Was geschah am 16.09. im Jahr ...

1945

Der Befehl des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Marschall Shukow, zur Aussonderung der nationalsozialistischen Literatur wird veröffentlicht. Der Ablieferung bis zum 1. Oktober bei den Bezirkskommandanturen unterliegen alle Druckerzeugnisse und andere Literatur über faschistische Propaganda, Rassentheorie, gewaltsame Aneignung fremder Länder sowie alle Art Literatur, die gegen die Sowjetunion und andere den Vereinten Nationen angehörende Staaten gerichtet ist; ferner alle Kriegsliteratur einschließlich der Lehrmittel für Kriegsschulen und wissenschaftliche und technische Literatur, die mit dem Kriegswesen zusammenhängen. Die Ablieferungspflicht besteht für alle öffentlichen und privaten Bibliotheken, Buchhandlungen, Verlage und alle Privatpersonen. Die ehemals staatlichen und städtischen Bibliotheken, Universitäten, Hochschulen, wissenschaftlichen Forschungsanstalten, Akademien sowie Gesellschaften der wissenschaftlichen und technischen Vereinigungen haben auch die dazugehörenden Karteien zu übergeben.

1946

Die Alliierte Kommandantur ordnet mit BK/O (46) 369 die Durchführung des Gesetzes Nr. 18 (Wohnungsgesetz) des Alliierten Kontrollrats in Berlin an.

Im Neuen Stadthaus in der Parochialstraße wird in einer kurzen Feierstunde der zum Stadtwahlleiter ernannte Stadtrat Dr. Landwehr von Oberbürgermeister Dr. Werner auf sein Amt verpflichtet und der Stadtwahlausschuß gebildet. Gleichzeitig erfolgt die Auslosung der Reihenfolge der Parteien in den Wahllisten für die Wahlen am 20. Oktober. Die SPD erhält Liste Nr. 1, die SED Nr. 2, die CDU Nr. 3 und die LDP Nr. 4.

1947

Die Berliner Postangehörigen lehnen auf einer Tagung der Industriegewerkschaft Post- und Fernmeldewesen des FDGB eine vom FDGB vorgelegte Resolution ab, in der die Loslösung der Berliner städtischen Postverwaltung vom Magistrat und ihre Eingliederung in die Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen der sowjetischen Besatzungszone gefördert wird.
Die Betriebsratsvorsitzenden sowie die Amtsleiter der Post in der sowjetischen Besatzungszone hatten auf einer vom FDGB einberufenen Konferenz am 3. September 1947 die Verkehrs- und Personallage der Berliner Post erörtert und ihre Zugehörigkeit zum Magistrat als eine starke Behinderung des Postverkehrs in Berlin bezeichnet.

1947

Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hält unter Vorsitz von Dr. Kurt Schumacher zum ersten Male in Berlin eine Arbeitstagung ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Erich Ollenhauer, kennzeichnet die Tagung, die im August-Bebel-Institut in Wannsee stattfindet, als eine Demonstration zur Unterstützung Berlins durch die gesamte deutsche Sozialdemokratie.

1948

Beginn einer Umtauschaktion in den westlichen Sektoren für die Empfänger von Sozial- und Unfallrenten. 10 Prozent der Renten werden im Verhältnis 1:1 in DM (West) umgetauscht.

Der Chefredakteur der "Hessischen Nachrichten" übergibt dem stellvertretenden Oberbürgermeister, Dr. Friedensburg, eine Spende der hessischen Bevölkerung über 46 000 DM (West) für Berlin.

Mehrere hundert Berliner Zeitungshändler beschließen in einer Versammlung in Kliems Festsälen in Kreuzberg, den erfolgreichen Boykott sowjetisch lizenzierter Zeitungen in den westlichen Sektoren solange aufzuheben, wie der Magistrat ihren Wünschen entsprechende Verhandlungen mit dem sowjetischen Stadtkommandanten, Generalmajor Kotikow, führt. Es wird die volle Gewerbefreiheit nach den bisher geltenden Grundsätzen gefordert. Die Versammlung beschließt die Gründung eines Fachverbandes Berliner Zeitungshändler.
Zur Zeit dulden die sowjetischen Dienststellen stillschweigend, daß die Händler in ihrem Sektor immer noch die Zeitungen von anderen Stellen als der Zeitungsvertriebsgesellschaft beziehen.

Die Belegschaften des Zeitungsvertriebsamtes und mehrerer Postämter des sowjetischen Sektors beschließen, ab 17. September 1948 die Beförderung und Zustellung von westlich lizenzierten Zeitungen wegen "maßloser Angriffe" auf die Sowjetunion einzustellen.

Der Vorstand der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands erhebt in einer Entschließung "schärfsten Protest gegen die Lügen und die Kriegshetze, die der im Dienste des amerikanischen Monopolkapitals stehende 'Parlamentarische Rat' zur Zerreißung Deutschlands gegen die Sowjetunion ... auf Grund der Berliner Vorgänge betreibt". Das Urteil des sowjetischen Militärtribunals wird gebilligt.

Trauerfeier für den am 9. September 1948 tödlich verwundeten Wolfgang Scheunemann vor dem Rathaus Tiergarten.

1948

Die britischen und amerikanischen Besatzungsbehörden sperren zur Überwachung des illegalen Interzonenverkehrs eine Reihe von Straßenübergängen entlang der Zonengrenze und unterbinden jeglichen Warenverkehr mit der sowjetischen Besatzungszone.

1949

Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr erklärt auf einer Funktionärkonferenz der SPD, daß Berlin mit Sympathien allein nicht mehr gedient sei. Er wünsche, daß es Bundeskanzler Dr. Adenauer beschieden sein mag, seine vielen Versprechungen, vor allem auch die für Berlin, einzulösen. "Wir werden dem Kabinett Adenauer auch all die Versprechungen präsentieren, die sein voraussichtlicher Wirtschaftsminister Erhard den Berlinern vor einem halben Jahr gemacht hat." Bis heute seien die versprochenen Kredite, Rohstoffe und Materalien ausgeblieben.

Dr. Suhr wendet sich gegen die Ausführungen des künftigen französischen Hohen Kommissars, Francois-Poncet, im Hinblick auf die Einbeziehung Berlins als zwölftes Land in die Bundesrepublik und betont, ihm sei unklar, worauf die westlichen Besatzungsmächte in dieser Frage noch warteten.

Der Magistrat des sowjetischen Sektors erläßt eine Verordnung, nach der für alle Angestellten und Arbeiter, die in der Verwaltung oder in öffentlichen Betrieben und Einrichtungen tätig sind, als Beschäftigungszeit und zur Berechnung von Kündigungsfristen nur die nach dem 8. Mai 1945 zurückgelegte Dienstzeit gilt (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 31.5.1945).

Der Verein Berliner Zeitungsverleger wird vom Magistrat als nichtpolitische Organisation anerkannt. In seiner konstituierenden Sitzung werden Hans Sonnenfeld (Der Abend) zum Vorsitzenden, Arno Scholz (Telegraf) zum stellvertretenden Vorsitzenden und Dr. Erich Bolte (Der Kurier) zum Schriftführer gewählt.

1951

In einer großen Kundgebung begrüßen 35 000 Katholiken aus Berlin und der SBZ in der Waldbühne den neuen katholischen Bischof von Berlin, Wilhelm Weskamm. In einer Ansprache bemerkt der Bischof, daß die Geschichte des Berliner Bistums zwar noch jung, aber doch schon reich an Ereignissen sei. Er erinnert dabei an die Arbeit seiner bisherigen Vorgänger - Christian Schreiber, Nicolaus Bares und Konrad Kardinal von Preysing - und entbietet Papst Pius XII. seinen Gruß, der von 1920 bis 1932 als Nuntius in der Stadt wirkte.

1952

Der Regierende Bürgermeister Professor Reuter nimmt in einem Brief an Bundeskanzler Dr. Adenauer noch einmal Stellung zur Einbeziehung Berlins in internationale Verträge und Verpflichtungen der Bundesrepublik und verweist auf die eingehenden Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Amt und Vertretern des Senats einerseits und mit der Alliierten Hohen Kommission sowie der Alliierten Kommandantur andererseits über dieses Problem, die ihren Niederschlag in der Erklärung BKC/L (52) 6 der Kommandantur fanden. Da in den Verhandlungen mit den Alliierten nicht in allen strittigen Punkten Übereinstimmung erzielt werden konnte und die erwähnte Erklärung somit keine den Senat voll befriedigende Lösung dieses Fragenkomplexes darstellt, wolle er sich weiterhin um eine seinen Wünschen und dem von ihm verfolgten Ziel - Berlin soweit wie möglich in die internationalen Verträge der Bundesrepublik einzubeziehen - entsprechende Änderung dieser Erklärung bemühen. Solange dies aber nicht erreicht ist, erklärt der Senat sein Einverständnis, daß die Bundesregierung Berlin bei Abschluß internationaler Verträge gemäß den Bestimmungen der Erklärung BKC/L (52) 6 vertritt. Der Regierende Bürgermeister bittet deshalb den Bundeskanzler um die Bestätigung, daß die Bundesregierung mit dieser Regelung einverstanden ist.

Die Leiter der Wirtschaftsabteilungen der westlichen Hohen Kommissionen protestieren beim Chef der Transportabteilung der SKK gegen die außergewöhnlich großen Stockungen bei der Abfertigung von Lastwagen am Kontrollpunkt Marienborn, wodurch sich die Zahl der wartenden Fahrzeuge in den letzten acht Tagen mehr als verdreifachte. Sie fordern ihn deshalb auf, unverzüglich Abhilfe zu schaffen. Außerdem erinnern sie an ihr Ersuchen, die Übergangsstelle Lauenburg-Horst auf der Straße von Berlin nach Hamburg täglich 24 Stunden geöffnet zu halten.

Fünf Stunden vor dem festgesetzten Zeitpunkt wird durch Gespräche zwischen dem Senator für Verkehr und Betriebe, Dr. Hausmann, und Vertretern des Güterfernverkehrsgewerbes der angekündigte Streik im Interzonen-Güterverkehr abgewendet. Nach dem Übereinkommen wird der Senat

Der Senat hatte am Vortag auf seiner 106. Sitzung Senator Dr. Hausmann mit der Führung der Verhandlungen beauftragt.

1953

Bundesarbeitsminister Storch eröffnet in Berlin die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. In einer Ansprache dankt der Regierende Bürgermeister Professor Reuter besonders dem Bundesarbeitsminister für sein Eintreten zur Wiedererrichtung dieser Behörde in Berlin.

Der Senat unterrichtet das Abgeordnetenhaus in einer Vorlage zur Kenntnisnahme über die Pläne zur Durchführung der Internationalen Bauausstellung 1956, durch die erstmalig im Rahmen einer solchen Veranstaltung der Bau von 1500 Wohnungen beim Wiederaufbau des Hansa-Viertels als lebendiger Arbeitsprozeß dargestellt werden soll. In- und ausländische Fachverbände sowie die Bundesregierung haben inzwischen die Förderung des Projektes zugesagt.

Der Senat stellt in einer weiteren Vorlage zur Kenntnisnahme an das Abgeordnetenhaus über die Abwicklung und Entflechtung des ehemaligen reichseigenen Filmvermögens (UFA-UFI-Komplex) fest, daß den Interessen der Berliner Filmwirtschaft am besten gedient wäre, wenn aus dem UFA-Vermögen drei Einheitsgesellschaften mit Sitz in München, im norddeutschen Raum und in Berlin errichtet würden. Der Senat hofft, daß unter maßgeblicher Beteiligung der Banken eine private Finanzierungsgruppe die Anteile der Berliner Einheitsgesellschaft erwerben könne.

1954

Als erster Häftling des Spandauer Kriegsverbrechergefängnisses wird der frühere Reichswirtschaftsminister Walther Funk außerhalb des Gefängnisses in ein britisches Militärkrankenhaus überführt, um dort wegen eines Prostataleidens operiert zu werden.

Der Senator für Arbeit und Sozialwesen, Kreil, erläutert vor der Presse eine in seinem Auftrage erarbeitete Denkschrift über Probleme der Fünf-Tage-Woche. Wenn er persönlich auch die Fünf-Tage-Woche befürwortet, so stehe eine gesetzliche Regelung zur Zeit noch nicht zur Diskussion. Sie sei auch nur dann vertretbar, wenn gleichzeitig die gesamte Arbeitszeit von 48 auf 42% oder zumindest 45 Stunden herabgesetzt wird. Im übrigen müsse man sich darüber im klaren sein, daß für eine Reihe von Betrieben, auch für den öffentlichen Dienst, die Fünf-Tage-Woche ebensowenig verwirklicht werden könne wie etwa bei der BVG. Bei der Diskussion um dieses Problem hätten sich die Praktiker aus den 300 Berliner Betrieben, die die neue Arbeitszeitregelung schon eingeführt haben und sie in jeder Hinsicht verteidigten, und die Theoretiker, vor allem Ärzte, die deshalb gesundheitliche Schäden auf längere Sicht befürchteten, scharf gegenübergestanden. Senator Kreil regt an, daß die Sozialpartner diese Denkschrift als Diskussionsgrundlage verwenden und gewisse Richtlinien erarbeiten, um eine allzu große Regellosigkeit bei den betrieblichen Vereinbarungen zu vermeiden.

Der "Nationalrat der Nationalen Front" beschließt auf einer Tagung im Ost-Berliner Haus der Ministerien einen Wahlaufruf, der alle Männer und Frauen in der "DDR" auffordert, bei den Wahlen am 17. Oktober ihre Stimme dem gemeinsamen Wahlvorschlag der "Nationalen Front" zu geben, denn damit entschieden sie sich für die Erhaltung und Festigung des Friedens. Die Wahlen sollen den Willen auf folgende Forderungen bekunden:

1955

Die West-Berliner Presse veröffentlicht Einzelheiten eines Berichts der BVG-Direktion über die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens. Darin schlägt sie eine nochmalige Tariferhöhung um fünf Pfennig auf allen städtischen Verkehrsmitteln vor, da nur so das jährliche Defizit von etwa 20 Mill. DM ausgeglichen werden könne. Dieses hohe Defizit resultiere aus erheblichen'"politischen Kosten", bedingt besonders aus der Spaltung des Netzes von Straßen- und U-Bahn. Darüber hinaus seien ihr auch die Unterschiedsbeträge bei den sogenannten Sozialtarifen bisher nicht erstattet worden. Eine Tariferhöhung wäre aber auch dann unabwendbar, wenn diese Kosten auf andere Weise abgedeckt würden. Deshalb sollten auch die Preise der Zeitkarten, die etwa noch den Vorkriegsstand haben, in ein angemessenes Verhältnis zu den Fahrscheinpreisen gebracht und auf die von vielen Seiten geforderte Wiedereinführung des Kurzstreckentarifs verzichtet werden, da nach allen Erfahrungen dieser Weg zu keinem wirtschaftlichen Erfolg führe.

Im Berliner Polizeipräsidium wird im Rahmen einer umfangreichen Umgruppierung in leitenden Positionen die Abteilung I errichtet. Sie wird künftig die politischen Delikte bearbeiten, die bisher in den Zuständigkeitsbereich der Inspektion V/1 (S) fielen.

Die 10. Große Strafkammer beim Landgericht Berlin spricht in einem Wiederaufnahmeverfahren den Maler Erwin Schulze wegen Mangel an Beweisen von dem Vorwurf frei, am 21. März 1934 in Berlin einen Handgranatenanschlag auf den damaligen preußischen Ministerpräsidenten Göring verübt zu haben. Schulze war seinerzeit von einem Sondergericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt und daran anschließend bis Kriegsende in "Schutzhaft" gehalten worden.

1956

Der amtierende Regierende Bürgermeister Amrehn empfängt im Rathaus Schöneberg den ceylonesischen Industrieminister de Silva, der sich zum Besuch der Industrieausstellung in Berlin aufhält, und anschließend den Staatssekretär im französischen Außenministerium, Maurice Faure, der bei dieser Gelegenheit nachdrücklich unterstreicht, daß Frankreich seinen Verpflichtungen in Berlin treu bleiben und sich stets für diese natürliche Hauptstadt Deutschlands einsetzen werde.

1956

Berliner Festwochen 1956.
Der amtierende Regierende Bürgermeister Amrehn eröffnet im Konzertsaal der Hochschule für Musik die 6. Berliner Festwochen. Während der Festwochen gastieren in Berlin

Die Berliner Theater bringen folgende Premieren:

Städtische Oper:
"Der Mohr von Venedig", Ballett von Erika Hanka mit der Musik von Boris Blacher;
"Schwanensee" Akt II (Tschaikowsky). Choreographie: Tatjana Gsovsky. Musikalische Leitung: Arthur Rother;
H. W. Henzes Oper "König Hirsch" in der Inszenierung von Leonard Steckel. Musikalische Leitung: Hermann Scherchen (Uraufführung).

Schiller-Theater:
Shakespeares "Maß für Maß" in der Inszenierung von Gustav-Rudolf Seilner;
Hofmannsthals "Cristinas Heimreise" in der Inszenierung von Rudolf Steinboeck.

Schloßpark-Theater:
Strindbergs "Nach Damaskus" in der Inszenierung von Hans Lietzau;
"Das Tagebuch der Anne Frank" von Frances Goodrich und Albert Hackett in der Inszenierung von Boleslaw Barlog. Titelrolle: Johanna von Koczian (Deutsche Erstaufführung).

Renaissance-Theater:
Remarques "Die letzte Station" in der Inszenierung von Paul Verhoeven.

Theater am Kurfürstendamm:
O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht", inszeniert von Oscar Fritz Schuh (Deutsche Erstaufführung).

Tribüne:
Arnold Kriegers "Fjodor und Anna" in der Inszenierung von Frank Lothar (Uraufführung);
Karl Wittlingers "Der Himmel des Besiegten" in der Inszenierung von Walter Tappe.

Hebbel-Theater:
R. C. Sherriffs "Die andere Seite" in der Inszenierung von Walter Suessenguth.

Die Berliner Philharmoniker geben vier Konzerte unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch, Herbert von Karajan, Eleazar de Carvalho und Herbert Bardgett.
Das Radio-Symphonie-Orchester gibt zwei Konzerte unter der Leitung von Ferenc Fricsay und Igor Strawinsky.
Das Berliner Kammerorchester konzertiert unter Hans von Benda.
Liederabende: Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton), Peter Pears (Tenor) mit Benjamin Britten (Klavier).
Klavierabend: Wilhelm Kempff.
Guitarre: Andres Segovia.
Kunstausstellungen:
120 Meisterwerke des Musee d'Art Moderne, Paris (Hochschule für Bildende Künste);
Aquarelle und Graphiken von Oskar Kokoschka (Haus am Lützowplatz);
Gedächtnisausstellung Willi Baumeister (Haus am Waldsee);
Charlotte Berend-Corinth (Rathaus Reinickendorf);
Deutsche Zeichnungen. Meisterwerke des 15.-19. Jahrhunderts aus deutschen Museen und Privatsammlungen (Museum für Völkerkunde).
Dichterlesungen: Werner Bergengruen, Max Brod.
Daneben wird eine Reihe von Tagungen, Podiumsgesprächen und Filmaufführungen veranstaltet.

1957

Die Alliierte Kommandantur nimmt mit BK/L(57)34 Kenntnis vom "Bundesbesoldungsgesetz", das auch die Besoldung der Beamten, der Richter und der Soldaten der Bundeswehr regelt, und das vom Abgeordnetenhaus am 5. September übernommen wurde. Die Kommandantur macht den Senat in dem Schreiben darauf aufmerksam, daß dieses Gesetz nicht so ausgelegt werden dürfe, als ob die durch alliierte Rechtsvorschriften angeordnete Entmilitarisierung und das Verbot militärischer Betätigung in Berlin wieder aufgehoben worden seien.

Der amtierende Regierende Bürgermeister Amrehn und Volksbildungssenator Prof. Tiburtius geben vor der Presse bekannt, daß nach Bewilligung von 2,5 Mill. DM aus dem Bundeshaushalt für die zweite Jahreshälfte 1957 ab sofort das vom Senat bereits verabschiedete Kulturprogramm für die Ost-Berliner Bevölkerung verwirklicht werden kann. Zugleich bedauert der Bürgermeister, daß noch keine Möglichkeit gefunden wurde, auch die Lichtspieltheater in dieses Programm mit einzubeziehen. Er betont weiter, daß es sich grundsätzlich um ein Berliner Programm handelt, das den Bewohnern des Ostsektors entgegenkommen solle, jedoch sei es selbstverständlich, daß die Menschen aus der Zone an den Theaterkassen möglichst nicht abgewiesen werden sollten.

1958

53. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat genehmigt die Jahresbilanz 1957 der BEHALA, die bei einem Betriebsertrag von 9,23 Mill. DM mit einem Gewinn von 633 583 DM abschließt, der an die Landeshauptkasse abzuführen ist.

Trotz einer jährlichen Mindereinnahme von rund 200 000 DM beschließt der Senat, rückwirkend ab 1. April 1958 von den als förderungswürdig anerkannten etwa 700 Amateur- und Betriebssportvereinen mit ihren etwa 145 000 Mitgliedern, davon 70 000 Jugendlichen, für die Benutzung städtischer Sportanlagen zu Lehr- und Übungszwecken keine Entgelte mehr zu erheben, da sich die meisten von ihnen in einer finanziellen Notlage befinden.

Der Senat nimmt einen Bericht von Volksbildungssenator Prof. Tiburtius über die "Förderung des Gesamtberliner Kulturlebens" in der Zeit vom 15. September 1957 bis 31. März 1958 zur Kenntnis, aus dem hervorgeht, daß in diesem Zeitraum vom Bund hierfür 2,14 Mill. DM aufgewendet wurden und die Inanspruchnahme der für Bewohner Ost-Berlins und der DDR geschaffenen finanziellen Vergünstigungen sich verdoppelte, was die Vermutung rechtfertige, daß künftig mit einer weiteren Steigerung zu rechnen ist.

Nach einer Beratung mit Vertretern des DDR-Gesundheitsministeriums und der Medizinischen Fakultäten gibt das SED-Politbüro bekannt, daß im Gesundheitswesen Fehler begangen wurden, die es den "westdeutschen NATO-Propagandisten" erleichtert hätten, Ärzte zur Republikflucht zu veranlassen. Das Politbüro weist deshalb den DDR-Staatsapparat an, die medizinische Forschung zu unterstützen und Ärzten die Teilnahme an Kongressen im Westen zu genehmigen. Zugleich spricht das Politbüro aber die Erwartung aus, daß in Westdeutschland jede Diskriminierung dieser Ärzte aufhört und künftig keine "Abwerbungen" mehr vorkommen. Ausdrücklich stellt es fest, daß ältere Ärzte in der DDR keinerlei weltanschaulichen Verpflichtungen für den Dialektischen Materialismus unterliegen, doch die angehenden Ärzte an den Universitäten mit den Ideen des Sozialismus "vertraut gemacht" würden. Allgemein wird den Ärzten versichert, daß sie ihre Praxen behalten und daß ihre Kinder freien Zugang zu Oberschulen und Universitäten finden werden.

Der Senator für Inneres gibt bekannt, daß in das nunmehr fertiggestellte neue Dienstgebäude in Charlottenburg, Hardenbergstraße 21-24, einziehen werden am 22./23. September das Verwaltungsgericht Berlin (bisher Steglitz, Grunewaldstraße 35, und Charlottenburg, Messedamm 4-6), und am 25./26. September das Oberverwaltungsgericht Berlin (bisher Charlottenburg, Kantstraße 13, und W 30, Geisbergstraße 39).

1958

Auf seiner Sitzung in Berlin beschäftigt sich der Rat der Evangelischen Kirche, einem Kommuniqué zufolge, eingehend "mit den inneren und äußeren Bedrängnissen, durch welche manche Pfarrer in die Versuchung geführt werden, die ihnen anvertraute Gemeinde zu verlassen". Bei allem Verständnis für die sich aus der gegenwärtigen Situation in zahlreichen Pfarrhäusern ergebenden menschlichen Nöte bekräftigt der Rat dennoch seine Auffassung, daß es mit den im Ordinationsgelübde übernommenen Pflichten nicht vereinbar sei, das Amt eigenmächtig zu verlassen. Der Rat behandelt deshalb ausführlich einen Verordnungsentwurf über die Folgen, die sich in einem solchen Fall ergeben.
Da der Rat zu der Ansicht gelangt, daß die an die Gespräche zwischen der Kirche und Vertretern der DDR im Juli geknüpften Erwartungen sich nicht erfüllt haben und eine Behebung der Schwierigkeiten für die Kirche in bemerkenswertem Umfang nicht festzustellen gewesen sei, spricht er den dringenden Wunsch nach einer "beschleunigten Klärung und Beseitigung von Mißständen in den Beziehungen von Staat und Kirche in der DDR" aus.

1958

Der Verband deutscher Zoodirektoren veranstaltet seine Jahrestagung in beiden Teilen Berlins. Seine Mitglieder befassen sich in wissenschaftlichen Referaten und Diskussionen u. a. mit den Bauprinzipien des Ost-Berliner Tierparks Friedrichsfelde, mit Tierverlusten, veterinärmedizinischen und anderen Fachfragen.
Nach Besichtigung des Zoos und seines Aquariums in Charlottenburg und des neuen Tierparks in Friedrichsfelde folgt eine Exkursion zu den Zoos in Halle, Leipzig und Dresden.
Während eines Empfangs des Ost-Berliner Magistrats am 18. September erklärt Stadträtin Blecha, daß das Zusammensein der Zoodirektoren die Richtigkeit der Politik der DDR-Regierung beweise, die davon ausgehe, daß es keine politische, wirtschaftliche und kulturelle Frage in Deutschland gebe, die nicht auf dem Wege friedlicher Verhandlungen gelöst werden könne.
Auf einer abschließenden Pressekonferenz bestätigen der Leiter des Zoos, Dr. Klös, und der Leiter des Tierparks, Prof. Dathe, den guten fachlichen Kontakt zwischen beiden Berliner Instituten.

1959

Auf einer Plenartagung der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin wird der Maler Otto Nagel erneut zu ihrem Präsidenten gewählt.

Im Walter-Ulbricht-Stadion gewinnt die Amateur-Auswahl der Bundesrepublik das erste Qualifikationsspiel um die Teilnahme am Olympischen Fußball-Turnier 1960 gegen die DDR mit 2 : 0 (1 : 0).
Entsprechend einer am 4. September auf der Wartburg getroffenen Vereinbarung zwischen dem DFB (West) und dem DFV (Ost) finden diese Spiele deren Austragungsorte zunächst sogar geheimgehalten worden waren, ohne Zuschauer mit Ausnahme von lediglich je 20 Reportern aus beiden deutschen Staaten statt; allerdings werden sie direkt vom Fernsehen übertagen.

1959

Der Regierende Bürgermeister Brandt wird während eines offiziellen Besuches in Nordrhein-Westfalen von Ministerpräsident Meyers und Landtagspräsident Johnen empfangen. Während einer Sitzung der Landesregierung dankt er für die erneut zugesagten Unterstützungen für die Berliner Wirtschaft, besucht in Düsseldorf den DGB-Vorsitzenden Richter, spricht im Düsseldorfer Industrieclub über "Berlin als gemeinsame Aufgabe" und besichtigt die Zeche Walsum.

1959

Auf einer Plenartagung der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin wird der Maler Otto Nagel erneut zu ihrem Präsidenten gewählt.

Im Walter-Ulbricht-Stadion gewinnt die Amateur-Auswahl der Bundesrepublik das erste Qualifikationsspiel um die Teilnahme am Olympischen Fußball-Turnier 1960 gegen die DDR mit 2 : 0 (1 : 0).
Entsprechend einer am 4. September auf der Wartburg getroffenen Vereinbarung zwischen dem DFB (West) und dem DFV (Ost) finden diese Spiele deren Austragungsorte zunächst sogar geheimgehalten worden waren, ohne Zuschauer mit Ausnahme von lediglich je 20 Reportern aus beiden deutschen Staaten statt; allerdings werden sie direkt vom Fernsehen übertagen.

1959

Der Regierende Bürgermeister Brandt wird während eines offiziellen Besuches in Nordrhein-Westfalen von Ministerpräsident Meyers und Landtagspräsident Johnen empfangen. Während einer Sitzung der Landesregierung dankt er für die erneut zugesagten Unterstützungen für die Berliner Wirtschaft, besucht in Düsseldorf den DGB-Vorsitzenden Richter, spricht im Düsseldorfer Industrieclub über "Berlin als gemeinsame Aufgabe" und besichtigt die Zeche Walsum.

1960

7. Hauptversammlung der Gesellschaft für deutsche Sprache.
An dieser Veranstaltung, die aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Deutschen Sprachvereins Berlin hier stattfindet, und von Prof. Walter Hansen (Hannover) geleitet wird, nehmen auch Philologen aus den Niederlanden, Belgien und Skandinavien teil. Beschäftigten sich frühere Hauptversammlungen vorwiegend mit philosophischen und kulturkritischen Problemen, so stehen diesmal Fragen aus dem praktischen Alltag im Vordergrund. Den Eröffnungsvortrag hält Hugo Moser, Ordinarius für Ältere Germanistik in Bonn, über "Ausgleich und Spaltung - Gegensätzliche Entwicklungen im heutigen Deutsch". Zum Thema der Tagung "Die Zukunft der Sprache" referieren u. a. der Direktor des Deutschen Normen-Ausschusses, Arthur Zinzen (Berlin), über die Arbeit im Normenwesen, Carl Hermann Ule (Speyer) über die Verwaltungssprache und niederländische und belgische Teilnehmer über die sprachliche Koordinierung im Verkehrswesen.
Auf der eigentlichen "Geburtstagsfeier" des Sprachvereins im Studentenhaus am Steinplatz spricht der Berliner Oberschulrat Klotz über den "Mut zur neuen Sprache".

1960

XIV. Generalversammlung des Weltärztebundes und 63. Deutscher Ärztetag in der Kongreßhalle.
Bei der Eröffnung bezeichnet vor den rund 2000 Teilnehmern aus 56 Nationen Bundespräsident Lübke als Schirmherr dieser Veranstaltung es als wichtigste Aufgabe des Arztes, zu Dienst und Opfer bereit zu sein und jedem Menschen Hilfe zuteil werden zu lassen. In der Tatsache, daß manche Ärzte, die sich totalitären Systemen hörig und dienstbar gemacht hätten, diese Grundpflicht verletzten, müsse man das Symptom einer Krise sehen, die dazu zwinge, sich noch mehr mit den Problemen der ärztlichen Ethik zu beschäftigen und sie auch in der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses nachhaltig zu berücksichtigen. Nach der Feststellung, daß zur richtig verstandenen Wohlfahrtsaufgabe des modernen Staates die Schaffung von Verhältnissen gehört, in denen jeder Mensch die notwendige ärztliche Betreuung ohne unzumutbare Belastungen erlangen kann, appelliert der Bundespräsident eindringlich an die Ärzteschaft den Entwicklungsländern zu helfen. Denn es wäre ein Unglück, wenn man nur für das eine Drittel der Menschheit im freien Westen Verhältnisse anstrebt, die die Befriedigung aller Wünsche gestatten, während die anderen zwei Drittel noch nicht einmal in der Lage wären, ihre primitivsten Anforderungen an Ernährung und Gesundheit zu erfüllen.
Weitere Begrüßungsansprachen halten Bundesinnenminister Schröder, der scheidende Präsident des Weltärztebundes, Lemieux (Frankreich), der Präsident des Deutschen Ärztetages und der Bundesärztekammer, Fromm (Hamburg), und Berlins Regierender Bürgermeister Brandt.
Nach dem Vortrag des neuen Präsidenten Paul Eckel (Hannover) - als erster Deutscher in Montreal 1959 auf der vorigen Generalversammlung für die Session 1960/61 in dieses Amt gewählt - zum Thema "Der Arzt und die Heilkunde im Wandel der Zeiten" werden mit der 1952 gestifteten Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet: der 89jährige Nestor der Geburtshilfe und Gynäkologe, Walter Stoeckel (Ost-Berlin), für den sein Sohn die Auszeichnung entgegennimmt, der Begründer der wissenschaftlichen Luftfahrtmedizin und jetzige Generalsekretär des Weltärztebundes, Dr. Louis H. Bauer (New York), und der als Schriftsteller Peter Bamm bekannte Arzt Curt Emmerich (Baden-Baden).

Hauptthema des Weltärztekongresses ist "Das Kind und die technische Zivilisation", daneben beschäftigen sich seine Teilnehmer - teils im Plenum, teils in Ausschüssen - auch mit den steigenden Unkosten in der ärztlichen Versorgung, dem Verhältnis Staat-Patient-Arzt sowie mit einigen Problemen der ärztlichen Ethik.
Der Deutsche Ärztetag diskutiert eine Reihe gesundheits-, sozial- und berufspolitischer Themen sowie Fragen der Beziehung zwischen ärztlicher Praxis und Krankenhaus.

Die Delegierten wählen Heinz Lord (USA) zum neuen Generälsekretär, Antonio M. Ariago (Sao Paulo) zum Präsidenten für die Session 1961/62 und bestimmen Rio de Janeiro zum Ort der XV. Generalversammlung.

Generalversammlung wie Deutscher Ärztetag bieten einer Reihe von ärztlichen Standesorganisationen Gelegenheit zu eigenen Zusammenkünften, so der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dem Freien Verband deutscher Zahnärzte und dem Verband der angestellten Ärzte Deutschlands (Marburger Bund) sowie den Gesamtvorständen des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands (NAV) und des Verbandes der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund).

1960

Der Regierende Bürgermeister Brandt tauft auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen eine der ersten drei Düsenmaschinen der Lufthansa vom Typ Boeing 707 auf den Namen "Berlin", die als "Bote unserer Stadt" in der freien Welt wirken soll. Zu den kommunistischen Drohungen gegen den angeblichen Mißbrauch der Luftkorridore meint er, "man soll erkennen, daß, wer den Luftkorridor nach Berlin antastet mit dem Feuer spielt".

Einweihung der völlig renovierten Synagoge in der Joachimstaler Straße nach orthodox-jüdischem Ritus. Ihr großer Saal war bis zum Bau des Gemeindezentrums in der Fasanenstraße als Fest- und Veranstaltungsraum der Jüdischen Gemeinde benutzt worden, die in West-Berlin damit nunmehr über fünf Gotteshäuser verfügt - die anderen sind in der Pestalozzistraße (Bezirk Charlottenburg), am Fraenkelufer (Bezirk Kreuzberg), im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße (Bezirk Wedding) und im Gemeindehaus in der Fasanenstraße (Bezirk Charlottenburg).
In der Festansprache warnt der hessische Landesrabbiner Dr. I. L. Lichtigfeld (Frankfurt am Main) davor, in "unserer schnellebigen Zeit" die Pflege der inneren Werte zu vergessen. "Wer nicht Gott fürchtet, der achtet auch nicht den Menschen." Der Gemeinde-Vorsitzende Galinski dankt dem Zahlenlotto für seine Mithilfe beim Umbau und versichert, daß die Jüdische Gemeinde wieder mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blickt.

Volksbildungssenator Tiburtius überreicht Ernst Deutsch zum 70. Geburtstag die ihm vom Senat verliehene Ernst-Reuter-Medaille in Silber. Der Regierende Bürgermeister Brandt verbindet in einem Gratulationsschreiben seinen Dank für die hervorragenden künstlerischen Leistungen mit der Hoffnung, daß "wir Ihrer vollendeten Darstellungskunst noch lange teilhaftig werden". Und Bundespräsident Lübke dankt in einem Glückwunschtelegramm für die Treue, "die Sie unserem Lande auch in der Emigration gehalten haben. Daß Sie trotz dieser schweren Erlebnisse wieder zurückkehrten, ist ein Zeichen Ihrer Hochherzigkeit die wir ebenso an Ihnen bewundern wie Ihre große Schauspielkunst."
Am Abend des 17. September veranstaltet die Akademie der Künste einen Empfang zu Ehren von Ernst Deutsch.

Der britische Journalist Leonard Beaton unterbreitet in einem "Eine dauerhafte Lösung für Berlin" überschriebenen Artikel folgenden, von ihm selbst als zugleich einfach und radikal bezeichneten Vorschlag:

  1. Austausch des Gebietes von West-Berlin (aber nicht der Bevölkerung) mit einem Teil Ostdeutschlands, der an Westdeutschland grenzt und eine entsprechende Bevölkerung aufweist.
  2. Aufbau eines Neu-Berlin zu einer beispiellosen, modernen Stadt, die die Hauptstadt Westdeutschlands - und vielleicht der europäischen Gemeinschaft - sein würde.
Für die Verwirklichung seines Vorschlages veranschlagt Beaton etwa drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum könnte alles, was in West-Berlin von Wert ist in die neue Stadt gebracht werden, die ein Gegenstand ungeheurer Anstrengungen hinsichtlich Finanzierung, Technik und Architektur durch die gesamte westliche Welt sein würde. Allen West-Berlinern, die umsiedeln möchten, müßte in der neuen Stadt gleichwertiger Wohnraum beschafft werden. Gleichermaßen müßte es jedem ostdeutschen Bürger, der das Gebiet, das für eine Abtretung an den Westen vorgesehen ist, verlassen möchte, freistehen, unter Mitnahme seines Eigentums dasselbe zu tun.
Dieser vom westdeutschen Standpunkt aus "schmerzliche, unbarmherzige und einem chirurgischen Eingriff gleichkommende" Plan schlösse weiter ein: Anerkennung des Status quo in Osteuropa; unwiderruflicher Verlust der alten deutschen Hauptstadt; ein mögliches Anwachsen des Prestiges der DDR; einen offenbaren Rückzug angesichts des sowjetischen Drucks sowie einen Verlust der für West-Berlin erbrachten enormen Leistungen.
Dem stünden u. a. folgende mögliche Vorteile gegenüber: kein Berliner gerät gegen seinen Willen unter kommunistische Herrschaft; die Bundesrepublik erfährt eine wesentliche Gebietszunahme und erhält eine richtige Hauptstadt; der Einfluß der neuen Stadt auf die DDR und die osteuropäischen Staaten würde wahrscheinlich größer sein als der des stets krisengefährdeten West-Berlin.
Brächten die Westdeutschen es "übers Herz", diesen Plan vorzubringen, würden sie mit dem neuen Berlin beginnen wie einst die Preußen mit der jetzigen Stadt begannen. Sie würden den Berlinern ein besseres Leben bieten, vom kommunistisch beherrschten Gebiet viel zurückgewinnen und einen sichtbaren Beweis der Stärke und Kraft des Westens erbringen. In ostdeutschen Händen so glaubt Beaton, würde das alte Berlin ohne den Reichtum, ohne die Bevölkerung und ohne den Handel, der eine Wiedergeburt ermöglicht, verkümmern und verfallen. Der Westen müsse sich deshalb fragen, was mit West-Berlin geschehen solle, das schwierig zu verteidigen sei. "Wenn es um die Bevölkerung, um Wirtschaftseinrichtungen oder gar um die Gesinnung geht - diese können umgesiedelt werden."

1960

Der Regierende Bürgermeister Brandt tauft auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen eine der ersten drei Düsenmaschinen der Lufthansa vom Typ Boeing 707 auf den Namen "Berlin", die als "Bote unserer Stadt" in der freien Welt wirken soll. Zu den kommunistischen Drohungen gegen den angeblichen Mißbrauch der Luftkorridore meint er, "man soll erkennen, daß, wer den Luftkorridor nach Berlin antastet mit dem Feuer spielt".

Einweihung der völlig renovierten Synagoge in der Joachimstaler Straße nach orthodox-jüdischem Ritus. Ihr großer Saal war bis zum Bau des Gemeindezentrums in der Fasanenstraße als Fest- und Veranstaltungsraum der Jüdischen Gemeinde benutzt worden, die in West-Berlin damit nunmehr über fünf Gotteshäuser verfügt - die anderen sind in der Pestalozzistraße (Bezirk Charlottenburg), am Fraenkelufer (Bezirk Kreuzberg), im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße (Bezirk Wedding) und im Gemeindehaus in der Fasanenstraße (Bezirk Charlottenburg).
In der Festansprache warnt der hessische Landesrabbiner Dr. I. L. Lichtigfeld (Frankfurt am Main) davor, in "unserer schnellebigen Zeit" die Pflege der inneren Werte zu vergessen. "Wer nicht Gott fürchtet, der achtet auch nicht den Menschen." Der Gemeinde-Vorsitzende Galinski dankt dem Zahlenlotto für seine Mithilfe beim Umbau und versichert, daß die Jüdische Gemeinde wieder mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blickt.

Volksbildungssenator Tiburtius überreicht Ernst Deutsch zum 70. Geburtstag die ihm vom Senat verliehene Ernst-Reuter-Medaille in Silber. Der Regierende Bürgermeister Brandt verbindet in einem Gratulationsschreiben seinen Dank für die hervorragenden künstlerischen Leistungen mit der Hoffnung, daß "wir Ihrer vollendeten Darstellungskunst noch lange teilhaftig werden". Und Bundespräsident Lübke dankt in einem Glückwunschtelegramm für die Treue, "die Sie unserem Lande auch in der Emigration gehalten haben. Daß Sie trotz dieser schweren Erlebnisse wieder zurückkehrten, ist ein Zeichen Ihrer Hochherzigkeit die wir ebenso an Ihnen bewundern wie Ihre große Schauspielkunst."
Am Abend des 17. September veranstaltet die Akademie der Künste einen Empfang zu Ehren von Ernst Deutsch.

Der britische Journalist Leonard Beaton unterbreitet in einem "Eine dauerhafte Lösung für Berlin" überschriebenen Artikel folgenden, von ihm selbst als zugleich einfach und radikal bezeichneten Vorschlag:

  1. Austausch des Gebietes von West-Berlin (aber nicht der Bevölkerung) mit einem Teil Ostdeutschlands, der an Westdeutschland grenzt und eine entsprechende Bevölkerung aufweist.
  2. Aufbau eines Neu-Berlin zu einer beispiellosen, modernen Stadt, die die Hauptstadt Westdeutschlands - und vielleicht der europäischen Gemeinschaft - sein würde.
Für die Verwirklichung seines Vorschlages veranschlagt Beaton etwa drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum könnte alles, was in West-Berlin von Wert ist in die neue Stadt gebracht werden, die ein Gegenstand ungeheurer Anstrengungen hinsichtlich Finanzierung, Technik und Architektur durch die gesamte westliche Welt sein würde. Allen West-Berlinern, die umsiedeln möchten, müßte in der neuen Stadt gleichwertiger Wohnraum beschafft werden. Gleichermaßen müßte es jedem ostdeutschen Bürger, der das Gebiet, das für eine Abtretung an den Westen vorgesehen ist, verlassen möchte, freistehen, unter Mitnahme seines Eigentums dasselbe zu tun.
Dieser vom westdeutschen Standpunkt aus "schmerzliche, unbarmherzige und einem chirurgischen Eingriff gleichkommende" Plan schlösse weiter ein: Anerkennung des Status quo in Osteuropa; unwiderruflicher Verlust der alten deutschen Hauptstadt; ein mögliches Anwachsen des Prestiges der DDR; einen offenbaren Rückzug angesichts des sowjetischen Drucks sowie einen Verlust der für West-Berlin erbrachten enormen Leistungen.
Dem stünden u. a. folgende mögliche Vorteile gegenüber: kein Berliner gerät gegen seinen Willen unter kommunistische Herrschaft; die Bundesrepublik erfährt eine wesentliche Gebietszunahme und erhält eine richtige Hauptstadt; der Einfluß der neuen Stadt auf die DDR und die osteuropäischen Staaten würde wahrscheinlich größer sein als der des stets krisengefährdeten West-Berlin.
Brächten die Westdeutschen es "übers Herz", diesen Plan vorzubringen, würden sie mit dem neuen Berlin beginnen wie einst die Preußen mit der jetzigen Stadt begannen. Sie würden den Berlinern ein besseres Leben bieten, vom kommunistisch beherrschten Gebiet viel zurückgewinnen und einen sichtbaren Beweis der Stärke und Kraft des Westens erbringen. In ostdeutschen Händen so glaubt Beaton, würde das alte Berlin ohne den Reichtum, ohne die Bevölkerung und ohne den Handel, der eine Wiedergeburt ermöglicht, verkümmern und verfallen. Der Westen müsse sich deshalb fragen, was mit West-Berlin geschehen solle, das schwierig zu verteidigen sei. "Wenn es um die Bevölkerung, um Wirtschaftseinrichtungen oder gar um die Gesinnung geht - diese können umgesiedelt werden."

1960

7. Hauptversammlung der Gesellschaft für deutsche Sprache.
An dieser Veranstaltung, die aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Deutschen Sprachvereins Berlin hier stattfindet, und von Prof. Walter Hansen (Hannover) geleitet wird, nehmen auch Philologen aus den Niederlanden, Belgien und Skandinavien teil. Beschäftigten sich frühere Hauptversammlungen vorwiegend mit philosophischen und kulturkritischen Problemen, so stehen diesmal Fragen aus dem praktischen Alltag im Vordergrund. Den Eröffnungsvortrag hält Hugo Moser, Ordinarius für Ältere Germanistik in Bonn, über "Ausgleich und Spaltung - Gegensätzliche Entwicklungen im heutigen Deutsch". Zum Thema der Tagung "Die Zukunft der Sprache" referieren u. a. der Direktor des Deutschen Normen-Ausschusses, Arthur Zinzen (Berlin), über die Arbeit im Normenwesen, Carl Hermann Ule (Speyer) über die Verwaltungssprache und niederländische und belgische Teilnehmer über die sprachliche Koordinierung im Verkehrswesen.
Auf der eigentlichen "Geburtstagsfeier" des Sprachvereins im Studentenhaus am Steinplatz spricht der Berliner Oberschulrat Klotz über den "Mut zur neuen Sprache".

1960

XIV. Generalversammlung des Weltärztebundes und 63. Deutscher Ärztetag in der Kongreßhalle.
Bei der Eröffnung bezeichnet vor den rund 2000 Teilnehmern aus 56 Nationen Bundespräsident Lübke als Schirmherr dieser Veranstaltung es als wichtigste Aufgabe des Arztes, zu Dienst und Opfer bereit zu sein und jedem Menschen Hilfe zuteil werden zu lassen. In der Tatsache, daß manche Ärzte, die sich totalitären Systemen hörig und dienstbar gemacht hätten, diese Grundpflicht verletzten, müsse man das Symptom einer Krise sehen, die dazu zwinge, sich noch mehr mit den Problemen der ärztlichen Ethik zu beschäftigen und sie auch in der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses nachhaltig zu berücksichtigen. Nach der Feststellung, daß zur richtig verstandenen Wohlfahrtsaufgabe des modernen Staates die Schaffung von Verhältnissen gehört, in denen jeder Mensch die notwendige ärztliche Betreuung ohne unzumutbare Belastungen erlangen kann, appelliert der Bundespräsident eindringlich an die Ärzteschaft den Entwicklungsländern zu helfen. Denn es wäre ein Unglück, wenn man nur für das eine Drittel der Menschheit im freien Westen Verhältnisse anstrebt, die die Befriedigung aller Wünsche gestatten, während die anderen zwei Drittel noch nicht einmal in der Lage wären, ihre primitivsten Anforderungen an Ernährung und Gesundheit zu erfüllen.
Weitere Begrüßungsansprachen halten Bundesinnenminister Schröder, der scheidende Präsident des Weltärztebundes, Lemieux (Frankreich), der Präsident des Deutschen Ärztetages und der Bundesärztekammer, Fromm (Hamburg), und Berlins Regierender Bürgermeister Brandt.
Nach dem Vortrag des neuen Präsidenten Paul Eckel (Hannover) - als erster Deutscher in Montreal 1959 auf der vorigen Generalversammlung für die Session 1960/61 in dieses Amt gewählt - zum Thema "Der Arzt und die Heilkunde im Wandel der Zeiten" werden mit der 1952 gestifteten Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet: der 89jährige Nestor der Geburtshilfe und Gynäkologe, Walter Stoeckel (Ost-Berlin), für den sein Sohn die Auszeichnung entgegennimmt, der Begründer der wissenschaftlichen Luftfahrtmedizin und jetzige Generalsekretär des Weltärztebundes, Dr. Louis H. Bauer (New York), und der als Schriftsteller Peter Bamm bekannte Arzt Curt Emmerich (Baden-Baden).

Hauptthema des Weltärztekongresses ist "Das Kind und die technische Zivilisation", daneben beschäftigen sich seine Teilnehmer - teils im Plenum, teils in Ausschüssen - auch mit den steigenden Unkosten in der ärztlichen Versorgung, dem Verhältnis Staat-Patient-Arzt sowie mit einigen Problemen der ärztlichen Ethik.
Der Deutsche Ärztetag diskutiert eine Reihe gesundheits-, sozial- und berufspolitischer Themen sowie Fragen der Beziehung zwischen ärztlicher Praxis und Krankenhaus.

Die Delegierten wählen Heinz Lord (USA) zum neuen Generälsekretär, Antonio M. Ariago (Sao Paulo) zum Präsidenten für die Session 1961/62 und bestimmen Rio de Janeiro zum Ort der XV. Generalversammlung.

Generalversammlung wie Deutscher Ärztetag bieten einer Reihe von ärztlichen Standesorganisationen Gelegenheit zu eigenen Zusammenkünften, so der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dem Freien Verband deutscher Zahnärzte und dem Verband der angestellten Ärzte Deutschlands (Marburger Bund) sowie den Gesamtvorständen des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands (NAV) und des Verbandes der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund).

1966

Die 17. Deutsche Industrie-Ausstellung auf dem Messegelände am Funkturm -durch den Bau zweier neuer Hallen erfuhr es in den vergangenen Monaten eine Erweiterung um 6 000 auf nunmehr 67 000 Quadratmeter - verzeichnet eine Beteiligung von 979 Firmen, darunter 513 aus der Bundesrepublik, 211 aus Berlin (West) und 255 aus dem Ausland. Die gleichzeitig stattfindende Importmesse "Partner des Fortschritts" beschicken diesmal 46 Nationen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Trotz ihrer von zwölf auf zehn Tage verkürzten Dauer kann die Ausstellung mit 316500 Besuchern 11000 mehr registrieren als im Vorjahr.

1968

Der 10. Gewerkschaftstag der IG Textil-Bekleidung in der Kongreßhalle - eröffnet mit Grußworten der Bundesminister Schiller (Wirtschaft) und Katzer (Arbeit) sowie des Regierenden Bürgermeisters Schütz - erörtert sowohl gewerkschaftliche als auch politische Fragen, zu denen mehr als 120 Anträge und Entschließungen vorliegen. Nach der Wiederwahl des bisherigen Vorsitzenden Karl Buschmann mit 138 gegen 53 Stimmen bei 15 Enthaltungen spricht der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Arndt zum Thema "Rechtsstaat - Auftrag und Verpflichtung".

1969

Der Senat befaßt sich in seiner 89. Sitzung mit den seit Wochen anhaltenden Behinderungen auf den Transitstrecken. Im Anschluß an die Sitzung gibt der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz eine Erklärung ab, in der es unter anderem heißt: "Die jüngsten Ereignisse auf den Zugangswegen nach Berlin machen deutlich, daß die Ost-Berliner Behörden noch immer an völlig sinnlosen Kontrollformalitäten und kleinlichen Schikanen festhalten. Die DDR-Behörden, die überall in der Welt nach Anerkennung suchen, sind offembar nicht in der Lage oder nicht gewillt, ihre eigene Grenzabfertigung auch nur annähernd den international üblichen Gepflogenheiten anzupassen."

Der frühere Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz berichtet vor Pressevertretern in West-Berlin über seine Eindrücke von einer mehrtägigen Polen-Reise. Bei seinen Gesprächen habe er auch auf die unbefriedigende Situation West-Berlins hingewiesen und auf polnischer Seite Verständnis gefunden. Wie Albertz auf Fragen einräumt, ist die polnische Seite aber offenbar nicht bereit, die Zugehörigkeit West-Berlins zum Rechts-, Wirtschafts- und Finanzgefüge der Bundesrepublik ohne Einschränkung als Realität zu akzeptieren.

1970

Nach einem Gespräch zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Rainer Barzel, an dem auch der CSU-Landesgruppenvorsitzende Richard Stücklen und der parlamentarische Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Karl Moersch (F.D.P.), teilnehmen, erklärt der Sprecher der Bundesregierung, Conrad Ahlers, die Vorstellungen beider Seiten über Berlin seien fast deckungsgleich. Brandt und seine Gesprächspartner seien das "Positionspapier" der Opposition Punkt für Punkt durchgegangen und dabei in die Details vorgestoßen. Das Gesprächsergebnis werde bei den bevorstehenden Beratungen der Bundesregierung mit den Westmächten seinen Niederschlag finden.

Vor einem Konzert der britischen Rockgruppe Rolling Stones in der Deutschlandhalle (Berlin-Charlottenburg) kommt es zu schweren Zusammenstößen der Polizei mit etwa 250 Jugendlichen. 63 Polizisten werden verletzt, 21 Polizeifahrzeuge durch Steinwürfe beschädigt. Die Polizei nimmt 50 Personen wegen Werfens von Steinen oder Tränengaskörpern, Störung der öffentlichen Ordnung, Sachbeschädigung, Besitzes falscher Karten und Erschleichens von freiem Eintritt vorübergehend fest.

1971

Das Zentralkomitee der SED verabschiedet auf seiner 2. Tagung eine Entschließung zum "Vierseitigen Abkommen über Westberlin", in der es heißt: "Mit Befriedigung stellt das Zentralkomitee der SED fest, daß die drei Westmächte in dem Abkommen zum erstenmal in völkerrechtlich gültiger Form die Existenz der Deutschen Demokratischen Republik als einen souveränen Staat, seine Grenzen, sein Territorium und seine Beziehungen zur BRD und zu Westberlin bestätigt haben."
   Der Erste Sekretär des Zentralkomitees, Erich Honecker, fordert in seinem Referat die Bundesregierung und den Senat auf, konstruktiv an die Verhandlungen zur Ausfüllung des Vier Mächte Abkommens heranzugehen. "Trotz der Schwierigkeiten, die in den Verhandlungen mit der BRD und mit dem Senat von Westberlin aufgetreten sind, besteht unseres Erachtens nach wie vor die Möglichkeit, bei gutem Willen aller Seiten die Verhandlungen zügig zu einem guten Ende zu führen", sagt Honecker.

1971

Bundeskanzler Willy Brandt stattet der Sowjetunion einen Besuch ab. Während seines Aufenthalts auf der Krim führt er eine Reihe von Gesprächen mit KPdSU Generalsekretär Leonid I. Breshnew. Erörtert werden auch die mit der Unterzeichnung des Vier Mächte Abkommens über Berlin zusammenhängenden Fragen. Im deutsch sowjetischen Kommuniqué heißt es hierzu: "Dieses Abkommen stellt einen großen Schritt auf dem Wege zur europäischen und internationalen Entspannung dar. Beide Seiten stimmen darin überein, daß das Zustandekommen dieses Abkommens gute Voraussetzungen für weitere praktische Schritte schafft, die auf die Gesundung der Lage im Zentrum Europas, auf die Festigung der Sicherheit und die Entwicklung der Zusammenarbeit auf dem Kontinent gerichtet sind."

1972

Die Großsiedlung im Süden des West-Berliner Bezirks Neukölln heißt jetzt auch offiziell Gropiusstadt, nachdem dieser Name längst allgemein üblich geworden ist. Außerdem erhält der U-Bahnhof Johannisthaler Chaussee den zusätzlichen Namen Gropiusstadt. Vor dem U-Bahnhof wird der Architekt Walter Gropius (1883 - 1969), von dem die städtebauliche Grundkonzeption für den Stadtteil stammt, im Beisein der Witwe, Ise Gropius, vom Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Stücklen, und von Bausenator Rolf Schwedler gewürdigt.

1973

Die Deutsche Meisterschaft der Springreiter gewinnt im Reiterstadion in Berlin-Charlottenburg Hartwig Steenken (Mellendorf) auf "Simona". Lene Nissen-Lembke (Hohdorf) wird auf "Onassis" Deutsche Meisterin der Springreiterinnen. Die Deutsche Dressur-Meisterschaft gewinnt bei den Herren Harry Boldt (Iserlohn) auf "Golo" und bei den Damen Karin Schlüter (Hamburg) auf "Liostro".

1974

Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der SED, Erich Honecker, empfängt im Haus des Zentralkomitees in Berlin-Mitte den Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, Staatssekretär Günter Gaus, zum Antrittsbesuch. (Vgl. 20. Juni, 1. Juli.)

1978

Auf dem Messegelände am Funkturm (Berlin-Charlottenburg) wird die 26. Deutsche Industrieausstellung Berlin 1978 veranstaltet. 579 Direktaussteller und 183 zusätzlich vertretene Firmen bieten ihre Produkte an. Im Mittelpunkt der von Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff eröffneten Messe steht in diesem Jahr die Altbaumodernisierung. Rund 225 000 Besucher werden gezählt.

1980

In Ost-Berlin wird im Palast der Republik die 67. Konferenz der Interparlamentarischen Union eröffnet. Mehr als 1 000 Delegierte und Gäste aus 87 Ländern nehmen an der Konferenz, die am 24. September beendet wird, teil, darunter 19 Bundestagsabgeordnete unter Leitung des Berliner CDU-Abgeordneten Franz Amrehn.

1983

Sambias Staatspräsident Kaunda besucht im Anschluß an seinen mehrtägigen Aufenthalt in der Bundesrepublik für rund fünf Stunden die Stadt, besichtigt den Reichstag und die Mauer am Brandenburger Tor, ist Gast eines vom Regierenden Bürgermeister von Weizsäcker im Schloß Charlottenburg gegebenen Essens und stellt sich im Hotel Intercontinental Fragen der internationalen Presse.

1986

DerXI. Kongreß des kommunistisch orientierten Weltgewerkschaftsbundes im Ost-Berliner Palast der Republik -1.014 Delegierte repräsentieren hier 296 Mio. Mitglieder von 436 einzelnen Gewerkschaften aus 154 Ländern - bestätigt Präsident Sandor Gaspar (Ungarn) und Generalsekretär Ibrahim Zakaria (Sudan) in ihren Positionen.

1986

In der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin spricht der Atomphysiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker zum Thema "Fragen der Friedenssicherung in Europa". Unter den 200 geladenen Gästen befinden sich auch die SED-Politbüromitglieder Axen und Hager, die in der anschließenden Diskussion feststellen, daß in der Frage der Überwindung der "Institution des Krieges" viele Berührungspunkte existierten, hinsichtlich der Vorstellung "erst Frieden, dann Abrüstung" freilich auch Differenzen.

1986

Der Chef der Regierungsjunta von Nicaragua, Daniel Ortega, weilt zu einem mehrtägigen offiziellen Besuch in Ost-Berlin, in dessen Verlauf er mit DDR-Staats- und Parteichef Honecker mehrmals zu einem umfassenden Meinungsaustausch über internationale Fragen und über die Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten zusammentrifft, die FDJ-Jugendhochschule "Wilhelm Pieck" am Bogensee besichtigt, vor dem XI. WGB-Kongreß spricht (vgl. 16./22. September) und eine Stadtrundfahrt durch Ost-Berlins Stadtzentrum unternimmt.

1987

DDR-Staats- und Parteichef Honecker informiert im Jagdschloß Hubertusstock nördlich von Berlin seinen polnischen Kollegen Jaruzelski bei dessen eintägigem Besuch über die Ergebnisse seines Aufenthalts in derBundesrepublik (vgl. 8. September), wobei beide übereinstimmend feststellen, daß die DDR und Polen eine weitere Entwicklung ihrer Beziehungen zur Bundesrepublik "bei Achtung derauf dem Kontinent bestehenden territorialen und politischen Realitäten" anstreben. Weitere Gesprächsthemen sind ein verstärkterKinder-und Jugendaustausch und "breitergewerkschaftlicher Urlaubsaustausch". Hinweise auf eine mögliche Wiederaufnahme des seit fast sieben Jahren unterbrochenen privaten paß- und visafreien Reiseverkehr zwischen beiden Staaten finden sich nicht im Kommunique (vgl. 24728. April).

1988

In Ost-Berlin beginnen zwischen Vertretern der Verkehrsministerien beider deutscher Staaten sowie von Reichsbahn und Bundesbahn unter Leitung von Staatssekretär Bräutigam und des stellv. DDR-Verkehrsministers Gerber die Verhandlungen über den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin nach Hannover, für die man etwa zwei Jahre veranschlagt, während die eigentliche Bauzeit noch einmal rund sechs bis sieben Jahre dauern dürfte. Die Kosten für die durch die DDR führende etwa zwei Drittel der Gesamtstrecke von 258 Kilometern werden auf rund 4,5 Mrd. DM geschätzt. Die Züge sollen im Stundentakt mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern verkehren.

Der 48. Landesparteitag der Berliner F.D.P. im Palais am Funkturm verabschiedet ein 40seitiges Wahlprogramm, worin er u. a. die Ansiedlung deutsch-deutscher Institutionen in der Stadt fordert, denn diese dürfe nicht allein "auf Kultur setzen", sondern müsse "auch wieder politische Substanz gewinnen"; weniger Staat und mehr privater Verantwortung anstrebt; den Abbau bürokratischer Hemmnisse wünscht, damit Bauen und Investieren kein "langwieriges Abenteuer" mehr bedeute; sich für eine solide, sparsame Finanzpolitik und eine dynamische innovative Wirtschaftspolitik einsetzt; für Chancengleichheit eintritt und alle "staatlich verordnete Gleichmacherei" ablehnt; den Schwachen zwar zu helfen verspricht, doch nach Möglichkeit jeden in die Lage versetzen wolle, sein eigenes Schicksal selbst zu meistern; Ganz im Sinne dieses Wahlprogramms hatte zuvor der Landesvorsitzende Rasch die Koalition mit der CDU als erfolgreich und ihre Fortsetzung nach den Wahlen am 29. Januar 1989 als "selbstverständlich" bezeichnet. Die F.D.P. bilde die "treibende Kraft" in dieser Koalition; dies zu behaupten sei weder anmaßend noch selbstherrlich. Denn die Stadt brauche die F.D.P., auch wenn der eine oder andere Christdemokrat "heimlich und töricht" nach der absoluten Mehrheit schiele, wovor die F.D.P. die CDU bewahren werde. Rasch forderte auch die Rückkehr seiner Partei in die Rathäuser der Bezirke, denn die "unselige schwarz-rot-grüne Bezirksfilzokratie" müsse ihr Ende finden. Hinsichtlich der Wahlchancen seiner Partei äußert Rasch Zuversicht, warnt aber zugleich vor Sorglosigkeit.

1990

Die Delegiertenversammlung der DBD beschließt die Fusion mit der CDU in der DDR.

1991

Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und die Ministerpräsidenten der neuen Bundesländer fordern auf ihrer Regionalkonferenz auf Schloß Friedenstein in Gotha einhellig die Anerkennung von Berufsjahren im öffentlichen Dienst Ostdeutschlands. (Vgl. 9. September.) Die Regierungschefs wenden sich außerdem gegen die Absicht der Bundesanstalt für Arbeit, die Zuschüsse für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auf 90 Prozent der Personalkosten zu reduzieren.
   In der Nacht zum 25. September einigen sich die Tarifpartner in Bonn, die in der ehemaligen DDR geleisteten Dienstzeiten der öffentlich Bediensteten mit Wirkung vom 1. Dezember 1991 anzuerkennen. Die Regelung kommt im Ostteil Berlins rund 160 000 Personen zugute.

Der SPD-Landesvorstand beschließt eine Initiative zur Verkleinerung der Bezirksverordnetenversammlungen und der Bezirksämter sowie zur Abgrenzung der Aufgaben von Haupt- und Bezirksverwaltung.
   In Bezirken mit weniger als 100 000 Einwohnern soll die Bezirksverordnetenversammlung ? so der Vorschlag des SPD-Vorstands ? 25, in Bezirken mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern 35 und in größeren Bezirken 45 Mitglieder haben. Bislang sitzen in den Bezirksverordnetenversammlungen im Westteil der Stadt 45 Mitglieder, im Ostteil je nach Einwohnerzahl zwischen 51 (Weißensee) und 124 (Hohenschönhausen). Auch die Zahl der Stadträte soll nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Verwaltungsbezirks gestaffelt werden: fünf Stadträte und ein Bezirksbürgermeister bei weniger als 100 000, sechs bei 100 000 bis 200 000 und sieben bei mehr als 200 000 Einwohnern.
   Darüber hinaus einigt sich der SPD-Vorstand darauf, die Ergebnisse der Enquetekommission "Verwaltungsreform" des Abgeordnetenhauses vom 30. Mai 1984 wieder in die politische Diskussion zu bringen. Ziele sind eine strikte Trennung der Aufgaben von Haupt- und Bezirksverwaltung, besonders im Baubereich, eine effektive und bürgerfreundliche Betreuungs- und Versorgungsverwaltung "vor Ort" und nicht zuletzt Einsparungen im öffentlichen Dienst.

Der Bund der Steuerzahler legt in Bonn die jährlich herausgegebene Broschüre "Die öffentliche Verschwendung" vor, die diesmal 76 Fälle enthält, die nach Ansicht der Organisation symptomatisch für den sorglosen Umgang mit Steuergeldern sind. Unter anderem führt der Steuerzahlerbund die Bezüge für den Geschäftsführer der Berliner Olympia GmbH an. (Vgl. 10. April.) Dieser werde mit dem Jahressalär von 290 000 DM bedacht. Außerdem habe man ihm für seine verhältnismäßig kurze Tätigkeit eine Altersversorgungszusage gemacht. Zu den vorläufigen Personalausstattungskosten von 577 000 DM allein für die zweieinhalb Monate vom 15. April bis 30. Juni 1991 gehöre auch ein Dienst-PKW für 76 000 DM.

Rund 1 500 Personen nehmen am Vorabend der Berliner Tagung des Exekutivkomitees des IOC an einer Anti-Olympia-Demonstration zwischen dem Stadion der Weltjugend in der Chausseestraße und Unter den Linden teil. Zu der Demonstration hatten unter anderen die Grünen/AL und die PDS aufgerufen. Mit Slogans wie "Wir pfeifen auf Olympia", "Olympia in den Sand setzen" oder "Sony, Daimler, IOC, Menschenfresser an der Spree" protestieren sie gegen Berlins Olympia-Bewerbung. (Vgl. 7. März.) Nach der Demonstration kommt es zu Krawallen von 150 Randalierern vor der Deutschen Staatsoper. 41 Personen werden von der Polizei festgenommen.

1993

Das Landgericht Berlin spricht nach zehnmonatiger Verhandlung das Urteil im Prozeß gegen drei ehemalige Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrats der DDR. (Vgl. 5. Januar, 7. Januar, 14. März.) Der frühere DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler wird wegen Anstiftung zum Totschlag zu sieben Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug verurteilt, sein damaliger Stellvertreter Fritz Streletz wegen Anstiftung zum Totschlag zu fünf Jahren und sechs Monaten und der frühere SED-Bezirkschef von Suhl, Hans Albrecht, wegen Beihilfe zum Totschlag zu vier Jahren und sechs Monaten. Mit seinem Urteil bleibt das Gericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Haftstrafen von acht, zehn und zwölf Jahren gefordert hatte.
   Die Richter sehen es als erwiesen an, daß die Angeklagten durch eine Mitwirkung an Beschlüssen des Nationalen Verteidigungsrats dazu beigetragen hätten, den Zustand des Grenzregimes unverändert aufrechtzuerhalten. Für die Errichtung des Grenzregimes und den Bau der Mauer seien sie indessen nicht verantwortlich. Die Angeklagten hätten aber eine Befehlskette in Gang gesetzt, die bis zum einfachen Soldaten gereicht habe. Die Kammer spricht von einer Ursachenkette zwischen dem Verhalten der Angeklagten im Nationalen Verteidigungsrat _ wobei Albrecht nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe _ und den Tötungen an der Grenze. Sie hätten die Todesfälle zwar nicht gewollt, aber mit ihnen gerechnet, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Tötungen seien nicht durch das Grenzgesetz gedeckt gewesen. Der Vorsitzende Richter Hans Boß widerspricht der Behauptung der Angeklagten, die Grenze habe den Feinden von außen gegolten. Tatsächlich sei sie gegen das Volk der DDR gerichtet gewesen. Die DDR habe ein derartiges Grenzregime auch nicht unterhalten müssen; gegenüber der Sowjetunion habe sie durchaus eigene Vorstellungen entwickeln können.
   Der 73jährige Keßler und der 66jährige Streletz werden aus Gesundheitsgründen aus der Untersuchungshaft entlassen. Albrecht wurde bereits im vergangenen Jahr Haftverschonung gewährt.

Das Abgeordnetenhaus stimmt in seiner 52. Sitzung (12. Wahlperiode) mit großer Mehrheit der Auflösung der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin mit sofortiger Wirkung zu. (Vgl. 29. Juli.) In namentlicher Abstimmung votieren 135 Abgeordnete für und 56 gegen die Schließung; 16 enthalten sich der Stimme. Das Parlament macht damit nach einer dreimonatigen Kontroverse den Weg frei für die Umsetzung des Sparbeschlusses des Senats. Ende 1995 soll die Abwicklung des Schiller- und des Schloßpark-Theaters abgeschlossen sein. In die Theatergebäude in Charlottenburg und Steglitz sollen andere kulturelle Nutzer einziehen, die sich aber aus eigener Kraft finanzieren müssen.
   Nach dem Parlamentsbeschluß erklärt der Senator für Kulturelle Angelegenheiten, Ulrich Roloff-Momin, die Schließung der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin sei ein ebenso schmerzlicher wie unvermeidbarer Schritt zur Sicherung der Berliner Kulturlandschaft. Das System der Staatstheater sei an einem Scheideweg angelangt.

Hans Kollhoff gewinnt den von Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb um den Alexanderplatz. (Vgl. 22. April.) Er setzt sich in der zweiten Runde gegen vier Mitbewerber durch. Der Berliner Architekt entwarf eine Reihe von etwa 150 Meter hohen Hochhäusern am Alexanderplatz. Der Platz selbst soll wesentlich kleiner werden und Fußgängerzone bleiben.

1996

Zu Ehren von Klaus Schütz, der von 1967 bis 1977 in der geteilten Stadt Berlin Regierender Bürgermeister war und am 17. Sep. seinen 70. Geburtstag feiert, findet im Berliner Rathaus ein Symposium statt, auf dem Wissenschaftler, Politiker und Verwaltungsexperten die Probleme des Zusammenlebens in geteilten Städten diskutieren. Bei der Eröffnung des Symposiums sagt der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, Schütz habe die Zeit nach dem Mauerbau mitgestaltet und die Stadt in einer schwierigen Zeit des Übergangs geführt, "als die massive äußere Bedrohung einer Politik der Nadelstiche wich und als im Innern die Nachwehen der Studentenrevolte für einen gespannten Frieden sorgten".

Die 66 Teilnehmer aus Berlin an den XXVI. Olympischen Sommerspielen, die vom 19. Jul. bis zum 4. Aug. in Atlanta, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Georgia, stattfanden, sowie die 14 Berliner Teilnehmer an den 10. Paralympics (15. bis 25. Aug. in Atlanta) sind zum Empfang in das Berliner Rathaus geladen. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen bedankt sich bei den Sportlerinnen und Sportler, die insgesamt 38 Medaillen gewannen, für ihre Leistungen. Er bezeichnet sie als "die besten Botschafter des Landes".
Am 14. Sep. begrüßte Diepgen im Berliner Rathaus die deutschen Medaillengewinner von 1932 und 1936, die sich auf Einladung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) auf einem Wiedersehenstreffen in Berlin befinden.

1997

Im Fernsehturm am Alexanderplatz, der 1969 eröffnet wurde, wird die 35millionste Besucherin begrüßt. Täglich kommen im Schnitt 3 500 Gäste, an Wochenenden bis zu 8 000.

1999

Kulturstaatsminister Michael Naumann und Kultursenator Peter Radunski unterzeichnen in Berlin eine Vereinbarung über die zusätzliche Bereitstellung von 60 Millionen DM für die Hauptstadtkulturförderung. (Vgl. 14. Jan. 1999.) Mit diesen zweckgebundenen Mitteln sollen Einzelmaßnahmen und Veranstaltungen gefördert werden, die für die Bundeshauptstadt Berlin besonders bedeutsam seien und eine nationale und internationale Ausstrahlung hätten. Zu den geförderten Vorhaben gehören unter anderem die Erstausstattung der "Topographie des Terrors" und der Stiftung Jüdisches Museum, der Ausbau der Stiftung Deutsche Kinemathek, das Theatertreffen und das Festival "Theater der Welt" sowie die Sanierung der Bühnentechnik im Haus des Berliner Ensembles.

2000

Nach dreijähriger Bauzeit wird der U-Bahnhof Pankow eröffnet. Die Verlängerung der Linie U 2 vom bisherigen Endbahnhof Vinetastraße ist damit abgeschlossen. Bereits 1929 wurde die Verlängerung genehmigt. Die Weltwirtschaftskrise verhinderte jedoch den Bau. Seit 1930 blieb der Bahnhof Vinetastraße Endstation.

2001

In Berlin wird erstmals in Deutschland mit einem Freiwilligen-Tag für ehrenamtliches Engagement geworben. In rund 25 Projekten können sich Bürger an gemeinnützigen Tätigkeiten, die von Gartenarbeiten im Mauerpark bis zum Müllsammeln in Kreuzberg reichen, beteiligen. Vorbild für das Projekt der Berliner Freiwilligen-Agentur "Treffpunkt Hilfsbereitschaft" ist der US-amerikanische "Day of caring". Bundesfamilienministerin Christine Bergmann bezeichnet die Aktion als gutes Beispiel für die Umsetzung des von den Vereinten Nationen ausgerufenen "Jahres der Freiwilligen".

2003

Das Theater des Westens an der Kantstraße in Charlottenburg wird nach der Renovierung wieder eröffnet. "Wir haben rund 50 Theater, drei Opernhäuser und den Friedrichstadtpalast, da gehört eine Musicalbühne wie das Theater des Westens einfach dazu", sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei der Besichtigung der privatisierten Spielstätte, die das Musicalunternehmen "Stage Holding" für 20 Jahre gepachtet hat. Zehn Millionen Euro hat man investiert und das Haus, das am 26. September mit der Premiere des Musicals "Les Misérables" in die neue Ära starten wird, fit gemacht für die Anforderungen eines modernen Spielbetriebs. "Ich bin sehr gespannt auf die Premiere von ?Les Misérables' am 26. September und hoffe, dass die Aufführung ein großer Erfolg wird. Es soll sich überall herumsprechen, dass es sich lohnt, hierher zu gehen", sagt der Regierende Bürgermeister.

2005

Im Kronprinzenpalais Unter den Linden präsentiert die Max-Planck-Gesellschaft die Ausstellung "Albert Einstein - Ingenieur des Universums". Sie bringt die von Einstein ausgelöste wissenschaftliche Revolution und den Menschen Einstein als wohl bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts und herausragende Person der Zeitgeschichte einem breiten Publikum nahe. Die vom Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte konzipierte Schau stellt einen Höhepunkt des Einstein-Jahres 2005 dar. (Vgl. 19. Januar, 2. März, 4.-9. März.)

2007

Das Internationale Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten begeht im Olympiastadion in Charlottenburg sein 70-jähriges Jubiläum. Es wurde am 23. März 1937 geboren, als der Berliner Sport-Club, der Deutsche Sport-Club und der Sport-Club Charlottenburg beschlossen, künftig internationale Sportfeste unter der Bezeichnung Internationales Stadionfest gemeinsam zu veranstalten.

Im Alter von 69 Jahren stirbt in Berlin der CDU-Politiker Peter Rebsch, der von 1981 bis 1989 Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin war.
Am 1. Oktober wird Rebsch auf dem Friedhof "In den Kisseln" in Spandau beigesetzt.

2008

In den Höfen des Berliner Rathauses findet das traditionelle Hoffest des Regierenden Bürgermeisters statt. Klaus Wowereit hat zur achten Auflage des Festes geladen.

2016

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin erhält am Standort Mitte den Schlüssel zum Neubau für OP, Intensivmedizin und Zentrale Notaufnahme. Damit verbunden ist die offizielle Benennung des Gebäudes als »Charité Notfallzentrum Mitte – Rudolf-Nissen-Haus«. Der Chirurg Rudolf Nissen (1896–1981) kam 1927 an die Charité, musste wegen seiner jüdischen Abstammung Deutschland nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlassen, emigrierte zunächst in die Türkei, anschließend in die USA und war von 1952 bis 1967 Professor für Chirurgie an der Universität Basel. Die Charité feiert die bauliche Fertigstellung des Gebäudes – es handelt sich um einen fünfgeschossigen Kubus mit einem zentralen Lichthof – mit rund 150 internen und externen Gästen. Darunter sind auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller sowie die Wissenschaftssenatorin und Charité-Aufsichtsratsvorsitzende Sandra Scheeres.
Der klinische Betrieb kann ab Ende Oktober aufgenommen werden, nachdem die medizinische Ausstattung des Gebäudes erfolgt sein wird.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 16.09.2019)