Was geschah am 19.08. im Jahr ...

1945

Im Haus des Rundfunks, Masurenallee, veranstaltet die Kammer der Kunstschaffenden eine Feierstunde zum Gedenken an sechzehn Dichter und Schriftsteller, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt wurden und gestorben sind. Zu diesen gehören Ernst Barlach, Ernst Blaß, Egon Friedell, Walter Hasenclever, Georg Kaiser, Erich Knauf, Jochen Klepper, Adam Kuckhoff, Else Lasker-Schüler, Erich Mühsam, Carl v. Ossietzky, Rene Schickele, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Ernst Weiß und Stefan Zweig.

Der rumänische Dirigent Sergiu Celibidache dirigiert zum ersten Male in Berlin ein Konzert des Berliner Kammerorchesters in der "Neuen Welt", Hasenheide im Bezirk Neukölln.

1946

Die amerikanische Militärregierung verfügt für ihren Sektor, daß nur die für den lebenswichtigen Bedarf der Berliner Wirtschaft eingesetzten privaten deutschen Kraftfahrzeuge als rechtmäßig zugelassen anerkannt werden.

Als Nachfolger des früheren Demokratischen Klubs hält der "Deutsche Liberale Club" nach der mit Genehmigung der britischen Militärregierung erfolgten Gründung seine erste Sitzung ab. Der Club sieht sein Ziel in einer überparteilichen Beschäftigung mit der deutschen Politik.

1946

Die Berliner Polizei nimmt an den Berliner Ausfallstraßen Großrazzien vor und beschlagnahmt in größerem Umfang Lebensmittel und rationierte Waren, die aus der sowjetischen Besatzungszone nach Berlin ohne Genehmigung eingeführt werden sollten.

1947

Im sowjetischen Sektor beginnt mit Genehmigung der sowjetischen Militärregierung, jedoch ohne Berücksichtigung des Befehls BK/O (47) 117 der Alliierten Kommandantur zur Bildung eines Gründungsausschusses einer die gesamte Stadt umfassenden Volksbühnenbewegung, der Aufbau der Organisation einer "Volksbühne Berlin". Lizenzträger sind Dr. Litten und Direktor Lindemann.
Die Alliierte Kommandantur gibt bekannt, daß sie den Gründungsausschuß auf Grund des gesonderten Vorgehens des sowjetischen Sektors als aufgelöst betrachtet.
Die Sondergründung im sowjetischen Sektor veranlaßt die nichtkommunistischen Mitglieder des Gründungsausschusses, mit Zustimmung der westlichen Stadtkommandanten die Gründung einer Freien Volksbühne für die Westsektoren in die Wege zu leiten.

Der sowjetische Stadtkommandant, Generalmajor Kotikow, ordnet durch Befehl Nr. 36 an, das im Verwaltungsbezirk Lichtenberg gelegene Industriewerk Knorrbremse als Reparationsleistung an die Sowjetische Aktiengesellschaft für Transportmaschinenbau zu übergeben.

1948

Die britische Militärregierung verbietet die Übertragung von Sendungen des sowjetisch kontrollierten Berliner Rundfunks durch Lautsprecheranlagen auf Bahnhöfen des britischen Sektors.

Die Polizei des sowjetischen Sektors unternimmt am Potsdamer Platz eine Razzia. Hierbei kommt es zwischen den Polizisten, Schwarzhändlern und Passanten zu Zusammenstößen, in deren Verlauf die Polizei Schüsse abgibt, die einige Zivilpersonen verletzen. Amerikanische, britische und später sowjetische Militärpolizei sichern die Sektorengrenzen.

Die Deutsche Wirtschaftskommission für die sowjetische Besatzungszone verhängt für die Industrie- und Großhandelsbetriebe des sowjetischen Sektors eine Verkaufssperre nach den westlichen Sektoren. Sie gibt zugleich eine Vereinfachung des Lebensmittelbezuges für Einwohner der westlichen Sektoren im sowjetischen Sektor bekannt.

Der Leiter der Präsidialabteilung im Polizeipräsidium des sowjetischen Sektors, Hans Seidel, ordnet Untersuchungen gegen Angestellte der Bezirksämter an, die Post an das Polizeipräsidium in der Friesenstraße weiterleiten.

1949

Der sogenannte Demokratische Block, dem neben den "antifaschistischen" Parteien auch der FDGB und alle kommunistisch beeinflußten Massenorganisationen im sowjetischen Besatzungsbereich angehören, bestätigt auf einer Sitzung im Hause des Deutschen Volksrates im sowjetischen Sektor die von einem besonderen Ausschuß ausgearbeiteten politischen und organisatorischen Grundsätze für seine Arbeit.
In den politischen Grundsätzen fordert der Demokratische Block unter anderem die Einheit Deutschlands, einen gerechten Frieden und den Abzug aller Besatzungstruppen zu erwirken, die vom Dritten Deutschen Volkskongreß bestätigte Verfassung einer "Deutschen Demokratischen Republik" zur Grundlage für die öffentliche Tätigkeit aller Antifaschisten und Demokraten in ganz Deutschland zu machen, entschieden die von "reaktionären Kräften" betriebene antisowjetische Propaganda abzuwehren und sich zu einer positiven Stellungnahme gegenüber der Sowjetunion als der "führenden Macht im Kampf zur Verteidigung des Weltfriedens" zu verpflichten.
Der Demokratische Block verpflichtet sich zu einer gemeinsamen Politik und den vorstehenden politischen Grundsätzen. Der Block soll eine auf freier Entscheidung beruhende Gemeinschaft sein, dessen Beschlüsse deshalb nicht durch Mehrheitsabstimmungen, sondern durch Einmütigkeit herbeigeführt werden müssen. Jede der dem Block angehörenden Parteien oder Organisationen hat vier Sitze, wobei das Hinzuziehen von Vertretern politischer, wissenschaftlicher oder anderer Institutionen und Organisationen als Berichterstatter oder Berater beantragt werden kann. Der allgemeine Rahmen für die Arbeit der Landesblockausschüsse sind die Beschlüsse des Demokratischen Blocks. Die Tätigkeit der Landesblockausschüsse darf nicht im Widerspruch zu diesen stehen. Differenzen zwischen den dem Block angehörenden Parteien oder Organisationen sollen an Ort und Stelle direkt geklärt werden.

1949

Vertreter der UGO unterrichten eine in Berlin weilende Delegation der französischen Gewerkschaft Force Ouvriere über den Stand der Demontage bei der Firma Borsig im französischen Sektor. Sie weisen darauf hin, daß dieses Werk 1945 bereits von der sowjetischen Besatzungsmacht völlig demontiert und erst später durch die Arbeiter des Werkes zum Teil wiederaufgebaut wurde. Bei einer Fortsetzung der augenblicklich eingestellten Demontage des Werkes würde 3000 bis 5000 Berliner Arbeitern jegliche Hoffnung auf Wiederaufnahme ihrer Arbeit genommen werden. Die französischen Gewerkschafter versprechen, bei der französischen Regierung energisch gegen eine weitere Demontage der Borsig-Werke zu protestieren.
Auf einer Kundgebung der UGO im Studentenhaus am Steinplatz im Bezirk Charlottenburg sprechen sich die französischen Gewerkschaftsführer gegen die Demontage der Borsig-Werke aus. Sie befürworten eine enge Verbindung der deutschen und französischen Arbeiterschaft in einem gemeinsamen Europa.

1952

75. Deutscher Katholikentag.
Auf der Eröffnungsveranstaltung auf dem Messegelände am Funkturm bezeichnet die Präsidentin der Berliner Tagung, Frau Hedwig Klausener - Witwe des am 30. Juni 1934 von den Nationalsozialisten ermordeten Leiters der Katholischen Aktion in Berlin, Dr. Erich Klausener -, diesen Katholikentag, der unter der Losung "Gott lebt", steht, als eine großartige Darstellung der Einheit der Kirche, denn noch niemals sei der deutsche Episkopat so zahlreich auf einem Laientreffen vertreten, wie diesmal in Berlin. Sie gedenkt des im Dezember 1950 verstorbenen Bischofs, Kardinal von Preysing, und jener Katholiken, die nicht nach Berlin kommen konnten oder durften. Mit besonderer Herzlichkeit dankt Frau Klausener dem Vertreter der evangelischen Laienbewegung, Präses Dr. Lothar Kreyßig (Magdeburg), für die vielen Zeichen bereitwilliger Hilfe, die dem Katholikentag von dieser Seite entgegengebracht wurden.
Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Karl Fürst zu Löwenstein, weist auf die monatelangen Vorbereitungen dieser Veranstaltung hin, die leider nicht ungestört blieben. Er habe daher nur das Bedürfnis, Dank zu sagen dafür, daß die Versammelten einen Anschauungsunterricht erteilten, wie die deutschen Katholiken wirklich denken. Hier erlebe man, daß Glauben und christliche Bruderliebe, durch Grenzen und Absperrungen sich nicht trennen ließen. "Wir danken Berlin, das uns allen, gerade uns Süddeutschen, ein Vorbild geworden ist", besonders aber seiner nichtkatholischen Bevölkerung für ihr Verständnis und ihre Unterstützung, "die wir als eine schwere Verpflichtung mit nach Hause nehmen werden".
Der katholische Bischof von Berlin, Wilhelm Weskamm, stellt klar, daß es sich beim Katholikentag um eine Glaubenskundgebung handele, die hier aber auch zweifellos der Gefahr unterliege, daß politische Töne hereingebracht würden, was jedem Teilnehmer eine erhöhte Verantwortung auferlege. Am Schluß der Eröffnungskundgebung verliest Bischof Weskamm die Grußbotschaft Papst Pius XII. an die Katholiken Deutschlands. Die Wahl Berlins zum Tagungsort, jenem neuralgischen Punkt entgegengesetzter Interessen und Welten, wertet er als einen Ausdruck dafür, wie sehr christliches Dasein sich zu vollziehen hat unter Hochspannungen ohnegleichen, die das gesamte geistige und öffentliche Leben durchdringen. Der Papst erinnert daran, daß er Berlin nicht vergessen könne, weil er dort Jahre froher und erfolgreicher Berufsarbeit im Dienste der Kirche verbrachte. Berlin, zur Zeit seiner Hochblüte eine Stadt mit Weltgeltung durch die Wucht ihrer industriellen und geistigen Leistung, sei heute Gegenstand der Weltachtung ob des erschütternd harten Schicksals, das der Krieg und seine Folgen über sie brachte und das seine Menschen mit zähem Mut gemeistert hätten.

Die in beiden Teilen der Stadt stattfindenden Tagungen der Arbeitsgemeinschaften - sie behandeln u. a. Themen wie "Gott oder ewige Materie?", "Wo ist Dein Bruder?", "Gottes Reich geht über alle Grenzen", "Bringt die Technik uns voran?", "Wie rettet der Christ das Recht?", "Wie bleiben wir Mensch in unserer Arbeit?", "Ist christliche Ehe heute möglich?" und "Mensch ohne Gott oder Mensch mit Gott" - werden erstmalig einem größeren Teilnehmerkreis zugänglich gemacht. Daneben veranstalten etwa 30 katholische Berufs- und Standesorganisationen ihre Arbeitstreffen.

Am "Tag der Begegnung" erklärt der Kölner Erzbischof, Joseph Kardinal Frings, vor 35 000 Jugendlichen in der Waldbühne, daß Berlin in diesen Tagen zu einer heiligen Stadt geworden sei, in der man die Fahne des Glaubens mit tatkräftiger Hilfe der evangelischen Brüder emporgehoben habe. Der Vizepräsident des Katholikentages, Oscar Neisinger (Würzburg), warnt die Glaubensbrüder im Osten davor, den ihnen augenblicklich viele Gebiete des öffentlichen Lebens versperrenden Zustand als eine Situation der Verinnerlichung und Beschaulichkeit zu preisen. Gewiß sei es gottgewollt, diese Ruhe zu nutzen als Pause der Besinnung und Erneuerung. "Aber wir warten auf den Tag der vollen Freiheit in allen Lebensgebieten für die Kirche im Osten."
Gleichzeitig mit der Jugendkundgebung in der Waldbühne findet wegen des großen Andrangs in den Messehallen am Funkturm eine Parallelveranstaltung statt, an der über 70 000 Menschen teilnehmen.

Mit mehreren Pontifikalämtern in Ost- und West-Berliner Kirchen wird der "Tag des Gebets" eingeleitet, darunter auch ein feierliches Hochamt nach byzantinischem Ritus in der St.-Sebastian-Kirche. Im Olympiastadion versammeln sich dann Zehntausende von Gläubigen zum Gebet des Katholikentages, das gleichzeitig in allen katholischen Kirchen Deutschlands und von Papst Pius XII. in Rom mitgebetet wird.

Auf der Gedenkfeier für die katholischen Märtyrer im Volkspark Rehberge, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft ihr Leben für ihren Glauben und ihre Überzeugung opferten, bekennt Ehrenkanonikus Peter Buchholz, katholischer Gefängnisseelsorger jener Jahre in Berlin, daß er angesichts des ungebrochenen Mutes, mit dem so viele aufrechte Gottesdiener in den Tod gingen, "zum Beschenkten statt zum Trostspender" geworden sei. Er mahnt alle aufrechten und wehrhaften Katholiken, den Kampf zu vollenden für den Sieg der Liebe über den Haß, um sich dieser Märtyrer - im nahegelegenen Gefängnis Plötzensee sowie an anderen Stellen wurden außer zahlreichen Laien 15 katholische Priester enthauptet und 400 weitere gingen elend zugrunde - würdig zu erweisen.
Berlins Bischof Weskamm bittet darum, wenn einmal in der Nähe von Plötzensee eine Kirche gebaut wird, sie den vierzig heiligen Märtyrern der ersten Christenzeit zu weihen.

Nachdem am Morgen des letzten Tages der apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Aloysius Muench, vor 100 000 Menschen im Olympiastadion eine Pontifikalmesse zelebriert und der Menge den apostolischen Segen erteilt hatte, kommen an gleicher Stelle am Nachmittag noch einmal rund 120 000 Gläubige zur Schlußkundgebung zusammen, während weitere Zehntausende keinen Einlaß mehr finden und auf dem Maifeld nebenan den Lautsprecherübertragungen folgen müssen. Die Präsidentin des Berliner Katholikentages, Hedwig Klausener, verliest ein Telegramm Bundeskanzler Dr. Adenauers, der darin die Hoffnung ausspricht, daß der Katholikentag allen Teilnehmern "in dieser Zeit schwerster weltanschaulicher Auseinandersetzungen" Kraft schenken werde. Nach kurzen Ansprachen des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karl Fürst zu Löwenstein, und von Nuntius Erzbischof Dr. Muench, erklärt der Berliner Bischof Weskamm in seinem Schlußwort, daß diese Tage zwei Freuden gebracht hätten: Das Gefühl für die "Einheit der Herzen" in der Kirche und die Erkenntnis der nun zur Wirklichkeit gewordenen Verbundenheit zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche.

Während des Katholikentages wird zum ersten Male nach dem Zweiten Weltkrieg im Dahlemer Museum der Welfenschatz wieder ausgestellt. Er besteht aus 43 Reliquienbehältern, Standkreuzen, Tragaltären, Monstranzen, anderem liturgischem Gerät und Buchdeckeln und war 1935 von seinem damaligen Besitzer, Herzog Ernst August von Braunschweig, an die preußischen Staatlichen Museen in Berlin verkauft worden. Zu Beginn des Krieges waren die einzelnen Stücke in verschiedenen westdeutschen Unterkünften eingelagert und nach dem Zusammenbruch nach Wiesbaden gebracht worden. Bürgermeister Dr. Schreiber dankt während der Eröffnung der Ausstellung, die mit einer Gemäldeschau über religiöse Malerei des 14. bis 17. Jahrhunderts verbunden ist, Bundesfinanzminister Dr. Schäffer für seine Hilfe beim Gelingen dieses Unternehmens.

1953

Die Behörden des sowjetischen Sektors eröffnen in der Sporthalle an der Stalinallee eine neue Verteilaktion beschlagnahmter Lebensmittel aus der amerikanischen Spende an angebliche West-Berliner Arbeitslose und Rentner. Der kommunistisch gelenkte "Zentrale Erwerbslosenausschuß" hatte bereits am 14. August vergeblich versucht, den im amerikanischen Sektor gelegenen "Sportpalast" für diese Aktion anzumieten.

1954

Der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Kurt Exner, übergibt die auf früherem Kleingartengelände von Notstandskräften erstellte Parkanlage "Thomashöhe" in den Rollbergen der Öffentlichkeit und betont in einer Ansprache die Bedeutung von Grünanlagen für die dicht bebauten Wohnviertel der Innenstadt.

Das sowjetzonale Ministerium für Kultur erläßt ein Statut für das "Zentralinstitut für Bibliothekswesen". Dieses Institut hat seinen Sitz in Ost-Berlin und bildet die zentrale Einrichtung zur Entwicklung und Anleitung der wissenschaftlich-methodischen Arbeit für die "allgemeinbildenden" Bibliotheken in der "DDR".

1955

RBD-Vizepräsident Stoll kündigt auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin an, daß die 1951 begonnenen Arbeiten am Berliner Güteraußenring voraussichtlich in zwei Jahren beendet werden können. Um den Ring völlig zu schließen, bliebe noch die Vollendung der Streckenabschnitte Birkenwerder-Wustermark und Golm-Saarmund, die aber noch große technische Schwierigkeiten bereite. So müßten zum Beispiel auf der Strecke Golm-Saarmund 7 Mill. Kubikmeter Erde bewegt, 12 Über- und Unterführungen sowie 7 Durchlässe angelegt und der 1,3 Kilometer breite Templiner See bei Potsdam mit einem Damm und einer 140 Meter langen Brücke überbaut werden.
Stoll betont, daß der Bau dieses 180 Kilometer langen Ringes, für den erste Pläne bereits in den Jahren 1908 bis 1912 ausgearbeitet und wovon in der Nazizeit nur kleine Teilstücke verwirklicht wurden, den Erfordernissen und Interessen des gesamtdeutschen und Gesamtberliner Eisenbahnverkehrs entspreche und keinesfalls, wie von West-Berliner Blättern behauptet, den Berliner S-Bahn-Verkehr beeinträchtige. Seine wesentliche Aufgabe bestehe darin, den Güterfernverkehr soweit wie möglich aus der Innenstadt herauszunehmen und auf die drei großen Verschiebebahnhöfe Wuhlheide, Wustermark und Seddin zu konzentrieren. Die Güterbahnhöfe im Stadtgebiet würden dann nur noch den Ortsgüterverkehr abzuwickeln haben. Beim Bau der neuen Streckenabschnitte seit 1951 sei an die künftige Entwicklung im Eisenbahnwesen gedacht worden, so daß dort auch schwerste Züge mit Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometer fahren können.
Für den Personenverkehr im Berliner Raum sei in der "Perspektivplanung" das sogenannte Kreuz vorgesehen, wodurch die bereits bestehende Ost-West-Verbindung über die Stadtbahn durch eine ebenfalls durchgehende unterirdische Nord-Süd-Verbindung ergänzt werden soll. Allerdings könne mit diesem Projekt "erst in der Zukunft" begonnen werden. Die gesamte Planung zeige also, daß von einer Abschnürung West-Berlins nicht die Rede sein könne.

Nach dem Austritt der Bundesminister Kraft und Prof. Oberländer aus dem BHE verlassen auch der Berliner Landesvorsitzende Athen, und andere Landesvorstandsmitglieder wegen interner Differenzen über den künftigen Kurs die Partei und bilden zunächst eine politische Arbeitsgruppe ohne eigenen Namen.

Während der "Kreuzberger Festlichen Tage" wird der Wasserfall auf dem Kreuzberg für kurze Zeit wieder in Betrieb genommen. Da das Pumpensystem noch zerstört ist, muß das Wasser aus naheliegenden Hydranten mit Feuerwehrschläuchen herangeführt werden.

1957

Fünftägiger Freundschaftsbesuch einer Regierungsdelegation der Mongolischen Volksrepublik unter Leitung des Vorsitzenden des Ministerrats, Jumshagin Zedenbal, in Ost-Berlin und der DDR.
Während ihres Aufenthalts besichtigt die Delegation Industriebetriebe, LPGs sowie kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen, wobei sie "Gelegenheit hat, sich mit den Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus in der DDR bekanntzumachen".
Nach Abschluß der Verhandlungen erklären beide Regierungsdelegationen in einem Kommuniqué, daß sie eine völlige Übereinstimmung ihrer Auffassungen über alle internationalen Fragen erzielten.

1958

49. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat genehmigt den Jahresabschluß und den Jahresbericht der BVG zum 31. Dezember 1956, die bei Einnahmen aus dem Verkehr von insgesamt 133,73 Mill. DM - davon Straßenbahn 50,10 Mill. DM; U-Bahn 25,50 Mill. DM; Bus 47,38 Mill. DM; Obus 2,68 Mill. DM und Schiffahrt 57 190 DM - einen Verlust von 7,178 Mill. DM ausweisen, der aus dem Eigenkapital abgedeckt werden soll.

Der Senat beschließt die Bildung eines Beirates bei der Senatsverwaltung für Jugend und Sport, der sich mit allen Fragen des jugendgefährdenden Schrifttums befassen und den Senator bei Antragstellungen an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften beraten soll; ihm gehören neben Vertretern der Verwaltungen für Jugend und Sport und für Volksbildung je ein Sachverständiger aus den Bereichen Jugendpsychologie, Tagespresse, Schrifttum, Kunst und Verlagswesen an.

Die Berliner Spruchkammer belegt in einem Sühneverfahren den jetzt als Kaufmann in Berlin lebenden früheren Reichsjugendführer Arthur Axmann mit einer Geldbuße von 35 000 DM. Diese Summe stellt knapp die Hälfte des Vermögens dar, das Axmann nach Abzug aller Belastungen aus seinen drei Berliner Grundstücken (Gesamtwert 75 000 DM) erzielen könnte.

1960

Der Ost-Berliner Magistrat bestätigt auf seiner Sitzung den vom Büro der Berliner SED-Bezirksleitung gefaßten Beschluß zur Durchsetzung des Beschlusses des Politbüros vom 12. Juli über die weitere Qualifizierung der Organe des Staatsapparates und übernimmt ihn als verbindlich für alle Organe der Staatsmacht von Ost-Berlin. Die Magistratsmitglieder werden persönlich verpflichtet, diesen Beschluß in ihren Arbeitsbereichen gründlich zu beraten und unverzüglich konkrete Maßnahmen, festzulegen, wie die Leitungstätigkeit verbessert werden soll. Mit der allseitigen Koordinierung und Kontrolle sowie mit der operativen Leitung des Apparates des Magistrats zur Durchführung der Beschlüsse wird der stellv. Oberbürgermeister W. Schmidt beauftragt und dafür verantwortlich gemacht.

Zu Ehren des verstorbenen früheren Stadtrates Orlopp beschließt der Magistrat die Umbenennung der Rittergutstraße im Bezirk Lichtenberg in Josef-Orlopp-Straße.

1960

Der Ost-Berliner Magistrat bestätigt auf seiner Sitzung den vom Büro der Berliner SED-Bezirksleitung gefaßten Beschluß zur Durchsetzung des Beschlusses des Politbüros vom 12. Juli über die weitere Qualifizierung der Organe des Staatsapparates und übernimmt ihn als verbindlich für alle Organe der Staatsmacht von Ost-Berlin. Die Magistratsmitglieder werden persönlich verpflichtet, diesen Beschluß in ihren Arbeitsbereichen gründlich zu beraten und unverzüglich konkrete Maßnahmen, festzulegen, wie die Leitungstätigkeit verbessert werden soll. Mit der allseitigen Koordinierung und Kontrolle sowie mit der operativen Leitung des Apparates des Magistrats zur Durchführung der Beschlüsse wird der stellv. Oberbürgermeister W. Schmidt beauftragt und dafür verantwortlich gemacht.

Zu Ehren des verstorbenen früheren Stadtrates Orlopp beschließt der Magistrat die Umbenennung der Rittergutstraße im Bezirk Lichtenberg in Josef-Orlopp-Straße.

1961

Volkspolizisten und Kampfgruppen-Mitglieder beginnen mit der Verbarrikadierung von Haustüren und Kellerfenstem der die Sektorengrenze zum West-Berliner Bezirk Wedding bildenden Häuser in der Schwedter- und in der Brunnenstraße und besetzen die Hausflure.

Der neue katholische Bischof Bengsch erhält von den DDR-Behörden keine Genehmigung zur Fahrt nach West-Berlin, so daß sein Amtsvorgänger Kardinal Döpfner dem Domkapitel in West-Berlin das Ernennungsdekret von Papst Johannes XXIII. vorlegen muß (vgl. 18. August). Tags darauf ernennt Bengsch Domkapitular Prälat Adolph zum Generalvikar als bevollmächtigten Vertreter des Bischofs in allen Fragen der Bistumsverwaltung in West-Berlin.

Angehörige von SED-Betriebskampfgruppen schließen die SPD-Kreisbüros in den Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg, was, so ADN, eine "Antwort auf brutale Willkürakte und Terrormaßnahmen" gegen SED-Büros in West-Berlin während der letzten Tage darstellen und vor weiteren Provokationen warnen soll.

1961

Im Auftrage Präsident Kennedys besucht Vizepräsident Johnson - begleitet von General Clay, US-Militärgouverneur 1947-1949 und Initiator der Berliner Luftbrücke, sowie von Sonderbotschafter Bohlen - für rund 36 Stunden die Stadt. Überall auf den Fahrten zu den verschiedenen Einrichtungen, u. a. dem Flüchtlings-Notaufnahmelager Marienfelde, begrüßen Hunderttausende von Berlinern begeistert die amerikanischen Gäste.

In der 67. (Außerordentlichen) Sitzung des Abgeordnetenhauses wie anschließend auf der Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus bekräftigt Johnson die Sicherheitsgarantie der Vereinigten Staaten in feierlicher Form und zitiert den Satz aus Präsident Roosevelts Inaugurationsrede von 1933: "Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst." Johnson führt mehrere Gespräche mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt, dem er die Antwort Präsident Kennedys auf dessen Brief vom 16. August übergibt, wobei er ergänzend hinzufügt, daß Brandt sich jederzeit vertrauensvoll an den Präsidenten wenden könne.

In den Mittagsstunden des 20. August begrüßt Johnson am Zehlendorfer Kleeblatt die auf Anordnung Präsident Kennedys (vgl. 16. August) über die Autobahn Helmstedt-Berlin entsandte, rund 1500 Soldaten starke Kampfgruppe des in Mannheim stationierten 18. US-Infanterie-Regiments unter dem Befehl von Oberst Glover S. Johns. Die sich anschließende Fahrt durch verschiedene, von Menschen dicht gesäumten Hauptstraßen West-Berlins gleicht einem Triumphzug. General Clay und Botschafter Bohlen besichtigen im Wagen des amerikanischen Stadtkommandanten den Ostteil der Stadt.

1966

Der Aufsichtsrat der zum bundeseigenen Salzgitter-Konzern gehörenden Deutschen Industrie-Werke AG (DIW) in Spandau erklärt auf einer außerordentlichen Sitzung in Hannover sein Einverständnis mit der Übernahme der Firma durch die Kieler Howaldts-Werke AG zum 1. Januar 1967 als selbständige Betriebsabteilung unter Beibehältung des Namens, um die Produktion zu sichern, die Kapazitätsausnutzung zu verbessern und zusätzliche Rationalisierungsmöglichkeiten zu schaffen.

1971

Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der SED, Erich Honecker, empfängt den Vorsitzenden der SEW, Gerhard Danelius, um aktuelle Fragen zu erörtern. (Vgl. 11. Juni.) Die Aussprache ist laut ADN durch völlige Übereinstimmung in allen behandelten Fragen gekennzeichnet.

1972

In der Kongreßhalle am Alexanderplatz wird die Olympia-Mannschaft der DDR feierlich im Namen der Regierung der DDR verabschiedet. (Vgl. 9. August.) Die Zahl der Sportlerinnen und Sportler, die bei den in München stattfindenden XX. Olympischen Sommerspielen für die DDR an den Start gehen werden, hat sich durch einige Nachnominierungen auf 330 erhöht.

1979

Am Kai an der Hansabrücke in Tiergarten legt das neue Hotelschiff "Spree Berlin" an. Das 262-Betten-Schiff nimmt drei Tage später die ersten Hotelgäste auf.

1986

DDR-Staats- und Parteichef Honecker empfängt im Staatsratsgebäude den Krupp-Aufsichtsratsvorsitzenden Beitz zu einem Meinungsaustausch über den gegenwärtigen Stand der deutsch-deutschen Beziehungen in Handel und Wirtschaft. Tags darauf erörtert Beitz in seiner Eigenschaft als IOC-Vizepräsident mit dem NOK-Präsidenten der DDR, Ewald, Probleme des internationalen Sportverkehrs sowie der olympischen Bewegung.

Im Rahmen einer Feierstunde verleiht der 1865 in Leipzig gegründete Deutsche Staatsbürgerinnen-Verband, Deutschlands älteste überparteiliche und überkonfessionelle Frauenorganisation, an die Berliner CDU-Politikerin Lieselotte Berger den Titel "Frau des Jahres" in Würdigung ihrer über 13 Jahre währenden "engagierten Arbeit" als Vorsitzende des Bundestags-Petitionsausschusses, dessen Funktion als soziales Frühwarnsystem sie habe beachtlich ausbauen und intensivieren können.

1987

Im Hamburger Bahnhof begrüßt der Regierende Bürgermeister Diepgen eine Gruppe ehemaliger Berliner aus Israel und den USA - darunter den 20 000. Gast seit Bestehen der Einladungsaktion im Jahre 1969, Elisabeth Beck aus Haifa, und Hans Steinitz, den ehemaligen Chefredakteur des "Aufbau" in New York, der maßgeblich am Zustandekommen dieses Programms mitgewirkt hatte.

1993

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung "Das Schloß?" im Innhof der Stadtschloßattrappe auf dem Marx-Engels-Platz in Berlin-Mitte (vgl. 30. Juni) sagt der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen: "Wenn es moderne Architektur nicht schafft, dann muß auf Architektur von gestern zurückgegriffen werden." In diesem Sinne halte er es für denkbar, daß Teile des Stadtschlosses gegebenenfalls wiederentstehen könnten. Die Idee vom Wiederaufbau des Schlosses sei seriös, davon überzeuge ihn die Ausstellung. Im städtebaulichen Wettbewerb um die Mitte Berlins sollten aber zuallererst moderne Architekten eine Chance erhalten.

2004

Im Alter von 62 Jahren stirbt in Berlin der FDP-Politiker Günter Rexrodt, ehemaliger Berliner Finanzsenator und Bundeswirtschaftsminister, der von 2000 bis 2004 den Berliner FDP-Landesverband führte. (Vgl. 24. April.)
Etwa 600 Trauergäste kommen am 29. August in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, um dem verstorbenen FDP-Politiker die letzte Ehre zu erweisen. An der Trauerfeier nehmen auch Bundespräsident Horst Köhler, der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle, die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit teil. Nach der Trauerfeier wird Rexrodt auf dem Friedhof an der Heerstraße beerdigt.

2013

Im Alter von 76 Jahren stirbt in Berlin der FDP-Politiker Wolfgang Lüder. Von 1971 bis 1981 war er Berliner FDP-Vorsitzender, von 1975 bis 1981 Wirtschaftssenator, von 1976 bis 1981 Stellvertreter des Regierenden Bürgermeisters und von 1987 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestags. Seit 2010 fungierte er als Vorsitzender der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Berlin e. V. 2012 wurde ihm die Würde eines Stadtältesten von Berlin verliehen. Am 12. September findet auf dem Waldfriedhof Zehlendorf die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung statt.

2015

Im Alter von 93 Jahren stirbt in Berlin Egon Bahr, Ehrenbürger von Berlin. Unter dem von ihm geprägten Leitgedanken »Wandel durch Annäherung« war der SPD-Politiker, ein enger Wegbegleiter von Willy Brandt (1913–1992), Vordenker und Architekt der neuen deutschen Ostpolitik. Brandt, Regierender Bürgermeister ab 1957, hatte den Journalisten 1960 als Senatssprecher ins Rathaus Schöneberg geholt. Als Brandt 1966 Bundesaußenminister wurde, machte er Bahr zum Sonderbotschafter und Chef des Planungsstabs im Auswärtigen Amt. Unter Brandt als Kanzler handelte Bahr in Moskau 1970 als Kanzleramtsstaatssekretär den deutsch-sowjetischen Vertrag aus. Nach diesem Muster folgten der Vertrag mit Polen und der Grundlagenvertrag mit der DDR. Von 1972 bis 1990 gehörte Bahr dem Deutschen Bundestag an, von 1972 bis 1974 war er Bundesminister für besondere Aufgaben, von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und von 1976 bis 1981 Bundesgeschäftsführer der SPD.
Am 7. September wird Egon Bahr auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte beigesetzt. Zu den Trauergästen gehören der SPD-Bundesvorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der Regierende Bürgermeister Michael Müller und der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck.
Am 17. September findet in der St. Marienkirche am Alexanderplatz eine Gedenkfeier statt, mit der Berlin Abschied von seinem Ehrenbürger nimmt. Vor rund 400 Gästen würdigen Altbischof Wolfgang Huber, der Regierende Bürgermeister Müller, Vizekanzler Gabriel und der frühere US-Außenminister Henry Kissinger die Verdienste des Verstorbenen.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 19.08.2019)