Was geschah am 15.08. im Jahr ...

1945

Das Hebbel-Theater in der Stresemannstraße eröffnet mit der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Regie führt Karl-Heinz Martin. Hauptdarsteller sind Hubert v. Meyerinck, Kate Kühl, Roma Bahn, Hans Leibelt und Josef Sieber.

1946

Auf der ersten großen Handwerkerversammlung im Metropol-Theater (Colosseum) in der Schönhauser Allee im Bezirk Prenzlauer Berg gibt der stellvertretende Leiter der Abteilung für Handel und Handwerk des Magistrats, Hauth (SED), im Zusammenhang mit dem Thema "Wo stehen wir heute?" einen Rechenschaftsbericht seiner Verwaltung. Die stark parteipolitisch gefärbten Ausführungen Hauths rufen teilweise lebhaften Widerspruch bei den Versammlungsteilnehmern hervor.
Der Leiter des Ressorts Handwerk beim Magistrat, Haarfeldt, betont die Notwendigkeit, eine Handwerkskammer zu errichten. Sie sei bereits beantragt und bedürfe nur noch der Zustimmung der Alliierten Kommandantur. Die von der Versammlung laut geforderte Diskussion über die Pläne des Magistrats zur Bildung einer Handwerkskammer kann nicht stattfinden, da der Saal wegen einer anderen Veranstaltung vorzeitig geräumt werden muß.

1946

Im Deutschen Theater findet ein Pädagogischer Kongreß der sowjetischen Besatzungszone statt, an dem auch der hessische Minister für Kultur und Erziehung, Dr. Franz Schramm, und ein Vertreter des erkrankten niedersächsischen Kultusministers Dr. Grimme teilnehmen. Der Chef der politischen Abteilung der Sowjetischen Militärverwaltung, Oberst Tulpanow, betont, daß die Neulehrer, die 80 Prozent der gesamten Lehrerschaft in der sowjetischen Besatzungszone umfassen, die Abgesandten der politischen Parteien und vor allem der stärksten, der SED, seien. Sie hätten die Aufgabe, die "Demokratisierung der Schule" durchzuführen.
Minister Dr. Schramm erklärt in seinen Begrüßungsworten, daß im Westen wie im Osten das pädagogische Ziel immer auf die Einheit Deutschlands gerichtet bleiben müsse. Das in der sowjetischen Besatzungszone geschaffene Schulgesetz dürfe darum nichts veranlassen, was eine Gesamtlösung erschweren könnte.
Im Hauptreferat fordert der Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Paul Wandel (SED), den Aufbau einer völlig neuen deutschen Schule im Geiste der Humanität und Völkerfreundschaft. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf, die Zentralverwaltung habe bei der Schaffung der Einheitsschule eigenmächtig gehandelt, ohne die demokratischen Grundsätze zu berücksichtigen. Das Schulgesetz in der sowjetischen Besatzungszone sei auch das Werk der CDU und LDP gewesen.

1947

Der Rat der Bezirksbürgermeister beschäftigt sich auf seiner Sitzung mit der schlechten Kohlenversorgung des französischen Sektors, dessen Haushalte seit Oktober 1946 nur je einen Zentner Kohlen erhalten haben. Deshalb sei zur Gewinnung von Brennholz der Baumbestand trotz polizeilicher Bewachung stark vermindert worden. Der Leiter der Berliner Centralen Kohlenorganisation, Dr. Mückenberger, stellt dazu fest, daß die Brennstoffversorgung nicht durch den Magistrat geschieht, sondern vom Brennstoffkomitee der Alliierten Kommandantur und vom Kontrollrat abhängig ist.
In einer Personaldebatte warnen die Bezirksbürgermeister erneut vor den Folgen der Abwanderung von qualifizierten Angestellten aus der Verwaltung in Wirtschaftsbetriebe und ersuchen deshalb die Personalabteilung des Magistrats, für eine Verbesserung der Gehälter und der Einstufung bei der Ausgabe von Lebensmittelkarten zu sorgen.

Die Delegierten des Landesverbandes Berlin der LDP wählen den bisher amtierenden ersten Vorsitzenden, Carl-Hubert Schwennicke, mit 24 gegen 13 Stimmen erneut zum ersten Vorsitzenden. Stellvertretende Vorsitzende werden Rudolf Markewitz und Dr. Hans Reif. Die Vorstandsmitglieder, die mit dem bisher amtierenden zweiten Vorsitzenden Anton Schöpke gegen die Geschäftsführung Schwennickes opponierten, traten vor der Abstimmung über ihre Wiederwahl mit der Begründung zurück, daß es ihnen aus persönlichen Gründen unmöglich sei, mit Schwennicke weiter zusammen zu arbeiten. Den LDP-Delegierten des sowjetischen Sektors war vor der Tagung von Beauftragten der sowjetischen Militärregierung mitgeteilt worden, daß die Wiederwahl Schwennickes für sie untragbar sei.

Das Fernamt Berlin kann wieder durch seine alte Rufnummer "00" über eine automatische Großverteileranlage erreicht werden. Zu diesem Fernverkehr sind jedoch nur Teilnehmer zugelassen, die eine besondere Genehmigung der Militärregierung ihres Sektors besitzen.

1948

Das Zentralorgan der SED, "Neues Deutschland", fordert den umgehenden Rücktritt des Magistrats.

Im Nordsüd-S-Bahntunnel fahren zwei Züge aufeinander, wobei es etwa 17 Verletzte gibt. Dieser dritte S-Bahn-Zusammenstoß innerhalb von zwei Wochen oder der siebente in zwei Jahren lenkt die Aufmerksamkeit auf die mangelnde Betriebssicherheit des einst vorbildlichen Schnellverkehrsmittels, die in der Unfähigkeit der nur nach parteipolitischen Gesichtspunkten zusammengesetzten Reichsbahndirektion unter Willi Kreikemeyer (SED) gesehen wird. Sie zeigt sich außerdem machtlos gegenüber der demontage- und reparationsbedingten Materialknappheit, die zu häufigen Signalstörungen und Kabelbränden führt.

Vor 25 Jahren wurde aus dem Telefunkenhaus, Tempelhofer Ufer 9, Bezirk Kreuzberg, das erste drahtlose Konzert übertragen.

1949

Die amerikanische Militärregierung (OMGUS) und das künftige Hohe Kommissariat werden organisatorisch umgestaltet. Die OMGUS-Dienststellen werden in zwei Hauptquartiere aufgeteilt und die in Berlin verbleibenden Behörden in "OMGUS-Berlin" umbenannt. Sowohl Frankfurt a. M. als auch Berlin bleiben Sitz des künftigen Hohen Kommissars (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 1.4.1946).
Die Leitung von OMGUS-Berlin übernimmt der neuernannte Verwaltungsdirektor, Oberstleutnant Milton L. Ogden. Das Büro des Stabschefs bei OMGUS wird, mit Ausnahme des Büros des Generalsekretärs, nach Frankfurt a. M. verlegt.

Die Alliierte Kommandantur ordnet mit BK/O (49) 164 an, daß die Verantwortung für die Aufsicht über die 30 Lastkähne und 5 Schlepper, die dem Magistrat bereits 1946 als Teil der sogenannten Magistratsflotte zu Transportzwecken in Berlin zur Verfügung gestellt wurden, nunmehr dem Magistrat übertragen wird (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 2. Aufl., 16.3.1946).

Mit BK/O (49) 177 überträgt die Alliierte Kommandantur dem Magistrat alle Verantwortung und Funktionen hinsichtlich der Heranschaffung, Verteilung und Rationalisierung von Lebensmitteln in Berlin. Der Magistrat wird ermächtigt, die Lebensmittelrationen in Berlin denen in den westlichen Besatzungszonen anzugleichen. Weiter wird er beauftragt, zu jeder Zeit von allen rationierten Lebensmitteln eine Reserve für 60 Tage zu halten. Lebensmittel oder Rohstoffarten dürfen aus der Bewirtschaftung so lange nicht herausgenommen werden, wie sie in den westlichen Besatzungszonen noch rationiert sind.

Die Alliierte Kommandantur ordnet mit BK/L (49) 76 an, daß bis zum 31. Oktober 1949 Reserven aus nichtverderblichen Lebensmitteln und Kohle für fünf Monate gebildet werden. Der Magistrat soll bei auftretenden Schwierigkeiten der Finanzierung dieser Reserven aus Haushaltsmitteln der Kommandantur berichten.

Mit BK/L (49) 74 teilt die Kommandantur auf Anfrage des Magistrats mit, daß die Vorschriften über die Ausgabe von Interzonenpässen durch die Direktiven Nr. 43 und 49 des Alliierten Kontrollrates festgelegt wurden und noch immer in Kraft sind (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, 29.10.1946).

Durch BK/L (49) 77 genehmigt die Kommandantur das Gesetz über die Baunotabgabe, behält sich aber das Recht vor, falls erforderlich, Maßnahmen zum Schutz des Eigentums von Angehörigen der Vereinten Nationen zu ergreifen.

Der Magistrat weist die Alliierte Kommandantur in einem Schreiben auf die schwere Krise in der Berliner Bauwirtschaft hin. Sie wirke sich auf die gesamtwirtschaftliche Situation Berlins um so verhängnisvoller aus, da dieser Wirtschaftszweig zur Zeit seine Funktion als Schlüsselgewerbe nicht mehr erfüllen könne. Politisch errege diese Depression schwere Besorgnisse, da die kommunistisch gelenkte Presse im sowjetischen Besatzungsbereich sich täglich bemüht, mit Hinweisen auf die angebliche Hochkonjunktur der Ostberliner Bautätigkeit die Schwierigkeiten in den westlichen Sektoren propagandistisch auszunutzen, zumal bereits Tausende von Bauarbeitern aus den westlichen Sektoren im sowjetischen Sektor arbeiten und die Ostpresse täglich durch Inserate neue Kräfte anwerbe. Der Magistrat macht weiter darauf aufmerksam, daß auch die Erhaltung der baulichen Substanz von großer Bedeutung ist. Berlin als am schwersten durch Kriegs- und Nachkriegszerstörungen getroffene deutsche Stadt war bisher noch nicht in der Lage, die ihr verbliebenen Bauwerke in nennenswertem Umfang, instand zu setzen und zu erhalten. Der Magistrat fordert daher Kreditmittel für den Haus- und Grundbesitz sowie für die Durchführung besonders wichtiger öffentlicher Baumaßnahmen. Die Höhe des dafür notwendigen Geldbedarfs bis zum Ende des Haushaltsjahres 1950 schätzt der Magistrat auf 85 Millionen DM (West), mit denen etwa 45 000 Kräfte des Bauhaupt- und Baunebengewerbes wieder Arbeit erhalten könnten.

Die Freie und die Technische Universität veranstalten gemeinsam mit Unterstützung der Erziehungsabteilungen der westlichen Militärregierungen und der Abteilung Volksbildung des Magistrats in der Villa des früheren Industriellen Hugo Stinnes im Grunewald zum ersten Male einen dreiwöchigen Internationalen Ferienkurs unter dem Rahmenthema "Die Traditionen der westlichen Kultur und ihre Beziehungen zur Gegenwart". Die Diskussionen, die in seminarähnlicher Form durchgeführt werden, stehen unter Leitung amerikanischer, britischer, französischer und deutscher Professoren.

Die Berliner Sport-Toto-GmbH eröffnet in Berlin 300 Annahmestellen und nimmt zum ersten Male Wettabschlüsse für die am 21. August durchzuführenden Fußballspiele entgegen.

Im Märkischen Museum im Bezirk Mitte eröffnet der Stadtschulrat des sowjetischen Sektors, Ernst Wildangel (SED), eine Ausstellung "Aus Goethes Zeit".

1950

Bürgermeister Dr. Friedensburg spricht sich vor der Berliner Pressekonferenz für die Aufhebung des Lizenzzwanges für Parteien in Berlin aus. Es sei kein gesunder Zustand, wenn die drei bestehenden demokratischen Parteien ihr Monopol zu sichern suchten. Dr. Friedensburg war bereits wenige Tage zuvor in einer Unterredung mit dem amerikanischen Stadtkommandanten für eine Aufhebung des Lizenzzwanges für Parteien eingetreten. Generalmajor Taylor hatte in Aussicht gestellt, daß die Lizenzierung der Parteien von der Alliierten Kommandantur künftig dem Magistrat überlassen werde.
Auch Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr hatte sich am 12. August 1950 dafür ausgesprochen, daß vor allem den im Bundestag vertretenen Parteien die Tätigkeit in Berlin gestattet werden müsse.

1952

Der amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Mathewson, unterrichtet den amtierenden Regierenden Bürgermeister Dr. Schreiber in einem Schreiben davon, daß die westlichen Stadtkommandanten zur Linderung der durch den steigenden Flüchtlingsstrom in Berlin entstandenen Notlage einen Betrag in Höhe von 100 000 DM zur Verfügung stellen. Er versichert ihm, daß die Stadtkommandanten das Flüchtlingselend mit Anteilnahme verfolgen und die Entschlossenheit des Berliner Senats zur Lösung dieses Problems begrüßen. Die Durchführung aller Hilfemaßnahmen soll auch weiterhin in den Händen des Senats bleiben.

1953

Der FDJ-Vorsitzende Honecker (SED) kritisiert auf der 6./IV. Tagung des Zentralrates der FDJ in Anwesenheit des sowjetischen Hohen Kommissars, Botschafter Semjonow, und des Ersten Sekretärs der SED, Ulbricht, die offen zutage getretenen Schwächen der Organisation am 17. Juni. Es habe sich "politische Sorglosigkeit und Verwirrung" in zahlreichen Kreisleitungen gezeigt. Viele Funktionäre hätten sich von den Massen gelöst, die politisch-erzieherische Arbeit war mangelhaft. Die Hauptaufgabe der Erziehung bestehe nunmehr darin, die gesamte Jugend davon zu überzeugen, daß ihr nur unter Führung der SED eine glückliche Zukunft gesichert werden kann. Ulbricht fordert die FDJ auf, sofort mit dem Kampf um die Gewinnung der Massen der Jugend zu beginnen, sich in offenen Diskussionen mit der "feindlichen Propaganda" auseinanderzusetzen und die westdeutsche Jugend für die eigenen Ziele zu gewinnen.

1954

Der "Ausschuß für deutsche Einheit" gibt in einer Mitteilung bekannt, daß der Präsident des Kuratoriums "Unteilbares Deutschland", Paul Lobe, in seiner Antwort auf den letzten Brief des Ausschusses versichert habe, daß er die darin enthaltenen Vorschläge dem Kuratorium zur Kenntnis bringen werde, obwohl er davon "kein günstiges Resultat erwarte". Paul Lobe habe dem Ausschuß weiterhin unterstellt, daß an dessen Vorschlag zu gemeinsamen Beratungen irgendwelche "Vorbedingungen" geknüpft seien, wodurch eine "ernsthafte Zusammenarbeit" unmöglich gemacht werde. Dazu müsse der Ausschuß nachdrücklich erklären, daß er keine Vorbedingungen irgendwelcher Art für gemeinsame Beratungen stelle, die der friedlichen Wiedervereinigung dienen, und ihnen gegenwärtig nichts im Wege stehe, sofern der gute Wille vorhanden sei, sich an einen Tisch zu setzen. Auch besitze der Ausschuß so viel Unabhängigkeit, jederzeit mit Mitgliedern des Kuratoriums Gespräche aufzunehmen. Der Brief Paul Lobes enthalte dagegen die Bemerkung, daß er auf weitere Zuschriften "keinen Wert lege". Der Ausschuß erhoffe jedoch von den "verantwortungsbewußten, nationalgesinnten" Mitgliedern des Kuratoriums, daß sie nicht länger schweigen, sondern ihren Einfluß geltend machen, um das Zustandekommen von Beratungen zwischen bevollmächtigten Vertretern beider Teile Deutschlands zu fördern und durch eine gesamtdeutsche Initiative zur Wiederaufnahme der unterbrochenen Verhandlungen beizutragen.

1955

36. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat beschließt erneut eine "Verordnung über weitere Verbesserungen im Lohnausgleichsverfahren, die
zugunsten der Ost-Berliner Grenzgänger

  1. den Westmarkanteil an den Nettobezügen von 33 1/3 auf 35 Prozent,
  2. den monatlichen abführungsfreien Mindestbetrag von 52 auf 78 DM,
  3. den Westmarkhöchstbetrag von 200 auf 225 DM erhöht,
  4. einen zusätzlichen Freibetrag für Ehefrau und Kinder von je 13 DM sowie
  5. im September einen einmaligen zusätzlichen Freibetrag von 50 DM gewährt, und
zugunsten der West-Berliner Grenzgänger
  1. den monatlichen Mindestumtauschbetrag von 250 auf 300 DM erhöht und
  2. den Umtausch von 50 DM als Urlaubsgeld ermöglicht.
Der Senat fordert von den Veranstaltern eines Sportwagenrennens auf der AVUS zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, wie u. a. die Erhöhung der Versicherungssummen für Zuschauer, die Aufstellung zusätzlicher Strohballen an der Nordkurve, die Beseitigung von Mauervorsprüngen in der Südkehre und die Einhaltung aller bisher schon von der Polizei gewünschten Sicherungen.

Der amtierende Regierende Bürgermeister Amrehn überreicht dem früheren stellvertretenden Neuköllner Bezirksbürgermeister Hermann Radtke (SPD) anläßlich seines 80. Geburtstages die Ernennungsurkunde zum Stadtältesten.

1956

Ein aus Richtung Hamburg kommender Reisebus mit 42 Neuköllner Kindern stößt bei dem Versuch, in der Nähe von Kyritz in der DDR einen anderen Bus zu überholen, mit einem Langholzfuhrwerk zusammen, wobei drei Kinder tödlich und 12 Kinder z. T. schwer verletzt werden. Sie werden in das Krankenhaus Kyritz eingeliefert und behandelt. Die Eltern und ein Beauftragter des Bezirksamtes Neukölln erhalten auf Grund telegrafisch übermittelter Genehmigungen die Möglichkeit, die Kinder zu besuchen.

Nach Fertigstellung des zweiten Teilstücks von der Schleuse Jungfernheide zum Charlottenburger Verbindungskanal wird der etwa insgesamt drei Kilometer lange und seit 1938 geplante Kanal zum Westhafen für den Verkehr freigegeben, den somit 1000-Tonnen-Schiffe nicht mehr nur über den Hohenzollernkanal, sondern auch über die Spree erreichen können, was eine erhebliche Wegersparnis bedeutet.

In der Schönholzer Heide im Ost-Berliner Bezirk Pankow wird durch ein Gastspiel des Potsdamer Hans-Otto-Theaters mit Shakespeares "Maß für Maß" eine neue Freilichtbühne eröffnet. Sie hat eine 27 Meter breite Bühne und bietet 2500 Menschen Platz. Der Leiter der Bühne, Nietzel, kündigt an, daß in den Sommermonaten verschiedene Theater aus der DDR hier gastieren und außerdem durch Laienzirkel die Traditionen des Agitprop-Theaters aus den 20er Jahren fortgesetzt werden sollen.

1957

Das Bundesverkehrsministerium erklärt in einer Stellungnahme zu Berichten westdeutscher Zeitungen während der letzten Tage, wonach sich die Lufthansa bereits am Berliner Flugverkehr hätte beteiligen können, wenn der Verkehrsminister entsprechende Möglichkeiten genutzt hätte, daß diese ausschließlich auf Äußerungen eines nicht offiziellen sowjetischen Vertreters anläßlich der Rückgabe des Berliner Funkhauses an den Berliner Senat am 5. Juli beruhten. Denn bei damals sofort erfolgenden Versuchen zur Klärung dieser Situation hätte sich jedoch schnell herausgestellt, daß die sowjetischen Behörden für eine Einschaltung der Lufthansa in den Berlin-Verkehr einen Staatsvertrag zwischen Bonn und Ost-Berlin als Voraussetzung betrachteten. Für die Bundesregierung sei dies jedoch aus politischen und rechtlichen Gründen unannehmbar. Vielmehr könne nach ihrer Ansicht eine Zulassung der Lufthansa zum Berlin-Verkehr nur auf dem Wege über die allein für die Luftstraßen nach Berlin zuständigen vier Mächte erreicht werden. In dieser Richtung habe das Bundesverkehrsministerium bereits alles Notwendige unternommen. Im übrigen wäre die Lufthansa durch Erweiterung ihres Maschinenparks schon seit längerem in der Lage, den Berlin-Verkehr sofort aufzunehmen, wenn die entsprechenden politischen Voraussetzungen gegeben sind.

1958

Bürgermeister Amrehn und Zehlendorfs Bezirksbürgermeister Dr. Stiewe erzielen eine Vereinbarung, demzufolge so schnell wie möglich eine ständig besetzte hauptamtliche Dienststelle des Bezirksamtes Zehlendorf in Steinstücken errichtet werden soll, die, über die Aufgaben der bisherigen Amtsstelle hinausgehend, künftig alle Verwaltungs- und Ordnungsangelegenheiten zu regeln und vor allem die zuständigen Stellen des Bezirks über alle wesentlichen Vorkommnisse im Ortsteil und an seinen Grenzen amtlich zu unterrichten haben wird. Ferner wird ab sofort neben dem Polizeilandposten in Kohlhasenbrück am Eingang des Weges nach Steinstücken ein Polizei-Funkwagen stationiert, um eine schnellere Nachrichtenübermittlung zu sichern, und die Einrichtung eines Polizeistreifendienstes zur Exklave angestrebt, die jedoch "bekanntlich besonderen Schwierigkeiten begegnet". Abschließend wird festgestellt, eine Überprüfung des Meldesystems habe ergeben, daß eine schnelle Benachrichtigung der Vorgesetzten in allen Grenzbereichen in dem Maße sichergestellt sei, wie eine 155 Kilometer lange offene Sektoren- und Zonengrenze es mit den gegebenen technischen und persönlichen Möglichkeiten überhaupt zulasse.

Der Ost-Berliner Magistrat erläßt mit der "Verordnung über die Leitung der Industrie und des Handwerks in Groß-Berlin" Richtlinien zur Organisation der Betriebsstrukturen.
Danach können örtliche Vereinigungen volkseigener Betriebe Berlin VVB(B)s auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung und nach Zustimmung der Staatlichen Plankommission gebildet werden, wenn dem Magistrat eine größere Anzahl Betriebe eines oder mehrerer in der Produktionsart verwandter Industriezweige unterstellt sind. Die "operative Leitung" der vom Magistrat direkt geleiteten Betriebe erfolgt durch den Wirtschaftsrat beim Magistrat, während die "operative Leitung" der von den Räten der Stadtbezirke direkt geleiteten Betriebe den Plankommissionen in den Stadtbezirken obliegt.
Das Handwerk ist durch die Räte der Stadtbezirke so zu lenken - vor allem durch Materialversorgung aus staatlichen Fonds - und zu fördern, daß die Herstellung hochwertiger Konsumgüter systematisch ermöglicht wird und daß in großem Umfang Reparatur- und Werterhaltungsarbeiten durchgeführt werden können. Beim Wirtschaftsrat des Magistrats und bei den Räten der Stadtbezirke sind Beiräte zu bilden, die die PGHs bei der Schaffung von Musterproduktionsgenossenschaften sowie bei der politisch-ideologischen Überzeugung der noch individuell arbeitenden Handwerker zu unterstützen haben. Die Einzelhandwerker und die Einkaufs- und Liefergenossenschaften haben den Plankommissionen Leistungsangebote einzureichen. Auf Grund der kontrollierten und bestätigten Leistungsangebote erfolgt die Materialzuteilung, wobei eine objektmäßige Bindung der Zuteilung festgelegt werden kann.
Die "privatkapitalistische" Industrie wird von den Räten der Stadtbezirke unter Zugrundelegung der Kennziffern des Volkswirtschaftsplanes durch Materialzuteilung, Registrierung der Absatzverträge, Lizenzverfahren und andere Maßnahmen gelenkt. Verträge zwischen Partnern der privaten Wirtschaft bedürfen der Bestätigung durch die Plankommissionen und sind gebührenpflichtig. Auf der Grundlage registrierter Verträge erfolgt die Materialzuteilung aus staatlichen Fonds, bei Kooperationsbeziehungen mit volkseigenen Betrieben können Zuteilungen auch durch diese erfolgen.
Die Hauptaufgaben der Handwerkskammer sowie der Industrie- und Handelskammer - beide sind dem Magistrat unterstellt - bestehen in der politischideologischen Einflußnahme auf die Handwerker sowie private Betriebsinhaber im Interesse ihrer verstärkten Einbeziehung in den sozialistischen Aufbau.

Der Ost-Berliner Magistrat setzt für seinen Verwaltungsbereich in Kraft die Beschlüsse des DDR-Ministerrats vom 12. Juni 1958
"zur Förderung der weiteren sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft" (GBl. DDR I S. 529), der 1. eine Aktivierung der massenpolitischen Arbeit verlangt, um einen politischen Umschwung unter den Mittelbauern herbeizuführen und auch sie für die sozialistische Großproduktion zu gewinnen; dabei soll gewährleistet sein, daß die Agitation auch während der Erntekampagne verstärkt fortgesetzt und somit klargelegt wird, daß durch den Übergang zur genossenschaftlichen Produktion die aktive Beteiligung der Bauern an der Leitung des Staates wächst; 2. einige Ministerien beauftragt, zahlreiche administrative Hemmnisse zu beseitigen, die bisher dem Eintritt von Einzelbauern in LPGs im Wege standen, die Ergebnisse der Entwicklung der LPGs auszuwerten und den Typ I verstärkt zu fördern, schließlich Beispiele für eine vorbildliche sozialistische Kulturarbeit zu entwickeln; 3. Maßnahmen zur weiteren Festigung der bestehenden LPGs, insbesondere für die schnelle Entwicklung der noch wirtschaftsschwachen Genossenschaften, vorsieht, z. B. durch Vergünstigungen finanzieller Art und die Erhöhung der Viehbestände;
"über die neuen Aufgaben der Maschinen-Traktoren-Stationen" (GBl. DDR I S. 533), die danach die Verantwortung dafür tragen, daß "die moderne Technik rationell eingesetzt wird und durch die Anwendung des Fließsystems in den einzelnen Kampagnen der größtmögliche Mechanisierungsgrad auf den Flächen der LPGs erzielt wird", und den Einsatz der Maschinensysteme so zu organisieren haben, daß die LPGs "unter Einhaltung agrotechnischer Termine gegenüber den werktätigen Einzelbauern führend sind und bereits ... 1958 in der Regel die Hektarerträge der Einzelbauern erreichen und übertreffen"; dem Magistrat wird empfohlen, im Rahmen der Aktion "Industriearbeiter aufs Land" dem Bezirk Frankfurt/Oder von 1958 bis 1960 insgesamt tausend "Kader" (Technische Leiter, Buchhalter, Innenmechanisatoren, Werkstattmeister, Brigademechaniker, Kombinefahrer, Traktoristen etc.) z. V. zu stellen;
über das Musterstatut und die Betriebsordnung für gärtnerische Produktionsgenossenschaften (GBl. DDR I S. 536).

Bürgermeister Amrehn überreicht im Rathaus Schöneberg Dr. Georg Lange anläßlich seines 75. Geburtstages die Ernennungsurkunde zum Stadtältesten in Würdigung seiner verdienstvollen Tätigkeit als Magistratsassessor und Stadtrat von 1912 bis 1920 im damals noch selbständigen Schöneberg, von 1920 bis 1926 als Generalsteuerdirektor und von 1926 bis 1930 als Stadtkämmerer von Berlin und von 1946 bis 1955 als Bezirksstadtrat für Finanzen in Wilmersdorf.

1958

Im 87. Lebensjahr stirbt in Berlin der Dirigent und Komponist Leo Blech an Herzschwäche - seit 1906 Kapellmeister, von 1913 bis 1923 und von 1926 bis 1937 Generalmusikdirektor (ab 1933 auch Staatskapellmeister) an der damals noch Königlichen und dann Preußischen Staatsoper Unter den Linden; von 1937 bis 1949 in der Emigration in Riga und Stockholm tätig, dann wieder in Berlin an der Städtischen Oper, der er 1923/24 als Künstlerischer Direktor des damaligen "Deutschen Opernhauses" schon einmal angehört hatte.

1959

Bezirksbürgermeister Bachmann eröffnet im Ortsteil Mahlsdorf das anstelle des alten schilfbewachsenen Paddenpfuhls im Rahmen des "Nationalen Aufbauwerks" in 30 419 "freiwillig" geleisteten Aufbaustunden geschaffene Freibad Wernersee.

1959

Bezirksbürgermeister Bachmann eröffnet im Ortsteil Mahlsdorf das anstelle des alten schilfbewachsenen Paddenpfuhls im Rahmen des "Nationalen Aufbauwerks" in 30 419 "freiwillig" geleisteten Aufbaustunden geschaffene Freibad Wernersee.

1960

Die Alliierte Kommandantur übermittelt dem Senat mit BK/O(60)3 ihren Voranschlag für den Besatzungskosten- und Auftragsausgaben-Etat 1960/61, der dann nach geringfügigen Änderungen durch BK/O(60)5 vom 7. September und durch BK/0(61)3 vom 16. März 1961 bestätigt wird. Die Gesamtkosten von 205,4 Mill. DM verteilen sich auf den britischen Sektor mit 72,7, den amerikanischen mit 76 und den französischen mit 56,7 Mill. DM. Für deutsche Arbeitskräfte sind insgesamt 73,8 Mill. DM angesetzt.

1960

Die Alliierte Kommandantur übermittelt dem Senat mit BK/O(60)3 ihren Voranschlag für den Besatzungskosten- und Auftragsausgaben-Etat 1960/61, der dann nach geringfügigen Änderungen durch BK/O(60)5 vom 7. September und durch BK/0(61)3 vom 16. März 1961 bestätigt wird. Die Gesamtkosten von 205,4 Mill. DM verteilen sich auf den britischen Sektor mit 72,7, den amerikanischen mit 76 und den französischen mit 56,7 Mill. DM. Für deutsche Arbeitskräfte sind insgesamt 73,8 Mill. DM angesetzt.

1961

Auf Anweisung ihrer Regierungen protestieren die westlichen Stadtkommandanten in Schreiben gleichen Wörtlauts bei ihrem sowjetischen Kollegen Solowjew gegen die von der DDR am 13. August eingeleiteten Absperrmaßnahmen als "flagranteste Verletzung" des Viermächte-Status seit der Blockade West-Berlins 1948/ 49; außerdem hätten die "ostdeutschen Behörden" die Vereinbarung vom 20. Juli 1949 gebrochen, in der sich die Sowjetunion nach Aufhebung der Blockade verpflichtete, die Freizügigkeit innerhalb ganz Berlins sowie zwischen der Stadt und dem übrigen Deutschland zu sichern.

Der sowjetische Stadtkommandant Solojew weist in seiner Antwort auf den Protest seiner westlichen Kollegen vom 3. August gegen die vom Ost-Berliner Magistrat veranlaßten Behinderungen von Grenzgängern "das Ansinnen zurück, sich in Angelegenheiten der souveränen DDR einzumischen".

Der DDR-Ministerrat warnt in einer Erklärung die Bundesregierung vor einem Abbruch des Interzonenhandels, da sie damit zugleich den Güterverkehr zwischen Westdeutschland und West-Berlin sowie ihren Transitverkehr durch die DDR gefährden würde. Außerdem macht der Ministerrat deutlich, daß die DDR im Hinblick auf eine solche Möglichkeit mit ihren Verbündeten bereits Absprachen über eine wirtschaftliche Unterstützung getroffen habe; nötigenfalls aber könnte sie bislang aus Westdeutschland bezogene Waren auf dem Auslandsmarkt kaufen.

An zahlreichen Punkten der Sektorengrenze beginnt auf östlicher Seite der Aufbau einer Mauer aus etwa 1,25 Meter hohen Betonplatten, daneben beziehen weitere Truppeneinheiten dort Stellung, fahren Panzerspähwagen auf. An den nur noch wenigen Übergängen müssen den Ostteil der Stadt besuchende West-Berliner sich immer schärferen Kontrollen, teilweise sogar Leibesvisitationen, unterziehen.

Das DDR-Innenministerium ordnet - einer in der Ost-Berliner Presse veröffentlichten Mitteilung zufolge - bis auf weiteres eine "Genehmigungspflicht für die Einfahrt West-Berliner Personenkraftwagen, Motorräder und Mopeds in das demokratische Berlin" an, da die bisherige Freizügigkeit "zu feindlichen Handlungen der westlichen Spionage- und Agentenzentralen gegen die DDR mißbraucht" worden sei.

Der Regierende Bürgermeister Brandt verläßt die 142. (Ordentliche) Sitzung des Senats nach der Vorlage von Berichten über eine Wahlrede Bundeskanzlers Adenauers in Regensburg, in der er nach scharfen Angriffen gegen die SPD unter Anspielung auf die uneheliche Herkunft Brandts u. a. erklärt hatte, wenn er jemanden bisher mit größter Rücksicht behandelt habe, dann sei das "Herr Brandt alias Frahm" gewesen.

1968

Ein Sprecher des DDR-Außenministeriums protestiert gegen die von der Bundesregierung am 27. Mai erlassene "Verordnung zur Erstreckung des Gesetzes über den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Europarat auf das Land Berlin" (BGBl. II, S. 573), die sich gegen die europäische Entspannung richte und mit der Rechtslage West-Berlins unvereinbar sei.

1968

Bei den 15. Europameisterschaften im Frauen-Rudern auf der Olympia-Regatta-Rennstrecke im Ost-Berliner Stadtteil Grünau belegt die Mannschaft der DDR unter den zwölf teilnehmenden Ländern in den fünf Bootsklassen - Einer, Doppelzweier, Vierer, Doppelvierer, Achter - mit drei Gold- sowie je einer Silber- und Bronzemedaille den ersten Platz, gefolgt von Rumänien und der Sowjetunion; die Mannschaft der Bundesrepublik erreicht Platz neun.

1969

DDR-Innenminister Friedrich Dickel protestiert in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz gegen die Überführung von Bundeswehr-Deserteuren nach Westdeutschland. (Vgl. 27. Juli.) Im Auftrag der DDR-Regierung spricht er dabei die Erwartung aus, "daß der Senat von West-Berlin endlich den Erfordernissen eines entmilitarisierten Status West-Berlins Rechnung trägt". Der Regierende Bürgermeister wird aufgefordert, "jede Form der Einbeziehung West-Berlins in die gegen die europäische Sicherheit gerichtete aggressive Militär-, Aufrüstungs- und Notstandspolitik der westdeutschen Bundesrepublik zu unterbinden". Die "rechtswidrige Anwendung" der westdeutschen Militärgesetzgebung in West-Berlin stelle eine "grobe Verletzung des Status der inmitten der DDR und auf ihrem Territorium gelegenen selbständigen politischen Einheit West-Berlin" dar. Weiter heißt es, "unter Mißbrauch der Luftwege der DDR" seien mit Unterstützung des Senats wiederholt Bürger, "die sich aus politischer Überzeugung weigern, in der aggressiven westdeutschen Bundeswehr Dienst zu tun", in die Bundesrepublik "verschleppt" worden. Dabei handele es sich um einen Teil der "weitreichenden Versuche" der Bundesregierung, West-Berlin in die "Militarisierung und Aufrüstung Westdeutschlands" einzubeziehen.

1970

In einer Entschließung des CDU-Landesvorstands zur Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Vertrages (vgl. 12. August) werden fünf Voraussetzungen für eine befriedigende Berlin-Lösung genannt: "1. Das Anerkenntnis des Ostens, daß West-Berlin zum Rechts-, Finanz- und Wirtschaftssystem und zur demokratischen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland gehört. 2. Daß die Bundesrepublik Deutschland West-Berlin in der Welt vertritt. 3. Ständiger Zugang der West-Berliner in den anderen Teil der Stadt und in die DDR. 4. Sicherstellung, daß jedermann ohne Verzögerung und Schikanen die Berliner Zugangswege benutzen kann und niemand aus politischen Gründen die Landwege zu scheuen braucht. 5. Jede künftige Berlin-Regelung muß vor einseitigen Änderungen und Eingriffen gesichert und zeitlich unbegrenzt sein." Der CDU-Erklärung ging ein Vorschlag des Regierenden Bürgermeisters Klaus Schütz vom 13. August voraus, die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien sollten vertrauliche Gespräche führen, um zu einer gemeinsamen Haltung für die kommende Verhandlungsrunde der vier Mächte über Berlin zu gelangen.

1974

Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, ist am Palast der Republik in Berlin-Mitte bereits mit ersten Ausbauarbeiten begonnen worden. Vor einem Jahr, am 13. August 1973, wurden die Bauarbeiten am Marx-Engels-Platz aufgenommen.

1977

Mit einem Pontifikalamt, zelebriert von Bischof Alfred Kardinal Bengsch, wird die St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte nach zehnmonatigen Renovierungsarbeiten wieder geöffnet. Rund 1 000 Katholiken nehmen an der Messe aus Anlass des Mariä-Himmelfahrts-Festes teil.

1980

Nach Verbüßen von zwei Dritteln seiner 14-jährigen Freiheitsstrafe wird der frühere West-Berliner Rechtsanwalt Horst Mahler, Mitbegründer der terroristischen "Roten-Armee-Fraktion" (RAF), aus der Haft entlassen. Die Reststrafe ist zur Bewährung ausgesetzt worden. Das zuständige Gericht hat Mahler, der sich vom Terrorismus distanziert hat, eine innere Umkehr bescheinigt. Mahler wurde 1973 wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit Gründung einer kriminellen Vereinigung und Rädelsführerschaft zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe und 1974 im Prozess um die gewaltsame Befreiung des Kaufhaus-Brandstifters Andreas Baader unter Einbeziehung der Freiheitsstrafe von zwölf Jahren zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

1981

In der Philharmonie wird mit einem Festakt - Redner: der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker, Staatssekretär von Schoeler aus dem Bundesinnenministerium und der Göttinger Historiker von Thadden - die Ausstellung "Preußen - Versuch einer Bilanz" eröffnet, deren Hauptteil im noch nicht vollständig wiederhergestellten ehem. Kunstgewerbemuseum (Martin-Gropius-Bau) in der Stresemannstraße rund 2500 in zweieinhalbjähriger Arbeit zusammengetragene Exponate zeigt, die ein Bild von rund 500 Jahren preußischer Geschichte vermitteln sollen. Das von der Berliner Festspiele GmbH betreute Großprojekt ist von zahlreichen anderen Ausstellungen (z. B. im Schloß Charlottenburg, im Berlin Museum, in der Staatsbibliothek, im Landesarchiv und in der Akademie der Künste) sowie einer Fülle von Vorträgen und Veranstaltungen begleitet, gilt als ehrgeizigstes kulturelles Unternehmen der Nachkriegszeit, fand deshalb schon während der Vorbereitungen ein breites, nicht immer zustimmendes Echo.in der Öffentlichkeit und wird von der DDR, die kein Ausstellungsmaterial zur Verfügung stellte, sowie vom gesamten Ostblock scharf kritisiert.

1983

Wissenschaftssenator Kewenig eröffnet in der Wiesbadener Straße in Wilmersdorf das Internationale Begegnungszentrum für Gastwissenschaftler, die auf Einladung der Berliner Universitäten, Hochschulen und sonstigen wissenschaftlichen Institutionen vorübergehend hier arbeiten. Der für rund 26 Mio. DM - aufgebracht von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, der Stiftung Volkswagenwerk, der Bundesregierung und vom Land Berlin in knapp drei Jahren nach den Plänen von Otto Steidle errichtete Bau verfügt über 78 Wohnungen bis zu vier Zimmern und Gemeinschaftsräume.

In den frühen Morgenstunden verursacht ein Brandanschlag auf das Abhollager der Firma Möbel Hübner in der Genthiner Straße im Bezirk Tiergarten einen Schaden von rund 750000 DM (vgl. 4. Mai). Etwa zwei Stunden später entzünden die wahrscheinlich gleichen Täter aus der linksextremistischen Szene das Papierlager einer Druckerei in der benachbarten Lützowstraße, wo Experten den Schaden auf rund 200 000 DM beziffern.

1985

Die Staatssekretäre in den Verkehrsministerien beider deutscher Staaten, Bayer (Bundesrepublik) und Schmidt (DDR), unterzeichnen in Bonn zur Grunderneuerung eines 41 km langen Abschnitts der Autobahn Berlin-München zwischen der Anschlußstelle Triptis und dem Grenzübergang Hirschberg sowie einer 5 km langen Strecke zwischen dem DDR-Kontrollpunkt Drewitz und dem Berliner Ring eine Vereinbarung, derzufolge die Bundesregierung dafür einen Festbetrag von 148 Mio. DM zahlt, ihre Bereitschaft zur Übernahme der gesamten Kosten in Höhe von 4,7 Mio. DM für die Erneuerung der Fahrbahn der Saale-Brücke erklärt, sowie eine Erweiterung der Abfertigungsanlagen in Hirschberg unterstützen will, während die DDR-Regierung zur Durchfuhrung der am 15. Januar 1986 beginnenden und auf den Tag genau zwei Jahre später abzuschließenden Arbeiten sich verpflichtet, für 30 Mio. DM Baumaschinen und -ausrüstungen in der Bundesrepublik im Rahmen des deutsch-deutschen Handels zu kaufen.

1986

Zur Erinnerung an die Olympischen Spiele in Berlin vor 50 Jahren feiern noch lebende deutsche Olympioniken von damals ein vom NOK der Bundesrepublik initiiertes Wiedersehen. Sie sind dabei u.a. Gäste des "ISTAF" (vgl. 15. August), erleben einen "Berliner Abend" in den Stadionterrassen, unternehmen eine Stadtrundfahrt mit Kranzniederlegungen zum Gedenken an alle Olympiateilnehmer, die durch Krieg und Verfolgung ihr Leben verloren, an der Olympia-Glocke in der Gedenkstätte Plötzensee, wo NOK-Präsident Daume, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Galinski, sprechen, sowie an der Grabstätte des Widerstandskämpfers Werner Seelenbinder am Stadion Neukölln, besuchen die Ausstellung "Olympia -das Fest und seine Bedrohung"im Haus des Sports am Olympia-Stadion und "Sport im nationalsozialistischen Deutschland" im Rathaus Schöneberg, besuchen die Veranstaltung "Olympia in Vergangenheit und Gegenwart" im Hotel Inter-Continental mit Ansprachen von LSB-Präsident von Richthofen und Willi Daume, welcher dem Koreaner Son Kee-Chung, der damals als "Kitei Son" für Japan starten mußte, den korinthischen Bronzehelm überreicht, den er bereits 1936 als Sieger im Marathonlauf erhalten sollte.

1986

40.000 Zuschauer beim 46. ISTAF im Olympia-Stadion erleben zwar keine neuen Weltrekorde, wohl aber mit den nur eine Zehntelsekunde unter ihrem eigenen Weltrekord bleibenden 12,37 Sekunden über 100 Meter Hürden von Jordanka Donkowa (Bulgarien) und den 47,53 Sekunden über 400 Meter Hürden von Edwin Moses (USA) - seinen 116. Sieg in ununterbrochener Reihenfolge über diese Strecke - zwei überragende Leistungen. In Erinnerung an den vierfachen Olympiasieger von 1936, Jesse Owens, waren zuvor einige seiner "Nachfolger" auf den Sprintstrecken präsentiert und geehrt worden: Harrison Dillard (USA/1948 in London), Lindy Remigino (USA/1952 in Helsinki), Bob Morrow (USA/1956 in Melbourne), Armin Hary (BR Deutschland/1960 in Rom), Bob Hayes (USA/1964 in Tokio), Hasely Crawford (Trinidad/1976 in Montreal) und Carl Lewis (USA/1984 in Los Angeles).

1988

NATO-Oberbefehlshaber General Galvin, der in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der in Europa stationierten US-Streitkräfte Berlin besucht, lehnt vor Journalisten in der Stadt eine Reduzierung der hier stationierten alliierten Streitkräfte auf eine nur symbolische Präsenz kategorisch ab.

1989

Der Ost-Berliner Generalsuperintendent Krusche wie auch Pfarrer Eppelmann meinen in Interviews mit westdeutschen Sendern, die sich derzeit in bundesdeutschen Vertretungen aufhaltenden DDR-Bürger sollten auf die zugesagte Straffreiheit vertrauen und nach Hause zurückkehren. Würde ihnen die Ausreise irgendwie an der Rechtsordnung vorbei genehmigt werden, könnte dies zu einem "Dammbruch" fuhren. Viele DDR-Bürger ärgerten sich ohnehin über das "Vordrängeln" einer kleinen Minderheit, während eine große Anzahl - in diesem Jahr bereits 50 000 - das Land legal verlasse.

1990

Der Regierende Bürgermeister Walter Momper und Oberbürgermeister Tino Schwierzina werben vor der Presse in Bonn für Berlin als Hauptstadt und Regierungssitz des vereinigten Deutschlands. (Vgl. 25. Juni.) Sie regen an, daß der Bundesrechnungshof eine unparteiliche Schätzung der Umzugskosten erstellen solle. Beide betonen, daß in Berlin genügend Gebäude für Ministerien zur Verfügung stünden und die in den nächsten Jahren abziehenden Alliierten auch Tausende von Wohnungen frei werden ließen.

Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin reicht beim Verwaltungsgericht Klage gegen das vom Abgeordnetenhaus beschlossene Auflösungsgesetz ein. (Vgl. 28. Juni, 17. Juli.) Eine einstweilige Anordnung soll den Mitgliedern und Angestellten der Akademie Rechtsschutz bis zu einer Entscheidung in einem Hauptverfahren geben.

Rund 250 000 Bauern demonstrieren in der ganzen DDR für staatliche Maßnahmen gegen Absatzprobleme und Preisverfall in der DDR-Landwirtschaft. In Ost-Berlin, wo rund 50 000 Bauern auf dem Alexanderplatz demonstrieren, kommt es zu handgreiflichen Attacken gegen den parteilosen, von der SPD nominierten Landwirtschaftsminister Peter Pollack.

1993

Im Alter von 93 Jahren stirbt in Königstein/Taunus der deutsch-amerikanische Jurist und Publizist Robert M. W. Kempner. Von 1928 bis 1933 im preußischen Staatsdienst, wurde Kempner 1933 als Regimegegner von den Nationalsozialisten kurzfristig aus dem Dienst entlassen und inhaftiert. Er emigrierte noch im gleichen Jahr und ging 1939 in die USA. Von 1946 bis 1949 war er für die USA Ankläger _ zuletzt stellvertretender Hauptankläger _ beim Internationalen Militärtribunal in Nürnberg. 1951 ließ er sich als Anwalt in Frankfurt am Main nieder. Kempner empfing zahlreiche Ehrungen. So wurde er am 6. Mai 1970 mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte ausgezeichnet.
   Kempner wird am 24. August in Berlin _ im Familiengrab auf dem Parkfriedhof Lichterfelde _ beigesetzt. An der Trauerfeier nehmen unter anderen Justizsenatorin Jutta Limbach und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, teil.

2000

Das wegen seiner Form "Ahornblatt" getaufte Gebäude auf der Fischerinsel in Berlin-Mitte wird nicht als Baudenkmal erhalten; der Abriss beginnt. Abrissbagger rücken den fünf Zacken des Gebäudes zu Leibe. Bürgerinitiativen und Denkmalschützer kämpften erfolglos um den Erhalt des Bauwerks, das in den 70er Jahren errichtet wurde, zunächst dem Bauministerium der DDR als Kantine diente und nach der Wende fünf Jahre lang an eine US-Firma verpachtet war, die es als Diskothek nutzte. An gleicher Stelle soll ein Büro-, Hotel- und Wohnkomplex entstehen.

2009

Im Olympiastadion in Charlottenburg findet die 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaft statt. Eröffnet wird sie am 15. August durch Bundespräsident Horst Köhler. Mit dem Start von 1 984 Aktiven aus 201 Ländern wird ein neuer Teilnehmerrekord in der Geschichte der Titelkämpfe erzielt. Erfolgreichster Athlet ist der Sprinter Usain Bolt aus Jamaika, dreifacher Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele von Peking 2008. Er verbessert beim 100-Meter-Lauf seinen eigenen Weltrekord von 9,69 auf 9,58 Sekunden, zudem läuft er Weltrekord auf der 200-Meter-Strecke und holt Gold mit der jamaikanischen 4-mal-100-Meter-Staffel.
Erstmals in der Geschichte der Leichtathletik-Weltmeisterschaft wird der Marathonlauf nicht im Stadion gestartet oder dort beendet. Start und Ziel der Läufe von Männern (22. August) und Frauen (23. August) ist das Brandenburger Tor. Bei den Männern gewinnt der Kenianer Abel Kirui (2:06:55 Stunden), bei den Frauen die Chinesin Bai Xue (2:25:15 Stunden).
Das deutsche Team erzielt bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft zwei Gold-, drei Silber- und vier Bronzemedaillen. Das bedeutet in der Medaillenwertung Rang sechs. Gold holen der Diskuswerfer Robert Harting und die Speerwerferin Steffi Nerius.
Bei der Abschlussveranstaltung am 23. August wird die Flagge des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit symbolisch an den Bürgermeister der südkoreanischen Stadt Daegu, Kim Bumil, übergeben. Dort wird in zwei Jahren die nächste Leichtathletik-Weltmeisterschaft stattfinden.

2013

Knapp zehn Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K., die bundesweit Bestürzung auslöste, endet der Prozess um den gewaltsamen Tod des 20-Jährigen. Gegen den Haupttäter verhängt das Landgericht Berlin eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge, die anderen fünf Angeklagten bekommen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren und acht Monaten.

2013

Das Leipziger Platz Quartier feiert Richtfest. Der gigantische Gebäudekomplex, der am Leipziger Platz in Mitte entsteht, wird eines der größten Berliner Einkaufscenter, ein Hotel und Wohnungen beherbergen. Einst sei der Leipziger Platz Symbol für Berlins Aufstieg zur Weltmetropole gewesen, sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. »Nach jahrzehntelanger Brache – bedingt durch die Nazi-Zeit, den Krieg und die Teilung – kehrt nun städtisches Leben zurück.«

2013

Der große Auszug aus dem Bettenhochhaus der Charité in Mitte läuft an, die erste Station übernimmt in der neu errichteten Campus-Klinik ihre Räume. Der Interimsbau wird während der dreijährigen Kernsanierung des Bettenhochhauses den größten Teil der Stationen beherbergen. Bis Ende September soll der Auszug abgeschlossen sein, gleich danach der Umbau beginnen.

2016

Michael P. Steinberg, Professor für Geschichte, Musik und German Studies an der Brown University, nimmt seine neue Tätigkeit als Präsident der American Academy auf. Steinbergs Vorgänger, Gerhard Casper, hat das Kulturinstitut am Großen Wannsee, das der Verständigung und dem geistigen Austausch zwischen Deutschland und den USA dient, interimistisch von Juli 2015 bis Juli 2016 geleitet.

2017

Die Fluggesellschaft Air Berlin beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Mit Hilfe einer Bundesbürgschaft kann der eigenwirtschaftliche Flugbetrieb bis zum 27. Oktober fortgeführt werden. Am 1. November wird das Insolvenzverfahren eröffnet.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 15.08.2022)