deutschen Kommission behandelt werden sollen, ließen sich nach der Meinung Lemmers auch ohne eine derartige Kommission lösen, zumal die meisten von ihnen durch einseitige Anordnungen aus der Welt geschafft werden könnten. Wo dies aber nicht möglich sei, könnte "selbstverständlich" direkt verhandelt werden, wie das bisher zwischen den Behörden in vielen Fällen praktiziert worden sei. "Wenn es um das Wohl der Bevölkerung auf beiden Seiten der Zonengrenze geht, dürfen wir ... nicht Maßstäbe anlegen, die in normalen Zeiten sicherlich richtig sind, die aber in außerordentlichen Zeiten, wie wir sie heute nun einmal erleben, versagen müssen." Dies bedeute jedoch auf keinen Fall eine Anerkennung der Ost-Berliner Regierung als legitimen Vertreter der 17 Millionen in Mitteldeutschland.

Nachdem das Museum für Vor- und Frühgeschichte vor drei Jahren wieder eine provisorische Unterkunft im weitgehend zerstörten Völkerkundemuseum in der Stresemannstraße unmittelbar an der Sektorengrenze gefunden hatte, kann es nun neue Räume in dem äußerlich getreu wiederhergestellten, von Langhans 1788 vollendeten Theatertrakt des Charlottenburger Schlosses beziehen. Zur Eröffnung zeigt das Museum in einer Sonderschau Funde aus dem Kaukasus und der westpersischen Provinz Luristan, die seit 1939 nicht mehr in Berlin zu sehen waren. Der Leiter des Museums, Prof. Gandert, erklärt dabei, daß man sich aus dreierlei Erwägungen zu dieser Ausstellung entschlossen habe: 1. um zu betonen, daß dieses Museum nicht nur Heimatmuseum, vielmehr archäologische Forschungsstätte ist; neben Wien, Paris, Lyon und verschiedenen sowjetischen Museen besitzt Berlin die wertvollste Kaukasussammlung; 2. weil gerade die Geschichte dieser Abteilung durch die Sammlungen des Berliner Arztes Rudolf Virchow, der 1881 selbst im Kaukasus zu graben begann, wiederum besonders an Berlin gebunden ist; 3. weil sie eine Überbrückung bilden soll, bis in weiteren drei Sälen die Funde aus der Stein- und Bronzezeit, aus dem ersten vorchristlichen und dem ersten nachchristlichen Jahrtausend endgültig ausgebreitet werden können.

1959

In seiner Abschiedsrede im Rundfunk bemerkt der scheidende Bundespräsident Heuss zur Deutschland- und Berlin-Frage, seine Zuhörer dürften zu diesem Zeitpunkt keine pointierte politische Stellungnahme erwarten, da die Weltmächte in einem Wechselgespräch ständen, dessen Verlauf und Ergebnis "wir" nicht kennen. "Durch diesen ganzen Sommer hat die tiefe Problematik des deutschen Schicksals unsere Seele beschwert. Die nationalpolitische Entscheidung bleibt der europäischen Zukunft eingegliedert, [diese] ist in globale Bedingtheiten und Entscheidungen eingeordnet. Darüber läßt sich mit Wunschträumen und Resignation viel spekulieren. Aber keine dieser Haltungen ist dem Verantwortlichen gestattet, sondern nur eben solche Nüchternheit, die das Maß und die Maße kennt, sich selber nicht die Erkenntnis eines tragischen Volks- und Staatsschicksals mit dem Bramarbasieren über Wirtschaftswunder oder Preußens Gloria und dergleichen verstellt, sich aber immer in der Pflicht weiß, dem ungefährdeten Weiterlebenkönnen eines in seiner Arbeit so tüchtigen Volkes zu dienen.
Das haben wir exemplarisch erlebt im Ringen um den politisch-rechtlichen und den sozialökonomischen Status von Berlin. Die Haltung der aus allen deutschen Landschaften und Stämmen erwachsenen Bevölkerung dieser deutschen Hauptstadt hat gesamtdeutsches Sein und Werden bestimmt, und es darf nie vergessen werden, wie die innerlich souveräne Natur von Ernst Reuter in den entscheidenden Jahren schlechthin zu einer tragenden deutschen Geschichtsfigur geworden ist. Sie hat auch das Wissen und Gewissen der freien Welt an die Einsicht geschmiedet, daß in der politischen Entscheidung über Berlin das Recht auf freiheitliche Selbstgestaltung des heutigen Menschentums schlechthin sein Urteil empfängt."

Über die West-Berliner Sender richtet anschließend der Regierende Bürgermeister Brandt - auch im Namen vieler Deutscher, "die im Dunkel der Zone wohnen und nicht reden dürfen" - einen Dankesgruß an den scheidenden Bundespräsidenten. Ihm würden es die Berliner nie vergessen, daß er schon kurz nach seiner Wahl 1949 zum ersten Mal und dann immer wieder den Weg nach Berlin fand und sich zur deutschen Hauptstadt auch in den Zeiten ihrer größten Not bekannte. Allein schon durch diese zur Selbstverständlichkeit werdende Haltung als Staatsoberhaupt habe er Berlin sehr geholfen; jenseits aller staatsrechtlichen Finessen sei er von Anfang an auch der Bundespräsident der Berliner gewesen. Er habe nicht unwesentlich dazu beigetragen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit in diesem gespaltenen Land und die mahnende Forderung nach dem unteilbaren Deutschland wachzuhalten. Nun werde er auch ohne Amt der Freund und Ehrenbürger Berlins sein. "Es ist in seinem Sinne, wenn wir unser Vertrauen übertragen und unsere bescheidene Hilfe anbieten dem neuen Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Heinrich Lübke."

Eröffnung des 11. Berliner Oktoberfestes, das zwar immer noch "Oktoberfest am Zoo" heißt, jedoch nicht mehr dort, sondern diesmal auf einem etwa 30 000 Quadratmeter großen Areal am Landwehrkanal zwischen dem Tiergarten und der Friedrich-Wilhelm-(heute Klingelhöfer-)Straße stattfindet. Berliner Reeder richten Sonderfahrten von der Kottbusser Brücke zu einem improvisierten Landesteg in der Nähe des Festplatzes ein.

1959

Jahreshauptversammlung des Bundes der Berliner und Freunde Berlins im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses.
Vor den Delegierten würdigt Parlamentspräsident Henneberg in seiner Begrüßungsansprache den tatkräftigen Einsatz und die praktische Bekundung der Heimatliebe, die die rd. 20 000 Mitglieder des Bundes in den vergangenen Monaten wieder zeigten. Er dankt besonders für die Arbeit zugunsten erholungsbedürftiger Kinder und für die Aufklärung über die politische und wirtschaftliche Situation der Heimatstadt.
Bundesminister Lemmer wertet in einer kurzen Ansprache die Leistungen jedes einzelnen Mitgliedes des Bundes als "echte gesamtdeutsche, Arbeit", die eine lebendige Verbindung zu den Bürgern der Bundesrepublik herstelle.

Die Versammlung bestätigt das bisherige Präsidium - es hatte bereits am Vortage beschlossen, Teile seiner Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin zu verlegen, wo ihm im "Telegraf"-Gebäude Räume z. V. gestellt wurden - unter Vorsitz von Rudolf Mitze und bekräftigt in einer Resolution die "unverbrüchliche Treue zur alten, heute um so mehr geliebten" Heimat. "Im Bewußtsein des Gleichklanges aller guten Herzen der freien Welt für Berlin" bleibe der Glaube an die Unteilbarkeit dieser Stadt im Bund unerschütterlich bestehen. Um so entschlossener wolle er mit tatkräftiger Aufklärung und im persönlichen Einsatz den Kampf gegen die widersinnige Trennung von Volk und Vaterland fortsetzen.

1959

In seiner Abschiedsrede im Rundfunk bemerkt der scheidende Bundespräsident Heuss zur Deutschland- und Berlin-Frage, seine Zuhörer dürften zu diesem Zeitpunkt keine pointierte politische Stellungnahme erwarten, da die Weltmächte in einem Wechselgespräch ständen, dessen Verlauf und Ergebnis "wir" nicht kennen. "Durch diesen ganzen Sommer hat die tiefe Problematik des deutschen Schicksals unsere Seele beschwert. Die nationalpolitische Entscheidung bleibt der europäischen Zukunft eingegliedert, [diese] ist in globale Bedingtheiten und Entscheidungen eingeordnet. Darüber läßt sich mit Wunschträumen und Resignation viel spekulieren. Aber keine dieser Haltungen ist dem Verantwortlichen gestattet, sondern nur eben solche Nüchternheit, die das Maß und die Maße kennt, sich selber nicht die Erkenntnis eines tragischen Volks- und Staatsschicksals mit dem Bramarbasieren über Wirtschaftswunder oder Preußens Gloria und dergleichen verstellt, sich aber immer in der Pflicht weiß, dem ungefährdeten Weiterlebenkönnen eines in seiner Arbeit so tüchtigen Volkes zu dienen.
Das haben wir exemplarisch erlebt im Ringen um den politisch-rechtlichen und den sozialökonomischen Status von Berlin. Die Haltung der aus allen deutschen Landschaften und Stämmen erwachsenen Bevölkerung dieser deutschen Hauptstadt hat gesamtdeutsches Sein und Werden bestimmt, und es darf nie vergessen werden, wie die innerlich souveräne Natur von Ernst Reuter in den entscheidenden Jahren schlechthin zu einer tragenden deutschen Geschichtsfigur geworden ist. Sie hat auch das Wissen und Gewissen der freien Welt an die Einsicht geschmiedet, daß in der politischen Entscheidung über Berlin das Recht auf freiheitliche Selbstgestaltung des heutigen Menschentums schlechthin sein Urteil empfängt."

Über die West-Berliner Sender richtet anschließend der Regierende Bürgermeister Brandt - auch im Namen vieler Deutscher, "die im Dunkel der Zone wohnen und nicht reden dürfen" - einen Dankesgruß an den scheidenden Bundespräsidenten. Ihm würden es die Berliner nie vergessen, daß er schon kurz nach seiner Wahl 1949 zum ersten Mal und dann immer wieder den Weg nach Berlin fand und sich zur deutschen Hauptstadt auch in den Zeiten ihrer größten Not bekannte. Allein schon durch diese zur Selbstverständlichkeit werdende Haltung als Staatsoberhaupt habe er Berlin sehr geholfen; jenseits aller staatsrechtlichen Finessen sei er von Anfang an auch der Bundespräsident der Berliner gewesen. Er habe nicht unwesentlich dazu beigetragen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit in diesem gespaltenen Land und die mahnende Forderung nach dem unteilbaren Deutschland wachzuhalten. Nun werde er auch ohne Amt der Freund und Ehrenbürger Berlins sein. "Es ist in seinem Sinne, wenn wir unser Vertrauen übertragen und unsere bescheidene Hilfe anbieten dem neuen Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Heinrich Lübke."

Eröffnung des 11. Berliner Oktoberfestes, das zwar immer noch "Oktoberfest am Zoo" heißt, jedoch nicht mehr dort, sondern diesmal auf einem etwa 30 000 Quadratmeter großen Areal am Landwehrkanal zwischen dem Tiergarten und der Friedrich-Wilhelm-(heute Klingelhöfer-)Straße stattfindet. Berliner Reeder richten Sonderfahrten von der Kottbusser Brücke zu einem improvisierten Landesteg in der Nähe des Festplatzes ein.

1959

Jahreshauptversammlung des Bundes der Berliner und Freunde Berlins im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses.
Vor den Delegierten würdigt Parlamentspräsident Henneberg in seiner Begrüßungsansprache den tatkräftigen Einsatz und die praktische Bekundung der Heimatliebe, die die rd. 20 000 Mitglieder des Bundes in den vergangenen Monaten wieder zeigten. Er dankt besonders für die Arbeit zugunsten erholungsbedürftiger Kinder und für die Aufklärung über die politische und wirtschaftliche Situation der Heimatstadt.
Bundesminister Lemmer wertet in einer kurzen Ansprache die Leistungen jedes einzelnen Mitgliedes des Bundes als "echte gesamtdeutsche, Arbeit", die eine lebendige Verbindung zu den Bürgern der Bundesrepublik herstelle.

Die Versammlung bestätigt das bisherige Präsidium - es hatte bereits am Vortage beschlossen, Teile seiner Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin zu verlegen, wo ihm im "Telegraf"-Gebäude Räume z. V. gestellt wurden - unter Vorsitz von Rudolf Mitze und bekräftigt in einer Resolution die "unverbrüchliche Treue zur alten, heute um so mehr geliebten" Heimat. "Im Bewußtsein des Gleichklanges aller guten Herzen der freien Welt für Berlin" bleibe der Glaube an die Unteilbarkeit dieser Stadt im Bund unerschütterlich bestehen. Um so entschlossener wolle er mit tatkräftiger Aufklärung und im persönlichen Einsatz den Kampf gegen die widersinnige Trennung von Volk und Vaterland fortsetzen.

1960

Die Westmächte protestieren in gleichlautenden Noten an die Sowjetunion gegen die den Verkehr innerhalb Berlins behindernden "illegalen Maßnahmen" der ostdeutschen Behörden, wobei sie noch einmal mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß sie die These, wonach der Ostsektor der Stadt einen Teil des Territoriums der "DDR" darstelle oder Berlin auf dem Territorium der "DDR" liege, niemals akzeptierten und akzeptieren werden. Da sie niemals irgendwelche Einschränkungen der Freiheit des Verkehrs zwischen den Sektoren anerkannten, betrachten sie dies ebenso wie den Eingriff in die normalen zivilen Verbindungswege Anfang September als eine schwere Verletzung des Viermächte-Status von Berlin sowie der New Yorker und Pariser Abkommen von 1949. Die Westmächte fühlen sich verpflichtet, keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, daß alle derartigen Versuche zur einseitigen Veränderung des vereinbarten Status der Stadt die internationalen Spannungen nur noch verschärfen und im Wiederholungsfalle zu einer gefährlichen Situation führen können.

Die Bundesregierung beschäftigt sich in einer Sondersitzung noch einmal mit den durch die DDR veranlaßten Behinderungen im Berlin-Verkehr Anfang September und versichert in einer anschließend veröffentlichten Erklärung, daß sie mit den drei Westmächten und den übrigen Verbündeten in Planung und Durchführung einer Abwehr in engster Verbindung steht, wobei man zunächst übereinkam, Gegenmaßnahmen im Bereich der Ausgabe von Travel-Documents und befristeten Besucherpässen für Auslandsreisen von Bewohnern der "SBZ" und Ost-Berlins zu treffen.
Daneben spricht die Bundesregierung die Erwartung aus, daß, solange die Unrechtsmaßnahmen andauern, kein deutscher Kaufmann aus Geschäftsgründen in den Bereich der "Zonen-Machthaber" reisen wird.

14. Sitzung der Volkskammer der DDR.
Die Volkskammer beschließt das sofort in Kraft tretende und von ihrem Präsidenten Dieckmann begründete "Gesetz über die Wahl des Staatsrates der DDR", in dessen Präambel festgestellt wird, daß nach dem Ableben von DDR-Präsident Pieck "unsere große Verantwortung für die sozialistische Zukunft der DDR und gegenüber Volk und Nation gebietet, den Staatsrat ... zu bilden". Dies würde voll und ganz der Entwicklung "unserer" sozialistischen Demokratie entsprechen.
§ 1 dieses Gesetzes setzt an die Stelle des bisherigen "Präsident der Republik" überschriebenen Abschnitts der DDR-Verfassung den neuen Abschnitt V "Staatsrat der Republik". Seine Funktionen entsprechen denen, die bisher der Präsident ausübte; darüber hinaus aber kann er allgemein verbindliche Auslegungen der Gesetze geben und Beschlüsse mit Gesetzeskraft erlassen.
Anschließend wählt die Volkskammer Walter Ulbricht, "den Würdigsten unter uns", zum Vorsitzenden des Staatsrates sowie dessen sechs Stellvertreter und 16 übrige Mitglieder, darunter Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert.

1960

Die Westmächte protestieren in gleichlautenden Noten an die Sowjetunion gegen die den Verkehr innerhalb Berlins behindernden "illegalen Maßnahmen" der ostdeutschen Behörden, wobei sie noch einmal mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß sie die These, wonach der Ostsektor der Stadt einen Teil des Territoriums der "DDR" darstelle oder Berlin auf dem Territorium der "DDR" liege, niemals akzeptierten und akzeptieren werden. Da sie niemals irgendwelche Einschränkungen der Freiheit des Verkehrs zwischen den Sektoren anerkannten, betrachten sie dies ebenso wie den Eingriff in die normalen zivilen Verbindungswege Anfang September als eine schwere Verletzung des Viermächte-Status von Berlin sowie der New Yorker und Pariser Abkommen von 1949. Die Westmächte fühlen sich verpflichtet, keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, daß alle derartigen Versuche zur einseitigen Veränderung des vereinbarten Status der Stadt die internationalen Spannungen nur noch verschärfen und im Wiederholungsfalle zu einer gefährlichen Situation führen können.

Die Bundesregierung beschäftigt sich in einer Sondersitzung noch einmal mit den durch die DDR veranlaßten Behinderungen im Berlin-Verkehr Anfang September und versichert in einer anschließend veröffentlichten Erklärung, daß sie mit den drei Westmächten und den übrigen Verbündeten in Planung und Durchführung einer Abwehr in engster Verbindung steht, wobei man zunächst übereinkam, Gegenmaßnahmen im Bereich der Ausgabe von Travel-Documents und befristeten Besucherpässen für Auslandsreisen von Bewohnern der "SBZ" und Ost-Berlins zu treffen.
Daneben spricht die Bundesregierung die Erwartung aus, daß, solange die Unrechtsmaßnahmen andauern, kein deutscher Kaufmann aus Geschäftsgründen in den Bereich der "Zonen-Machthaber" reisen wird.

14. Sitzung der Volkskammer der DDR.
Die Volkskammer beschließt das sofort in Kraft tretende und von ihrem Präsidenten Dieckmann begründete "Gesetz über die Wahl des Staatsrates der DDR", in dessen Präambel festgestellt wird, daß nach dem Ableben von DDR-Präsident Pieck "unsere große Verantwortung für die sozialistische Zukunft der DDR und gegenüber Volk und Nation gebietet, den Staatsrat ... zu bilden". Dies würde voll und ganz der Entwicklung "unserer" sozialistischen Demokratie entsprechen.
§ 1 dieses Gesetzes setzt an die Stelle des bisherigen "Präsident der Republik" überschriebenen Abschnitts der DDR-Verfassung den neuen Abschnitt V "Staatsrat der Republik". Seine Funktionen entsprechen denen, die bisher der Präsident ausübte; darüber hinaus aber kann er allgemein verbindliche Auslegungen der Gesetze geben und Beschlüsse mit Gesetzeskraft erlassen.
Anschließend wählt die Volkskammer Walter Ulbricht, "den Würdigsten unter uns", zum Vorsitzenden des Staatsrates sowie dessen sechs Stellvertreter und 16 übrige Mitglieder, darunter Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert.

1961

Der Senat genehmigt auf seiner 151. Sitzung die von der BVG jüngst beschlossenen Änderungen der Beförderungsentgelte, um jenen Fahrgästen zu helfen, die auf Grund des S-Bahnboykotts (vgl. 16. August) mehrere Linien benutzen müssen. Mit Wirkung vom 14. September kostet ein Einzelfahrschein mit zweimaligem Umsteigen 50 Pfennig (Kinder 20 Pfennig), ab 1. Oktober tritt eine Senkung der Zeitkartenpreise in Kraft, die z. B. bei Monatskarten für drei Linien bis zu 5 DM beträgt.

1963

Im Olympischen Reiterstadion in Picheisberg siegen bei den Deutschen Meisterschaften der Springreiter: Alwin Schockemöhle (Mühlen) auf Freiherr, Springreiterinnen: Maria Günther (Berlin) auf Sambesi, Dressurreiter: Walter Günther (Berlin) auf Adjutant, Dressurreiterinnen: Rosemarie Springer (Hamburg) auf Memor.

1964

Auf einem außerordentlichen Landesparteitag der Berliner FDP in den Schultheiss-Festsälen in der Hasenheide (vgl. 1.1 A. April) fordert ihr stellv. Vorsitzender, Finanzsenator Hoppe, Verhandlungen mit den Westmächten zum Abbau der aus ihren Rechten herrührenden Einschränkungen, die vor allem einer weiter fortschreitenden Integration der Stadt in den Bund entgegenstünden. Da mittlerweile die administrativen Instanzen der "Zone" in Ost-Berlin als selbstverständlich betrachtet würden, gelte es nunmehr, auch in West-Berlin den entsprechenden "politischen Nachholbedarf" zu befriedigen.

1964

Im Rahmen eines 48stündigen Aufenthaltes in der Stadt hat der farbige amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenpfarrer Martin Luther King die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt im Rathaus Schöneberg, wo auch die Eintragung ins Goldene Buch erfolgt; er erhält in einem Festakt die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule, spricht in der Waldbühne auf einer unter dem Motto "Überall sind Kain und Abel" stehenden Veranstaltung zum "Tag der Kirche", predigt auf Einladung von Propst Grüber in der Ost-Berliner Marienkirche und unternimmt eine Fahrt entlang der Mauer.

1965

Auf der diesjährigen Kundgebung zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Faschismus auf dem Marx-Engels-Platz unter dem Motto "Sichert den Frieden gegen alle imperialistischen Anschläge - Keine Atomwaffen in die Hände der westdeutschen Imperialisten" sprechen vor mehr als 150000 Teilnehmern Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert sowie mehrere Repräsentanten kommunistisch beherrschter Widerstandsorganisationen aus Europa und aus den USA.

1968

IV. Kongreß der am 7. August 1952 gegründeten Gesellschaft für Sport und Technik (GST) in der Kongreßhalle am Alexanderplatz, wo Staats- und Parteichef Ulbricht in seinem Grußwort gegenüber den in neuen grauen Uniformen erschienenen Mitgliedern es als die grundlegende Aufgabe der GST bezeichnet, die Jugend zu einem "festen Klassenstandpunkt zu erziehen" und sie ideologisch wie physisch auf den Dienst in den Streitkräften der DDR vorzubereiten. Der GST-Vorsitzende, Generalmajor Günther Teller, unterstreicht in seinem Rechenschaftsbericht, daß diese Massenorganisation zur vormilitärischen und wehrsportlichen Erziehung der gesamten Jugend ihre Aufgaben, abgestimmt mit der FDJ, den Einrichtungen der Volksbildung und der Berufsausbildung sowie den staatlichen und gesellschaftlichen Organen, als Schule der unmittelbaren Vorbereitung auf den Wehrdienst erfülle. Der Kongreß beschließt einmütig ein neues Statut - es legt u. a. nunmehr fest, daß die vormilitärische Ausbildung nicht mehr als freiwillige Leistung, sondern als Vordienst-Pflicht gilt. Bei der Wahl des Zentralvorstandes wird General Teller in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt, werden Oberst Heinz Ehritt sowie Major Kurt Krämer zu dessen Stellvertretern bestimmt.

1970

Auf einer SPD-Veranstaltung im Volkspark Jungfernheide (Freilichtbühne) in Berlin-Charlottenburg erklärt der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz, nach einer Ratifizierung des deutsch-sowjetischen Vertrages sei die reale Möglichkeit gegeben, daß Berlin seine geographische Lage als Brücke oder Drehscheibe zu den osteuropäischen Staaten ausnutzen könne. (Vgl. 12. August.) Gleichzeitig bekräftigt der Regierende Bürgermeister erneut, daß dieser Vertrag nur in Kraft gesetzt werde, "wenn es in und um Berlin zu solchen Regelungen kommt, zu denen wir Ja sagen können". Dabei würde in West-Berlin nichts von dem aufgegeben werden, was in vielen Jahren erworben worden sei.

1971

In Ost Berlin versammeln sich auf dem Bebelplatz und Unter den Linden anläßlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Faschismus mehr als 120 000 Menschen zur traditionellen Kundgebung, die in diesem Jahr unter der Losung steht: "Alles für unseren sozialistischen Friedensstaat, die Deutsche Demokratische Republik! Für Demokratie und Sicherheit _ gegen imperialistische Aggression, Revanchismus und Neofaschismus!" Zu den Teilnehmern der Kundgebung spricht unter anderen SED Politbüromitglied Friedrich Ebert.

1971

Die 21. (West )Berliner Festwochen werden mit einem Konzert des Israel Philharmonic Orchestra in der Philharmonie eröffnet. Es handelt sich um das erste Konzert des Orchesters in Deutschland. Ein kleines Spezialfestival innerhalb der Festwochen sind die "Tage des Internationalen Theaters" vom 13. bis 30. September. Zu den interessantesten Aufführungen der Festwochen zählt Samuel Becketts Eigeninszenierung seiner "Glücklichen Tage" in der Werkstatt des Schiller Theaters. Als Beitrag zu den Festwochen zeigt der Neue Berliner Kunstverein gemeinsam mit der Neuen Nationalgalerie die Ausstellung "Metamorphose des Dinges", die in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist und die einen Einblick in die Entwicklung der bildenden Kunst der letzten 60 Jahre gibt.

1972

Das Zentralkomitee der SED und der Ministerrat der DDR geben in der Dynamo-Sporthalle in Berlin-Weißensee einen Empfang für die aus München zurückgekehrte Olympia-Mannschaft der DDR. (Vgl. 9. August, 19. August.) Die XX. Olympischen Sommerspiele wurden am 11. September beendet. Die Sportlerinnen und Sportler aus der DDR erreichten mit 20mal Gold, 23mal Silber und 23mal Bronze den dritten Platz in der Medaillen-Bilanz.

Der Senat stimmt in seiner 69. Sitzung der Gründung eines "Deutschen Instituts für Urbanistik" durch den Deutschen Städtetag zu und erklärt sich zur Zahlung einer jährlichen Umlage bereit. Das Institut soll seinen Sitz in West-Berlin erhalten und auf dem Kommunalwissenschaftlichen Forschungszentrum aufbauen, das der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. in West-Berlin unterhält. Aufgabe des Instituts wird es nach den Vorstellungen des Senats sein, im Interesse der Städte und Gemeinden die Grundprobleme der Kommunen zu erforschen und die Ergebnisse eigener und fremder Forschungen zu koordinieren.

1976

Anläßlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Faschismus versammeln sich auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte 120 000 Menschen zur traditionellen Kundgebung, die in diesem Jahr unter der Losung steht: "Im Kampf für Sozialismus und Frieden erfüllt die Deutsche Demokratische Republik das Vermächtnis der antifaschistischen Widerstandskämpfer!" Zu den Teilnehmern der Kundgebung spricht unter anderen das SED-Politbüromitglied Willi Stoph, Vorsitzender des Staatsrats der DDR.

Am "Tag der Heimat" findet in der Charlottenburger Sporthalle (Sömmeringstraße) die zentrale bundesdeutsche Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen statt. Vor rund 3 000 Zuhörern betont der Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, Otto von Habsburg, daß die Heimatvertriebenen mehr als andere Volksgruppen "Träger des europäischen Gedankens" seien. Der Redner plädiert für ein uneingeschränktes Wahlrecht auch für West-Berliner bei den geplanten Wahlen zum Europäischen Parlament.

1978

Wie der Senat in seiner 65. Sitzung beschließt, soll das Hochhaus des "Steglitzer Kreisels" nunmehr ausschließlich vom Bezirksamt Steglitz genutzt werden.

Im Alter von 75 Jahren stirbt in West-Berlin der Schauspieler O. E. Hasse, der in unzähligen Theaterinszenierungen und in über 50 Filmen zu sehen war.

1980

Der britische Fernsehsender BFBS-TV beginnt mit seinem Programm. In Berlin können jetzt acht Fernsehprogramme empfangen werden.

1982

Zur traditionellen Kundgebung am Internationalen Gedenktag für die Opfer des Faschismus versammeln sich auf dem Bebelplatz in Ost-Berlin rund 100000 Menschen, wo in diesem Jahr SED-Politbüromitglied Axen, Generaloberst Sheltow für die sowjetischen Kriegsveteranen und der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer, Banfi, sprechen.

1983

Auf ihrer Herbsttagung im Reichstag erörtert die CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter ihrem Vorsitzenden Dregger vor allem Konzepte zur drastischen Verringerung von Schadstoffen in Luft und Wasser sowie Abwehrmaßnahmen gegen das bedrohlich anwachsende Waldsterben, z. B. durch die Einführung bleifreien Benzins ab 1986.

1984

Die 22. Große Strafkammer des Berliner Landgerichts verurteilt zwei Gynäkologen der FU-Frauenklinik in der Pulsstraße zu Freiheitsstrafen von jeweils 27 Monaten ohne Bewährung, weil sie beide für überführt hält, in der Nacht zum 23. Dezember 1983 eine 35jährige Anästhesistin in ihrem Dienstzimmer aufgesucht und unter Gewaltanwendung vergewaltigt zu haben. Dieser seit dem 15. Juni dauernde Prozeß mit insgesamt 13 Verhandlungstagen findet wegen des Tathergangs im Krankenhausmilieu und der Persönlichkeit der drei Beteiligten in der Öffentlichkeit ein außerordentlich starkes Interesse.

1985

Auf der 27. Jahrestagung des 1958 gegründeten Londoner Institute for Strategie Studies im Hotel Inter-Continental - an ihr beteiligen sich 325 der insgesamt 2500 Mitglieder aus 79 Ländern -, die hinter verschlossenen Türen und auch ohne jede Pressebeteiligung oder -Information stattfindet, sprechen u.a. NATO-Oberbefehlshaber General Rogers, Bundesverteidigungsminister Wörner, US-Botschafter Burt (vgl. 13. September) und der SPD-Bundestagsabgeordnete Voigt. TASS protestiert in einem Kommentar gegen "diesen neuerlichen Akt der Provokation der Atlantisten auf dem Territorium West-Berlins" als eine massive Verletzung der Gru Adbestimmungen des Vier-Mächte-Abkommens, denn die Stadt bilde keinen Bestandteil der Bundesrepublik und dürfe nicht in die Aktivitäten der NATO einbezogen werden.

1986

Auf dem Landesparteitag der Berliner CDU im Palais am Funkturm (vgl. 24. Mai) appelliert der Regierende Bürgermeister Diepgen an seine Partei, für die Bundestagswahl am 25. Januar 1987 um jede Stimme zu kämpfen, denn "die Sache ist noch nicht gelaufen". Im Kern gehe es bei dieser Entscheidung um die Frage, ob die Bundesrepublik ein "zukunftsfähiges Aufsteigerland bleibe und nicht mit der SPD zum Aussteigerland" werde. Bei der Nominierung der der Berliner CDU zustehenden Bundestagsmandate erhalten Lieselotte Berger 337, Peter Lorenz und Heinrich Lummer je 334, Günter Straßmeir 283, Joachim Kaiisch 269, Gerhard Schulze 264, Helmut Buschbom 235, Peter Kittelmann 233, Peter Neuling 232, Gero Pfennig 228 und Jochen Feilcke 211. Stimmen.

1987

Der neue sowjetische Verteidigungsminister Jasow erörtert bei seinem ersten Besuch in Ost-Berlin mit seinem DDR-Kollegen Keßler "aktuelle Fragen der militärpolitischen Lage"; zugleich versichert er, daß die Sowjetunion ihren Beitrag zur Bewahrung der Menschheit vor einer nuklearen Katastrophe leisten und im übrigen "fortwährenden Schutz... für ihre Bruderländer" bieten werde. Tags daraufsucht Jasow DDR-Staats- und Parteichef Honecker zu einem Meinungsaustausch auf,wobei ihn dieserüberseine Gespräche in derBundesrepublik informiert (vgl. 8. September).

1989

Nachdem die ungarische Regierung in der Nacht vom 10. auf den 11. September vorübergehend "die betreffenden Bestimmungen" eines 1969 zwischen Ungarn und der DDR geschlossenen Abkommens suspendiert hat und dadurch die Ausreise mehrerer tausend DDR-Bürger über Österreich in die Bundesrepublik ermöglicht, veröffentlicht ADN einen Kommentar unter der Überschrift "Der aus der BRD" und einen Korrespondentenbericht aus Passau mit der Überschrift "Provokation gegen die DDR stabsmäßig organisiert. Eiskaltes Geschäft mit DDR-Bürgern - Silberlinge aus Ungarn". Der Kommentar betrachtet die "Nacht- und Nebel-Aktion" als illegal, als Verletzung internationaler Verträge und Vereinbarungen sowie als eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR, als unter dem Vorwand humanitärer Erwägungen "organisierten Menschenhandel", und stellt zugleich fest, daß sich Vertreter Ungarns "dazu verleiten ließen", diese "von der BRD von langer Hand vorbereitete Aktion zu unterstützen". Der Korrespondentenbericht behauptet, unter der Bevölkerung Bayerns hätten angesichts des "hysterischen Rummels um die sogenannten Flüchtlinge" Ablehnung und sogar Verbitterung zugenommen, Gruppen von Bürgern immer wieder "Empörung über die mit dieser Kampagne verbundene Heuchelei" geäußert. Ost-Berliner Blätter drucken zudem einen TASS-Kommentar nach, der in den Sätzen gipfelt: "Die DDR ist ein untrennbares Glied des Warschauer Vertrages, unser treuer Freund und Verbündeter. Das muß allen klar sein, die versuchen, die Souveränität der DDR und ihre Unabhängigkeit anzutasten." Außenamtssprecher Gerassimow allerdings nennt die ungarische Entscheidung einen "ebenso unerwarteten wie ungewöhnlichen Schritt"; er enthält sich jedoch jeder Kritik daran: Obwohl die Lage zu Besorgnis Anlaß gebe, "berührt uns das nicht". Hingegen solidarisiert sich das in Ost-Berlin weilende KPdSU-Politbüromitglied Ligatschow, der als stärkster Gegenspieler von Generalseskretär Gorbatschow gilt, mit der DDR-Führung. Er bekräftigt die Souveränität und Unantastbarkeit der DDR und fordert "die Notwendigkeit der Respektierung der DDR-Staatsbürgerschaft und die Unverletzlichkeit der Grenzen".

1990

Die Außenminister beider deutscher Staaten - Hans-Dietrich Genscher (Bundesrepublik Deutschland) und Lothar de Maizière (DDR) - und der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs - James A. Baker (USA), Roland Dumas (F), Douglas Hurd (GB) und Eduard Schewardnadse (UdSSR) - unterzeichnen in Moskau zum Abschluß der "Zwei-plus-Vier"-Gespräche (vgl. 5./6. Mai) den Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland, den sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag. Mit dem Vertrag, der nach Ratifizierung durch die Parlamente der vier Siegermächte in Kraft tritt, erhält Deutschland seine volle Souveränität. Ihre Sonderrechte wollen die Siegermächte bereits am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Vereinigung, aussetzen.

Im Rahmen seines Deutschland-Besuches auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung trifft der Sandinistenführer und frühere Staatspräsident von Nicaragua, Daniel Ortega, in Berlin zu einem Gespräch mit Bürgermeisterin Ingrid Stahmer zusammen. Vor Journalisten betont Ortega, die Dritte-Welt-Länder dürften über dem Reorganistaionsprozeß Europas nicht vergessen und an den Rand des Dialogs gedrängt werden.

Die Besetzer der ehemaligen Stasi-Zentrale in Ost-Berlin treten in einen Hungerstreik. (Vgl. 4. September.)

1991

Im Mittelpunkt der 13. Sitzung des Abgeordnetenhauses (12. Wahlperiode) ? der ersten Parlamentssitzung nach der Sommerpause ? steht die Bewerbung Berlins für die Olympischen Sommerspiele im Jahre 2000. (Vgl. 7. März.) Während der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und sein Vorgänger, der SPD-Landesvorsitzende Walter Momper, sich hinter die Bewerbung stellen, fordert die Fraktion Bü 90/Grüne eine Rücknahme der Bewerbung. PDS und F.D.P. üben heftige Kritik am Konzept.
   Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD wird eine Entschließung verabschiedet, in der das Abgeordnetenhaus die Bewerbung für die Spiele ausdrücklich begrüßt. PDS und F.D.P. enthalten sich, die Fraktion Bü 90/Grüne stimmt ebenso wie die Gruppe "NEUES FORUM/Bürgerbewegung" dagegen.

1991

Mehr als 300 000 Menschen sehen im Alten Museum am Lustgarten (Berlin-Mitte) die Ausstellung "Rembrandt ? Der Meister und seine Werkstatt". Veranstaltet wird die Exposition, die die größte Anzahl von Werken des ? 1606 im holländischen Leiden geborenen ? Malers Rembrandt umfaßt, die jemals in einer Schau gleichzeitig versammelt waren, von der Gemäldegalerie und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen Berlin, dem Rijksmuseum Amsterdam und der National Gallery London. Gezeigt werden 46 Gemälde, 40 Zeichnungen und 40 Radierungen Rembrandts sowie 28 Gemälde und elf Zeichnungen seiner Schüler. Die lichtempfindlichen Zeichnungen werden bis zum 27. Oktober, die Gemälde bis zum 10. November gezeigt. Die Ausstellung ist später in Amsterdam und in London zu sehen.

1992

An die von den Nationalsozialisten ermordeten Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik erinnern vor dem Reichstagsgebäude 97 hintereinander aufgestellte Gedenktafeln. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative "Perspektive Berlin", Lea Rosh, übergibt das Denkmal der Öffentlichkeit und würdigt dabei die finanzielle Hilfe des DGB, der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten und des Bezirksamts Tiergarten. (Vgl. 26. Februar.)

1992

Im Reichstagsgebäude findet die 15. Konferenz der Sozialistischen Frauen-Internationale (SIW) statt. Die belgische Parlamentsabgeordnete und Vorsitzende der Frauenorganisation der Sozialistischen Partei ihres Landes, Anne-Marie Lizin, wird zur neuen Präsidentin gewählt. Die bisherige Amtsinhaberin, die Schwedin Anita Gradin, stellte sich nicht zur Wiederwahl.
   Die Konferenz befaßt sich unter anderem mit der Auflösung der traditionellen Familienstrukturen und der Situation alleinerziehender Frauen.

1993

Unter dem Motto "Seid wachsam _ schützt die Demokratie" steht im Lustgarten in Berlin-Mitte der diesjährige "Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung". Viele Tausende kommen. Über 150 Organisationen und Initiativen sind mit Ständen präsent.

Der neue Titelträger in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) heißt Nicola Larini (Italien). Vor 23?000 Zuschauern sichert sich der Alfa-Romeo-Pilot auf der Avus die Trophäe bereits vor dem Finale am 19. September auf dem Hockenheim-Ring in Baden-Württemberg.

12. September - 12. Dezember
   Die Ausstellung "Japan und Europa 1543 - 1929" im Martin-Gropius-Bau (Berlin-Kreuzberg), im Rahmen der 43. Berliner Festwochen eröffnet und von den Berliner Festspielen in enger Zusammenarbeit mit dem japanischen Kulturministerium und der Japan Foundation veranstaltet, dokumentiert die kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Europa. Viele der rund 700 Exponate _ darunter Stellschirme, Gemälde, Zeichnungen, Porzellan, Lackarbeiten, Möbel, Handschriften und Bücher _ wurden bisher niemals öffentlich ausgestellt. Neben rund 80 japanischen Museen und Sammlungen sind Leihgeber aus 15 europäischen Ländern und den USA beteiligt. Über 200?000 Besucher werden gezählt.

1996

Im Abgeordnetenhaus (13. Sitzung, 13. Wahlperiode) plädiert die CDU-Fraktion in einer Aktuellen Stunde zum Thema "Die Herausforderung in der Mitte der Mitte: der Schloßplatz" für einen Wiederaufbau der Fassade des Stadtschlosses. (Vgl. 8. Jan. 1996.) Dies sei "nicht Disneyland, sondern Heilung, Wiedergutmachung eines barbarischen Umganges mit Stadtoberfläche", sagt der CDU-Abgeordnete Uwe Lehmann-Brauns.

1997

Bundespräsident Roman Herzog hat 5 000 Erfinder, Techniker und Wissenschaftler zum "Fest der Ideen" in den Park des Schlosses Bellevue (Berlin-Tiergarten) eingeladen. "Ideen sind der Rohstoff, aus dem unsere Zukunft gemacht wird", sagt Herzog.

1997

Zum 350jährigen Jubiläum des Boulevards Unter den Linden findet ein Straßenfest statt, zu dem Zehntausende kommen. Auf der 1,3 Kilometer langen Festmeile herrscht dichtes Gedränge. Auf mehreren Bühnen können die Besucher Attraktionen, Musik und Kabarett aus 350 Jahren verfolgen. Höhepunkt ist ein rund einstündiger historischer Festumzug mit etwa 1 000 Darstellern.
Mit diversen Verschönerungsmaßnahmen wollen das Land, die Arbeitsgemeinschaft Unter den Linden und die Gesellschaft Historisches Berlin die Straße bis zum Jahre 2000 wieder zum Prachtboulevard Berlins gestalten.

1999

Zum zehnten Mal seit dem Fall der Mauer wird der Aktionstag gegen Rassismus und Neonazismus durchgeführt (Organisator: ein Bündnis kirchlicher und antifaschistischer Gruppen und Vereine). Vor dem Berliner Rathaus gibt es Diskussionen, Unterhaltung, einen Schriftstellerbasar und ein Kinderfest. An 120 Ständen stellen sich Organisationen vor. Der frühere DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz signiert sein Buch "Herbst '89". Tausende besuchen die Veranstaltung.
Vertreter der Internationalen Liga für Menschenrechte errichten am Südportal des Reichstagsgebäudes ein symbolisches Mahnmal, mit dem an die Verfolgung von Sinti und Roma während der NS-Zeit erinnert werden soll.

2003

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Antje Vollmer, und Ulrich Bopp, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, eröffnen im Berliner Rathaus den ersten Berliner Stiftungstag. Den Festvortrag hält der Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin, der Historiker Jürgen Kocka (Thema: "Die Rolle der Stiftungen in der Bürgergesellschaft der Zukunft").

1 000 Tage vor dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2006 eröffnen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Präsident des Organisationskomitees der Fußballweltmeisterschaft 2006, Franz Beckenbauer, auf dem Pariser Platz einen riesigen begehbaren Fußball, der sich in der Nacht zu einer leuchtenden Weltkugel verwandelt. Im Inneren des von dem österreichischen Künstler André Heller gestalteten Fußball-Globus finden sich interaktive Spiele, virtuelle Installationen und großflächige Projektionen.
   Am 3. November wird der Fußball-Globus, in dem mehr als 100 000 Menschen waren, abgebaut. Er soll nun in die anderen Austragungsstädte der Weltmeisterschaft 2006 rollen. Das nächste Ziel ist Frankfurt am Main.

2004

Ein großer Empfang krönt das 63. Internationale Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat Athleten, darunter mehr als 30 Olympia-Medaillengewinner aus Athen (vgl. 13.-29. August), zum Abschluss des ISTAF in die Mercedes-Benz-Niederlassung am Salzufer (Charlottenburg) eingeladen.

2007

Tumultartige Szenen spielen sich bei der Eröffnung des neuen Einkaufszentrums "Alexa" am Alexanderplatz ab. Rund 5 000 Schnäppchenjäger stürmen um Mitternacht den Eingang eines Elektronikfachmarkts. Eine Glastür wird eingedrückt, es gibt mehrere Verletzte.

2011

Im Besselpark in Kreuzberg nimmt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Stahlskulptur »Tilted Donut Wedge with Two Balls« des US-amerikanischen Künstlers Fletcher Benton als Schenkung für Berlin entgegen. Benton lebt in San Francisco und gilt als führender Vertreter des amerikanischen Neokonstruktivismus. Er hat eine Vielzahl von prominenten Projekten im öffentlichen Raum realisiert. Vom 8. Mai bis 19. Juni zeigte das Georg-Kolbe-Museum seine Werkserie »Alphabet«.

2012

Im Wappensaal des Berliner Rathauses empfängt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit das Berliner Team der XIV. Paralympischen Sommerspiele, die vom 29. August bis 9. September in Berlins Partnerstadt London ausgetragen wurden. Berlin war bei den Paralympics durch 18 Behindertensportlerinnen und -sportler aus Berliner Vereinen bzw. mit Trainingsmittelpunkt in Berlin vertreten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen sich in das Gästebuch der Stadt ein. Mit 13 Medaillen (ein Mal Gold, zehn Mal Silber, zwei Mal Bronze) kehrten die Berliner Paralympics-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer aus London zurück. Erfolgreichste Berliner Teilnehmerin mit je ein Mal Gold und Silber war die Schwimmerin Daniela Schulte. Bei der Eröffnungsfeier hatte sie die deutsche Fahne getragen.

2013

Im Alter von 72 Jahren stirbt in Berlin der Schauspieler Otto Sander, einer der großen Charakterdarsteller des deutschsprachigen Theaters. Sander zählte von 1970 bis 1979 zum Ensemble der Berliner Schaubühne und spielte dort vor allem unter der Regie von Peter Stein mit Schauspielern wie Edith Clever, Bruno Ganz und Jutta Lampe. Er wirkte auch in vielen Filmen mit, darunter in »Die Blechtrommel« von Volker Schlöndorff (1979), »Das Boot« von Wolfgang Petersen (1981) und »Der Himmel über Berlin« von Wim Wenders (1987). Mit seiner sonoren Stimme schuf er sich auch einen Ruf als Synchron- und Hörspielsprecher. Am 28. September findet eine Trauerfeier im Berliner Ensemble statt. Hunderte Trauergäste gehen anschließend über die abgesperrte Friedrichstraße zum Dorotheenstädtischen Friedhof, unter anderen die Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Uwe Ochsenknecht, die Sänger Klaus Hoffmann und Udo Lindenberg sowie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof wird Sander neben dem Regisseur Frank Beyer (1932–2006) beigesetzt.

2014

Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, wird vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit im Berliner Rathaus empfangen. Nach der Eintragung in das Gästebuch der Stadt spricht Klitschko mit Wowereit über die aktuelle Lage in der Ukraine. Wowereit kündigt an, Berlin werde Kiew weiterhin bei der Bewältigung städtischer Aufgaben helfen. »Insbesondere braucht Kiew Fahrzeuge für die Müllabfuhr, die Straßenreinigung und den Winterdienst. Wir prüfen nun, in welchem Umfang Berlin hier helfen kann«, so der Regierende Bürgermeister.

2015

»Lollapalooza«, ein Musikfestival, das 1991 in den USA gegründet wurde, findet erstmals auch in Europa statt, auf dem Gelände des einstigen Tempelhofer Flughafens in Berlin. Bands wie Deichkind und Seeed treten auf. Beide Festivaltage sind bereits vorab ausverkauft.

2021

ISTAF Berlin im Olympiastadion in Charlottenburg. Das Leichtathletik-Sportfest wird 100: 1921 organisierten der Berliner SC, der SC Charlottenburg und der Schwimm-Club Poseidon im damaligen Grunewald-Stadion das erste Internationale Stadionfest – mit Leichtathletik- und Schwimmwettbewerben. Meetingdirektor Martin Seeber: »Gegründet in den wilden 20er Jahren im gerade geschaffenen Groß-Berlin, etabliert nach den Olympischen Spielen 1936, neu gestartet nach dem Krieg, getragen von der Idee des internationalen Miteinanders, beeinflusst durch den Kalten Krieg, weiterentwickelt durch technische Innovationen und euphorisiert durch den Mauerfall: Das ISTAF hat im Laufe der 100 Jahre auch Berliner und deutschdeutsche Geschichte gespiegelt. Stets im Mittelpunkt: die Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt, begeistert gefeiert von dem fairen und weltoffenen Berliner Publikum.«


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.landesarchiv-berlin-chronik.de (Stand: 12.09.2026)