Was geschah am 30.04. im Jahr ...

1945

Adolf Hitler begeht im Bunker der Reichskanzlei Selbstmord.

Sowjetische Truppen hissen die rote Fahne auf dem Reichstagsgebäude.

Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Dr. Willy Kramm zum Bezirksbürgermeister von Tempelhof.

Der sowjetische Bezirkskommandant ernennt Karl Erdmann zum Bürgermeister des Ortsteiles Marienfelde.

1946

Die Alliierte Kommandantur erläßt mit den Befehlen BK/O (46) 192, 193, 194, 196 und 197 weitere Bestimmungen zur Entnazifizierung. Sie genehmigt die Ernennung der Mitglieder der Entnazifizierungskommission beim Magistrat sowie der Mitglieder der bei dieser zu bildenden Unterkommissionen für Mediziner und für Juristen. Ferner weist die Alliierte Kommandantur den Magistrat an, alle früher ausgestellten provisorischen Entlastungsbescheinigungen für ehemalige Mitglieder der nationalsozialistischen Partei einzuziehen und der Kommandantur zu übergeben.
Weiter soll der Alliierten Kommandantur ein Verzeichnis sämtlicher von den Entnazifizierungsbestimmungen betroffenen Personen eingereicht und im Polizeipräsidium eine Kartei über diesen Personenkreis angelegt werden.

Mit den Befehlen BK/O (46) 191 und 199 erklärt die Alliierte Kommandantur den Magistratsbeschluß über die Einsetzung treuhänderischer Geschäftsführer für unwirksam. Sie genehmigt die vom Magistrat beschlossene vierte Berliner Stadtlotterie.

Das bisher gültige Verbot des privaten Kraftfahrzeugverkehrs an Sonntagen erfährt mit BK/O (46) 198 eine Änderung, nach der private Kraftfahrzeuge zwischen 21 Uhr sonnabends und 5 Uhr montags nur mit besonderer schriftlicher Genehmigung verkehren dürfen. Die Genehmigung erteilt nach strenger Auswahl der Polizeipräsident.

Die amerikanische Militärregierung erkennt das weitere Bestehen der Berliner SPD als bereits zugelassene Partei an. Nur ihre am 7. April gewählte neue Leitung müsse noch von der Alliierten Kommandantur bestätigt werden. Die KPD gilt mit ihrer Entscheidung für die Verschmelzung als aufgelöst. Jedoch darf sie im amerikanischen Sektor noch Mitgliederversammlungen veranstalten, soweit sie nicht unter der Bezeichnung der noch nicht zugelassenen SED stattfinden.

Zu Ehren des scheidenden britischen Oberbefehlshabers und Militärgouverneurs in Deutschland, Feldmarschall Viscount Bernard Law Montgomery of Alamein, der zum Chef des Empire-Generalstabes ernannt worden ist, findet auf dem Flugplatz Gatow im britischen Sektor eine Abschiedsparade britischer Truppen statt.

Die von der britischen Militärregierung herausgegebene Tageszeitung "Der Berliner" stellt ihr Erscheinen ein.

Der sowjetische Stadtkommandant, Generalmajor Kotikow, ordnet in einem Befehl an den Magistrat an, die Unterweisung in Gegenwartspolitik in allen Schulen einzustellen und binnen zwei Wochen alle Lehrer, die mit dem Unterricht über den Nürnberger Prozeß beauftragt sind, auf ihre antifaschistische Einstellung zu überprüfen. Ferner kündigt Kotikow an, daß künftig alle Schulen, in denen faschistische Äußerungen getan und faschistische Bücher aufbewahrt werden, aufgelöst und die Schulleiter zu strenger gerichtlicher Verantwortung gezogen würden.
Anlaß zu diesen Anordnungen war ein im gleichen Befehl behandelter Zwischenfall in einer Mittelschule in Niederschöneweide. Dort hatten nach sowjetischer Darstellung in einer Unterrichtsstunde über Gegenwartspolitik mehrere Schüler der Klasse 6 A sich "in faschistischem Geiste gegen die Verbündeten" geäußert und der Lehrer eine Diskussion hierüber zugelassen. Im Zuge einer darauffolgenden Untersuchung wurde außerdem in der Schulbibliothek "faschistische Literatur" festgestellt. Generalmajor Kotikow ordnet an, die Leiterin der betreffenden Schule ihres Dienstes zu entheben, sechs Schüler der Klasse 6 A von der Schule zu verweisen und den Leiter der Abteilung für Volksbildung des Bezirks Treptow wegen mangelnder Aufsichtspflicht sowie den betreffenden Lehrer zu bestrafen.

Das für den Dienstgebrauch der Polizei bestimmte Blatt "Amtliche Nachrichten des Polizeipräsidiums in Berlin" erscheint zum ersten Male. Es wird entsprechend dem Bedarf in unregelmäßigen Zeitabständen herausgegeben.

Premiere von Shakespeares "Wie es Euch gefällt" in der Inszenierung von Boleslaw Barlog im Schloßpark-Theater. In den Hauptrollen spielen Gudrun Genest und Hans Söhnker.

Während die KPD in den Monaten März und April über die Presse, den Berliner Rundfunk sowie durch Plakate, Transparente, Unterschriftensammlungen in den Betrieben, Massenversammlungen und andere publizistische Mittel eine massive Propagandaaktion für die Vereinigung von SPD und KPD durchführt, werden in der in den Westsektoren erscheinenden deutschen Presse zum ersten Male unter Duldung durch die westlichen Besatzungsmächte Stimmen einer unverhüllten Kritik und Bloßstellung der totalitären Methoden und Ziele der KPD laut. An erster Stelle setzen sich der "Tagesspiegel" unter Erik Reger, der "Telegraf" unter Arno Scholz sowie die Jugendzeitschrift "Horizont" unter Dr. Günther Birkenfeld entschieden für den Aufbau einer echten Demokratie in ganz Berlin ein.
Gleichzeitig werden die im sowjetischen Sektor erscheinenden Zeitungen der CDU und LDP, "Neue Zeit", jetzt unter Wilhelm Gries als Chefredakteur, sowie "Der Morgen" unter Wilhelm John, durch die sowjetische Besatzungsmacht zunehmend in ihrer Meinungsäußerung beschränkt. Dies geschieht unter anderem durch willkürliche Festsetzung der Papierzuteilung oder durch die Verringerung der Auflagen in Fällen unerwünschter Äußerungen.

Auf dem "Schwarzen Markt" sind im April 1946 nach einer Aufstellung der Polizei unter anderem folgende Preise üblich: 1 kg Brot 70 RM, 1 kg Butter 800 RM, 1 kg Weizenmehl 60 RM, 1 kg Schweinefleisch 300 RM, 1 Zigarette 7 bis 13 RM, 1 Liter Likör 500 RM, ein Anzug oder Kostüm aus Wolle 3000 RM und aus Baumwolle 1000 RM, ein Paar Halbschuhe 600 bis 800 RM.

Im Rahmen des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes wird im April eine Gewerkschaft für Kunst und Schrifttum gegründet, in der sich die Bühnengenossenschaft, der Verband der bildenden Künstler, der Schutzverband deutscher Schriftsteller, die Internationale Artistenloge und der Verband der deutschen Presse zusammenschließen.

Im April erscheint im 69. Jahrgang zum ersten Male nach dem Krieg wieder die "Deutsche Rundschau". Sie wird mit britischer Lizenz von Dr. Rudolf Pechel herausgegeben. Die Zeitschrift war im April 1942 vom nationalsozialistischen Regime verboten und Pechel verhaftet worden.

1947

Die Alliierte Kommandantur befiehlt durch BK/O (47) 106 die Neugestaltung der Magistratsverordnung Nr. 463 über die Durchführung des Kontrollratsgesetzes Nr. 18 - Wohnungsgesetz - (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 8.3.1946), da sie nicht im Geiste des Gesetzes entworfen ist. Nach dem von ihr beigefügten Kommentar ist unter anderem jeder neue Mietvertrag, Wohnungstausch und Beendigung eines Mietvertrages dem Wohnungsamt zur Genehmigung zu melden. Ferner ist ohne besondere Anordnung der Alliierten Kommandantur beziehungsweise Zustimmung der Sektorenkommandanten jeder Zuzug nach Berlin bis auf weiteres untersagt.

Die Alliierte Kommandantur erläßt durch BK/O (47) 114 Anweisungen zur Kontrolle von Preisen und Preiserhöhungen, für die weiterhin das Preisniveau vom 9. Mai 1945 gültig ist. Der Magistrat wird aufgefordert, die Gewerkschaften, Frauenverbände, Verbrauchergenossenschaften und sonstige öffentliche Organisationen zur Kontrolle der Preise heranzuziehen sowie innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt dieser Anordnung Verordnungsentwürfe zur Kontrolle über die Einhaltung der festgelegten Preise und über Strafmaßnahmen bei Verstößen vorzulegen.

Die Alliierte Kommandantur teilt durch BK/O (47) 112 dem Oberbürgermeister mit, daß die Angelegenheit der im sowjetischen Sektor verhafteten deutschen Studenten durch die sowjetischen Besatzungsbehörden untersucht wird.

Wie aus dem Aprilbericht der britischen Kontrollkommission für Deutschland hervorgeht, hat die sowjetische Militärregierung dem Magistrat den Befehl erteilt, die Ernährung des sowjetischen Sektors von der der anderen Sektoren zu trennen.

Im amerikanischen Sektor schließen sich die Organisationen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege zu einer Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände zusammen.

Die amerikanische Militärregierung, erläutert in ihrem Monatsbericht für April die verschiedenartigen Auffassungen, der vier alliierten Besatzungsmächte bei der Auslegung der Berliner Vorläufigen Verfassung. Während die amerikanische und britische Militärregierung in der Alliierten Kommandantur im Koordinierungsausschuß und im Kontrollrat in Bejahung der politischen Abhängigkeit den städtischen Behörden innerhalb gewisser von den Besatzungsmächten festgelegten Grenzen das Recht der Selbstbestimmung zugestehen, fordert die sowjetische Militärregierung in vielfacher Übereinstimmung mit der französischen Militärregierung, daß alle Gesetze, Verordnungen, Anweisungen und Bestimmungen vor ihrer Bekanntgabe von den genannten alliierten Behörden zu genehmigen sind.

1948

Die Alliierte Kommandantur lehnt mit BK/O (48) 68 die Zulassung der nichtpolitischen Organisationen "Berliner Blindenverband", "Blindenhilfswerk Berlin" und "Allgemeiner Blindenverein e. V." ab. Sie ordnet mit BK/O (48) 69 die Registrierung aller zu Sport- und Vergnügungszwecken benutzten Wasserfahrzeuge an.

Die sowjetische Zentralkommandantur verbietet durch Befehl Nr. 173 dem Leiter des Hauptamtes I der Abteilung für Post- und Fernmeldewesen des Magistrats, Wilhelm Schimmel (SPD), das Betreten der Postanstalten des sowjetischen Sektors, nach vorangegangenen heftigen Angriffen gegen seine Person und seine Amtsführung.

Die amerikanische Tauschzentrale "Barter Center" in Dahlem stellt ihre Tätigkeit ein.

Der Rat der Bezirksbürgermeister benennt zu stimmberechtigten Vertretern in der Hauptversammlung der Verwaltungsakademie die Bürgermeister Dr. Fritz Schloß (Tiergarten) und Albert Herlitz (Charlottenburg). Zur Obstpflichtabgabe von Gartenbesitzern hatte die Abteilung für Ernährung dem Rat der Bezirksbürgermeister mitgeteilt, daß im Jahre 1947 das Ablieferungssoll freiwillig um etwa 20 Prozent überschritten wurde, da die Ablieferer ein besonderes Bezugsrecht für Zucker erhielten.

Wiederaufnahme des elektrischen S-Bahn-Verkehrs auf der im Sommer 1945 demontierten Strecke zwischen Köpenick und Friedrichshagen.

Von etwa 85 000 eingereichten Entnazifizierungsanträgen wurden bis jetzt 40 246 erledigt. Rund 70 Prozent der Antragsteller konnten entlastet werden.

1949

Der britische Stadtkommandant, Generalmajor Bourne, protestiert bei dem sowjetischen Stadtkommandanten, Generalmajor Kotikow, gegen den Überfall auf das Stadtgut Karolinenhöhe.

Der stellvertretende britische Stadtkommandant, Brigadier Benson, und der Leiter der Transportabteilung der Sowjetischen Militäradministration, Generalmajor Kwaschnin, treffen nach den Zwischenfällen an den Schleusen im britischen Sektor die Vereinbarung, daß Wasserfahrzeuge der westlichen Sektoren auf den Wasserstraßen des britischen Sektors in Zukunft nicht mehr behindert werden dürfen.

Ein britisches Transportflugzeug der Luftbrücke stürzt auf dem Flug nach Westdeutschland in der Höhe von Nauen in der sowjetischen Besatzungszone ab. Die vier Besatzungsmitglieder finden den Tod.

Die Arbeiterwohlfahrt der Stadt Berlin gibt auf ihrer Hauptdelegiertenversammlung im Grand-Casino am Zoo einen Rechenschaftsbericht über die bisher geleistete Arbeit. Als Gäste bringen Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr, Frau Stadtrat Dr. Lüders, Propst Heinrich Grüber und der Charlottenburger Bezirksbürgermeister Horlitz zum Ausdruck, daß die Arbeiterwohlfahrt über die Sektorengrenzen hinaus zum Wohle aller Berliner wirke.

Die aus ihrer Emigration in den Vereinigten Staaten zurückgekehrte Gründerin der Organisation, Maria Juchacz (SPD), betont, daß die gegenwärtige Not zu allgemeiner menschlicher Verbundenheit führen müsse.

Zur Vorsitzenden der Berliner Arbeiterwohlfahrt wird erneut Ida Wolff und zu ihren Stellvertretern Louise Schroeder und Franz Neumann wiedergewählt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, 6.3.1948).

Premiere der Revue "Berlin - WWeh" mit Texten von Günther Neumann und der Musik von Rudolf Nelson im Theater am Kurfürstendamm, mit Eric Ode, Walter Groß, Bruno Fritz, Ethel Reschke und Tatjana Sais.

Die Wechselstuben verkaufen 1 DM (West) für 4 DM (Ost). Der Monatsdurchschnitt liegt im April bei 1:4,15.

Im April wurden 183 100 Nettotonnen Güter über die Luftbrücke nach Berlin eingeflogen. Der Tagesdurchschnitt lag bei 6103 Tonnen. Im gleichen Zeitraum wurden Waren im Werte von 8,8 Millionen DM (West) aus den drei westlichen Sektoren über die Luftbrücke ausgeflogen.

Die Arbeitslosenzahl in den westlichen Sektoren steigt während des Monats auf 156 320 Personen an.

Im Laufe des Monats werden in den westlichen Sektoren insgesamt 2516 Flüchtlinge aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet registriert.

1950

Das Zentralorgan der SED "Neues Deutschland" veröffentlicht unter der Schlagzeile "Gegen die Kriegshetzer in der evangelischen Kirche" ganzseitig "Leserbriefe" und einen eigenen Kommentar. Die Leserbriefe nehmen im Sinne der SED Stellung zu einer bereits am 23. April im "Neuen Deutschland" unter der Überschrift "Was kann die evangelische Kirche zur Erhaltung des Friedens tun?" abgedruckten Umfrage bei protestantischen Geistlichen anläßlich der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. In den am 23. April veröffentlichten und vom SED-Zentralorgan entsprechend kommentierten Äußerungen der Geistlichen, davon fünf Berliner Pfarrer, hatte sich die Mehrzahl der Befragten nicht eindeutig für die kommunistischen Friedensparolen ausgesprochen.
Die Redaktion der Zeitung beantwortet die "Leserbriefe" mit der Aufforderung an die Öffentlichkeit, sich "gegenüber den mörderischen Zweideutigkeiten einiger Teile der evangelischen Kirche" nicht zu "unbedachten Handlungen hinreißen zu lassen". Die Regierung der "Deutschen Demokratischen Republik" habe die Hoffnung auf eine Wandlung der betreffenden Kirchenkreise noch nicht aufgegeben.
Im Mittelpunkt dieses antikirchlichen Vorgehens steht der evangelische Pfarrer von Berlin-Johannisthal, Max-Georg Stelter, von dem die Zeitung unter anderem die Äußerung abgedruckt hatte: "Für mich gibt es noch etwas Höheres als den Frieden, und das ist die Freiheit."
Scharf kritisiert werden vom SED-Organ gleichzeitig die Ergebnisse der gesamtdeutschen evangelischen Synode, da die "Kirchenoberen" sich vom werktätigen Volk getrennt hätten und sich dem "wirklichen Kampf um den Frieden" entzögen oder ihm in den Rücken fielen.
Mit den Veröffentlichungen vom 23. und 30. April im Neuen Deutschland erreicht die Kampagne der SED gegen die Leitung der Evangelischen Kirche einen neuen Höhepunkt, nachdem sich in den vorausgegangenen Wahlen die Vertreter der Kirche in Schreiben und mehreren Gesprächen mit Vertretern der Regierung der sowjetischen Besatzungszone vergeblich um eine Klärung und Besserung des gegenseitigen Verhältnisses bemüht hatten.

Premiere von Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" in der Städtischen Oper, in der Kanstraße im Bezirk Charlottenburg. Unter der Regie von Heinz Tietjen und der musikalischen Leitung von Ferenc Fricsay singen in den Hauptpartien Rita Streich, Sari Barabas, Helmut Krebs, Erich Zimmermann und Ludwig Hofmann. Die Bühnenbilder besorgte Lothar Schenck von Trapp.

Auch im April setzen die Grenzkontrollbehörden der sowjetischen Besatzungszone ihre Behinderungen des Straßenverkehrs zwischen Westberlin und dem Bundesgebiet fort. 96 Kraftfahrzeuge werden auf ihrem Wege nach Westdeutschland wegen willkürlicher Beanstandungen der Warenladungen oder der Begleitpapiere nach Westberlin zurückgeschickt. Damit wird ein neuer Höchststand erreicht. Für Lastkraftwagen ergeben sich, an mehreren Tagen wegen schleppender Abfertigung an den Kontrollstellen Wartezeiten bis zu zwanzig Stunden. In einer Reihe von Fällen werden erneut Warenladungen, vor allem Schrott, von den Grenzbehörden beschlagnahmt.
Auch der Berliner Binnenschiffahrtsverkehr wird weiterhin gestört. Der Westberliner Schleppdampfer "Wilfried" wird am 12. April beim Passieren der Mühlendammschleuse im sowjetischen Sektor beschlagnahmt. In den Westsektoren müssen Westberliner Schiffe verschiedentlich noch immer mit Hilfe von Magistratsbeauftragten und Westberliner Polizei gewaltsam geschleust werden da die den Behörden des sowjetischen Besatzungsgebietes unterstehenden Schleusenmeister Schiffen, die nicht im sowjetischen Sektor registriert sind, die Schleusung verweigern.

Die kommunistische FDJ unternimmt im April in den drei Westsektoren Berlins weitere illegale Propagandaaktionen zur Vorbereitung des sogenannten "Deutschlandtreffens der Jugend" vor allem durch eine verstärkte Verbreitung von Flugblättern und durch Kleben von Plakaten mit kommunistischen Parolen. Eine Reihe von FDJ-Mitgliedern aus dem sowjetischen Sektor wird in West-Berlin bei ihrer illegalen Tätigkeit festgenommen und teilweise zu kurzen Haftstrafen verurteilt.

Die Zahl der Arbeitslosen in Westberlin geht im April um 13 701 auf 290 382 zurück, die der Kurzarbeiter um 12 003 auf 25 172. Im Berliner Notstandsprogramm, das am 17. April mit der Arbeit begann, werden am Monatsende 24 535 Arbeiter beschäftigt.

Im April verlassen 14 696 Flüchtlinge das sowjetische Besatzungsgebiet; davon werden in Westberlin 4643 registriert.

1951

13. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Regierende Bürgermeister Professor Ernst Reuter informiert den Senat über seinen Brief an den französischen Hohen Kommissar Francois-Poncet - nach seinem Artikel im "Telegraf" hielt er ihn für "dringend notwendig" -, in dem er betont hatte, daß er Francois-Poncet, der ihm durch den französischen Stadtkommandanten einen "offiziellen Rüffel" erteilen ließ, nicht habe verletzen wollen. Zugleich habe er jedoch seiner Verwunderung Ausdruck gegeben, warum Berlin in dieser Form erwähnt werden mußte. Denn Berlin habe niemals den Anspruch erhoben, allein der Inbegriff deutscher Art und deutschen Wesens zu sein. Es habe jedoch ein Recht darauf, "als eine Stadt anerkannt zu werden, die für die kulturelle und geistige Entwicklung Deutschlands eine besondere Rolle gespielt hat".

Da die kommunistisch gelenkte "Volksbefragung gegen Remilitarisierung und für den Abschluß eines Friedensvertrages noch im Jahre 1951" nur dazu dienen soll, unter Verschleierung verfassungsfeindlicher Ziele die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik und Berlins zu untergraben, schließt sich der Senat dem Beschluß der Bundesregierung an, die "Volksbefragung" zu verbieten und beauftragt den Polizeipräsidenten, jede Tätigkeit dafür zu unterbinden.

Der Senat ermächtigt Volksbildungssenator Professor Tiburtius, den Rücktransport derjenigen in Dahlem ausgestellten Gemälde nach Wiesbaden zu veranlassen, die nach Ermessen des Senats als transportfähig angesehen werden können. Eine Sachverständigenkommission soll prüfen, welche Bilder darüber hinaus für einen Transport in Frage kommen. Berliner Sachverständige sollen in ausreichendem Maße beteiligt werden.

Der Senat beschließt ferner die Weiterführung des Notstandsprogramms im Haushaltsjahr 1951 und bestellt den Senator für Kreditwesen, Dr. Hertz, zum Hauptwirtschafter für das Notstandsprogramm. Aus ERP-Mitteln stehen dafür im Zeitraum von April bis Juni 1951 insgesamt 50 Millionen DM zur Verfügung.

Die westdeutsche Stahl- und Eisenindustrie ersucht die West-Berliner Industrie- und Handelskammer um Kontrolle des Fracht-Rückvergütungsverfahrens, damit die nach West-Berlin gelieferten Stahlmengen auch tatsächlich dort verarbeitet werden. Dazu soll der Industrie- und Handelskammer monatlich ein Verzeichnis der West-Berliner Händler und Verbraucher zugeleitet werden, die Walzstahl erhalten haben.

Die Reichsbahndirektion Berlin schließt den Görlitzer Bahnhof im Bezirk Kreuzberg (amerikanischer Sektor) für den Personenverkehr, da die Strecke nach Grünau-Königswusterhausen nunmehr von der S-Bahn befahren wird.

Die Wechselstuben verkaufen 1 DM (West) für 4,80 DM (Ost). Der Monatsdurchschnitt des Wechselkurses beträgt 1 : 4,75.

Da die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Interzonenhandelsabkommens noch zu keinem Erfolg führten, vereinbaren die zuständigen Behörden der Währungsgebiete der Deutschen Mark (West) und der Deutschen Mark der Deutschen Notenbank (Ost), daß die bereits erteilten Genehmigungen für Lieferungen, die über die Konten des Vorgriffs auf ein noch abzuschließendes Abkommen für das Jahr 1951 verrechnet werden, bis zum 2. August 1951 gelten. Genehmigungen, die von nun an für Lieferungen erteilt werden, sind bis zum 2. Juli 1951 befristet.

Fast sämtliche Zufahrtsstraßen und Wege nach dem jetzt vom Bezirk Mitte verwalteten Ortsteil West-Staaken werden im April von der Volkspolizei durch Schlagbäume gesperrt und alle Automobile und Passanten, die aus dem Bezirk Spandau nach West-Staaken wollen, kontrolliert.

1952

Die drei westlichen Stadtkommandanten protestieren in einem Schreiben an den Vorsitzenden der SKK, Armeegeneral Tschuikow, erneut gegen den Angriff sowjetischer Düsenjäger auf eine Verkehrsmaschine der "Air France" am Vortage. Außerdem weisen sie den sowjetischen Protest als einen offensichtlichen Versuch zurück, den "unerhörten Zwischenfall" zu rechtfertigen, denn die französische Maschine sei innerhalb des Luftkorridors geflogen, und bestehen auf ihren bereits gestern angemeldeten Forderungen. Das französische Außenministerium überreicht der sowjetischen Botschaft in Paris eine Protestnote.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors erläßt die "Verordnung über den Volkswirtschaftsplan 1952, das zweite Jahr des Fünfjahresplanes zur Entwicklung der Volkswirtschaft in Berlin". Hauptaufgaben dieses Planes sind der "Neuaufbau der von den anglo-amerikanischen Imperialisten zerstörten Wohngebäude" (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 4, 2. Hlbd., S. 1868, Anm. 96), die Steigerung und qualitative Verbesserung der Produktion von Konsumgütern sowie die "ständige Weiterentwicklung der Produktionstechnik". Die Bruttoproduktion soll um 18 Prozent gesteigert und die Anzahl der Beschäftigten im Leistungslohn um 32 Prozent erhöht werden. Der Verbrauch an Lebensmitteln und Industriewaren soll teilweise bis auf fast das Doppelte von 1951 anwachsen.
Auf kulturellem Gebiet werden Investitionsmittel in Höhe von zehn Millionen DM-Ost für Schulen, Theater und Kunst bereitgestellt. Zusätzlich sollen 100 Unterrichtsräume geschaffen und die Zahl der Lehrer in den Grundschulen um elf Prozent gesteigert werden.
Die Erhöhung der Haushaltseinnahmen im Jahre 1952 wird in erster Linie durch eine Gewinnsteigerung der "volkseigenen" Wirtschaft und durch eine Einsparung von Verwaltungskosten erwartet.
Der Magistrat ist verpflichtet, der sowjetzonalen Regierung über die Plandurchführung zu berichten.

Die Wechselstuben kaufen 100 DM (Ost) für 25,77 DM (West). Der Monatsdurchschnitt liegt im April 1952 bei 25,70 DM (West) für 100 DM (Ost).

1952

II. Deutscher Studententag im Titania-Palast.
Vor den 1100 Delegierten aller Universitäten und Hochschulen Westdeutschlands und Berlins erklärt der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Studentenschaften (VDS), Horst Roegner-Francke (Berlin), in seiner Begrüßung, daß die deutsche Studentenschaft mit der Wahl Berlins als Tagungsort ein Bekenntnis zur zukünftigen Hauptstadt eines freien Gesamtdeutschlands ablegen und auf seiner Tagung die besondere Verantwortung des Akademikers gegenüber Staat und Gesellschaft behandeln soll. Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter gibt in seiner Rede der Freude darüber Ausdruck, daß der Studententag in Berlin stattfinde, wo sich das Unterlegensheitsgefühl gegenüber den Akademikern nicht so stark auspräge. Berlin habe durch die Gründung der Freien Universität in den schweren Tagen der Blockade gezeigt, daß es den Geist und die Bildung hoher Schulen zu schätzen wisse und bereit sei, dafür große Opfer zu bringen. In Berlin wisse man, daß die geistige Bildung notwendig und wesentlich im Kampf Deutschlands um seine Befreiung sei. Weitere Redner sind Volksbildungssenator Professor Tiburtius und FU-Rektor Professor Freiherr von Kreß.
In mehreren Arbeitskreisen befaßt sich der Studententag mit sozialen Problemen der Studentenschaft und auf Diskussionsforen mit allgemeinen politischen Fragen, an denen auch Bundestagspräsident Dr. Ehlers und eine Reihe von Bundestagsabgeordneten der CDU, SPD und FDP teilnehmen.
Der seit dem 30. April für vier Tage in Berlin weilende Bundespräsident Professor Heuss betont in seiner Rede auf der Abschlußkundgebung, daß das Problem der Demokratie sich nicht in der Rechtsform erschöpft, auch das "Grundgesetz in der Rocktasche" genüge nicht; die Demokratie müsse besonders von der akademischen Jugend als "Lebensform und Gesinnungshaltung" begriffen werden. Nur in der Tolerierung des anderen und der Hilfe für den anderen bestehe die wahre demokratische Lebenshaltung.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Lüneburg entscheidet auf Bitten des Senats von Berlin, daß die Wortzusammensetzung "Berlin West" ohne Bindestrich, aber "West-Berlin" mit Bindestrich zu schreiben sei. Man könne "Westberlin" aber auch zusammenschreiben, da der erste Wortteil ein Bestimmungswort und der zweite ein Grundwort ist.

Das bisher in Schloß Wiepersdorf in der Mark untergebrachte Bettina-von-Arnim-Archiv und die umfangreiche Bibliothek von Achim und Bettina von Arnim werden von der Ost-Berliner Akademie der Künste übernommen und nunmehr von Gertrud Meyer-Hepner betreut.
Neben diesem Archiv der 1839 in Berlin verstorbenen Dichterin besitzt die Akademie der Künste noch das Archiv ihres 1950 in den USA verstorbenen designierten Präsidenten, des Schriftstellers Heinrich Mann, das von Professor Dr. Kantorowicz betreut wird.

1953

Der Senator für Bau- und Wohnungswesen veröffentlicht eine Rundverfügung, nach der auf Grund des "Dritten Überleitungsgesetzes" im Berliner Stadtgebiet 11,9 km Autobahnen mit 3,2 km Anschlußstraßen zwischen dem AVUS-Tor am Messedamm und Albrechts-Teerofen - mit Ausnahme der in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Strecke - in das Eigentum und die Unterhaltung des Bundes übergegangen sind; desgleichen 30,3 km der Berliner Verkehrsstraßen als Teile der
Bundesstraße 1 (Königsberg-Küstrin-Berlin-Magdeburg-Hameln-Ruhr-Aachen)
2 (Danzig-Stettin-Berlin-Leipzig-München)
5 (Gleiwitz-Breslau-Frankfurt/Oder-Berlin-Hamburg-deutsch-dänische Grenze)
96 (Sassnitz-Greifswald-Berlin-Bautzen-Zittau)
101 (Berlin-Jüterbog-Meißen-Freiberg-Annaberg-Aue)
142 (Berlin-Henningsdorf-Veiten-Neuruppin)
179 (Berlin-Schönefeld-Königs Wusterhausen-Groß-Leuthen)
Der Bundesverkehrsminister hat den Senator für Bau- und Wohnungswesen mit der Unterhaltung und Instandsetzung dieser Verkehrswege nach den Vorschriften des Bundes beauftragt.

Der Ministerrat der SBZ erläßt die "Verordnung über die Errichtung einer Hochschule für Finanzwirtschaft" mit Sitz in Ost-Berlin, die direkt dem Finanzminister unterstellt wird.

Das sowjetzonale Ministerium für Handel und Versorgung erläßt Durchführungsbestimmungen zu den Verordnungen über die Neuregelung des Lebensmittelkartenbezuges. Danach werden die Lebensmittelkarten u. a. auch allen Bäckern, Fleischern, Einzelhändlern und Gastwirten sowie Schülern und Studenten entzogen, die Ausbildungsstätten in West-Berlin besuchen.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof D. Dr. Dibelius, fordert den Generalstaatsanwalt der "DDR", Dr. Melsheimer, in einem Schreiben auf, gegen die für die Presseangriffe auf die Junge Gemeinde Verantwortlichen, insbesondere die Schriftleitung der FDJ-Zeitung "Junge Welt", ein Strafverfahren einzuleiten. Der Bischof schildert noch einmal die Kampagne gegen die Junge Gemeinde, die schlechthin nur als beschimpfend und hetzerisch bezeichnet werden könne. Sie verletze Art. 6 Abs. 1 der Verfassung der "DDR", der bestimme, daß alle Bürger vor dem Gesetz gleichberechtigt sind. Nach Abs. 2 dieses Artikels sind auch alle Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches "(StGB). Da Art. 41 der Verfassung jedem Bürger die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit zusichere und die ungestörte Religionsausübung unter den Schutz der Republik stelle, durch Art. 42 private oder staatsbürgerliche Rechte durch die Religionsausübung weder bedingt noch beschränkt werden, verstießen die Angriffe auf die Junge Gemeinde, die keine Organisation, sondern lediglich einen Teil der Gesamtgemeinde und der gesamten Kirche darstelle, auch gegen § 166 StGB.

Die sowjetisch lizenzierte Abendzeitung "Nacht-Expreß" stellt ihr Erscheinen ein (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 7.12.1945, Nr. 18).

Die Berliner Wechselstuben kaufen 565 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 18,79 DM (West). Der Monatsdurchschnittskurs beträgt 17,40 DM (West) für 100 DM (Ost).

Die dem Landesfinanzamt unterstehenden Zolldienststellen richten ein eigenes Funksprechsystem ein, durch das der beweglichere Einsatz der Fahrzeuge an den Sektoren- und Zonengrenzen gewährleistet wird.

Die Ost-Berliner Postverwaltung entfernt aus den Kabelschächten an der Sektoren- und Zonengrenze 75 Ortsverbindungskabel, die der Telefonverbindung mit den Westsektoren dienten und jederzeit eine Wiederaufnahme des intersektoralen Telefonverkehrs ermöglicht hätten. Damit können sich die Fernämter aus beiden Teilen der Stadt auch durch den technischen Überwachungsdienst gegenseitig nicht mehr verständigen.

1954

Der britische Stadtkommandant, Generalmajor Oliver, fordert in einem Schreiben an den Berliner Vertreter der sowjetischen Hohen Kommission, Dengin, erneut die Freilassung des russischen Exilpolitikers Dr. Truschnowitsch. Sollte er zur Zeit nicht transportfähig sein, fordert General Oliver eine Sprechmöglichkeit für Vertreter seines Stabes.

Der Senator für Arbeit und Sozialwesen, Kreil, bedauert in einer Denkschrift die auf Weisung von Bundesvertriebenenminister Professor Oberländer erfolgte Verschärfung der Aufnahmepraxis für Sowjetzonenflüchtlinge in den Notaufnahmelagern Berlin, Uelzen und Gießen seit dem vorigen Monat. Dadurch stieg die Rate der im Notaufnahmeverfahren Abgewiesenen auf über 41 Prozent, die dann als "Nichtanerkannte" den Ländern Berlin, Niedersachsen und Hessen zur Last fallen, denn nur ein ganz geringer Prozentsatz der "Nichtanerkannten" kehrt nach Mitteldeutschland zurück.
Senator Kreil hatte deshalb bereits am 24. April Bundesminister Oberländer um Zurücknahme dieser Weisung und um eine umfassende Neuordnung des Abnahmeverfahrens wie auch der Neuverteilung der Flüchtlinge erbeten.

Der Präsident der Reichsbahndirektion Berlin, Kurt Freitag (SED), ruft die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber "Saboteuren und Buntmetalldieben" auf, die angeblich den S-Bahnverkehr im "demokratischen" Sektor auf Weisungen West-Berliner "Agentenzentralen" durch Diebstahl von Stoßbindern aus Kupferdraht zwischen den Schienen stören sollen.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 467,50 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 22,71 DM (West). Der Durchschnittskurs im April beträgt 100 DM (Ost) für 22,50 DM (West).

Das Landesarchiv Berlin übernimmt einen während des Zweiten Weltkrieges abhandengekommenen und in Würzburg wiederaufgetauchten Band Polizeiakten des als "Hauptmann von Köpenick" bekanntgewordenen Schusters Wilhelm Voigt, der im Oktober 1906 durch Anlegen einer Hauptmannsuniform in den Straßen Berlins über zehn vorbeimarschierende Soldaten das Kommando übernahm, mit ihnen nach Köpenick fuhr, dort die Rathaus-Wache täuschte und die Ratskasse an sich nahm.

In den Hallen des demontierten BVG-Kraftwerks Unterspree im Bezirk Spandau beginnt eine Papierfabrik mit der Verarbeitung eines wesentlichen Teiles des in West-Berlin anfallenden Altpapiers, nachdem bislang Altpapierlieferungen nach Westdeutschland durch scharfe Kontrollen der Volkspolizei an der Zonengrenze häufig erschwert worden waren.

Die Besitzer der Hotels aus dem stark zerstörten und dicht an der Sektorengrenze liegenden Viertel um den stillgelegten Anhalter Bahnhof (amerikanischer Sektor), deren Kapazität nicht mehr ausgenutzt wird, bitten den Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, um Unterstützung ihrer Pläne, Gästen aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet Übernachtungsmöglichkeiten für fünf DM (Ost) zu schaffen, falls ihnen dieser Betrag 1:1 in Westmark erstattet wird. Dieses Vorhaben wird vom Verkehrsamt des Senats unterstützt.

Die sowjetische Regierung beschließt die kostenlose Übergabe des rund 30 000 Filme umfassenden Archivs der Vertretung des sowjetischen Filmverleihs "Sowexport" GmbH in Deutschland an die "DDR".

Der Schweizer Bundesrat dementiert Pressemeldungen über eine bevorstehende Anerkennung der SBZ-Regierung. Die Schweizerische Delegation in Berlin habe lediglich "informelle Besprechungen" mit sowjetzonalen Behörden über den Schutz der in der SBZ lebenden Schweizer Staatsbürger geführt.

1955

Der sowjetische Hohe Kommissar, Botschafter Puschkin, beantwortet die Noten seiner westlichen Kollegen zur Erhöhung der Straßenbenutzungsgebühren mit der Feststellung, daß diese Maßnahme ausschließlich in die Kompetenz der DDR-Behörden falle und darüber zwischen entsprechenden Vertretern der DDR und der Bundesrepublik unmittelbar verhandelt werden müsse. Außerdem müsse die sachliche Notwendigkeit der Gebührenerhöhung berücksichtigt werden, denn die DDR wende große Mittel zur Instandhaltung der Straßen auf. Im übrigen bleibe aber der Verkehr der in Berlin stationierten westlichen Besatzungstruppen über die Autobahn wie bisher gebührenfrei. Wenn die westlichen Hohen Kommissare "dessenungeachtet es für wünschenswert halten, eine Zusammenkunft der vier Hohen Kommissare zu dieser Frage herbeizuführen, so bestehen bei Berücksichtigung der obigen Ausführungen von sowjetischer Seite keine Einwände gegen eine solche Zusammenkunft".

Die Alliierte Kommandantur setzt mit BK/O (55) 8 und 9 das Gesetz Nr. 84 der Alliierten Hohen Kommission über die Entflechtung und Liquidation der ehemaligen I. G. Farbenindustrie mit vier Durchführungsverordnungen in Kraft.

In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste enthüllt Neuköllns Bezirksbürgermeister Exner auf der "Rixdorfer Höhe" ein von der Bildhauerin Katharina Singer geschaffenes Denkmal für die Berliner "Trümmerfrauen".

Die Berliner Wechselstuben kaufen 510 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 20,82 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat liegt bei 100 DM (Ost) für 20,25 DM (West).

Der Flüchtlingsstrom steigt im April - zum ersten Mal wieder seit August 1954 - auf über 10 000 Personen an, während in den Vormonaten durchschnittlich nur 6000 hier registriert wurden. Nach Aussagen von Flüchtlingen bilden Versorgungsschwierigkeiten und die Angst junger Männer vor der Heranziehung zu den "nationalen Streitkräften" die Hauptursachen für das neuerliche Anschwellen der Flüchtlingszahlen, die auch zu einem erheblichen Stau beim Abflug nach Westdeutschland führten.
Vor der Presse bedauert Sozialsenator Kreil die Weigerung einiger Bundesländer, Berlin durch die Aufnahme eines Teils der nicht anerkannten 40 000 Flüchtlinge zu entlasten. Die Stadt könne sie unmöglich alle allein aufnehmen. Nach Ermittlungen der Behörden wollen etwa 15 000 von ihnen in die Bundesrepublik. Der gute Altersdurchschnitt dieser Flüchtlinge und ihre günstige Berufsstruktur mit einem hohen Anteil von Metallarbeitern sollten einer Übersiedlung nur förderlich sein.

Erstmalig nach längerer Zeit beschlagnahmt die Volkspolizei an den Grenzkontrollpunkten in diesem Monat wieder mehrere Lastzüge im Berlin-Verkehr und erhebt wegen geringfügiger Übertretungen von Vorschriften hohe Geldbußen.

1956

Eine von Prof. Richard Scheibe geschaffene Nachbildung der "Fortuna" wird an Stelle der während eines Bombenangriffs im November 1943 zerstörten Plastik auf der wiederhergestellten Kuppel des Schlosses Charlottenburg angebracht. Sie ist in Kupfer getrieben, vergoldet, im Wind drehbar, vier Meter hoch und wiegt neun Zentner.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 415 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 25,59 DM (West). Der Durchschnittskurs liegt im April bei 100 DM (Ost) für 24,85 DM (West).

1957

Die Alliierte Kommandantur übermittelt mit BK/O(7)7 den Voranschlag der Besatzungskosten und Auftragsausgaben im Haushaltsjahr 1957/58, der mit BK/0(58)5 vom 10. Juni 1958 bestätigt wurde. Von den insgesamt rund 195,2 Mill. DM entfallen 73,7 Mill. DM auf den amerikanischen, 70 Mill. DM auf den britischen und 51,4 Mill. DM auf den französischen Sektor. Die Ausgaben für deutsche Arbeitskräfte bilden mit rund 65,5 Mill. DM den größten Posten.

Der Regierende Bürgermeister Prof. Suhr empfängt im Beisein zahlreicher Ehrengäste im Rathaus Schöneberg den neuen amerikanischen Botschafter in Bonn, David E. Bruce, der bereits am Vortage in Berlin eintraf und kurz darauf dem sowjetischen Botschafter in Ost-Berlin, Puschkin, einen Höflichkeitsbesuch abgestattet hatte. Prof. Suhr betont, daß Botschafter Bruce die Reihe hervorragender Repräsentanten des amerikanischen Volkes in Deutschland fortsetze, deren Namen Clay, McCloy und Conant durch ihre Verdienste in der Entwicklung der internationalen Beziehungen ihren festen Platz in der Geschichte gewannen. Für Berlin sei es eine besondere Genugtuung, daß sich diese Männer mit der Hauptstadt Deutschlands immer eng verbunden fühlten. Er hege deshalb die Hoffnung, daß Botschafter Bruce die Berliner Tradition seiner Vorgänger fortsetze.
Der Botschafter bemerkt in seiner Erwiderung, daß die deutsche Wiedervereinigung in Freiheit und Frieden nach wie vor ein äußerst wichtiges Ziel der amerikanischen Regierung darstelle. Die Vereinigten Staaten würden deshalb in ihrem Bemühen nicht nachlassen, dieses Ziel zu erreichen. Er habe in den Nachkriegsjahren den Kampf Berlins um seine Freiheit mit großer Bewunderung beobachtet und sei stolz darauf, seine Regierung in dieser Stadt vertreten zu können. Schon wegen der mutigen Haltung seiner Bevölkerung komme allein Berlin die Stellung als Hauptstadt Deutschlands zu.

Bei einem Besuch in der FU dankt Rektor Prof. Paulsen dem Botschafter für die amerikanische Hilfe beim Aufbau dieser Universität. Botschafter Bruce überreicht der FU als Geschenk eine bisher unveröffentlichte Sammlung von Dokumenten und Schriften aus dem Besitz der amerikanischen Präsidenten John Adams (1797-1801) und John Quincy Adams (1825-1829), die für Historiker eine große Fundgrube darstellt.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 427,50 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 24,84 DM (West). Der Durchschnittskurs im April 1957 liegt bei 24,40 DM (West) für 100 DM (Ost).

Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen erläßt Richtlinien zur Erweiterung der kostenlosen Krankenhilfe für Besucher aus der DDR, Ost-Berlin und den deutschen Ostgebieten in West-Berlin und im Bundesgebiet. So brauchen die Gastgeber künftig, falls sie die finanziellen Mittel dazu nicht erübrigen können, für die Kosten der Krankenhilfe ihrer Gäste nicht mehr aufzukommen, wenn diese während des Besuches krank werden. Die Krankenhilfe wird von den Fürsorgeämtern der Stadt- und Landkreise bzw. der West-Berliner Bezirke gewährt, die sie vom Bund erstattet bekommen.
Ausgenommen von dieser Hilfe sind Geschäftsreisende sowie Mitglieder von Delegationen und Personen im Auftrage von Partei-, Staats- oder sonstigen politischen Stellen der DDR und Ost-Berlins oder der Ostblockstaaten.

Binnenschiffe aus der DDR und Ost-Berlin mit einer Wasserverdrängung von mehr als 500 Tonnen durchfahren wieder West-Berlin, nachdem sich herausgestellt hat, daß der nördlich Berlins gebaute Umgehungskanal aus technischen Gründen von Schiffen dieser Größenordnung nicht mehr benutzt werden kann.

Als dritter Militärsender in West-Berlin neben dem bereits bestehenden amerikanischen und englischen beginnt der französische Soldatensender "Radio FFB" (Forces Franfaises de Berlin) seine Sendungen. In der Zeit zwischen 7 und 24 Uhr übernimmt er im UKW-Bereich eine Auswahl aus den Programmen des französischen Rundfunks.

1958

Das Plenum des Ost-Berliner Kammergerichts hebt seine Richtlinien Nr. 3 und 4 auf, da sie durch die Verordnung zur Ergänzung des Strafgesetzbuches als überholt angesehen werden können.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 390 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 27,23 DM (West). Der Durchschnittskurs im April beträgt 100 DM (Ost) für 26,45 DM (West).

Mitarbeiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte legen auf dem Grundstück in der Hauptstraße 40 im Bezirk Schöneberg die Überreste einer Siedlung der germanischen Semnonen aus dem ersten bis zweiten Jahrhundert n. Chr. frei.

Die "Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde" errichtet in der Kurfürstenstraße 56 im Bezirk Tiergarten eine Blindenhörbibliothek, aus der Blinde sich kostenlos Tonbänder entleihen können.

Das 1950 von der Freien Universität und der Deutschen Hochschule für Politik gemeinsam als Verein gegründete "Institut für Politische Wissenschaft" wird als selbständiges Institut der FU eingegliedert und dem Akademischen Senat direkt unterstellt.

In diesem Monat kann die Abräumung des Trümmerberges des gesprengten Zoobunkers abgeschlossen werden.

In Biesdorf (Bezirk Lichtenberg) wird die sechste Ost-Berliner LPG mit dem Namen "Morgenrot" gegründet.

In Ost-Berlin wird bekanntgegeben, daß die DDR-Regierung bisher 120 Mill. DM zur Wiederinstandsetzung zerstörter Gebäude und für Neubauten der Humboldt-Universität ausgegeben habe, darunter auch 9 Mill. DM für ein Studentenwohnheim in Biesdorf mit 1700 Plätzen.

Planungen des Ost-Berliner Magistrats sehen vor, noch in diesem Jahr in der Innenstadt sieben größere Grünflächen anzulegen:

  1. auf dem Areal zwischen der Straße Unter den Linden, der Leipziger Straße, der Ebert- und der Wilhelmstraße, wo sich bis 1945 zu einem großen Teil die sogenannten Ministergärten befanden;
  2. auf dem Monbijou-Platz;
  3. auf dem Areal zwischen der sowjetischen Botschaft Unter den Linden und der Friedrichstraße;
  4. auf den Flächen rund um das Rote Rathaus;
  5. in unmittelbarer Umgebung der Volksbühne am Luxemburgplatz;
  6. an der Weidendammer Brücke und
  7. an der Memhardtstraße in der Nähe des Alexanderplatzes.

1959

Nach Abschluß zweitägiger Beratungen in Paris bekräftigten die Außenminister der drei Westmächte und der Bundesrepublik in einem Kommuniqué ihre Entschlossenheit, die Freiheit der Bevölkerung West-Berlins und die dortigen Rechte und Verpflichtungen der alliierten Mächte aufrechtzuerhalten. Zugleich bestätigen sie erneut ihre Bereitschaft, Verhandlungen mit der Sowjetunion mit dem Ziel aufzunehmen, einen gerechten und dauerhaften Frieden in Europa.zu schaffen. Zu diesem Zweck hätten die Minister vollständige Übereinstimmung über ihre in Genf einzunehmende Haltung erzielt.
Die Berliner Wechselstuben kaufen 367,50 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 28,89 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 28,20 DM (West).

1959

Nach Abschluß zweitägiger Beratungen in Paris bekräftigten die Außenminister der drei Westmächte und der Bundesrepublik in einem Kommuniqué ihre Entschlossenheit, die Freiheit der Bevölkerung West-Berlins und die dortigen Rechte und Verpflichtungen der alliierten Mächte aufrechtzuerhalten. Zugleich bestätigen sie erneut ihre Bereitschaft, Verhandlungen mit der Sowjetunion mit dem Ziel aufzunehmen, einen gerechten und dauerhaften Frieden in Europa.zu schaffen. Zu diesem Zweck hätten die Minister vollständige Übereinstimmung über ihre in Genf einzunehmende Haltung erzielt.
Die Berliner Wechselstuben kaufen 367,50 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 28,89 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 28,20 DM (West).

1960

Im Friedrichshagener Müggelpark wird die von Inge Hunzinger geschaffene Plastik "Vater mit Kind" feierlich enthüllt. An dieser Stelle stand früher "Die Schwimmerin" von Käthe Kollwitz; diese Figur war von den Nationalsozialisten beseitigt worden.

Im Wappensaal des Roten Rathauses werden durch den stellv. Ost-Berliner Oberbürgermeister W. Schmidt 35 Funktionäre aus Parteien und Organisationen, Angestellte des Magistrats und der Räte der Stadtbezirke für ihre "hervorragende Mitarbeit bei der Umgestaltung zur sozialistischen Landwirtschaft" mit Medaillen und der Verleihung des Titels "Aktivist" ausgezeichnet. Schmidt übermittelt bei dieser Gelegenheit die Glückwünsche von Stadtverordnetenversammlung und Magistrat an die Berliner Werktätigen die sich zu 16 LPGs und 11 gärtnerischen Produktionsgenossenschaften mit einer Nutzfläche von 2998 Hektar und einer 178 708 Quadratmeter großen Grasfläche zusammenschlossen, womit auch in Ost-Berlin die "Vollgenossenschaftlichkeit" erreicht wurde.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 470 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 22,59 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 23,15 DM (West).
Infolge des starken Flüchtlingsstroms und der während der Tage vor Ostern zunehmenden Käufe von Besuchern aus Ost-Berlin und der DDR kam es vorübergehend zu einem Überangebot von Ostmark, das den für die Festsetzung des Wechselkurses zuständigen Ausschuß veranlaßte, am 19. April die Ostmark scharf herabzusetzen, so daß die Wechselstuben 500 DM (Ost) für 100 DM (West) kauften und 100 DM (Ost) für 21,24 DM (West) verkauften. Doch konnte sich die Ostmark am Monatsende langsam wieder erholen.

Die Polizei führt in diesem Monat unter der Bezeichnung "Mausefalle" erstmals acht Aktionen gegen Autodiebe durch, bei denen insgesamt über 21000 Kraftfahrzeuge überprüft werden. Fazit: Sicherstellung von 36 Autos, von denen zehn als gestohlen gemeldet waren oder bei denen Diebstahlverdacht vorliegt, bei elf ungeklärte Besitzverhältnisse, in zwölf standen die Fahrer stark unter Alkoholeinfluß und für drei war die Haftpflichtversicherung nicht bezahlt; vorübergehendes Anhalten von 37 Kraftfahrzeugen, deren Fahrer keine Führerscheine oder nur sehr unzureichende, unklare Fahrzeugpapiere vorweisen konnten; vorläufige Festnahme von 36 Personen, darunter 21 wegen Kraftfahrzeugdiebstahls oder -Verdachts; Ausstellung von insgesamt 105 Anzeigen und 177 gebührenpflichtigen Verwarnungen.
Im Laufe des April gehen nicht nur die Autodiebstähle zurück, sondern wird auch die Zahl der Trunkenheitsfälle am Steuer durch diese Einsätze stark gedämpft. Deshalb erteilt das Kommando der Schutzpolizei eine Anweisung nach der die bisher zentral vom Präsidium gelenkten Einsätze nunmehr von jeder einzelnen Inspektion mit ihren eigenen Kräften unternommen werden sollen, die keineswegs nur in den Nachtstunden, sondern auch während des Tages erfolgen sollen.

Während in den vergangenen Monaten durchschnittlich nur etwa 1500 bis 2000 Flüchtlinge nach Berlin kamen, steigt ihre Zahl im April auf 13 088. Allein in der Karwoche und nach den Osterfeiertagen (17./18. April) melden sich im Notaufnahmelager Marienfelde 8167 Menschen - in der Mehrzahl Bauern, Handwerker und selbständige Gewerbetreibende -, womit West-Berlin den größten Flüchtlingsandrang seit den Märztagen 1953 erlebt. Da Marienfelde vorübergehend überfüllt ist, müssen in der Monatsmitte drei Reservelager zur Unterbringung der Flüchtlinge eingerichtet werden.

1960

Im Friedrichshagener Müggelpark wird die von Inge Hunzinger geschaffene Plastik "Vater mit Kind" feierlich enthüllt. An dieser Stelle stand früher "Die Schwimmerin" von Käthe Kollwitz; diese Figur war von den Nationalsozialisten beseitigt worden.

Im Wappensaal des Roten Rathauses werden durch den stellv. Ost-Berliner Oberbürgermeister W. Schmidt 35 Funktionäre aus Parteien und Organisationen, Angestellte des Magistrats und der Räte der Stadtbezirke für ihre "hervorragende Mitarbeit bei der Umgestaltung zur sozialistischen Landwirtschaft" mit Medaillen und der Verleihung des Titels "Aktivist" ausgezeichnet. Schmidt übermittelt bei dieser Gelegenheit die Glückwünsche von Stadtverordnetenversammlung und Magistrat an die Berliner Werktätigen die sich zu 16 LPGs und 11 gärtnerischen Produktionsgenossenschaften mit einer Nutzfläche von 2998 Hektar und einer 178 708 Quadratmeter großen Grasfläche zusammenschlossen, womit auch in Ost-Berlin die "Vollgenossenschaftlichkeit" erreicht wurde.

Die Berliner Wechselstuben kaufen 470 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 22,59 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 23,15 DM (West).
Infolge des starken Flüchtlingsstroms und der während der Tage vor Ostern zunehmenden Käufe von Besuchern aus Ost-Berlin und der DDR kam es vorübergehend zu einem Überangebot von Ostmark, das den für die Festsetzung des Wechselkurses zuständigen Ausschuß veranlaßte, am 19. April die Ostmark scharf herabzusetzen, so daß die Wechselstuben 500 DM (Ost) für 100 DM (West) kauften und 100 DM (Ost) für 21,24 DM (West) verkauften. Doch konnte sich die Ostmark am Monatsende langsam wieder erholen.

Die Polizei führt in diesem Monat unter der Bezeichnung "Mausefalle" erstmals acht Aktionen gegen Autodiebe durch, bei denen insgesamt über 21000 Kraftfahrzeuge überprüft werden. Fazit: Sicherstellung von 36 Autos, von denen zehn als gestohlen gemeldet waren oder bei denen Diebstahlverdacht vorliegt, bei elf ungeklärte Besitzverhältnisse, in zwölf standen die Fahrer stark unter Alkoholeinfluß und für drei war die Haftpflichtversicherung nicht bezahlt; vorübergehendes Anhalten von 37 Kraftfahrzeugen, deren Fahrer keine Führerscheine oder nur sehr unzureichende, unklare Fahrzeugpapiere vorweisen konnten; vorläufige Festnahme von 36 Personen, darunter 21 wegen Kraftfahrzeugdiebstahls oder -Verdachts; Ausstellung von insgesamt 105 Anzeigen und 177 gebührenpflichtigen Verwarnungen.
Im Laufe des April gehen nicht nur die Autodiebstähle zurück, sondern wird auch die Zahl der Trunkenheitsfälle am Steuer durch diese Einsätze stark gedämpft. Deshalb erteilt das Kommando der Schutzpolizei eine Anweisung nach der die bisher zentral vom Präsidium gelenkten Einsätze nunmehr von jeder einzelnen Inspektion mit ihren eigenen Kräften unternommen werden sollen, die keineswegs nur in den Nachtstunden, sondern auch während des Tages erfolgen sollen.

Während in den vergangenen Monaten durchschnittlich nur etwa 1500 bis 2000 Flüchtlinge nach Berlin kamen, steigt ihre Zahl im April auf 13 088. Allein in der Karwoche und nach den Osterfeiertagen (17./18. April) melden sich im Notaufnahmelager Marienfelde 8167 Menschen - in der Mehrzahl Bauern, Handwerker und selbständige Gewerbetreibende -, womit West-Berlin den größten Flüchtlingsandrang seit den Märztagen 1953 erlebt. Da Marienfelde vorübergehend überfüllt ist, müssen in der Monatsmitte drei Reservelager zur Unterbringung der Flüchtlinge eingerichtet werden.

1962

Senat und Abgeordnetenhaus verleihen in einer Feierstunde im Rathaus Schöneberg Bundespräsident Lübke die Würde eines Ehrenbürgers (Nr. 72 seit 1808) "in Anerkennung seiner Verdienste um unsere gespaltene Hauptstadt Berlin, in der er viele Jahre lebte". Parlamentspräsident Bach und der Regierende Bürgermeister Brandt unterstreichen in ihren Ansprachen die tiefe Verbundenheit Lübkes zu dieser Stadt, der er durch Einrichtung eines zweiten Amtssitzes und seine häufigen Besuche sichtbaren Ausdruck verliehen habe.

1963

Feierliche Eröffnung des neuen, nach Plänen von Fritz Bornemann auf dem rückwärtigen Teil des Geländes des ehem. Joachimsthalschen Gymnasiums gebauten 1074 Plätze fassenden Hauses der Freien Volksbühne mit Ansprachen vom Regierenden Bürgermeister Brandt, von Bundesminister Dollinger sowie Kunstsenator Arndt und vom niedersächsischen Kultusminister Voigt als Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Volksbühnenvereine. Tags darauf erfolgt mit der Premiere von Romain Rollands "Robespierre" in der Inszenierung von Intendant Piscator der Beginn der Theaterarbeit.

Der Regierende Bürgermeister Brandt und Verkehrssenator Theuner verabschieden im Plenarsaal des Schöneberger Rathauses die insgesamt rund 400 Fahrer und Schaffner westdeutscher Omnibusse, die nach dem 13. August 1961 in die Stadt kamen, hier ihre Kollegen von der BVG unterstützten und in dieser Zeit etwa 2,5 Mio. Kilometer zurücklegten sowie 15 Mio. Fahrgäste beförderten.

1964

Der französische Botschafter in Bonn, de Margerie, empfängt in seiner West-Berliner Residenz in Waidmannslust seinen sowjetischen Amtskollegen in Ost-Berlin, Abrassimow, auf dessen Wunsch hin zu einer Unterredung, während derer sie in "einer freundlichen Atmosphäre" allgemeine Fragen von beiderseitigem Interesse erörtern.

1965

Polizeibeamte schütten im Bezirk Wedding einen neu aufgegrabenen, schon früher angelegten Tunnel zu,dervon einem Haus in der Bernauer Straße in den Ostteil der Stadt führt und durch den Ost-Berlinern zur Flucht verholfen werden sollte. Bereits am Vortag waren die Tunnelbauer zur Einstellung ihrer Arbeit aufgefordert worden, da die Gefahr bestand, daß DDR-Grenzposten sie beobachteten.

1971

Zu Berichten, daß Organe des UNO Generalsekretariats ihre Teilnahme an Tagungen in West Berlin abgesagt hätten, erklärt ein UNO Sprecher in New York, UNO Generalsekretär Sithu U Thant habe wegen der "delikaten Verhandlungen über das Berlin Problem, die das Sekretariat in keiner Weise beeinflussen will", entschieden, daß Mitglieder des Sekretariats nicht als Beobachter an Veranstaltungen nichtstaatlicher Organisationen in West Berlin teilnehmen sollen. Die Anordnung des Generalsekretärs gelte sinngemäß auch für Veranstaltungen in Ost Berlin.
   Die Weisung wird später modifiziert. Wie am 18. Mai aus gut unterrichteten Kreisen des UNO Hauptquartiers in New York bekannt wird, hat der UNO Generalsekretär es jetzt den Beamten seines Sekretariats freigestellt, an Veranstaltungen nichtstaatlicher Organisationen in West Berlin in privater Eigenschaft teilzunehmen.

Im Bundeskanzleramt in Bonn führen der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Egon Bahr, und der Staatssekretär beim Ministerrat der DDR, Michael Kohl, ihr elftes Gespräch. (Vgl. 31. März.)

1972

Auf der 26. Arbeitstagung des seit 1960 bestehenden Europäischen Rates jüdischer Gemeinden beraten im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg 25 Delegierte über die Zukunft der jüdischen Gemeinden in Europa. Als "ein Politikum besonderer Art" bezeichnet der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Heinz Galinski, die Tatsache, daß Berlin als Konferenzort gewählt wurde. Es sei ? so Galinski ? nicht leicht gewesen, die Delegierten davon zu überzeugen, daß man eine internationale jüdische Tagung erstmals in Deutschland veranstalten sollte.

1973

In den Messehallen am Funkturm (Berlin-Charlottenburg) findet die "Handels- und Industrieausstellung der UdSSR" statt. Auf 4 400 Quadratmetern sind 5 500 Produkte der sowjetischen Wirtschaft zu sehen. An der Ausstellungseröffnung nehmen unter anderen der Botschafter der Sowjetunion in der DDR, Michail T. Jefremow, der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz und der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Detlev Karsten Rohwedder, teil.
   Rohwedder sagt nach seiner Rückkehr nach Bonn, die Anwesenheit eines Vertreters der Bundesregierung bei der Ausstellungseröffnung sei der sowjetischen Seite offensichtlich unerwünscht gewesen. Diese Haltung ändere jedoch nichts daran, daß nach dem deutsch-sowjetischen Handelsabkommen West-Berlin voll in die wirtschaftlichen Beziehungen der Bundesrepublik mit der Sowjetunion einbezogen sei.
   Am 4. Mai stattet Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs in Begleitung des Regierenden Bürgermeisters Schütz der Ausstellung einen Besuch ab. Schütz betont in einer Stellungnahme, er sei dankbar, daß der Besuch des Bundeswirtschaftsministers die Gültigkeit des Handelsabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion auch für Berlin noch einmal unterstrichen habe.
   Am 5. Mai besucht der Oberkommandierende der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, Armeegeneral Jewgeni F. Iwanowski, die Ausstellung.
   Am 10. Mai kommt es in der 49. Sitzung des Abgeordnetenhauses (6. Wahlperiode) in einer von der CDU beantragten Aktuellen Stunde zum Thema "Die Zugehörigkeit Berlins zum Bund im Zusammenhang mit der Handels- und Industrieausstellung der Sowjetunion" zu heftigen Kontroversen um den Regierenden Bürgermeister. Schütz übt Selbstkritik an der Entscheidung, am Eröffnungs- und Schlußtag das Aufziehen der sowjetischen Fahne zu gestatten, ohne daß gleichzeitig die Bundesflagge gezeigt würde. Dies werde sich am Schlußtag nicht wiederholen. Er habe die Anordnung erteilt, keine Fahne zu hissen. Schütz wird wegen seiner Kompromißbereitschaft gegenüber den Sowjets scharf attackiert. Die Sowjetunion benutze die Ausstellung, so meint die Opposition, um zu demonstrieren, daß West-Berlin nicht zur Bundesrepublik gehöre.
   Am 12. Mai besucht der für den innerdeutschen Handel zuständige stellvertretende Außenwirtschaftsminister der DDR, Heinz Behrendt, die Ausstellung. Er wird begleitet vom Abteilungsleiter im Außenministerium der DDR, Joachim Mitdank, der Beauftragter der DDR-Regierung für Verhandlungen mit dem Senat ist.
   Die sowjetische Ausstellung wird von 20 947 Interessenten besucht.

1974

Eine Gruppe von Abgeordneten aus Neuseeland unter Leitung des Präsidenten des neuseeländischen Parlaments, Stanley A. Whitehead, wird vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Walter Sickert, im Rathaus Schöneberg empfangen und läßt sich über die politische Situation Berlins unterrichten. Whitehead trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

1975

Der in den Ruhestand tretende Generalstaatsanwalt bei dem Kammergericht, Hans Günther, wird in einer Feierstunde von Justizsenator Hermann Oxfort verabschiedet. Günther bekleidete das Amt seit 1961.

1975

In der Neuen Nationalgalerie in Berlin-Tiergarten ist die Ausstellung "Roy Lichtenstein ? Zeichnungen" zu sehen. Sie eröffnet eine Reihe, die bedeutende Pop-art-Künstler als Zeichner vorstellt.

1976

Die U-Bahn-Linie 9 wird in Berlin-Wedding um 1,5 Kilometer von Leopoldplatz bis Osloer Straße verlängert. Neu sind die Bahnhöfe Nauener Platz und Osloer Straße.

1976

Im Alten Museum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte informiert die Ausstellung "Die Entwicklung der Hauptstadt der DDR, Berlin" über die Pläne zur weiteren städtebaulichen Entwicklung. Gezeigt werden Modelle von Neubaugebieten und des Stadtzentrums. Etwa 510 000 Besucher sehen die Ausstellung.

1980

Neue Vereinbarungen zwischen der Bundesregierung und der DDR-Regierung über die weitere Verbesserung der Verkehrsverbindungen zwischen dem Bundesgebiet und West-Berlin werden in Ost-Berlin von dem Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR, Günter Gaus, und dem stellvertretenden DDR-Außenminister Michael Kohl unterzeichnet. Unter anderem sehen die Vereinbarungen den Bau eines knapp acht Kilometer langen Autobahnteilstücks zwischen Eisenach-West und der Grenze zur Bundesrepublik vor. Dazu gehört auch eine 800 Meter lange Brücke über das Werratal, für deren Bau die DDR den Auftrag an westdeutsche Firmen vergeben wird. Die Grenzübergangsstelle Wartha, an der es jetzt im Transitverkehr und im Reiseverkehr in die DDR vor allem an Wochenenden teilweise lange Wartezeiten gibt, wird auf die Autobahn verlegt. Außerdem sollen bei Eisenach Autobahnlücken auf einer Länge von insgesamt 3,7 Kilometern geschlossen und in diesem Bereich Autobahnfundamente mit einer Länge von 6,5 Kilometern vollständig erneuert werden. An der Eisenbahnstrecke Berlin ? Helmstedt wird ein durchgängiger zweigleisiger Betrieb eingerichtet.

1981

Der neue britische Botschafter in der Bundesrepublik und Chef der britischen Militärregierung in Berlin, Sir Jack Taylor, stattet dem sowjetischen Botschafter in der DDR, Abrassimow, in dessen Amtssitz in Ost-Berlin seinen Antrittsbesuch ab (vgl. 13. Februar).

Ein zuständiger Beamter der Senatsbauverwaltung bestätigt vor der Presse Meldungen über die Existenz von allerdings noch nicht unterschriebenen Verträgen zwischen Hausbesetzern und städtischen Wohnungsbaugesellschaften, ohne jedoch nähere Auskünfte über deren Zahl, die Namen der Eigentümer und die entsprechenden Häuser zu geben, da sonst die Gefahr bestünde, daß der harte, jedes Entgegenkommen gegenüber dem Senat ablehnende Kern der Hausbesetzer Gewalt anwenden könne.

1982

Das Philharmonische Orchester Berlin feiert sein einhundertjähriges Bestehen mit zwei Festkonzerten in der Philharmonie unter Leitung seines Chefdirigenten Herbert von Karajan in Anwesenheit von Bundespräsident Carstens, Bundeskanzler Schmidt und des Regierenden Bürgermeisters von Weizsäcker sowie zahlreicher inund ausländischer Ehrengäste, die jedoch ausnahmslos ihre Karten selbst bezahlen müssen. Im Großen Foyer der Philharmonie wird unter dem Titel "100 Jahre Berliner Philharmonisches Orchester" zugleich eine Ausstellung eröffnet, die Objekte, Dokumente und Texte zur Orchestergeschichte zeigt.

1982

Gegen 17.40 Uhr landet erneut eine polnische Verkehrsmaschine der Fluggesellschaft LOT auf dem Flughafen Tempelhof (vgl. 12. Februar). Neben den acht männlichen Entführern, die von den amerikanischen Behörden vorläufig inhaftiert werden, nutzen weitere 28 Personen, darunter 15 Kinder, die Gelegenheit, hierum Asyl zu bitten. Die fünf Besatzungsmitglieder, die vier Sicherheitsbeamten und der Rest der ursprünglich 52 Passagiere kann am nächsten Tage vom DDR-Flughafen Schönefeld die Heimreise antreten.

Innensenator Lummer verabschiedet Landespolizeidirektor Börner, der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand treten muß.

1983

Der niederländische Kulturminister Brinkman eröffnet in der Akademie der Künste den Veranstaltungszyklus "Amsterdam-Berlin: Begegnung mit den Niederlanden". Bei der Begrüßung verweist der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker darauf, daß diesem vor einem Jahr ein ähnliches Unternehmen vorausging, "Berlin-Amsterdam: Begegnung mit Deutschland", das einen überraschend großen Erfolg in Amsterdam fand und zu dem Entschluß führte, nun Berlin einen Querschnitt durch die niederländische Bildende Kunst, Musik, Literatur und das Theater zu bieten.

1985

Die Bezirksverordnetenversammlung von Kreuzberg wählt den bisherigen Stadtrat für Wirtschaft und Finanzen, Wolfgang Krüger (CDU), zum neuen Bezirksbürgermeister als Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierenden Günter Funk.

1986

Im ICC veranstaltet der 1951 gegründete Rat der Gemeinden und Regionen Europas seine 16. Tagung, bei deren Eröffnung Bundespräsident von Weizsäcker, der Präsident des Europa-Parlaments in Straßburg, Pflimlin, und der Regierende Bürgermeister Diepgen sprechen. Die rund 3000 europäischen Kommunalpolitiker beschäftigen sich in erster Linie mit Fragen der Stadtplanung und des Umweltschutzes, der europäischen Einigung und ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die Gemeinden sowie der Stand der Nord-Süd-Beziehungen in Europa.

1986

Offizielle Eröffnung des Doppelinstituts der TU und der Fraunhofer-Gesellschaft im Charlottenburger Spreebogen durch Wissenschaftssenator Turner. Durch das in dreieinhalbjähriger Bauzeit von Gerd Fesel und Peter Bayerer für 136 Mio. DM davon trugen je 35 % der Bund und das Land Berlin, den Rest die Fraunhofer-Gesellschaft - errichtete produktionstechnische Zentrum werden die bislang an verschiedenen Standorten befindlichen Bereiche der Werkzeug-und Fertigungstechnik sowie der Produktionsanlagen beider Institutionen an einer Stelle zusammengefaßt. Künftig werden hier etwa je 200 Wissenschaftler und studentische Hilfskräfte tätig sein.

1987

Offizieller Beginn der Feiern und Veranstaltungen zum Stadtjubiläum in West-Berlin mit einem Festakt im ICC in Anwesenheit der Botschafter der Westmächte -Boidevaix (Frankreich), Bullard (Großbritannien) und Burt (USA) -, der westlichen Stadtkommandanten Cavarrot (Frankreich), Brooking (Großbritannien) und Mitchell (USA) -, von mehr als 90 in Bonn akkreditierten Botschaftern, von Bundespräsident von Weizsäcker, den Alt-Bundespräsidenten Scheel und Carstens, Bundestagspräsident Jenninger, den Bundesministern Genscher, Stoltenberg, Wörner und Schäuble, den Ministerpräsidenten der Bundesländer Späth (Baden-Württemberg), Strauß (Bayern), Wedemeier (Bremen), von Dohnanyi (Hamburg), Wallmann (Hessen), Albrecht (Niedersachsen), Rau (Nordrhein-Westfalen), Vogel (Rheinland-Pfalz), Lafontaine (Saarland) und Barschel (Schleswig-Holstein), dem ev. und dem kath. Bischof von Berlin, Kruse und Meisner, sowie hochrangiger Vertretervon Wirtschaft und Kulturaus der Bundesrepublik und 4000 geladenen Gästen. Nach der Eröffnungsansprache des Regierenden Bürgermeisters Diepgen, der dabei betont, daß Politik in der Mitte Europas nach zwei verheerenden Weltkriegen und nach dem Kalten Krieg nur dem Frieden dienen könne, und nach den Grußworten des Bürgermeisters von Los Angeles, Bradley, der als Vertreter von Berlins einziger Partnerschaft die auf den Werten demokratischerGesellschaften beruhende Freundschaft beider Gemeinwesen unterstreicht, und von Willy Brandt - als ehem. Regierender Bürgermeister (1957-1966), früherer Bundeskanzler (1969-1974) und Berliner Ehrenbürger mit demonstrativem Beifall begrüßt-, der daran erinnert, daß "wir" ohne den Selbstbehauptungswillen derBerliner"nichts erreicht hätten", die daher allen Grund hätten stolz zu sein auf das, "was unter so unterschiedlichen Bedingungen nicht nur in diesem, sondern auch im anderen Teil Berlins geleistet worden ist", die Zukunft aber nur davon handeln könne, willkürliche Trennungen nicht zu vertiefen, sondern zu überwinden, folgt ein "Salut an Berlin" durch La Batterie-Fanfare du 1er Regement d'Infanterie de la Garde Republicaine, Paris, die Grimethorpe Colliery Band,Leeds, und die Universityof Michigan Symphony Band,Ann Arbor,sowie der3. Akt des rekonstruierten Films "Berlin, Die Sinfonie der Großstadt" von Werner Ruttmann aus dem Jahre 1927 mit derMusik von Edmund Meisel in einerneuen Orchesterbearbeiung nach dem erhalten gebliebenen Klavierauszug, gespielt vom RIAS-Jugendorchester unter Mark Andreas. In seiner Festansprache würdigt Bundeskanzler Kohl die Bedeutung der Bindungen Berlins an den Bund und die Europäische Gemeinschaft. Gestützt auf das Vier-Mächte-Abkommen von 1971 müsse jede Chance zu ihrem Ausbau genutzt werden. Die Wahrung der Rechte und Verantwortlichkeiten der Schutzmächte in Berlin liege "vor allem in unserem eigenen Interesse". Berlin bleibe das Symbol für die deutsche Frage, die solange offen sei, wie "grundlegende Menschen- und Bürgerrechte mitten in Deutschland verletzt werden". Dennoch strebe die Bundesregierung nach einem auf Zusammenarbeit gerichteten Verhältnis mit der DDR, um für die Menschen im geteilten Land Erleichterungen zu erreichen. Den Abschluß des Festaktes bildet der als Auftragswerk von Dieter Hildebrandt (Text) und von dem als Professor an der HdK Berlin tätigen Jolyon Brettingham-Smith (Musik) geschaffene Cantus zur750-Jahr-Feier "Berlinjetzt freue dich", ausgeführt voom RIAS-Jugendorchester, den bereits beim "Salut an Berlin" erwähnten drei Kapellen sowie dem Berliner Gesamtchor, dem RIAS-Kammerchor, den Männerchören desBerlinerSängerbundes,derBerlinerLiedertafel,dem Männergesangsverein Zehlendorf, dem Erkschen Chor, den Gropies Berlin und Cantus "Berlinjetzt freue dich" von Dieter Hildebrandt (Text) und Jolyon Brettingham-Smith (Musik), vorgetragen von mehreren Berliner Chören. den Stern-Chören sowie Hanna Schwarz (Alt) und Jolyon Brettingham-Smith (Sprecher) als Solisten unter der Gesamtleitung von Roland Bader.

Die Staats- und Regierungschefs der Westmächte - Mitterand (Frankreich), Thatcher (Großbritannien) und Reagan (USA) -betonten in Grußbotschaften zur 750-Jahr-Feier ihre Verbundenheit mit Berlin und bekräftigten ihre Entschlossenheit zurWahrung derRechte und Verantwortlichkeiten in derStadt, bis einesTages die Mauer fällt und Berlin wieder eine vereinte Stadt sein kann.

Kultursenator Hassemer eröffnet im restaurierten ehemaligen Hamburger BahnhofinderInvalidenstraße,derseit den 90er Jahren als Verkehrsmuseum und vor einigen Jahren von der Deutschen Reichsbahn West-Berlin zur Nutzung überlassen wurde, die zweite der großen Ausstellungen zur 750-Jahr-Feier (vgl. 21. März) unter dem Titel "Die Reise nach Berlin". Rund 2500 Objekte von insgesamt etwa 400 Leihgebern auf ca. 3 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sollen einen kulturhistorischen Überblick über die Geschichte des Reisens von und nach Berlin vermitteln.

Im Alter von 81 Jahren stirbt in Berlin der frühere Bezirksbürgermeister von Steglitz (1946-1951), Jugendstadtrat von Schöneberg (1951-1953) und dann wieder Bezirksbürgermeister von Wedding (1959-1970), Helmut Mattis, der seit 1925 der SPD angehörte und nach seinem Ausscheiden aus der Kommunalpolitik noch einige Jahre Vorsitzender der Berliner Europa-Union war und Berlin im Rat der Gemeinde Europas vertrat.

1990

Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl kommen zur ersten offiziellen Begegnung zusammen und beraten zunächst in der Volkskammer in Ost-Berlin und dann im Reichstagsgebäude in West-Berlin. Vereinbart wird eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Parlamenten.

__________

1991

Der Senat beschließt in seiner 14. Sitzung ein arbeitsmarktpolitisches Rahmenprogramm, mit dem vor allem auf die strukturbedingte Arbeitslosigkeit im Ostteil der Stadt reagiert wird. Noch in diesem Jahr sollen in Ost-Berlin 30 000 Stellen für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) eingerichtet und besetzt werden. Das von Arbeitssenatorin Christine Bergmann erarbeitete Programm erfordert einen Finanzierungsaufwand von 1,1 Milliarden DM für 1991. Davon fließen 800 Millionen DM aus Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit und der EG. Aus dem Landeshaushalt werden 300 Millionen DM beigesteuert.

Die Fluggesellschaft Pan American Airways (Pan Am) stellt nach mehr als 40 Jahren ihre innerdeutschen Flüge mit der Rückkehr der letzten Maschine von Frankfurt am Main nach Berlin-Tegel ein. Schon seit Herbst 1990 hatte die US-amerikanische Fluggesellschaft den Berlin-Verkehr im Auftrag der Deutschen Lufthansa bedient.
   Mit einem Flug von Wien nach Schönefeld stellt die seit dem 1. März in Liquidation befindliche frühere DDR-Fluggesellschaft Interflug ihren regelmäßigen Flugbetrieb ein. (Vgl. 8. Februar.)

1992

In einer Gedenkstunde im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg zum 49. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto, mit der zugleich der jüdische Gedenktag Jom Hascho'ah für den Holocaust begangen wird, spricht sich der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, gegen eine "unparteiische und neutrale" Betrachtungsweise der Judenvernichtung in der NS-Zeit aus.

1994

Der Heidelberger Theologieprofessor Wolfgang Huber wird in das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg eingeführt. Er tritt die Nachfolge von Martin Kruse an, der nach 17jähriger Amtszeit in den Ruhestand tritt. Während eines feierlichen Gottesdienstes in der Marienkirche in Berlin-Mitte übernimmt Huber das Bischofskreuz von seinem Vorgänger. An der Amtseinführung nehmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Klaus Engelhardt, der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky, Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe sowie zahlreiche Bischöfe aus dem In- und Ausland teil.

Der japanische Kaufhauskonzern Mitsukoshi schließt seine Filiale in Berlin, die 1992 am Kurfürstendamm eröffnet wurde. Für die Schließung werden wirtschaftliche Gründe genannt.

Die Volleyballerinnen des CJD Berlin werden im Sportforum in Berlin-Hohenschönhausen nach einem 3 : 0 über den Schweriner SC erneut Deutscher Volleyball-Meister.

1995

Die im Jahre 1955 eingeweihte katholische St. Canisius-Kirche in Berlin-Charlottenburg, das einzige von Jesuiten geleitete Gotteshaus in Berlin, brennt bis auf die Grundmauern nieder. Bei den Löscharbeiten werden vier Feuerwehrbeamte verletzt. Der Schaden wird auf mehrere Millionen DM geschätzt. Zwei mit Feuer spielende Jugendliche haben den Großbrand verursacht.

1997

Auf dem Schloßplatz in Berlin-Mitte wird eine 18 Meter hohe "Goldene Pyramide", von dem Architekten Helmut Maier erdacht und von dem Wiener Künstler Ernst Fuchs künstlerisch gestaltet, eröffnet. Sie beherbergt das größte Gästebuch der Welt, das ebenfalls von Fuchs kunstvoll gestaltet wurde und 1,5 Millionen Eintragungen aufnehmen soll. Das Buch ist 4,36 Meter hoch, etwa drei Tonnen schwer und umfaßt 1 300 Seiten. Aufgeschlagen ist es 3,60 Meter breit. Berliner und ihre Gäste sind aufgerufen, sich einzutragen, "um so zu dokumentieren, daß sie Zeugen der Zeit des Aufbruchs in dieser anregenden und aufregenden Stadt sind" (Fuchs). Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Herwig Haase, trägt sich als erster in das Gästebuch ein. "Der Haase wünscht dem Fuchs-Bau viele Gäste", schreibt der Parlamentspräsident.
Da die Betreibergesellschaft "Schloß-Palast GbR" Pleite macht, bleibt die Pyramide ab 1. Sep. geschlossen. Das Bezirksamt Mitte ordnet den Abbau an. Ursprünglich sollte sie bis Ende Sep. 1998 auf dem Schloßplatz stehen.

2000

Im Café Möhring an der Ecke Kurfürstendamm und Uhlandstraße werden zum letzten Mal Kaffee und Kuchen gereicht. Nach 102 Jahren gibt Möhring seinen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Standort auf.

Bei der 20. Auflage des Straßenlaufs "25 km von Berlin" gewinnt der Slowake Robert Stefko mit 1:15:31 Stunden. Schnellste Frau ist die Russin Madina Biktagirowa mit 1:26:01 Stunden. Sie und Stefko verhindern zum ersten Mal seit drei Jahren Doppelerfolge der sieggewohnten Kenianer.

2001

Nach rund 30 Monaten Bauzeit eröffnet C & A sein Bekleidungskaufhaus im neuen Ku'damm-Eck zwischen Kurfürstendamm, Augsburger und Joachimstaler Straße. C & A nutzt einen Teil des nach Plänen von Gerkan, Mark und Partner, Hamburg, errichteten Komplexes, für den das 1972 eröffnete Einkaufszentrum weichen musste. Ein First-Class-Hotel (Swissôtel) mit 316 Zimmern soll im Aug. in dem 44 Meter hohen Neubau eröffnet werden. An der Fassade zur Joachimstaler Straße ist sich eine 70 Quadratmeter große elektronische Werbewand installiert worden.

2002

Im Alter von 74 Jahren stirbt während eines Besuches in Berlin Charlotte von Mahlsdorf, die bis 1997 das Gründerzeitmuseum in Mahlsdorf leitete. 1997 siedelte sie nach Schweden über.
   Am 10. Mai wird sie auf dem evangelischen Waldfriedhof in Mahlsdorf beigesetzt.

2006

Die Villa des Malers, Grafikers und Berliner Ehrenbürgers Max Liebermann (1847-1935) am Großen Wannsee wird als Museum eröffnet, das rekonstruierte Künstlerhaus und der zum Leben erweckte Sommergarten können besichtigt werden. Getragen wird die Liebermann-Villa von der 1995 gegründeten Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e. V.
Liebermann ließ das Haus 1909/10 erbauen, der nach eigenen Ideen gestaltete Garten war 1912 fertig. Der Künstler fand hier den idealen Ort für sein Spätwerk.

2008

Nach jahrelangen politischen und gerichtlichen Auseinandersetzungen wird die Umbenen-nung des östlichen Abschnitts der Kochstraße (Kreuzberg) in Rudi-Dutschke-Straße mit der Enthüllung eines Straßenschilds an der Ecke Rudi-Dutschke- und Axel-Springer-Straße vor dem Axel-Springer-Hochhaus vollzogen.

2009

Im Mittelpunkt einer Feierstunde im Berliner Rathaus stehen der scheidende Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der nach sieben Jahren zur Deutschen Bundesbank wechselt, und sein Nachfolger, der parteilose Ulrich Nußbaum. Nach der Aushändigung der Entlassungsurkunde an Sarrazin folgt die Ernennung des neuen Senators. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit stellt den Juristen Ulrich Nußbaum, der von 2003 bis 2007 Bremer Finanzsenator war, als erfahrenen Fachmann und angesehenen Unternehmer vor, der das Rüstzeug mitbringe, um auch in Berlin Erfolg zu haben. Gerade angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise und des zu erwartenden Rückgangs der Steuereinnahmen gebe es viel für ihn zu tun.

Das Abgeordnetenhaus beschließt in seiner 46. Sitzung (16. Wahlperiode) eine Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes aufgrund der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts. Der Wirt darf in seiner Kneipe das Rauchen erlauben, wenn der Raum maximal 75 Quadratmeter groß ist. In einer als Raucherkneipe gekennzeichneten Gaststätte, die nur von volljährigen Gästen besucht werden darf, dürfen nur Speisen verkauft werden, die außerhalb zubereitet wurden.

2010

Der Martin-Gropius-Bau in Kreuzberg widmet der bedeutenden mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907–1954) eine umfangreiche Retrospektive. Rund 150 Arbeiten (Gemälde und Zeichnungen) können bewundert werden. Es ist die größte Kahlo-Schau, die es bislang in Deutschland gab. Die Retrospektive zieht 235 000 Menschen an. Es ist die erfolgreichste Einzelschau in der Geschichte des Martin-Gropius-Baus. Am 3. Mai besuchen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Mexikos Präsident Felipe Calderón gemeinsam die Ausstellung.

2013

Jenny de la Torre, in Berlin praktizierende Ärztin für obdachlose Menschen, erhält die Louise-Schroeder-Medaille 2013. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, verleiht ihr die Medaille im Rahmen einer Feierstunde im Abgeordnetenhaus. Die Laudatio auf die Preisträgerin hält die einstige Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John. De la Torre gründete 1994 eine Obdachlosenpraxis am Ostbahnhof und 2002 ihre Stiftung. 2006 eröffnete sie ein Gesundheitszentrum an der Pflugstraße in Mitte, wo Wohnungslose neben kostenlosen ärztlichen Behandlungen auch eine Suppenküche, eine Kleiderkammer sowie psychologische, soziale und rechtliche Beratungen in Anspruch nehmen können. Zur Begründung der Preisverleihung hat das Kuratorium »Louise-Schroeder-Medaille« unter anderem ausgeführt: »Die Ärztin und Gründerin eines Gesundheitszentrums für Obdachlose, Frau Dr. Jenny de la Torre, trägt dem politischen, sozialen und persönlichen Vermächtnis Louise Schroeders in besonderer Weise Rechnung. Durch ihr außergewöhnliches Engagement für wohnungslose Frauen und Männer in Berlin und weit darüber hinaus macht sie sich jeden Tag um Demokratie, Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Gleichstellung von Frauen und Männern verdient und trägt dazu bei, dass die Schwächsten in unserer Gesellschaft nicht aus dem Blick geraten, sondern aktive Hilfe und eine Perspektive bekommen.«

2014

Peter-André Alt wird als Präsident der Freien Universität Berlin wiedergewählt.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 30.04.2017)